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. 2023 Apr 17;10(2):31–37. [Article in German] doi: 10.1007/s15036-023-3205-3

Bewährtes und Neues im Management der Helicobacter-pylori-Infektion

Wolfgang Fischbach 1,✉
PMCID: PMC10106274

Die Helicobacter-pylori-Infektion ist in Deutschland mit einer Prävalenz von etwa 30 % immer noch weit verbreitet und kann zu Folgeerkrankungen, wie gastroduodenale Ulkuskrankheit, MALT-Lymphom, Magenkarzinom, Dyspepsie, und einigen extragastralen Erkrankungen führen. Mit der aktualisierten S2k-Leitlinie haben sich für das Management der Helicobacter-pylori-Infektion neben bewährten Empfehlungen auch einige wichtige Änderungen ergeben.

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Nach den Jahren 2009 [1] und 2016 [2] liegt nunmehr eine neue aktualisierte deutsche Leitlinie "Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit" vor [3]. Sie hat die veränderten epidemiologischen Umstände, die aktuellen Resistenzen gegen Antibiotika und die sich daraus ergebenden Folgen für die Behandlung der Infektion sowie neue Erkenntnisse zur Indikation der Eradikation von Helicobacter pylori (H. pylori) bewertet. Zugleich wurden internationale Konsensusberichte wie der Kyoto Konsensusreport 2015 [4] und der Florence V/Maastricht Konsensusreport 2017 [5] berücksichtigt. Federführend von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) koordiniert, waren neun weitere Fachgesellschaften beteiligt, um so das ganze klinische Spektrum der Thematik aus der Sicht aller beteiligten Disziplinen abzudecken. Die Leitlinie soll dabei auf der Basis der verfügbaren Evidenz und unter Berücksichtigung deutscher Besonderheiten einen praktikablen Umgang mit H. pylori aufzeigen Was ergibt sich für das Management der H. pylori-Infektion?

Die wichtigste Empfehlung der neuen Leitlinie steht in der Präambel, da sie einen Paradigmenwechsel einleitet: "Die H. pylori-Infektion ist eine bakterielle Erkrankung des Magens, unabhängig von Symptomen oder klinischem Erscheinungsbild. Ein Test auf eine H. pylori-Infektion impliziert im Erwachsenenalter im Falle eines Erregernachweises eine Therapieindikation. Die Entscheidung für eine mögliche Eradikationsbehandlung sollte demnach vor der Diagnostik getroffen werden". Der alte Algorithmus Test auf H. pylori - Keimnachweis - Therapieindikation? - Therapie ist deshalb in seiner Abfolge geändert worden. Am Anfang steht die Entscheidung für eine Eradikation im Falle eines Erregernachweises, erst dann folgt die Diagnostik. Als Entscheidungshilfe für einen Test auf H. pylori können die assoziierten Erkrankungen und Beschwerden oder die potenziellen Folgen einer unbehandelten Infektion gelten, wie sie in der ▶Tab. 1 dargestellt sind. Gemäß der Leitlinienterminologie sind darin die Empfehlungen graduiert: "soll" = starke Empfehlung; "sollte" = Empfehlung; "kann" = Empfehlung offen. Betrachtet man die Tabelle, so wird deutlich, dass die H. pylori-Eradikation sowohl therapeutische als auch präventive Aspekte verfolgt. Nachfolgend werden einige dieser H. pylori assoziierten Erkrankungen oder Folgeerscheinungen näher betrachtet, weil sie neu bewertet worden sind. Für Ulzera ventrikuli/duodeni besteht unverändert die klare Empfehlung einer Eradikationsbehandlung. Sie gründet auf der Erkenntnis, dass die erfolgreiche H. pylori-Eradikation nicht nur eine Ulkusabheilung bewirkt, sondern auch Rezidive verhindert, also zu einer Heilung der Ulkuskrankheit führt. Für die gastralen MALT-Lymphome gibt es eine überzeugende Evidenz dafür, dass die Keimeradikation zu einer kompletten und anhaltenden Lymphomregression führt. Eine onkologische Therapie in Form der Strahlen- oder Chemotherapie ist nur noch in Ausnahmefällen erforderlich. Bezüglich der seltenen, nachfolgend nicht näher ausgeführten Entitäten wird auf die Leitlinie verwiesen.

