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. 2011 May 11;4(Suppl 1):55–56. doi: 10.1159/000329217

Abstracts

PMCID: PMC6444648
Obes Facts. 2011 May 11;4(Suppl 1):55.

Eiweißmangelsyndrom nach BPD: Selektive Verlängerung des alimentären Schenkels in 2-Anastomosen-Technik

Michael Frenken 1, Eun-Young Cho 1

Hintergrund

Sowohl die biliopankreatische Diversion (BPD) nach Scopinaro als auch der BPD mit duodenalem Switch (BPD-DS) sind malabsorptive Operationen mit ausgezeichneter Effektivität bezüglich einer Gesichtsreduktion bei morbider Adipositas als auch bezüglich einer hohen Remissionsrate bei Typ 2 Diabetes mellitus. Einige Patienten entwickeln postoperativ einen konservativ langfristig nicht beherrschbaren Eiweißmangel. Sie benötigen eine Verlängerung des alimentären Schenkels, um die enterale Eiweißresorption zu verbessern.

Methoden

Es wird eine OP-Methode vorgestellt, um den alimentären Schenkel selektiv zu Lasten des biliopankreatischen Schenkels zu verlängern, ohne die Länge des «common channels» zu verändern. Dabei wird der distale biliopankreatische Schenkel zum distalen alimentären Schenkel und vica versa. Die Technik erfordert nur 2 Anastomosen und verändert nicht die Länge des «common channels». Im Gegensatz dazu benötigt die klassische Interposition eines Teilsegmentes des biliopankreatischen Schenkels in den alimentären Schenkel 3 Anastomosen.

Ergebnisse

Die selektive Verlängerung des alimentären Schenkels in 2-Anastomeosen-Technik wurde bei insgesamt 3 Patienten angewendet, die 2–3 Jahre zuvor einen BPD mit duodenalem Switch und 75%iger Sleeve-Resektion des Magens erhalten hatten. Die 3 Fälle werden im Detail vorgestellt.

Schlussfolgerungen

Bei persistierendem Eiweißmangel infolge eines Malabsorptionssyndroms nach BPD/BPD-DS ist eine operative Verlängerung des alimentären Schenkels indiziert. Die vorgestellte Technik vertauscht den distalen alimentären mit dem distalen - aber längeren - biliopankreatischen Schenkel. Dies führt zu einer selektiven Verlängerung des alimentären Schenkels und erfordert nur 2 Anastomosen.

Obes Facts. 2011 May 11;4(Suppl 1):55.

Postoperative Entwicklung der Insulinsensitivität nach BPD-DS bei morbide adipösen Patienten mit Typ 2 Diabetes mellitus: Besteht eine Abhängigkeit von der Schwere des Diabetes oder vom BMI?

Michael Frenken 1, Eun-Young Cho 1

Hintergrund

Duodenum ausschaltende intestinale Bypass-Operationen (Roux-Y-Magenbypass, biliopankreatische Diversion) führen bei morbide adipösen Patienten mit Typ 2 Diabetes zu einer raschen Erholung der Insulinsensitivität innerhalb weniger Tage nach dem Eingriff [1, 2]. Unseres Wissens ist es jedoch nicht bekannt, ob die Wiederherstellung der Insulinsensitivität von der Schwere und der Dauer des Diabetes oder vom BMI abhängig ist.

Material und Methoden

Die Insulinsensitivität wurde durch den HOMA-Index bestimmt. Die Werte für den HOMA-Index (Homeostasis Model Assessment) wurden aus dem Produkt des Nüchtern-Blutzuckers (in mg/dl) und des Seruminsulin-Spiegels (in µU/ml) ohne Insulin-Behandlung für mindestens 12 h ermittelt. Der HOMA-Index wurde bei 27 morbide adipösen Patienten mit Typ 2 Diabetes mellitus bestimmt, bei denen eine biliopankreatische Diversion mit duodenalem Switch und 75%iger Sleeve-Resektion des Magens (BPD-DS) durchgeführt wurde. Die Patienten (mittleres Alter 48 Jahre mit einer Spannweite von 28–66 Jahren, mittlerer BMI 49 kg/m2 mit einer Spannweite von 35–71 kg/m2, 15 weibliche Patienten) wurden retrospektiv in 4 Gruppen aufgeteilt entsprechend der präoperativen Diabetes-Therapie: Patienten der Gruppe 1 wurde ausschließlich mit oralen Antidiabetika behandelt (OAD, n = 6), Patienten der Gruppe 2, 3 und 4 wurden mit Insulin behandelt, und zwar für weniger als 5 Jahre (Insulin <5 Jahre, n = 12), für 5–10 Jahre (Insulin 5–10 Jahre, n = 5) und für mehr als 10 Jahre (Insulin >10 Jahre, n = 4). Blutentnahmen wurden am Morgen des OP-Tages entnommen sowie am 3., 7., 14. und 21. postoperativen Tag.

