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. 2024 Jan 19;86(3):224–231. [Article in German] doi: 10.1055/a-2169-7935

Messung von Handlungsmöglichkeiten (capabilities) für körperliche Aktivität: Entwicklung und Erprobung eines Messinstruments für ältere Menschen

Capabilities for Physical Activity in Older People: Development and Testing of a Measurement Tool

Lisa Boyer 1,, Alexandra Sauter 1, Julika Loss 2,3
PMCID: PMC10974652  PMID: 38242156

Abstract

Introduction Based on Sen’s capability approach, this study addresses the operationalization of capabilities for leading an active lifestyle. By assessing capabilities, processes of change can be mapped and the development of interventions to promote physical activity in different population groups, e. g., older adults, can be supported. However, no standardized German-language instrument for measuring physical activity-related capabilities is available to date.

Methods Building on an exploratory interview study (Sauter et al., 2019) that identified relevant physical activity-related capabilities in older adults, a standardized questionnaire with 41 items was designed. Two different question formulations were designed to query perceived capabilities for physical activity. The “think-aloud” method was conducted to validate the instrument. This involved recording all verbal comments made by participants while completing the questionnaire and conducting supplementary interviews for comprehensibility and applicability. The sample included 16 older adults (w=9, MW=66.3 years).

Results Overall, respondents rated the instrument’s usability and comprehensibility as good. For the questioning of perceived capabilities, the formulation “I have the possibility to...” was favored instead of “I perceive my personal opportunities as…”. Difficulties in understanding and ambiguities were found in a few items. Thus, further changes were made to specify these questions with regard to unclear terms such as “walking paths”.

Conclusion The questionnaire seems to be suitable to asses perceived capabilities for leading an active lifestyle in older adults. The final questionnaire is available in English and in German. Further research is needed to test the applicability of the instrument in other population groups and verify objectivity, reliability and validity.

Key words: capabilities, questionnaire, qualitative interviews, cognitive interviews, think aloud, validation

Einleitung

Weniger als die Hälfte der Frauen und nur knapp über die Hälfte der Männer in Deutschland erreichen die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur körperlichen Aktivität 1 2 3 . Mit zunehmendem Alter ist ein Rückgang bei der regelmäßigen Bewegung zu erkennen. Zum Beispiel zeigen die Daten von Richter 4 in der Altersgruppe ab 65 Jahren einen deutlichen Rückgang von bis zu 25 % im Vergleich zur Gruppe der unter 65 Jährigen 1 . Ein körperlich aktiver Lebensstil kann in dieser Bevölkerungsgruppe einen wichtigen Beitrag für Gesunderhaltung und Krankheitsvermeidung leisten, da regelmäßige Bewegung das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen senkt, zudem die Mobilität fördern und Stürzen vorbeugen kann und damit hilft, auch im höheren Alter die eigenständige Alltagsführung aufrechtzuhalten 5 6 . Bewegungsförderung ist daher ein wichtiges Public Health-Ziel. Es gibt verschiedene Ansätze, um das Bewegungsverhalten in der Bevölkerung zu verbessern. Sie konzentrieren sich oftmals auf Maßnahmen der gesundheitlichen Aufklärung und Motivation, z. B. Kampagnen oder Bewegungskurse, wie sie auch für Senior:innen angeboten werden. Zudem können verhältnisorientierte Interventionen, wie beispielsweise die Initiierung infrastruktureller Veränderungen, nachhaltige Auswirkungen auf das Bewegungsverhalten haben, indem sie die Umsetzung körperlicher Aktivität im Alltag erleichtern bzw. Barrieren abbauen. Für den Erfolg von Maßnahmen ist entscheidend, bei Interventionen bedarfsgerecht vorzugehen. Daher muss man verstehen, wie sich Bewegungsverhalten in bestimmten Zielgruppen, z. B. Älteren, erklären und beeinflussen lässt. Für die Erfassung dieser Einflussfaktoren braucht es ein geeignetes Messinstrument, dass das weite Spektrum an Faktoren auf verschiedenen Ebenen erfassen kann, z. B. der individuellen Ebene wie auch der verhältnisbezogenen Ebene. Als vielversprechendes Konzept erscheint der von Amartya Sen und Martha Nussbaum entwickelte Capability-Ansatz (CA) 7 . Das ursprünglich aus der Wohlfahrtsökonomie stammende Konzept begreift capabilities (sog. „Handlungsmöglichkeiten“) als vom Individuum wahrgenommene Bedingungen im Umfeld und in der eigenen Person, die es ermöglichen, bestimmte (gesundheitsförderliche) Verhaltensweisen auszuführen 8 9 . In den letzten Jahren hat der CA in sozialwissenschaftliche 10 und medizinische Forschungskontexte 11 Eingang gefunden, wie der Versorgungsforschung 12 oder Public Health 13 , sowie in aktuelle Forschung zu Auswirkungen der Covid-19 Pandemie 14 . Der CA berücksichtigt sowohl individuelle Faktoren (z. B. Alter, finanzielle Lage), als auch kontextuelle und strukturelle Rahmenbedingungen (z. B. Umweltbedingungen, soziale Normen), adressiert dabei die Wechselwirkung zwischen Person und Umwelt 15 , und vereint damit Aspekte verhaltens- und verhältnisorientierter Gesundheitsförderung. Im Sinne des CA sollte Gesundheitsförderung gleiche Handlungsmöglichkeiten für alle Menschen schaffen, um soziale Ungleichheit zu minimieren. Der Mensch wird durch capabilities in die Lage versetzt, sich für (oder auch gegen) gesundheitsförderliche Handlungen zu entscheiden und nach eigenen Wünschen zu handeln (positive Freiheit) 16 . Würde man Bewegungs-bezogene capabilities in einer Population erfassen, ließen sich daraus Hinweise z. B. auf fehlende Strukturen oder erschwerende Rahmenbedingungen für körperliche Aktivität ableiten, die wiederum die Entwicklung von Interventionen unterstützen könnten 17 . Die Messung von capabilities z. B. im Bereich körperliche Aktivität wäre damit für die Public-Health-Praxis und Entscheidungstragende wichtig, um präventive Maßnahmen bedarfsgerecht zu planen.