Indikation Soll Sollte Kann
Ulkus ventrikuli/duodeni X
Gastrales MALT-Lymphom X
Gastrales diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom X
Magenkarzinom X
Dyspepsie X
Idiopathische thrombozytopenische Purpura X
Morbus Menetrier, lymphozytäre Gastritis X
Sjögren-Syndrom X
IgA-Vaskulitis X
Ungeklärte Eisenmangelanämie X
ASS-/NSAR-Dauermedikation X*
Antikoagulation (VKA, NOAKs, Heparin) X*
nsNSAR = nicht selektives nicht steroidales Antirheumatikum; NOAK = neue orale Antikoagulanzien; VKA = Vitamin-K-Antagonisten; *Bei erhöhtem Risiko für Ulkuskrankheit bzw. -komplikationen: siehe Text

Der alte Algorithmus "Test auf H. pylori - Keimnachweis - Therapieindikation? - Therapie" ist in seiner Abfolge geändert worden. Am Anfang steht die Entscheidung für eine Eradikation im Falle eines Erregernachweises, erst dann folgt die Diagnostik.

Dyspepsie

Die starke Empfehlung für eine Testung auf H. pylori bei Patienten mit Dyspepsie gründet auf zwei Überlegungen: Zum einen ist nur so eine Differenzierung zwischen einer H. pylori-assoziierten und einer funktionellen Dyspepsie möglich. Zum anderen wissen wir aus zahlreichen Studien und Metaanalysen, dass eine erfolgreiche Keimeradikation bei zirka 10 % der Patienten mit Dyspepsie zu einer anhaltenden Symptombesserung führt. Bei Individuen unter 50 Jahren und fehlenden Alarmzeichen (keine Gewichtsabnahme, keine Dysphagie, keine Anämie) kann die Diagnostik durchaus nicht invasiv ohne Gastroskopie erfolgen. Dafür muss allerdings noch eine Vergütung durch die Kostenträger erreicht werden.

Dauermedikation mit ASS oder NSAR

"Vor einer geplanten Dauermedikation mit niedrig dosiertem ASS oder mit traditionellen nicht steroidalen Antitheumatika (NSAR) sollen Patienten mit erhöhtem Risiko für eine Ulkuskrankheit oder -komplikation auf H. pylori untersucht und bei Erregernachweis einer Eradikationstherapie zugeführt werden". In diesem Zusammenhang ist es, nicht zuletzt angesichts der vielen Patienten mit ASS- und NSAR-Einnahme, wichtig darauf hinzuweisen, dass sich die Empfehlung zur H. pylori-Testung auf Risikopersonen reduziert. Hierzu rechnet man Individuen über 60 Jahre, die zusätzlich eine Ulkusanamnese oder weitere Risikofaktoren wie schwere Begleiterkrankungen und eine relevante Komedikation (P2Y12-Inhibitoren, Antikoagulanzien und systemische Steroide) aufweisen. Die Diagnostik in dieser Situation kann nicht invasiv erfolgen. Hier ergibt sich allerdings das gleiche Problem der Kostenerstattung wie bei der nicht invasiven Abklärung der Dyspepsie. Den Entscheidungsträgern der Leitlinie war diese Problematik durchaus bewusst. Sie waren hingegen der Ansicht, dass die Evidenz in der Literatur für die ausgesprochene Empfehlung nicht durch die derzeitige Erstattungssituation relativiert werden dürfe. Im Kommentar zu dieser Empfehlung wird betont, dass "eine Vergütung durch die Kostenträger für die nicht invasive Diagnostik in dieser Situation ausdrücklich empfohlen wird".

