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. 2020 Oct 20;73(11):24–27. [Article in German] doi: 10.1007/s41906-020-0914-5

Die Bürger fördern

Gabriele Seidel 1,, Marie-Luise Dierks 2
PMCID: PMC7573522  PMID: 33100588

Abstract

Die individuellen Fähigkeiten von Bürgern und die Unter-stützung dieser Fähigkeiten durch das Gesundheitssystem bestimmen das Niveau der Gesundheitskompetenz der Menschen. Dies betrifft ihre Kompetenzen darin, Gesundheits- informationen zu finden, zu verstehen und abwägen zu können. Studien zeigen, dass ein Großteil der Deutschen eine niedrige individuelle Gesundheitskompetenz aufweist. Spätestens seit Verabschiedung des Nationalen Aktionsplans Gesundheitskompetenz ist der Handlungsbedarf unbestritten. Hier wird gefordert, das Wissen der Menschen zu unterstützen und Personen mit chronischen Erkrankungen explizit zu berücksichtigen. Erfolgreich implementierte Initiativen sind hier die Patientenuniversität an der MHH und das Selbstmanagementprogramm "Initiative für Selbstmanagement und aktives Leben (INSEA)", deren Aktivitäten zusammen mit Experten aus der Pflege umgesetzt werden und damit auch Anregungen für andere Standorte und Institutionen bein-halten.

Zusatzmaterial online: Zu diesem Beitrag sind unter 10.1007/s41906-020-0914-5 für autorisierte Leser zusätzliche Dateien abrufbar.

Keywords: Schlüsselwörter: Gesundheitskompetenz, Selbstmanagement, Gesundheitsbildung


Gesundheitskompetenz- und Selbstmanagement Der Bevölkerung wird eine niedrige Gesundheitskompetenz zugeschrieben. Zudem wird in Deutschland seit Jahren diskutiert, dass gerade Menschen mit chronischen Erkrankungen neben einer guten Gesundheitskompetenz die Fähigkeit brauchen, sich und ihre Gesundheit gut zu managen. Die "Patientenuniversität" an der Medizinischen Hochschule Hannover sowie die Initiative für Selbstmanagement und aktives Leben INSEA unterstützen die Bürger und fördern deren Kompetenz.

Das deutsche Gesundheitssystem ist komplex, und die Fähigkeit der Menschen, sich in diesem System zu orientieren und es gut zu nutzen, ist unterschiedlich gut ausgeprägt. Viele Forderungen der letzten Jahrzehnte nach Patienten- und Bürgerbeteiligung, einer partnerschaftlichen Entscheidungsfindung zwischen den behandelnden Personen und den Erkrankten, guten und leicht zugänglichen Informationen und Transparenz in Qualitätsfragen sind inzwischen im Ansatz umgesetzt. Dennoch zeigen Bevölkerungsbefragungen, dass mehr als die Hälfte der Menschen Schwierigkeiten dabei hat, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden (Schaeffer et al. 2018; Sørensen et al. 2012), eine Fähigkeit, die unter dem Begriff "Gesundheitskompetenz" subsumiert wird. Dazu gehört das Wissen um Krankheitsbewältigung, Prävention und Gesundheitsförderung, aber auch die Fähigkeit und Motivation, Informationen abzuwägen, Probleme zu lösen und Entscheidungen für die eigene Gesundheit treffen zu können (Sørensen et al. 2012). Diese Fähigkeit ist in der Gesellschaft ungleich verteilt (Schaeffer et al. 2017; Berens et al. 2016; Quenzel et al. 2016).

Wer hat Probleme?

Insbesondere Ältere, chronisch Erkrankte, Menschen mit einem niedrigen Bildungsgrad und Menschen mit Migrationshintergrund haben Schwierigkeiten, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen und anzuwenden (Schaeffer et al. 2018). Die Personen mit den selbst berichteten meisten Schwierigkeiten in diesem Bereich schätzen ihren Gesundheitszustand oft schlechter ein, haben oft schlechtere Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten, mehr Arztkontakte und eine häufigere Nutzung des ärztlichen Notfalldienstes als Menschen mit einer hohen Gesundheitskompetenz (Schaeffer et al. 2016). Vor allem die 6,2 Mill. Menschen in Deutschland mit einer geringen Lese- und Rechtschreibkompetenz (Literalität) (12,1% der deutsch sprechenden erwachsenen Bevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren, n=7192) stehen vor großen Herausforderungen, wenn es um den Umgang mit einer Erkrankung geht. Nach den Ergebnissen der Leo Studie 2018 können zum Beispiel nur 58,6% der Menschen mit einer geringen Literalität selbstständig gesundheitsbezogene Formulare ausfüllen, bei den Personen mit einer hohen Literalität sind es 90,2%, n=5.217 (Grotlüschen et al. 2019).