Ergebnisse

1. Der HOMA-Index nahm postoperativ innerhalb weniger Tage rasch ab. 2. Die Abnahme des HOMA-Index war unabhängig von der Schwere und Dauer des Diabetes. 3. Der HOMA-Index nahm auch bei den 3 Patienten ab, die mit kleinen Mengen von Insulin aus dem Krankenhaus entlassen wurden. 4. Der HOMA-Index nahm auch bei super-adipösen Patienten mit einem BMI von über 50 kg/m2 postoperativ rasch ab.

Schlussfolgerungen

Nach BPD-DS kam es postoperativ zu einem Abfall des HOMA-Index als Ausdruck eines raschen Anstiegs der Insulinsensitivität. Der HOMA-Index erreichte nahezu normale Werte innerhalb weniger Tage nach der Operation. Die Wiederherstellung der Insulinsensitivität war unabhängig von der Schwere und Dauer des Diabetes und ebenso unabhängig vom BMI.

Literatur

  • 1.Pories WJ, et al. Who would have thought it? An operation proves to be the most effective therapy for adult-onset diabetes mellitus. Ann Surg. 1995;222:339–350. doi: 10.1097/00000658-199509000-00011. [DOI] [PMC free article] [PubMed] [Google Scholar]
  • 2.Scopinaro N, et al. Biliopancreatic diversion. World J Surg. 1998;22:936–946. doi: 10.1007/s002689900497. [DOI] [PubMed] [Google Scholar]
Obes Facts. 2011 May 11;4(Suppl 1):55–56.

Ist ein grenzwertig niedriges C-Peptid bei langjährig insulinpflichtigem Diabetes mellitus ein zwingend negativ prädiktives Merkmal bezüglich kompletter Remission nach BPD-DS?

Kirsten Reiter 1, Michael Frenken 1

Hintergrund

Nach biliopankreatischer Diversion mit duodenalem Switch und 75%iger sleeve-Resektion des Magens (BPD-DS) kommt es bei 93% der Patienten mit insulinpflichtigem Typ 2 Diabetes mellitus zu einer kompletten Remission des Diabetes [1]. Patienten ohne komplette Remission sind durch lange Insulinpflichtigkeit (über 10 Jahre) und ein niedriges präoperatives C-Peptid (<1.5 ng/ml) gekennzeichnet [2]. Können im Umkehrschluss durch ein niedriges C-Peptid die Patienten sicher identifiziert werden, bei denen es zu keiner kompletten Remission nach BPD-DS kommen wird?

Methoden

Bei 42 Patienten mit insulinpflichtigem Diabetes mellitus wurde sowohl präoperativ als auch 3, 6 und 12 Monate postoperativ das Nüchtern-C-Peptid bestimmt. Präoperative C-Peptid-Werte von 0,5 bis 1,5 ng/ml wurden als grenzwertig niedrig definiert. Es fanden sich 10 Patienten mit grenzwertig niedrigem C-Peptid.

