Tabelle 4-9.
Epidemiologie und Klinik von zeckenübertragenen Krankheiten.
| Lyme-Borreliose | Zeckenrück-fallfieber | Fleckfieber | Humane monozytäre und granulo-zytäre Ehrli-chiose (HME und HGE) | Q-Fieber | Tularämie (Hasenpest) | Zeckenenzephalitis (FSME und RSSE) | Babesiose | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Erreger | Borrelia burgdorferi (USA, selten in Europa), B. garinii und B. afzelii (Europa, Asien) | Borrelia duttoni, B. hermsii, B. hispanica und andere | Rickettsien der Fleckfiebergruppe (s. Tab. 4-6) | Ehrlichia chaffeensis (HME), Anaplasma phagocyto-philum(HCE) | Coxiella burnetii | Francisella tularensis | 3 Flavivirus-Subtypen FSME: west-licher Subtyp; RSSE: fernöstlicher und sibirischer Subtyp | Babesia divergens (Europa), B. microti (USA) und andere (70 Babesia spp.) |
| Übertragung | Schildzecken (Ixodes spp.) | Lederzecken (Ornithodo-rus spp.) | Schildzecken (Amblyomma und Rhipice-phalus spp.) | Schildzecken (HME: Amblyomma und Dermacentor spp., HGE: Ixodes spp.) | Aerosol (!), Schildzecken (Dermacentor spp.), Zeckenkot hochinfektiös | Schildzecken, Kontakt mit infiziertem Material (Schlachtkörper), Inhalation | Schildzecken (Ixodes spp.), orale Übertragung möglich (un-pasteurisierte Milchprodukte) | Schildzecken (Ixodes spp.) |
| Vorkommen | Gesamte nördliche Hemisphäre (gemäßigte Klimazonen) | Afrika, Zentralasien, Naher Osten, Spanien, USA, Mexiko, Kanada, Südamerika | weltweit | USA, Europa, Asien (?) | weltweit | nördliche Hemisphäre 30.-70. Breitengrad | Europa, GUS-Staaten, China, Korea, Japan, | USA (Nordosten und Mittelwesten), Europa, Asien |
| Bedeutung | weltweit > 50-100000 Erkrankungen/Jahr, bedeutendste vektorübertragene Erkrankung in den USA und in Europa | USA 30-50 Fälle/Jahr, Letalität ca. 5% | weltweit wahrscheinlich >10000 Fälle/Jahr (USA: 250-1200) | USA (Meldungen 2002): HGE: 511 Fälle, HME: 216 Fälle; Europa: Einzelfälle (HCE) | weltweit <1000 Fälle/Jahr; häufig in Form von kleinen Ausbrüchen (Aerosole) | sporadisches Auftreten, Letalität unbehandelt hoch (30%) | >10000 Fälle/Jahr, Letalität 5%, bleibende neurologische Schäden. Bei RSSE schwerere Verlaufsformen. | Einzelfälle, erhöhtes Risiko nach Splenekto-mie |
| Inkubationszeit | Stadium 1: 3-30 Tage (meist 7-10); Stadium II: Wochen-Monate; Stadium III: Monate-Jahre | 2-14 Tage | 5-7 Tage | HGE: 2-7 Tage, HME: 7-21 Tage | 5-40 Tage | 3-21 Tage | 7-14 Tage | 7-28 Tage |
| Krankheitsbild | komplexe zeitliche Abfolge in 3 Stadien mit Beteiligung verschiedener Organe (s. Tab. 4-10) | Fieberschübe von 2-8 Tagen Dauer, fieberfreies Intervall 2-4 Tage (bis zu 10 Fieberschübe) Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, Photophobie, Exanthem, gastrointesti-nale Symptome, petechialf Blutungen, Hepatosple-nomegalie, Ikterus. | typische Symptomtrias: Fieber, Eschar, Exanthem; RMSF: periorbitale. Ödeme, Petechien. Fulminante Verläufe mit Organversagen. Afrikanisches Fleckfieber: Myalgien der Halsmuskulatur; Eschar häufig multipel, regionale Lymphadenitis. | 60% klinisch inapparent. Grippeartige Symptome; selten Ausschlag und Splenomegalie. Komplizierend können Sekundärinfektionen (Pneumonie, Candida-infektionen) auftreten. Bei der Mehrzahl der Fälle kommt es innerhalb von 1 Woche zu einer folgenlosen Ausheilung. | 50% asymptomatisch. Akutes Q-Fieber: Schlagartig einsetzendes hohes Fieber, Allgemeinsymptome mit Myalgien, Halsschmerzen, trockener Husten, abdominelle Beschwerden, Erbrechen oder Durchfall. Atypische Pneumonie bei 30 bis 50%. Chronisches Q-Fieber: Infektion persistiert > 6 Monate mit Endokarditis v.a. bei vorbestehender Klappenschädigung. | Krankheitsbild abhängig von Infektionsweg und infektiöser Dosis. Nach Hautinfektion ulceroglandu-läre Form mit hohem Fieber, Ulkus im Bereich der Inokulationsstelle, regionale Lymph-adenopathie und septisches Krankheitsbild Bei Inhalation Pneumonie, bei oraler Aufnahme oro-pharyngeale Infektion. | biphasischer Krankheitsverlauf: 1. Woche grippeartige Symptome. ZNS-Symptome (bei 10%); nach kurzem freien Intervall: Meningitis (50%), Menin-goenzephalitis (40%), Enze-phalomyelitis (10%); schwerere Verläufe bei Erwachsenen häufiger. Neurologische Folgeschäden bei ca. 20%. | Fieber, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust, Muskel- und Gliederschmerzen, Splenomegalie, hämo-lytische Anämie, Hämoglobin-urie, Ikterus, Nieren-versagen möglich. |
| Diagnose | Stadium 1 (Erythema migrans): klinisch; Stadium II und IM: Serologie (ELISA, Western Blot zur Bestätigung), IgM-Antikörper früher als IgC nachweisbar. Nach Therapie Antikörper-Titer nur langsam rückläufig, Neuroborreliose: intrathekale AK-Bildung. Verlaufskontrollen, möglichst gleiches Testsystem/Labor | Erregernachweis im Blutausstrich bzw. Dicken Tropfen; häufig Leukozytose und Throm-bopenie. |
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Typische Ein-schlusskörper-chen nur in ca. 20% der Fälle. Anämie, Leu-ko- und Throm-bopenie, Transaminasen-erhöhung. Serologie (IFT): IgM-Antikörper frühestens am 3. bis 5. Tag. Ein signifikanter Anstieg des IgC-Titers sichert die Diagnose. | Antikörper ab der 2. Krankheitswoche. Akutes Q-Fieber: IgM-Antikörper gegen Phase 1 und II, IgC-Anti-körper gegen Phase II. Chronisches Q-Fieber: IgC- und IgA-Antikörper gegen Phase 1. | Klinisch; Serologie (Agglutinationstest): Antikörper erst in 2. oder 3. Krankheitswoche nachweisbar. Anzucht des Erregers erforderlich in speziellen Kulturmedien. | Erkrankungsbeginn: Virusisolierung oder PCR (Blut, Liquor). Ab 2. Krankheitswoche: IgM- und IgC-Antikörper in Serum oder Liquor (ELISA). Nach Impfung ebenfalls IgM-Antikörper nachweisbar. | Nachweis der intra-erythrozytä-ren Erreger im Blutausstrich. |
| Therapie | s. Tab. 4-11 | Doxycyclin, initial 200 mg p.o. oder i.V., dann 2×100 mg 3-7 Tage. Cave: Jarisch-Herxheimer-Reaktion! | Doxycyclin 2 × 100 mg 7 Tage. | Doxycyclin, 2 × 100 mg, mindestens 5-7 Tage. | Akutes Q-Fieber: Doxycyclin, 2×100 mg für 14-21 Tage, alternativ Erythromycin. Chronisches Q-Fieber: Doxycyclin mit Chinolon oder Chloroquin (Langzeittherapie) | Streptomycin 2×1g für 10 Tage; alternativ: Doxycyclin (Rezidivrate bis 10%). | symptomatisch | Atovaquon 2 × 750 mg plus Azithro-mycin 500 mg initial, dann 250 mg/Tag für 7 Tage oder Clinda-mycin 3 × 600 mg plus Chinin 3×650 mg für 7 Tage. |