Die Frage bei der Rezeption dieser Daten lautet: Wo genau liegen die Ursachen für die skizzierte Situation? Die genaue Betrachtung der Lebens- und Arbeitsbedingungen führt hin zu einer breiteren Perspektive auf die individuellen Kompetenzen der Menschen und stellt mehr und mehr die Verantwortung des Gesundheitssystems und der darin agierenden Akteure in den Vordergrund: "Gesundheitskompetenz ist der Grad, zu dem Individuen durch das Bildungs-, Sozial- und/oder Gesundheitssystem in die Lage versetzt werden, die für angemessene gesundheitsbezogene Entscheidungen relevanten Gesundheitsinformationen zu finden, zu verarbeiten und zu verstehen." (Bitzer u. Ernstmann 2019).

Allianz und Aktionsplan

Die so dargestellte Erweiterung führte auch in Deutschland zu einer Reihe von Strategien, in die Experten aus Politik und Wissenschaft, der professionellen Pflege, der Kosten- und Leistungsträger einschließlich der Patientenvertretungen einbezogen waren und sind. So wurde unter anderem die Forschung zur Gesundheitskompetenz intensiviert, eine Allianz für Gesundheitskompetenz gegründet (Bundesministerium für Gesundheit 2017) und ein nationaler Aktionsplan Gesundheitskompetenz entwickelt und veröffentlicht (Schaeffer et al. 2018). Der Aktionsplan stellt vier Aktivitätsbereiche in den Mittelpunkt, in denen 15 Empfehlungen ausgesprochen werden:

  1. Gesundheitskompetenz in allen Lebenswelten fördern, um z.B. im Lebensraum der Menschen, in der Kommune, den Zugang zu Gesundheitsinformationen transparenter zu gestalten.

  2. Das Gesundheitssystem nutzerfreundlicher gestalten, um z.B. die aktive Mitwirkung von Patienten im Behandlungsgeschehen zu fördern oder informierte Entscheidungen bei Therapien zu unterstützen.

  3. Gesundheitskompetent mit chronischer Erkrankung zu leben, um z.B. die Fähigkeit zum Selbstmanagement von chronisch Erkrankten, ihren Angehörigen und Freunden zu stärken. Selbstmanagement ist dabei ein Teil von Gesundheitskompetenz und gilt als Sammelbegriff für verschiedene Fähigkeiten, Fertigkeiten und Methoden kompetenzfördernder Ansätzen. "Bei Vorliegen einer chronischen Krankheit oder Sucht bezeichnet Selbstmanagement auch einen dynamischen Prozess, welcher die Fähigkeiten eines Individuums umfasst, adäquat und aktiv mit den Symptomen, körperlichen und psychosozialen Auswirkungen, Behandlungen der chronischen Krankheit oder Sucht umzugehen und seinen Lebensstil entsprechend anzupassen." (Kessler 2018, Seite 6). Das Hauptaugenmerk bei der Selbstmanagement-Förderung bezieht sich also auf die Unterstützung einer förderlichen Krankheitsbewältigung, auf das Erlernen von Handlungstechniken, auf die Vermittlung von Wissen und auf einer angemessenen Nutzung von Ressourcen.

  4. Der vierte Aktivitätsbereich bezieht sich auf die Stärkung der Forschung zu Gesundheitskompetenz, um z.B. die Gesundheitskompetenz und kommunikativen Fähigkeiten der Gesundheitsfachberufe selbst zu erfassen und den Einfluss dieser Kompetenz auf den Umgang mit den Adressaten zu analysieren.

