Abstract
Autoimmunenzephalitiden (AIE) sind eine relativ junge Gruppe innerhalb der enzephalitischen Erkrankungen. Pathophysiologisches Verständnis und Awareness für sie wachsen seit Jahren. Sie gewinnen auch in der Intensivmedizin an Bedeutung, denn schwere Verläufe gehen häufig mit Bewusstseinsstörungen, epileptischen Anfällen bis hin zum therapierefraktärem Status epilepticus, autonomer Dysregulation und Beatmungspflichtigkeit einher. Eine wesentliche Herausforderung ist die frühe Differenzierung zwischen autoimmunen und infektiösen Enzephalitiden. Symptome, Liquorbefunde und Veränderungen in bildgebenden Untersuchungen können sich ähneln. Erregerbedingte Enzephalitiden erfordern eine rasche antiinfektive Therapie; autoimmune Formen benötigen eine frühzeitige Immuntherapie. Verzögerungen der Therapieeinleitung verschlechtern die Prognose. Im Folgenden wird auf diagnostische Kriterien, Antikörperdiagnostik, intensivmedizinische Komplikationen sowie aktuelle Immuntherapien eingegangen.
Schlüsselwörter: Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis, Antikörperdiagnostik, Status epilepticus, Immuntherapie, Differenzialdiagnose
Abstract
Autoimmune encephalitis (AIE) is a relatively new group within the spectrum of encephalitic diseases. Awareness and the pathophysiological understanding of these conditions are increasing. They are also gaining importance in the field of intensive care medicine as severe cases are frequently accompanied by unconsciousness, epileptic seizures up to treatment-refractory status epilepticus, autonomic dysregulation and the need for mechanical ventilation. A major challenge is the early differentiation between autoimmune and infectious encephalitides as symptoms, cerebrospinal fluid findings and changes in imaging examinations can often appear similar. While infectious encephalitis requires rapid anti-infective therapy, autoimmune forms necessitate early initiation of immunotherapy. Delays in commencing treatment worsen the prognosis. This article addresses the diagnostic criteria, antibody diagnostics, complications in intensive care settings and current immunotherapies.
Keywords: Anti-NMDA-receptor encephalitis, Antibody diagnostics, Status epilepticus, Immunotherapy, Differential diagnosis
Lernziele
Nach der Lektüre dieses Beitrags kennen Sie
typische klinische Manifestationsformen schwerer Autoimmunenzephalitiden,
Unterschiede autoimmuner und infektiöser Enzephalitiden, die sich anhand der Befunde klinischer, laborchemischer und bildgebender Untersuchungen ergeben.
relevante intensivmedizinische Komplikationen, wie Status epilepticus, autonome Dysfunktion und Beatmungspflichtigkeit.
wichtige Immuntherapien.
prognostische Faktoren und Langzeitverläufe von Autoimmunenzephalitiden.
Einleitung
Autoimmunenzephalitiden (AIE) gehören zu den wichtigsten differenzialdiagnostischen Ursachen akuter enzephalitischer Syndrome. Ihre Inzidenz liegt mit 0,8 vs. 1,0 pro 100.000 Personenjahre [1, 2] minimal unter der von infektiösen Enzephalitiden. Besonders schwere Verläufe führen häufig auf die Intensivstation [3, 4]. Da die klinischen Manifestationen denen infektiöser Enzephalitiden ähneln, ist eine rasche diagnostische Unterscheidung essenziell. Frühzeitige Immuntherapien verbessern das Outcome und reduzieren intensivmedizinische Komplikationen [5].
Fallbeispiel
Eine 22-jährige Informatikstudentin fällt im Studium zunehmend durch eine Leistungsschwäche und Unzuverlässigkeit auf. Nachdem sie sich auch von ihren Freunden immer mehr zurückzieht, wird sie an einem Samstag nachts im Regen von einer Polizeistreife aufgesammelt und in eine Psychiatrie eingeliefert. Hier wird nach unauffälligem Befund einer toxikologischen Untersuchung initial von einer erstmaligen Psychose ausgegangen. Bei zunehmender Vigilanzminderung erfolgen eine Lumbalpunktion und nach neurologischer Rücksprache die Bestimmung von Autoimmunenzephalitisantikörpern. Hier zeigen sich hochtitrig Anti-NMDA-Rezeptor-Antikörper im Liquor. Daraufhin wird sie in die Neurologie übernommen und eine Plasmapheresetherapie begonnen. Zudem erfolgt eine Tumorsuche, bei der ein Tumor im Bereich des linken Ovars auffällig wird, der sich nach seiner Entfernung histologisch als ein Teratom herausstellt. Unter der Apheresetherapie und folgend Rituximabgabe bildet sich die Symptomatik innerhalb von 6 Monaten vollständig zurück, und die Patientin kann im Verlauf ihr Studium erfolgreich abschließen.