Magenkarzinomprävention

In der neuen Leitlinie wird eine klare Empfehlung für die H. pylori-Eradikation bei Risikopersonen für ein Magenkarzinom ausgesprochen. Hierzu zählen

  • erstgradig Verwandte von Patienten mit Magenkarzinom,

  • Personen, die in H. pylori-Hochprävalenz- und Hochinzidenzgebieten für das Magenkarzinom geboren und/oder aufgewachsen sind (Asien, Osteuropa, Mittel- und Südamerika),

  • Patienten mit fortgeschrittener, korpusprädominanter atrophischer Gastritis (OLGA 3/4, OLGIM 3/4),

  • Patienten mit früheren Magenneoplasien (Adenom, Frühkarzinom) nach endoskopischer Resektion oder Magenteilresektion)

Die aktuelle Leitlinie geht gegenüber ihren Vorgängerinnen aber noch einen Schritt weiter und regt Folgendes an: "Eine Testung auf H. pylori kann asymptomatischen Patienten ab dem Alter von 50 Jahren in einem allgemeinen Vorsorgegespräch, zum Beispiel im Rahmen der kolorektalen Karzinomvorsorge angeboten werden". Dies ist zugleich ein häufig schon praktiziertes wie auch umstrittenes Vorgehen.

Was ist der Hintergrund für diese präventive Strategie? Obwohl seit Jahrzehnten eine rückläufige Inzidenz des Magenkarzinoms zu beobachten ist, gehört es noch immer zu den häufigen Tumorarten. Mit einer altersspezifischen Inzidenz von 7-10/100.000 Einwohner zeigt Deutschland im weltweiten Vergleich zwar eine niedrige bis intermediäre Häufigkeit, allerdings erkrankten nach den Angaben des Robert Koch-Instituts in Deutschland im Jahr 2016 immerhin noch zirka 15.000 Personen neu an einem Magenkarzinom. Hinzu kommt die schlechte Prognose des Magenkarzinoms, das meist erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert wird. Nach der EUROCARE-5-Studie, die die größte bevölkerungsbasierte Datenbank für das Überleben von Krebspatienten darstellt, beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate bei Magenkarzinom europaweit 25 % und in Deutschland 31 % [6]. Vor diesem Hintergrund scheint es nur berechtigt, die bestehenden Möglichkeiten der Magenkarzinomprävention voll auszuschöpfen. Es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass die WHO bereits im Jahr 1994 H. pylori als Karzinogen der Klasse 1 eingestuft hat [7]. Heute herrscht der allgemeine Konsens, dass H. pylori der wesentliche Risikofaktor für das Magenkarzinom und für eine Subgruppe der Karzinom am ösophagogastralen Übergang ist.

H. pylori-Infektion

Diagnostik

Zum Nachweis von H. pylori stehen nicht invasive und invasive Testverfahren zur Verfügung. Unter den nicht invasiven Methoden können 13C-Harnstoff-Atemtest und Stuhl-Antigentest mit monoklonalen Antikörpern für die Diagnostik von H. pylori, wie für die Beurteilung des Eradikationserfolges als gleichwertig angesehen werden. Dagegen ist der serologische Nachweis von IgG-Antikörpern zur Therapiekontrolle nicht geeignet, da er nicht zwischen aktiver und durchgemachter Infektion unterscheiden kann. Auf die Bestimmung von Virulenzfaktoren kann im klinischen Alltag verzichtet werden.

In der neuen Leitlinie wird eine klare Empfehlung für die H. pylori-Eradikation bei Risikopersonen für ein Magenkarzinom ausgesprochen.

Die frühere Forderung, dass zur Vermeidung falsch positiver Befunde bei niedriger Prävalenz von H. pylori in unserer Bevölkerung immer zwei positive Testergebnisse für die sichere Diagnose einer H. pylori-Infektion vorliegen sollten, ist in der aktuellen Version differenziert worden. So werden der histologische Nachweis von H. pylori in Kombination mit einer chronisch aktiven Gastritis als ausreichend für die Diagnose erachtet. Aufgrund der hohen Prävalenz von H. pylori bei Ulkus duodeni ist auch hier ein einzelner positiver Test ausreichend. Formal gilt dies nicht für den Nachweis von H. pylori mittels nicht invasiver Verfahren bei Dyspepsie, vor ASS-/NSAR-Dauertherapie und im Rahmen der Magenkarzinomprävention. Hier ist ein pragmatisches Vorgehen gefragt, das eine Eradikationstherapie auch auf der Basis eines einzelnen positiven Tests vorsieht, sofern nicht eine Indikation zur Endoskopie besteht. Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass eine Vergütung der nicht invasiven Tests in den angesprochenen Situationen durch die Kostenträger noch zu erreichen ist.