Ergebnisse

1.) Patienten mit insulinpflichtigem Typ 2 Diabetes mit einem präoperativen C-Peptid von >1,5 ng/ml (n = 32) zeigten eine Abnahme des durchschnittlichen präoperativen Wertes von 3,6 ng/ml auf 2,2, 1,8 und 1,6 ng/ml nach 3, 6 und 12 Monaten postoperativ. 2.) Bei allen 32 Patienten mit einem präoperativen C-Peptid von >1,5 ng/ml kam es innerhalb eines Jahres zu einer kompletten Remission des Typ 2 Diabetes, unabhängig von der Dauer der Insulinpflichtigkeit (mittlere Dauer der Insulinpflichtigkeit 6 Jahre mit einer Spannweite von 0,5 bis 25 Jahre). Der mittlere HbA1c-Wert nach einem Jahr betrug 5,2% mit einer Spannweite von 3,7–5,9%. 3.) Insulinpflichtige Diabetiker mit einem grenzwertig niedrigen C-Peptid zwischen 0,5 und 1,5 ng/ml (n = 10) wurden individuell analysiert: Bei 5 Patienten kam es nicht zu einer kompletten Remission. Bei einer Patienten wurde sekundär ein LADA diagnostiziert und durch Autoantikörper-Nachweis gesichert. Bei 4 Patienten ist am ehesten eine Erschöpfung der Funktionsreserven der Beta-Zellen des Pankreas nach langjähriger Insulinpflichtigkeit anzunehmen; diese 4 Patienten hatten eine Insulinpflichtigkeit ihres Typ 2 Diabetes von 8 bis 13 Jahren. Je niedriger das präoperative C-Peptid, desto wahrscheinlicher kam es nicht zu einer kompletten Remission. Bei 5 Patienten kam es trotz niedrigem C-Peptid innerhalb eines Jahres zu einer kompletten Remission vom Diabetes, und das niedrige C-Peptid kann als physiologisch angesehen werden. Auffällig war der Verlauf einer Patientin mit sehr niedrigem präoperativen C-Peptid (0,8 ng/ml), bei der es trotz 17 Jahre langer Insulinpflichtigkeit zu einer kompletten Remission des Diabetes kam.

Schlussfolgerungen

Bei allen Patienten mit einem präoperativen C-Peptid von >1,5 ng/ml kam es nach BPD-DS zu einer kompletten Remission des Diabetes, unabhängig von der Dauer der Insulinpflichtigkeit. Ein grenzwertig niedriges C-Peptid allein ist kein zwingend negativ prädiktives Merkmal bezüglich kompletter Remission; in Kombination mit langjähriger Insulinpflichtigkeit muss jedoch eine Erschöpfung der Funktionsreserven des Pankreas befürchtet werden.

Literatur

  • 1.Frenken M, Cho EY. Four-year results after BPD-DS in patients with insulin-dependent type 2 diabetes mellitus. Obes Surg. 2010;20:969. [Google Scholar]
  • 2.Frenken M, Cho EY. Four-year results after BPD-DS in patients with type 2 diabetes mellitus. Poster presented at the European Workshop on Metabolic Surgery for Type 2 Diabetes, Rome, September 27–28. 2010 [Google Scholar]
Obes Facts. 2011 May 11;4(Suppl 1):56.

29-jährige Patientin mit Mangelernährung bei Gastroparese nach vertikaler Gastroplastik nach Mason - Diagnostik und Interdiziplinäre Behandlung

Ralf Weise 1, Hans-Joachim Liesner 1

Im Juni 2009 stellte sich in der Adipositas-Ambulanz des Adipositas-Zentrums Nord-West eine 29-jährige Patientin mit zunehmenden abdominellen Bescherden vor. Bei einem Ausgangs-BMI von 45 kg/m2 wurde 2001 auswärts eine vertikale Gastroplastik nach Mason durchgeführt. Zum Zeitpunkt der Erstvorstellung wurde ein Körpergewicht von 57 kg (BMI = 19 kg/m2) festgestellt. Die Patientin war in einem erheblichen reduzierten Allgemeinzustand. Die initialen Laboruntersuchungen ergaben unter anderem eine Hypokaliämie von 2,00 mmol/l, was zur sofortigen stationären Aufnahme führte. Die weiterführende Diagnostik bestätigte eine erhebliche Entleerungsstörung des Magens. Nach interdisziplinärer Fallbesprechung wurde eine laparoskopische Pyloroplastik nach Heinke-Mikulicz durchgeführt. Während des postoperativen Verlaufes kam es auf Grund des alimentären Marasmusses zu erheblichen Komplikationen.

Die Patientin fühlt sich heute «sehr wohl». Das aktuelle Körpergewicht beträgt 65 kg (BMI = 22 kg/m2).

Obes Facts. 2011 May 11;4(Suppl 1):56.

