Skip to main content
. 2008 Nov 28:605–733. doi: 10.1016/B978-343721511-7.50037-3

Tabelle 4-9.

Epidemiologie und Klinik von zeckenübertragenen Krankheiten.

Lyme-Borreliose Zeckenrück-fallfieber Fleckfieber Humane monozytäre und granulo-zytäre Ehrli-chiose (HME und HGE) Q-Fieber Tularämie (Hasenpest) Zeckenenzephalitis (FSME und RSSE) Babesiose
Erreger Borrelia burgdorferi (USA, selten in Europa), B. garinii und B. afzelii (Europa, Asien) Borrelia duttoni, B. hermsii, B. hispanica und andere Rickettsien der Fleckfiebergruppe (s. Tab. 4-6) Ehrlichia chaffeensis (HME), Anaplasma phagocyto-philum(HCE) Coxiella burnetii Francisella tularensis 3 Flavivirus-Subtypen FSME: west-licher Subtyp; RSSE: fernöstlicher und sibirischer Subtyp Babesia divergens (Europa), B. microti (USA) und andere (70 Babesia spp.)
Übertragung Schildzecken (Ixodes spp.) Lederzecken (Ornithodo-rus spp.) Schildzecken (Amblyomma und Rhipice-phalus spp.) Schildzecken (HME: Amblyomma und Dermacentor spp., HGE: Ixodes spp.) Aerosol (!), Schildzecken (Dermacentor spp.), Zeckenkot hochinfektiös Schildzecken, Kontakt mit infiziertem Material (Schlachtkörper), Inhalation Schildzecken (Ixodes spp.), orale Übertragung möglich (un-pasteurisierte Milchprodukte) Schildzecken (Ixodes spp.)
Vorkommen Gesamte nördliche Hemisphäre (gemäßigte Klimazonen) Afrika, Zentralasien, Naher Osten, Spanien, USA, Mexiko, Kanada, Südamerika weltweit USA, Europa, Asien (?) weltweit nördliche Hemisphäre 30.-70. Breitengrad Europa, GUS-Staaten, China, Korea, Japan, USA (Nordosten und Mittelwesten), Europa, Asien
Bedeutung weltweit > 50-100000 Erkrankungen/Jahr, bedeutendste vektorübertragene Erkrankung in den USA und in Europa USA 30-50 Fälle/Jahr, Letalität ca. 5% weltweit wahrscheinlich >10000 Fälle/Jahr (USA: 250-1200) USA (Meldungen 2002): HGE: 511 Fälle, HME: 216 Fälle; Europa: Einzelfälle (HCE) weltweit <1000 Fälle/Jahr; häufig in Form von kleinen Ausbrüchen (Aerosole) sporadisches Auftreten, Letalität unbehandelt hoch (30%) >10000 Fälle/Jahr, Letalität 5%, bleibende neurologische Schäden. Bei RSSE schwerere Verlaufsformen. Einzelfälle, erhöhtes Risiko nach Splenekto-mie
Inkubationszeit Stadium 1: 3-30 Tage (meist 7-10); Stadium II: Wochen-Monate; Stadium III: Monate-Jahre 2-14 Tage 5-7 Tage HGE: 2-7 Tage, HME: 7-21 Tage 5-40 Tage 3-21 Tage 7-14 Tage 7-28 Tage
Krankheitsbild komplexe zeitliche Abfolge in 3 Stadien mit Beteiligung verschiedener Organe (s. Tab. 4-10) Fieberschübe von 2-8 Tagen Dauer, fieberfreies Intervall 2-4 Tage (bis zu 10 Fieberschübe) Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, Photophobie, Exanthem, gastrointesti-nale Symptome, petechialf Blutungen, Hepatosple-nomegalie, Ikterus. typische Symptomtrias: Fieber, Eschar, Exanthem; RMSF: periorbitale. Ödeme, Petechien. Fulminante Verläufe mit Organversagen. Afrikanisches Fleckfieber: Myalgien der Halsmuskulatur; Eschar häufig multipel, regionale Lymphadenitis. 60% klinisch inapparent. Grippeartige Symptome; selten Ausschlag und Splenomegalie. Komplizierend können Sekundärinfektionen (Pneumonie, Candida-infektionen) auftreten. Bei der Mehrzahl der Fälle kommt es innerhalb von 1 Woche zu einer folgenlosen Ausheilung. 50% asymptomatisch. Akutes Q-Fieber: Schlagartig einsetzendes hohes Fieber, Allgemeinsymptome mit Myalgien, Halsschmerzen, trockener Husten, abdominelle Beschwerden, Erbrechen oder Durchfall. Atypische Pneumonie bei 30 bis 50%. Chronisches Q-Fieber: Infektion persistiert > 6 Monate mit Endokarditis v.a. bei vorbestehender Klappenschädigung. Krankheitsbild abhängig von Infektionsweg und infektiöser Dosis. Nach Hautinfektion ulceroglandu-läre Form mit hohem Fieber, Ulkus im Bereich der Inokulationsstelle, regionale Lymph-adenopathie und septisches Krankheitsbild Bei Inhalation Pneumonie, bei oraler Aufnahme oro-pharyngeale Infektion. biphasischer Krankheitsverlauf: 1. Woche grippeartige Symptome. ZNS-Symptome (bei 10%); nach kurzem freien Intervall: Meningitis (50%), Menin-goenzephalitis (40%), Enze-phalomyelitis (10%); schwerere Verläufe bei Erwachsenen häufiger. Neurologische Folgeschäden bei ca. 20%. Fieber, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust, Muskel- und Gliederschmerzen, Splenomegalie, hämo-lytische Anämie, Hämoglobin-urie, Ikterus, Nieren-versagen möglich.
Diagnose Stadium 1 (Erythema migrans): klinisch; Stadium II und IM: Serologie (ELISA, Western Blot zur Bestätigung), IgM-Antikörper früher als IgC nachweisbar. Nach Therapie Antikörper-Titer nur langsam rückläufig, Neuroborreliose: intrathekale AK-Bildung. Verlaufskontrollen, möglichst gleiches Testsystem/Labor Erregernachweis im Blutausstrich bzw. Dicken Tropfen; häufig Leukozytose und Throm-bopenie.
  • Klinisch (typische Befund kon-stellation); Serologie (IFT): Antikörper teilweise erst nach Wochen, bei früher Therapie eventuell gar nicht. Weil-Felix-Reaktion durch modernere