Autoimmune- und erregerbedingte Enzephalitiden
Die AIE sind eine relativ junge [6] und heterogene Gruppe immunvermittelter, insbesondere mit Antikörpern gegen synaptische bzw. neuronale Oberflächenantigene verbundene Entzündungen des Zentralnervensystems.
Pathophysiologie
Pathophysiologisch unterscheidet man Erkrankungen mit Antikörpern gegen synaptische oder neuronale Oberflächenantigene
Oberflächenantigene
von den insgesamt selteneren, klassischen paraneoplastischen Syndromen mit Antikörpern gegen intrazelluläre Antigene
intrazelluläre Antigene
[7]. Nur bei der ersten Gruppe sind die Autoantikörper klinisch relevant. Ihre Bindung führt unter anderem zu Störungen der synaptischen Signalübertragung
synaptischen Signalübertragung
mit daraus resultierenden, prinzipiell reversiblen synaptischen Funktionsstörungen. Darauf beruht die potenziell gute Reversibilität unter frühzeitiger Immuntherapie [8, 9]. Häufig nachgewiesene Antikörper sind gerichtet gegen den NMDA-Rezeptor, LGI1, CASPR2, GABA-B-Rezeptoren oder AMPA-Rezeptoren [9, 10]. Bei den Erkrankungen mit intrazellulär gerichteten Antikörpern kommt es jedoch zu irreversiblen Untergängen neuronaler Zellen, verbunden mit einem schlechten Ansprechen auf Immuntherapien.
Viral bedingte, infektiöse Enzephalitiden entstehen dagegen durch direkte Erregerinvasion
direkte Erregerinvasion
(para- oder transzelluläre Invasion) oder immunvermittelte Folgeprozesse nach Infektion (sekundäre Enzephalitis
sekundäre Enzephalitis
, z. B. als „Trojanisches Pferd“ bei SARS-CoV-2) [11]. Häufige Erreger sind Herpes-simplex-Viren, Varizella-Zoster-Viren, Enteroviren oder bakterielle Erreger wie Listerien [12, 13]. Die Infektion führt zu einer entzündlichen Gewebeschädigung, resultierend aus direkter Zellschädigung sowie überschießender Immunantwort.
Merke
Autoimmunenzephalitiden führen in erster Linie zu Funktionsstörungen, infektiöse Enzephalitiden zu Gewebeschäden.
Klinische Präsentation
Autoimmunenzephalitiden beginnen typischerweise subakut über Tage bis Wochen mit neuropsychologischen Auffälligkeiten
neuropsychologischen Auffälligkeiten
. Früh zeigen die Patienten Verhaltensauffälligkeiten, Gedächtnisstörungen, psychiatrische Symptome oder epileptische Anfälle ([14]; Infobox 1). Im weiteren Verlauf treten häufig Dyskinesien, Bewusstseinsstörungen und autonome Dysregulationen auf [3].
Infobox 1 Diagnosekriterien der Autoimmunenzephalitis
(Nach Graus et al. [14])
Eine Autoimmunenzephalitis ist wahrscheinlich, wenn drei Kriterien erfüllt sind:
-
Subakuter Beginn (< 3 Monate)
Mindestens eines der folgenden Symptome:- Gedächtnisstörung
- Veränderung des Bewusstseins
- Psychiatrische Symptome
- Mindestens eines der folgenden Zusatzkriterien:
- Neu aufgetretene fokalneurologische Defizite
- Epileptische Anfälle ohne bekannte Epilepsie
- Liquorpleozytose (> 5 Leukozyten/µl)
- MRT-Veränderungen, vereinbar mit einer Enzephalitis
-
Ausschluss alternativer Ursachen:
Insbesondere:- Infektiöse Enzephalitis
- Metabolische Ursachen
- Toxische Enzephalopathien
- Primär psychiatrische Erkrankungen
Die Autoimmunenzephalitis ist gesichert, wenn zusätzlich ein Antikörpernachweis (aus Liquor und/oder Serum) gelingt.
