Zusammenfassung
Die Gastroenterologie umfasst neben den klassischen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts (wie z .B. Ösophagitis, Hiatushernien, Gastritis, gastroduodenale Ulkuskrankheit, Malassimilationssyndrome, M. Crohn, Colitis ulcerosa, kolorektales Karzinom etc.) auch die pathologischen Veränderungen an Pankreas (Bauchspeicheldrüsenentzündung und Pankreaskarzinom), Leber (Hepatitis, Zirrhose, Leberversagen etc.) und Gallenblase bzw. -wege (PSC, PBC, Cholelithiasis, maligne Entartungen). Darüber hinaus werden in diesem Kapitel auch die neuroendokrinen Tumoren (NET) behandelt.
Ösophaguserkrankungen
Erbrechen
- mögliche Ursachen
- gastrointestinale Passagestörung, z. B. Magenausgangsstenose, Duodenalstenose, mechanischer Ileus
- andere gastrointestinale Störungen, z. B. Gallenkolik, Gastroenteritis, Pankreatitis, Ulcus ventriculi/duodeni, Ileus, »Afferent-loop«-Syndrom nach Billroth-II-Magen, Achalasie, Zenker-Divertikel, obere GI-Blutung
- zentralnervös, z. B. Meningitis, Enzephalitis, Hirntumor, Hirndrucksteigerung
- vestibulär, z. B. M. Menière, Kinetosen
- Stoffwechselentgleisungen, z. B. diabetische Ketoazidose, Urämie
- schmerzbedingt, z. B. Nierenkolik, Myokardinfarkt
- medikamentös-toxisch, z. B. Alkohol, Zytostatika
- Schwangerschaft (β-HCG-assoziiert)
- Essstörungen, z. B. Anorexia nervosa, Bulimie
Klinik
Übelkeit (Nausea), Würgen und Erbrechen (Emesis)
Komplikationen: Aspiration, Dehydratation, Elektrolytentgleisungen, evtl. metabolische Alkalose, ggf. Varizenblutung
Mallory-Weiss-Syndrom (Schleimhauteinriss im Bereich des unteren Ösophagussphinkters) mit epigastrischen Schmerzen und Hämatemesis
Boerhaave-Syndrom (Ruptur des unteren Ösophagus) mit retrosternalem Vernichtungsschmerz, evtl. Schocksymptomatik, Mediastinal-/Hautemphysem, bei Mediastinitis im Verlauf Fieber
Diagnostik
detaillierte Anamnese
Abdomensonographie
Laboruntersuchungen
Ösophago-Gastro-Duodenoskopie
evtl. Röntgen des Thorax und Abdomens, ggf. Ösophagusdarstellung mit wasserlöslichem Kontrastmittel
symptomorientiert im Rahmen der Ursachenabklärung evtl. MRT-Schädel, EKG etc.
Therapie
kausale Therapie
- symptomatische Therapie
- Antiemetika: Antihistaminika (Dimenhydrinat, z. B. Vomex®), Dopaminantagonisten (Metoclopramid, z. B. Paspertin®), Serotoninantagonisten (Ondansetron, z. B. Zofran®; Granisetron, z. B. Kevatril®)
- Flüssigkeitssubstitution, einschließlich Elektrolyte
bei Schleimhauteinrissen endoskopische Blutstillung (Clipversorgung), ggf. operativer Eingriff bei Ösophagusruptur
bei Reisekinetosen prophylaktisch Scopolamin
Achalasie
- fehlende gerichtete Peristaltik des Ösophagus und fehlende koordinierte Erschlaffung des unteren Ösophagussphinkters (Kardiospasmus) nach dem Schluckakt infolge einer Innervationsstörung des Plexus myentericus Auerbach
- primäre Achalasie mit unklarer Ätiologie
- sekundäre Achalasie bei Chagas-Krankheit (Trypanosoma cruzei) und beim Kardiakarzinom
jährliche Inzidenz ca. 1:100.000, Häufigkeitsgipfel 40.–50. Lebensjahr
Klinik
Dysphagie (auch bei flüssiger Nahrung)
Regurgitation unverdauter Speisen
retrosternale Schmerzen bei hypermotiler Achalasie (»vigorous achalasia«)
Komplikationen: nächtliche Aspiration, Megaösophagus mit Gewichtsverlust, evtl. maligne Entartung (Plattenepithelkarzinom)
Diagnostik
in der Ösophago-Gastroskopie weite Speiseröhre mit segmentaler Kontraktion, Retentionsösophagitis, glatte Kardiapassage auf Druck! Cave Biopsie zum Ausschluss eines Kardiakarzinoms!in der Manometrie inkomplette oder fehlende Erschlaffung des unteren Ösophagussphinkters, erhöhter Ruhedruck im tubulären Ösophagus und erhöhter Sphinkterdruck, Überempfindlichkeit gegenüber Cholinergika
in der Kontrastmitteldarstellung des Ösophagus trichterförmige Engstellung des Kardiasegments (»Sektglasform«) und verzögerter Übertritt des Kontrastmittels in den Magen
Differenzialdiagnose
Ösophaguskarzinom
Kardiakarzinom
Ösophagusstrikturen
Therapie
versuchsweise Nifedipin vor den Mahlzeiten
pneumatische Dilatation mit Hilfe einer Ballonsonde oder Bougierung
endoskopische Botulinustoxin-Injektionen (Botox®) alle 1–2 Jahre
Myotomie (extramuköse Längsspaltung der Sphinktermuskulatur), meist in Kombination mit einer Fundoplicatio! Cave endoskopische Kontrolluntersuchungen in drei- bis fünfjährigen Abständen wegen der Gefahr der malignen Entartung!
Gastroösophageale Refluxkrankheit (»gastroesophageal reflux disease«, GERD)
- pathologischer Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre
- primär: Insuffizienz des unteren Ösophagussphinkters, meist bei axialer Hiatushernie
- sekundär: Magenausgangsstenose, Sklerodermie, Schwangerschaft im letzten Trimenon
10-20 % der Bevölkerung leiden an einer manifesten Refluxkrankheit.>Memo Bei zwei Drittel der Betroffenen existiert eine GERD ohne Ösophagitis!
Klinik
Sodbrennen, v. a. im Liegen
epigastrische Schmerzen, Druckgefühl
Luftaufstoßen, Regurgitation, Übelkeit, Erbrechen
evtl. Dysphagie
evtl. Heiserkeit bei chronischer Laryngitis (laryngo-pharyngealer Reflux)
evtl. Reizhusten bei Refluxbronchitis
evtl. stenokardische Beschwerden (»heartburn«)
begünstigende Faktoren: Rückenlage, Anstrengung, Adipositas, Alkohol, Kaffeegenuss, Nikotinkonsum, große und späte Mahlzeiten, Stress
Komplikationen: Ulzerationen, Aspiration, Barrett-Syndrom mit bis zu 10 % Entartungsrisiko, peptische Striktur! Cave Barrett-Ösophagus = Präkanzerose für Adenokarzinom!
Diagnostik
- Ösophago-Gastro-Duodenoskopie mit Probenentnahme
- Ausschluss einer Magenausgangsstenose bei sekundärer Refluxkrankheit und ggf. Nachweis einer Hiatushernie
- MUSE-Klassifikation: Metaplasie, Ulkus, Striktur, Erosion
- bei Barrett-Ösophagus (Endobrachyösophagus) unscharfe Z-Linie durch den Ersatz des Plattenepithels der terminalen Speiseröhre mit spezialisiertem Zylinderepithel vom intestinalen Typ (Becherzellen)
- bei Short-Segment-Barrett Länge der intestinalen Metaplasie <3 cm
- bei Long-Segment-Barrett Länge der intestinalen Metaplasie >3 cm
evtl. High-resolution-Endoskopie oder Chromoendoskopie (mit Methylenblau oder Essigsäure)
in der Langzeit-pH-Metrie >8 % des Tages und >3 % der Nacht Reflux von saurem Mageninhalt (pH ≤4) bzw. Korrelation der Beschwerden mit den Refluxepisoden
in der Manometrie Erschlaffung des unteren Ösophagussphinkters außerhalb des Schluckaktes, niedriger Verschlussdruck des unteren Ösophagussphinkters, Motilitätsstörungen mit verzögerter Säureclearance
| Stadium | Schleimhautveränderungen |
| 0 | Keine |
| I | Isolierte Erosionen |
| II | Longitudinal konfluierende Erosionen entlang der Schleimhautfalten |
| III | Zirkulär konfluierende Erosionen |
| IV | Komplikationsstadium (Ulzerationen, Strikturen, Zylinderzellmetaplasie) |
| Stadium | Schleimhautveränderungen |
| A | Erosionen <5 mm |
| B | Erosionen ≥5 mm, die sich nicht über zwei Schleimhautfalten erstrecken |
| C | Erosionen erstrecken sich über zwei oder mehr Schleimhautfalten, <75 % der Zirkumferenz |
| D | >75 % der Zirkumferenz |
Therapie
kleine fett- und kohlenhydratarme Mahlzeiten, Verzicht auf Spätmahlzeiten, Gewichtsnormalisierung, Nikotin- und Alkoholkarenz, Reduktion des Kaffeekonsums, evtl. Schlafen mit erhöhtem Oberkörper, Verzicht auf sphinkterdrucksenkende Medikamente, z. B. Anticholinergika, Spasmolytika, Nitropräparate, Kalziumantagonisten
Protonenpumpeninhibitoren als Bedarfstherapie oder Langzeit-Rezidivprophylaxe, z. B. Omeprazol (Antra®), Pantoprazol (Pantozol®), Esomeprazol (Nexium®), Rabeprazol (Pariet®)
bei leichten Refluxbeschwerden ohne Ösophagitiszeichen evtl. H2-Rezeptorantagonisten, z. B. Cimetidin, Famotidin, Ranitidin (Ranitic®, Zantic®), oder Antazida, z. B. Aluminium-/Magnesiumhydroxid (v. a. bei Gallereflux)
bei Therapieresistenz (laparoskopische) Fundoplicatio nach Nissen! Cave komplizierend nach Fundoplicatio »Gas-bloat«- und RoemheldSyndrom- bei Barrett-Ösophagus regelmäßige endoskopische Kontrolluntersuchungen einschl. Quadrantenbiopsien
- ohne Dysplasien alle 3–4 Jahre
- bei »Low-grade«-Dysplasien jährlich
- bei »High-grade«-Dysplasien Ösophagusresektion oder ablative Therapie
Hiatushernien
axiale Hiatusgleithernie mit Verlagerung von Kardia und Fundusanteilen in den Thoraxraum (Kardia axial zum Ösophagus)
selten paraösophageale Hiatushernie mit Verlagerung von Magenanteilen neben die Speiseröhre in den Thoraxraum, dadurch normale Lage der Kardia und funktionierender unterer Ösophagussphinkter (Extremvariante: »Upside-down-Stomach«, Thoraxmagen)
zunehmende Häufigkeit mit zunehmendem Alter (nach dem 50. Lebensjahr etwa 50 % der Bevölkerung)
Klinik
axiale Gleithernie häufig klinisch asymptomatischer Zufallsbefund in der Gastroskopie
bei paraösophagealer Hernie epigastrische Schmerzen, Eisenmangelanämie infolge blutender Schleimhauterosionen und Ulzera am Schnürring, evtl. Inkarzeration, Volvulus