Adipositas-Zentrum Nord-West: Konzept eines dezentralen Adipositaszentrums im ländlichen Umfeld

Ralf Weise 1, Hans-Joachim Liesner 1

Das Adipositas-Zentrum Nord-West existiert - nach einjähriger Planungsphase - seit 2007. Wir richten uns bezüglich Voruntersuchungen, Ausschlusskriterien, Operationsverfahren und Nachsorgekonzept selbstverständlich nach den Richtlinien der aktuellen S3-Leitlinie. Alle derzeit empfohlenen beriatrischen Op.-Verfahren kommen zur Anwendung, natürlich laparoskopisch. Im Gegensatz zu urbanen Strukturen werden in ländlicher Umgebung Patienten mit morbider Adipositas überwiegend nicht am Klinikstandort rekrutiert. Zum Einen liegt dies daran, dass in Kleinstädten die Anzahl der Betroffenen schneller erschöpft ist. Zum Anderen ziehen es viele fettleibige Patienten vor, eine bariatrische Behandlung nicht in der Klinik vornehmen zu lassen, in der das Personal potentiell zum engeren Bekanntenkreis gehört. Unter diesen Voraussetzungen den Patienten mit allen Modulen eines Adipositaszentrums gerecht zu werden, stellt auf dem Lande eine besondere Herausforderung dar.

Obes Facts. 2011 May 11;4(Suppl 1):56.

Das Problem der Ernährungsumstellung - was muss die Bariatric Nurse wissen?

Heike Raab 1

Das Tätigkeitsfeld der Bariatric Nurse beinhaltet neben vielen Aspekten der optimalen Versorgung des Patienten nach einem adipositaschirurgischen Eingriff auch das Wissen über die Grundzüge der allgemeinen Ernährungsrichtlinien, die nach der Operation empfohlen werden.

Grundsätzlich müssen die Patienten ihren Lebensstil, das bedeutet ihre Ess- und Bewegungsgewohnheiten dauerhaft verändern, um erfolgreich Gewicht abnehmen und vor allem halten zu können.

Unmittelbar nach der Operation wird dem Patienten eine «Flüssigphase» (Phase 1 - pürierte Nahrung) von 4 Wochen Dauer empfohlen. Daran schließt sich Phase 2 mit einer Dauer von 2–3 Tagen an, in welcher breiiges Essen aufgenommen wird. Die darauf folgende Phase 3 (festere Nahrung) soll der Patient langfristig durchführen. Diese postoperativen Phasen sprechen wir aufgrund langjähriger Erfahrung aus. Es gibt hierfür keine evidenz-basierte Grundlage.

Die postoperativen Ernährungsempfehlungen sehen für die adipositaschirurgischen Verfahren wie Magenband, Magenbypass und Schlauchmagen wie folgt aus: Der Patient sollte 3–4 Mahlzeiten pro Tag essen sowie Getränke und Mahlzeiten trennen. Bezüglich der Getränke sollte nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass keine kohlensäure- und zuckerhaltigen Getränke verzehrt werden sollten. Dem Patienten wird angeraten langsam zu essen, gut zu kauen sowie auf das Sättigungsgefühl zu achten. Besonders wichtig ist postoperativ eine ausreichende Zufuhr von Protein in der täglichen Menge von 60–80 g. In der Flüssigphase (Phase 1) unmittelbar nach der Operation ist der Einsatz eines Proteindrinks zur Sicherstellung einer adäquaten Aufnahme anzuraten. Im weiteren Verlauf kann der Patient den Proteinbedarf durch natürliche Lebensmittel decken.

Nach dem adipositaschirurgischen Eingriff ist die Einnahme von Vitaminen und Supplementen ein absolutes Muss. Die Empfehlungen beinhalten die tägliche Einnahme eines Multivitaminpräparates, um so den Bedarf sicherzustellen. Zu den kritischen Nährstoffen gehören zudem - je nach Operationsverfahren - Vitamin B12, Eisen, Calcium und Vitamin D. Diese müssen ebenfalls lebenslang supplementiert werden. Individuelle Ernährungsprobleme wie beispielsweise Dehydratation, Dumping-Syndrom, Übelkeit und Erbrechen, Haarverlust oder auch Gewichtsstillstand/-zunahme kann die Bariatric Nurse zudem im Nachsorgegespräch mit den Patienten erfahren. In solch einem Falle weist sie den Patienten nochmals auf einen Termin zur genaueren Besprechung bei der Ernährungsberatung/-therapie hin.


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