Sehr geehrte Herausgeber,
Transkutane Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (continuous glucose monitors, CGM) werden in der Diabetesversorgung zunehmend zur Echtzeit‐Blutzuckerkontrolle eingesetzt und haben sich unter gängigen klinischen Bedingungen, einschließlich MRT‐ und CT‐Bildgebung, als widerstandsfähig erwiesen. 1 Es liegen jedoch keine Daten zu ihrer Leistungsfähigkeit bei hochintensiven lichtbasierten Bildgebungsverfahren vor. Bei der automatisierten Ganzkörperfotografie werden synchronisierte Hochleistungs‐LED‐Blitze verwendet, um hochaufgelöste dreidimensionale Aufnahmen der Hautoberfläche im Rahmen der Hautkrebsvorsorge zu generieren. 2 , 3 Wir berichten über eine Fallserie von Patienten, bei denen unmittelbar nach einer LED‐basierten Ganzkörper‐Fotographie eine plötzliche Fehlfunktion des CGM‐Sensors auftrat. Nach unserem Kenntnisstand ist dies der erste veröffentlichte Bericht über ein solches Ereignis und unterstreicht eine potentielle Wechselwirkung zwischen dermatologischen Bildgebungstechnologien und digitalen Glukosemonitoring‐Systemen.
Wir untersuchten sechs aufeinanderfolgende Fälle zwischen März und Mai 2025, in denen Patienten mit Typ‐1‐ oder Typ‐2‐Diabetes, die CGM‐Geräte verwendeten, nach einer Ganzkörperaufnahme mit dem Vectra® WB360‐Bildgebungssystem (Canfield Scientific Inc., Parsippany, USA) einen Sensorausfall beobachteten. Die klinischen Details, einschließlich Sensormodelle, Sensor‐Position und jeweiliger Funktionsstörung, sind in Tabelle 1 zusammengefasst. Relevante Patienteninformationen wurden durch Aktenrecherche und direkte Befragungen erhoben, darunter demografische Daten, Diabetes‐Typ, Alter des Sensors und Zeitpunkt des Auftretens der Funktionsstörung. Der Hersteller des Bildgebungssystems wurde kontaktiert und bestätigte nach Kontaktaufnahme die ordnungsgemäße Funktion des Geräts einschließlich der vorgesehenen LED‐basierten Blitzmodule. Während des Beobachtungszeitraums über drei Monate wurden in unserer Abteilung insgesamt 345 Ganzkörperfotografie‐Sitzungen durchgeführt, von denen sechs Patienten mit CGM‐Systemen betrafen. Angesichts der geringen Anzahl von CGM‐Anwendern in dieser Kohorte verzichten wir auf eine Berechnung einer Fehlfunktionsrate, da diese keine aussagekräftige oder interpretierbare Kennzahl darstellen würde.
TABELLE 1.
Merkmale von Patientinnen und Patienten mit CGM‐Fehlfunktion nach Ganzkörperfotografie mit Vectra WB360. Die Patientinnen 2 und 4 trugen zum Zeitpunkt der Bildgebung zwei verschiedene CGM‐Sensoren gleichzeitig, jeweils einen an jedem Oberarm. Bei Patientin 2 wies nur ein Sensor eine Fehlfunktion auf, während der zweite Sensor davon unbeeinträchtigt blieb. Im Gegensatz dazu fielen bei Patient 4 beide Sensoren gleichzeitig aus.