Die Empfehlungen richten sich an unterschiedliche Akteure und Individuen, und fokussieren auf das Bildungssystem, die kommunale Ebene und schließlich auf das Gesundheitssystem und die Versorgungseinrichtungen. Der Pflege könnte hierbei eine besondere Bedeutung zukommen. Zwar wird das Thema Gesundheitskompetenz zurzeit in der Pflege explizit nur vereinzelt diskutiert (Kolpatzki et al. 2018), dennoch unterstützen professionelle Pflegekräfte z.B. durch patientenbezogene Kommunikation oder die Weitergabe von Informationen über Gesundheit und Krankheit bereits heute auch die Gesundheitskompetenz der Erkrankten und ihrer Angehörigen. Dies könnte zukünftig intensiviert und in den Kontext einer organisationalen Gesundheitskompetenzvermittlung integriert werden (z.B. dadurch, dass die Förderung der Gesundheitskompetenz explizit als pflegerischer Auftrag wahrgenommen wird, unterstützt durch Instrumente wie, Dolmetscherdienste oder die Erstellung und Vermittlung verständlicher Gesundheitsinformationen) (DBfK 2020). Pflegekräfte können zudem aufgrund ihrer Kenntnisse des Versorgungssystems auch eine Lotsenfunktion einnehmen und Betroffene beispielsweise über Pflegestützpunkte, Wohnraumberatung, stationäre und ambulante Langzeitversorgung, Palliativversorgung oder Aufnahme- und Entlassungsverfahren aufklären. Dazu benötigt die professionelle Pflege neben speziellen, gegebenenfalls neu zu entwickelnden Kompetenzen strukturelle Rahmenbedingungen, um hier kompetenzfördernd mit den Adressaten umgehen zu können (Schaeffer et al. 2020).

Die skizzierten Tätigkeitsfelder verdeutlichen, dass die professionelle Pflege eine Stütze für die Entwicklung der Gesundheitskompetenz sein kann, insbesondere für (chronisch erkrankte) Patienten. Die folgenden Praxisbeispiele zeigen zwei ausgewählte Initiativen, die im Umfeld einer medizinischen Einrichtung angesiedelt sind und in Kooperation mit Pflegenden, u.a. auch der Bildungsakademie Pflege der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), durchgeführt werden.

Die Patientenuniversität an der MHH

Die 2006 an der MHH gegründete Patientenuniversität hat das Ziel, das Empowerment und die Gesundheitskompetenz der Menschen in der Region Hannover zu fördern. Dabei geht es um die Vermittlung von Wissen, die Stärkung der kommunikativen Kompetenzen und insbesondere um die Unterstützung der kritischen Kompetenz der Teilnehmenden, zum Beispiel durch Informationen zu Patientenrechten, Qualitätsaspekten des Gesundheitswesens oder durch Lehreinheiten zum Verständnis wissenschaftlicher Studien und deren Reichweite (Nutbeam 2000; Seidel 2017). Die besondere didaktische Struktur der Veranstaltungen liegt in einer Mischung aus Expertenvorträgen und interaktiven Lernstationen (Dierks u. Seidel 2014), an denen die Teilnehmenden das zuvor im Vortrag Gelernte im Gespräch mit Experten vertiefen, Fragen stellen, selbst etwas ausprobieren, Hinweise auf gute Informationsquellen erhalten und den Zugang ausprobieren, Modelle betrachten, Experimente durchführen oder auch Beratungsangebote in der Region kennenlernen können.

In diesem Format finden im Frühjahr und Herbst eines jedes Jahres ca. 20 Veranstaltungsabende unter dem Titel "Gesundheitsbildung für Alle" statt. Dabei werden unterschiedliche Gesundheitsthemen aufgegriffen (z.B. Das schwache Herz, Diabetes, Ar-throse - der Weg aus dem Schmerz). Im Anschluss an den Hauptvortrag im größten Hörsaal der MHH stehen 15 bis 20 Lernstationen bereit, die die Menschen nach eigener Präferenz besuchen können. Hieran wirken auch Studierende und Schüler der Bildungsakademie Pflege mit. Sie bereiten Themen vor, präsentieren diese und lernen bei der Aufbereitung der Inhalte und vor allem in der Kommunikation mit den Teilnehmenden, Informationen so darzustellen und zu vermitteln, dass sie von den "Laien" gut verstanden werden (beispielhaft in Tab. 1 dargestellt). Seit 2007 nehmen je nach thematischer Ausrichtung 100 bis 300 Personen pro Veranstaltung teil, viele von ihnen kommen seit Jahren zu verschiedenen Themen und empfehlen die Veranstaltungen Familienangehörigen, Freunden und Interessierten weiter (Seidel et al. 2016).