Die frühere Forderung, dass zur Vermeidung falsch positiver Befunde bei niedriger Prävalenz von H. pylori in unserer Bevölkerung immer zwei positive Testergebnisse für die sichere Diagnose einer H. pylori-Infektion vorliegen sollten, ist in der aktuellen Leitlinienversion differenziert worden.

Nicht invasive wie invasive Testverfahren zeichnen sich durch eine hohe Sensitivität und Spezifität aus. Dennoch sind für eine zuverlässige Diagnostik von H. pylori bestimmte Kriterien zu berücksichtigen. Zu achten ist auf

  • Mindestzeitintervalle: zwei Wochen nach Ende einer Protonenpumpeninhibitor (PPI)-Therapie und vier Wochen nach vorangegangener Eradikationsbehandlung oder sonstiger Antibiotikatherapie,

  • potenzielle Störfaktoren (bakterielle Überwucherung des Magens: falsch positive Tests; obere gastrointestinale Blutung, Zustand nach Magenteilresektion, Magenkarzinom, MALT-Lymphom: unter Umständen falsch negative Tests).

Therapie

Erstlinientherapie

Die Leitlinie empfiehlt eine empirische Erstlinientherapie mit einer Bismuth-haltigen Quadrupeltherapie für mindestens zehn Tage. Damit wird die Therapie der H. pylori-Infektion entscheidend vereinfacht, entfällt doch die früher notwendige initiale Einschätzung einer (meist ohnehin nicht bekannten) Clarithromycin-Resistenz.

Unter Berücksichtigung der Risikofaktoren für Ulzera und deren Komplikationen gilt es über eine PPI-Begleitmedikation zur Prävention oder Behandlung von gastroduodenalen Ulzera zu entscheiden.

Eine Alternative zur empirischen Erstlinientherapie stellt die resistenzbasierte Therapie dar. Eine solche empfindlichkeitsgesteuerte Therapiestrategie wäre grundsätzlich wünschenswert, ist aber derzeit aus verschiedenen Gründen (noch) nicht flächendeckend durchsetzbar. Die alte duale Hochdosistherapie mit Amoxicillin (3 × 1 g) und PPI (2 × doppelte Standdarddosis) für 14 Tage kann ebenfalls im Einzelfall bedacht werden. Eine primäre Resistenz gegen Amoxicillin ist bislang extrem selten. Neuere Daten zeigen eindrucksvoll die Effektivität dieser Therapie, die in einer randomisierten Studie sogar der Bismuth-basierten Quadrupeltherapie überlegen war [8].

Zweitlinientherapie

Die Zweitlinientherapie soll, unter konsequenter Berücksichtigung der Resistenztestung, mit einer Standard-Tripel-Therapie (Amoxicillin, Clarithromycin, PPI) oder einer Fluorochinolon-haltigen Tripeltherapie über 14 Tage durchgeführt werden. Dabei kann auch nachträglich am Biopsiematerial eine molekulare Resistenztestung gegen Clarithromycin und Flurochinolone veranlasst werden.

Das Vorgehen bei der Therapie der H. pylori-Infektion zeigt ▶Abb. 1.

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Besonderheiten bei Kindern und Jugendlichen

Ein eigenes Kapitel in der Leitlinie führt die Besonderheiten bei Kindern und Jugendlichen aus. Die Eigenständigkeiten in diesem Lebensalter hinsichtlich Diagnostik und Therapie beruhen vor allem auf einer anderen Nutzen-Risiko-Abwägung. Das Kind muss mit hoher Wahrscheinlichkeit von der Eradikation unmittelbar profitieren. Präventive Aspekte zur Verhinderung von H. pylori-assoziierten Folgeerkrankungen treten in den Hintergrund und können auf das Erwachsenenalter zurückgestellt werden.

