Nachdem die Juniorakademie im Jahr 2020 aufgrund der Covid-19-Pandemie virtuell erfolgen musste, war es dem Organisationsteam der Jungen Humangenetik ein ausgesprochenes Anliegen, die Juniorakademie 2021 wieder in einem persönlichen Rahmen auf Schloss Buchenau in der Mitte Deutschlands stattfinden zu lassen. Das dreitägige Treffen stellte nach dem Debüt 2019 nun die dritte Juniorakademie der deutschen Gesellschaft für Humangenetik (GfH) dar.
Das Ziel der Tagung war es, die Interaktionen zwischen AssistenzärztInnen und NachwuchswissenschaftlerInnen aus dem niedergelassenen und universitären Bereich deutschlandweit zu fördern, spannende Themen aus Wissenschaft und Patientenversorgung zu bearbeiten und die Anliegen der jungen HumangenetikerInnen herauszuarbeiten. Schließlich sollen die die gemeinsamen Interessen in der GfH durch eine Zusammenarbeit in den Arbeitskreisen der Jungen Humangenetik vertreten werden.
Fünfzig TeilnehmerInnen und 7 DozentInnen nahmen dieses Jahr an der Juniorakademie teil, die durch die Einhaltung eines sehr strengen Hygienekonzepts realisiert werden konnte. An dieser Stelle möchte sich das Organisationsteam noch einmal ganz herzlich für die sehr vorbildliche Einhaltung der Coronahygiene- und Testvorschriften bedanken. Die TeilnehmerInnen kamen aus 23 verschiedenen Niederlassungen und universitären Instituten aus insgesamt 27 Städten (Abb. 1). Unter den TeilnehmerInnen waren 35 MedizinerInnen und 15 NaturwissenschaftlerInnen, wobei zwei TeilnehmerInnen von ihrem Nachwuchs begleitet wurden.
Abb. 1.
Städtezugehörigkeiten der Teilnehmer der Juniorakademie 2021 (erstellt mit openstreetmap.de).
Nach einem gemeinsamen Mittagessen wurde die Juniorakademie 2021 von Herrn Prof. Olaf Rieß, Präsident der GfH, mit einer Video-Botschaft eröffnet, indem er die Junge Humangenetik als wichtigen „Grundbaustein“ für Netzwerkbildung, künftige Verbundprojekte auf nationaler als auch internationaler Ebene hervorhob und betonte, dass die GfH die Förderung der jungen HumangenetikerInnen ausdrücklich unterstützt. Eine ausführliche Übersicht des folgenden Programms ist in Tabelle 1 dargestellt.
Tab. 1.
Programmübersicht der Juniorakademie 2021.
| Mittwoch | Donnerstag | Freitag |
| Begrüßung und Eröffnung der Juniorakademie mit Grußwort von Prof. Olaf Rieß, Präsident GfH Vorstellung der TeilnehmerInnen Karrierepodium: Impulsvorträge und Podiumsdiskussion mit Prof. C. Zweier (Universitätsspital Bern) Prof. U. Kornak (Universität Göttingen) Prof. C. Kubisch (Universitätsklinikum Eppendorf) Dr. D. Wahl (Medicover Augsburg) |
Vortragsblock 1: Exom/ Genom-Sequenzierung Rami Abou Jamra Vortragsblock 2: Skeletterkrankungen Uwe Kornak Vortragsblock 3: Forschungsanträge Christian Kubisch Information: Befragung FachhumangenetikerInnen K. Kutsche Workshopblock 1 und 2:
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Vorstellung Junge Humangenetik Diskussionsrunde Interessensvertretung und Organisation Nachwuchs Closing Session/ Feedback-Runde |
In der ersten Session am Mittwochnachmittag – dem Karrierepodium – schilderten Dr. med. Dagmar Wahl, Prof. Dr. Dr. med. Christiane Zweier, Prof. Dr. rer. nat. Uwe Kornak und Prof. Dr. med. Christian Kubisch ihre beruflichen und persönlichen Lebenswege. Dagmar Wahl berichtete über die Etablierung ihrer Praxis in Augsburg sowie über ihre familiäre Situation und ging auf die Problematik einer Einzelpraxis ein, die sich hauptsächlich über Beratungen finanziert. Christiane Zweier gab einen Einblick in ihre Zeit als Arbeitsgruppenleiterin, außerplanmäßiger Professorin und Oberärztin am Institut für Humangenetik in Erlangen und die nun bestehenden Aufgaben als Klinikdirektorin und Chefärztin der Universitätsklinik für Humangenetik am Inselspital / Universitätsspital Bern. Uwe Kornak (W2-Professur für Medizinische Genetik am Institut für Humangenetik Göttingen und Leiter des Medizinischen Versorgungszentrums Bereich Humangenetik der UMG, Göttingen) und Christian Kubisch (Direktor des Instituts für Humangenetik am UKE Hamburg) berichteten über ihren langjährigen persönlichen Kontakt und ihre Zusammenarbeit sowie über ihren beruflichen Werdegang. Nach dem gemeinsamen Abendessen nutzten die TeilnehmerInnen den Abend, um sich kennenzulernen und sich auszutauschen.