Die häufigste AIE, die Anti-N-Methyl-D-Aspartat-Rezeptor-Enzephalitis
Anti-N-Methyl-D-Aspartat-Rezeptor-Enzephalitis
(Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis), manifestiert sich charakteristisch nach vorangegangenen unspezifischen Prodromi
unspezifischen Prodromi
mit psychiatrischen Symptomen, gefolgt von orofazialen Dyskinesien oder auch generalisierten Hyperkinesien, Hypoventilation, Katatonie, Vigilanzstörungen und autonomer Instabilität mit entsprechender Intensivpflichtigkeit. Die Symptome nehmen einen phasenhaften Verlauf
phasenhaften Verlauf
und bilden sich in der Reihenfolge ihres Auftretens zurück [6].
„Leucine-rich-glioma-inactivated-protein-1“-Enzephalitiden
„Leucine-rich-glioma-inactivated-protein-1“-Enzephalitiden
(LGI1-Enzephalitiden) zeigen dagegen häufiger faziobrachio-dystone Anfälle und Hyponatriämien [10].
„Anti-γ-aminobutyric-acid-B-receptor“-Enzephalitiden
„Anti-γ-aminobutyric-acid-B_receptor“-Enzephalitiden
(Anti-GABA-B-Rezeptor-Enzephalitiden) präsentieren sich oft mit schwer kontrollierbaren epileptischen Anfällen [9].
Infektiöse Enzephalitiden beginnen im Gegensatz dazu häufig akut. Die Betroffenen weisen früh Fieber und Kopfschmerzen und seltener auch einen Meningismus auf. Bewusstseinsstörungen und fokalneurologische Defizite treten früh dazu.
Cave
Es bestehen erhebliche Überlappungen zwischen autoimmunen und infektiösen Enzephalitiden, sodass klinische Kriterien zur Differenzierung allein selten ausreichen.
Differenzialdiagnose zwischen autoimmuner und infektiöser Enzephalitis
Die Abgrenzung zur infektiösen Enzephalitis ist eine Herausforderung (Tab. 1). Entscheidungen ergeben sich aus der Kombination der Befunde klinischer, laborchemischer und bildgebender Untersuchungen.
Tab. 1.
Klinische Hinweise und typische Antikörper bzw. Erreger von Enzephalitiden (Listen unvollständig)
| Klinische Hinweise | Nachweis | |
|---|---|---|
| Autoimmunenzephalitis |
Subakuter Verlauf Prominente psychiatrische Symptome Dyskinesien Autonome Dysregulation Refraktärer Status epilepticus Fehlender hochfieberhafter Verlauf |
Typische Antikörper gegen: – NMDA-Rezeptor – LGI1 (Leucine-rich glioma-inactiv. protein 1) – CASPR2 (Contactin-assoziiertes Protein 2) – GABA-B-Rezeptoren – AMPA-Rezeptoren – DPPX (Dipeptidyl-peptidase-like protein-6) |
| Enzephalitis infektiöser Genese |
Akutes hohes Fieber Rasche Vigilanzminderung Deutlich erhöhte Entzündungsparameter Meningismus Nachweis von Erregern mittels PCR oder Kultur |
Typische Erreger: – Viren: HSV, VZV, Adenoviren, Enteroviren, FSME, Masern, CMV, HIV – Bakterien: Borrelien, Listerien – Parasiten/Pilze: Toxoplasmen, Kryptokokken |
Laborchemische Untersuchungen
Die Erregerdiagnostik
Erregerdiagnostik
(z. B. PCR-Diagnostik auf Herpes-simplex-Viren) bleibt essenziell. Bei hinreichendem klinischem Verdacht sollte Aciclovir bis zum negativen PCR-Befund probatorisch gegeben werden [12].
Liquoruntersuchungen
Liquoruntersuchungen
zeigen typischerweise bei beiden Formen lymphozytäre Pleozytosen, bei Autoimmunenzephalitiden können Liquorbefunde jedoch diskreter oder sogar normal sein. Oligoklonale Banden sprechen eher für eine autoimmune Genese, sind jedoch unspezifisch [16]. Zu erwähnen ist hier die Mollaret-Meningitis
Mollaret-Meningitis
, eine „aseptische“ Meningitis mit lymphozytärer Pleozytose und ungewöhnlich großen Monozyten mit polymorphen Zellkernen (Mollaret-Zellen), die eine Assoziation zu einer HSV-2-Infektion hat [17].
Die Diagnostik neuronaler Antikörper
neuronaler Antikörper
ist der wichtigste Bestandteil der differenzialdiagnostischen Abklärung. Antikörper sollten parallel in Serum und Liquor bestimmt werden. Liquoranalysen besitzen – insbesondere bei Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis – die höhere Sensitivität [18].
