Zusammenfassung
Ziel der Studie Ziel der Studie ist es, die Verteilungsunterschiede von psychischen Auffälligkeiten (Emotionale Probleme, Verhaltensauffälligkeiten, Probleme mit Gleichaltrigen, Hyperaktivität) bei 11- bis 17-jährigen Mädchen und Jungen zwischen sozioökonomischen Statusgruppen zu untersuchen.
Methodik Datenbasis bildete die Querschnittserhebung der „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ – KiGGS Welle 2 (2014–2017, n=15.023). Es wurden Daten von 11- bis 17-jährigen Jugendlichen (n=6599) insgesamt und getrennt nach zwei Altersgruppen analysiert. Als abhängige Variable fungierten die Elternangaben zum „Strengths and Difficulties Questionnaire“ (SDQ). Als unabhängige Variable diente ein mehrdimensionaler Indexwert, der den sozioökonomischen Status (SES) der Familie repräsentiert. Prävalenzen und auf binären logistischen Regressionen basierende Odds Ratios (OR) werden ausgewiesen.
Ergebnisse Etwa 15,7% der 11- bis 17-Jährigen wiesen psychische Auffälligkeiten auf. Mädchen zeigten häufiger internalisierende und Jungen eher externalisierende Auffälligkeiten. Psychische Auffälligkeiten waren bei Jugendlichen aus Familien mit niedrigem SES im Vergleich zu denen mit hohem SES mehr als 2-fach erhöht (aOR: 2,32; 95%-KI: 1,81–2,97; p<0,001). Mädchen aus Familien mit niedrigem SES wiesen im Gegensatz zu Mädchen mit hohem SES deutlich häufiger Auffälligkeiten in den Subdimensionen wie „Emotionale Probleme“ auf (aOR: 2,06; 95%-KI: 1,49–2,98; p<0,001). Bei Jungen fanden sich geringfügige Verteilungsunterschiede nach SES.
Schlussfolgerung Psychische Auffälligkeiten sind bei Jugendlichen nach SES ungleich verteilt. 11-bis 17- jährige Jungen sind unabhängig vom SES häufiger von psychischen Auffälligkeiten betroffen, während bei Mädchen die Verteilungsunterschiede nach SES stärker ausgeprägt sind.
Schlüsselwörter: Psychische Auffälligkeiten, KiGGS, Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ), Sozioökonomische Unterschiede (SES), Jugendliche, Gesundheitliche Ungleichheit
Abstract
Aim of the study The aim of the study was to investigate the distribution pattern of mental health problems (emotional problems, conduct problems, peer problems, hyperactivity) among different socioeconomic groups of 11- to 17-year-old girls and boys.
Methods Data for this study were obtained from the “German Health Interview and Examination Survey for Children and Adolescents KiGGS Wave 2” (2012–2014, n=15,023). The data on 11- to 17-year-old girls and boys (n=6599) was analyzed overall and separately for two age groups. The dependent variable was the parental version of the “Strengths and Difficulties Questionnaire” (SDQ). As non-dependent variable, a multidimensional index was used, which indicates the socioeconomic status (SES) of the family. Prevalence and odds ratios (ORs) based on logistic regressions are shown.
Results The prevalence of reporting mental health problems in those aged 11 to 17 was 15.7%. Girls were more likely to show internalizing problems whilst boys were more likely to show externalizing problems. The 11- to 17-year-old adolescents with a low SES were about two times (aOR: 2.32; 95%-CI: 1.81–2.97; p<0.001) more likely to report mental health problems. Adolescent girls with a low SES were at a twofold (aOR: 2.06; 95%-CI: 1.49–2.98; p<0.001) increased risk of showing a specific mental health problem such as “emotional problems”.Conclusion Mental health problems in adolescents are distributed unequally. 11- to 17-year-old boys are generally more likely to show mental health problems, while girls’ SES differences in mental health are more pronounced.
Key words: Mental Health Problems, KiGGS, Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ), Social Inequalities, Adolescents, Health Inequalities
Einleitung
Im Jahr 2017 waren etwa 20% der in Deutschland lebenden Kinder und Jugendlichen von psychischen Auffälligkeiten betroffen. Zu diesem Zeitpunkt war ein rückläufiger Trend zu beobachten 1 . Die Folgen der COVID-19-Pandemie und die damit einhergehenden sozialen und ökonomischen Belastungen für junge Menschen und ihre Familien beendeten diesen Trend jedoch. Aktuelle nationale Studien berichten von einem Anstieg der Prävalenz für psychische Probleme (Ängstlichkeit, Niedergeschlagenheit, Schwermut oder Hoffnungslosigkeit) bei 7- bis 17-jährigen Kindern und Jugendlichen auf bis zu 30% während der ersten Welle der COVID-19 Pandemie. Alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede fanden bisher jedoch wenig Berücksichtigung 2 .