Diagnostik
Ösophago-Gastroskopie, ggf. mit Biopsie
ggf. pH-Metrie bei Refluxbeschwerden
ggf. CT bei Verdacht auf paraösophageale Hernie
Therapie
bei axialer Gleithernie evtl. Therapie einer symptomatischen Refluxerkrankung
bei paraösophagealer Hernie transabdominale Gastropexie (an die vordere Bauchwand)
Ösophagitis
- Schleimhautentzündung, meist der distalen Speiseröhre
- säureassoziiert, z. B. Refluxösophagitis (häufigste Form der Ösophagitis)
- infektiös, z. B. Soorösophagitis, Herpes-/Zytomegalie-Virus-Infektionen
- chemisch, z. B. Verätzungen, Alkoholismus
- medikamentös, z. B. Ulzera durch Kaliumkapseln oder Bisphosphonate
- physikalisch, z. B. nach Strahlentherapie, durch Magensonden
- prästenotisch, z. B. bei Ösophaguskarzinom
- sonstige Ursachen, z. B. M. Crohn, eosinophile Ösophagitis (im Rahmen einer allergischen Diathese)
Klinik
Schmerzen und Dysphagie, retrosternales Brennen
bei Herpes-/Zytomegalie-Virus-Infektionen evtl. Aphthen und Ulzera im Oropharynx
Diagnostik
Ösophago-Gastro-Duodenoskopie einschließlich Biopsien
evtl. Pilzkulturen
Therapie
ggf. kausale Therapie einer Grundkrankheit
bei Soorösophagitis Antimykotika, z. B. Amphotericin B (Ampho-Moronal®) lokal, ggf. Fluconazol (Diflucan®) oder Itraconazol (Sempera®) systemisch
bei Herpes-Virus-Infektionen, z. B. Aciclovir (Zovirax®), Famciclovir (Famvir®)
bei Zytomegalie-Virus-Infektionen, z. B. Ganciclovir (Cymeven®), Valganciclovir (Valcyte®)
Ösophagusdivertikel
pharyngoösophageales/zervikales Pulsionsdivertikel innerhalb des Killian-Dreiecks (Zenkersches Divertikel) (70 % d. F.); Pseudodivertikel (Ausstülpungen der Schleimhaut durch eine Wandlücke)
Bifurkationsdivertikel/parabronchiales Traktionsdivertikel (20 % d. F.); echtes Divertikel (umfasst alle Wandschichten durch Zug von außen)
epiphrenales Pulsionsdivertikel (10 %)
Klinik
Dysphagie
Regurgitation unverdauter Nahrung, evtl. nach dem morgendlichen Erwachen Nahrungsreste auf dem Kopfkissen
Hustenreiz bei Nahrungsaufnahme
Foetor ex ore
rezidivierende Aspiration
Komplikationen: Perforation, Fistelung, Blutung
Diagnostik
Ösophago-Gastroskopie (endoskopisch können Divertikel übersehen werden)
Divertikeldarstellung im Gastrografinschluck
Differenzialdiagnose
Ösophaguskarzinom
Bronchialkarzinom
Therapie
bei großem Zenkerschem Divertikel endoskopische Spaltung; operative Abtragung und Längsmyotomie des M. cricopharyngeus selten erforderlich
bei parabronchialem Divertikel Operationsindikation meist nur bei Fistelbildung zum Bronchialsystem
bei großen symptomatischen epiphrenalen Divertikeln Resektion
Ösophaguskarzinom
- maligner epithelialer Tumor, ausgehend von der Speiseröhrenschleimhaut
- Plattenepithelkarzinom (50–60 %)
- Adenokarzinom (30–40 %)
- Risikofaktoren
- für Plattenepithelkarzinome: hochprozentiger Alkohol, Nikotinabusus, heiße Getränke, Aflatoxine, Nitrosamine, Achalasie, Plummer-Vinson-Syndrom, Laugenverätzungen, Bestrahlung der Speiseröhrenregion, Tylosis palmaris et plantaris
- für Adenokarzinome: Barrett-Syndrom infolge einer Refluxösophagitis
- Lokalisation
- oberes Ösophagusdrittel 15 %
- mittleres Ösophagusdrittel 35–40 %
- unteres Ösophagusdrittel 45–50 %
Altersgipfel 60.–70. Lebensjahr, ♂:♀ = 7:1, geographische Häufung in China, Iran und Südafrika
insgesamt schlechte Prognose
Klinik
häufig erst im fortgeschrittenen Stadium symptomatisch
Dysphagie, Regurgitation
retrosternale Schmerzen
Appetitlosigkeit, Erbrechen, Gewichtsverlust
evtl. Heiserkeit bei tumorbedingter Rekurrensparese
Diagnostik
Endoskopie einschließlich Biopsien zur histologischen Sicherung der Diagnose
ggf. orale Kontrastmitteldarstellung bei fortgeschrittenem Ösophaguskarzinom
Endosonographie zur Erfassung der Tiefenausdehnung und regionaler Lymphknotenmetastasen>Memo frühzeitige Infiltration extraösophagealer Strukturen und lymphogene Metastasierung bei fehlender Serosa der zervikalen und thorakalen Speiseröhre!Röntgen-Thorax, Abdomensonographie, CT-Thorax und CT-Abdomen zum Staging
PET oder PET-CT zum Nachweis von Fernmetastasen
ggf. Tumormarker CEA, SCC
evtl. Laryngo-/Bronchoskopie
Stadieneinteilung nach TNM-System (Tab. 5.3)
Stadieneinteilung nach Union International Contre le Cancer (UICC, 2010) (Tab. 5.4)
| T | Primärtumor |
| Tis | Carcinoma in situ (Lamina epithelialis mucosae) |
| T1 | Tumor begrenzt auf Lamina propria, Muscularis mucosae oder Submukosa |
| T2 | Tumor infiltriert Muscularis propria |
| T3 | Tumor infiltriert Adventitia |
| T4 | Tumor infiltriert extraösophageale Strukturen |
| – T4a | Tumor infiltriert Pleura, Perikard oder Zwerchfell |
| – T4b | Tumor infiltriert andere Nachbarstrukturen wie Aorta, Wirbelkörper oder Trachea |
| N | Lymphknotenbefall |
| N1 | Metastasen in 1–2 regionären Lymphknoten |
| N2 | Metastasen in 3–6 regionären Lymphknoten |
| N3 | Metastasen in ≥7 regionären Lymphknoten |
| M | Metastasierung |
| M1 | Fernmetastasen in Leber, Lunge, Knochen (! Cave auch abdominelle oder zervikale Lymphknoten bei thorakalem Primärtumor!) |
| Stadium | T | N | M |
| 0 | Tis | N0 | M0 |
| IA | T1 | N0 | M0 |
| IB | T2 | N0 | M0 |
| IIA | T3 | N0 | M0 |
| IIB | T1, T2 | N1 | M0 |
| IIIA | T1, T2 | N2 | M0 |
| T3 | N1 | M0 | |
| T4a | N0 | M0 | |
| IIIB | T3 | N2 | M0 |
| IIIC | Jedes T4 | Jedes N3 | M0 |
| IV | Jedes T | Jedes N | M1 |
Differenzialdiagnose
gutartige Ösophagustumoren, z. B. Papillom, Neurinom, Fibromyom, Leiomyom
narbige Strikturen
Achalasie
Therapie
bei frühem Adenokarzinom (T1) evtl. endoskopische Mukosaresektion
im Stadium I und IIA radikale subtotale Ösophagektomie mit kompletter Lymphadenektomie im Mediastinum und im Bereich des Truncus coeliacus und anschließender Magenhochzug
im Stadium IIB und III evtl. neoadjuvante Radio-/Chemotherapie mit 5-FU, Folinsäure und Cisplatin
palliative Radio-/Chemotherapie
palliative endoskopische Therapie, z. B. Einlegen eines Überbrückungstubus, Lasertherapie, frühzeitige Anlage einer endoskopisch perkutanen Gastrostomie (PEG)
Magenerkrankungen
Akute Gastritis
- akute Magenschleimhautentzündung durch Zerstörung der Schleimhautbarriere
- exogene Noxen: Alkohol, Medikamente (z. B. NSAR), toxinbildende Bakterien (z. B. Staphylokokken), Stress (z. B. Trauma, Schock), Radiatio, Verätzungen, evtl. Nahrungsmittelallergien
- endogene Noxen: Urämie, portale Hypertension
Klinik
epigastrische Schmerzen, Druckgefühl
Inappetenz
Übelkeit, Erbrechen
Komplikationen: erosive Gastritis mit Magenblutung, Ulkus
Diagnostik
Endoskopie bei Hämatemesis oder Teerstühlen obligat
histologisch oberflächliche Infiltration der Schleimhaut mit Leukozyten, evtl. Epitheldefekte und Erosionen
Differenzialdiagnose
Refluxkrankheit
Ulkus, Magenkarzinom
Cholezystitis, Cholelithiasis
Hepatitis
Pankreatitis, Pseudozysten, Pankreaskarzinom
Aneurysma dissecans, Hinterwandinfarkt
funktionelle Dyspepsie, Reizdarm-Syndrom
Therapie
Ausschalten möglicher exogener Noxen
Nahrungskarenz
ggf. Antazida
Chronische Gastritis
Typ A oder Autoimmungastritis (5 %): atrophische Korpusgastritis mit Antikörperbildung gegen Beleg-(Parietal-)zellen (90 %) und Intrinsic Factor (70 %) mit konsekutiver Achlorhydrie (Anazidität) und perniziöser Anämie (Vitamin-B12Mangel)
Typ B oder Helicobacter-pylori-Gastritis (80 %): Antrumgastritis mit Atrophie des Drüsenkörpers (Haupt- und Belegzellen)
Typ C oder chemisch-toxische Refluxgastritis (15 %): Antrumgastritis bei Gallereflux oder durch NSAR
Sonderformen: Crohn-Gastritis, eosinophile Gastritis, Riesenfaltengastritis (M. Ménétrier)
Klinik
häufig klinisch asymptomatisch
evtl. Sodbrennen, postprandiales Völlegefühl, Aufstoßen, Nüchternschmerz
»Non-ulcer-Dyspepsie«
bei M. Ménétrier Eiweißverlust mit Ödembildung infolge einer exsudativen Gastropathie, Diarrhö, evtl. Anämie
- Komplikationen
- bei Autoimmungastritis: atrophische Gastritis, perniziöse Anämie, Magenkarzinom
- bei H.-p.-Gastritis: Ulcus duodeni, Ulcus ventriculi, Magenkarzinom, MALT-Lymphom, selten chronische idiopathische Urtikaria oder idiopathische thrombozytopenische Purpura
- bei chemisch-toxischer Gastritis: Ulzera, Magenblutung
- bei M. Ménétrier maligne Entartung
Diagnostik
in der Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (einschl. Biopsien aus Antrum und Korpus) erythematöse Gastritis, evtl. flache/ polypoide Erosionen, atrophische Gastritis (mit abgeflachten Schleimhautfalten), hämorrhagische Gastritis, Riesenfaltengastritis (M. Ménétrier)
histologisch Infiltration der Lamina propria mit Lymphozyten, Plasmazellen und ggf. Granulozyten (Oberflächengastritis), Schwund des spezifischen Drüsenkörpers (atrophische Gastritis) und evtl. intestinale Metaplasie (Nachweis von Becherzellen), ggf. Nachweis von Helicobacter pylori (H. p.)