Bei unklaren Fällen (z. B.: klassisches klinisches Bild bei negativem Antikörperbefund) kann über das GENERATE-Netzwerk Kontakt zu spezialisierten Zentren im deutschsprachigen Raum aufgenommen werden (Deutsches Netzwerk zur Erforschung der autoimmunen Enzephalitis – GENERATE – GErman NEtwork for Research on AuToimmune Encephalitis).
Cave
Eine negative Antikörperdiagnostik schließt eine Autoimmunenzephalitis nicht aus.
Besonders zu erwähnen ist die HSV-getriggerte, postherpetische Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis. Ein biphasischer Verlauf (initial HSV-Enzephalitis und Wochen bis Monate später Auftreten einer autoimmunen Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis) ist genau das Bindeglied zwischen den beiden Entitäten und intensivmedizinisch hochrelevant [19].
Bildgebung und Elektroenzephalographie
Die kranielle MRT zeigt bei AIE häufig bilaterale mesiotemporale Hyperintensitäten in T2- oder FLAIR-Sequenzen. Allerdings bleibt die MRT insbesondere bei Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitiden auch nicht selten unauffällig (Abb. 1).
Abb. 1.

Recoverinantikörper-positive AIE: Symmetrische mesiotemporale Läsionen in der T2w-FLAIR des MRT (Danksagung: Prof. Gawlitza, Sektion Neuroradiologie, Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Jena)
Die Herpes-simplex-Enzephalitis
Herpes-simplex-Enzephalitis
geht typischerweise mit asymmetrischen temporobasalen Läsionen (Abb. 2) mit einer Neigung zur Einblutung
Einblutung
einher. Auch Diffusionsstörungen und Kontrastmittelanreicherungen sind typisch [12].
Abb. 2.

Herpes-simplex-Enzephalitis mit asymmetrischen temporobasalen Läsionen in der T2 des MRT (Danksagung: Prof. Gawlitza, Sektion Neuroradiologie, Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Jena)
Im EEG finden sich bei AIE häufig diffuse Verlangsamungen
diffuse Verlangsamungen
oder epileptiforme Potentiale
epileptiforme Potentiale
. Das „Extreme-delta-brush“-Muster (Abb. 3) gilt als relativ spezifisch für eine Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis [20, 21].
Abb. 3.

„Extreme-delta-brush“-Muster im EEG bei einer Patientin mit Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis
Intensivmedizinische Komplikationen
Die Bedeutung der AIE in der Intensivmedizin nimmt zu. Bis zu 70 % der Patienten mit einer Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis benötigen eine intensivmedizinische Behandlung. Gründe hierfür sind Vigilanzstörungen, zum Teil therapierefraktäre epileptische Anfälle, autonome Instabilitäten sowie die respiratorische Insuffizienz [3, 22].
Delir und psychiatrische Symptome
Psychiatrische Symptome erschweren häufig das intensivmedizinische Management. Sedativa und Neuroleptika müssen vorsichtig eingesetzt werden, da extrapyramidale Nebenwirkungen und autonome Dysregulationen verstärkt werden können.
Status epilepticus
Ein refraktärer Status epilepticus gehört zu den häufigsten intensivmedizinischen Problemen. Ein EEG-Monitoring bzw. wiederholte EEG sind sinnvoll. Die Therapie erfolgt nach etablierten Eskalationsalgorithmen
etablierten Eskalationsalgorithmen
mit Benzodiazepinen, Antikonvulsiva und gegebenenfalls i.v.-Gabe von Anästhetika. Gleichzeitig muss frühzeitig eine Immuntherapie eingeleitet werden, da die epileptische Aktivität häufig Ausdruck der zugrunde liegenden Immunpathologie ist [31].
Respiratorische Insuffizienz
Beatmungspflichtigkeit
Beatmungspflichtigkeit
entsteht durch Vigilanzminderung, zentrale Hypoventilation oder schwere Dyskinesien. Besonders Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitiden führen häufig zu prolongierten Beatmungsverläufen.
Autonome Dysfunktion
Autonome Instabilitäten mit Blutdruckschwankungen, Herzrhythmusstörungen, Hyperthermie oder Hypersalivation können lebensbedrohlich verlaufen. Eine kontinuierliche intensivmedizinische Überwachung
intensivmedizinische Überwachung
ist erforderlich. Therapeutisch sind überwiegend symptomorientierte Behandlungen
symptomorientierte Behandlungen
erfolgreich (externe Kühlung bei Fieber, ggf. sogar Off-Label-Gabe von Dantrolen, Katecholamine bei Hypotonien usw.) [11, 23].
