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. 2022 Aug 22;84(08-09):710. [Article in German] doi: 10.1055/s-0042-1753583

Inzidenz von Angstsymptomen und assoziierte Risikofaktoren im hohen Lebensalter – Ergebnisse der AgeCoDe/AgeQualiDe-Studie

FD Welzel 1, M Pentzek 2, H Bickel 3, S Weyerer 4, B Wiese 5, H-H König 6, W Maier 7, M Scherer 8, M Wagner 7,9, SG Riedel-Heller 1
PMCID: PMC11248627

Einleitung  Während die Studienlage zu Depressionen und Demenzen für alte und hochaltrige Menschen recht umfangreich ist, gibt es bisher nur wenige Studien zur Epidemiologie von Ängsten in dieser Altersgruppe. Dies ist insofern problematisch, da diese Angaben dabei helfen, Versorgungsangebote zu steuern. Insbesondere fehlt es an Angaben zur Inzidenz von klinisch relevanten Ängsten in dieser Altersgruppe. Ziel der vorliegenden Studie war es daher, alters- und geschlechtsspezifische Inzidenzraten von Angstsymptomen für hochaltrige Menschen zur Verfügung zu stellen und assoziierte Risikofaktoren zu untersuchen.

Methoden  Die vorliegende Arbeit basiert auf Daten mehrerer Follow-Up-Untersuchungen (FU5 bis FU7) der umfangreichen Alterskohorte AgeCoDe/AgeQualiDe, bei der es sich um eine multizentrische Studie der Altenbevölkerung handelt. Die Daten wurden zwischen 2010 und 2015 in den Studienzentren Hamburg, Bonn, Düsseldorf, Leipzig, Mannheim und München erhoben. Teilnehmende wurden über kooperierende Hausarztpraxen rekrutiert. Angstsymptome wurden mittels der Kurzform des validierten altersspezifischen Instruments Geriatric Anxiety Inventory (GAI-SF) erfasst. Weiterhin wurden folgende Variablen in die Datenanalysen eingezogen: soziodemographische Merkmale, depressive Symptome, Verlusterfahrungen, subjektive Gedächtnisbeschwerden und funktionale Beeinträchtigungen. Für die Untersuchung möglicher Prädiktorvariablen für inzidente Angstsymptome wurden multivariable Cox-Proportional-Hazard-Regressionen durchgeführt.

Ergebnisse  Insgesamt konnten Daten von N=702 Probandinnen und Probanden im Alter zwischen 81 und 97 Jahren in die Analysen einbezogen werden, die zum ersten berücksichtigten Beobachtungszeitraum keine Angstsymptome aufwiesen. Im fortlaufenden Beobachtungszeitraum entwickelten N=77 Personen klinisch relevante Angstsymptome. Die Inzidenzrate (IR) in der Gesamtstichprobe lag bei 51,3 (95% Konfidenzintervall (CI): 41,2 – 64,1) pro 1.000 Personenjahre. Frauen waren häufiger betroffen als Männer (IR: 58,5; 95% CI: 43,2 – 72,4; vs. 37,3; 95% CI: 23,6 – 58,3). Die höchste Inzidenz wiesen Frauen zwischen 86 und 90 Jahren auf mit einer IR von 66,8 (95% CI: 47,2 – 94,6). Multivariable Regressionsanalysen ergaben signifikante Zusammenhänge für das Vorliegen von depressiven Symptomen sowie subjektiven Gedächtnisbeschwerden und inzidenten Angstsymptomen. 22,1% der Personen mit inzidenter Angstsymptomatik behielten diese über mehrere Beobachtungszeiträume bei.

Schlussfolgerung  Die Ergebnisse verweisen auf eine hohe Inzidenz klinisch relevanter Angstsymptome in der Gruppe hochaltriger Menschen unter Verwendung altersspezifischer Erhebungsinstrumente. Eine depressive Symptomatik stellt einen möglichen Prädiktor dafür dar. Ängste scheinen zudem als Reaktion auf wahrgenommene Gedächtnisbeschwerden aufzutreten.

Thema: (Praktische-) Sozialmedizin und Rehabilitation


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