Nachweis der Ureaseaktivität von H. p. durch Inkubation von Schleimhautbiopsien in Harnstoffmedium (Urease-Schnelltest), alternativ 13C-Atemtest durch Abatmen von 13CO2 nach oraler Gabe von 13C-Harnstoff
Nachweis von H.-p.-Antigen im Stuhl
bei Korpusgastritis (Typ A) und Antrumgastritis (Typ B) Gastrin im Serum ↑
Nachweis von Autoantikörpern gegen Parietalzellen und Intrinsic Factor
evtl. Vitamin-B12-Spiegel i. S. ↓
Therapie
- bei H.-p.-Gastritis Eradikationstherapie (Triple-Therapie) über 7 Tage
- Amoxicillin 2×1000 mg/d oder Metronidazol 2×400 mg/d
- Clarithromycin 2×500 mg/d
- Protonenpumpeninhibitoren in zweifacher Standarddosierung
- nach 6–8 Wochen Kontrolle des Eradikationserfolges
- Reserveschema: Levofloxacin/Rifabutin und Tetracyclin und Metronidazol
bei Autoimmungastritis ggf. Vitamin-B12-Substitution, regelmäßige endoskopische Kontrollen wegen der Gefahr einer malignen Entartung
bei chemisch-toxischer Gastritis Absetzen von NSAR, evtl. Protonenpumpeninhibitoren
bei M. Ménétrier H.-p.-Eradikationstherapie (Rückbildung möglich), engmaschige endoskopische Kontrollen einschl. Biopsien, evtl. Gastrektomie
Gastroduodenale Ulkuskrankheit
tief in die Muscularis mucosae reichender Gewebsdefekt, meist als Folge einer chronischen H.-p.-Infektion
H.-p.-negatives Ulkus gehäuft bei Einnahme von NSAR (Prostaglandine↓) und mit erhöhtem Risiko bei gleichzeitiger Therapie mit Kortikosteroiden, bei Zollinger-Ellison-Syndrom und Hyperparathyreoidismus, begünstigt durch Rauchen, evtl. in Form eines akuten Stressulkus, z. B. nach Polytrauma
jährliche Inzidenz des Ulcus duodeni 0,1–0,2 % (♂:♀ = 3:1); Ulcus duodeni:Ulcus ventriculi ≈ 3:1, Ulcus ventriculi ♂:♀ = 1:1, Duodenalgeschwüre gehäuft bei Menschen mit der Blutgruppe 0 (»non-secretors«) und HLA-B5
Klinik
häufig epigastrischer Nacht- und Nüchternschmerz, Besserung der Symptomatik nach Nahrungsaufnahme
Ulzera bei NSAR-Einnahme sind häufig symptomlos bis zur Blutung
Komplikationen: obere gastrointestinale Blutung (Hämatemesis, Melaena) (20 % aller Fälle), Ulkusrezidiv, Perforation mit akutem Abdomen, Penetration (gedeckte Perforation, z. B. in das Pankreas), Magenausgangsstenose (»Sanduhrmagen«), maligne Entartung bei chronischem Ulcus ventriculi
Diagnostik
in der Ösophago-Gastro-Duodenoskopie findet sich das Ulcus ventriculi überwiegend an der kleinen Kurvatur proximal des Angulus und das Ulcus duodeni vorwiegend an der Vorderwand des Bulbus, gelegentlich zwei gegenüberliegende Ulzera (»kissing ulcers«), bei Zollinger-Ellison-Syndrom postbulbäre Ulzera! Cave atypische Lage eines Ulcus ventriculi ist immer karzinomverdächtig! beim Ulcus ventriculi multiple Schleimhautbiopsien! Cave endoskopisch-bioptische Kontrollen eines Magenulkus vor und nach Therapie zum sicheren Ausschluss eines Magenkarzinoms stets erforderlich!evtl. Nachweis von Helicobacter pylori in Biopsiematerial aus Antrum und Korpus (histologisch, kulturell, Urease-Schnelltest), ggf. 13C-Atemtest
H.-p.-negative Ulzera und Gastrin basal↑↑↑ bei ZollingerEllison-Syndrom
H.-p.-negative Ulzera und Serumkalzium↑ bzw. Parathormon i. S. ↑ bei Hyperparathyreoidismus
Differenzialdiagnose
Reizmagen (»Non-ulcer«-Dyspepsie)
Refluxkrankheit
Magenkarzinom
Cholezystolithiasis
Pankreatitis, Pankreaskarzinom
Kolonerkrankungen
Therapie
- bei H.-p.-Gastritis Eradikationstherapie (Triple-Therapie) über 7 Tage
- Amoxicillin 2×1000 mg/d oder Metronidazol 2×400 mg/d
- Clarithromycin 2×500 mg/d
- Protonenpumpeninhibitoren in zweifacher Standarddosierung
- nach 6–8 Wochen Kontrolle des Eradikationserfolges
- Reserveschema: Levofloxacin/Rifabutin und Tetracyclin und Metronidazol
- bei H.-p.-negativem Ulkus
- Reduktion möglicher Noxen, z. B. NSAR, Nikotin, Koffein, Alkohol, Stress
- Protonenpumpeninhibitoren (PPI), z. B. Omeprazol (Antra®), Pantoprazol (Pantozol®), Esomeprazol (Nexium®), Rabeprazol (Pariet®)
- bei Unverträglichkeit der PPI (sehr selten) evtl. H2-Rezeptorantagonisten, z. B. Cimetidin, Famotidin, Ranitidin (Ranitic®, Zantic®)
- evtl. Misoprostol, z. B. Cytotec® (zytoprotektives Prostaglandinanalogon) zur Ulkusprophylaxe
- endoskopische Therapie (Abschn. 5.2.4) oder operative Versorgung bei Komplikationen, z. B. arterielle Blutung, Perforation, Magenausgangsstenose
- bei Blutung Ulkusumstechung und extraluminale Ligatur der A. gastroduodenalis
- bei Perforation Ulkusexzision und Übernähung
- chirurgische Ulkustherapie wegen effektiver medikamentöser Therapie weitgehend verlassen
- Komplikation nach selektiver proximaler Vagotomie:
- Postvagotomiesyndrom durch verzögerte Magenentleerung
- Komplikationen nach 2/3-Resektion des Magens mit Gastroduodenostomie (Billroth I) oder Gastrojejunostomie (Billroth II)
- Früh-Dumping: 20 min nach dem Essen intestinale und kardiovaskuläre Symptomatik durch Sturzentleerung des Magenstumpfes mit Überdehnung der abführenden Schlinge (Vagusreiz) sowie durch passagere Hypovolämie bei hyperosmotisch wirksamen Kohlenhydraten; mögliche Therapie: kleine eiweißreiche, kohlenhydratarme Mahlzeiten; evtl. Guar zu den Mahlzeiten
- Spät-Dumping: 2–3 h nach dem Essen Hypoglykämie durch überschießende Insulinsekretion bei kohlenhydrathaltigen Speisen
- zu kleiner Restmagen
- »Afferent-loop«-Syndrom: nach Billroth-II-Operation Gallestau in der blind verschlossenen Duodenalschlinge bzw. Rückfluss von Mageninhalt in die Duodenalschlinge
- »Efferent-loop«-Syndrom: Anastomosenstenose mit Abflussbehinderung
- Maldigestion mit Gewichtsverlust, Vitamin-B12-Mangelanämie, Eisenmangelanämie
- Magenstumpf-/Anastomosenkarzinom
Gastrointestinale Blutung
obere gastrointestinale (GI-)Blutung (proximal des Treitz-Bandes): Ulcus ventriculi, Ulcus duodeni, erosive Gastritis, Refluxösophagitis, Ösophagusvarizen, Mallory-Weiss-Syndrom, Magenkarzinom, Angiodysplasien
untere gastrointestinale (GI-)Blutung (distal des Treitz-Bandes): M. Crohn, Colitis ulcerosa, infektiöse Kolitis, Proktitis, Hämorrhoiden, Divertikulose, Polypen, Karzinome, Angiodysplasien, Mesenterialinfarkt, ischämische Kolitis, Meckel-Divertikel, Endometriose
Klinik
bei oberer GI-Blutung evtl. (kaffeesatzartiges) Bluterbrechen (Hämatemesis), Erbrechen von hellem Blut, Teerstühle (Melaena) oder rote Darmblutung (Hämatochezie) bei massiver Blutung
- bei unterer GI-Blutung Hämatochezie oder Teerstühle bei langsamer Darmpassage
- bei Rektumblutungen Auflagerung hellroten Blutes auf dem Stuhl
- bei Kolonblutungen evtl. dunkelrote, geleeartige Blutbeimischungen im Stuhl
Blutungsanämie mit Blässe, Schwäche, Schwindel, Tachykardie
Komplikation: hypovolämischer Schock (Blutverlust >1000 ml/24 h)
Diagnostik
Hb↓, Hkt↓ (nicht bei perakuter Blutung)
Puls↑, RR↓, ZVD↓
Hämoccult®-Test
evtl. Blut am Fingerling bei rektal-digitaler Untersuchung
evtl. Magensonde und Magenspülung zum Nachweis von Blut im Magen
zur Lokalisation der Blutungsquelle endoskopische Diagnostik (Ösophago-Gastro-Duodenoskopie, Ileo-Koloskopie, evtl. Doppelballon-Enteroskopie oder Videokapselendoskopie)
erhöhtes Blutungsrisiko bei Varizen >5 mm, »red colour signs«, Fundusvarizen
Graduierung der Ösophagusvarizen anhand der endoskopisch nachweisbaren Lumeneinengung des Ösophagus (Tab. 5.5)
Forrest-Klassifikation zur Beurteilung der Aktivität einer gastrointestinalen Blutung (Tab. 5.6)
| Grad | Gastroskopiebefund |
| 1 | Wenig prominente Venen, die bei Luftinsuffilation verstreichen |
| 2 | Einzelne Varizenstränge, durch Luftinsuffilation nicht vollständig komprimierbar |
| 3 | Mit Einengung des Lumens |
| 4 | Mit Verlegung des Lumens |
| Forrest-Stadium | Blutungsaktivität |
| Ia | Spritzende arterielle Blutung |
| Ib | Sickerblutung |
| IIa | Läsion mit Gefäßstumpf |
| IIb | Koagelbedeckte Läsion |
| IIc | Hämatinbelegte Läsion |
| III | Läsion ohne Blutungszeichen |
Exulceratio simplex Dieulafoy: arterielle Blutung infolge der Arrosion einer submukösen Arterie durch ein solitäres kleines Ulkus
ggf. selektive Arteriographie
evtl. explorative Laparotomie mit intraoperativer Endoskopie (sehr selten notwendig!)
Differenzialdiagnose
nahrungsabhängige (z. B. Heidelbeeren, rote Bete) oder medikamentöse (z. B. Kohle, Eisen) Verfärbung des Stuhls
Therapie
intensivmedizinische Überwachung und Therapie
Kreislaufstabilisierung: Volumenersatztherapie, ggf. Bluttransfusionen und ab 5 Erythrozytenkonzentraten zusätzlich Frischplasma (FFP)
gezielte endoskopische Blutstillung, z. B. durch Unterspritzung mit verdünnter Adrenalinlösung/Fibrinkleber, mit Hämoclip, mittels APC(Argon-Plasma-Koagulation)-Lasertherapie! Cave Rezidivblutungen sind häufig!hochdosiert Protonenpumpeninhibitoren, ggf. H.-p.-Eradikationstherapie
ggf. radiologisch interventionelle Embolisation oder intraoperative Gefäßligatur bei erfolgloser Endoskopie
Magenkarzinom
- endogene Risikofaktoren
- Helicobacter-pylori-positive Gastritis (Typ-B-Gastritis)
- chronisch-atrophische Autoimmungastritis (Typ-A-Gastritis)
- adenomatöse Magenpolypen
- M. Ménétrier
- nach Magenteilresektion
- genetische Faktoren, z. B. Mutation des E-cadherin-Gens
- exogene Risikofaktoren
- Alkohol- und Nikotinabusus
- geräucherte und gesalzene Speisen mit hohem Nitratgehalt (bakterielle Umwandlung zu Nitrit → karzinogenes Nitrosamin)
Altersgipfel 55.–65. Lebensjahr, ♂:♀ = 2:1, hohe Inzidenzen in Südostasien, Finnland, Chile, Kolumbien
5-Jahres-Überlebensrate des Frühkarzinoms 95 %, aller Patienten etwa 10 %
Klinik
häufig erst im fortgeschrittenen Stadium symptomatisch! Cave bei Magenbeschwerden nur zeitlich begrenzter Therapieversuch, nach 2–3 Wochen endoskopische Diagnostik!uncharakteristische Oberbauchbeschwerden
Nüchternschmerz, Dysphagie, Völlegefühl, Inappetenz
Abneigung gegen Fleisch, Übelkeit, Erbrechen
Gewichtsverlust, Leistungsminderung
evtl. Magenblutung mit Hämatemesis und Teerstühlen
Komplikationen: Magenausgangsstenose, gedeckte oder freie Perforation mit Peritonitis, maligner Aszites bei Peritonealkarzinose, paraneoplastische Syndrome, z. B. Thromboseneigung
Diagnostik
im Blutbild evtl. Eisenmangelanämie, Nachweis okkulten Blutes im Stuhl
Tumornachweis in der Gastroskopie mit multiplen Biopsien
- Lokalisation
- Antrum und Pylorus 35 %
- kleine Kurvatur 30 %
- Kardia 25 %
Einteilung des Magenkarzinoms nach histologischen Kriterien und anhand des Wachstumsmusters (Tab. 5.7)
| Histologie | Wachstumsmuster |
| Intestinaler Typ | Polypöses Wachstum, klar abgegrenzt |
| Diffuser Typ | Infiltratives Wachstum, schlecht begrenzt |
| Mischtyp |
evtl. Endosonographie zur Beurteilung der Tiefenausdehnung und benachbarter Lymphknoten
Abdomensonographie, CT-Abdomen, Röntgen-Thorax zum Ausschluss von Metastasen
Virchow-Lymphknoten: Befall des Lymphknotens links supraklavikulär an der Einmündung des Ductus thoracicus in den Venenwinkel
Krukenberg-Tumor: »Abtropfmetastasen« in den Ovarien
ggf. Tumormarker für die postoperative Nachsorge CA 72-4, CA 19-9 und CEA
Stadieneinteilung nach TNM-System (Tab. 5.8)
Stadieneinteilung nach Union International Contre le Cancer (UICC, 2010) (Tab. 5.9)
| T | Primärtumor |
| Tis | Carcinoma in situ (intraepithelial ohne Infiltration der Lamina propria mucosae, hochgradige Dysplasie) |
| T1 | Tumor infiltriert Lamina propria, Muscularis mucosae oder Submukosa (Frühkarzinom) |
| T2 | Tumor infiltriert Muscularis propria |
| T3 | Tumor infiltriert Subserosa |
| T4 | Tumor perforiert Serosa (viszerales Peritoneum) oder infiltriert benachbarte Strukturen |
| – T4a | Tumor perforiert Serosa |
| – T4b | Tumor infiltriert benachbarte Strukturen (Ösophagus, Colon transversum, Dünndarm, Leber, Pankreas, Zwerchfell, Milz, Bauchwand, Retroperitoneum, Nieren, Nebennieren) |
| N | Lymphknotenbefall (regionäre Lymphknoten: perigastrisch, im Bereich des Truncus coeliacus, der A. gastrica sinistra, A. hepatica communis und A. lienalis) |
| N1 | Metastasen in 1–2 regionären Lymphknoten |
| N2 | Metastasen in 3–6 regionären Lymphknoten |
| N3 | Metastasen in ≥7 regionären Lymphknoten |
| M | Metastasierung |
| M1 | Fernmetastasen in Leber, Lunge, Skelettsystem, Gehirn a |
| R | Resektionsstadium |
| R0 | Kein Residualtumor |
| R1 | Mikroskopisch nachweisbarer Resttumor |
| R2 | Makroskopisch nachweisbarer Resttumor |
| a ! Cave Befall entfernter Lymphknotenstationen (paraaortal oder mesenterial) gilt als Fernmetastasierung! | |
| Stadium | T | N | M |
| 0 | Tis | N0 | M0 |
| IA | T1 | N0 | M0 |
| IB | T1 | N1 | M0 |
| T2 | N0 | M0 | |
| IIA | T1 | N2 | M0 |
| T2 | N1 | M0 | |
| T3 | N0 | M0 | |
| IIB | T1 | N3 | M0 |
| T2 | N2 | M0 | |
| T3 | N1 | M0 | |
