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. 2023 Dec 11;86(1):18–27. [Article in German] doi: 10.1055/a-2183-5837

Einbindung und Umgang von Notfallsanitätern bei ungeplanten außerklinischen Geburten: Ein Online-Survey

Involvement and Handling of Paramedics in Unplanned Out-of-Hospital Births: An Online Survey

Josina Gebhard 1,, Joachim Graf 1, Harald Abele 1,2, Jan Pauluschke-Fröhlich 2
PMCID: PMC11248984  PMID: 38081207

Abstract

Introduction Unplanned out-of-hospital births are very rare in the ambulance service and there is evidence that emergency paramedics do not feel comfortable with this operational picture. At the same time, there is an increased of morbidity and mortality for both the mother and the newborn. The aims of the present cross-sectional study were to identify insecurities of emergency paramedics in connection with unplanned out-of-hospital births, to analyse the reasons for this and to derive possible support measures to be implemented.

Material and methods This study is a quantitative cross-sectional study examining management of unplanned out-of-hospital births by paramedics using a self-designed questionnaire. 65 participants took part in the online survey during the period from April 6, 2022 to April 30, 2022. SPSS was used for statistical data analysis. The central tendency of various influencing variables was examined with the help of the Mann-Whitney U test, the significance level was α<0.05.

Results On average, preparation Median (IQR): 2.0 (1.0) and safety with the measures to be performed 3.0 (01.0), as well as knowledge about unplanned out-of-hospital births 2.0 (1.0) were rated moderately well. The participating paramedics had particular difficulties with the documentation of the birth process 3.0 (1.0). There was a great deal of respect for out-of-hospital birth attendance among participants 1.0 (1.0). Participation in an interdisciplinary simulation session appeared to have had a positive influence on the handling and preparation for safety in the measures to be taken (p=0.016).

Conclusion Insecurites as well as possible reasons for them could be identified. Possible suggestions for improvement for emergency paramedics in unplanned out-of-hospital births were developed. For example, specific birth protocols and participation in a simulation are good ways to help.

Key words: Paramedics, unplanned out-of-hospital birth, prehospital obstetric careArtikel online veröffentlicht 2023

Einleitung

Epidemiologie

Die Mehrheit der Geburten in Deutschland finden geplant in Kliniken statt. Der Anteil der außerklinischen Geburten betrug 2020 in Deutschland 1,8% 1 . Sehr selten finden Geburten ungeplant außerklinisch statt: Studien errechneten eine Häufigkeit von 0,08–2% im Kollektiv der ursprünglich als Klinikgeburt geplanten Entbindungen, die dann ungeplant außerklinisch erfolgen 2 3 4 . Ursächlich für eine ungeplante außerklinische Geburt kann beispielsweise ein unerwartet schnelles Voranschreiten des Geburtsverlaufes sein, sodass ein antenataler Transfer in die Klinik nicht mehr möglich ist 5 6 . Frauen, die ihr Kind ungeplant zu Hause gebären, sind häufig Mehrgebärende (86% Multipara, 14% Primipara) oder Gebärende mit einer raschen Austreibungsphase in der Vorgeschichte 5 . Studien zeigten, dass bei ungeplanten außerklinischen Geburten im Vergleich zu geplanten Klinikgeburten die Wehendauer um 15 Minuten signifikant verkürzt war 3 .

Risikofaktoren und Outcomes

Die Mehrheit der ungeplanten außerklinischen Geburten verlaufen rasch und unkompliziert 2 5 .Trotzdem stellen laut Kühn et al. ungeplante außerklinische Geburten „ eine erhöhte Gefahr für Mutter und Kind dar7 . Studien konnten eine erhöhte Morbidität und Mortalität bei einer ungeplanten außerklinischen Geburt identifizieren 2 5 8 . In Australien wurden 2017 bei 7% der außerklinischen Geburtsbegleitungen Risikofaktoren identifiziert 5 . Hierzu zählen abnorme Plazentalokalisationen 9 , niederes Geburtsgewicht bei dem Neugeborenen 9 10 und Infektionen 9 . In 28% der ungeplanten außerklinischen Geburten in Australien konnten Frühgeburten unter 36+6 SSW identifiziert werden 5 . Die meisten Komplikationen, die während oder nach einer außerklinischen Geburt auftreten, sind auf vermeidbare Ursachen zurückzuführen 5 . Die häufigsten Komplikationen sind dabei die postpartale Hämorrhagie 5 10 , sowie Hypothermie und Hypoglykämie bei dem Neugeborenen 2 5 10 . Zusätzlich besitzen Neugeborene, die ungeplant außerklinisch geboren werden, eine 6-fach erhöhte Sterblichkeitsrate im Vergleich zu einer geplanten Klinikgeburt 3 8 .

