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. 2020 Apr 6;72(4):6–10. [Article in German] doi: 10.1007/s00058-020-1474-1

Pflegepolitik in 5 Minuten

PMCID: PMC7100448  PMID: 32226105

Robotik verantwortlich nutzen.

In seiner am 10. März veröffentlichten Stellungnahme "Robotik für gute Pflege" wägt der Deutsche Ethikrat die mit Robotern verbundenen Chancen und Risiken für die Pflege ab. Er gelangt zu dem Urteil, dass sie einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen und der Arbeitsqualität im Pflegebereich leisten können. Dies setzt jedoch voraus, dass der Einsatz von Robotertechnik zwischenmenschliche Beziehungen nicht ersetzt, dass er nicht gegen den Willen von Gepflegten und Pflegenden oder zur bloßen Effizienzmaximierung erfolgt und dass die Betroffenen in die Entwicklung der Techniken einbezogen werden.

Unterstützung: Assistenzroboter entlasten Pflegekräfte bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten oder können die Angewiesenheit auf stationäre Pflege hinauszögern. Auch robotische Monitoring-Techniken sollen selbstbestimmtes Leben im heimischen Umfeld unterstützen, indem sie die Überwachung von Körperfunktionen aus der Ferne ermöglichen oder Hilfe im Notfall gewährleisten. Sogenannte Begleitroboter, die z.B. in Gestalt verschiedener Tiere angeboten werden, assistieren bei sozialen Interaktionen oder dienen selbst als Interaktionspartner und erfüllen so vor allem kommunikative und emotionale Bedürfnisse. Es wäre aus ethischer Sicht jedoch äußerst fragwürdig, wenn pflegebedürftige Menschen soziale und emotionale Bedürfnisse zukünftig überwiegend im Umgang mit Begleitrobotern stillen würden. Der Deutsche Ethikrat untersucht diese und weitere Befürchtungen und erkennt ihre Berechtigung an, bleibt dabei jedoch zuversichtlich, dass Robotertechniken für die Pflege von großem Nutzen sein können.

ethikrat.org

Die komplette Stellungnahme finden Sie im HEILBERUFE eMag auf springerpflege.de

Intensivmedizin + Intensivpflege .

Das 30. Symposium Intensivmedizin + Intensivpflege ist erneut mit einem Teilnehmerplus zu Ende gegangen. 4.895 Mediziner, Pflegende und Mitarbeiter von Krankenhausverwaltungen nutzten vom 26. bis 28. Februar 2020 die Gelegenheit für Fortbildung und Erfahrungsaustausch in der MESSE BREMEN und im Congress Centrum Bremen. Drei Tage lang brachten rund 450 Referentinnen und Referenten ihr Publikum in der Intensivmedizin und -pflege, der Anästhesie und Notfallmedizin sowie im Krankenhausmanagement auf den neuesten Stand. Im Mittelpunkt des Programms standen dabei Kernthemen der Fächer. Sowohl die Veranstalter des Kongresses als auch die rund 193 Aussteller und die Kongressteilnehmer sind sehr zufrieden.

Auszeichnung: Im Rahmen des Symposiums werden stets herausragende wissenschaftliche Arbeiten ausgezeichnet. Den Hanse-Preis für eine pflegewissenschaftliche Arbeit erhielt Katrin Schütz aus Lübeck, für eine fachpraktische Arbeit zu Pflegethemen wurde Lena Scholten aus Düsseldorf ausgezeichnet.

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Im kommenden Jahr findet der Kongress von Mittwoch bis Freitag, 24. bis 26. Februar 2021, statt.

intensivmed.de

Höchste Priorität: Schutz der Mitarbeiter.

In einem Positionspapier hat die World Health Professions Alliance (WHPA), darunter auch der International Council of Nurses (ICN), von allen Regierungen weltweit gefordert, die Mitarbeiter ihrer Gesundheitssysteme maximal zu unterstützen. Der Schutz derjenigen, die bei Präventionsmaßnahmen, Diagnostik, Eindämmung und Behandlung von Corona-Infektionen vor Ort einem hohen Risiko ausgesetzt sind, selbst infiziert und krank zu werden, erfordert höchste Priorität. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) hat das WHPA-Papier übersetzt und veröffentlicht.

Die jetzige Krise zeigt, dass das deutsche Gesundheitswesen in vielen Bereichen nicht genug auf Epidemien vorbereitet ist. Das reicht von zu geringer Ausstattung mit Pflegefachpersonal über die Gestaltung der Versorgungsketten, sektorübergreifende Zusammenarbeit, mangelnde Gesundheitskompetenz der Bevölkerung bis hin zu der Frage, warum Pflege in den Expertenrunden für den Krisenfall kaum eingebunden ist.

dbfk.de

Neue Präsidentin.

