Bei Patienten mit positiver Allergieanamnese stellt sich die Frage, ob sie mit einem mRNA-Impfstoff gegen COVID-19 geimpft werden können. Das Paul-Ehrlich-Institut hat nun ein Flussdiagramm veröffentlicht, das Ärzte bei dieser Entscheidung unterstützen soll.
Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) berichtet im aktuellen Bulletin zur Arzneimittelsicherheit (1/2021) von bisher 99 Meldungen zu Anaphylaxien nach COVID-19-Impfung. Zudem gibt das Institut Ärzten Anhaltspunkte, was bei positiver Allergieanamnese vor einer Impfung gegen COVID-19 mit einer mRNA-Vakzine oder bei einer anaphylaktischen Reaktion nach COVID-19-mRNA-Impfung zu beachten ist (Flussdiagramm unter: www.pei.de).
Das PEI betont im Bulletin: "Für alle bisher eingesetzten COVID-19-Impfstoffe in Deutschland - Comirnaty®, COVID-19 Vaccine Moderna® und Vaxzevria® - wurden in sehr seltenen Fällen schwere anaphylaktische Reaktionen nach der Impfung (99 Fälle auf 8,9 Millionen Impfungen, Stand: 12.3.2021) berichtet." Für den vierten in der EU zugelassenen, und bisher noch nicht verfügbaren Impfstoff von Janssen/Johnson & Johnson ist bisher ein Fall einer Anaphylaxie in einer noch laufenden klinischen Studie aufgetreten, wie das PEI berichtet.
In den Fachinformationen der mRNA-Impfstoffe sowie in der Fachinformation der Vakzine von Janssen/Johnson & Johnson ist Anaphylaxie als mögliche unerwünschte Wirkung aufgeführt.
Welche Patienten können mit einer mRNA-Vakzine geimpft werden?
Das PEI hat das Flussdiagramm gemeinsam mit dem RKI und in enger Zusammenarbeit mit den allergologischen Fachgesellschaften Deutschlands entwickelt. Das Flussdiagramm kategorisiert wie folgt:
Mit einer COVID-19-mRNA-Vakzine geimpft werden können (bei Nachbeobachtungszeit von 15 Minuten) Patienten mit:
kontrolliertem Asthma bronchiale,
Rhinoconjuntivitis allergica inklusive Heuschnupfen, Milbenallergie,
Neurodermitis,
Nahrungsmittelallergie,
Bienen-/Wespengiftallergie,
Medikamentenallergie (nicht PEG- assoziiert),
Kontaktallergie (etwa Duftstoffe, Nickel).
Geimpft werden können außerdem (unter Notfallbereitschaft und bei Nachbeobachtungszeit von 30 Minuten) Patienten mit:
Anaphylaxie/schwerer allergischer Reaktion auf Medikamente oder einen anderen Impfstoff/Impfstoffbestandteil, der nicht in COVID-19-Impfstoffen enthalten ist,
Generalisierter Urtikaria (oder anderer monosymptomatischer Allergiemanifestationen) nach COVID-19-mRNA-Impfung,
Mastozytose.
Besondere Vorsicht gilt bei Patienten mit:
Anaphylaxie/schwerer allergischer Reaktion nach 1. oder 2. Dosis eines COVID-19-mRNA-Impfstoffs,
ärztlich behandelter Anaphylaxie/ schwerer allergischer Reaktion > 1h (bis 24h) nach COVID-19-mRNA-Impfung,
bekannter Überempfindlichkeit auf einen Inhaltsstoff in den COVID-19-mRNA-Impfstoffen,
bekannten allergischen Reaktionen auf PEG oder PEG-haltige Arzneimittel (Laxanzien, Darmspüllösungen vor Endoskopie),
Anaphylaxie/schwerer allergischer Reaktion unklarer Ursache.
Bei diesen Patienten sollte in einem allergologischen Zentrum eine IgE-vermittelte allergische Genese geprüft werden.
Gibt es dafür keinen Anhaltspunkt, können die Patienten nach strenger Risiko-Nutzen-Abwägung und erhöhter Notfallbereitschaft und Nachbeobachtungzeit über 30 Minuten geimpft werden.
Bestätigt sich eine IgE-vermittelte allergische Genese, sollte keine COVID-19-mRNA-Impfung erfolgen und ein Alternativ-Impfstoff erwogen werden.