| T4a | N0 | M0 | |
| IIIA | T2 | N3 | M0 |
| T3 | N2 | M0 | |
| T4a | N1 | M0 | |
| IIIB | T3 | N3 | M0 |
| T4a | N2 | M0 | |
| T4b | N0, N1 | M0 | |
| IIIC | T4a | N3 | M0 |
| T4b | N2, N3 | M0 | |
| IV | Jedes T | Jedes N | M1 |
Differenzialdiagnose
Ulcus ventriculi
Refluxkrankheit
andere Raumforderungen, z. B. Non-Hodgkin-Lymphome (MALT-Lymphome), Karzinoid, Adenome, Polypen, gastrointestinale Strumatumoren (GIST)
Therapie
Gastrektomie, Omentektomie, Lymphadenektomie, bei Kardiakarzinomen außerdem distale Ösophagusresektion und Splenektomie; nach subtotaler Magenresektion Gastrojejunostomie, ansonsten Ösophagojejunostomie (Roux-Schlinge) oder Interposition einer gestielten isoperistaltischen Jejunalschlinge
perioperative Chemotherapie mit 5-FU, Folinsäure und Cisplatin oder 5-FU, Epirubicin und Cisplatin
evtl. neoadjuvante Radio-/Chemotherapie ab Stadium II
nach Gastrektomie Pankreasenzyme zu den Mahlzeiten, parenterale Substitution von Eisen und Vitamin B12
palliative Therapiemaßnahmen: Bougierung, Tubus- oder Stentimplantation, Anlage einer perkutanen endoskopisch kontrollierten Jejunostomie (PEJ), parenterale Langzeiternährung
Darmerkrankungen
Diarrhö (Durchfall)
- >3 Stuhlentleerungen/Tag, >250 g Stuhlgewicht/Tag, konsistenzverminderte Stühle (Wassergehalt >75 %), akut oder chronisch (länger als 2 Wochen)
- osmotische Diarrhö, z. B. Laktasemangel, Glutenallergie, osmotisch wirksame Laxanzien
- sekretorische Diarrhö (Ionensekretion↑, Ionenresorption↓), z. B. durch Bakterientoxine von Vibrio cholerae, Escherichia coli, Staph. aureus oder Bacillus cereus, Laxanzien, Fettsäuren (Pankreasinsuffizienz) oder Gallensäuren (Gallensäureverlustsyndrom), selten sezernierende villöse Adenome oder Vipome
- exsudative (entzündliche) Diarrhö, z. B. durch Infektionen mit Salmonellen, Shigellen, Campylobacter jejuni, Clostridium difficile (pseudomembranöse Kolitis), chronisch entzündliche Darmerkrankungen, bei Kolonkarzinomen, evtl. nach Radiatio oder Chemotherapie, infolge einer Ischämie
- Motilitätsstörungen, z. B. bei Reizdarmsyndrom, autonomer diabetischer Neuropathie, nach Operationen
- Einteilung der Diarrhöen nach Ätiologie
- Infektionen
- bakteriell, z. B. E. coli, Salmonellen, Shigellen, Campylobacter jejuni
- viral, z. B. Noro-Viren (Norwalk-Virus), Rota-Viren
- Protozoen, z. B. Giardia lamblia, Entamoeba histolytica
- Lebensmittelvergiftungen durch Bakterientoxine, z. B. von Staph. aureus, B. cereus, Cl. perfringens
- Medikamente, z. B. Antibiotika, Laxanzien, Zytostatika, Colchicin
- Intoxikationen, z. B. Arsen, Quecksilber, Pilzvergiftungen
- Maldigestion, z. B. Pankreasinsuffizienz, nach Gastrektomie
- Malabsorption, z. B. Sprue, Laktasemangel, M. Whipple
- chronisch entzündliche Darmerkrankungen (M. Crohn, Colitis ulcerosa)
- tumoröse Erkrankungen, z. B. Adenome, Malignome (Karzinome, Non-Hodgkin-Lymphome)
- endokrine Krankheiten, z. B. Hyperthyreose, medulläres Schilddrüsenkarzinom, M. Addison, Karzinoid-Syndrom, Gastrinom, Vipom
- neurogene Krankheiten, z. B. autonome diabetische Neuropathie, alkoholische Enteropathie, Amyloidose
- Nahrungsmittelallergien
- Reizdarmsyndrom
- sehr selten mikroskopische Kolitis (chronisch wässrige Diarrhö bei makroskopisch unauffälliger Darmschleimhaut; charakteristische Histologie: kollagene bzw. lymphozytäre Kolitis)
Klinik
evtl. großvolumige Stühle, übermäßiger Wasseranteil, Speiserückstände
ggf. Blut- und Schleimabgang
bei exokriner Pankreasinsuffizienz großvolumige, fett glänzende, übel riechende Stühle
bei Stenosen im distalen Kolon paradoxe Diarrhö durch bakterielle Zersetzung des prästenotisch angestauten Stuhls
bei Reizdarmsyndrom (»Colon irritabile«) falsche Diarrhö mit erhöhter Stuhlfrequenz und normaler Konsistenz
Diagnostik
genaue Anamnese, inkl. Ernährungsgewohnheiten, Risikospeisen und Auslandsaufenthalten, sowie Stuhlinspektion
bakteriologische und parasitologische Stuhluntersuchung
allgemeine Labordiagnostik, z. B. BSG, Blutbild, Gesamteiweiß, Albumin, Elektrolyte, Serodiagnostik bei Verdacht auf infektiöse Durchfallerkrankung
Abdomensonographie
Ösophago-Gastro-Duodenoskopie und Koloskopie einschl. bioptisch-histologischer Untersuchung von Schleimhautproben
evtl. Kolondoppelkontrasteinlauf (Magen-Darm-Passage)
zielgerichtete Spezialdiagnostik (siehe folgende Kapitel), z. B. D-Xylose-Toleranztest, quantitative Stuhlfettbestimmung, Schilling-Test mit 57Co radioaktiv markiertem Vitamin B12, H2-Atemtest, 13CO2-Exhalationstest nach oraler Gabe von 13C-Glykocholat, Sekretin-Pankreozymin-Test
Therapie
ggf. gezielte Antibiotikatherapie bei infektiöser Diarrhö, evtl. Cotrimoxazol oder Chinolone zur ungezielten Soforttherapie; bei Amöbiasis oder Lambliasis Metronidazol
bei leichter Diarrhö nach Antibiotikatherapie Perenterol® (Saccharomyces boulardii)
bei antibiotikainduzierter pseudomembranöser Kolitis Metronidazol p. o., ggf. Vancomycin p. o.
kausale Therapie nicht-infektiöser Darmerkrankungen
symptomatisch Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution, z. B. Elotrans®, ggf. obstipierende Medikamente, z. B. Imodium® (Loperamid), bei krampfartigen Bauchschmerzen Spasmolytika, z. B. Buscopan® (N-Butylscopolamin), evtl. Racecadotril (Tiorfan®, wirkt antisekretorisch durch Hemmung der Enkephalinase)
Obstipation
- verzögertes und erschwertes Absetzen meist geringer Stuhlmengen mit <3 Stuhlentleerungen/Woche
- chronisch habituelle Obstipation infolge faserarmer Kost, geringer Flüssigkeitsaufnahme, Bewegungsmangel und unterdrücktem Defäkationsreiz
- medikamentös induziert, z. B. durch Sedativa, Antidepressiva, Antiparkinsonmittel, Anticholinergika, Aluminiumhydroxid
- bei Elektrolytstörungen wie Hypokaliämie oder Hyperkalzämie
- durch Obstruktion oder Striktur bei organischen Darmerkrankungen, z. B. Karzinom, Bride, Divertikulits
- infolge endokriner Störungen, z. B. Hypothyreose
- infolge neurogener Störungen, z. B. diabetische autonome Neuropathie, Multiple Sklerose, Parkinson, Hirschsprung-Krankheit
- passager bei Bettlägerigkeit, Schichtarbeit, fieberhaften Erkrankungen
- Reizdarmsyndrom mit Obstipation (»normal-transit«)
nach dem 60. Lebensjahr bis zu 30 % aller Menschen
Klinik
bei kologener Obstipation (»slow-transit«) Völlegefühl und Meteorismus ohne spontanen Stuhldrang
bei anorektaler Obstipation ständiger Stuhldrang ohne vollständige Entleerung der Rektumampulle infolge einer Sphinkterkontraktion bei Bauchpresse
Komplikationen: Divertikulose, Divertikulitis, Hämorrhoiden, Kotsteine (Koprolithen), Kotballen (Skybala)
Diagnostik
rektal-digitale Untersuchung
allgemeine Labordiagnostik, z. B. Elektrolyte, TSH, Hämoccult®-Test
Koloskopie
evtl. Magen-Darm-Passage
bei Ileusverdacht Abdomenübersichtsaufnahme
Transitzeitmessungen im Kolon (Hinton-Test)
bei rektaler Obstipation Defäkogramm und Analsphinktermanometrie (spezielle Indikation)
Therapie
kausale Therapie sofern möglich
keine obstipierenden Nahrungsmittel, z. B. Weißbrot, Schokolade
ballaststoffreiche Kost, ausreichende Flüssigkeitszufuhr (2 l/d), körperliche Bewegung, keine Unterdrückung des Defäkationsreizes, evtl. Kolonmassage
ggf. Biofeedback-Training bei anorektaler Obstipation
Klysmen und Suppositorien
evtl. manuelle Entleerung der Rektumampulle
bei Frauen mit chronischer Obstipation Prucaloprid (Resolor®; selektiver Serotonin (5-HT4)-Rezeptoragonist zur Steigerung der enterokinetischen Aktivität)
kurzfristiger Einsatz von Laxanzien! Cave bei Laxanzienabusus Hypokaliämie mit zunehmender Obstipation durch Darmatonie; möglicher diagnostischer Hinweis Pseudomelanosis coli!- Füll-/Quellmittel, z. B. Leinsamen, Plantago ovata (z. B. Agiocur®)
- salinische Laxanzien, z. B. Magnesiumsulfat (Bittersalz) und Natriumsulfat (Glaubersalz)
- osmotisch wirksame Laxanzien, z. B. Lactulose (z. B. Bifiteral®), Macrogol (z. B. Laxofalk®, Movicol®)
- sekretorisch wirksame Laxanzien, z. B. Bisacodyl (z. B. Dulcolax®), Natriumpicosulfat (z. B. Laxoberal®)
Meteorismus
- gastrointestinales Gas durch verschluckte Luft oder CO2-Bildung (kohlensäurehaltige Getränke, bakteriell-enzymatischer Abbau von Kohlenhydraten im Kolon)
- akuter Meteorismus bei Ileus
- chronischer Meteorismus
- durch Aerophagie (Luftschlucken), z. B. bei neurotischer Verhaltensstörung, emotionalem Stress, hastigem Essen
- durch intestinale Gasbildung, z. B. bei vermehrter Aufnahme unverdaulicher oder nicht-resorbierbarer Kohlenhydrate (Zellulose, Raffinose, Lactulose, Sorbitol), glutensensitiver Enteropathie, Laktasemangel, Kurzdarmsyndrom, exkretorischer Pankreasinsuffizienz, durch bakterielle Überwucherung (z. B. Blindsacksyndrom), Lambliasis
- durch reduzierte Gasabsorption, z. B. bei portaler Hypertension, Rechtsherzinsuffizienz
- durch Motilitätsstörungen, z. B. Reizdarmsyndrom, Darmatonie
Klinik
Völlegefühl
abdominelles Blähungsgefühl, evtl. Schmerzen im linken oder rechten Hypochondrium (»eingeklemmte Winde«)
rumorende Darmgeräusche (Borborygmi)
Flatulenz (Gasausscheidung)
Eruktation (Luftaufstoßen, Rülpsen)
evtl. Roemheld-Syndrom mit funktionellen Herzbeschwerden durch Oberbauchmeteorismus
Diagnostik
perkutorisch tympanischer Klopfschall
Stuhlinspektion, Hämoccult®-Test
allgemeine Labordiagnostik
Untersuchungen zum Ausschluss organischer Darmerkrankungen
Abdomensonographie
Abdomenleeraufnahme
Therapie
kausale Therapie sofern möglich
symptomatisch keine blähenden Speisen (Hülsenfrüchte, Kohlgemüse, Zwiebeln, Vollkornprodukte etc.), keine kohlensäurehaltigen Getränke, kein künstlicher Süßstoff, kleine Mahlzeiten, langsames Essen, vermehrte Aktivität nach dem Essen
Tee aus Fenchel, Kümmel und Anis
Wärmeanwendung
evtl. Karminativa, z. B. Simeticon (sab simplex®, Lefax®, Espumisan®)
evtl. Spasmolytika, z. B. N-Butylscopolamin (Buscopan®)
Malassimilationssyndrom
- gestörte Aufspaltung von Nahrungsbestandteilen (Maldigestion) und/oder gestörte Resorption der Nahrungsspaltprodukte (Malabsorption) unterschiedlicher Ätiologie
- Maldigestion, z. B. nach Magenresektion, bei exokriner Pankreasinsuffizienz, Laktasemangel, bei Gallensäuremangel infolge einer Cholestase oder durch Gallensäureverlust (nach Ileumresektion, M. Crohn, Blindsacksyndrom (»blind loop«) mit Dekonjugation der Gallensäuren durch bakterielle Fehlbesiedlung)
- Malabsorption, z. B. bei Sprue/Zöliakie, chronischen Darminfektionen, M. Whipple, M. Crohn, Lymphomen, Strahlenenteritis, Amyloidose, nach Dünndarmresektion (Kurzdarmsyndrom), bei Angina intestinalis, Rechtsherzinsuffizienz, Lymphangiektasie, bei Zollinger-Ellison-Syndrom (Gastrinom), Verner-Morrison-Syndrom (Vipom), Karzinoid-Syndrom
Klinik
- enterale Symptomatik
- Diarrhö, evtl. Steatorrhö
- evtl. postprandiale Schmerzen, Tenesmen
- geblähtes Abdomen, Flatulenz (Gärungsstühle)
- Mangelsyndrome
- Gewichtsverlust/Untergewicht
- Eiweißmangelödeme
- Mangel an fettlöslichen Vitaminen
- Vitamin-A-Mangel: Nachtblindheit, trockene Haut
- Vitamin-D-Mangel: Osteomalazie bei Erwachsenen, Rachitis bei Kindern
- Vitamin-K-Mangel: Blutungsneigung (Gerinnungsfaktoren des Prothrombinkomplexes: II, VII, IX, X ↓)
- Anämie infolge eines Vitamin-B12-, Folsäure- und Eisenmangels
- Elektrolytmangel
- Hypokaliämie mit Schwäche
- hypokalzämische Tetanie
Begleitsymptome der ursächlichen Erkrankung
evtl. sekundäre endokrine Störungen (z. B. Amenorrhö)
Diagnostik
in der Stuhluntersuchung Fettanteil >7 g/24 h
Vitamin-A-Serumspiegel↓
- bei Malabsorption
- im Jejunum: pathologischer Xylose-Toleranztest (nach oraler Gabe von 25 g D-Xylose im Sammelurin über 5 h Xylosewerte <4 g)
- im Ileum: pathologischer Schilling-Test (nach oraler Gabe von 57Co-markiertem Vitamin B12 <6 % des radioaktiv markierten Vitamins im Sammelurin)
Ursachenabklärung obligat erforderlich
Therapie
kausale Therapie sofern möglich
Wasser- und Elektrolytsubstitution
parenterale Substitution der fettlöslichen Vitamine, des Vitamins B12 und von Eisen
evtl. parenterale Ernährung
Glutensensitive Enteropathie (Zöliakie, einheimische Sprue)
Unverträglichkeitsreaktion gegenüber Gliadin (einer Fraktion des Glutens, ein Getreideprotein) mit Zottenatrophie und konsekutivem Malabsorptionssyndrom
Prävalenz in Europa 1:500; gehäuftes Auftreten bei TurnerSyndrom, Down-Syndrom, IgA-Mangel und Autoimmunerkrankungen, z. B. Typ-1-Diabetes, Autoimmunthyreoiditis; Assoziation mit HLA-DQ2 und HLA-DQ8
Klinik
Diarrhö, Gewichtsverlust, Gedeihstörungen bei Kindern
atypische oligosymptomatische Verläufe, vor allem bei Erwachsenen
Malabsorptionssyndrom mit Eisenmangelanämie, Osteoporose etc.