Der Rettungsdienst bei ungeplanten außerklinischen Geburten

In manchen Fällen rufen die werdenden Eltern bei einer drohenden ungeplanten außerklinischen Geburt den Rettungsdienst zur Hilfe. In den letzten Jahren zeigte sich in vielen Teilen Europas eine ansteigende Rate an vom Rettungsdienst begleiteten ungeplanten außerklinischen Geburten 2 3 8 9 . Ein Grund hierfür könnte die Zentralisation der Geburtshilfe und das damit einhergehende Schließen von kleineren geburtshilflichen Abteilungen sein 6 8 . In Deutschland begleitet der Rettungsdienst geschätzt ca. 1200 Geburten pro Jahr 11 . McCelland et al. errechnete in einer Studie aus England aus dem Jahr 2019 eine Einsatzzahl von 0,14 zu begleitenden Geburten pro Jahr und pro Notarzt 12 . Es wird deutlich, dass es sich bei dem Einsatz einer außerklinischen Geburt für den Rettungsdienst um ein sehr seltenes Ereignis 11 12 handelt, das mangels ausreichender klinischer Erfahrung zudem mit einem besonders hohen Stresslevel für das Rettungsdienstpersonal assoziiert wird 13 14 .

Die höchste nicht ärztliche Ausbildung im Rettungsdienst stellen Notfallsanitäter*innen (im Folgenden NotSan) dar. Die Ausbildungszeit für NotSan beträgt in Vollzeitform 3 Jahre 15 und kann im Rahmen von Modellstudiengängen auch an einer Hochschule absolviert werden 16 . Die Aufgaben von NotSan sind, Notfallsituationen zu erkennen und adäquat zu handeln, die Zusammenarbeit und Unterstützung des Notarztes, die eigenständige präklinische Patientenversorgung und -Einschätzung bis zum Eintreffen des Notarztes/ der Notärztin, sowie die Durchführung von bestimmten ärztlichen Maßnahmen in festgelegten Situationen 16 . 2014 trat das Notfallsanitätergesetz in Kraft und löste damit das bisher geltende Rettungsassistentengesetz ab 17 Bei der theoretischen und praktischen Ausbildung der NotSan spielt das Fachgebiet der Gynäkologie und Geburtshilfe nur eine untergeordnete Rolle 2 . Laut der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung der NotSan ist das klinische Praktikum im Bereich der Pädiatrie und Geburtshilfe das kürzeste Praktikum. Es entspricht 40 Stunden der gesamten Ausbildungszeit von 720 Stunden in der Klinik 18 . Dabei kann dieses Praktikum auch auf einer kinderchirurgischen Fachabteilung erfolgen und muss keinen Bezug zur praktischen Tätigkeit in einem Kreißsaal zeigen 18 . NotSan kommen im Rahmen ihrer Ausbildung nur wenig mit Aspekten der Geburtshilfe in Kontakt und sind nur niederschwellig auf Geburtssituationen vorbereitet. Zusätzlich beträgt die Ausbildungszeit auf einer Lehrrettungswache 1960 Stunden und die theoretische Ausbildung umfasst 1920 Stunden 18 . Es gibt in Deutschland verschiedene Leitlinien und Algorithmen zu dem Thema der außerklinischen Geburt im Rettungsdienst, die regelmäßig überarbeitet und weiterentwickelt werden. Jedoch wird dabei vor allem auf die klinische Entscheidungsfindung zum Transport, Maßnahmen und Vorbereitung bei der präklinischen Geburt, sowie der Überprüfung der Vitalparameter von Mutter und Kind eingegangen 17 19 . Der Fokus wird nur selten auf eine empathische, einfühlsame Betreuung oder praktische Hinweise für die Geburtsbetreuung gelegt.

Umgang der NotSan mit ungeplanten außerklinischen Geburten

In wissenschaftlichen Untersuchungen finden sich nur wenig Bezüge zur Begleitung der Geburt durch den Rettungsdienst. Der Umgang von NotSan und weiterem Rettungsdienstpersonal mit ungeplanten außerklinischen Geburten wurde in Deutschland bisher nicht untersucht. Internationale Studien deuten jedoch darauf hin, dass sich das Rettungsdienstpersonal mit dem Einsatzbild einer drohenden außerklinischen Geburt im Spiegel der eigenen Expertise nicht sicher fühlt 2 5 9 13 . In den norwegischen und schwedischen qualitativen Interviewstudie von Vagle et. al. 9 und Persson et. al. wird dies deutlich: befragte Sanitäter*innen gaben eine schlechtere Vorbereitung auf die Geburtsbetreuung, ein hohes Stressniveau und teilweise einen unsicheren Umgang mit Gebärenden an. Ein Mangel an Vertrauen in ihre Fähigkeit, Gebärende oder schwangere Frauen optimal betreuen zu können 2 konnte in der Studie von McLelland et. al. identifiziert werden. Trotz Berufserfahrung bestehen Unsicherheiten, die Geburt zu begleiten, insbesondere bei einem abweichenden Geburtsverlauf 9 . Außerdem hat sich gezeigt, dass die Anwesenheit des Rettungsdienstes bei einer ungeplanten außerklinischen Geburt vor allem Risikomerkmale Hypothermie, Hypoglykämie und Infektionen beim Kind nur wenig positiv beeinflussen 2 . Frauen, die bereits eine vom Rettungsdienst begleitete, ungeplante außerklinische Geburt, beschrieben die Betreuung als zu technisch mit einem großen Fokus auf die rasche Verlegung der Gebärenden und mit wenig Empathie und Einfühlungsvermögen 20 der Sanitäter*innen in Australien. Trotz dessen gibt das Rettungsdienstpersonal ihr Bestes, um Mutter und Kind optimal zu betreuen 9 . In einer norwegischen Studie wurden zudem Väter, die eine rettungsdienstbegleitete außerklinische Geburt erlebten, befragt 6 . Diese stellen in Frage, ob das Personal über ausreichend Fachwissen verfüge und nehmen zusätzlich die Verunsicherung des Fachpersonals und die Limitation der mitgebrachten Ausrüstung wahr 6 . Im Gegensatz dazu wird jedoch von den betroffenen Paaren erwartet, dass das Rettungsdienstpersonal gut mit Geburtssituationen umgehen können 9 . Diese Forschungsergebnisse über den Umgang des Rettungsdienstpersonals in anderen Ländern können ein Hinweis sein auf den Umgang der in Deutschland arbeiteten NotSan. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass diese nicht allumfänglich auf die deutschen NotSan übertragen werden können, da in den unterschiedlichen Ländern unterschiedliche Voraussetzungen und Ausbildungsmodelle im Rettungsdienst herrschen.

