Situation Seit 2015 wird das Auftreten lokaler Populationen der vektorkompetenten Stechmücke Aedes albopictus in Baden-Württemberg beobachtet. Die Zunahme der Nachweise von Ae. albopictus in verschiedenen Landkreisen erhöht das Risiko von autochthonen Arbovirus-Infektionen über virämische Reiserückkehrer. Seit 2001 besteht die Meldepflicht laut Infektionsschutzgesetz (IfSG) für Denguefieber, seit 2017 für weitere Arbovirosen.
Methoden Mittels Modellierungen wurden klimatisch geeignete Gebiete für die Ansiedlung von Ae. albopictus (Gunsträume) bestimmt. Die Vorkommen von Ae. albopictus wurden anhand von aktivem sowie passivem Monitoring erfasst.
Die Analyse der reiseimportierten Arbovirosen erfolgte anhand von nach IfSG übermittelten Meldedaten.
Ergebnisse In mind. 15 von 22 gut geeigneten Gunsträumen wurde Ae. albopictus nachgewiesen. Zusätzlich wurden drei Nachweise in mittelmäßig geeigneten Gunsträumen geführt. Die Anzahl positiv getesteter Fallen hat von 2015 mit 32% auf 44,6% in 2020 zugenommen. Die Anzahl der Tigermücken-Funde in den Fallen ist in diesem Zeitraum angestiegen. In den Jahren 2015 bis 2019 wurden in den Monaten Mai bis September 25 bis 56 Fälle von Arbovirus-Infektionen in Gunsträumen mit Ae. albopictus Vorkommen übermittelt, je ein Fall in 2020 und 2021. In allen Land- und Stadtkreisen Baden-Württembergs wurden von 2015 bis 2021 von 288 Meldungen von Denguefieber 185 (64%)mittels Antigen- bzw. RNA-Nachweis direkt nachgewiesen.
Diskussion Die Anzahl von bestätigten Ae. albopictus Nachweisen hat seit 2015 zugenommen. Direkte Erreger-Nachweise zeigen, dass ein Übertragungsrisiko über infizierte Reiserückkehrer bestehen kann. Die Ergebnisse zeigen ein steigendes Risiko von möglichen autochthonen Übertragungen bei klimatisch geeigneten Bedingungen in der Stechmückensaison. Schlussfolgerung: Das Monitoring von Ae. Albopictus in Gunsträumen und die Surveillance von Arbovirosen sind wichtige Instrumente zur fortlaufenden Bewertung des Risikos autochthoner Infektionen und zur frühzeitigen Erkennung von autochthonen Übertragungen und zur Verhinderung von Ausbrüchen. Eine nachhaltige intersektorale Zusammenarbeit und Etablierung von Monitoring- und Bekämpfungsmaßnahmen von Ae. Albopictus ist hierbei anzustreben.
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