Eine Test-and-Treat-Strategie mit einem nicht invasiven Test wird bei Kindern und Jugendlichen abgelehnt, da grundsätzlich eine an der Resistenzlage orientierte Dreifachtherapie über 14 Tage empfohlen wird. Dies setzt eine Gastroskopie voraus, bei der Biopsien für die Histologie und für eine antibiotische Resistenztestung zu entnehmen sind.

Nicht H. pylori-assoziierte gastroduodenale Ulzera

Dem Themenkomplex nicht H. pylori-assoziierte gastroduodenale Ulzera widmet sich ein eigenes Kapitel in der neuen Leitlinie. Vorangestellt wird die Empfehlung, bei einer gastroduodenalen Ulkuskrankheit, die weder auf einer H. pylori-Infektion noch auf der Einnahme von ASS und/oder NSAR beruht, nach selteneren Ursachen zu suchen (▶Tab. 2). Unter Berücksichtigung der Risikofaktoren für Ulzera und deren Komplikationen gilt es über eine PPI-Begleitmedikation zur Prävention oder Behandlung von gastroduodenalen Ulzera zu entscheiden. Die verschiedenen klinischen Szenarien, die sich in diesem Zusammenhang ergeben können, und die graduierten Empfehlungen hierfür sind in ▶Tab. 3 aufgelistet.

Entzündliche Erkrankungen

▶ eosinophile Gastroenteritis

▶ Morbus Crohn

▶ Morbus Behcet

▶ Sarkoidose

▶ Vaskulitiden

Idiopathisch Infektionen

▶ Zytomegalievirus (CMV)

▶ Herpes simplex Virus (HSV)

▶ Candida, Epstein-Barr-Virus, Helicobacter heilmannii, Mucorales, Mykobakterien, Treponema pallidum

Ischämien oder Nekrosen

▶ kürzlich durchgeführte transarterielle Chemoembolisation (TACE)

▶ kürzlich durchgeführte perkutane Strahlentherapie oder Radioembolisation (SIRT)

▶ kürzlich durchgeführtes Coiling (am Magen oder Duodenum)

▶ Crack-Kokain-Abusus

▶ Amphetamin-Abusus

Medikamenten-induziert oder -assoziiert

▶ selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI)

▶ Biphosphonate, Kalium

▶ Sirolimus, Mycophenolat,

▶ Chemotherapie (z. B. 5-FU oder MTX)

▶ Spironolakton

Neuroendokrine Tumoren bzw. Mediator-induziert

▶ Gastrinome (einschließlich MEN-1)

▶ systemische Mastozytose

▶ Basophilie bei myeloproliferativen Erkrankungen (basophile Leukämie, CML)

Obstruktion

▶ Duodenalstenose (z. B. bei Pankreas anulare)

Postoperativ

▶ Antrumausschluss

▶ Magenbypass

Schwere Erkrankungen ("Stressulzera")

▶ bei Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS)

▶ Schock mit Hypotension, Sepsis, Polytrauma, Verbrennungen, Schädel-Hirn-Trauma (SHT) mit neurochirurgischer Operation

▶ Leber-/Nierenversagen

▶ andauernde mechanische Beatmung

Tumorinfiltration

▶ zum Beispiel bei Pankreaskarzinom

Medikation Klinische Konstellation PPI-Komedikation
nsNSAR vor Beginn einer Dauertherapie bei > 1 Risikofaktor oder bei Ulkus(blutung) unter nsNSAR soll
Coxib vor Beginn einer Dauertherapie bei > 1 Risikofaktor sollte
nsNSAR plus ASS oder P2Y2-lnhibitor oder Antikoagulanzien oder SSRI soll
ASS/P2Y2-lnhibitor/NOAK/VKA vor Monotherapie plus > 1 Risikofaktor sollte
ASS/P2Y2-lnhibitor/NOAK/VKA nach Ulkusblutung unter Monotherapie soll
Zwei gerinnungsaktive Substanzen Kombinationstherapie soll
SSRI bei Ulkusanamnese oder Komedikation mit nsNSAR Coxib, ASS oder P2Y2-Inhibitor sollte
SSRI bei Komedikation mit DOAK oder VKA kann
Intensivpatienten invasive Beatmung > 48 Stunden oder ≥ 2 Risikofaktoren sollte
nsNSAR = nicht selektives nicht steroidales Antirheumatikum; Coxib = Cyclooygenase-2 (COX-2)-Hemmer; NOAK = neue orale Antikoagulanzien; VKA = Vitamin-K-Antagonisten; SSRI = selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer

Fazit für die Praxis

  • Die H. pylori-Infektion ist eine zu behandelnde Magenerkrankung, unabhängig von Symptomen und klinischer Manifestation.