Cave
Enzephalitisbedingte autonome Dysfunktionen können den Intensivmediziner in die Irre führen.
Nach Ausschluss anderer Ursachen (Infektionen bei Fieber, Volumenstatus bei Tachykardien und Hypotonien usw. …) ist eine zentrale Genese zu erwägen.
Therapie
Initiale Therapie
Da infektiöse Ursachen initial oft nicht sicher ausgeschlossen werden können, erfolgt häufig zunächst eine empirische antiinfektive Therapie
antiinfektive Therapie
mit Aciclovir und Antibiotika, teilweise in Kombination mit Dexamethason (entsprechend der DGN-Leitlinien [24]). Parallel sollten eine immunologische Diagnostik und Antikörperbestimmungen eingeleitet werden. Bei unauffälliger Erregerdiagnostik und rascher Progredienz ist eine probatorische Immuntherapie
probatorische Immuntherapie
indiziert [8].
Immuntherapie
Die First-Line-Therapie umfasst hochdosierte Glukokortikoide
hochdosierte Glukokortikoide
, intravenöse Immunglobuline
intravenöse Immunglobuline
oder eine Apherese. Häufig werden Glukokortikoide und Apherese
Apherese
auch in Kombination eingesetzt, eine Kombination aus Immunglobulingabe und Apherese ist nicht sinnvoll.
Bei unzureichendem Ansprechen folgen zeitnah Second-Line-Therapien mit Rituximab
Rituximab
oder Cyclophosphamid
Cyclophosphamid
[25]. Eine frühzeitige Eskalation
frühzeitige Eskalation
verbessert das Langzeit-Outcome ([26], Infobox 2).
Infobox 2 Therapielinien der AIE
First Line:
3 bis 5 Tage 1 g Methylprednisolon i.v. (ggf. Eskalation mit 2 g)
Immunglobuline 0,4 g/kgKG für 5 Tage
Plasmapherese (insg. 250 ml Plasma/kgKG) auf 5 Sitzungen umtägig (5 %-Albumin-Substitution)
Immunadsorption (4 bis 5 Sitzungen, täglich möglich)
Second Line:
Rituximab 375 mg/m2KOF einmal wöchentlich über 4 Wochen, alternativ: 1 g Tag1 und Tag15
Cyclophosphamid 750 mg/m2KOF mit der 1. Rtx-Dosis, dann einmal im Monat
Third Line:
Bortezomib (2,6 mg s.c. an den Tagen 1, 4, 8,11) (GENERATE-BOOST-Studie [30])
Tocilizumab (8 mg/kgKG) einen Monat nach Rituximab; mindestens 2 Injektionen im Abstand von 4 Wochen.
Weitere Optionen:
Inebilizumab (Anti-CD19-Antikörper) bei Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis, Rozanolixizumab (FcRn-Inhibitor)
Tumorsuche
Assoziationen mit einem Tumorleiden sind nicht selten (zw. < 10 und ca. 70 %) [27]. Besonders Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitiden sind bei jungen Frauen mit Ovarialteratomen
Ovarialteratomen
assoziiert. Anti-GABA-B-Rezeptor-Enzephalitiden weisen häufig Zusammenhänge mit kleinzelligen Bronchialkarzinomen
kleinzelligen Bronchialkarzinomen
auf. Eine strukturierte Tumorsuche und, wenn möglich, Tumorentfernung sind obligat [7].
Merke
Tumorassoziationen sind häufig; eine Tumorsuche ist wichtig.
Prognose
Das Outcome hängt entscheidend von der frühzeitigen Diagnosestellung
frühzeitigen Diagnosestellung
und frühzeitige Therapieeinleitung
frühzeitige Therapieeinleitung
ab. Unter adäquater Immuntherapie erreichen viele Patienten gute funktionelle Ergebnisse [28]. Dennoch bleiben neurokognitive Defizite, epileptische Residuen oder psychiatrische Symptome nicht selten langfristig bestehen [26]. Speziell bei der Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis kann der NEOS2-Score frühzeitig aus den Faktoren höheres Alter, verzögerter Therapiebeginn, Bewegungsstörungen, intensivmedizinische Behandlungspflicht und hohe Liquorzellzahl eine valide Prognose hochrechnen [29].