extraintestinale Symptome, z. B. Dermatitis herpetiformis Duhring mit Erythem, Plaques und herpetiformen Bläschen
Komplikationen: intestinale T-Zell-Lymphome, evtl. sekundärer Laktasemangel
Diagnostik
pathologischer D-Xylose-Toleranztest als Zeichen der Resorptionsstörung
Nachweis von IgA-Antikörpern (ggf. IgG bei IgA-Mangel) gegen Gliadin, Endomysium und Gewebetransglutaminase
Gastro-Duodenoskopie mit tiefen Dünndarmbiopsien; histologischer Nachweis einer Zottenatrophie, Kryptenhyperplasie und intraepitheliale Lymphozyteninfiltration (Tab. 5.10)
| Klassifikation | Histologie |
| Marsh 0 (Normaltyp) | Unauffällig |
| Marsh 1 (Infiltrativer Typ) | Erhöhte Zahl intraepithelialer Lymphozyten (≥30 pro 100 Epithelzellen) |
| Marsh 2 (Hyperplastischer Typ) | Zusätzlich hyperplastische, elongierte Krypten |
| Marsh 3 (Destruktiver Typ) | Zusätzlich Zottenatrophie unterschiedlicher Ausprägung |
glutenfreie Diät führt zu klinischer Besserung
Therapie
glutenfreie Diät mit Kartoffeln, Mais, Reis, Soja! Cave kein Weizen, kein Hafer, keine Gerste, kein Roggen, kein Dinkel oder Grünkern bei sekundärem Laktasemangel keine Milchprodukte>Memo Nach Regeneration der Zotten unter glutenfreier Diät bildet sich der sekundäre Laktasemangel zurück!bei schwerer entzündlicher Infiltration ggf. initial Steroide
M. Whipple (Lipodystrophia intestinalis)
Infektion mit dem Bakterium Tropheryma whippelei
sehr selten, meist Männer im 3. und 4. Lebensjahrzehnt
ohne Therapie letaler Verlauf durch Kachexie
Klinik
Diarrhö, Steatorrhö mit Malabsorptionssyndrom
Appetitlosigkeit, Übelkeit, postprandiale Bauchschmerzen
starker Gewichtsverlust
- extraintestinale Symptomatik
- Polyserositis, chronische nicht-destruierende Oligo-/ Polyarthritis
- Endo-/Perikarditis
- Lymphknotenschwellung (mesenterial und retroperitoneal)
- braune Hautpigmentierung
- evtl. ZNS-Beteiligung
Diagnostik
im Labor erhöhte Entzündungsparameter (BSG↑, CRP↑), im Blutbild evtl. Leukozytose
siehe auch unspezifische Diagnostik der Malabsorptionssyndrome (Abschn. 5.3.4)
in Duodenal- und Dünndarmbiopsien Nachweis einer Infiltration mit PAS-positiven Makrophagen (SPC-Zellen), zystische Erweiterung der Mukosalymphgefäße
evtl. elektronenmikroskopischer Nachweis intramakrophagischer Stäbchenbakterien
evtl. molekularbiologischer Nachweis aus bioptischem Material
Differenzialdiagnose
Mycobacterium-avium-intracellulare-Infektionen des Dünndarms
siehe Differenzialdiagnostik der Malassimilationssyndrome (Abschn. 5.3.4)
Therapie
liquorgängiges Breitspektrumantibiotikum über 14 Tage, z. B. Ceftriaxon
Langzeittherapie mit Cotrimoxazol oder Tetracyclinen über 1–2 Jahre
Laktoseintoleranz
- Maldigestion von Milchzucker infolge einer verminderten oder fehlenden Laktaseaktivität im Dünndarm
- primär (angeboren): in Europa 10–15 % der Bevölkerung, >95 % der asiatischen Bevölkerung
- sekundär als Folge anderer Dünndarmerkrankungen, z. B. durch glutensensitive Enteropathie
Laktase ist im Bürstensaum des Dünndarms lokalisiert und spaltet Laktose zu Glukose und Galaktose
bei relativem Laktasemangel und Zufuhr größerer Laktosemengen erfolgt im Kolon die bakterielle Vergärung des Milchzuckers zu CO2, H2 und kurzkettigen Fettsäuren
Klinik
nach Konsum von Milchprodukten Durchfälle, abdominelle Schmerzen, Blähungen und Flatulenz
Diagnostik
im H2-Atemtest vermehrte Abatmung von H2 nach Laktosegabe (bakterielle Fermentation)
im Laktosetoleranztest nach Gabe von 50 g Laktose pathologisch geringer Blutglukoseanstieg (<20 mg/dl) bei gleichzeitig auftretender klinischer Symptomatik
in Dünndarmbiopsien verminderte Laktaseaktivität
Differenzialdiagnose
Milchallergie gegen Laktalbumin oder Kasein
Reizdarmsyndrom
Therapie
Vermeiden von Milch und Milchprodukten, auf ausreichende Kalziumzufuhr achten>Memo Butter, Käse und Joghurt werden in kleinen Mengen vertragen!evtl. laktosefreier Milchersatz, z. B. Sojamilch
evtl. orale Substitution von Laktase, z. B. Lacdigest®, Lactrase®
Gallensäureverlust-Syndrom (Gallensäuremalabsorption)
- gestörter enterohepatischer Kreislauf der Gallensäuren
- infolge fehlender Resorption nach Ileumresektion oder bei M. Crohn
- infolge bakterieller Dekonjugation der Gallensäuren bei Blindsacksyndrom
Klinik
evtl. krampfartige Bauchschmerzen
chologene Diarrhö bei Ileumausfällen >40 cm
Steatorrhö bei Ileumausfällen >100 cm
- Komplikationen
- Maldigestionssyndrom
- lithogene Galle mit vermehrter Bildung von Cholesteringallensteinen
- gesteigerte Oxalsäureresorption durch die Bindung von Kalzium an Fettsäuren mit vermehrter Bildung von Oxalatnierensteinen
Diagnostik
14C-Glykocholat-Atemtest: nach oraler Gabe von 14C-Glykocholat verstärktes Abatmen von radioaktivem 14CO2 infolge der gesteigerten bakteriellen Gallensäuredekonjugation im Kolon
75Se-HCAT-Test: verminderte Retention der 75Se-markierten Homotaurocholsäure
Therapie
Therapie eines M. Crohn bzw. eines Blindsacksyndroms (Korrekturoperation)
bei bakterieller Fehlbesiedlung evtl. Metronidazol
Austauscherharze, z. B. Cholestyramin
bei massiver Steatorrhö Fettrestriktion (weniger als 40 g/d) und Ersatz der Nahrungsfette durch mittelkettige Triglyzeride
symptomatische Therapie bei Malassimilationssyndrom
Enterales Eiweißverlustsyndrom (exsudative Enteropathie)
- pathologisch gesteigerter Verlust von Eiweißen (alle Eiweißfraktionen) über den Verdauungstrakt
- infolge einer Lymphstauung, z. B. bei Lymphangiektasie, malignen Lymphomen, Rechtsherzinsuffizienz
- infolge einer Eiweißexsudation, z. B. bei M. Crohn, Colitis ulcerosa, familiärer Polyposis, M. Ménétrier, Strahlenenteritis, HIV-Infektion
Klinik
Diarrhö, Steatorrhö
Gewichtsverlust
Malabsorptionssyndrom
hypoproteinämische Ödeme
Diagnostik
Albumin↓, Immunglobuline↓
Diagnostik der Malabsorptionssyndrome
α1-Antitrypsin im Stuhl ↑
endoskopisch-bioptische Untersuchung einschl. Histologie zur Ursachenabklärung
Therapie
Therapie der Grunderkrankung
natriumarme, eiweißreiche Kost
ggf. Fettrestriktion und Ersatz der Nahrungsfette durch mittelkettige Triglyzeride
Meckel-Divertikel
Rest des Ductus omphaloentericus (embryonaler Dottergang), etwa 100 cm proximal der Ileozökalklappe
2 % der Bevölkerung
Klinik
evtl. Entzündung mit Perforation
Ulkus und Blutung bei versprengter Magenschleimhaut
Diagnostik
meist Zufallsbefund im Rahmen einer Laparotomie
99mTc-Pertechnat-Szintigraphie bei okkulter Blutung zum Nachweis ektoper Magenschleimhaut
Differenzialdiagnose
akute Appendizitis
Therapie
Resektion
Dünndarmtumoren
benigne Tumoren, z. B. Adenome, Leiomyome, Lipome, Fibrome, Angiome, Endometriose
maligne Tumoren, z. B. Adenokarzinom, neuroendokrine Tumoren (»Karzinoid-Tumoren«), gastrointestinale Stromatumoren (GIST), Sarkome, Lymphome, Metastasen (Melanom u. a.)