Die repräsentative Kinder- und Jugendgesundheitsstudie KiGGS Welle 1 von 2009 bis 2012 liefert Hinweise, dass Mädchen und Jungen in Deutschland altersabhängig in unterschiedlichen Bereichen psychische Auffälligkeiten zeigen 3 4 . Während Jungen im Vorschulalter (3 bis 5 Jahre) bis zum Ende der Grundschulzeit (9 bis 11 Jahre) vermehrt zu externalisierenden Verhaltensweisen neigen, treten bei Mädchen insbesondere am Ende der Grundschulzeit (9 bis 11 Jahre) sowie am Ende der Jugendzeit (15 bis 17 Jahre) vermehrt internalisierende Auffälligkeiten wie emotionale Probleme, ängstliche und/oder depressive Verstimmungen auf 5 . Hinsichtlich der Auswirkungen der Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zeigen erste Ergebnisse, dass geschlechtsspezifische Unterschiede ebenfalls genauer betrachtet werden sollten 6 7 .
Vor und während der COVID-19 Pandemie wird deutlich, dass die Chance gesund aufzuwachsen, in Deutschland sozial ungleich verteilt ist. Die Befunde mehrerer Studien belegen, dass Kinder und Jugendliche häufiger von psychischen Auffälligkeiten betroffen sind, wenn sie aus Familien mit niedrigerem sozioökonomischem Status (SES) stammen bzw. von Armut betroffen sind 2 8 9 . In diesem Zusammenhang wird von einem sozialen Gradienten – einem proportional zum sinkenden SES ansteigenden Erkrankungsrisiko – ausgegangen 10 11 . Vergleichbare Unterschiede in der Verteilung von psychischen Auffälligkeiten werden auch im internationalen Kontext berichtet 12 .
Kinder und Jugendliche stellen in Bezug auf psychische Erkrankungen eine sensible Gruppe dar. Psychische Auffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter haben nachweislich einen Einfluss auf die soziale Entwicklung und können sich chronifizieren 13 . Studien zeigen, dass bereits im Alter von 14 Jahren ca. 50% und im Alter von 24 Jahren etwa 75% aller psychischen Erkrankungen manifest sind 14 15 16 . Die anhaltend hohe Prävalenz und die individuellen, gesellschaftlichen und ökonomischen Folgen von psychischen Auffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter begründen eine hohe Public-Health-Relevanz 17 .
Die Entwicklung entsprechender Präventionsmaßnahmen erfordert, das Auftreten von psychischen Auffälligkeiten bei Heranwachsenden zu verschiedenen Zeitpunkten und differenziert nach Geschlecht zu betrachten 18 . Auf Grundlage der KiGGS-Daten lässt sich untersuchen, inwiefern sozioökonomische Unterschiede in der Verteilung verschiedener psychischer Auffälligkeiten bei 11- bis 17- jährigen Mädchen und Jungen vor Beginn der COVID-19 Pandemie vorlagen.
Der vorliegende Beitrag bezieht sich auf die vorpandemische Zeit und bearbeitet drei Schwerpunkte:
Verteilungsunterschiede von psychischen Auffälligkeiten (SDQ-Gesamt) zwischen sozioökonomischen Gruppen bei 11- bis 17- Jährigen in Deutschland zum Zeitpunkt der KiGGS-Welle 2
SES-bedingte Verteilungsunterschiede in den Subdimensionen psychischer Auffälligkeiten
Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen
Datenbasis und Methoden
Die KiGGS-Studie ist Bestandteil des deutschlandweiten Gesundheitsmonitorings am Robert Koch-Institut und beinhaltet u. a. wiederholte repräsentative Querschnittserhebungen für die in Deutschland lebenden Kinder und Jugendlichen (0 bis 17 Jahre) 19 . Die vorliegende Untersuchung analysiert die dritte Querschnittserhebung (KiGGS Welle 2), die von September 2014 bis August 2017 als kombinierter Untersuchungs- und Befragungssurvey durchgeführt wurde. Insgesamt konnten Daten von 15.023 Kindern und Jugendlichen im Altersbereich von 0 bis 17 Jahren erhoben werden (Responsequote: 40,1%) 20 . Eine ausführliche Darstellung der Erhebungsmethodik findet sich an anderer Stelle 20 21 . Im Rahmen des vorliegenden Beitrags wurden 11- bis 17-jährige Jugendliche betrachtet (siehe Tab. 1 ).
