Einleitung In Sachsen-Anhalt stellen die zunehmend alternde Bevölkerung und der Mangel an Ärzt*innen, der verstärkt in ländlichen Gegenden auftritt, das Gesundheitssystem vor neue Herausforderungen. Gerade bei älteren multimorbiden Menschen stellt die differentialdiagnostische Zuordnung von unklaren Bewusstseinsstörungen eine Herausforderung dar. Die Erfassung von neurologisch-klinischen Parametern über einen längeren Zeitraum und zu unterschiedlichen Zeiten, während die Patient*innen ihren natürlichen Triggerfaktoren ausgesetzt sind, erleichtert die Diagnose. Mithilfe eines Home-Monitoring Gerätes und der passenden Infrastruktur kann die Erfassung und Übermittlung dieser Parameter in der Häuslichkeit erfolgen. Im HOME Projekt führten wir vier Studien durch, um die Durchführung eines multimodalen EEG-Home-Monitorings unter Verwendung eines mobilen patient*innengesteuerten EEG-Gerätes zu erproben und die Akzeptanz von Patient*innen und Neurolog*innen zu ermitteln.
Methoden In der HOME ONE Studie nutzen wir in der ersten Phase Inter- und Intraratervergleiche, um die technische Verwertbarkeit und Wirksamkeit des mobilen patient*innengesteuerten EEG-Gerätes unter klinischen Bedingungen zu überprüfen. In der zweiten Studienphase wurde die Machbarkeit des EEG-Home-Monitorings unter Realbedingungen erprobt. In der HOME EPI Studie wurde die technische Nutzbarkeit des mobilen EEG‑Gerätes speziell bei Epilepsiepatient*innen ermittelt. In der HOME TA Studie befragten wir (potenzielle) Patient*innen hinsichtlich ihrer Präferenz zwischen dem Home-Monitoring und einem klinischen Aufenthalt und ermittelten unter der Anwendung eines Strukturgleichungsmodells Faktoren, die die Nutzungsabsicht für das Home‑Monitoring positiv beeinflussen. In der HOME FG Studie erfassten wir mittels einer Fokusgruppenbefragung von niedergelassenen Neurolog*innen Chancen und Grenzen der Nutzung eines telemedizinischen Services.
Ergebnisse Sowohl in der ersten Phase derHOME ONE Studie als auch in der HOME EPI Studie konnte die Auswertbarkeit der unter klinischen Bedingungen erzeugten Aufnahmen gezeigt werden. Das Ergebnis der zweiten Phase der HOME ONE Studie zeigte, dass auch patient*innengesteuerte Aufnahmen in der Häuslichkeit zu ca. 90 % eine mindestens ausreichende Qualität aufwiesen, um einen Befund zu erstellen. In 11 % der Fälle kam es in der Folge der neuen Versorgungsform zu einer Änderung im Patient*innenmanagement. Die HOME TA Studie ermittelte eine Präferenz für die neue Form der Versorgung, d.h. für die häusliche Untersuchung, im Vergleich zur stationären Einweisung. Die Fokusgruppenbefragung ergab, dass die Neurolog*innen offen gegenüber einer telemedizinischen Unterstützung sind, wenn ihr Einfluss auf die zu untersuchenden Parameter und die Auswertung gesichert ist.
Schlussfolgerung Unsere Studien bestätigten die Machbarkeit eines multimodalen EEG-Home-Monitorings, unter der Berücksichtigung der technischen Voraussetzungen und der speziellen Bedürfnisse von Patient*innen und Neurolog*innen.