Fragestellung und Zielsetzung

International gibt es nur wenig Literatur, die sich mit dem Umgang des Rettungsdienstpersonals mit präklinischen Geburten beschäftigt. Zu diesem Thema konnten ausschließlich qualitative Studien mit kleinen Kollektiven identifiziert werden. In Deutschland gibt es bisher keine Studien, die sich diesem Thema widmen. Aus diesem Grund wurde die fragebogenbasierte Querschnittstudie „Umgang von Notfallsanitätern bei ungeplanten außerklinischen Geburten: Ein Online-Survey“ durchgeführt. Dabei sollten folgende Forschungsfragen beantwortet werden: Welche Unsicherheiten bestehen in der Betreuung von ungeplanten außerklinischen Geburten durch NotSan und welche Ursachen lassen sich hierfür abzeichnen? Welche Unterstützungsmöglichkeiten könnten dem Rettungsdienst bei der Geburtsbetreuung eine Hilfe darstellen? Ziele dieser Studie sind darüber hinaus den Umgang der NotSan mit ungeplanten außerklinischen Geburten zu untersuchen und die Ergebnisse auf das Land Baden-Württemberg zu übertragen.

Material und Methoden

Studiendesign

Bei dieser Studie handelt es sich um eine Querschnittstudie in Form eines Online-Surveys. Die Studienleiter einigten sich auf eine Studienpopulation von mindestens vierzig NotSan aus mindestens zwei verschiedenen Rettungsdienstkreisverbänden. Eine Berechnung der Studienpopulation konnte nicht durchgeführt werden, da die genaue Anzahl der in Baden-Württemberg arbeitenden NotSan nicht ermittelbar ist.

Fragebogen

Zur Erhebung der Daten wurde ein Fragebogen entwickelt, da in der Literatur kein validierter Fragebogen identifiziert werden konnte, der sich mit dem Umgang von NotSan mit ungeplanten außerklinischen Geburten beschäftigt. Es wurden Expertengespräche durchgeführt und ein Pretest des Fragebogens wurde nach der Methode gemäß Häder an einer kleinen Testgruppe durchgeführt 21 , um zu evaluieren, ob die Fragen für die Zielgruppe verständlich und angemessen sind. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden wurden für die Erstellung des finalen Bogens berücksichtigt.

Der Fragebogen unterteilte sich in drei Abschnitte und beinhaltet insgesamt 30 Fragen. Im ersten Abschnitt gaben die NotSan Angaben zum Umgang mit außerklinischen Geburten. Der zweite Abschnitt konnte nur beantwortet werden, wenn die teilnehmenden NotSan bereits mindestens eine ungeplante außerklinische Geburt betreuten. Im letzten Teil des Fragebogens wurden demographische Daten und Informationen zu der Tätigkeit als NotSan erhoben. Im Fragebogen konnten die Teilnehmenden bei den meisten zu beantworteten Fragen auswählen in einer Skala von 1–4 auswählen (diese reichte von 1= trifft voll und ganz zu bis 4= trifft überhaupt nicht zu). Das Ziel des Fragebogens war es, Unsicherheiten der Teilnehmenden im Umgang mit ungeplanten außerklinischen Geburten, mögliche Ursachen für diese Unsicherheiten, sowie Hilfestellungen zu identifizieren. Die Dauer der Bearbeitung des Fragebogens wurde auf 15 Minuten geschätzt.

Rekrutierung

Die Rekrutierung der Teilnehmenden erfolgte über die Rettungsdienstleiter*innen der verschiedenen Kreisverbände in Baden-Württemberg per Emailkontakt. Auf den Rettungswachen wurde anschließend der Zugang zu der Online-Umfrage per QR-Code und Link verteilt. An dem Online-Survey teilnehmen durften Personen, die einwilligungsfähige und volljährige NotSan waren, die ihre Berufsausbildung vollständig abgeschlossen haben und hauptamtlich in einem Rettungsdienstbereich in Baden-Württemberg arbeiten. Die Teilnehmenden sollten über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. Es wurde darauf hingewiesen, dass auch ohne eine selbst durchgeführte außerklinische Geburtsbetreuung an der Online-Umfrage teilgenommen werden konnte. Der Zeitraum zur Teilnahme an der Querschnittstudie war vom 06.04.2022 bis 30.04.2022. Die Teilnahme an der Online-Studie erfolgte anonym.