Tab. 1 Stichprobenbeschreibung in absoluten und prozentualen (%) Häufigkeiten.
| Mädchen n=3423 | Jungen n=3176 | ||
|---|---|---|---|
| Alter | 11 | 533 (13,62) | 500 (13,44) |
| 12 | 520 (13,62) | 510 (13,45) | |
| 13 | 477 (13,83) | 486 (13,70) | |
| 14 | 470 (14,13) | 477 (14,08) | |
| 15 | 513 (14,81) | 442 (14,78) | |
| 16 | 483 (14,82) | 393 (15,09) | |
| 17 | 427 (15,18) | 368 (15,45) | |
| Sozioökonomischer Status (SES) | niedrig | 469 (21,88) | 412 (21,53) |
| mittel | 2143 (61,68) | 1969 (60,59) | |
| hoch | 743 (16,44) | 734 (17,87) | |
| Einkommen | niedrig | 639 (24,22) | 519 (22,10) |
| mittel | 2044 (61,08) | 1914 (62,33) | |
| hoch | 546 (14,70) | 511 (15,57) | |
| Bildung | niedrig | 410 (26,66) | 336 (24,36) |
| mittel | 2058 (56,44) | 1860 (56,79) | |
| hoch | 717 (16,9) | 702 (18,85) | |
| Beruf | niedrig | 507 (21,74) | 409 (20,36) |
| mittel | 1953 (60,55) | 1780 (58,65) | |
| hoch | 724 (17,71) | 709 (20,99) | |
| Migrationshintergrund | beidseitig | 2744 (73,23) | 2575 (72,93) |
| einseitig | 298 (10,03) | 237 (8,53) | |
| kein | 362 (16,73) | 350 (18,54) | |
| SDQ-Gesamtwert | unauffällig | 2885 (85,37) | 2585 (83,29) |
| grenzwertig | 214 (6,77) | 251 (7,74) | |
| auffällig | 246 (7,86) | 271 (8,97) | |
| Emotionale Probleme | unauffällig | 2679 (79,71) | 2734 (87,82) |
| grenzwertig | 242 (7,63) | 161 (4,83) | |
| auffällig | 426 (12,66) | 214 (7,35) | |
| Verhaltensauffälligkeiten | unauffällig | 3052 (90,45) | 2734 (87,76) |
| grenzwertig | 166 (5,43) | 213 (6,92) | |
| auffällig | 133 (4,12) | 165 (5,33) | |
| Probleme mit Gleichaltrigen | unauffällig | 3005 (88,66) | 2703 (86,44) |
| grenzwertig | 179 (5,95) | 182 (6,55) | |
| auffällig | 166 (5,39) | 225 (7,01) | |
| Hyperaktivität | unauffällig | 3113 (93,07) | 2698 (87,18) |
| grenzwertig | 101 (3,04) | 176 (6,07) | |
| auffällig | 133 (3,89) | 234 (6,74) |
% gewichtet anhand der deutschen Bevölkerungsstruktur nach Alter, Geschlecht, Region, Staatsangehörigkeit und Bildungsstand.
Abhängige Variable
Psychische Auffälligkeiten werden in der KiGGS-Studie mit dem „Strengths and Difficulties Questionnaire“ (SDQ) von Goodman et al. 22 erfasst. Im Rahmen der schriftlichen Befragung beantworten Eltern mit Blick auf ihre Kinder insgesamt 20 Aussagen, die vier Subdimensionen „Emotionale Probleme“, „Verhaltensauffälligkeiten“, „Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen“ (im Folgenden „Probleme mit Gleichaltrigen“) und „Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit“ (im Folgenden „Hyperaktivität“) mit jeweils fünf Items zugeordnet sind. Die Antworten werden numerisch als nichtzutreffend (0), teilweise zutreffend (1) oder eindeutig zutreffend (2) klassifiziert. Entsprechend der deutschen Normierung von Woerner et al. (2004) wurden Heranwachsende, die einen aufsummierten Gesamtwert von bis zu 12 Punkten erreichen, als psychisch „unauffällig“ eingestuft 23 . Zur Risikogruppe für psychische Auffälligkeiten zählen als „grenzwertig auffällig“ (13 bis 15 Punkte) und als „psychisch auffällig“ (ab 16 Punkten) eingestufte Kinder und Jugendliche 3 . Den einzelnen Subdimensionen können ebenfalls Grenzwerte zugeordnet werden 23 . Im Folgenden werden die Klassifizierungen „grenzwertig auffällig“ sowie „auffällig“ zusammengefasst („auffällig“) und der Klassifizierung „unauffällig“ gegenübergestellt.
Unabhängige Variable
Als unabhängige Variable wurde der sozioökonomische Status der Familie (SES) betrachtet. Der SES wird durch einen mehrdimensionalen Index erfasst, der sich aus aufsummierten Punktwerten zum höchsten Bildungsabschluss, zur beruflichen Stellung der Eltern und zum Nettoäquivalenzeinkommen des Haushalts zusammensetzt. Insgesamt wurden Quintile gebildet und drei Statusgruppen abgegrenzt, welche die unteren 20%, die mittleren 60% und die oberen 20% der Bevölkerung repräsentieren 24 . Für eine Sensitivitätsanalyse wurden zudem Quintile für die metrischen Einzelindikatoren Einkommen, Bildung und Beruf berechnet und analog zum SES-Index in drei Gruppen als niedrig (die unteren 20%), mittel (die mittleren 60%) und hoch (die oberen 20%) unterteilt.