Sowohl am Donnerstag als auch am Freitag wurde Frühaufstehern eine Yoga-Schnupperstunde und eine gemeinsame Jogging-Runde angeboten. Nach dem gemeinsamen Frühstück folgte am Donnerstagvormittag eine abwechslungsreiche Vortragsreihe. Zunächst präsentierte Prof. Dr. med. Rami Jamra (stellvertretender Institutsleiter, Leiter Genetische Diagnostik und ärztlicher Leiter des MVZ II des Instituts für Humangenetik am Universitätsklinikum Leipzig) die Ergebnisse der Exom- und Genom-Sequenzierung am Institut für Humangenetik der Universität Leipzig und stellte neue Kandidatengene bei unklaren syndromalen Erkrankungen vor. Der folgende Vortrag von Uwe Kornak gab einen sehr gut strukturierten Überblick über genetisch bedingte Skeletterkrankungen und die zugrundeliegenden Signalwege im Knochenaufbau und -umbau. Im Anschluss zeigte Christian Kubisch die verschiedenen Förderprogramme der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und legte dabei insbesondere das Augenmerk auf das Walter-Benjamin-Programm zur Förderung von WissenschaftlerInnen in einer frühen Karrierephase. Abschließend berichtete Prof. Dr. rer. nat. Kerstin Kutsche (stellvertretende Institutsdirektorin, wissenschaftliche Arbeitsgruppenleiterin und Fachhumangenetikerin (GfH) am UKE Hamburg) – zugeschaltet per Zoom – über die Ideen zur Umstrukturierung der Fachhumangenetiker-Weiterbildung sowie über die geplante Umfrage unter NaturwissenschaftlerInnen in der Humangenetik.
Nach einer Schlossführung bzw. einem gemeinsamen Spaziergang erwartete die TeilnehmerInnen am Donnerstagnachmittag eine breite Auswahl an Workshops, wobei von den fünf angebotenen Workshops jeweils zwei besucht werden konnten. Prof. Dr. Dr. med. Ute Moog (Leitende Oberärztin – Genetische Poliklinik – am Institut für Humangenetik, Universitätsklinikum Heidelberg) erarbeitete mit dem Auditorium einen Überblick über die Syndromologie von Mosaikerkrankungen und beendete ihren Workshop mit einem MC-Quiz. Bei Dagmar Wahl konnten Gesprächsführungstechniken anhand eines Rollenspiels erlernt und bei Dr. Florian Kraft (Institut für Humangenetik, RWTH Aachen) eigene Laborerfahrung mit der Nanopore-Sequenzierung gesammelt werden. Andreas Forstner (Juniorprofessor für Brain Genomics am Institut für Humangenetik in Bonn und am Institut für Neurowissenschaften und Medizin in Jülich) und Christian Kubisch gaben weitere Informationen und Hilfestellungen zur Beantragung von DFG-Fördermitteln und Christiane Zweier berichtete über den Ablauf von Berufungsverfahren. Nach dem Abendessen folgte der DNA-Club mit Tanz und Musik.