Methodik und statistisches Vorgehen

Nach der Datenbereinigung wurde eine deskriptive Analyse der Daten anhand von MS Forms, MS Excel und IBM SPSS 21 durchgeführt. Dabei wurden folgende Parameter erhoben: Median, Interquartilsabstand (IQR) und arithmetisches Mittel. Zum Vergleich verschiedener Einflussfaktoren auf den Umgang von NotSan mit außerklinischen Geburten wurden Signifikanztests durchgeführt. Da es sich bei den generierten Daten um nicht-normalverteilte Daten handelte (Kolmogorov-Smirnov-Test) und das Testen von zwei unabhängigen Variablen erfolgte, wurde zur Überprüfung der zentralen Tendenz der Mann-Whitney-U-Test durchgeführt. Dabei wurde ein p-Wert von<0,05 als statistisch signifikant gewertet (α<0,05).

Da es sich nicht bei jeder Frage um eine verpflichtende Frage handelte, sind fehlende Daten aufgetreten. Wenn dies aufgetreten ist, wurde an dieser Stelle „keine Angabe“ eingetragen. Die relative Häufigkeit der Antworten wurde dann für die Anzahl der Antworten errechnet. Bei der Berufserfahrung und den bereits betreuten Geburten wurden die Daten sowohl in der bisherigen Arbeitszeit als NotSan als auch als Rettungsassistent miteinbezogen und addiert, da beide Berufsgruppen die Leitung der Einsätze obliegt, wenn kein Notärzt*innen anwesend ist. Ein Teilnehmer wurde aus der Studie ausgeschlossen, weil er die Einschlusskriterien nicht erfüllte.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Die beschriebene Studie wurde mit Zustimmung der zuständigen Ethikkommission (Nr. 038/2022BO2, Ethikkommission Tübingen), sowie im Einklang mit dem nationalen Recht und der Deklaration von Helsinki durchgeführt. Eine Einverständniserklärung aller Teilnehmenden lag vor.

Ergebnisse

Soziodemographische Kennzeichen und Angaben zum Beruf

Die Ergebnisse der soziodemographischen Daten können der Tab. 1 entnommen werden. An der Querschnittstudie nahmen insgesamt n=65 NotSan teil. Das durchschnittliche Alter der Teilnehmenden betrug 32,0 (17,0) (Median (IQR)) Jahre. Die Spanne reichte dabei von 21 bis 58 Jahre. 66% der Teilnehmenden waren männlich, 34% waren weiblich. Am häufigsten gaben die Teilnehmenden als höchsten Bildungsabschluss den Realschulabschluss (entspricht 40%) an.

Tab. 1 Soziodemographische Daten.

Soziodemographische Daten Variablen Absolute Häufigkeit Relative Häufigkeit (in %)
Geschlecht Männlich 43 66
Weiblich 22 34
Gesamt 65 100
Bildungsabschluss Realschule 26 40
Gymnasium 21 32,3
Fachhochschule 10 15,4
Bachelor 6 9,2
Master 2 3,1
Gesamt 65 100
Ausbildungswerdegang Rettungsassistent und Ergänzungsprüfung NotSan 42 65
Ausbildung NotSan 23 35
Studium 0 0
Gesamt 65 100
Hauptamtlich gearbeitete Jahre 0,5–1 Jahr 10 15
1,5–5 Jahre 22 33
6–10 Jahre 13 19
11–20 Jahre 9 13
>20 Jahre 11 16
Betreute außerklinische Geburten 0 Geburten 18 27,7
1 Geburt 13 20
2–5 Geburten 29 44,6
Mindestens 5 Geburten 5 7,7
Fortbildungsteilnahme (Mehrfachnennung möglich) Simulation 8 12
Theoretische Inhalte 17 23
Theoretische und praktische Inhalte 23 31
Keine 25 34

Die meisten Notsan schlossen die Ausbildung zum Rettungsassistent*innen ab und bestanden anschließend die Ergänzungsprüfung zum/ zur NotSan (65%, 42 Personen). 35% schlossen die 3-jährige Ausbildung zum NotSan ab. Es nahmen NotSan aus 14 verschiedenen Kreisverbänden bzw. Regionen teil. Im Median betrug die die hauptamtlich gearbeiteten Jahre 6 Jahre (Vergleich arithmetisches Mittel 9,1 Jahre). Die Spanne der Berufserfahrung reichte von 0,5 bis 36 Jahre. Durchschnittlich betreuten die NotSan dabei 2,00 (3,0) (Median (IQR)) außerklinischen Geburten. Zirka 28% der Teilnehmenden betreuten bisher keine außerklinische Geburt, 48% der Teilnehmenden betreuten bisher höchstens eine Geburt. Mehr als 5 außerklinische Geburten betreuten zirka 8% der Teilnehmenden (5 Personen). Zudem sollten die NotSan angeben, ob sie bisher Fortbildungsmöglichkeiten zu der außerklinschen Geburtsbetreuung wahrgenommen haben. Es gaben 8 Personen (entspricht 12%) an, bereits an einer Simulation teilgenommen zu haben und 17 Personen (entspricht 31%) nahmen bisher an einer Fortbildung mit sowohl praktischen als auch theoretischen Inhalten teil.