Analysestrategie
Ausgewiesen werden Prävalenzen für psychische Auffälligkeiten stratifiziert nach Geschlecht und SES. Mittels logistischer Regressionen werden Odds Ratios (OR) geschätzt, die als statistische Chancenverhältnisse zu interpretieren sind. Bei den logistischen Regressionsanalysen werden das Alter der Jugendlichen, das Geschlecht und der Migrationshintergrund 25 statistisch adjustiert (aOR). Ein hoher SES wurde als Referenzgruppe bestimmt. Über Sensitivitätsanalysen wird zudem der Einfluss der einzelnen SES-Indikatoren Einkommen, Bildung und Beruf ermittelt. Statistische Fehlerwahrscheinlichkeiten werden anhand von 95%-Konfidenzintervallen (95%-KI) angegeben. Unterschiede gelten als statistisch signifikant, wenn sich die Konfidenzintervalle nicht überschneiden bzw. der p-Wert (p) kleiner als 0,05 ist. Abweichungen der Stichprobe von der deutschen Bevölkerungsstruktur hinsichtlich Alter, Geschlecht, Region, Staatsangehörigkeit und Bildungsstand der Eltern werden durch eine Gewichtungsvariable p-weight an die Verteilung der Bevölkerungsstatistik zum Zeitpunkt der Erhebung von KiGGS Welle 2 angeglichen 21 . Alle Analysen wurden mit der Statistiksoftware Stata Version 15.1 durchgeführt.
Ergebnisse
Etwa 15,7% der 11- bis 17-Jährigen (14,6% Mädchen, 16,7% Jungen) können auf Basis der Elternangaben im Zeitraum von 2014 bis 2017 als psychisch auffällig eingestuft werden (siehe Tab. 1 ). Mit Blick auf verschiedene Subdimensionen weisen 16,1% der Heranwachsenden “Emotionale Probleme“, 12,5% „Probleme mit Gleichaltrigen“, 10,9% „Verhaltensauffälligkeiten“ und 10,0% „Hyperaktivität“ auf. Für Mädchen sind mit 20,3% etwa doppelt so häufig Hinweise auf „Emotionale Probleme“ festzustellen als für Jungen (12,2%). Jungen weisen ihrerseits mit 12,8% im Vergleich zu den Mädchen (6,9%) etwa doppelt so häufig hyperaktives Verhalten auf.
11- bis 17-jährige Mädchen zeigen große Unterschiede zwischen der niedrigen und der hohen SES-Gruppe in Bezug auf „Emotionale Probleme“, „Probleme mit Gleichaltrigen“ und „Hyperaktivität“. Zwischen Mädchen mit mittlerem und niedrigem SES zeigen sich Unterschiede insbesondere in der Subdimension „Emotionale Probleme“.
Bei der Aufteilung nach Altersgruppen zeigen die deskriptiven Ergebnisse, dass 14- bis17-jährige Mädchen unabhängig des SES im Vergleich zu 11- bis 13-jährigen Mädchen häufiger von „Emotionalen Problemen“ und „Problemen mit Gleichaltrigen“ betroffen sind. Zudem scheinen die Statusgruppenunterschiede mit Blick auf diese zwei Subskalen mit steigendem Alter zuzunehmen. Dem entgegengesetzt nehmen bei den Mädchen Auffälligkeiten in den Subskalen „Verhaltensauffälligkeiten“ und „Hyperaktivität“ über alle Statusgruppen hinweg mit zunehmendem Alter ab ( Abb. 1 3 ).
Abb. 1.

Verteilung psychischer Auffälligkeiten (Gesamtwert und Subskalen des „Strengths and Diffiqulties Questionnaire“ grenzwertig bis auffällig) bei 11- bis 13-jährigen Mädchen nach dem sozioökonomischen Status der Familie. Datenbasis: KiGGS Welle 2.
Abb. 3.

Verteilung psychischer Auffälligkeiten (Gesamtwert und Subskalen des „Strengths and Diffiqulties Questionnaire“ grenzwertig bis auffällig) bei 14- bis 17-jährigen Mädchen nach dem sozioökonomischen Status der Familie. Datenbasis: KiGGS Welle 2.
Die Jungen im Alter von 11 bis 13 Jahren zeigen im Vergleich zu den 14- bis 17-Jährigen häufiger psychische Auffälligkeiten. Besonders liegen diese bei den 11- bis 13-Jährigen in den Subdimensionen „Verhaltensauffälligkeiten“, „Hyperaktivität“ und „Emotionale Probleme“ vor. Im Vergleich zu der Gruppe der 11- bis 13-jährigen Jungen zeigen die 14- bis 17-Jährigen demgegenüber in der Subdimension „Probleme mit Gleichaltrigen“ häufiger Auffälligkeiten. Insgesamt scheinen sich die Unterschiede zwischen den sozioökonomischen Gruppen bei den Jungen mit steigendem Alter abzumildern ( Abb. 2 4 ).
