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. 2021 Jun 25;23(6):15–17. [Article in German] doi: 10.1007/s15005-021-1991-8

Auch in der COVID-19-Pandemie an den krankheitsspezifischen Leitlinien orientieren

Peter Berlit 1,
PMCID: PMC8204621

Fragestellung: Können neurologisch indizierte Immuntherapien während der COVID-19-Pandemie fortgeführt werden?

Hintergrund: Während der COVID-19-Pandemie besteht erhebliche Unsicherheit für Ärzte und Patienten bezüglich des Infektionsrisikos bei neuroimmunologischen Erkrankungen, vor allem, wenn eine immunmodulierende Behandlung erfolgt. Unklar ist, ob solche Therapien das Infektionsrisiko und den Schweregrad der Erkrankung bei einer Infektion beeinflussen können.

Patienten und Methodik: Vor diesem Hintergrund wurde die Literatur bezüglich internationaler Leitlinien und Stellungnahmen gescreent, Kernfragen wurden formuliert, und es wurde versucht, einen Konsensus zu vorliegenden Empfehlungen in einem modifizierten Delphi-Verfahren herzustellen. Erste Ergebnisse aus der Pandemie wurden für eine abschließende Handlungsanleitung berücksichtigt.

Ergebnisse: Folgender Konsensus wurde gefunden:

  • Kortikosteroide, intravenöse Immunglobuline oder eine Plasma-Austauschbehandlung können auch während der Pandemie mit niedrigem Risiko bei der Behandlung akuter neurologischer Verschlechterungen eingesetzt werden.

  • Eine laufende immunmodulierende Behandlung bei neurologischen Erkrankungen sollte während der Pandemie nicht grundsätzlich verändert werden.

  • Während bei Multipler Sklerose eine Intervalltherapie mit Interferonen oder Glatirameracetat als unproblematisch angesehen wird, könnten Behandlungen mit Fingolimod, Siponimod, Alemtuzumab, Cladribin, ebenso wie B-Zell-depletierende Behandlungen, das Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion erhöhen.

Für einige Immuntherapien wurde kein Konsensus gefunden; diesbezüglich ist die konsequente Erhebung von Patientendaten in einem prospektiven Register erforderlich.

Schlussfolgerungen: Das Management neuroimmunologischer Erkrankungen sollte sich auch in der COVID-19-Pandemie an den krankheitsspezifischen Leitlinien orientieren. Eine laufende Immuntherapie muss nicht grundsätzlich geändert werden.

Korsukewitz C, Reddel SW, Bar-Or A, Wiendl H. Neurological immunotherapy in the era of COVID-19 - looking for consensus in the literature. Nat Rev Neurol 2020; 16: 493-505

Kommentar von Peter Berlit, Berlin.

Weitgehende Übereinstimmung mit den DGN-Leitlinien

In der hier vorliegenden Übersicht wird der Versuch unternommen, aus vorliegenden internationalen Empfehlungen und retrospektiven Kohortenstudien im Rahmen der COVID-19-Pandemie Empfehlungen für neuroimmunologische Patienten unter immunmodulierender Behandlung zu formulieren. Diese decken sich weitgehend mit den in der aktuellen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) getroffenen Aussagen [1].

Insgesamt ergeben sich keine Hinweise darauf, dass neuroimmunologische Erkrankungen ohne Schluck- oder Atemprobleme per se ein erhöhtes Risiko im Rahmen der COVID-19-Pandemie darstellen. Bei klinisch relevanten akuten Exazerbationen wird eine Behandlung mit Kortikoiden, Immunglobulinen oder Plasmapherese als unproblematisch angesehen.

Eine laufende immunmodulierende Behandlung bei neurologischen Erkrankungen muss während der Pandemie nicht grundsätzlich verändert werden. Grundsätzlich darf eine krankheitsmodifizierende Behandlung bei der Multiplen Sklerose (MS) oder anderen neuroimmunologischen Erkrankungen auch während der COVID-19-Pandemie begonnen werden.

Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken werden für MS-Kranke während der Pandemie empfohlen.

Auch wenn gesicherte prospektive Daten noch nicht vorliegen, sprechen retrospektive Kohortenstudien dafür, dass Kortikoide und monoklonale Antikörper wie Tocilizumab bei einer massiven Entzündungsreaktion mit Zytokinsturm bei COVID-19 erfolgreich eingesetzt werden können [2]. Ob womöglich auch bei der MS angewendete Intervalltherapeutika den Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion positiv beeinflussen können, ist bislang nicht geklärt.

Prof. Dr. med. Peter Berlit, Berlin.

Generalsekretär die Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) E-Mail: berlit@dgn.org

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