Der Freitagvormittag war der Organisation der Jungen Humangenetik, der Vorstellung der bereits existierenden Arbeitskreise und der Planung weiterer Initiativen gewidmet. Dr. Ilona Krey und Dr. Robert Meyer – beide kommissarische Sprecher der Jungen Humangenetik – stellten gemeinsam mit den ArbeitsgruppenleiterInnen die bisherige Aktivitäten der Jungen Humangenetik vor (Abb. 2):
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Der Arbeitskreis „Interessensvertretung“ (VertreterInnen: Dr. Sonja Neuser und Dr. Ilona Krey) etabliert neben der Interessensvertretung der Jungen Humangenetik in der GfH die Vernetzung mit Nachwuchsorganisationen anderer Fachbereiche, in anderen Ländern und zusammen mit der ESHG.
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Im Bereich „Weiterbildung und Prüfungen“ (VertreterInnen: Dr. Claudia Perne und Dr. Johanna Tecklenburg) wird die Verbesserung der Prüfungsvorbereitung als auch die Weiterentwicklung von Weiterbildungsinhalten angestrebt.
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Der Arbeitskreis „Vernetzung“ (VertreterInnen: Dr. Jasmin Lisfeld und Dr. Yvonne Behrens) hat einen Nachwuchs-Newsletters etabliert, der inzwischen fast 200 HumangenetikerInnen erreicht.
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Der Arbeitskreis „Veranstaltungen“ (VertreterInnen: Dr. Maria Korte und Jun.-Prof. Andreas Forstner) zeigte sich überglücklich, dass die diesjährige Juniorakademie als Präsenzveranstaltung möglich gemacht werden konnte und strebt als nächstes Treffen einen Stammtisch auf der Jahrestagung der GfH in Würzburg (16.–18.3.2022) an.
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Auch der Arbeitskreis „Öffentlichkeitsarbeit“ (VertreterInnen: Dr. Nina Ishorst und Dr. Ronja Hollstein) hat bereits vortreffliche Arbeit geleistet. Besonders bedanken möchten wir uns bei Christine Fischer, Institut für Humangenetik, Bonn. Sie hat das offizielle Logo der Jungen Humangenetik designed, das erstmals auf der Juniorakademie vorgestellt wurde und großen Anklang fand. Des Weiteren betreut dieser Arbeitskreis den Twitter-Account der Jungen Humangenetik, der tagesaktuell über Neuigkeiten aus Wissenschaft und Patientenversorgung informiert und unter dem Account „@juhumgen“ zu finden ist.
Natürlich plant das Organisationsteam auch im kommenden Jahr vom 21.–23.9.2021 eine Juniorakademie auf Schloss Buchenau – ein thematischer Schwerpunkt soll dann auf Europa liegen.
Abb. 2.
Bisheriger zeitlicher Verlauf und Projekte der Jungen Humangenetik sowie das offizielle Logo.
Wir freuen uns über weitere aktive Unterstützerinnen und Unterstützer unserer Jungen Humangenetik. Abschließend soll noch auf die jüngste Veröffentlichung – eine Selbstdarstellung der Jungen Humangenetik – in der Monatszeitschrift Kinderheilkunde hingewiesen werden. Es gibt, wie dieser Beitrag zeigt, etliche Initiativen und Arbeitskreise von jungen angehenden FachärztInnen und NaturwissenschaftlerInnen auch in anderen Fachgesellschaften.
Kontakt: Junge Humangenetik: jungehumangenetik@gfhev.de
Korrespondenz:
Dr. med. Felicitas Maier
Pränatal-Medizin München
Friedenheimer Brück 19
80639 München
Felicitas.carolin.maier@gmail.com
Jun.-Prof. Dr. med. Andreas Forstner
Universitätsklinikum Bonn, Institut für Humangenetik
Venusberg-Campus 1
53127 Bonn
forstner@uni-bonn.de
Dr. med. Maria Korte
IMD Praxis für Humangenetik Wiesbaden
Biebricher Allee 117
65187 Wiesbaden
maria.korte@humangenetik-wi.de
Dr. med. Linda Rey-Thol
MVZ Institut für Labormedizin und Klinische Genetik Rhein/Ruhr GmbH
Willy-Brandt-Platz 4
45127 Essen
Linda.Rey@ruhr-uni-bochum.de
Dr. med. Robert Meyer
Universitätsklinikum Aachen, Institut für Humangenetik
Pauwelsstraße 30
52074 Aachen
rmeyer@ukaachen.de
Dr. med. Franziska Schnabel
Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Humangenetik
Heinrich-Düker-Weg 12
37073 Göttingen
franziska.schnabel@med.uni-goettingen.de