Abb. 2.

Verteilung psychischer Auffälligkeiten (Gesamtwert und Subskalen des „Strengths and Diffiqulties Questionnaire“ grenzwertig bis auffällig) bei 11- bis 13-jährigen Jungen nach dem sozioökonomischen Status der Familie. Datenbasis: KiGGS Welle 2.
Abb. 4.

Verteilung psychischer Auffälligkeiten (Gesamtwert und Subskalen des „Strengths and Difficulties Questionnaire“ grenzwertig bis auffällig) bei 14- bis 17-jährigen Jungen nach dem sozioökonomischen Status der Familie. Datenbasis: KiGGS Welle 2.
Die deskriptiven Befunde werden durch die multivariaten logistischen Regressionsanalysen bestätigt. Bei Mädchen sowie Jungen zeigt sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem SES und psychischen Auffälligkeiten zuungunsten der Jugendlichen aus Familien mit niedrigem oder mittlerem SES. Die statistische Chance eine psychische Auffälligkeit aufzuweisen ist hinsichtlich des Gesamtproblemwerts bei 11- bis 17- jährigen Jugendlichen mit niedrigem SES im Vergleich zu denen mit hohem SES um das 2,3-Fache (aOR: 2,32; 95%-KI:1,81–2,97) erhöht, während Jugendliche aus Familien mit mittlerem SES eine 1,8-fach höhere Chance aufweisen (aOR: 1,78; 95%-KI: 1,41–2,24). Bei Mädchen sind die Unterschiede im Gesamtproblemwert für psychische Auffälligkeiten zuungunsten derjenigen mit niedrigem und mittlerem SES 3-fach (aOR: 3,10; 95%-KI: 2,07–4,66) bzw. 2-fach erhöht (aOR: 2,21; 95%-KI: 1,54–3,18) ( Tab. 2 ).
Tab. 2 Multivariate logistische Regressionsanalysen zu psychischen Auffälligkeiten (grenzwertig bis auffällig nach SDQ) entsprechend der 4 Subskalen bei 11- bis 17-jährigen Jugendlichen nach sozioökonomischen Status der Familien. Statistische Kontrolle für Alter, Migrationshintergrund und Geschlecht.
| “Strengths and Difficulties Questionnaire“ (SDQ) | Gesamt | Mädchen | Jungen | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| SES niedrig vs. hoch | SES mittel vs. hoch | SES niedrig vs. hoch | SES mittel vs. hoch | SES niedrig vs. hoch | SES mittel vs. hoch | |
| aOR (95%-Kl) | aOR (95%-Kl) | aOR (95%-Kl) | aOR (95%-Kl) | aOR (95%-Kl) | aOR (95%-Kl) | |
| SDQ-Gesamtwert | 2,32 (1,81–2,97)*** | 1,78 (1,41–2,24)*** | 3,10 (2,07–4,66)*** | 2,21 (1,54–3,18)*** | 1,86 (1,21–2,87)** | 1,54 (1,10–2,15)* |
| Emotionale Probleme | 1,70 (1,27–2,28)*** | 1,50 (1,19–1,91)** | 2,06 (1,49–2,98)*** | 1,64 (1,23–2,19)** | 1,25 (0,75–2,08) | 1,33 (0,91–1,95) |
| Probleme mit Gleichaltrigen | 2,08 (1,49–2,90)*** | 1,39 (1,03–1,88)* | 2,12 (1,23–3,65)** | 1,55 (0,99–2,43) | 2,13 (1,35–3,36)** | 1,31 (0,90–1,89) |
| Verhaltensauffälligkeiten | 1,56 (1,12–2,17)** | 1,54 (1,22–1,93)*** | 1,75 (1,04–2,95)* | 1,55 (1,04–2,32)* | 1,39 (0,85–2,28) | 1,50 (1,11–2,04)** |
| Hyperaktivität | 1,72 (1,21–2,46)** | 1,35 (1,02–1,77)* | 2,54 (1,48–4,36)** | 1,98 (1,29–3,03)** | 1,49 (0,91–2,45) | 1,17 (0,83–1,65) |
OR=Odds Ratio; adjustiert für Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund, SES=sozioökonomischer Status, KI=Konfidenzintervall, Fettdruck=signifikantes Ergebnis;* p<0,05,** p<0,01,*** p<0,001.
