Einleitung Das Kurskonzept zur Erhöhung der digitalen Gesundheitskompetenz (GK) „KundiG“, gefördert von der BARMER, wird in einem partizipativen Projekt gemeinsam von der Medizinischen Hochschule Hannover und Institutionen der Selbsthilfe (BAG SELBSTHILFE, NAKOS, SeKo Bayern) entwickelt und systematisch evaluiert. Die Inhalte des Kurses, (u.a. elektronische Patientenakte, Gesundheits-Apps, Datenschutz oder webbasierte Kommunikation) und die Didaktik wurden auf Basis der wissenschaftlichen Literatur, nationalen Befragungen und in der Praxis erworbenen Kenntnissen über Bedürfnisse und Bedarfe der Menschen im Gesundheitswesen definiert. Die Themen wurden für ein modulares, webbasiertes Konzept (6 Unterrichtstd. à 2,5 Std., 1 x wö.) aufbereitet.
Methoden In der Pilotphase im Herbst 2021/Frühjahr 2022 wurden 8 Kurse mit je 8-12 Teilnehmenden (TN) durchgeführt, insgesamt 48 Termine wurden im Rahmen eines Mixed-Methods-Designs evaluiert. 1. strukturierte Beobachtung jeder Sitzung und 2. moderierte Reflexionsrunden nach jeder Sitzung, 3. TN-Befragung (Blitzlicht nach jeder Kurseinheit, standardisierte Befragung zu Kursbeginn und -ende). Alle Beobachtungen wurden protokolliert und mit der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet, alle Reflexionsrunden wurden aufgezeichnet, transkribiert und mittels Knowledge-Mapping mit Fokus auf positive Aspekte und Änderungsbedarf analysiert.
Ergebnisse 13 Selbsthilfeaktive inkl. Mitwirkende der BARMER und 11 Projektbeteiligte der MHH nahmen an den Arbeitstreffen sowie Konsentierungen teil und beobachteten die Kursdurchführung (1-3 pro Kurseinheit). Die unterschiedlichen wissenschaftlichen und praxisbezogenen Perspektiven der Beteiligten aus den anschließenden Reflexionsrunden (37-90 Min.) erbrachten eine Vielzahl qualitätsrelevanter Hinweise. Die begleitende Befragung der Kurs-TN zeigt, dass die vermittelten Themen einem hohen Bedarf der TN entsprechen und die interaktive Didaktik zum Lernerfolg beiträgt. Aus der Evaluation resultieren zahlreiche Hinweise: u. a. zu Technik, Barrierefreiheit, Kursablauf, fehlenden oder zu ausführlichen Inhalten. Diese Hinweise konnten bereits bei dem folgenden Kurstermin umgesetzt werden, entsprechend zeigen sich deutlich mehr positive Rückmeldungen zu den Kursen 2022 im Vergleich zu den Kursen 2021.
Schlussfolgerung Die partizipative Entwicklung und die prozessbegleitende Evaluation sind zeit- und arbeitsaufwendig, haben jedoch wesentlich zur Qualitätsentwicklung der Kurse beigetragen. Als besonders wertvoll hat sich die Integration der unterschiedlichen Perspektiven der Beteiligten auf die Thematik erwiesen – die erfahrungsbezogene Nähe zur Zielgruppe, die didaktische Kompetenz, die Erfahrung im Umgang mit chronisch Kranken oder die wissenschaftlichen Erfahrungen. Ein partizipativer Ansatz erhöht die Chance auf ein Kurskonzept, das auf die Bedürfnisse und Bedarfe der Nutzenden angepasst ist. Der Ansatz ist auch relevant für die geplante Ausrollung der KundiG-Kurse in Deutschland.