<5 % der gastrointestinalen Tumoren
Klinik
häufig klinisch asymptomatisch
Obstruktion, (Sub-)Ileus (bei großen Tumoren)
Blutungen
bei endokrin aktiven Tumoren Symptome des Hormonexzess
Diagnostik
Abdomensonographie
Gastro-Duodenoskopie und Ileo-Koloskopie
Enteroklysma nach Sellink
Doppelballon-Enteroskopie oder Videokapselendoskopie
Hydro-MRT
ggf. Angiographie
Therapie
operative Entfernung des Tumors
bei GIST Protein-Tyrosinkinaseinhibitor, z. B. Imatinib (Glivec®)
M. Crohn (Enterokolitis regionalis Crohn)
chronische granulomatöse Entzündung aller Wandschichten des Darmes mit diskontinuierlich segmentalem Befall des gesamten Gastrointestinaltraktes (vor allem betroffen sind terminales Ileum und proximales Kolon)
unklare immunologische Genese
Häufigkeitsgipfel um das 30. Lebensjahr, familiäre Häufung (Mutationen des NOD2-/CARD15-Gens)
Klinik
chronische Diarrhö
abdominelle Schmerzen, evtl. kolikartig im rechten Unterbauch
Gewichtsverlust
Malabsorptionssyndrom (megaloblastäre Anämie bei VitaminB12-Mangel, chologene Diarrhö bei Gallensäureverlust, Cholesteringallensteine, Oxalatnierensteine)
- extraintestinale Symptomatik:
- primär sklerosierende Cholangitis
- Arthritis, Spondylitis ankylosans (HLA-B27-positiv)
- Iritis, Episkleritis, Uveitis, Keratitis
- Erythema nodosum, Pyoderma gangraenosum, Akrodermatitis enteropathica (durch Zinkmangel)
bei Kindern evtl. Wachstumsstörungen
Komplikationen: Fisteln, anorektale Abszesse, (Sub-)Ileus, freie Perforation, Peritonitis, erhöhtes Karzinomrisiko, selten Amyloidose, Kurzdarmsyndrom nach Ileumresektion
Diagnostik
palpatorisch evtl. Konglomerattumor im rechten Unterbauch
im Blutbild Eisenmangelanämie (durch enterale Blutverluste), evtl. megaloblastäre Anämie (Malabsorption von Vitamin B12 und Folsäure)>Memo der chronische Entzündungsprozess spielt auch eine Rolle in der Pathogenese der Anämie!BSG↑, CRP↑, Leukozytose
Albumin↓
ggf. Antikörper gegen Saccharomyces cerevisiae
im Darmschall Wandverdickungen im Kolon (>4 mm) und/oder Ileum (>2 mm), Kokardenzeichen
Abdomensonographie zur Erfassung intraabdomineller Abszesse einschließlich Komplikationen, z. B. rechtsseitige Hydronephrose
in der Ileo-Koloskopie (Stufenbiopsien!) segmental diskontinuierlicher Befall (»skip lesions«), aphthoide Läsionen, landkartenartige oder längliche Ulzera (»snail trails«), Pflastersteinrelief, Gänsehautaspekt der Schleimhaut durch lymphofollikuläre Hyperplasie, sehr kleine hämorrhagische Läsionen, evtl. Strikturen
in der Histologie Nachweis von Epitheloidzellgranulomen und mehrkernigen Riesenzellen, Lymphangiektasie
Ösophago-Gastro-Duodenoskopie und Hydro-MRT (MR-Sellink) des Dünndarms oder Enteroklysma nach Sellink zum Nachweis aller gastrointestinalen Manifestationen
bakteriologische Stuhluntersuchungen in der Ausschlussdiagnostik und bei jedem akuten Entzündungsschub! Cave Superinfektionen möglich, auch CMV-Infektionen!bei V. a. Fisteln oder Abszesse Abdomen-/Becken-MRT
Differenzialdiagnose
akute Appendizitis
Divertikulitis
ischämische Kolitis
Colitis ulcerosa
Darmtuberkulose
akute Ileitis durch Yersinia enterocolitica oder Y. pseudotuberculosis
Campylobacter-Infektionen
Therapie
bei leichtem bis mittelschwerem entzündlichem Schub und Dickdarmbefall Sulfasalazin (z. B. Azulfidine®)
bei überwiegendem Ileozökalbefall ohne extraintestinale Manifestationen topisch wirksame Steroide wie Budesonid (z. B. Budenofalk®, Entocort®) initial 3×3 mg/d, evtl. 5-Aminosalizylsäure/Mesalazin (z. B. Salofalk®, Pentasa®) 3–4 g/d p. o.! Cave 5-ASA wird nicht mehr generell zur Remissionsinduktion empfohlen, ist aber sinnvoll im Rahmen der postoperativen Remissionserhaltung!bei schwerem entzündlichem Schub systemisch wirksame Kortikosteroide, initial Prednisolon 60 mg/d, in der 2. Woche 40 mg/d, in der 3. Woche 30 mg/d, anschließend weitere Dosisreduktion um 5 mg/Woche bis zur vollständigen Remission
bei steroidrefraktärem M. Crohn Azathioprin (z. B. Imurek®) 2 mg/kg KG/d oder 6-Mercaptopurin 1 mg/kg KG/d>Memo gesicherte langjährige Wirksamkeit von Azathioprin in der Remissionserhaltung!ggf. als Reservemittel TNF-Antikörper i. v. (Infliximab, z. B. Remicade®) oder Methotrexat (MTX)
zur Fisteltherapie Metronidazol und/oder Ciprofloxacin
bei Darmstenosen ggf. endoskopische Ballondilatation
bei Komplikationen (Perforation, Ileus, Fisteln) darmerhaltende minimalchirurgische Intervention
bei sekundärer Laktoseintoleranz milchfreie Diät
bei chologener Diarrhö Cholestyramin
bei Malabsorptionssyndrom parenterale Substitution fettlöslicher Vitamine, Vitamin B12, Eisen, Elektrolyte etc.
evtl. ballaststofffreie Kost oder parenterale Ernährung im akuten Schub
Osteoporoseprophylaxe mit täglich 1000 IE Vitamin D und 1000 mg Kalzium (z. B. IDEOS®)! Cave Osteoporose infolge der Kortikosteroidtherapie!Nikotinkarenz senkt das Rezidivrisiko
regelmäßige Kontrollkoloskopien wegen des erhöhten Karzinomrisikos
Colitis ulcerosa
diffuse, chronisch schubweise verlaufende Entzündung der Kolonschleimhaut mit Ulzerationen
Erkrankung beginnt im Rektum mit kontinuierlicher, oralwärts gerichteter Ausbreitung (Rektosigmoidbefall in 50 % d. F., linksseitige Kolitis in 25 %, Pankolitis in 25 %, nur selten Mitbeteiligung des terminalen Ileums (»backwash ileitis«)
chronisch-rezidivierende Verläufe (85 % d. F.), chronisch-kontinuierliche Verläufe (10 %), akut fulminante Verläufe (5 %)
Klinik
chronische Diarrhö, z. T. blutig-schleimig
abdominelle Schmerzen
evtl. Tenesmen vor Defäkation
evtl. Fieber
Gewichtsverlust
Schweregradbeurteilung der Colitis ulcerosa anhand der klinischen Symptomatik (Tab. 5.11)
| Schweregrad | Klinische Symptomatik |
| Leichter Schub | Bis zu 4 blutig-schleimige Durchfälle pro Tag, keine Temperaturerhöhung (<37°C), geringes Krankheitsgefühl |
| Mittelschwerer Schub | 4–6 blutig-schleimige Durchfälle pro Tag, subfebrile Temperaturen (~38°C), deutliches Krankheitsgefühl |
| Schwerer Schub | Zahlreiche blutige Durchfälle (>6/d), hohes Fieber (>38°C), schweres Krankheitsgefühl, hohe Pulsfrequenz (>100/min) |
- selten extraintestinale Symptomatik
primär sklerosierende Cholangitis (PSC)>Memo Die PSC ist häufiger vergesellschaftet mit Colitis ulcerosa als mit M. Crohn!- Arthritis, Spondylitis ankylosans (HLA-B27-positiv)
- Iritis, Episkleritis, Uveitis
- Aphthen, Erythema nodosum, Pyoderma gangraenosum
bei Kindern evtl. Wachstumsstörungen
Komplikationen: massive Blutung, toxisches Megakolon, Perforation, Peritonitis, erhöhtes Risiko für kolorektale Karzinome (korreliert mit Kolonbefall und Erkrankungsdauer), selten Amyloidose
Diagnostik
bei der rektal-digitalen Untersuchung ggf. Blut
im Blutbild evtl. Anämie, Thrombozytose, Leukozytose
BSG↑, CRP↑
evtl. γGT und AP↑ bei primär sklerosierender Cholangitis
evtl. Nachweis von antineutrophilen zytoplasmatischen Antikörpern mit perinukleärem Fluoreszenzmuster (pANCA)
im Darmschall Nachweis einer Wandverdickung des Kolons
in der Ileo-Koloskopie (Stufenbiopsien!) entzündlich gerötete, ödematöse Schleimhaut mit gesteigerter Vulnerabilität und petechialen Blutungen (Kontaktblutung!), keine normale Gefäßzeichnung der Schleimhaut, kleine Ulzera mit Fibrinbelägen, im fortgeschrittenen Stadium Schleimhautzerstörung mit Haustrenverlust und »Pseudopolypen« (verbliebene Schleimhautinseln)
in der Histologie auf die Mukosa und Submukosa beschränkte Granulozyteninfiltration, Kryptenabszesse, Becherzellschwund, im fortgeschrittenen Stadium Lymphozyteninfiltration, Schleimhautatrophie und Epitheldysplasien
bakteriologische Stuhluntersuchungen
Differenzialdiagnose
M. Crohn
infektiöse Kolitis, z. B. durch Campylobacter, Shigellen, Salmonellen, E. coli, Rota-Viren, Norwalk-Virus, Entamoeba histolytica, Lamblien
pseudomembranöse Kolitis durch Clostridium-difficile-Toxine
Proktosigmoiditis durch sexuelle Übertragung von Gonokokken, Chlamydien, HSV 2
Divertikulitis, Appendizitis
M. Whipple, glutensensitive Enteropathie, Nahrungsmittelallergie
ischämische Kolitis
Reizdarmsyndrom
kollagene Kolitis und lymphozytäre Kolitis (bei makroskopisch unauffälliger Schleimhaut)
Diversionskolitis (in operativ ausgeschalteten Darmsegmenten)
medikamentös-toxische Kolitis, z. B. Ergotaminkolitis
Therapie
bei leichtem bis mittelschwerem entzündlichem Schub initial 5-Aminosalizylsäure/Mesalazin (z. B. Salofalk®, Pentasa®) 3–4 g/d p. o., anschließend Remissionserhaltungstherapie mit 1,5 g/d; bei solitärer Proktitis als Suppositorien und bei isolierter linksseitiger Kolitis als Klysma
bei distaler Kolitis und leichten Verläufen topisch wirksame Kortikosteroide wie Budesonid (z. B. Budenofalk®, Entocort®) als Klysma oder Hydrocortisonschaum (Colifoam®)
bei mittelschwerem bis schwerem entzündlichem Schub systemisch wirksame Kortikosteroide, initial Prednisolon 40–60 mg/d bis zum Erreichen der Remission, anschließend über 4 Wochen ausschleichen! Cave Maskierung einer Perforation unter Steroidtherapie möglich!bei hochakutem Schub evtl. Ciclosporin A i. v.
bei steroidrefraktärer Colitis ulcerosa Azathioprin (z. B. Imurek®)
ggf. als Reservemittel bei Therapieresistenz TNF-Antikörper i. v. (Infliximab, z. B. Remicade®)
remissionserhaltende Therapie mit 5-ASA oder bei Unverträglichkeit E. coli Nissle-Präparat (Mutaflor®), evtl. Azathioprin nach fulminantem Schub
evtl. Sondennahrung und parenterale Ernährung (bei schwerem Schub)
bei Mangelzuständen Substitutionstherapie, z. B. Eisensubstitution
Osteoporoseprophylaxe mit täglich 1000 IE Vitamin D und 1000 mg Kalzium (z. B. IDEOS®)! Cave Osteoporose infolge der Kortikosteroidtherapie!bei schwerem Schub ohne klinische Besserung unter konservativer Therapie nach drei Tagen und bei Komplikationen (toxisches Megakolon, Perforation, Sepsis, schwere Blutung) Kolektomie mit Anlage eines endständigen Ileostomas und sekundärer ileoanaler Pouch-Operation
bei histologischem Nachweis von Epitheldysplasien kontinenzerhaltende Proktokolektomie und Anlage eines ileoanalen Pouchs
nach etwa 10 Krankheitsjahren (abhängig vom Befall!) jährliche Kontrollkoloskopien einschließlich Stufenbiopsien in einer Remissionsphase zur Früherkennung des kolorektalen Karzinoms
Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)
- funktionelle Darmstörung (Ausschlussdiagnose)
- Schmerzschwelle auf Dehnungsreiz ↓
- Motorik im Sigma ↑
- Gasreflux in den Magen ↑
- pathologische Transitzeit
20–30 % der gesunden Bevölkerung, ♂:♀ = 1:2
Klinik
meist im linken Unterbauch lokalisierte Schmerzen (diffus wechselnde Lokalisation!), evtl. auch im Bereich der Kolonflexuren
abdominelles Völlegefühl, Blähungen, Obstipation oder Diarrhö
häufig morgendliche Durchfälle (niemals nachts!)
