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. 2024 Mar 12;86(3):173–175. [Article in German] doi: 10.1055/a-2261-7386

Weiterentwicklung von Integrationsprogrammen für migrierte Ärzte

PMCID: PMC10974646

Mit einem Anteil von 14 Prozent aller in Deutschland praktizierenden Ärzte leisten Ärzte mit ausländischer Staatsbürgerschaft bereits heute einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheitsversorgung 1 . Dabei zeigen nationale sowie internationale Studien, dass Ärzte mit Migrationshintergrund auf zahlreiche Schwierigkeiten bei ihrer Berufsausübung stoßen.

Im Folgenden wird zunächst ein Überblick über die bereits vorhandenen Unterstützungsangebote gegeben. Viele Ärzte werden über Vermittlungsagenturen angeworben und von diesen bei der Organisation des Berufs- und Privatlebens unterstützt. Unabhängig davon können sich Personen mit Migrationshintergrund einen ersten Überblick über das Berufsanerkennungsverfahren mittels des online Informationsportals „Anerkennung in Deutschland“ verschaffen 2 . Ergänzt wird das Informationsangebot durch die Hotline „Arbeiten und Leben in Deutschland“ der Zentralen Servicestelle für Berufsanerkennung, mit einer kostenlosen Erstberatung. Zudem informieren die 16 Landesnetzwerke des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung“ über sprachliche und fachliche Qualifizierungsangebote und fördern deren Finanzierung 3 . Einwanderungsinteressierten stellt das Portal „Make it in Germany“ mehrsprachige Informationen und Checklisten zur Verfügung 4 . Auch fördert das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Integrationskurse und digitale Deutschlernangebote 5 . Darüber hinaus werden allgemeine Deutschkurse und Vorbereitungskurse für die Fachsprachen- und Kenntnisprüfung angeboten, so beispielsweise durch die Charité International Academy oder die Freiburg International Academy.

Qualitative Studie

In einer qualitativen Studie wurden neun leitfadengestützte Einzelinterviews mit Ärzten geführt, die im Ausland geboren und / oder ausgebildet wurden und in unterschiedlichen Fachbereichen an deutschen Kliniken tätig sind, um herauszufinden, welche Instrumente, Maßnahmen und Programme sich positiv auf die berufliche Integration der migrierten Ärzte auswirken.

Die Teilnehmenden beschrieben dabei besonders mangelnde Sprachkenntnisse sowie das Anerkennungsverfahren als große Herausforderung bei der beruflichen Integration in Deutschland. Gute Sprachkenntnisse seien für die ärztliche Kommunikation, die Verfassung von Arztbriefen sowie die Kommunikation mit den Behörden essentiell. Auch für die Integration ins Team sei ein gutes Sprachverständnis wichtig, da Scherze und Redewendungen sonst nicht verstanden werden könnten. Darüber hinaus wurde die Regelung und Organisation des Anerkennungsprozesses auf Länderebene als beschwerlich erlebt und das Anerkennungsverfahren als langwierig und kompliziert beschrieben. Zusätzliche Schwierigkeiten seien bedingt durch den anderen Aufbau des deutschen Gesundheitssystems und die abweichende Klinikstruktur im Vergleich zum Heimatland. So stelle die Blutabnahme und Legung von Zugängen eine große Herausforderung in der Anfangszeit dar, da diese Tätigkeiten im Heimatland oft von Pflegekräften übernommen würden. Zudem komme es zu Unsicherheiten durch andere Abkürzungen, eingesetzte Medikamente und Therapieverfahren. Stereotypen gegenüber Ärzten bestimmter Herkunftsländer führten zu Anzweiflungen der sprachlichen und fachlichen Kompetenzen und vereinzelt zu Diskriminierungserfahrungen. Um die sprachlichen und fachlichen Erwartungshaltungen zu erfüllen und der Verantwortung gegenüber den Patienten gerecht zu werden, empfanden die migrierten Ärzte einen erheblichen Druck. Hinzu komme eine unzureichende Einarbeitung, wodurch sich die Ärzte ins kalte Wasser geworfen und allein gelassen fühlten, woraus eine hohe psychische Belastung resultiere.

