Einleitung Der Einsatz digitalerTechnologien hat im medizinischen Bereich in den vergangenen Jahren einen breiten Zuwachs erfahren. Durch verschiedene digitale Tools besteht z.B. die Möglichkeit Patient*innen in ihrem Krankheitsbewusstsein zu stärken und aktiv am eigenen Krankheitsmanagement zu beteiligen. Unrealistische Erwartungen können bereits im Vorfeld minimiert, die Motivation gesteigert und Enttäuschungen reduziert werden
In der Klinik für Rehabilitationsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurde 2017 ein eigens entwickeltes digitales Rehabilitations-Ziel-Steuerungstool (ReGoS) implementiert und seitdem erfolgreich verwendet.
Methoden ReGoS ist ein ICF- basiertes Selbstauskunftstool, das den Patient*innen via Tablet vor einem Sprechstundentermin ausgehändigt wird. Die Abfrage erfolgt anhand von 20 Items aus dem ICF-Core-Set für chronischen Schmerz und Rehabilitation, die anhand einer Likert-Skala bewertet werden. Durch Freitextfelder können ergänzend Angaben zu individuellen Funktionseinschränkungen und zum persönlichen Rehabilitationsziel gemacht werden.
Diese Daten stehen den Ärzt*innen noch vor der Anamnese und Untersuchung online zur Verfügung. Gemeinsam können ein oder mehrere Rehabilitationsziele angeklickt werden. Die Interaktivität des Tools ermöglicht es bei Folgeterminen über Profillinien den Behandlungsverlauf darzustellen und zu besprechen. Die Assessmentergebnisse können direkt in die Arztbriefe übernommen werden.
Ergebnisse In einer Pilotphase von 2017- 2019 wandten die Ärzt*innen der Klinikambulanz ReGoS mit 1.008 Patient*innen im Rahmen des Erstgespräches an. Das Alter der Befragten lag im Mittel bei 53, 9 Jahren. Die Personen waren zwischen 13 und 92 Jahren alt. Das weibliche Geschlecht war zu 66% (n=665) vertreten. Die Hauptdiagnosen bezogen sich zu 62,1% auf muskuloskelettale Störungen.
Schlussfolgerung Durch die Anwendung des ReGoS im Klinikalltag werden komplexe Informationen zur funktionalen Leistungsfähigkeit übersichtlich dargestellt. Durch die toolbasierte Strukturierung wird eine transparente Planung des Rehabilitationsziels und eine erhebliche Verbesserung der Therapiesteuerung der Patient*innen ermöglicht. Aus den kontinuierlich erhobenen Daten können zudem zukünftig Rehabilitationsbedarfe unterschiedlicher Ziel- und Indikationsgruppen abgeleitet und so die Versorgungsqualität weiter verbessert werden. Ein nächster Schritt besteht darin, das Tool anderen Rehabilitationskliniken zugänglich zu machen.