Vorhandene standardisierte Messinstrumente zu capabilities konzentrieren sich überwiegend auf die Erhebung des allgemeinen Gesundheitszustandes oder des persönlichen Wohlbefindens einer Person 18 19 . Wie und ob diese Instrumente auch als Grundlage für die Erfassung spezifischer Handlungsmöglichkeiten dienen können, z. B. für gesunde Lebensstile wie Bewegung, ist unklar. Darüber hinaus ist denkbar, dass auch Anpassungen für einzelne Bevölkerungsgruppen (z. B. Senior:innen) erfolgen müssen. Bislang fehlen geeignete Messinstrumente zur standardisierten Erhebung bewegungsbezogener capabilities, wie eine systematische Übersichtsarbeit zeigt 20 . Auch fehlt bislang eine verständliche Formulierung von Fragebogenitems, um das komplexe Capability-Konstrukt adäquat zu erfassen. Allerdings konnten zwei explorative Studien in semistandardisierten Fokusgruppen bzw. Interviews verschiedene Handlungsmöglichkeiten identifizieren, die für körperliche Aktivität bedeutsam sind 21 22 . Auf diesen Erkenntnissen kann eine Fragebogenentwicklung aufbauen. So haben Sauter et al. 21 mittels semi-standardisierter Interviews bei älteren Menschen sowie Multiplikator:innen (z. B. Senior:innenbeauftragte) exploriert, welche Handlungsmöglichkeiten für Senior:innen relevant sind, um einen körperlich aktiven Lebensstil zu führen. Die Autor:innen konnten 11 bewegungsbezogene capabilities ableiten.

Die vorliegende Arbeit möchte zur Operationalisierung des CA in der bewegungsbezogenen Gesundheitsförderung beitragen, indem sie zwei Ziele verfolgt:

  1. Basierend auf den Capability-Dimensionen von Sauter et al. (2019) soll ein verständliches, deutschsprachiges Instrument für ältere Menschen (>60 Jahre) konzipiert werden, das bewegungsbezogene Handlungsmöglichkeiten bedarfsgerecht umfassend erfasst.

  2. Dieses Messinstrument soll mittels kognitiver Interviews bei der Zielgruppe der Senior:innen validiert werden.

Methodik

Rahmenbedingungen

Die Studie wurden im Rahmen des Forschungsverbundes Capital4Health – “Capabilities for active lifestyle: An interactive knowledge-to-action research network for health promotion” (FKZ 01EL1421A) zwischen 2016 und 2020 durchgeführt 23 24 . Es liegt ein positives Votum der Ethikkommission der Universität Regensburg vor (15-101-0326).

Fragebogenentwicklung

Phase 1: Entwicklung eines Fragebogens

Basierend auf den Ergebnissen von Sauter et al. 21 wurde eine Liste an Items zu zielgruppenspezifischen bewegungsbezogenen capabilities erstellt. Dabei wurden weitere in der Literatur vorgeschlagene Aspekte und Fragestellungen zur Messung von capabilities 22 23 berücksichtigt. Anschließend wurde die Item-Liste 2018 bei einem Workshop des Capital4Health-Forschungsverbundes mit Expert:innen (n= 8) aus den Bereichen Gesundheitsförderung, Sportwissenschaften, Sportpädagogik und Sozialwissenschaften diskutiert. Alle Teilnehmenden wurden gebeten, die Liste an bewegungsbezogenen capabilities zu kommentieren, hinsichtlich a) Nachvollziehbarkeit der abgeleiteten Capability-Indikatoren, b) Konsistenz mit dem CA, c) Relevanz für die Zielgruppe Senior:innen, d) Vollständigkeit der abgefragten Dimensionen. Alle Anmerkungen wurden protokolliert und innerhalb der Forschungsgruppe diskutiert. Die Anmerkungen und Ergänzungen flossen in die Erstellung eines Fragebogens ein. Es wurden zwei Fragebogenversionen erstellt, da es sich bei der ursprünglichen Capability-Fragestellung, wie sie auch in einem anderen deutschsprachigen Messinstrument zu finden ist 25 , („Ich empfinde meine Möglichkeiten, mich in meinem Alltag zu bewegen als…“) um eine etwas komplexere Formulierung handelt. Daher wurde der Fragebogen um eine zweite vereinfachte Formulierung („Ich habe die Möglichkeit, mich in meinem Alltag zu bewegen…“) ergänzt.