Hinsichtlich der Subdimensionen fallen die Verteilungsunterschiede bei Mädchen zwischen niedrigem und hohem SES durchweg deutlich aus. Für Jungen liegt ein signifikanter Verteilungsunterschied zwischen niedrigem und hohem SES ausschließlich für die Subdimension „Probleme mit Gleichaltrigen“ vor. Mit Ausnahme der Subdimension „Probleme mit Gleichaltrigen“ weisen Mädchen in allen weiteren Subdimensionen auch signifikante Unterschiede zwischen mittlerem und hohem SES auf. Für Jungen liegt dieser Befund nur bei „Verhaltensauffälligkeiten“ vor ( Tab. 2 ).
Bei den Gruppen der 11- bis 13-Jährigen sowie 14- bis 17-Jährigen liegen deutliche Verteilungsunterschiede hinsichtlich des Auftretens von psychischen Auffälligkeiten zwischen den sozioökonomischen Gruppen vor. Die Statusgruppenunterschiede sind bei den 14 - bis 17-jährigen Mädchen sowohl mit Blick auf den SES-Gesamtwert als auch auf die Subdimensionen „Emotionale Probleme“ und „Probleme mit Gleichaltrigen“ stärker ausgeprägt als bei den 11-bis 13-jährigen Mädchen. Lediglich bei den Subdimensionen „Verhaltensauffälligkeiten“ und „Hyperaktivität“ ist eine Abnahme der SES-Unterschiede bei den Mädchen mit zunehmendem Alter festzustellen. Bei den Jungen nehmen die Statusgruppenunterschiede hinsichtlich des SDQ-Gesamtwerts mit steigendem Alter ab, während die Unterschiede mit Blick auf die Subdimension „Verhaltensauffälligkeiten“ in der Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen stärker ausfallen als in der Altersgruppe der 11- bis 13-Jährigen ( Tab 3 ).
Tab. 3 Multivariate logistische Regressionsanalysen zu psychischen Auffälligkeiten (grenzwertig bis auffällig nach SDQ) entsprechend der 4 Subskalen bei 11- bis 13-Jährigen und 14- bis 17-jährigen Jugendlichen nach sozioökonomischen Status der Familien. Statistische Kontrolle für Alter, Migrationshintergrund und Geschlecht.
| Gesamt | Mädchen | Jungen | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 11- bis 13-Jährige | SES niedrig vs. hoch | SES mittel vs. hoch | SES niedrig vs. hoch | SES mittel vs. hoch | SES niedrig vs. hoch | SES mittel vs. hoch |
| SDQ-Gesamtwert | 2,20 (1,46–3,32)*** | 1,761,31–2,37)*** | 2,581,36–4,89)** | 2,261,37–3,72)** | 2,031,04–2,34)* | 1,531,01–2,34)* |
| Emotionale Probleme | 1,941,25–3,01)** | 1,531,11–2,12)** | 1,831,00–3,35) | 1,721,11–2,67)* | 2,051,02–4,13)* | 1,36(0,83–2,25) |
| Probleme mit Gleichaltrigen | 2,161,32–3,54)** | 1,601,09–2,35)* | 1,600,67–3,78) | 2,091,10–3,98)* | 2,751,42–5,33)** | 1,330,82–2,16) |
| Verhaltensauffälligkeiten | 1,280,85–1,93) | 1,371,02–1,82)* | 2,011,04–3,90)* | 1,630,95–2,81) | 0,910,45–1,68) | 1,210,84–1,74) |
| Hyperaktivität | 1,530,99–1,77) | 1,300,95–1,77) | 2,461,21–5,00)* | 1,941,18–3,18)** | 1,240,69–2,21) | 1,100,73–1,65) |
| 14- bis 17-Jährige | ||||||
| SDQ-Gesamtwert | 2,431,65–3,58)*** | 1,791,30–2,46)*** | 3,472,05–5,87)*** | 2,201,35–3,59)** | 1,720,93–3,19) | 1,530,96–2,43) |
| Emotionale Probleme | 1,531,03–2,28)* | 1,461,04–2,05)* | 2,171,39–3,41)** | 1,591,11–2,28)* | 0,680,33–1,38) | 1,250,76–2,05) |
| Probleme mit Gleichaltrigen | 1,971,30–2,99)** | 1,250,87–1,80) | 2,241,24–4,06)** | 1,250,78–2,02) | 1,821,01–3,28)* | 1,270,78–2,07) |
| Verhaltensauffälligkeiten | 1,951,15–3,31)* | 1,781,17–2,69)** | 1,560,77–3,18) | 1,470,84–2,55) | 2,321,13–4,80)* | 2,071,16–3,72)* |
| Hyperaktivität | 1,981,13–3,45)* | 1,420,93–2,18) | 2,621,08–6,37)* | 2,040,98–4,25) | 1,840,89–3,78) | 1,250,74–2,12) |
OR=Odds Ratio; adjustiert für Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund, SES=sozioökonomischer Status, KI=Konfidenzintervall, Fettdruck=signifikantes Ergebnis;* p<0,05,** p<0,01,*** p<0,001.