Um den Integrationsschwierigkeiten zu begegnen, seien Hospitationen ein hilfreiches Instrument zur Verbesserung der Sprache und zum Kennenlernen der Abläufe an deutschen Kliniken. Jedoch sei dies aus eigener Anstrengung heraus oft schwer zu organisieren. Ein gutes kollegiales Umfeld sowie die Unterstützung von Freunden, der Familie oder der Gemeinde sei während des Integrationsprozesses besonders wichtig. Um sich mit anderen migrierten Ärzten auszutauschen und zu vernetzen, seien Gruppen in den sozialen Medien, wie Facebook oder Telegram, hilfreich.

Die migrierten Ärzte gaben an, große Schwierigkeiten mit der Beschaffung eines Überblicks über mögliche Unterstützungs- und Finanzierungshilfen gehabt zu haben. Unabhängig von offiziellen Integrationsprogrammen, die bislang kaum an Kliniken vorhanden seien, agierten jedoch manche Oberärzte unaufgefordert als Mentoren. Deren persönliche Unterstützung sowie die Hilfe bei der Praktikumssuche werde sehr geschätzt. Drei migrierte Ärzte besuchten Kurse in Vorbereitung auf die Fachsprachen- und Kenntnisprüfung, welche diese als außerordentlich hilfreich beurteilten. Besonders die Kombination aus Sprachübungen und dem Verfassen von Dokumenten sei sehr gut. Auch der vermittelte Überblick über das deutsche Gesundheitssystem und die Einbindung von Simulationspatienten in das Training sei hilfreich. Zudem wurden die Flexibilität eines Onlineformats und die intensive und kompakte Vorbereitung als sehr geeignet empfunden.

Verbesserung der Integration

Die befragten migrierten Ärzte wünschen sich weitere Programme, welche Informationen über das Bewerbungsverfahren an deutschen Kliniken vermitteln sowie einen Überblick geben über die Klinikabläufe in Deutschland, das Krankenkassensystem, Abrechnungsverfahren sowie Versicherungssystem. Auch sollten Informationen zum Weiterbildungsprozess, so zum Beispiel zur Promotion in Deutschland und zum wissenschaftlichen Arbeiten, zur Verfügung gestellt werden. Von staatlicher Seite ist eine Zentralisierung der Behörden für das berufliche Anerkennungsverfahren wünschenswert ebenso wie der Ausbau von zentralen Beratungsstellen. Außerdem würden bundesweit einheitliche Regelungen für die Durchführung der Fachsprachen- und Kenntnisprüfung das Approbationsverfahren für ausländische Ärzte vereinfachen. Um die berufliche Integration weiter zu verbessern, sind spezielle Praktikaformate, ähnlich dem praktischen Jahr für deutsche Medizinstudierende, sinnvoll. Da gute Sprachkenntnisse als entscheidend für die Kommunikation mit Patienten und deren sichere Versorgung empfunden werden, ist es empfehlenswert, Sprachkursangebote an den Kliniken selbst anzubieten, um möglichst nah an der in der Praxis benötigten Alltagskommunikation zu sein und systematisch das Verfassen von deutschen Arztbriefen zu erlernen. Darüber hinaus ist es generell wichtig den Ärzten durch eine strukturierte Einarbeitung ihren Start zu erleichtern und diese durch spezielle Mentoringformate zu unterstützen. Wenn darüber hinaus die innovativen Ideen und Abläufe aus der ärztlichen Tätigkeit der Herkunftsländer ebenfalls gewürdigt würden, wäre ein gemeinsames voneinander Lernen ein weiterer wichtiger Baustein der Einarbeitung.

Publikationshinweis

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Footnotes

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Literatur


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