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. 2022 Apr 26;84(4):393–394. [Article in German] doi: 10.1055/s-0042-1745552

Risikomanagementplan – Toolbox zum Management von Nagetierübertragenen Erkrankungen

Christiane Klier 1, Orestis Kazasidis 2, Joanna Dürger 2, Christian Imholt 2, Jens Jacob 2, Saskia Schmitz 1, Johannes Dreesman 1
PMCID: PMC11248465

Hintergrund  Nagetierübertragene Erkrankungen treten räumlich und zeitlich heterogen auf und können punktuell zu erheblicher Krankheitslast führen. Die individuelle Exposition hängt stark vom Verhalten ab. Aufgrund der geringen nationalen Inzidenz und teilweise unspezifischen Symptomen werden die Krankheiten z.T. nicht adäquat oder erst verspätet diagnostiziert und therapiert. Vor diesem Hintergrund besteht ein erhebliches Potential zur primären und sekundären Prävention. Der seit 2017 geförderte interdisziplinäre RoBoPub-Forschungsverbund untersucht unter anderem die Epidemiologie von Hantaviren und Leptospiren und deren Nutzung in Prognosemodellen für humane Erkrankungen. Die Erkenntnisse des Projektes sollen bei gehäuftem Auftreten eine schnelle und adäquate Reaktion des ÖGD und anderer Akteure ermöglichen.

Methodik  Für Hantavrius Erkrankungen entwickelte das JKI abhängig von dynamischen ökologischen Faktoren ein statistisches Vorhersagemodell. Auf einer Karte konnte damit das prognostizierte Risiko für betroffene Landkreise dargestellt werden. Durch das NLGA wurden Materialien aus früheren Häufungen nagetierübertragener Krankheiten zusammengetragen und für eine zukünftige Verwendung aufbereitet. Bedürfnisse des ÖGD und weiterer Akteure wurden durch Workshops auf BVÖGD-Kongressen ermittelt.

Ergebnisse  Mit dem Prognosemodell wird zum Herbst eines jeden Jahres eine Prognose für das Risiko für das Auftreten von humanen Hantavirusfällen im kommenden Jahr abgegeben. Die Risikokarte für Niedersachsen ist aktuell auf der Homepage des NLGA eingestellt. Es werden Vorlagen für folgende Dokumente, die in einem Risikomanagementplan hinterlegt sind, zur Verfügung gestellt: Informationsmaterialien für Bürger, Presseinformationen, Anschreiben an Ärzte, Fragebögen für Betroffene, Kontaktdaten von Behörden, Laboren etc..

Schlußfolgerung  Aufgrund der Prognoseergebnisse mit einem vorläufigen Modell wurde für 2021 eine Pressearbeit für eine von Hantavirus betroffene Region in Niedersachsen durchgeführt.

Das im Leitfaden beschriebene enge Zusammenspiel verschiedener Akteure fand des Weiteren erfolgreich Anwendung bei der Untersuchung eines ungewöhnlichen Hantavirus-Ausbruchs sowie des ersten Nachweises einer autochthonen Seoul-Hantavirus-Infektion in Deutschland. Weitere Perspektiven sind die Erweiterung auf weitere nagetier- oder vektorübertragene Krankheiten sowie die stärkere Einbindung sozialer Medien.

Interessenskonflikte  Es bestehen keine Interessenskonflikte


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