Einleitung Kernthema der Gesundheitswissenschaften ist immer wieder die Frage, wie Gesundheit gefördert werden kann und sollte. Dabei bedient sich die Gesundheitswissenschaft theoretisch an verschiedenen Stellen in ihren Bezugsdisziplinen. Ziel ist die Gesundheit von Menschen in effektiver Weise zu fördern. Intervenierende Projekte oder Programme werden dabei häufig von Wirkungsfragestellungen begleitet, die sich meist vorab theoretisch festgelegte Outcomes beziehen.
Im Rahmen des Setting-Ansatzes werden zwar Forderungen hinsichtlich eines partizipativen Vorgehens formuliert, allerdings lässt sich dies aus dem Ansatz nicht schließend begründen, sowie weiter unklar bleibt, in welcher Weise und woran Menschen beteiligt werden sollen.
Vor diesem Hintergrund stellen wir mit dem Begriff der Gesundheitsförderungskultur einen neuen Begriff vor. Hierbei verfolgen wir eine Transformation hin zu einem Bottom-Up-Denken anstatt des oben skizzierten Top-Down-Denkens. Der Begriff, der eine theoretische Konzeption ausgehend vom Lebensweltbegriff darstellt, die unter Rückgriff auf die Habitus-Theorie und Begriffe des Sozialen Raums, stellt eine Heuristik zur kritischen Analyse und Planung von Gesundheitsförderung dar. Ein Kern des Konzepts ist die Öffnung der Deutungshoheit und gleichzeitig der Anspruch Gesundheitsverhalten und gesundheitsbezogenes Denken und Fühlen zu verstehen.
In der hier vorgestellten Untersuchung zeigen wir, wie bedeutsam dabei zunächst ist zu verstehen, was Menschen eigentlich unter Gesundheit verstehen und welche Folgen diese Assoziationen haben. Dazu haben wir die Handlungsorientierung von Jugendlichen, in Bezug auf den Begriff der Gesundheit untersucht.
Methoden Die Datenerhebung erfolgte mittels episodischer Interviews. Dabei wurden neun Jugendliche im Alter zwischen elf und 14 Jahren befragt. Als Stimulus für die Interviews dienten zudem Fotografien, die die Jugendlichen selbst anfertigen sollten. Dazu sollten sie Ausschnitte aus ihrer Umgebung fotografieren, die sie mit Gesundheit oder gesundem Verhalten assoziierten.
Ergebnisse Die Ergebnisse zeigten zunächst mit Blick auf die Bilder, dass die Kinder häufig geneigt waren Bilder zu arrangieren, die sie wohl aus der Erwachsenenwelt kannten. In den Interviews wurde deutlich, dass die Kinder häufig ihre Eltern oder auch Personen aus dem Sportverien zitierten, die ihnen in instruierender Form erklärt hatten, was Gesundheit bedeutet. Dabei waren häufig Warnungen und Verbote Teil der Darstellungen.
Schlussfolgerung Die Analyse zeigte, dass Kinder mit dem Begriff von Gesundheit fast ausschließlich Bilder verbinden, die von Erwachsenen vorgelebt werden. Das eigene Erleben spielt hier offenbar eine untergeordnete Rolle. Gesundheit erscheint also für die Kinder als nicht erlebbar, sodass sie eher mit Lehrsätzen oder Platitüden beschrieben wird. Aus Perspektive der Gesundheitsförderungskultur ist hier zu bemerken, dass insbesondere die Konstruktion und das Erleben von Gesundheit analytischer Gegenstand von Gesundheitsförderung sein muss.