Phase 2: Validierung des Fragebogens

Methode der Datenerhebung : Um die Akzeptanz des Messinstruments bei der Zielgruppe der Senior:innen zu untersuchen, wurden kognitive Interviews durchgeführt. In den Interviews kamen die so genannte „think-aloud-Methode“ sowie das „concurrent verbal probing“ zum Einsatz, die oft zusammen angewandt werden 23 . Bei der „think-aloud-Methode“ wird die befragte Person aufgefordert, ihre Gedanken während der Beantwortung laut auszusprechen. Aus dieser offenen Befragungsart können relevante Hinweise z. B. über Verständlichkeit, Uneindeutigkeiten oder Vollständigkeit von Fragen bzw. Antwortkategorien des zu testenden Instruments gewonnen werden 23 . Ergänzend wurden spezifische Nachfragen direkt im Anschluss an die Beantwortung eines Items („concurrent verbal probing“) gestellt; diese wurden vorab in einem Leitfaden festgelegt und in seltenen Fällen reaktiv während des Interviews generiert. Die Techniken sollen ein tieferes Verständnis ermöglichen und die Interpretation bestimmter Begriffe (seitens der befragten Person) aufdecken 26 . Die Teilnehmenden erhielten beide Fragebogenversionen mit der Bitte, diese nicht vor dem Interview durchzusehen. Die Reihenfolge, mit der die Fragebögen von den Teilnehmenden bearbeitet wurden, alternierte zwischen den Teilnehmenden, um Verzerrungen vorzubeugen. Bei den abschließenden Fragen konnten die beiden Fragebogenversionen zum Vergleich nebeneinandergelegt werden.

Ablauf der Datenerhebung : Nach einleitenden Worten (bzgl. Aufzeichnung, Aufwandsentschädigung, Einwilligungserklärung etc.) wurden die Senior:innen gebeten, während des Ausfüllens kontinuierlich ihre Gedanken zu äußern: „Lesen Sie dann die erste Frage laut vor und teilen Sie mit, welche Antwortoption Sie wählen würden. Wenn Sie sich nicht sicher sind, welche Antwortoption Sie wählen sollen, sprechen Sie über die verschiedenen Möglichkeiten, bis Sie zu einer Entscheidung kommen “. 27 . Der Ablauf der Befragung folgte einem Leitfaden. Dieser schloss mit Fragen zum allgemeinen Eindruck zur jeweiligen Fragebogenversion ab. Dabei wurden Fragen zum Layout, dem Antwortformat sowie der vereinfachten Capability-Fragestellung gestellt und Vergleiche zwischen beiden Versionen erbeten. Alle Teilnehmer:innen unterschrieben eine schriftliche Einverständniserklärung und erhielten nach Beendigung des Gesprächs eine Aufwandsentschädigung von 30€.

Stichprobe : Zwischen April und Juni 2020 wurden 16 Teilnehmer:innen (w=9, 61–84 Jahre, Mittelwert 66,3 Jahre) über persönliche Kontakte (z.T. aus anderen Studien) und Flyer rekrutiert; dabei wurde auf eine ausgewogene Verteilung der Geschlechter, der Altersgruppen sowie des Lebensraums (ländlich und städtisch) geachtet. Die Interviews fanden telefonisch (n=7) oder face-to-face in der häuslichen Umgebung der Teilnehmer:innen (n=9) statt. Die ersten drei Interviews dienten als Pretest. Im Zuge dieser drei Interviews wurden geringfügige Veränderungen vorgenommen, um die Interviewfragen präziser zu formulieren. Da diese Veränderungen nur sehr gering waren, wurden diese drei Interviews mit einbezogen und sind Teil der Stichprobe von 16 Interviews.

Datenauswertung : Alle Interviews wurden aufgezeichnet, transkribiert und inhaltsanalytisch ausgewertet 28 . Die Auswertung erfolgte zudem deduktiv in Anlehnung an den vorab entwickelten Leitfaden 28 . Die Transkripte wurden fortlaufend nummeriert (IP01-IP16) und anonymisiert. Informationen, die einen Rückschluss auf die befragte Person zuließen, wurden entfernt, und nur Informationen zu Alter und Geschlecht waren verfügbar. Die Ergebnisse der Analyse wurden genutzt, um den Fragebogen aufgrund der Rückmeldungen zu überarbeiten und zu finalisieren.