  • Der Nachweis von H. pylori impliziert im Erwachsenenalter eine Eradikationsbehandlung.

  • Die Entscheidung für eine H. pylori-Testung orientiert sich an möglichen Beschwerden, Erkrankungen und potenziellen zukünftigen Folgen der Infektion.

  • Für die Diagnostik stehen nicht invasive Nachweisverfahren (13C-Harnstoff-Atemtest oder Stuhlantigennachweis) oder invasive Tests mittels Endoskopie und Biopsie zur Verfügung.

  • Nicht invasive Tests bieten sich bei jüngeren Individuen (< 50 Jahre) und fehlenden Alarmzeichen an. Sie werden derzeit nicht immer vergütet.

  • Die empirische Erstlinientherapie erfolgt mit einer Bismuth-haltigen Quadrupeltherapie über zehn Tage.

  • Die Zweitlinientherapie setzt eine Resistenztestung voraus.

  • Bei Kindern und Jugendlichen sind Besonderheiten in Diagnostik und Therapie zu beachten.

  • Für Personen mit erhöhtem Risiko für Ulkus und deren Komplikationen besteht die Notwendigkeit einer PPI-Begleitmedikation zur Prävention und Behandlung nicht H. pylori-assoziierter Ulzera.

    Die H. pylori-Infektion ist eine zu behandelnde Magenerkrankung, unabhängig von Symptomen und klinischer Manifestation.

    Die empirische Erstlinientherapie einer H. pylori-Infektion erfolgt mit einer Bismuth-haltigen Quadrupeltherapie über zehn Tage.

Prof. Dr. med. Wolfgang Fischbach.

Vorsitzender GastroLiga

em. CA Medizinische Klinik II Klinikum Aschaffenburg

Akad. Lehrkrankenhaus der Universität Würzburg

Elisenstraße 32, 63739 Aschaffenburg

wuk.fischbach@gmail.com

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Bewährtes und Neues im Management der Helicobacter-pylori-Infektion

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Welche der folgenden Aussagen zu H. pylori ist ist richtig?

Ist meist ein Zufallsbefund ohne Handlungsbedarf.

Ist eine bakterielle Erkrankung des Magens unabhängig von Symptomen oder klinischem Erscheinungsbild, die eine Therapieindikation darstellt.

Ist ein irrelevantes Symptom.

Ist ein zu behandelndes Symptom.

Ist eine im Einzelfall zu behandelnde Diagnose.

Welche der folgenden Aussagen gilt für einen positiven H. pylori-Nachweis?

Muss immer durch einen zweiten Erregernachweis bestätigt werden.

Muss eine Ösophagogastroduodenoskopie nach sich ziehen, sofern der Nachweis mittels eines nicht invasiven Tests erhoben worden war.

Bedeutet im Erwachsenenalter eine Indikation zur Keimeradikation.

Zieht keine diagnostischen oder therapeutischen Konsequenzen nach sich.

Kann zeitversetzt kontrolliert werden.

Was ist keine Indikationen zur Testung auf H. pylori?

Ulkus ventrikuli oder duodeni

Bestehende Risikofaktoren für ein Magenkarzinom

Dyspeptische Beschwerden

Eine idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP)

Eine bestehende Refluxkrankheit

Wer sind keine Risikopersonen für ein Magenkarzinom?

Verwandte von Personen mit kolorektalen Adenomen oder Karzinomen

Erstgradig Verwandte von Personen mit Magenkarzinom

Patienten mit fortgeschrittener, Korpus-dominanter atrophischer Gastritis

Patienten nach endoskopischer Resektion eines Magenadenoms oder -frühkarzinoms

Patienten nach Magenteilresektion bei Magenneoplasien

Welche der nachfolgenden Aussagen zu H. pylori trifft zu?

