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. 2020 Dec 7;72(12):6–8. [Article in German] doi: 10.1007/s00058-020-1926-7

Pflegepolitik in 5 Minuten

PMCID: PMC7705207  PMID: 33281203

Arbeitsprozesse optimieren.

An der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg startete im November das Pilotprojekt "Innovationsraum Pflege". Elf hoch motivierte Pflegekräfte wollen kreative Lösungen für häufig auftretende Probleme in der pflegerischen Praxis finden und einführen. Die Station verfügt zunächst zehn Betten, die in naher Zukunft auf 20 Betten aufgestockt werden soll. Die dort aufgenommenen Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen wie der Parkinson-Krankheit haben einen hohen pflegerischen Versorgungsbedarf. Verantwortung und Planung der nötigen Therapien liegen gleichberechtigt bei den pflegerischen, therapeutischen und ärztlichen Teams. Die Verantwortung für die Organisation der Station innerhalb der Neurologischen Klinik hat das Pflegeteam: "Eine Station unter pflegerischer Leitung schafft den geeigneten Raum, um Innovationen unkompliziert in den Pflegealltag zu integrieren, zu erproben und wissenschaftlich auszuwerten", ist Edgar Reisch, Pflegedirektor am Universitätsklinikum Heidelberg, überzeugt. Der "Innovationsraum Pflege" nimmt eine Vorreiterrolle ein: Das multiprofessionelle Pflege- und Therapeu- tenteam wird die entwickelten Verbesserungen und Lösungsansätze wissenschaftlich auswerten und publizieren, im neuen Team finden sich dazu Pflegkräfte mit akademischem Abschluss der Pflegewissenschaften. Ein externer Beraterkreis unterstützt dabei.

Arbeitsgruppe "Neue Pflege": Den Stein ins Rollen brachten Gesundheits- und Krankenpfleger Robin Krüger, David Eichstädter, stellvertretende Stationsleitung Intensivstation, und Jan-Hendrik Träger, Fachkrankenpfleger für Anästhesie- und Intensivpflege. Sie gründeten im September 2019 die Arbeitsgruppe "Neue Pflege" als eine Plattform für alle Pflegekräfte des Universitätsklinikums, die den gegenwärtigen Herausforderungen ihres Berufs mit konstruktiven Lösungsvorschlägen begegnen wollen. Rund 30 Leute trafen sich nach Feierabend und erarbeiteten eine Ideensammlung, die sie Pflegedirektor Edgar Reisch vorstellten. "Ich bin froh, dass wir eine Möglichkeit gefunden haben, dieses Engagement weiter zu fördern und Nägel mit Köpfen zu machen", sagt Reisch.

klinikum.uni-heidelberg.de

Deutschland braucht gut organisierte Pflege.

Auf dem 7. Deutschen Pflegetag in Berlin diskutierten die Teilnehmenden - erstmals rein digital - am 11. und 12. November zu Themen wie Versorgungssicherheit in der aktuellen COVID-19-Pandemie, Arbeitsbedingungen und Hygienemanagement, Digitalisierung und Personalbemessung, aber auch über die Herausforderungen der Klimakrise.Die Bedeutung der Pflege für unsere Gesellschaft hob Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit, auf der Abschlussveranstaltung hervor. Pflege sei die soziale Frage der 2020er Jahre. Dies gelte nicht nur in Krisensituationen wie der aktuellen Pandemie, die vorhandene Bedarfe und Belastungen noch verstärkt anfachten. Denn Deutschland sei nach Japan das zweitälteste Land der Welt, rund 23 Millionen Menschen seien über 60 Jahre alt. Und dafür brauche es eine gut organisierte Pflege, die ihre Stärke aber auch wahrnehme. Denn, so Spahn weiter, es sei wichtig, sich zusammenzutun und durchzusetzen. Er ermuntere die Pflege, sich zu organisieren und ihre Stärke in Verhandlungen auch wahrzunehmen.

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Fünf Forderungen: Die Bundespflegekammer forderte die Politik auf, sich massiv für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen in der Pflege einzusetzen. In fünf zentralen Forderungen zeigt sie auf, was getan werden muss, um den Bedarf an Pflegefachpersonen jetzt und in Zukunft zu decken und pflegerische Versorgung sicherzustellen.

bundesgesundheitsministerium.de

Lob und Kritik nach KAP-Zwischenbericht.