Ergebnisse

Phase 1: Ableitung von Capability-Domänen und Entwicklung eines Fragebogens

Anhand der Interviewstudie von Sauter et al. (2019) konnten 11 bewegungsbezogene capabilities abgeleitet werden, die die Befragten als wichtig bewertet haben, um als Senior:in einen körperlich aktiven Lebensstil zu führen. Im Rahmen des Expert:innen-Workshops wurden die Items für die Zielgruppe der Senior:innen als relevant eingestuft. Die Bezeichnungen einzelner Items wurden angepasst (bspw. Bewältigung biographischer Passagen, vormals Brüche) und Definitionen einzelner Items geschärft. In Tab. 1 findet sich ein Überblick, wie die capabilities zuerst in verschiedene Bereiche zugeordnet und wie diese Auflistung bei der Fragebogenentwicklung berücksichtigt wurde. Der Fragebogen umfasst fünf Frageblöcke und insgesamt 40 Items sowie ein Textfeld für Anmerkungen. Abgefragt werden auch die körperliche Aktivität in einer Woche, angelehnt an den Global Physical Activity Questionnaire 29 , und soziodemografische Daten. In Fragenblock 1–4 erfolgt die Beantwortung mittels einer fünfstufigen Antwortskala (1=trifft zu, 2=trifft eher zu, 3=teils/teils, 4=trifft eher nicht zu, 5=trifft nicht zu). Es wurden zwei Fragebogenversionen erarbeitet um zu explorieren, welche Capability-Formulierung von der Zielgruppe als besser verständlich bewertet wird, und ob die Aussage der beiden Formulierungen als vergleichbar gewertet wird. Es handelte sich dabei um eine ursprüngliche, etwas komplexere Version, da der CA nach Sen capabilities als „vom Individuum wahrgenommene Handlungsmöglichkeiten“ sieht und daher die persönliche Wahrnehmung eine Rolle spielt im Konzept 9 30 und eine vereinfachte Form.

Tab. 1 Domänen und Umsetzung der Items

Domänen Nach Sauter et al. (2019) Umsetzung im Fragebogen Beispiel-Item
Individuelle Ressourcen Körperliche Gesundheit, Bewusstsein der Notwendigkeit, Bewältigung biographischer Passagen, finanzielle Ressourcen Körperliche Aktivität im Alltag „Ich denke, dass regelmäßige Bewegung gut für meine Gesundheit ist.“
Soziale Interaktionen und Normen Familiäre Unterstützung, soziale Beziehungen, geschlechtliche Rollenbilder Sozialen Unterstützung „Mein soziales Umfeld (Familie, Freunde, Bekannte) unterstützt mich dabei körperlich aktiv zu sein.“
Lebensbedingungen Bedürfnisgerechte Ausgestaltung der Lebenswelt, häusliches Umfeld und häusliche Aufgaben Körperliche Aktivität im Alltag „Ich habe die Möglichkeit, mich zu Hause zu bewegen (z. B. in Form von Haus- und Gartenarbeit, Bewegungsübungen).“
Organisatorische Umwelt Verfügbarkeit und Zugang zu Informationen/ zu Bewegungsangeboten, Zugang zu Bewegungskursen Informations-gewinnung „Ich weiß, wo ich Informationen über örtliche Bewegungsangebote finden kann.“
Bewegung vor Ort „Ich habe die Möglichkeit, an Bewegungs- und Sportkursen teilzunehmen (z. B. in Vereinen, Fitnessstudios oder der VHS).“

Phase 2: Ergebnisse der kognitiven Interviews und Finalisierung des Fragebogens

Eine Übersicht über alle identifizierten Verständnisprobleme, Uneindeutigkeiten bzw. unangemessene Fragestellungen sowie die entsprechenden Modifikationen und Anpassungen des Fragebogens ist in Tab. 1 dargestellt. Sie umfasst sowohl die ursprünglichen als auch die endgültigen Wortlaute der einzelnen Fragestellungen, die bei den Teilnehmenden Schwierigkeiten beim Verstehen und Beantworten verursacht haben und insgesamt wurden 16 der ursprünglich 36 Fragen angepasst, 5 weitere Fragen wurden hinzugefügt.

Insgesamt wurden beide Fragebögen und die abgefragten Inhalte als gut verständlich wahrgenommen. Die Teilnehmenden konnten die Fragestellungen bis auf wenige Ausnahmen gut beantworten.

Die meisten Befragten empfanden die Länge des Fragebogens als angemessen und praktikabel und bewerteten das Layout, z. B. die Schriftgröße, als ansprechend und gut lesbar.

„Der Bogen ist gut. Man kann [ihn] gut ausfüllen. Es ist groß [geschrieben]. Man kann alles wunderbar sehen.“ (IP16,w,61)

Auch der Aufbau des Fragebogens wirkte auf die Befragten verständlich und nachvollziehbar.

  1. Verständlichkeit der Capability-Fragestellung

    Hinsichtlich der Formulierung der Capability-Fragen wurde nach der Verständlichkeit der beiden Fragebogenversionen (mit ursprünglicher oder vereinfachter Form der Fragestellung) gefragt. Der Versuch, über die beiden Fragestellungen die Grundidee des CA-Ansatzes umzusetzen führte zu einer erhöhten Komplexität.