  • Verfahren ersetzt.

Typische Ein-schlusskörper-chen nur in ca. 20% der Fälle. Anämie, Leu-ko- und Throm-bopenie, Transaminasen-erhöhung. Serologie (IFT): IgM-Antikörper frühestens am 3. bis 5. Tag. Ein signifikanter Anstieg des IgC-Titers sichert die Diagnose. Antikörper ab der 2. Krankheitswoche. Akutes Q-Fieber: IgM-Antikörper gegen Phase 1 und II, IgC-Anti-körper gegen Phase II. Chronisches Q-Fieber: IgC- und IgA-Antikörper gegen Phase 1. Klinisch; Serologie (Agglutinationstest): Antikörper erst in 2. oder 3. Krankheitswoche nachweisbar. Anzucht des Erregers erforderlich in speziellen Kulturmedien. Erkrankungsbeginn: Virusisolierung oder PCR (Blut, Liquor). Ab 2. Krankheitswoche: IgM- und IgC-Antikörper in Serum oder Liquor (ELISA). Nach Impfung ebenfalls IgM-Antikörper nachweisbar. Nachweis der intra-erythrozytä-ren Erreger im Blutausstrich.
Therapie s. Tab. 4-11 Doxycyclin, initial 200 mg p.o. oder i.V., dann 2×100 mg 3-7 Tage. Cave: Jarisch-Herxheimer-Reaktion! Doxycyclin 2 × 100 mg 7 Tage. Doxycyclin, 2 × 100 mg, mindestens 5-7 Tage. Akutes Q-Fieber: Doxycyclin, 2×100 mg für 14-21 Tage, alternativ Erythromycin. Chronisches Q-Fieber: Doxycyclin mit Chinolon oder Chloroquin (Langzeittherapie) Streptomycin 2×1g für 10 Tage; alternativ: Doxycyclin (Rezidivrate bis 10%). symptomatisch Atovaquon 2 × 750 mg plus Azithro-mycin 500 mg initial, dann 250 mg/Tag für 7 Tage oder Clinda-mycin 3 × 600 mg plus Chinin 3×650 mg für 7 Tage.