Einleitung Seit 2015 werden über die Initiative für Selbstmanagement und aktives Leben (INSEA) evidenzbasierte Selbstmanagementkurse für Menschen mit chronischen Erkrankungen und deren Angehörige in Präsenzform an diversen Standorten in Deutschland erfolgreich durchgeführt. In den Kursen (sechs Termine, einmal wöchentlich, 2,5 Stunden) geht es um einen aktiven Umgang mit der Erkrankung, z.B. um Bewegung, Ernährung, Entspannung, Medikamentenmanagement oder um strukturierte Problemlösung und Zielerreichung. Auf Basis der Richtlinien des Lizenzgebers (Self-Management Resource Center) wurde in der COVID-19-Pandemie ein interaktives Online-Angebot entwickelt und ab Juni 2020 durchgeführt. Die für den Kurserfolg relevante persönliche Kommunikation wurde über Chatfunktion und Breakout-Rooms sichergestellt. Wichtig war ein Vorbereitungstermin (Session Zero) vor Beginn des eigentlichen Kurses, um die für viele Teilnehmende (TN) sehr neue Technik zu erproben.
Methoden Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitevaluation wurden die TN zu drei Zeitpunkten online unter Nutzung von SoSci Survey standardisiert befragt: zu Kursbeginn (T0), Kursende (T1) und 6 Monate nach Kursende (T2). Erhoben wurden Erfahrungen mit dem Kurs, die Selbstmanagementfähigkeiten (PAM ® 13), die Selbstwirksamkeit (ASKU Kursfragebogen), Soziodemografie und Zufriedenheit mit dem Kursprogramm.
Ergebnisse Von Sommer 2020 bis Winter 2021 wurden 24 Online-Kurse mit 179 TN durchgeführt, (∅ 52 Jahre (19-78); 86% weiblich, Migrationshintergrund 5%). Der Bildungsgrad der TN ist hoch (hoch: 65%; mittel: 27%). Knapp die Hälfte der Frauen und ein Viertel der Männer leiden unter Erkrankungen des Bewegungsapparates (48% vs. 23%). Knapp ein Viertel (24%) der TN schließt die Teilnahme an einem Präsenzkurs grundsätzlich aus und hat sich bewusst für das Online-Format entschieden, für die anderen war dies eher die Ausweichstrategie in der Pandemie. Alle TN konnten die vermittelten Inhalte gut verstehen, lobten die gute Kommunikation und den respektvollen Umgang im Kurs, fast alle würden den Online-Kurs weiterempfehlen (95%). Die TN konnten ihre Selbstmanagementkompetenz (Frauen: d=0,48; Männer: d=0.63) und die Selbstwirksamkeit (d=0,38) zu T1 erhöhen, damit sind die Wirkungen vergleichbar zu denen der Präsenzkurse. Ob die positiven Effekte langfristig erhalten bleiben, wird sich mit dem zunehmenden Rücklauf der T2-Befragung zeigen.
Schlussfolgerung Das Online-Format ist gut umsetzbar. Ob das Interesse an Online-Kursen post-pandemisch bestehen bleibt, ist zurzeit noch offen. Die Daten zeigen, dass mit diesem Angebot eine relevante Zielgruppe (z.B. Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen oder Immobilität) erreicht werden kann, die Präsenzkurse nicht wahrnehmen kann oder will (lange Anfahrtswege zu Kursorten). Entsprechend wird es zukünftig in INSEA einen Mix aus Online-, Präsenz- und Telefonkursen geben, um für möglichst viele Interessierte einen unterstützenden Rahmen zu schaffen.