    „Der [=vereinfachte Fragebogen] ging viel zügiger […]. Die Fragen wurden anders gestellt, [der vereinfachte Fragebogen war] fließender zu beantworten.“ (IP01,w,61).

    Bei dem direkten Vergleich mit der vereinfachten Version zeigte sich, dass tatsächlich Unterschiede in der Verständlichkeit auftraten. So wurde die einfachere Fragebogenversion als leichter verständlich eingeschätzt.

    „Wenn ich das [=Fragestellungen] […] vergleiche, war der andere für mich schneller erfassbar[…].“ (IP06,w,62)

  2. Relevanz der Fragen und Antwortkategorien

    Die meisten Befragten schätzen die gestellten Fragen und Antwortkategorien als sinnvoll und verständlich. Ausnahmen zeigten sich beispielsweise bei Frage 6 („Ich habe die Möglichkeit, mich in einer barrierearmen Umgebung z. B. ohne Sturz- und Stolpergefahr zu bewegen.“). Zu dieser Frage konnten Teilnehmende, die keine größeren Einschränkungen ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit hatten, keinen Bezug herstellen:

    „Meine Mutter […] ist 91, da spielt es eine Rolle, dass sie mit ihrem Rollator einen Aufzug hat im Haus und so weiter. Aber es ist für mich nicht nötig, deswegen weiß ich jetzt nicht, wie ich die Frage beantworten kann.“(IP15, w, 62).

    Bei den Fragen zu sozialer Unterstützung (z. B. Frage 11: „Ich habe Freunde, die sich mit mir gemeinsam bewegen.“) wurde wiederholt geäußert, dass der Begriff „Freunde“ andere relevante Gruppen nicht miteinschließe und zu eng gefasst sei. Beispielsweise wurde vorgeschlagen, die Frage auf den oder die Lebenspartner:in zu erweitern.

    „[Frage 10–12:] Wenn da stehen würde, ‚mein soziales Umfeld‘ oder ‚mein Partner unterstützt mich‘ , dann könnte ich "ja" sagen. Wenn ich körperliche aktiv bin, dann … mit meinem Lebensgefährten […] Wenn ich hier [bei Frage] 11 beantworten soll: Ich habe Freunde, die sich mit mir gemeinsam bewegen?‘ Nein, habe ich eigentlich nicht“ (IP16,w,61).

    Der Begriff „soziales Umfeld“ hingegen erwies sich für einige Befragte in der Frage: „Mein soziales Umfeld unterstützt mich dabei, körperlich aktiv zu sein.“ als unscharf.

    „Da weiß ich nicht, was man unter sozialem Umfeld versteht. Versteht man da die Familie, oder …das andere Umfeld. […] Wenn man da die Familie versteht, dann muss ich 'ja' ankreuzen.“ (IP05, m, 69).

  3. Verständlichkeit der inhaltlichen Fragen

Mehrere Befragte beschrieben Schwierigkeiten darin, zwischen “Bewegungsempfehlungen“ (Frage 1) und „Informationen über Bewegungsangebote“ (Frage 2) zu unterscheiden. Der Begriff „Bewegungsempfehlung“ wurde nicht als sachliche Erläuterungen zu altersgerechter Art und Umfang von Bewegung und Sport verstanden, sondern (auch) mit Hinweisen auf konkrete Sportangebote gleichgesetzt. Daher erschien es den Teilnehmenden, als würden bei den Fragen jeweils identische Inhalte abgefragt.

„[zu Frage 2:] Wie [bereits bei Frage 1] gesagt, ich kann [angebotene Sportkurse] alles sehr leicht finden. Das ist gut geregelt bei uns.“ (IP05,m, 69).

Mehrere Befragte hatten Verständnisschwierigkeiten bei Frage 4 „Ich habe die Möglichkeit, nahegelegene Plätze (z. B. Laufwege, Trimm-Dich-Pfade) zu nutzen“. Die genannten Beispiele wurden als explizite Auflistung verstanden, die andere Möglichkeiten wie z. B. Spazierwege ausschließt.

„[Frage 4:] Ich will das [=Laufwege, Trimm-Dich-Pfade] gar nicht machen. Ich möchte gemütlich spazieren gehen […].“ (IP07,w,70).

Als unscharf erwies sich zudem Frage 5 „Ich habe die Möglichkeit, mich in einer sicheren und geschützten Umgebung aufzuhalten“, da einige Befragte die Formulierung „sicher und geschützt“ eher im Sinne von „unfallsicher“ verstanden:

„Vielleicht, wenn ich in ein Fitnessstudio gehe, da bin ich auch sicher und geschützt, weil es da auch Anleitung gibt, wie und was gemacht werden kann.“ (IP15, w, 62) .

Das zugrundeliegende Konzept der Frage, Sicherheit im Sinne von z. B. Schutz vor Kriminalität oder Anfeindungen, wurde von einigen Teilnehmenden in der Fragestellung nicht erkannt. Für wenige Befragte war in diesem Kontext auch das Wort „Umgebung“ unklar:

„Was bedeutet dieser Satz? […] Ist das meine Umgebung zuhause, oder ist das die ganze Umgebung ringsrum?“ (IP06, w, 62) .