| Fall | Alter | Geschlecht | Diabetes Typ | CGM Modell | Sensoralter (Tage) | Sensor‐position | Zeit bis Störung | Art der Störung | Fehlerbehebung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 64 | M | 2 | FreeStyle Libre 3 Plus | 4 | Oberarm |
Innerhalb Minuten |
Keine Datenüber‐tragung, Systemfehler |
Ersetzt durch Hersteller |
| 2a | 53 | W | 1 | Medtronic simplera Sync | 2 | Oberarm (bds.) |
Innerhalb Minuten |
Keine Datenüber‐tragung, Systemfehler |
Ersetzt durch Hersteller |
| 2b | Dexcom G6 | 3 | Keine Fehlfunktion | ‐ | ‐ | ||||
| 3 | 80 | M | 1 | FreeStyle Libre 3 | 9 | Oberarm |
Innerhalb Minuten |
Keine Datenüber‐tragung, Systemfehler |
Ersetzt durch Patient |
| 4a | 25 | W | 1 | FreeStyle Libre 3 Plus | 7 | Oberarm (bds.) |
Innerhalb Minuten (beide) |
Keine Datenüber‐tragung, Systemfehler (beide) |
Ersetzt durch Patient (beide) |
| 4b | Medtronic simplera Sync | 2 | |||||||
| 5 | 56 | M | 1 | FreeStyle Libre 3 | 13 | Oberarm |
Innerhalb Minuten |
Keine Datenüber‐tragung, Systemfehler |
Ersetzt durch Patient |
| 6 | 62 | M |
‐ (lifestyle) |
FreeStyle Libre 3 | 4 | Oberarm |
Innerhalb Minuten |
Keine Datenüber‐tragung, Systemfehler |
Ersetzt durch Patient |
Alle Patienten berichteten innerhalb weniger Minuten nach der Bildgebung über eine Fehlfunktion des Geräts, welche sich in einem plötzlichen Datenverlust oder Systemfehlern manifestierte. Zwei Patienten trugen gleichzeitig zwei CGM‐Systeme. Bei einem dieser Patienten trat eine Fehlfunktion beider Sensoren auf (Patient 4), während bei dem anderen Patienten nur ein CGM‐Sensor ausfiel (Patient 2). Alle Sensoren befanden sich innerhalb ihrer zugelassenen Tragedauer und wiesen keine äußerlichen mechanischen Schäden auf. In allen Fällen mit Fehlfunktion war ein Austausch der Sensoren erforderlich.
CGM‐Systeme funktionieren über einen enzymatisch‐elektrochemischen Mechanismus, der den interstitiellen Glukosespiegel in elektrische Signale umwandelt. 4 Diese Geräte haben sich in Umgebungen mit hoher Strahlenbelastung wie MRT und CT als widerstandsfähig erwiesen, 1 jedoch wurden sie bisher nicht unter intensiven Lichtimpulsen getestet. Mehrere Hypothesen könnten die beobachteten Fehlfunktionen erklären. Erstens könnte eine während der Entladung der LED‐Blitze entstehende vorübergehende elektromagnetische Interferenz die Signalübertragung beeinträchtigt haben, da einige CGM‐Systeme in ihren behördlichen Zulassungsunterlagen eine elektromagnetische Empfindlichkeit angeben. In den Gebrauchsanweisungen mehrerer CGM‐Systeme warnen die Hersteller zudem vor der Exposition gegenüber starken elektromagnetischen Feldern oder Hochfrequenzemissionen und weisen auf mögliche Leistungseinbußen oder Geräteschäden hin. 5 Obwohl das Vectra WB360‐Imaging System LED‐Blitze und keine MRT‐ oder CT‐Technologie nutzt, könnte deren hochenergetische Entladung kurzzeitige elektromagnetische Emissionen erzeugen, welche in den von CGM‐Herstellern beschriebenen Empfindlichkeitsbereich fallen. Zweitens könnte hochintensives Licht, obwohl CGM‐Systeme keine optischen Sensoren verwenden, durch Wechselwirkungen mit freiliegenden Komponenten oder Gehäuseteilen zu elektrischem Rauschen oder Interferenzen führen. Schließlich erscheinen thermische Effekte aufgrund der kurzen Pulsdauern unwahrscheinlich, dennoch können eine kumulative lokale Erwärmung oder photothermische Effekte auf die Elektrodenmaterialien nicht abschließend ausgeschlossen werden. Da alle CGM‐Sensoren während des Bildaufnahmeprozesses durch standardmäßige Klebepflaster abgedeckt waren, ist ein direkter lichtinduzierter Effekt unwahrscheinlich, was elektromagnetische Interferenzen als plausiblere Erklärung weiter stützt.
Diese Beobachtungen deuten darauf hin, dass auch unter bestimmungsgemäßen Anwendungsbedingungen spezifische Umgebungsfaktoren während der Ganzkörperfotografie mit hochintensiven Blitzsystemen die Funktion von CGM‐Systemen beeinträchtigen können. Vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutung der Ganzkörperfotografie in der frühen Hautkrebsdetektion und der zunehmenden Verbreitung von CGM‐Systemen in der Diabetesversorgung sind weiterführende technische Untersuchungen erforderlich, um eine sichere gleichzeitige Anwendung zu gewährleisten.
INTERESSENKONFLIKT
Keiner.
LITERATUR
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