Schlechte prognostische Faktoren umfassen [4]:
verzögerte Immuntherapie
prolongierte Intensivbehandlung
refraktären Status epilepticus
autonome Dysfunktion
antikörpernegative Verlaufsformen
Fazit für die Praxis
Autoimmunenzephalitiden sind eine wichtige Ursache schwerer enzephalitischer Syndrome in der Intensivmedizin.
Symptome, Liquorbefunde und bildgebende Veränderungen können sich ähneln; entscheidend ist ein strukturiertes diagnostisches Vorgehen mit frühzeitiger Liquoranalytik, MRT und Antikörperdiagnostik, sowie Tumorsuche.
Da eine verzögerte Immuntherapie das Outcome deutlich verschlechtert, sollte bei klinischem Verdacht frühzeitig eine immunmodulatorische Behandlung begonnen werden, während gleichzeitig infektiöse Ursachen empirisch behandelt oder ausgeschlossen werden müssen.
Refraktärer Status epilepticus, autonome Dysregulationen und prolongierte Beatmungspflichtigkeit bestimmen häufig den intensivmedizinischen Verlauf.
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Neurologie, Intensivmedizin, Infektiologie und Psychiatrie ist essenziell.
Durch moderne Diagnostik und konsequente Frühtherapie konnten Prognose und funktionelles Outcome in den letzten Jahren deutlich verbessert werden.
CME-Fragebogen
Was ist charakteristisch für eine Autoimmunenzephalitis?
Sie ist deutlich häufiger als infektiöse Enzephalitiden.
Sie betrifft ausschließlich junge Frauen.
Eine frühe Immuntherapie verbessert die Prognose erheblich.
Liquorbefunde sind immer hochpathologisch.
MRT-Veränderungen sind obligat.
Welcher Antikörper ist am häufigsten mit psychiatrischen Symptomen und Dyskinesien assoziiert?
Anti-Hu
Anti-Yo
Anti-MOG
Anti-NMDA-Rezeptor
Anti-AQP 4
Welcher Befund spricht eher für das Vorliegen einer infektiösen Enzephalitis als für eine Autoimmunenzephalitis?
Faziobrachiale dystone Anfälle
Subakuter Verlauf über Wochen
Orofaziale Dyskinesien
Hohes Fieber und Meningismus
Autonome Dysregulation
Welche Untersuchung ist essenziell zum Ausschluss einer Herpes-simplex-Enzephalitis?
Muskelbiopsie
Liquor-PCR auf HSV
Serumelektrophorese
Echokardiographie
PET-CT
Welche intensivmedizinische Komplikation tritt bei Autoimmunenzephalitiden besonders häufig auf?
Akute Leberinsuffizienz
Lungenembolie
Refraktärer Status epilepticus
Massive gastrointestinale Blutung
Akutes Nierenversagen
Welche Therapie gehört zur First-Line-Behandlung der Autoimmunenzephalitis?
Acetylsalicylsäure
Dialyse
Hochdosierte Glukokortikoide
Antikoagulation
Interferon-beta
Was ist in Bezug auf eine MRT-Diagnostik bei Verdacht auf Vorliegen einer Enzephalitis charakteristisch?
Der MRT-Befund ist bei Autoimmunenzephalitiden immer normal.
Temporobasale hämorrhagische Läsionen sprechen für eine HSV-Enzephalitis.
Eine Kontrastmittelgabe ist kontraindiziert.
Die MRT ersetzt die Liquordiagnostik.
Mesiotemporale Veränderungen sind typisch für eine bakterielle Meningitis.
Was ist bezüglich der Antikörperdiagnostik bei Enzephalitiden zu beachten?
Antikörper sollten ausschließlich im Serum bestimmt werden.
Negative Antikörper schließen eine Autoimmunenzephalitis aus.
Liquor und Serum sollten parallel untersucht werden.
Antikörperdiagnostik ist nur bei Tumorverdacht sinnvoll.
Die Diagnostik spielt in der Intensivmedizin keine Rolle.
Welche Tumorassoziation ist typisch für die Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis?
Hepatozelluläres Karzinom
Ovarialteratom
Schilddrüsenkarzinom
Prostatakarzinom
Nierenzellkarzinom
Welcher prognostische Faktor ist mit einem schlechteren Outcome assoziiert?
Frühe Immuntherapie
Rasche Diagnosestellung
Kurzer Intensivaufenthalt
Refraktärer Status epilepticus
Mildes EEG ohne epileptiforme Aktivität
Förderung
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