evtl. schafskotartige Stühle mit glasigen Schleimbeimengungen
Stuhldrang
Gefühl der unvollständigen Darmentleerung
vegetative Begleitsymptomatik: Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Dysurie, Reizmagen
Diagnostik
- Ausschlussdiagnostik
- unauffälliges Blutbild
- keine Entzündungszeichen
- Leber- und Pankreasenzyme normwertig
- Hämoccult®-Test negativ
- evtl. Calprotectin A/Lactoferrin im Stuhl
- bakteriologische und parasitologische Stuhldiagnostik unauffällig
- rektal-digitale Untersuchung
- Abdomensonographie, Darmschall
- Koloskopie
- evtl. erweiterte Diagnostik
- ROM-III-Kriterien für die klinische Diagnose eines Reizdarmsyndroms (abdominale Schmerzen oder Unwohlsein an mindestens drei Tagen pro Monat während der vorangegangenen drei Monate, Beginn der Symptomatik vor mindestens sechs Monaten); mindestens zwei der folgenden Zeichen müssen erfüllt sein:
- Beschwerdebesserung nach Defäkation
- bei Beschwerden Stuhlfrequenzänderung
- bei Beschwerden Stuhlkonsistenzänderung
Therapie
ärztliche Aufklärung, autogenes Training
ballaststoffreiche Kost
Wärmeanwendung oder evtl. Spasmolytika (z. B. Butylscopalamin, Buscopan®) bei Beschwerden
ggf. Fencheltee mit Karminativa (Anis, Kümmel, Pfefferminz) bei Blähungen und Völlegefühl
bei Obstipation Klysmen, Suppositorien oder evtl. milde Laxanzien
bei Diarrhö ggf. Loperamid (z. B. Imodium®) für kurze Zeit
Probiotika
evtl. Antidepressiva! Cave beim Reizdarmsyndrom mit Obstipation Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), keine trizyklischen Antidepressiva
Divertikulose, Divertikulitis
Ausstülpungen der Mukosa und Submukosa durch die Muscularis propria entlang der Gefäße (Pseudodivertikel) infolge chronischer Obstipation und Bindegewebsschwäche; gehäuftes Auftreten im Sigma und Colon descendens
seltener echte, alle Darmwandschichten umfassende Divertikel; vor allem im Zökum und Colon ascendens
durch im Divertikel retinierten Stuhl kann eine Peridivertikulitis ausgelöst werden
Alterskrankheit, 50 % der über 60-Jährigen haben eine symptomlose Divertikulose, davon erkrankt jeder Vierte an einer Divertikulitis
Klinik
die Divertikulose ist meist ein symptomloser Zufallsbefund, evtl. linksseitige Unterbauchbeschwerden bei chronischer Obstipation
- bei Sigmadivertikulitis
- akuter linksseitiger Unterbauchschmerz (»Linksappendizitis«)
- Stuhlunregelmäßigkeiten
- Flatulenz
- evtl. subfebrile Temperaturen
bei Zökumdivertikulitis Schmerzen im rechten Unterbauch
Komplikationen: perikolischer Abszess oder Douglasabszess, Perforation, Peritonitis, Stenose, Ileus, Blutung, kolovesikale und kolovaginale Fisteln
Diagnostik
bei Divertikulitis evtl. palpatorischer Nachweis eines druckschmerzhaften, walzenförmigen Tumors im linken Unterbauch, ggf. Abwehrspannung
im Labor erhöhte Entzündungsparameter (Leukozytose, BSG↑, CRP↑)
im Darmschall Kolonabschnitte mit Wandverdickung (»Targetzeichen«) und ggf. Divertikelnachweis
in der Abdomensonographie evtl. Nachweis von Abszessen
im Kolonkontrasteinlauf problemlose Divertikeldarstellung, evtl. auch in der Magen-Darm-Passage! Cave Kolonkontrasteinlauf wegen Perforationsgefahr nach Abklingen der akuten Symptome, bevorzugt mit Gastrografin!in der Abdomenübersichtsaufnahme Nachweis freier Luft bei Perforation
hochsensitiver Nachweis mittels CT und MRT
evtl. Sigmoidoskopie oder Koloskopie! Cave bei akuter Divertikulitis erhöhte Perforationsgefahr durch Luftinsufflation während endoskopischer Untersuchung!
Differenzialdiagnose
M. Crohn, Colitis ulcerosa
kolorektales Karzinom
Reizdarmsyndrom
Adnexitis, Extrauteringravidität, stielgedrehter Adnextumor
Therapie
bei Divertikulose ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr zur Stuhlregulierung, vermehrt Bewegung
- bei Divertikulitis
- Nulldiät und parenterale Ernährung
- Breitbandantibiose, z. B. Metronidazol (Clont®) und Fluorchinolone, z. B. Ciprofloxacin (Ciprobay®), Levofloxacin (Tavanic®) oder Amoxicillin und Betalaktamaseinhibitoren (Augmentan®)
- evtl. 5-Aminosalizylsäure/Mesalazin bei leichter Divertikulitis
- bei Abszedierung ggf. perkutane Drainage
- ggf. Spasmolytika
- zweizeitige Operation (Hartmann-Operation mit temporärem Anus praeter und Rektumblindverschluss) bei sofortiger bzw. dringlicher Operationsindikation infolge von Komplikationen (Perforation, Peritonitis, Fisteln, Stenosen)
- elektive, einzeitige Operation im freien Intervall bei rezidivierender Divertikulitis (nach dem zweiten Entzündungsschub)
Kolonpolypen
- jede sichtbare Gewebsvermehrung über Schleimhautniveau
- hyperplastische und entzündliche Polypen (gutartige Schleimhautveränderungen)
- tubuläre, tubulovillöse und villöse Adenome
- sessile serratierte Adenome (flach erhaben, meist im rechtsseitigen Kolon lokalisiert)
- Hamartome
Adenom-Karzinom-Sequenz bei klassischen Adenomen und Mikrosatelliteninstabilität bei serratierten Adenomen
mit der Adenomgröße zunehmendes Entartungsrisiko (>2 cm bis 40 %)
mit höherem Alter zunehmende Häufigkeit von Polypen (ca. 30 % der über 60-Jährigen)
- intestinale Polyposis-Syndrome
- familiäre adenomatöse Polyposis (Manifestationsalter >15. Lebensjahr): Mutation im APC-Tumorsuppressorgen mit autosomal-dominanter Vererbung in 75 % d. F. (Karzinomrisiko 100 %, auch Duodenalkarzinome)
- beim Gardner-Syndrom Adenomatosis coli, Osteome und Epidermoidzysten
- beim Turcot-Syndrom Adenomatosis coli und Glio-/Medulloblastome
- Cronkhite-Canada-Syndrom (Manifestationsalter >50. Lebensjahr) mit generalisierter gastrointestinaler Polypose (nur geringes Karzinomrisiko) und Diarrhöen mit Eiweiß- und Elektrolytverlusten, Hyperpigmentierung der Haut, Alopezie, Nageldystrophie
- familiäre juvenile Polyposis mit hamartomatösen Polypen und erhöhtem Karzinomrisiko, familiäre Häufung bei ca. 30 % d. F.
Peutz-Jeghers-Syndrom (Manifestationsalter 30.–40. Lebensjahr) mit hamartomatösen Dünndarmpolypen, seltener Magen-/Kolonpolypen (autosomal-dominante Vererbung und Neumutationen treten im Verhältnis 1:1 auf); Hyperpigmentierungen perioral, an Lippen und Wangenschleimhaut; gehäuft Pankreas-, Mamma-, Ovarial- und Hodenkarzinome! Cave Invaginationen und stielgedrehte Polypen können zur Infarzierung und Ileus führen!- Cowden-Syndrom mit intestinaler (hamartomatöser) Polyposis, fazialen und akralen Papeln, Mundschleimhautpapillomen, Vitiligo, hamartomatösen Mamma- und Schilddrüsentumoren
Klinik
meist symptomlos, selten Diarrhö
Komplikationen: peranale Blutungen, Stenosierung, maligne Entartung
Diagnostik
rektal-digitale Untersuchung
Rektoskopie und Ileo-Koloskopie einschließlich Polypektomie und histologischer Untersuchung! Cave bei einem Drittel d. F. Nachweis multipler Polypen!zum Ausschluss von Dünndarmpolypen Hydro-MRT oder Videokapselendoskopie
Therapie
endoskopische Abtragung mit der Biopsiezange oder mit der Diathermieschlinge
bei sehr großen, breitbasig aufsitzenden Polypen Resektion des Darmabschnittes
bei familiärer adenomatöser Polyposis prophylaktische Proktokolektomie mit ileoanaler Pouchoperation vor dem 20. Lebensjahr
regelmäßige endoskopische Nachsorge bei Adenomen; zunächst Erstkontrolle nach einem Jahr, anschließend bei polypenfreiem Darm alle 3 Jahre, bei multiplen Adenomen alle 2 Jahre! Cave Risiko einer schnelleren Progression serratierter Läsionen (»Intervallkarzinome«), deshalb nach kompletter Abtragung ggf. verkürztes Kontrollintervall!
Kolorektales Karzinom
- Risikofaktoren
- hoher Fett- und Eiweißkonsum, geringer Ballaststoffgehalt der Nahrung und Übergewicht
- langjähriger Nikotin- und Alkoholabusus
- kolorektale Adenome
- chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
- genetische Faktoren: positive Familienanamnese für kolorektale Karzinome (erstgradige Verwandte!); familiäre Syndrome
- familiäre Polyposis-Syndrome, z. B. familiäre adenomatöse Polyposis (obligate Präkanzerose!)
- hereditäres, nicht-polypöses kolorektales Karzinom (HNPCC-Syndrom, Lynch-Syndrom): Mutation von DNA-Reparaturgenen mit autosomal-dominantem Erbgang (Manifestationsalter um das 45. Lebensjahr), v. a. proximal lokalisierte Kolonkarzinome, häufig Adenokarzinome anderer Organe, z. B. Endometrium-, Ovarial-, Magen- und Urothelkarzinom (in Kombination mit Talgdrüsentumoren Muir-Torre-Syndrom)
Mehr als zwei Drittel aller Dickdarmkarzinome finden sich im Rektosigmoid, der aborale Tumorrand eines Rektumkarzinoms liegt weniger als 16 cm von der Anokutanlinie entfernt.
- 95 % aller Karzinome entwickeln sich aus einem Adenom
- bei klassischen Adenomen (70-80 %) durch Aktivierung von Onkogenen, z. B. K-ras, und Inaktivierung von Tumorsuppressorgenen, z. B. APC-Gen (»adenomatous polyposis coli«), DCC-Gen (»deleted in colorectal carcinoma«), p53-Gen (Adenom-Karzinom-Sequenz)
- bei serratierten Adenomen (20-30 %) infolge einer Mikrosatelliteninstabilität (primäre Schlüsselmutation im BRAF-Gen mit Störung der Apoptose der Kryptenepithelien)
90 % aller Fälle treten nach dem 50. Lebensjahr auf, ab dem 40. Lebensjahr Verdopplung der Inzidenz alle 10 Jahre, zweithäufigstes Karzinom des Mannes und der Frau, Lebenszeitprävalenz ca. 6 %
5-Jahresüberlebensrate ist abhängig vom Tumorstadium: 90–95 % im Stadium I, 60–90 % im Stadium II, 30–60 % im Stadium III, <10 % im Stadium IV
Klinik
initial klinisch häufig asymptomatisch
sichtbares/okkultes Blut im Stuhl
Änderung der Stuhlgewohnheiten, z. B. »falscher Freund« (Flatus mit Stuhlabgang), paradoxe Diarrhö, »Bleistiftstühle«
abdominelle Schmerzen
Leistungsschwäche, Blässe (Anämie), Gewichtsverlust, Fieber
Komplikation: Obstruktion (Ileus) v. a. bei linksseitigem Kolonkarzinom>Memo aufgrund der noch flüssigen Stuhlkonsistenz sind Karzinome im Colon ascendens lange Zeit klinisch stumm!