Diskussion
Der Beitrag legt, basierend auf Daten von KiGGS Welle 2 (2014–2017), repräsentative Ergebnisse zum Auftreten von psychischen Auffälligkeiten (Emotionale Probleme, Verhaltensauffälligkeiten, Probleme mit Gleichaltrigen und Hyperaktivität) bei 11- bis 17-jährigen Mädchen und Jungen entlang des SES in zwei Altersgruppen vor. Die Ergebnisse zeigen, dass ein niedriger oder mittlerer SES bei 11- bis 17-jährigen Jugendlichen in Deutschland mit einem deutlich erhöhten Risiko für psychische Auffälligkeiten einhergeht. Insgesamt bestätigt sich das Vorliegen eines sozialen Gradienten in der Verteilung von psychischen Auffälligkeiten im Jugendalter in Deutschland – insbesondere für Mädchen. In vorhergehenden nationalen und internationalen Studien wurden ähnliche Chancenverhältnisse festgestellt 9 26 27 .
Die Befunde der vorliegenden Studie verdeutlichen geschlechterspezifische Unterschiede in der Verteilung von psychischen Auffälligkeiten bei Jugendlichen. Die Prävalenzen veranschaulichen in Übereinstimmung mit anderen Studien aus Deutschland 4 28 , dass Mädchen – besonders im höheren Jugendalter – unabhängig vom SES eher zu internalisierenden Auffälligkeiten (Emotionale Probleme) neigen, während Jungen in der Altersgruppe eher externalisierende Auffälligkeiten (Probleme mit Gleichaltrigen, Hyperaktivität und Verhaltensauffälligkeiten) zeigen. Mädchen im Alter von 11- bis 17 erscheinen gemäß vergleichbarer Studien insgesamt häufiger als psychisch auffällig im Vergleich zu Jungen, was jedoch vor dem Hintergrund der Wahrnehmbarkeit von externalisierenden und internalisierenden Auffälligkeiten kritisch diskutiert werden muss 3 4 28 .
Während die Unterschiede zwischen den sozioökonomischen Gruppen bei den 11- bis 17-jährigen Mädchen in den verschiedenen psychischen Subdimensionen mehrheitlich signifikant ausfielen, waren bei den Jungen weniger signifikante Unterschiede entlang des SES festzustellen. Die dargestellten Ergebnisse sind nur eingeschränkt mit anderen Studien vergleichbar, da strukturelle Unterschiede z. B. hinsichtlich der Erhebungsmethode, Altersgruppen etc. bestehen. Vereinzelte Studien kommen z.T. zu gegensätzlichen Schlüssen hinsichtlich der Stärke des Zusammenhangs von psychischen Auffälligkeiten und SES unter Berücksichtigung des Geschlechts. Es existieren Studien, die keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern 27 30 oder stärkere Assoziationen bei Jungen bzgl. externalisierender Auffälligkeiten belegen 31 . Andere Studien stellten lediglich bei Mädchen 32 33 oder bei Jungen 34 signifikante Zusammenhänge zwischen einem niedrigen Einkommen der Familie und internalisierenden Problemen oder depressiven Verstimmungen fest. Angesichts der heterogenen Studienlage kann geschlussfolgert werden, dass die Stärke der Zusammenhänge je nach psychischer Auffälligkeit 35 und betrachteter Statusvariable zwischen den Geschlechtern und der betrachteten Altersspanne variiert 12 . Es ist zu berücksichtigen, dass sich die Stärke der Effekte von Einzelindikatoren wie Einkommen, Bildung und Beruf in Abhängigkeit der untersuchten Erkrankungen unterscheidet. In vorliegender Arbeit wurde ein SES-Index verwendet, um die mit der Verwendung mehrerer Indikatoren verbundene Komplexität zu reduzieren 29 . Weiterführende Sensitivitätsanalysen lassen darüber hinaus differenziertere Rückschlüsse hinsichtlich des Einflusses der Einzelindikatoren auf das Auftreten von psychischen Auffälligkeiten zu [ Tab. 4 – 5 6 , zusätzliches Material, online]. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zum Zusammenhang von Einkommen, Bildung und Beruf als Einzelindikatoren mit dem Auftreten von psychischen und Verhaltensauffälligkeiten deuten darauf hin, dass die Einzelindikatoren „Einkommen“ und „Berufsstand“ der Eltern durchweg von höchster Relevanz sind. Der Einfluss der Einzelindikatoren variiert nach Geschlecht, Altersgruppe sowie SDQ-Subdimension. Insgesamt zeigten sich häufiger signifikante Zusammenhänge zwischen den Einzelindikatoren und psychischen Auffälligkeiten bei Mädchen, was vorherige Ergebnisse mit dem SES-Index bestätigt. Bei Jungen traten signifikante Zusammenhänge lediglich in der Altersgruppe der 14- bis 17- Jährigen mit Blick auf die Subdimension „Verhaltensauffälligkeiten“ und dem Einzelindikator „Berufsstand“ auf und bestätigen die Ergebnisse unter Verwendung des SES-Index [ Tab. 4 – 5 6 , zusätzliches Material, online]. Die hohe Differenziertheit wird auch mit Blick auf eine vorangegangene Arbeit deutlich, die konträr zu den hier vorliegenden Ergebnissen berichtet, dass der elterliche Bildungsstand als Einzelindikator am stärksten mit psychischen Auffälligkeiten bei Kindern assoziiert war 36 .