Einschätzungen zu der außerklinischen Geburtsbetreuung der NotSan in Baden-Württemberg

Die teilnehmenden NotSan schätzten in dem Fragebogen ihren Umgang mit ungeplanten außerklinischen Geburten ein. Zunächst sollten die NotSan angeben, wie gut sie sich auf die Betreuung von ungeplanten außerklinischen Geburten vorbereitet fühlen. Dabei gaben die Teilnehmenden im Durchschnitt die Antwort 2,0 (1,0) (Median (IQR)). 12,3% der Teilnehmenden kreuzten an, dass sie sich sehr schlecht vorbereitet fühlen. In dem Fragebogen wurde auch nach Gründen gefragt, weshalb sich die NotSan nicht gut auf eine außerklinische Geburtsbetreuung vorbereitet fühlen (Mehrfachnennung möglich). Es dominierten mit 81,5% die fehlende Routine und mit 72,3% die mangelnde Erfahrung in den Antworten (siehe Abb. 1 ).

Abb. 1.

Abb. 1

Gründe für die schlechte Vorbereitung auf außerklinische Geburtsbetreuung.

Die weiteren Ergebnisse zu dem Umgang der NotSan mit ungeplanten außerklinischen Geburten können der Tab. 2 entnommen werden.

Tab. 2 Statistische Auswertung der Ergebnisse zur außerklinischen Geburtsbetreuung.

1 (trifft voll und ganz zu) 2 3 4 (trifft überhaupt nicht zu) Summe
Frage 1: Ich bin auf die Betreuung einer ungeplanten außerklinischen Betreuung gut vorbereitet. 7 (11%) 27 (42%) 23 (35%) 8 (12%) 65
Frage 2 : Ich fühle mich mit den durchzuführenden Maßnahmen bei einer physiologischen ungeplanten Geburt sicher. 7 (11%) 25 (39%) 23 (35%) 10 (15%) 65
Frage 3: Ich verfüge über ausreichend theoretisches und praktisches Wissen über die außerklinische Geburtsbegleitung. 7 (11%) 27 (42%) 22 (34%) 9 (14%) 65
Frage 4: Ich habe Respekt vor der Begleitung ungeplanter außerklinischer Geburten. 47 (72%) 11 (17%) 4 (6%) 3 (5%) 65
Frage 5 : Der Mutterpass als Dokumentation in der Schwangerschaft ist mir bekannt. 54 (83%) 8 (12%) 2 (3%) 1 (2%) 65
Frage 6: Aus dem Mutterpass kann ich schnell die wichtigsten Informationen identifizieren. 4 (6%) 23 (35%) 29 (45%) 9 (14%) 65
Frage 7 : Die Dokumentation einer Geburt und dessen Verlauf kann ich ohne Probleme durchführen. 4 (6%) 23 (35%) 29 (45%) 9 (14%) 65
Frage 8: Notfallsanitäter sollten mehr auf ungeplante außerklinische Geburten geschult werden. 49 (75%) 9 (14%) 6 (9%) 1 (2%) 65

Ein Teil des Fragebogens sollte nur von denjenigen NotSan ausgefüllt werden, die bereits mindestens eine ungeplante außerklinische Geburt betreut haben. Dabei analysierten und beschrieben die NotSan die Betreuung und die durchgeführten Maßnahmen. Zunächst wurde in dem Online- Survey gefragt, ob die NotSan während der Geburtsbegleitung subjektiv die Situation stehts unter Kontrolle hatten. Die Befragten antworteten im Median mit 2,0 (1,0) Skalenpunkten. Ca. 60% der Teilnehmenden hatten die Situation eher unter Kontrolle. Die Kommunikation mit der gebärenden Frau wurde im Median mit 2,0 (2,0) Skalenpunkten bewertet. Es wurde in dem Fragebogen außerdem erfragt, welche Unterstützungsmöglichkeiten bei außerklinischen Geburtsbegleitungen genutzt wurden. Die NotSan nutzten dabei vor allem den/die Notärzt*In als Unterstützung (n=38), am zweithäufigsten Hebammen (n=18). 7 der Teilnehmenden nutzten keine der Unterstützungssysteme und 1 Person nutzte eine telefonbasierte Unterstützung (n=1). Die NotSan, die bereits Geburten betreuten, bewerteten außerdem folgende Aussage: „Nach der Betreuung fühlte ich mich erleichtert, weil ich sicher und richtig gehandelt habe“. Dabei gaben 45,6% der Teilnehmenden an, dass diese Aussage voll und ganz zutreffe. Im Median wurde die Aussage mit 2,0 (1,0) Skalenpunkten angegeben. Anschließend stellte sich die Frage, ob die Geburtserfahrung bei der Betreuung weiterer außerklinischen Geburten weiterhelfen wird. Diese Frage wurde von der Stichprobe durchschnittlich mit 1,0 (1,0) Skalenpunkten beantwortet. 15% der Teilnehmenden gaben an, dass die erlebte Geburt ihnen fachlich nur wenig bis gar nicht weiterhelfen werde.