Veranstaltungsthema bei "Gesundheitsbildung für Alle" Lernstationen, durchgeführt von Pflegefachkräften Gesundheitsinformationen zu
Bluthochdruck und die Folgen. Wie halte ich meine Gefäße jung? Die zehn goldenen Regeln der Blutdruckmessung Prävention
Multiresistente Keime - Bedeutung für Patienten und Gesundheitsversorgung Händehygiene und Hautpflege Prävention
Diabetes mellitus Typ 2: Was tun, wenn der Blutzucker außer Kontrolle gerät Blutzuckermessung und Befunderklärung Krankheitsbewältigung
Achtsamkeit und Selbstwirksamkeit im Umgang mit chronischen Schmerzen Beratung zu alternativen Pflegemaßnahmen gegen Schmerz Krankheitsbewältigung
Arthrosen - aktiv und beweglich im Alltag mit Rehabilitations- und Sportmedizin Bewegungsübungen für die Hand und für den Rumpf Gesundheitsförderung
Wann muss die Bandscheibe operiert werden Rückenschule - Halt und Kraft für die Wirbelsäule Gesundheitsförderung
Älter werden, sozial integriert bleiben, Leben und Sterben Pflege von Angehörigen Zuhause: Wie ist es mit der Selbstbestimmung? Gesundheitssystem
Sicherheit im Alter und der Beitrag neuer Technologien Wie finde ich für meine Eltern die richtige Pflegeeinrichtung? Gesundheitssystem

Parallel zu den Vor-Ort-Terminen wird das Internetangebot kontinuierlich ausgebaut, um Interessierte unabhängig von Zeit und Ort zu erreichen und auch so die Gesundheitskompetenz der Bürger zu unterstützen:

  • Pfadfinder-Gesundheit - ein Gesundheitswegweiser mit seriösen Informationen und Internetadressen von nicht-kommerziellen Anbietern

  • Checklisten für die Vorbereitung von Gesprächen mit Fachpersonen

  • Filmreihe - Organe kurz erklärt - Medizinstudierende erklären, wie menschliche Organe aufgebaut sind und wie sie funktionieren

  • Filmreihe - Bewegungsübungen im Alltag. Hier werden kurze und einfach durchzuführende Bewegungsübungen vorgestellt, die im Alltag gut zu integrieren sind

  • Hinweise zu Übersetzungshilfen

  • Gesundheitsquizze

Neu aufgenommen wurde im Jahr 2020 das digitale Vermittlungsmodul "Die Patientenuniversität fragt nach", das aus zwei Teilen besteht: (1) Expertenvorträge online, die über den YouTube Kanal der Patientenuniversität ausgestrahlt werden. Die Zuschauer können nach der Ausstrahlung ihre individuellen Fragen per E-Mail oder über die Kommentarfunktion unter dem Video stellen. Diese Fragen werden für ein Gespräch, in dem die Experten die Zuschauerfragen beantworten, gebündelt. (2) Das Gespräch wird drei Wochen nach dem Vortrag ausgestrahlt.

patienten-universitaet.de

Initiative für Selbstmanagement und aktives Leben (INSEA)

Seit 2015 wird in Deutschland ein überregionales Netzwerk zur Förderung von Selbstmanagementfähigkeiten chronisch Erkrankter, ihrer Angehörigen und Freunde aufgebaut. Kernstück bildet das amerikanische krankheitsübergreifende "Chronic Disease Self-Management Program (CDSMP)" (Lorig et al. 2001), das unter dem Titel INSEA (Initiative für Selbstmanagement und aktives Leben) durchgeführt und evaluiert wird (Haack et al. 2019; Seidel 2019). Das Programm ist als ein sechswöchiges Gruppenprogramm (sechs Termine je 2,5 Stunden) konzipiert, die Kurse werden grundsätzlich von zwei zuvor intensiv geschulten Personen geleitet, von denen mindestens eine Expertin oder Experte aus eigener Betroffenheit ist (aufgrund eigener Erkrankung oder Erfahrungen im nahen Umfeld). Als Kursleitungen fungieren aktuell auch Personen, die eine Ausbildung in der Pflege haben oder aktuell in der Pflege tätig sind.

Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, in den Kursen einen aktiven Umgang mit der Erkrankung, eine gute Kommunikation mit Fachpersonen sowie Techniken zur Entscheidungsfindung, Problemlösung und Zielerreichung kennenzulernen und gemeinsam zu erproben. Zentral sind wöchentliche Handlungspläne, mit denen überschaubare Ziele gesetzt werden (Abb. 1).

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Mitglieder der Initiative sind bisher: BARMER, Robert Bosch Stiftung, CAREUM-Stiftung (Schweiz), Selbsthilfekoordination Bayern e.V. (SeKo Bayern e.V.), Gesundes Kinzigtal GmbH und die MHH. Die aktiven Partner setzen das Programm in unterschiedlichen Strukturen um: Die einen arbeiten an der Schnittstelle zur Kommune und bieten das INSEA-Programm in Kooperation mit kommunalen Einrichtungen im Gesundheits- und Sozialwesen an, andere arbeiten als Brücke in die Selbsthilfe und wieder andere verfolgen die Strategie, über Arztpraxen auf das Programm aufmerksam zu machen. Hier sehen wir in der stationären und ebenfalls in der ambulanten Pflege wichtige Kooperationspartner, die über das Programm informieren, aber auch selbst in ihrem Kontext Kursleitungen ausbilden und Kurse anbieten könnten.

Bis Ende 2019 haben 1.824 Personen an 190 Kursen teilgenommen. Die Standardevaluation (Befragung der Teilnehmenden zu Kursbeginn, Kursende und sechs Monate nach Kursende) zeigt, dass sich die Gesundheitskompetenz und die Selbstwirksamkeit der Teilnehmenden nennenswert erhöhen. Sie nutzen die "Werkzeuge" des Programms in ihrem Alltag und können selbstgesteckte Ziele besser erreichen als vorher. Damit wird deutlich, dass Peer-geleitete, krankheitsübergreifende Programme eine sinnvolle Ergänzung zur medizinischen Versorgung sind. Aufgrund der COVID-19 Pandemie werden ab dem Jahr 2020 die INSEA-Kurse auch digital und über das Telefon angeboten, so können auch die Personen erreicht werden, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind.

insea-aktiv.de

Nicht zu vernachlässigen: Kommunale Vernetzungsarbeit

Die Entwicklungsarbeit in beiden skizzierten Projekten hat gezeigt, dass der Bekanntheitsgrad und damit die Erreichbarkeit unterschiedlicher Zielgruppen wesentlich davon abhängt, wie gut andere Institutionen und Akteure des Gesundheits- und Sozialwesens vor Ort oder der Arbeitswelt in die Umsetzung eingebunden sind. Entsprechend führt die Patientenuniversität auch Veranstaltungen in Betrieben durch, um Arbeitnehmer zu erreichen. Auch andere Veranstaltungen und Kurse werden nicht nur in den eigenen Räumen, sondern auch bei unterschiedlichen Kooperationspartnern in den Stadtteilen angeboten. Gute Erfahrungen wurden dabei in Einrichtungen der ambulanten Pflege oder in Pflegeheimen gemacht, hier konnten erfolgreich Kurse zum Selbstmanagement durchgeführt werden.

Fazit.

Die Förderung der Gesundheitskompetenz und des Selbst-managements von Patienten ist eine wichtige Aufgabe in der Gesellschaft, der Gesundheitsbildung und der Gesundheitsversorgung.

In den skizzierten Angeboten werden unterschiedliche Aspekte der Gesundheitskompetenz adressiert, vom Gesundheitswissen über Kommunikationsfähigkeit mit Professionellen im Gesundheitswesen bis hin zur Handlungs- und kritischen Reflexionskompetenz.

Der professionellen Pflege kommen dabei vielfältige Unterstützungs- und Einsatzmöglichkeiten zu, die zukünftig intensiviert und strukturell verankert werden könnten.

Die Literaturliste erhalten Sie online auf springerpflege.de und über das eMagazin der PflegeZeitschrift

Electronic supplementary material

Contributor Information

Gabriele Seidel, Email: seidel.gabriele@mh-hannover.de.

Marie-Luise Dierks, Email: dierks.marie-luise@mh-hannover.de.

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