Nadya Klarmann ist in Hannover in einer nichtöffentlichen Kammerversammlung mit 15 von 24 gültigen Stimmen zur neuen Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen gewählt worden. Sie tritt somit die Nachfolge von Sandra Mehmecke an, die bei einer von ihr selbst initiierten Vertrauensabstimmung im Leitungsgremium mit 14 zu 13 Stimmen unterlag. Die Pflegekammer Niedersachsen vertritt mehr als 90.000 Pflegefachpersonen.

pflegekammer-nds.de

Corona-Krise ambulant .

Die Corona-Krise betrifft in besonderem Maße Mitarbeiter des Gesundheitswesens. Sie sind vor Ort einem hohen Risiko ausgesetzt. Wir sprachen mit Thomas Meißner, Inhaber des ambulanten Pflegedienstes Meißner & Walter in Berlin, darüber, wie er in seinem Betrieb mit der Situation umgeht.

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Herr Meissner, welche Schutzmaßnahmen haben Sie in Ihrem Pflegedienst ergriffen?

Meißner: Zunächst ist das Wichtigste die klare Botschaft, alle hygienischen Maßnahmen besonders gründlich und kontinuierlich und in deutlich höherer Frequenz durchzuführen. Der Schutz der eigenen Gesundheit und der der Patienten muss sichergestellt werden. Weiter informieren wir unsere Mitarbeiter sachlich und kontinuierlich über neue und aktuelle Entwicklungen. Mundschutz, Desinfektionsmittel und Schutzkleidung werden vom Leitungsteam strukturiert ausgegeben. Wir sensibilisieren unsere Mitarbeiter dafür, sorgsam und zielorientiert mit den bestehenden Ressourcen umzugehen. Klare und eindeutige Informationen helfen, Panik und Hysterie zu vermeiden. Das ist bei der täglichen Bericht-erstattung schwer, aber notwendig. Lob und Anerkennung sind wichtige Maßnahmen, um in dieser angespannten Situation die Versorgung sicherzustellen.

Wie werden Sie vom Gesundheitsamt und von den Kranken- und Pflegekassen unterstützt?

Meißner: In Berlin sind die Institutionen des Pflege- und Gesundheitswesens in der Corona-Krise völlig abgetaucht. Schon heute muss man feststellen, dass die Kranken- und Pflegekassen versagt haben, auch die Bezirksämter und zum Teil die Gesundheitsämter. Wir hätten uns - gerade für die ambulanten Einrichtungen - klare und eindeutige Maßnahmen, Handlungsempfehlungen und Absprachen gewünscht. Die Gesundheitspolitik auf Landes- und Bundesebene macht hier einen wirklich guten Job. Kranken- und Pflegekassen dagegen machen weiter wie bisher - Pfennigfuchserei und Bürokratie ohne Ende, Streit um Kostenübernahmen, Leistungskürzungen und Nachweise für jede nur denkbare Regelung.

Was erwarten Sie jetzt von den Verantwortlichen?

Meißner: Bürokratie weglassen, pragmatische Ansätze verfolgen, Dialog und Verständnis für die Einrichtungen. Wir brauchen in dieser Situation kurze, klare Strategien, wenn möglich einheitlich. Kontrollen durch die Prüfdienste sollten ausgesetzt werden, ebenso alle zusätzlichen Belastungen durch Bürokratie und irrsinnige Nachweisführungen. Pflegefachkräfte, die in Behörden und Institutionen arbeiten, könnten in den direkten Einsatz am Patienten, also in die Versorgung gebracht werden - so können neue Versorgungssicherheiten aufgebaut werden. Wir benötigen dringend Informationen für den Umgang mit dem Virus in der Pflege, wenn ein Verdacht auf das Coronavirus besteht oder die Krankheit ausbricht. Weiter muss die Versorgung mit Mundschutz und Desinfektionsmitteln für die Direktversorger in den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen gewährleistet und unkompliziert umgesetzt werden. Für mittelständische Unternehmen müssen finanzielle Hilfen bereitgestellt werden. Nach der Krise erwarte ich einen klare Auswertung, wer gute und praxisorientierte Arbeit gemacht hat und wer nicht - daraus müssen dann die richtigen Schlüsse gezogen werden.

Das Interview führte Heike Ottow

Brandbrief an deutsche Gesundheitsminister.

Mit einem Brandbrief wendet sich die European Federation of Nurses Associations (EFN), Dachverband von 36 Berufsverbänden und drei Mio. Pflegefachpersonen europäischer Länder, an die mit den Ressorts Gesundheit und Pflege betrauten Minister in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, deren Ministerpräsidenten und das Bundesgesundheitsministerium mit dem Appell, die pflegeprofessionelle Entwicklung weiterhin aktiv zu fördern. Die Selbstverwaltung beruflich Pflegender in Deutschland dürfe nicht fallen gelassen werden. Das politische Gebaren der Landesministerien in Niedersachsen und Schleswig-Holstein rund um die Errichtung von Pflegeberufekammern sorgt weit über die Landesgrenzen hinweg für Aufsehen. Bei der EFN stößt die Kenntnisnahme eines möglichen Einbruchs der ministeriellen Unterstützung auf Unverständnis.

Der Brandbrief - im HEILBERUFE eMag auf springerpflege.de

Mehr Macht für Frauen.