Eine erfolgreiche Keimeradikation führt bei der Mehrheit der Patienten mit Dyspepsie zur Beschwerdefreiheit.

Eine erfolgreiche Keimeradikation führt bei zirka 10 % der Patienten mit Dyspepsie zur Beschwerdefreiheit.

Die H. pylori-assoziierte Dyspepsie und die funktionelle Dyspepsie sind Synonyme und beschreiben das gleiche Krankheitsbild.

Dyspeptische Beschwerden bedürfen immer einer endoskopischen Abklärung.

Dyspepsie erhöhte das Risiko für Ulzera ventrikuli/duodeni.

Was eignet sich nicht zur Beurteilung des Eradikationserfolges?

Die Histologie

Der Ureaseschnelltest

Der serologische Nachweis von IgG-Antikörpern

Der 13C-Harnstoff-Atemtest

Der Stuhlantigentest

Welche der nachfolgenden Aussagen zur H. pylori-Diagnostik trifft zu?

Ein Test auf H. pylori kann jederzeit, auch unter laufender PPI-Medikation erfolgen.

Für eine zuverlässige Diagnose einer H. pylori-Infektion sind immer zwei positive Testverfahren erforderlich.

Störfaktoren gibt es bei der H. pylori-Diagnostik nicht.

Es sind Mindestzeitintervalle nach PPI-Medikation oder antibiotischer Therapie zu beachten.

Für Deutschland wird eine allgemeine Test-and-Treat-Strategie empfohlen.

Welches ist die empfohlene Erstlinientherapiezur H. pylori-Eradikation?

Die italienische Tripeltherapie mit PPI, Metronidazol und Clarithromycin über sieben Tage

Die französische Tripeltherapie mit PPI, Amoxicillin und Metronidazol über sieben Tage

Die italienische oder französische Tripeltherapie über 14 Tage

Die Bismuth-basierte Quadrupeltherapie für mindestens zehn Tage

Alle Protokolle in Kombination mit einer Probiotikagabe

Welche Aussagen zu H. pylori ist falsch?

Die aktuelle Leitlinie basiert auf Vorgängern und internationalen Konsensusreporten.

Die Zweitlinientherapie soll auf der Basis einer Resistenztestung erfolgen.

Eine sinnvolle Drittlinientherapie gibt es nicht.

Die Bestimmung der Virulenzfaktoren wird nicht empfohlen.

Die Empfehlungen zum H. pylori-Management bei Kindern und Jugendlichen unterscheiden sich in manchen Punkten von denen bei Erwachsenen.

Welche der nachfolgenden Aussagen zu Medikation bei H. pylori ist richtig?

Alle Patienten mit einer ASS-Dauermedikation sollen auf H. pylori getestet und gegebenenfalls behandelt werden.

Alle Patienten mit einer NSAR-Dauermedikation sollen auf H. pylori getestet und gegebenenfalls behandelt werden.

Ein nicht invasiver Test auf H. pylori vor ASS- oder NSAR-Medikation wird von den Kostenträgern erstattet.

Nicht-ASS- oder -NSAR-Thrombozytenaggregationshemmer oder Antikoagulanzien gehen nicht mit einem erhöhten Ulkusblutungsrisiko einher.

Für nicht H. pylori-assoziierte Ulzera bietet sich eine PPI-Begleitmedikation an.

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass er sich bei der Erstellung des Beitrags von keinen wirtschaftlichen Interessen leiten ließ. Er legt folgende potenzielle Interessenkonflikte offen: keine.

Der Verlag erklärt, dass die inhaltliche Qualität des Beitrags durch zwei unabhängige Gutachten geprüft wurde. Werbung in dieser Zeitschriftenausgabe hat keinen Bezug zur CME-Fortbildung. Der Verlag garantiert, dass die CME-Fortbildung sowie die CME-Fragen frei sind von werblichen Aussagen und keinerlei Produktempfehlungen enthalten. Dies gilt insbesondere für Präparate, die zur Therapie des dargestellten Krankheitsbildes geeignet sind.

Literatur

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