Die Zeitschrift medizinischegenetik ist seit ihrem ersten Erscheinen im Jahr 1989 mit der Person Dr. Christine Scholz aufs Engste verbunden. Initiiert wurde die Zeitschrift durch Prof. Jan Murken, dem Leiter der Abteilung für Medizinische Genetik an der LMU München. Das sich in Deutschland neu entwickelnde Fachgebiet der Humangenetik sollte mit der Zeitschrift ein Sprachrohr erhalten, zeitlich vorausgegangen waren die Gründungen des Berufsverbands Medizinische Genetik (1983) und der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik (GfH, 1987). Jan Murken übertrug Christine Scholz, die als junge Sozialwissenschaftlerin am Münchener Institut tätig war, die Redaktion der neugegründeten Zeitschrift. Die bis 2006 im Eigenverlag herausgebrachte Zeitschrift entwickelte sich rasch zu einem zentralen Forum des jungen Faches, das die Entwicklung des Faches nicht nur widerspiegelte, sondern durch die Auswahl von Themen aktiv mitgestaltete. Als Sozialwissenschaftlerin konnte Christine Scholz hier nicht nur ihr Interesse für gesundheits- und verbandspolitische Themen mit einbringen, sie sorgte auch für den wichtigen Blick von außen auf unser Fach. Das von ihr mitinitiierte Oral-History-Projekt zur Geschichte der deutschen Humangenetik, dessen Konzept und erste Ergebnisse seit 2018 in drei Arbeiten in der medizinischegenetik erschienen sind, ist beispielhaft für diese übergeordnete, auch ethische Aspekte berücksichtigende Perspektive.

Für Christine Scholz war von Anfang an klar, dass eine Zeitschrift ihre Inhalte nur dann optimal vermitteln kann, wenn sowohl die Produktion der Zeitschrift technisch auf der Höhe der Zeit ist, als auch den potentiellen Lesern ein niedrigschwelliger Zugang bereitgestellt wird. In der Produktion sorgte Christine Scholz in der Partnerschaft mit international aufgestellten Fachverlagen (Springer Verlag, 2007 bis 2019, De Gruyter Verlag seit 2020) für eine fortschreitende Modernisierung der Abläufe. Mit der Bereitstellung der Inhalte im Internet, der Wechsel zur englischen Sprache bei den Artikeln der Themenschwerpunkte sowie deren freie Verfügbarkeit (Open Access) konnte eine stetig wachsende Leserschaft erschlossen werden. Wie die Zugriffsstatistiken zeigen, geht die Verbreitung der medizinischegenetik heute weit über die deutschsprachige Humangenetik Community hinaus.
Den Autor*innen der Zeitschrift war Christine Scholz zugleich sachliche Kritikerin, engagierte Ratgeberin und nicht zuletzt unermüdliche Motivatorin. Viele jungen Kolleg*innen veröffentlichten in der medizinischegenetik ihren ersten Übersichtsartikel. Damit konnten sie ihr Arbeitsgebiet einer breiteren Leserschaft vorstellen und Interesse dafür wecken. Dies war nicht selten ein wichtiger Schritt in der beruflichen Karriere. Zur Qualität einer Zeitschrift tragen aber nicht nur die Autor*innen bei, es müssen auch kompetente Gutachter*innen identifiziert und motiviert werden. Den freundlichen aber bestimmten Anfragen von Christine Scholz konnte und wollte man sich zum Wohle der Zeitschrift nicht entziehen.
Am 1.5.2022 ist Christine Scholz in den wohlverdienten Ruhestand getreten, sowohl als Redaktionsleiterin unserer Zeitschrift als auch in ihrer Funktion als Geschäftsführerin der GfH. In beiden Funktionen hat sie den Staffelstab an Anja Rössler übergeben, die sich am neuen Standort Berlin bereits in kürzester Zeit mit den Anforderungen der Zeitschrift vertraut gemacht hat. In dem dynamisch sich entwickelnden Gebiet der wissenschaftlichen Fachzeitschriften steht die medizinischegenetik vor immer neuen Herausforderungen. Dazu zählen die Listung in PubMed, die ein pünktliches Erscheinen der Hefte zur Voraussetzung hat, das kontinuierliche Befüllen der Hefte mit spannenden Themenschwerpunkten, die die Errungenschaften und das Zukunftspotential unseres Fachgebiets überzeugend illustrieren, sowie auf der organisatorischen Seite das Einführen eines online Manuskript Management Systems. Dank des großen Engagements von Christine Scholz sind die Voraussetzungen gut, dass Redaktionsteam und Schriftleitung diese und zukünftige Herausforderungen erfolgreich meistern werden. Dafür geht, auch im Namen aller vergangenen Schriftleitungen, ein großer Dank an Christine Scholz, für die vielen Jahre der überaus erfolgreichen, intellektuell inspirierenden und menschlich angenehmen Zusammenarbeit!
Footnotes
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