Inwiefern der SES das Auftreten psychischer Auffälligkeiten bedingt, kann durch die vorliegenden Ergebnisse nicht geklärt werden. Da hier eine Querschnittstudie vorliegt, können keine kausalen Zusammenhängen abgeleitet werden. Dennoch bestätigen Studien die Annahme, dass ein niedriger SES mit einer höheren Belastung in verschiedenen Bereichen des Alltags und somit einer Exposition gegenüber stressigen Lebenssituationen assoziiert ist 37 38 . Neben dieser Assoziation existieren jedoch eine Reihe vermittelnder Faktoren, die mit dem SES assoziiert sind und das Entstehen einer psychischen Auffälligkeit direkt beeinflussen können, wie beispielsweile die (psychische) Gesundheit der Eltern 39 , der Erziehungsstil der Eltern 40 sowie das weitere soziale Umfeld (z. B. Wohngegend) von Jugendlichen 41 . Auch existieren moderierende Faktoren, die die Stärke des Zusammenhangs zwischen SES und dem Auftreten von psychischen Auffälligkeiten beeinflussen können, wie z. B. die Eltern-Kind Beziehung 42 . Die Ergebnisse vergleichbarer Studien zeigen, dass der SES das Auftreten psychischer Probleme bei Kindern und Jugendlichen in diesem Sinne nur teilweise erklären kann und somit im Kontext weiterer Einflussumstände betrachtet werden sollte 36 .
Die Prävalenz psychischer Auffälligkeiten bei Jugendlichen wird in vorliegender Studie auf Basis elterlicher Beobachtungen (Symptomprävalenzen) gebildet und nicht auf Basis psychodiagnostischer Interviews. Während das Elternurteil bei der Erfassung externalisierender Auffälligkeiten als valide gilt, gibt es Hinweise darauf, dass die elterliche Einschätzung mit Blick auf emotionale Probleme weniger sensibel ist als die Selbsteinschätzung durch ältere Kinder selbst 28 . Dementsprechend könnte es hier zu einer leichten Unterschätzung der Prävalenzen gekommen sein. Die Dichotomisierung der abhängigen Variable „Psychische Auffälligkeiten“, die zu einer künstlichen Grenzziehung zwischen auffällig und unauffällig führt, dient der Verständlichkeit und Vergleichbarkeit mit Vorarbeiten 3 .
Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass auf Basis dieses Beitrags keine Aussagen zur Bedeutung des Migrationshintergrundes möglich sind, da dieser statistisch kontrolliert wurde – dies wurde an anderer Stelle bearbeitet (weiterführende Quellen: Zur gesundheitlichen Lage von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland; Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle). Eine Studie weist darauf hin, dass sich bei manchen, nicht aber bei allen Herkunftsländern die Zusammenhänge von Migrationshintergrund und psychischen Auffälligkeiten bei Kontrolle des elterlichen Sozialstatus aufheben 43 . Eine intersektional ausgerichtete Studie zeigt dahingehend, dass sich ein hoher familiärer Sozialstatus verstärkt protektiv auf die Jugendlichen ohne Migrationshintergrund auswirkt, da in dieser Gruppe seltener Verhaltensauffälligkeiten auftreten als in der Gruppe mit Migrationshintergrund. Insgesamt verdeutlicht die Studie jedoch sehr geringe moderierende Effekte von Migrationshintergrund und Sozialstatus im Zusammenhang mit psychischen Auffälligkeiten und verweist zur Erklärung auf weitere wesentliche Themen wie Diskriminierungserfahrungen 44 45 .
Footnotes
Interessenkonflikt Die Autorinnen/Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Fazit für die Praxis.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass Mädchen und Jungen je nach SES unterschiedlich stark von psychischen Auffälligkeiten betroffen sind und entsprechend ihres Alters variierende Unterstützungsbedarfe aufweisen. Da z. B. emotionale Probleme im Lebensverlauf von Mädchen zuzunehmen scheinen, ist für diese Gruppe ebenso der Bedarf an frühen Interventionen aus den Forschungsergebnissen ableitbar. Die vorliegenden Ergebnisse können zudem eine differenzierte Vergleichsbasis für Studien darstellen, die verschiedene Subdimensionen von psychischen Auffälligkeiten nach der COVID-19 Pandemie untersuchen.
Zusätzliches Material
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