Im November stellen Franziska Giffey, Hubertus Heil und Jens Spahn den 1. Bericht zum Stand der Umsetzung der Vereinbarungen der Konzertierten Aktion Pflege (KAP) vor. Die Tendenz: Der eingeschlagene Weg ist richtig. Die Ausbildungszahlen sind im letzten Ausbildungsjahr um 8,3% auf 71.300 Auszubildende angestiegen. Die Bezahlung der Pflegekräfte verbessert sich. Hierzu Christine Vogler, Vize-Präsidentin des Deutschen Pflegerats e.V. (DPR): "Die Einrichtung der Konzertierten Aktion Pflege war und ist wichtig und richtig, weil sie die relevanten Akteure an einen Tisch gebracht hat. Doch es bleibt noch viel zu tun. Allem voran bedarf es einer besseren Personalausstattung in der Pflege, der weiteren Ausgestaltung der hochschulischen Ausbildung und einer verbindlichen tariflichen Bezahlung. Hier bleiben die aktuellen Ergebnisse der Konzertierten Aktion Pflege teilweise noch hinter den Erwartungen zurück."

deutscher-pflegerat.de

Gesundheit von Pflegenden gefährdet.

Mit den steigenden COVID-19-Infektionszahlen spitzt sich der Fachkräftemangel in der Pflege weiter zu: In einigen Bundesländern wie Bremen und Bayern versorgen nun Pflegefachpersonen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden, infizierte Bewohner und Patienten. Aktuell mangelt es insbesondere auf Intensivstationen an qualifiziertem Pflegepersonal, sodass beispielsweise in Niedersachsen die Anhebung der Arbeitszeit flächendeckend auf 12 Stunden beschlossen wurde und zusätzlich auf Bundesebene über die Aussetzung der Personaluntergrenzen in Krankenhäusern diskutiert wird. "Einen Einsatz positiv getesteter Pflegefachpersonen betrachte ich als sehr kritisch. Mit dieser Maßnahme würde man das gesundheitliche Wohlergehen einer Berufsgruppe aufs Spiel setzen, die ohnehin schon besonders gefährdet ist", so Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

pflegekammer-rlp.de

"Echte Pflege".

Als Antwort auf die von der Bundesregierung lancierte Mini-Serie zum Pflegeberuf, die unter dem Titel "Ehrenpflegas" in den letzten Wochen traurige Berühmtheit erlangte, produzierte die bundesweit aufgestellte Klinikkette Paracelsus Kliniken einen einminütigen Clip unter dem Titel "Echte Pflege". Verbreitet wurde die filmische Antwort über Facebook, Instagram, verschiedene Karriereplattformen und das eigene Karriereportal jobs.pkd.de. Im Paracelsus-Film treten Pflegekräfte und Ärzte der Düsseldorfer Paracelsus-Klinik vor die Kamera, schließlich hatten die Macher den Anspruch "echte Pflege statt Ehrenpflegas" darzustellen. Die Frage "Was ist für dich echte Pflege?" beantworteten die engagierten Laiendarsteller in kurzen Statements: Ein hohes Maß an Professionalität und Fachwissen, Handeln im Team, eine enge Zusammenarbeit mit den Ärzten, Flexibilität oder die Aufgabe, Leben zu retten, waren Themen.

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paracelsus-kliniken.de

Mehr Pflegepersonal .

In der Intensivpflege zeichnen sich angesichts steigender COVID-19-Zahlen Versorgungsengpässe ab. "Der dramatische Mangel an Pflegefachpersonal, den wir schon seit vielen Jahren haben, zeigt sich in der Corona-Krise in all seiner Wucht", schildert Nadya Klarmann, Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen, die aktuelle Situation auf den Intensivstationen. Viele Kliniken schlagen Alarm, denn sie können die Versorgung von Intensivpatienten nicht mehr stemmen. Deshalb fordert Klarmann: "Jetzt muss dringend zusätzliches Personal auf die Intensivstationen berufen werden. Elektive Eingriffe müssen ausgesetzt werden, damit Ärzte und Pflegekräfte das Personal auf den Intensivstationen unterstützen können. Personal muss umverteilt werden und wir brauchen unbedingt mehr Freiwillige."

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pflegekammer-nds.de

Labore am Limit .

Viele Labore arbeiten an ihrer Leistungsgrenze. Ohne Priorisierung von Tests werden die Infektionszahlen in der Altenpflege weiter steigen. Der Arbeitgeberverband Pflege e.V. setzt sich daher für "priorisierte Testungen" in der Altenpflege ein. Ohne ein "priorisiertes Testverfahren" für Pflegeeinrichtungen würden Weihnachtsbesuche in den Pflegeeinrichtungen in weite Ferne rücken.

arbeitgeberverband-pflege.de


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