Einleitung Kinder und Jugendliche waren von den behördlichen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung besonders betroffen. Eine besonders drastische Einschränkung waren die Schulschließungen. Ergebnisse wie die der COPSY-Studie berichten von geringerer Lebenszufriedenheit, häufigeren depressiven Symptomen sowie psychosomatischen Beschwerden bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland während der COVID-19-Pandemie [1]. Weitere Forschungsarbeiten zur Identifikation von Risikofaktoren und belasteten Subgruppen sind notwendig [2]. Ob Unterrichtsformen mit den psychischen Belastungen von Kindern und Jugendlichen assoziiert sind, ist weitgehend unklar. Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, Zusammenhänge der psychischen und psychosomatischen Beschwerden sowie der Lebenszufriedenheit mit verschiedenen Unterrichtsformen zu explorieren.
Methoden Die Daten wurden im Rahmen der 5. Befragungswelle des „Präventionsradar“, einer kombinierten Quer- und Längsschnittstudie zur Kinder- und Jugendgesundheit zwischen Oktober 2020 und Februar 2021 erhoben. Die Onlinebefragung fand in 13 Bundesländern an allgemeinbildenden Schulen in der Sekundarstufe 1 statt. Die Stichprobe beinhaltet 14.287 Schüler:innen verschiedener Schularten (64% Gymnasium) in einem mittleren Alter von 13 Jahren bei ausgeglichenem Geschlechterverhältnis. Erfasst wurden u.a. die Art der Unterrichtsform zum Zeitpunkt der Befragung sowie psychische und psychosomatische Beschwerden durch die Häufigkeit von Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen, Müdigkeit/Erschöpfung und Schlafproblemen, die Schlafdauer, die Lebenszufriedenheit und die Belastung durch die COVID-19 Regeln an der Schule. Die Assoziationen von psychischen und psychosomatischen Beschwerden und der Unterrichtsform wurden mittels Mehrebenenmodellen analysiert. Weitere berücksichtigte Prädiktoren sind u.a. Alter, Geschlecht, besuchte Schulart, subjektiver sozialer Status und das Persönlichkeitsmerkmal Sensation Seeking. Fehlende Werte wurden mittels listenweisem Fallausschluss behandelt.
Ergebnisse Rund 13 Prozent der Schüler:innen lernten im Distanzunterricht, 10 Prozent berichteten Hybridlernen. Unter Kontrolle von Alter, Geschlecht, Schulart, sozialem Status und Sensation Seeking zeigten sich signifikante Assoziationen des Distanzunterrichts mit einer niedrigeren Lebenszufriedenheit ( ß =-0,27, 95% CI -0,42, -0,11), häufigeren Symptomen von Hyperaktivität
( ß =0,19, 95% CI 0,07, 0,31), seltenerer Erschöpfung/Müdigkeit ( ß =-0,13, 95% CI -0,20, -0,05) und einer längeren Schlafdauer( ß =0,17, 95% CI 0,09, 0,25) im Vergleich zum Hybrid- und Präsenzunterrricht.
Schlussfolgerung Die vorliegende Arbeit liefert erste Hinweise zu Assoziationen von Unterrichtsformen und psychischen und psychosomatischen Beschwerden während der COVID-19 Pandemie. Zur Feststellung kausaler Zusammenhänge sind weitere Forschungsarbeiten notwendig.