Die Arbeitsleistung von Frauen in der Pflege spiegelt sich nirgendwo wider: nicht in der Bezahlung, nicht in der Rente, nicht bei der Anerkennung und schon gar nicht in den Gremien. Pflegende Frauen sind schlicht und einfach "unter-emanzipiert". Darum ging es in einem Positionspapier des DBfK Nordwest zum Weltfrauentag am 8. März 2020. Der von Frauen geleistete unbezahlte Mehraufwand - der sogenannte Gender Care Gap - addiert sich zum schon lang bekannten Gender Pay Gap - der Gehaltslücke bei gleichwertiger Arbeit von Männern und Frauen.

Diese und andere Fakten bündelt das Positionspapier des DBfK. Es gipfelt in einem Appell an die Politikverantwortlichen zur Durchsetzung der folgenden Forderungen: Umsetzung neuer, strukturell angepasster Arbeitszeitmodelle, 4.000 Euro brutto für examinierte Pflegefachpersonen, gezielte und systematische Frauenförderung durch Arbeitgeber und die bundesweite Etablierung von Pflegeberufekammern.

dbfk.de

Krankenstand in der Pflege besonders hoch.

Konkurrenzdruck, Mobbing, Überstunden, Schichtarbeit, ungerechte Bezahlung - und ein Smartphone, das ständige Erreichbarkeit einfordert: Immer mehr Arbeitnehmer stehen unter Dauerstress, vor allem Krankenpfleger. Das hat Folgen für die Psyche: Berufstätige leiden laut Daten der KKH Kaufmännische Krankenkasse zunehmend unter seelischen Erkrankungen wie Burnout, Anpassungsstörungen, Panikattacken, Depressionen, Schlaf- und somatoformen Störungen, also körperlichen Beschwerden, die keine organische Ursache haben. Ärzte stellten 2018 bei KKH-versicherten Arbeitnehmern rund 321.000 Diagnosen wegen einer oder mehrerer dieser Erkrankungen. Im Vergleich zu 2008 ist das ein Anstieg von rund 40%. Die Auswertung zeigt außerdem, dass die Fehlzeiten im Job wegen seelischer Leiden in den vergangenen Jahren stetig gestiegen sind - pro Krankheitsfall von durchschnittlich 35,4 Tagen im Jahr 2015 auf 40,3 Tage im vergangenen Jahr. Bei den Krankenpflegern sind es im Schnitt sogar mehr als 80 Tage. Der Beruf als Krankenpfleger schlägt also offenbar am meisten auf die Seele: So ist der Krankenstand wegen psychischer Leiden in den vergangenen drei Jahren nicht nur um die Hälfte gestiegen, sondern mit Abstand auch am höchsten (4,7%). Krankenpfleger meldeten sich zuletzt auch am längsten arbeitsunfähig.

kkh.de

Pflege Plus: Innovation trifft auf Praxis.

Zukunftsweisende Ideen und das Umdenken in der Pflege haben zwei große Ziele: die Lebensqualität der Pflegebedürftigen zu verbessern und die Pflegenden zu entlasten. Digitale Lösungen finden in der Pflege viele Anknüpfungspunkte und versprechen Verbesserungen, in der Praxis erfahren die zahlreichen und vor allem nützlichen Pflegetechnologien jedoch bisher kaum Anwendung. Doch sie existieren, sind einsatzbereit und sie bieten Effizienzsteigerung auf mehreren Ebenen und damit eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Die Pflege Plus, Fachmesse für den Pflegemarkt in Stuttgart, sieht es als ihre Aufgabe, diese Lösungen und Produkte für das Fachpublikum greifbar zu machen und Anwendungsbeispiele für die Praxis aufzuzeigen. Ob digitale Dokumentation, automatisierte Bestellprozesse, Telemedizin oder die Unterstützung durch Serviceroboter - viele der anwesenden Aussteller werden digitale Lösungen für verschiedenste Bereiche der Pflege präsentieren.

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Parallel zur Ausstellung wird ein spannendes Vortragsprogramm im Rahmen des Pflege Plus Kongresses mit mehr als 40 Veranstaltungen stattfinden - die Gelegenheit zum intensiven beruflichen Austausch sowie zur zertifizierten Fortbildung. Die Vorträge und Workshops sind in zwei Veranstaltungsreihen mit unterschiedlichem Fokus gegliedert: "Pflege & Therapie in der Praxis" richtet sich an das Fachpersonal und vermittelt Pflegekräften Impulse und Kenntnisse für ihre tägliche Arbeit. "Management, Organisation & Planung" ist an Entscheidungsträger adressiert und stellt strategisch-verwaltungsspezifische Fragen in den Mittelpunkt.

Die etablierte Pflegefachmesse im Süden Deutschlands findet vom 26. bis 28. Mai 2020 statt. Mit einem vielfältigen Ausstellungsangebot, begleitenden Kongress, Forum und Workshops ist die Pflege Plus die Plattform für ein Fachpublikum von Entscheidern, Pflegepersonal und Experten.

pflegeplus-messe.de


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