Einleitung Wiederholte sozioökonomische Benachteiligungen im Lebensverlauf sind mit einer schlechteren Gesundheit im späteren Leben verbunden, was sich am besten durch die Akkumulation dieser Benachteiligungen erklären lässt. Es ist jedoch unklar, ob der Akkumulationsprozess auch für vermittelnde Faktoren gilt und, ob in verschiedenen Lebensphasen jeweils unterschiedliche Prozesse relevant sind. So ist es ebenfalls möglich, dass bei psychosozialen bzw. materiellen Faktoren oder in spezifischen Lebensabschnitten Anpassungs- statt Akkumulationsprozesse stattfinden. Ziel der Untersuchung ist daher die Analyse des Verlaufs der Auswirkungen vermittelnder Faktoren auf die Gesundheit in verschiedenen Lebensabschnitten.
Methoden Die Analysen basieren auf den Daten des Sozio-oekonomischen Panels (1994 bis 2017). Insgesamt wurden 266 255 und 236 787 Beobachtungen von 31 961 Frauen und 29 149 Männern in das Sample eingeschlossen. Die subjektive Gesundheit diente als Outcome. Materielle und psychosoziale Faktoren wurden über die folgenden Variablen erfasst: Belastungen durch Kredite, Jobsorgen, Einkommens- und Wohnzufriedenheit, finanzielle Unsicherheit, Wohnsituation und -qualität. Die Expositionsdauer wurde als beobachtete Expositionsjahre für jeden der Faktoren berechnet, wobei nur kontinuierliche Expositionsjahre Berücksichtigung fanden.
Ergebnisse Für die Mehrheit der Faktoren und Lebensphasen dominierten die Akkumulationsprozesse. Das zeigte sich vor allem für Wohnsituation, finanzielle Sorgen und Einkommenszufriedenheit. Für andere Faktoren, wie Jobsorgen, Wohnzufriedenheit und -qualität oder Belastungen durch Kredite, variierten die Verläufe und Prozesse stärker je nach Lebensphase.
Schlussfolgerung Einige vermittelnde Faktoren scheinen, unabhängig von der Lebensphase, wichtige Prädiktoren für die subjektive Gesundheit zu sein, wobei von einer Aufsummierung der Benachteiligung ausgegangen werden kann. Andere variieren stärker im Lebensverlauf, was den Schluss nahelegt, dass in bestimmten Lebensphase unterschiedliche Ressourcen zur Verfügung stehen und benötigt werden, um die Exposition gegenüber den entsprechenden Faktoren
zu bewältigen.