Mögliche Einflussfaktoren auf den Umgang mit außerklinischen Geburten

Es wurde untersucht, ob verschiedene Einflussfaktoren die subjektive Vorbereitung auf eine ungeplante außerklinische Geburt, den Respekt vor außerklinischen Geburten und die Handlungssicherheit bei diesem Einsatzbild beeinflussen. Die zu untersuchenden Einflussfaktoren waren: Eigene Kinder, das Geschlecht, Anzahl der betreuten Geburten, verschiedene besuchte Fortbildungsmöglichkeiten, der Ausbildungsweg und die Berufserfahrung. Die Ergebnisse der Auswertungen dieser möglichen Einflussfaktoren können den Abbildungen 2–4 entnommen werden. Abb. 2 zeigt dabei verschiedene Einflussfaktoren, die für die Frage, wie gut sich die NotSan auf die Betreuung einer ungeplanten außerklinischen Geburt sowohl praktisch als auch theoretisch vorbereitet fühlen, untersucht wurden. Die relativen Häufigkeiten zeigen dabei an, wie häufig in der TeilnehmerInnen Gruppe die Einflussfaktoren aufgetreten sind. Dabei wurden keine signifikanten Ergebnisse (siehe Abb. 2 ) berechnet für die untersuchten Einflussfaktoren (p<0,05). Daher muss angenommen werden, dass die untersuchten Faktoren keinen Einfluss darauf nehmen, wie gut sich die NotSan auf eine ungeplante außerklinische Geburt vorbereitet fühlen. Abb. 3 zeigt, ob die in der x-Achse aufgeführten Parameter den Respekt bei NotSan beeinflussen. So zeigt sich, dass Variablen eigene Kinder, Geschlecht, Anzahl der bisher betreuten Geburten, Fortbildungsmöglichkeiten, Berufszulassung und Berufserfahrung die Wahrscheinlichkeit nicht beeinflusst, da keine signifikanten Ergebnisse erzielt werden (p<0,05). Es wurden zudem die selben Einflussfaktoren in Bezug auf die Sicherheit mit den durchzuführenden Maßnahmen bei einer Geburt durch die NotSan untersucht ( Abb. 4 ). Dabei konnte ein signifikantes Ergebnis erzielt werden: Es wurde verglichen, ob die Teilnahme an einer Simulation (und ggf. auch eine zusätzliche Fortbildung) (n=8) oder einer theoretischen und/ oder praktischen Fortbildung (n=32) einen Unterschied ausmachen. Es wurden für die Frage nach der Sicherheit mit den durchzuführenden Maßnahmen bei einer ungeplanten außerklinischen Geburt eine statistische Signifikanz gefunden (p=0,016).

Abb. 2.

Abb. 2

Statistische Auswertung Vorbereitung auf die außerklinische Geburt.

Abb. 3.

Abb. 3

Statistische Auswertung Respekt vor ungeplanter außerklinischer Geburt.

Abb. 4.

Abb. 4

Statistische Auswertung Sicherheit mit den durchzuführenden Maßnahmen.

Unterstützungs- und Verbesserungsmöglichkeiten

Die NotSan sollten in dem Fragebogen außerdem angeben, wie die außerklinische Geburtsbegleitung erleichtert und verbessert werden könnte. Es wurde dabei nach möglichen praktischen Erleichterungen und Verbesserungsmöglichkeiten gefragt. Die Antwortmöglichkeiten waren im Fragebogen vorgegeben und die Ergebnisse der Befragung sind in Abb. 5 dargestellt (Mehrfachnennung möglich).

Abb. 5.

Abb. 5

Verbesserungsmöglichkeiten und Erleichterungen für den Rettungsdienst bei ungeplanten außerklinischen Geburten.

Diskussion

Identifizierte Unsicherheiten der NotSan im Umgang mit ungeplanten außerklinischen Geburten

Durch die Querschnittstudie konnten Unsicherheiten der NotSan in den verschiedenen Rettungsdienstbereichen in Baden-Württemberg im Umgang mit ungeplanten außerklinischen Geburten identifiziert werden. In Bezug auf die durchzuführenden Maßnahmen, sowie auf die Vorbereitung auf die Geburtsbetreuung gaben ca. 50% an, sich weitgehend sicher und gut vorbereitet zu fühlen- ca. 50% der befragten NotSan fühlten sich jedoch eher schlecht vorbereitet und weniger sicher. Ein ähnliches Ergebnis konnte in internationalen Studien gezeigt werden, die bereits in der Einleitung ausführlich beschrieben wurden: Sanitäter*innen fühlen sich mit dem Einsatzbild einer drohenden außerklinischen Geburt nicht sicher 2 5 9 13 .Es konnten zudem Probleme bei der Dokumentation der Geburt und des Geburtsverlaufes identifiziert werden: 58% der an der Befragung Teilnehmenden gaben an, hiermit Schwierigkeiten zu haben. Die Ergebnisse internationaler Studien unterstreichen eine mangelhafte Dokumentation der Geburtsbetreuung in diesem Kontext 5 12 .. In der Studie aus England wird ein Beispiel für die mangelhafte Dokumentation des Rettungsdienstes deutlich: in nur 8% der präklinischen Geburten wurden die APGAR-Werte durch das Rettungsdienstpersonal ermittelt 12 . In der Studie von Flanagan et. al. wird beschrieben, dass oft nur eine begrenzte Dokumentation über die erhobenen Befunde und das Management während der Geburt beschrieben wurde 5 . Auch bei der schnellen Identifikation der wichtigsten Informationen aus dem Mutterpass konnten durch die Querschnittstudie Unsicherheiten festgestellt werden. 58,4% der teilnehmenden NotSan gaben an, hiermit Probleme zu haben. Auffällig ist zusätzlich, dass 72% der Teilnehmenden angaben, großen Respekt vor der Betreuung von ungeplanten außerklinischen Geburten zu haben.