Finalisierung des Fragenbogens

Nach einem Diskurs im Forschungsteam wurden die Formulierungen der einfachen Fragebogenversion entsprechend der Rückmeldungen überarbeitet (s. Tab. 2 ). Die inhaltlichen Änderungen bezogen sich mehrheitlich auf die Konkretisierung bestimmter Fragestellungen und Begriffe, durch z. B. Beispiele oder Hervorhebungen.

Tab. 2 Probleme und Änderungen nach Fragestellung

Formulierung (einfache Fragebogenversion) Finale Formulierung
Fragenblock 1 Informationsgewinnung
Wenn ich mich über Bewegungsempfehlungen für mein Alter informieren möchte, weiß ich, wo ich diese finden kann. Ich weiß, wo ich mich über Bewegungs empfehlungen für mein Alter informieren kann, um gesund zu bleiben (z. B. Empfehlungen zu Häufigkeit/ Dauer von körperlicher Aktivität).
Ich weiß, wo ich Informationen über lokale Bewegungsangebote finden kann. Ich weiß, wo ich mich über Sport- und Bewegungs arten informieren kann, die ich persönlich in meinem Alter ausüben darf.
Ich weiß, wo ich Informationen über örtliche Bewegungs angebote finden kann.
Fragenblock 2 Bewegung vor Ort
Ich habe die Möglichkeit, nahegelegene Plätze (z. B. Laufwege, Trimm-Dich-Pfade) zu nutzen. Ich habe die Möglichkeit, nahegelegene Wege und Plätze zu nutzen, wie z. B. Spazier- und Wanderwege, Grünanlagen.
Ich habe die Möglichkeit, mich in einer sicheren und geschützten Umgebung aufzuhalten. Ich habe die Möglichkeit, mich in einer sicheren und geschützten Umgebung aufzuhalten (z. B. Wohnort, Nachbarschaft mit geringer Kriminalität).
Ich habe die Möglichkeit, mich in einer barrierearmen Umgebung z. B. ohne Sturz- und Stolpergefahr zu bewegen. Ich habe die Möglichkeit, mich in einer barrierearmen Umgebung zu bewegen (z. B. Wohnort, Nachbarschaft ohne Sturz- und Stolpergefahr).
Ich habe die Möglichkeit, zu Fuß zu gehen oder mit dem Fahrrad zu fahren, um von einem Ort zum anderen zu kommen. Wenn ich das möchte, kann ich mich im Großen und Ganzen nach meinen Wünschen in meiner Nachbarschaft bewegen (z. B. Fahrradfahren, Spazierengehen).
Mein soziales Umfeld unterstützt mich dabei körperlich aktiv zu sein. Mein soziales Umfeld (Familie, Freunde, Bekannte) unterstützt mich dabei körperlich aktiv zu sein.
Ich habe Freunde, die sich mit mir gemeinsam bewegen. Ich habe Familie, Freunde, Bekannte, die sich mit mir gemeinsam bewegen.
Ich finde mit meinen Freunden passenden Angebote oder Möglichkeiten, um gemeinsam aktiv zu sein. Ich finde mit meiner Familie, meinen Freunden, Bekannten passende Angebote oder Möglichkeiten, um gemeinsam aktiv zu sein.
Ich habe die Möglichkeit von Freunden motiviert zu werden, mich zu bewegen. Ich habe die Möglichkeit von meiner Familie, meinen Freunden, Bekannten motiviert zu werden, um mich zu bewegen.
Wenn ich das möchte, habe ich die Möglichkeit, von meinem sozialen Umfeld (Freunde, Familie) entlastet zu werden, um Zeit für Bewegung zu haben. Wenn ich das möchte, habe ich die Möglichkeit, von meiner Familie, meinen Freunden, Bekannten entlastet zu werden, um Zeit für Bewegung zu haben.
Ich habe die Möglichkeit, trotz beruflicher/ehrenamtlicher Verpflichtungen, im gewünschten Umfang körperlich aktiv zu sein. Ich habe die Möglichkeit, trotz beruflicher/ehrenamtlicher Verpflichtungen, im gewünschten Umfang körperlich aktiv zu sein.
Ich habe die Möglichkeit, mich während meiner beruflichen/ehrenamtlichen Tätigkeiten aktiv zu bewegen (z. B. Austragen des Gemeindebriefs), wie ich das gerne möchte. Ich habe die Möglichkeit, mich während meiner beruflichen/ehrenamtlichen Tätigkeiten aktiv zu bewegen, wie ich das gerne möchte (z. B. Austragen des Gemeindebriefs).
Frageblock 5 Angaben zu meiner Person
Wie viel Zeit verbringen Sie an einem gewöhnlichen Tag mit Sitzen oder Ruhen? Wie viele Stunden verbringen Sie an einem gewöhnlichen Tag mit Sitzen oder Ruhen (ohne Schlafenszeit)?
Ich gehöre zu einer/mehrerer der folgenden Gruppen Ich gehöre zu einer oder mehrerer der folgenden Gruppen:

Diskussion

Es konnte ein Erhebungsinstrument für bewegungsbezogene Handlungsmöglichkeiten von Älteren entwickelt werden, das auf Indikatoren aus der Literatur sowie Expert:innenmeinungen aufbaut. Es wurde zudem systematisch an die Bedarfe und Perspektiven der Zielgruppe angepasst, indem eine kognitive Testung bei älteren Erwachsenen durchgeführt wurde. Die Methode des „think-aloud“ und des „concurrent verbal probing“, die in den kognitiven Interviews eingesetzt wurden, ermöglichten, missverständliche und unklare Formulierungen zu identifizieren und fehlende Aspekte zu ergänzen, die von den Teilnehmenden als relevant eingeschätzt wurden. Begriffe, die im wissenschaftlichen Public Health-Kontext als eindeutig gelten (wie „Bewegungsempfehlungen“, „soziales Umfeld“), wurden von den Interviewpartner:innen teilweise als unklar empfunden oder anders ausgelegt.

Die Besonderheit am Capability-Ansatz ist, dass nicht das tatsächliche Verhalten im Fokus steht (z. B. regelmäßig zu Fuß zu gehen), sondern die individuellen Möglichkeiten sowie Möglichkeiten aus dem Lebensumfeld, um dieses Verhalten auszuüben, wenn man es selber möchte (z. B. Fitness, unfallsichere Gehwege in der nahen Umgebung oder Unterstützung durch befreundete Personen). Daher muss ein Instrument, das capabilities erfasst, immer nach Möglichkeiten fragen, und zwar im engeren Sinne nach der subjektiven Einschätzung der Möglichkeiten, die sich einem selber bieten, um das gewünschte Verhalten zu verwirklichen. Dieser Grundsatz stellt eine Herausforderung für die Formulierung von Fragen dar. Die Studie zeigt, dass eine korrekte Abbildung der Capability-Idee in der Fragenformulierung auf Kosten der Verständlichkeit geht. Um ein Instrument zu haben, das für die Zielgruppe gut handhabbar und nachvollziehbar ist, scheinen Kompromisse in der Auslegung des Capability-Konstrukts notwendig. So wurde eine alternative einfachere Formulierung („Ich habe die Möglichkeit…“ statt „Ich empfinde die Möglichkeit… als“) von den Teilnehmenden eindeutig bevorzugt.

Limitationen

Bei der Interpretation der Ergebnisse muss berücksichtigt werden, dass weitestgehend Senior:innen in die Studie eingeschlossen wurden, die in einer guten körperlichen Verfassung waren und einen eigenen Haushalt führten. Die Einschätzung von körperlich oder kognitiv stärker eingeschränkten älteren Menschen auf den Fragebogen kann dadurch nicht erfasst werden. Dies gilt auch für die Anwendbarkeit der „think-aloud-Methode“. Diese hängt auch von der Fähigkeit ab, kognitive Prozesse zu verbalisieren und ist möglicherweise nicht für alle Personengruppen geeignet, wie Erfahrungen anderer Studien zeigen. Es erscheint daher lohnenswert, in einer weiteren Studie Senior:innen zu befragen, welche z. B. in einer Wohneinrichtung leben oder betreut werden. So könnte die Anwendbarkeit des Fragebogens weiter untersucht werden. Die hier vorgestellte Testung des Fragebogens bezieht sich, im Sinne einer Prä-Pilotierung, ausschließlich auf Verständlichkeit, Vollständigkeit und zeitlicher und grafischer Angemessenheit. Aussagen zu psychometrischen Gütekriterien wie Reliabilität oder Validität können mit der beschriebenen Vorgehensweise nicht gemacht werden. Hierfür bedarf es in einem nächsten Schritt einer quantitativen Validierungsstudie mit einer großen Stichprobe. Die Ergebnisse stellen somit eine Grundlage für anschließende systematische quantitative Untersuchungen im Hinblick auf die Validierung dar.

Vergleich zu anderen Studien

Nach unserer besten Kenntnis ist bislang ein einziges vergleichbares Messinstrument aus den USA bekannt, welches Handlungsmöglichkeiten von übergewichtigen Patient:innen mit Diabetes mellitus hinsichtlich einer ausgewogenen Ernährung und ausreichend Bewegung misst (Capability Assessment for Diet and Activity – CADA) 22 31 . Das Messinstrument wurde in einem vergleichbaren Verfahren, wie in der vorliegenden Studie entwickelt und getestet. CADA umfasst 34 Items (davon 10 bewegungsbezogen), welche sich über acht Themengebiete erstrecken. Es zeigen sich einige Überschneidungen zu unserem Konstrukt, z. B. die Abfrage von Handlungsmöglichkeiten vor Ort, familiäre und nichtfamiliäre Unterstützung, Sicherheitsempfinden (Kriminalität und sichere Wege), Wissen, zeitliche und finanzielle Ressourcen. CADA deckt zudem Aspekte der mentalen Gesundheit ab, welche in unserem Fragebogen nicht adressiert werden.

