Einleitung Suchthilfe im Sinne von Beratung von Personen mit substanzbezogenen Störungen trägt dazu bei, Belastungen durch den Konsum psychotroper Substanzen zu reduzieren. Für eine zielorientierte Schwerpunktsetzung in der Suchthilfeplanung ist es entscheidend, Trends bezüglich der Inanspruchnahme von Suchthilfeleistungen und ihre Einflussfaktoren zu kennen. In diesem Zusammenhang führt die Aufschlüsselung von Alters-, Perioden- und Kohorteneffekten bei der Beobachtung der Trends zu einem besseren Verständnis der Inanspruchnahmemuster. Ziel der Studie war es Alters-, Perioden- und Kohorteneffekte in der Entwicklung der Inanspruchnahme ambulanter Suchthilfeleistungen aufgrund von Störungen durch den Konsum von Alkohol (AS) bzw. illegaler Substanzen (ISS) zu untersuchen.
Methoden Die Analyse umfasste 46.706 Personen mit AS im Alter von 18-81 Jahren sowie 51.113 Personen mit ISS im Alter von 17-70 Jahren, die zwischen 2008 und 2016 Hilfe in ambulanten Berliner Suchthilfeeinrichtungen gesucht hatten. Ausgehend von der Anzahl der Berliner Allgemeinbevölkerung wurde die Inanspruchnahmerate für ambulante Suchthilfeleistungen ermittelt. Der unabhängige Einfluss von Alter (in Jahren), Periode (Jahr der Datenerhebung) und Kohorte (Geburtsjahr) wurde für AS und ISS in einer Alters-, Perioden- und Kohortenanalyse mithilfe des „intrinsic estimator approachs“ (Yang et al. 2008) geschätzt.
Ergebnisse 18- bis 19-Jährige sowie 39- bis 59-Jährige mit AS hatten höhere Inanspruchnahmeraten als die übrigen Altersgruppen. Bei Personen mit ISS nahm die Inanspruchnahmerate mit zunehmendem Alter ab. Sowohl für AS als auch für ISS zeigten sich kaum Periodeneffekte. Bei Personen mit AS stieg die Inanspruchnahmerate bis zur Geburtskohorte 1951 und verblieb bis zur Geburtskohorte 1986 auf einem Plateau. Bei Personen mit ISS nahm die Inanspruchnahmerate in den Geburtskohorten von 1954 bis 1973 zu und nahm in den folgenden Geburtskohorten in einer ähnlichen Größenordnung wieder ab.
Schlussfolgerung Alter und Kohorte hatten einen stärkeren Einfluss auf die Entwicklung der Inanspruchnahme ambulanter Suchthilfeleistungen als die Periodeneffekte. Die deutlich erhöhten Inanspruchnahmeraten in der Babyboomer-Generation und den nachfolgenden Geburtsjahrgängen legen nahe, dass erhöhter Substanzmissbrauch im Jugend- und jungen Erwachsenenalter zu einer erhöhten Nachfrage an Suchthilfeleistungen im höheren Alter führt und unterstreichen die steigende Nachfrage an Suchthilfeleistungen.