Mögliche Erklärungen für die Unsicherheiten mit ungeplanten außerklinischen Geburten

Als Hauptgrund für die beruflichen Unsicherheiten gaben viele der Teilnehmenden eine mangelhafte Erfahrung (72% der Teilnehmenden) und fehlende Routine (82% der Teilnehmenden) an (siehe Abb. 1 ). In dieser Studie wurden in den durchschnittlichen 9,1 Jahren Berufserfahrung ca. 2 Geburten pro NotSan betreut. Bei einem so seltenen Einsatzbild ist es schwer für die NotSan berufliche Erfahrung und Routine aufzubauen. Die statistische Auswertung der möglichen Einflussfaktoren zeigte zudem, dass weder eine lange Berufserfahrung noch viele betreute Geburten einen signifikanten Einfluss auf den Umgang der NotSan mit präklinischen Geburten nehmen. Eine norwegische Studie zeigte hier jedoch andere Ergebnisse: die Sanitäter*innen betonten, dass sie sich mit zunehmender Berufserfahrung sicherer im Umgang mit der außerklinischen Geburtsbetreuung fühlten 9 . Dies kann jedoch auch an Verzerrung der durchgeführten Studie durch den kleinen Datensatz ihren Ursprung haben. Zudem gaben 34% der Teilnehmenden an, dass mangelndes Fachwissen einen möglichen Grund, für den von Unsicherheiten und Respekt geprägten Umgang mit außerklinischen Geburten darstellt. Es gaben darüber hinaus 48% der Teilnehmenden an, Wissenslücken im Bereich Geburtshilfe zu haben. Studien zeigen, dass auch das Fortbildungsprogramm im Bereich Gynäkologie und Geburtshilfe nur wenig ausgebaut ist 2 9 22 . Da die meisten der außerklinischen Geburten sehr rasch verlaufen 3 23 , sollten die NotSan dabei vor allem auch auf Notfälle bei einer raschen Spontangeburt, wie zum Beispiel eine Schulterdystokie, geschult werden. Als weitere mögliche Erklärung konnten die NotSan die schlechte Vorbereitung auf Geburtshilfe in der Ausbildung auswählen. 41,5% gaben an, dass die Ausbildung, in der nur wenig Zeit (entspricht 5,56% der gesamten Praxiszeit in der Klink 18 ) für Pädiatrie und Geburtshilfe eingeplant ist, einen möglichen Grund darstellt. Es wird in Studien die Empfehlung ausgesprochen, die Zeit für Geburtshilfe und geburtshilfliche Notfälle in der Ausbildung zu erhöhen 2 .

Hilfestellungen und Unterstützungsmöglichkeiten für den Rettungsdienst

Es erscheint sehr wichtig, dass das Rettungsdienstpersonal die Möglichkeit erhält, qualifiziertes Personal bei einer ungeplanten außerklinischen Geburt hinzuziehen zu können. Am häufigsten wurde hier das Hinzuziehen einer Hebamme genannt (86%). Gleichzeitig wurde in nur zirka 28% der Fälle eine Hebamme zu einer außerklinischen Geburt hinzugezogen. Auch andere Studien zeigen, dass das Hinzuziehen von Hebammen eine wichtige Hilfestellung für NotSan darstellt 9 . An zweiter Stelle wurde mit 53,6% die telefonbasierte Unterstützung und Beratung als praktische Erleichterung für den Rettungsdienst genannt (siehe Abb. 5 ). Es wurde in der Umfrage jedoch auch deutlich, dass eine solche Beratung bisher nur sehr selten angewandt wird. Sowohl für das routinemäßige Hinzuziehen von Hebammen als auch für die telefonische Beratung durch eine geburtshilfliche Einheit gibt es in Baden-Württemberg keine einheitlichen Regelungen. 52% der Teilnehmenden an der Umfrage gaben an, dass das Nutzen von bestimmten vorgedruckten Geburtsprotokollen eine praktische Erleichterung sein könnte. Dabei könnten beispielsweise die wichtigsten Aspekte aus dem Mutterpass, Erstbefunde oder das APGAR-Schema abgedruckt sein. Dies wird auch in einem strukturiertem Review aus dem Jahr 2014 empfohlen 2 . Es konnten außerdem mehrere Unterstützungsmöglichkeiten erarbeitet werden, um die Erfahrung und Routine der NotSan zu erhöhen. Hierbei ist vor allem die Teilnahme an einer Simulation zu nennen, da dies die Sicherheit mit den durchzuführenden Maßnahmen bei einer Geburt verbessert (p=0,016). Es wird deutlich, dass interdisziplinäre Simulationen eine sehr gute Möglichkeit zur Verbesserung der Betreuung darstellen. Dies empfinden nicht nur 77% der Teilnehmer an der Studie, sondern wird auch von anderen internationalen Studien vorgeschlagen 9 11 . Zirka 90% der Teilnehmer gaben zudem an, dass ein (regelmäßiger) Einsatz/Praktikum im Kreißsaal eine Unterstützungsmöglichkeit darstellt. Auch die regelmäßige Überarbeitung von Leitlinien und Algorithmen stellt laut 65% der Studienteilnehmer*innen ein Unterstützungssystem für den Rettungsdienst dar. Zusätzlich könnte ein neues geburtshilfliches Akronym entwickelt werden, da diese im Rettungsdienst bereits sehr häufig verwendet werden.