Implikationen für Wissenschaft und Praxis

Die vorliegende Studie stellt ein prä-pilotiertes Messinstrument zur Abfrage bewegungsbezogener Handlungsmöglichkeiten bei älteren Erwachsenen vor und ist damit im deutschsprachigen Raum das erste Messinstrument, welches die Abfrage von capabilities systematisch unter Zuhilfenahme kognitiver Interviews getestet und aufbereitet hat. Im nächsten Schritt bedarf es nun den Einsatz in einer größeren Stichprobe und der statistischen Analyse wichtiger methodischer bzw. psychometrischer Eigenschaften, wie beispielsweise die Verteilung der Antworten über die Antwortkategorien, Reliabilität und faktorielle Validität der Skalen. Für das dargestellte Messinstrument ergeben sich verschiedene Einsatzmöglichkeiten im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention. Die Bewegungsförderung bei älteren Erwachsenen kann als ein prioritäres Handlungsfeld von Public Health gesehen werden 32 33 34 . Beispielsweise kann der Fragebogen bei älteren Einwohner:innen einer Gemeinde oder eines Wohnquartiers eingesetzt werden, um Interventionen zu planen, die körperliche Aktivität in dieser Gruppe stärken sollen. Der Fragebogen kann helfen, besser zu verstehen, welche spezifischen unterstützenden Rahmenbedingungen und Barrieren im jeweiligen Setting vorliegen (zum Beispiel hinsichtlich konkreter Sportangebote, sicherer Bewegungsflächen etc.). Daraus lassen sich konkrete Ansätze für verhältnispräventive Maßnahmen ableiten. Das entwickelte Instrument hilft aber auch, individuelle und soziale Handlungsmöglichkeiten in der untersuchten Population zu beschreiben und damit die Maßnahmen besser auf die Zielgruppe zuzuschneiden. Wenn beispielsweise viele Senior:innen angeben, im eigenen Haushalt und Garten Möglichkeiten zur Alltagsbewegung zu haben, kann eine Kampagne gezielt dazu motivieren, diese Möglichkeiten positiv zu bewerten und zu nutzen 35 . Der Vorteil des Capability-Ansatzes ist, sowohl persönliche als auch verhältnisbezogene Faktoren gemeinsam zu beleuchten und damit das Zusammenspiel zwischen Mensch und Umwelt für die Prävention zu erschließen. Saint-Onge et al (2021), die kürzlich eine qualitative Studie zu capabilities und Bewegung mit Senior:innen aus Sozialwohnungen in Kanada durchgeführt haben, sprechen vom „interplay of person-environment fit“ 36 .

Der Fragebogen wurde für die Gruppe von Senior:innen entwickelt. Während einige Handlungsmöglichkeiten auch für andere Altersgruppen relevant sein können, sind mache abgefragten Aspekte spezifisch für diese Gruppe. Tatsächlich zeigte sich, dass jüngere oder mobilere Interviewpartner:innen irritiert waren, dass nach einer barrierearmen Umgebung gefragt wurde, da sie diese capability für sich selber nicht relevant fanden. Das verdeutlicht, dass capabilities in unterschiedlichen Altersgruppen und Lebenszusammenhängen durchaus unterschiedlich wahrgenommen und gewichtet werden. Ein generisches Instrument zur Erhebung von capabilities ist daher sicher nicht immer zielführend. Vielmehr sollte der Versuch unternommen werden, für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen möglichst spezifische Fragebogenvarianten zu entwickeln.

Fazit

Zusammenfassend konnte ein Fragebogen entwickelt werden, der sowohl in englischer sowie in deutscher Sprache zur Verfügung steht. Nach Abschluss der Interviewstudie mit 16 Personen, in welcher der Fragebogen auf Angemessenheit (Layout und Zeit), Verständlichkeit und Vollständigkeit untersucht wurde, kann dieser nun zur Erhebung bewegungsbezogener Handlungsmöglichkeiten bei älteren Erwachsenen zur Verfügung gestellt werden. Die endgültige Version des Instruments ist unter folgendem Link online abrufbar: https://www.capital4health.fau.de/ueber-uns/projekte/eva/ .

Finanzielle Unterstützung

Der Forschungsverbund Capital4Health [FKZ 01EL1421A] und das zugehörige Teilprojekt EVA [Förderkennzeichen 01EL1421H], in dem die Studie durchgeführt wurde, werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Danksagung

Herzlichen Dank an alle Teilnehmenden, die mit Ihren Erfahrungen zu dieser Studie beigetragen haben.

Funding Statement

Fundref Information Bundesministerium für Bildung und Forschung — http://dx.doi.org/10.13039/501100002347; FKZ 01EL1421A

Footnotes

Interessenkonflikt Die Autorinnen/Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Literatur

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Articles from Gesundheitswesen (Bundesverband Der Arzte Des Offentlichen Gesundheitsdienstes (Germany) are provided here courtesy of Thieme Medical Publishers

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