Limitationen der Studie

Die durchgeführte Studie „Einbindung von Notfallsanitätern bei ungeplanten außerklinischen Geburten: Ein Online-Survey“ geht mit einigen Limitationen einher, welche die Repräsentativität einschränken. Durch die sehr kleine Stichprobe (n=65), ist nur eine geringe statistische Power zu erwarten. Gleichzeitig sind die Ergebnisse nur wenig repräsentativ, da es sich auch nur um Zufallsschwankungen handeln könnte. Der verwendete Fragebogen war selbst generiert. Er wurde zwar einer Testphase unterzogen, es kann aber keine Aussage zur Reliabilität und Validität getroffen werden. Zudem könnten verschiedene Bias Einfluss auf die Ergebnisse nehmen. Es soll in diesem Zusammenhang der Response Bias, die Verzerrung der Ergebnisse durch fehlerhafte Antworten, Unwissen oder Verständnisprobleme der Teilnehmenden, genannt werden. Ferner ist darauf hinzuweisen, dass die Ergebnisse die Situation in Baden-Württemberg widerspiegeln. Da es im Rettungswesen in Deutschland auch bezogen auf die Standards der NotSan-Ausbildung regionale Unterschiede gibt und auch Unterschiede auf Länderebene, können die Ergebnisse nicht auf Deutschland per se übertragen werden.

Schlussfolgerungen

Ziel dieser Querschnittstudie war es, den Umgang und die Einbindung von NotSan bei ungeplanten außerklinischen Geburten zu untersuchen. Hierfür wurden eigene Daten anhand eines Online-Surveys gewonnen, ausgewertet und interpretiert. Durch die Teilnahme von NotSan aus 14 verschiedenen Regionen und Kreisverbänden, konnten die Ergebnisse und Erkenntnisse auf das Bundesland Baden-Württemberg übertragen werden. Die Begleitung von ungeplanten außerklinischen Geburten durch den Rettungsdienst wird auf Grund der Zentralisation der Geburtshilfe in der Zukunft eine immer größer werdende Rolle spielen 2 3 8 9 . Deshalb ist es wichtig, die bestehenden Unsicherheiten der NotSan weiter zu untersuchen und Unterstützungsmöglichkeiten für den Rettungsdienst auszuarbeiten. Es fehlt den NotSan an Wissen und Routine sowie praktischen Handlungen Zur Unterstützung des Rettungsdienstes können spezielle digitale Dokumentationsbögen, die einer vollständigeren Dokumentation und Denkstütze während der Geburt dient, zudem regelmäßige geburtshilfliche Schulungen der NotSan, Fortbildungen über den Mutterpass und das routinemäßige Hinzuziehen von Hebammen per telefonischer Beratung oder in Präsenz hilfreich sein, Unsicherheiten und einem großen Respekt vor und mit ungeplanten außerklinischen Geburten vermindern. Obwohl sich in dieser Studie abzeichnete, dass die Teilnahme an einer interdisziplinären Simulation im geburtshilflichen Bereich den Umgang mit ungeplanten außerklinischen Geburten verbessert (p=0,016), muss wissenschaftlich überprüft werden, ob eine Simulation oder ein regelmäßiges Praktikum in einer geburtshilflichen Einheit zu bevorzugen ist. Im Sinne der Sekundärprävention ist es außerdem eine Möglichkeit, Frauen mit einem erhöhten Risiko für eine außerklinische Geburt zu identifizieren und aufzuklären, sodass die Inzidenz von ungeplanten außerklinischen Geburten abnimmt. Es ist nun wichtig, die Aspekte der evidenzbasierten Medizin und weitergehende Forschung auch im Bereich der Schnittstellen zwischen Geburtshilfe und dem Rettungsdienst zu etablieren.

Hinweis

Dieser Artikel wurde gemäß des Erratums vom 18.12.2023 geändert.

Erratum

Im oben genannten Artikel fehlt bei einem Autor die Angabe eines Instituts und eine Institutsangabe wurde falsch wiedergegeben und so als separate Angabe erfasst. Korrekt ist

Josina Gebhard 1 , Joachim Graf 1 , Harald Abele 1,2 Jan Pauluschke-Fröhlich 2

1 Abteilung Hebammenwissenschaft, Institut für Gesundheitswissenschaften, Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen, Germany 2 Department für Frauengesundheit, Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen, Germany

Footnotes

Interessenkonflikt Die Autorinnen/Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

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