Diagnostik
evtl. abdominell tastbare Resistenz (v. a. bei rechtsseitigem Kolonkarzinom)
In der rektal-digitalen Untersuchung werden ca. 10 % der kolorektalen Karzinome erfasst.
im Blutbild evtl. Blutungsanämie
Koloskopie einschl. Probenentnahmen! Cave multiple Adenokarzinome in 2–5 % aller Fällehistologisch »Low-grade«-Karzinome (G1 und G2), »High-grade«-Karzinome (G3: schlecht differenzierte (nicht-)muzinöse Adenokarzinome, G4: undifferenzierte kleinzellige und Siegelringzellkarzinome)
ggf. 3D-MRT (»virtuelle Koloskopie«) oder Kolonkontrasteinlauf
im Rahmen des Stagings Spiral-CT des Abdomens und Beckens, evtl. Angio-CT der Leber, Abdomensonographie, RöntgenThorax
evtl. transrektaler Ultraschall zur Beurteilung der Tiefenausdehnung eines Rektumkarzinoms
ggf. Zystoskopie und gynäkologische Untersuchung zum Ausschluss entsprechender Organinfiltrationen
vor Therapiebeginn Bestimmung der Tumormarker CEA (carcino-embryonales Antigen) und CA 19-9 für die Nachsorge
im Rahmen der Rezidivdiagnostik ggf. FDG(Fluor-Desoxyglukose)-PET oder Radioimmunoszintigraphie mit 99mTc-markierten CEA-Antikörpern
primäre hämatogene Metastasierung in Leber und Lunge>Memo hepatische Metastasierung bei 25 % aller Patienten bereits im Rahmen der Erstdiagnoselymphogene Metastasierung des Rektumkarzinoms in Abhängigkeit von der Tumorlokalisation (Tab. 5.12)
| Tumorlokalisation | Lokalisation ab ano (cm) | Lymphogene Ausbreitung |
| Tiefsitzend | 0–4 | Paraaortale und inguinale Lymphknoten, Beckenwand |
| Mittlere Etage | 4–8 | Paraaortale Lymphknoten, Beckenwand |
| Hochsitzend | 8–16 | Paraaortale Lymphknoten |
Stadieneinteilung nach TNM-System (Tab. 5.13)
Stadieneinteilung nach Union International Contre le Cancer (UICC, 2010), (Tab. 5.14)
| T | Primärtumor |
| Tis | Carcinoma in situ (intraepithelial oder Infiltration der Lamina propria mucosae) |
| T1 | Tumor infiltriert Submukosa |
| T2 | Tumor infiltriert Muscularis propria |
| T3 | Tumor infiltriert Subserosa oder nicht-peritonealisiertes perikolisches/perirektales Gewebe |
| T4 | Tumor perforiert das viszerale Peritoneum oder infiltriert angrenzende Organe, z. B. Vagina, Prostata, Blase, Ureter, Nieren |
| – T4a | Tumor perforiert viszerales Peritoneum |
| – T4b | Tumor infiltriert direkt in andere Organe oder Strukturen |
| N | Lymphknotenbefall |
| N1 | Befall von 1–3 perikolischen/perirektalen Lymphknoten |
| – N1a | Metastase in 1 regionären Lymphknoten |
| – N1b | Metastasen in 2–3 regionären Lymphknoten |
| – N1c | Tumorknötchen bzw. Satellit(en) im Fettgewebe der Subserosa oder im nicht-peritonealisierten perikolischen/perirektalen Fettgewebe ohne regionäre Lymphknotenmetastasen |
| N2 | Befall von ≥4 perikolischen/perirektalen Lymphknoten |
| – N2a | Metastasen in 4–6 regionären Lymphknoten |
| – N2b | Metastasen in ≥7 regionären Lymphknoten |
| M | Metastasierung |
| M1 | Fernmetastasen |
| – M1a | Metastasen auf ein Organ beschränkt (Leber, Lunge, Ovar, nicht-regionäre Lymphknoten) |
| – M1b | Metastasen in mehr als einem Organ oder im Peritoneum |
| Stadium | T | N | M | Dukes |
| 0 | Tis | N0 | M0 | |
| I | T1, T2 | N0 | M0 | A |
| IIA | T3 | N0 | M0 | B |
| IIB | T4a | N0 | M0 | |
| IIC | T4b | N0 | M0 | |
| III | Jedes T | N1, N2 | M0 | C |
| IIIA | T1 | N2a | M0 | |
| T1, T2 | N1a | M0 | ||
| IIIB | T1, T2 | N2b | M0 | |
| T2, T3 | N2a | M0 | ||
| T3, T4a | N1 | M0 | ||
| IIIC | T4a | N2a | M0 | |
| T3, T4b | N2b | M0 | ||
| T4b | N1, N2 | M0 | ||
| IVA | Jedes T | Jedes N | M1a | D |
| IVB | Jedes T | Jedes N | M1b |
Therapie
- bei Rektumkarzinomen
- im oberen und mittleren Drittel sphinkter-/kontinenzerhaltende anteriore Rektumresektion
- im unteren Drittel abdominoperineale Rektumexstirpation mit Anlage eines Kolostomas (Hartmann-Operation) (distaler Tumorrand <5 cm von der Anokutanlinie entfernt)
- evtl. transanale Lokalexzision bei Frühkarzinomen
beim Kolonkarzinom »En-bloc«-Resektion mit Mesenterium und Entfernung des regionalen Lymphabflussgebietes in »No-touch«-Technik (Hemikolektomie, Transversumresektion oder radikale Sigmaresektion)
evtl. Resektion solitärer Leber- und Lungenmetastasen
bei Rektumkarzinom im fortgeschrittenen Stadium (UICC II–III) ggf. neoadjuvante Radio-/Chemotherapie (5-FU) mit dem Ziel der Operabilität
- bei Kolonkarzinom
- im Stadium II postoperativ adjuvante FluoropyrimidinMonotherapie (z. B. Capecitabin, orales 5-FU Prodrug)
- im Stadium III adjuvante Chemotherapie mit 5-FU, Folinsäure und Oxaliplatin (FOLFOX)
- im Stadium IV palliative Chemotherapie mit 5-FU, Folinsäure und Oxaliplatin oder Irinotecan (FOLFIRI), evtl. zusätzliche Gabe von Anti-VEGF-Antikörpern (z. B. Bevacizumab, Avastin®) oder Anti-EGF-Antikörpern (Cetuximab, Erbitux®)
evtl. palliative lokale Therapieverfahren, z. B. Kryo-, Laser-, Radiofrequenztherapie oder operative Anlage von Umgehungsanastomosen bzw. eines Anus praeter! Cave bei Nicht-Risikopersonen Vorsorgekoloskopie ab dem 50. Lebensjahr, anschließend alle 8–10 Jahre (bei unauffälligem Befund!)
Pankreaserkrankungen
Akute Pankreatitis
Entzündung der Bauchspeicheldrüse mit gestörter exokriner und evtl. endokriner Funktion
- häufige Ursachen einer akuten Pankreatitis
- meist akute biliäre Pankreatitis (45 % aller Fälle)
- Alkoholpankreatitis (35 %)
- idiopathische Pankreatitis (15 %)
- seltene Ursachen einer akuten Pankreatitis
- medikamentös-toxische Pankreatitis (z. B. durch Glukokortikosteroide, Thiazide, Tetracycline, Carbamazepin, Ciclosporin A, Azathioprin)
- virale Pankreatitis (z. B. Mumps, Coxsackie)
- bei juxtapapillärem Duodenaldivertikel
- bei massiver Hypertriglyzeridämie
- bei primärem Hyperparathyreoidismus
- posttraumatisch oder iatrogen nach ERCP
- bei Pancreas divisum
- nach Pankreastransplantation (postischämisch, durch Abstoßungsreaktion oder CMV-Infektion)
- hereditäre Pankreatitis (Mutation des kationischen Trypsinogens oder des Serinprotease-Inhibitors Kazal Typ 1)
- Schweregrade der akuten Pankreatitis
- leichte (früher: »ödematöse«) Pankreatitis (ca. 80 % d. F.)
- schwere (früher: »nekrotisierende«) Pankreatitis mit hoher Letalität (ca. 20 %)
Klinik
starke epigastrische Schmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken (häufig gürtelförmig), meist um 8–12 h verzögert nach alimentärem oder Alkoholexzess
Übelkeit, Erbrechen, Meteorismus
evtl. Fieber
evtl. Ikterus
periumbilikale bläuliche Flecken (Cullen-Zeichen) oder im Flankenbereich (Grey-Turner-Zeichen) bei schwerer Pankreatitis mit Nekrosen
Komplikationen: Darmparese (paralytischer Ileus), bakterielle Superinfektionen der Nekrosen, Abszessbildung, Pseudozysten, Milzvenen-/Pfortaderthrombose, Arrosionsblutungen, Sepsis, Kreislaufschock, Verbrauchskoagulopathie, ARDS, akutes Nierenversagen
Diagnostik
palpatorisch elastische Bauchdeckenspannung (»Gummibauch«)
perkutorisch und auskultatorisch evtl. Pleuraerguss
im Labor Entzündungszeichen (CRP↑, Leukozytose), Lipase, ggf. auch Elastase 1 und Amylase im Serum ↑, LDH↑, Phospholipase A2↑, ggf. bei biliärer Pankreatitis γGT↑, AP↑, LAP↑, direktes Bilirubin↑, evtl. Hyperglykämie, Hypokalzämie (prognostisch ungünstig), Proteinurie
in der Sonographie unscharf begrenzte Pankreasloge, hypodense Organstruktur, Nachweis von Abszessen, Pseudozysten, evtl. Aszitesnachweis, ggf. Darstellung eines Gallensteins und einer extrahepatischen Cholestase
in der Abdomenübersicht geblähte Darmschlingen, evtl. Pankreasverkalkungen (bei chronisch rezidivierender Pankreatitis)
im Thoraxröntgenbild evtl. Plattenatelektasen, Pleuraergüsse, basale Pneumonie
Angio-CT zur Beurteilung des Schweregrades einer akuten Pankreatitis selten und nur im Intervall indiziert
ERCP (endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie) mit Papillotomie bei akut biliärer Pankreatitis, ggf. MRCP
ggf. Feinnadelpunktion bei nekrotisierender Pankreatitis zur zytologischen und mikrobiologischen Diagnostik
Differenzialdiagnose
akutes Abdomen, z. B. Nierenkolik, Gallenkolik, Ulkusperforation, mechanischer Ileus, akute Appendizitis, Angina visceralis, Mesenterialinfarkt, Extrauteringravidität
Pankreaskarzinom
Lungenembolie, basale Pneumonie
Hinterwandinfarkt, Aneurysma dissecans
akute Porphyrie, Praecoma diabeticum, Addison-Krise, Sichelzellanämie mit vasookklusiver Krise (»Pseudoperitonitis«)
Enzymanstieg bei Parotitis, akutem Abdomen, Niereninsuffizienz, Makroamylasämie oder familiärer idiopathischer Hyperamylasämie
Therapie
intensivmedizinische Überwachung und engmaschige Kontrolluntersuchungen bei schweren Verlaufsformen
Nahrungskarenz bis zur Schmerzfreiheit, ggf. nasojejunale Sondenernährung oder bei protrahiertem Verlauf ausreichend parenterale Ernährung>Memo bei Beschwerdefreiheit langsamer Kostaufbauausreichende parenterale Volumen- und Elektrolytsubstitution (Ziel-ZVD 6–10 cm H2O)
Analgesie, z. B. mit Tramadol (Tramal®), Buprenorphin (Temgesic®), Piritramid (Dipidolor®) oder Pethidin (Dolantin®), evtl. Procain-Infusion! Cave Mit Ausnahme von Pethidin können Morphinderivate einen Papillenspasmus auslösen!Stressulkusprophylaxe mit Protonenpumpeninhibitoren
Thromboembolieprophylaxe
bei schwerer Pankreatitis evtl. Antibiotikaprophylaxe mit Imipenem/Meropenem oder Ciprofloxacin und Metronidazol
- Therapie auftretender Komplikationen
- bei inkarzeriertem Gallenstein endoskopische Papillotomie mit Steinextraktion und Intervallcholezystektomie
- perkutane Katheterdrainage großer, symptomatischer Pseudozysten, bei Abszessen zusätzliche Spülung
- bei infizierten Pankreasnekrosen ggf. digitale Nekrosektomie und Lavage der Pankreasloge
Chronische Pankreatitis
chronische, meist progressive Veränderungen des Pankreasparenchyms (fokale Nekrosen, segmentale oder diffuse Fibrose, Kalzifikation)
Sonderform: obstruktive chronische Pankreatitis (Obstruktion des Gangsystems mit Atrophie)
- Ursachen einer chronischen Pankreatitis
- meist chronischer Alkoholabusus (70–90 % aller Fälle)
- idiopathisch (15 %)
- selten hereditär, medikamentös-toxisch, bei Hyperparathyreoidismus, Hyperlipoproteinämie, zystischer Fibrose, Pancreas divisum
Klinik
rezidivierende Oberbauchschmerzen mit gürtelförmiger Ausstrahlung bis in den Rücken! Cave im Spätstadium wieder Schmerzfreiheit!Übelkeit, Erbrechen
ggf. rezidivierender Ikterus
evtl. Thrombophlebitis
evtl. latenter Diabetes mellitus als Zeichen der endokrinen Pankreasinsuffizienz
- evtl. Maldigestion als Zeichen der exokrinen Pankreasinsuffizienz
- Gewichtsverlust
- Diarrhö, Steatorrhö, Meteorismus
- Ödem
- selten Nachtblindheit, Gerinnungsstörungen, Osteomalazie
Komplikationen: Pseudozysten, Abszesse, Milzvenen-/Pfortaderthrombose, Stenose des Pankreasgangsystems und des Ductus choledochus, evtl. Duodenalstenose, Pankreaskarzinom
Diagnostik
bei entzündlichem Schub evtl. Pankreasenzyme↑
im Sekretin-Pankreozymin-Test direkter Nachweis einer exokrinen Pankreasinsuffizienz (aufwendig, selten indiziert)
im Pankreolauryl-Test Bestimmung renal ausgeschiedenen Fluoresceins im Urin nach oraler Gabe von Fluorescein-Dilaurat (Spaltung durch pankreasspezifische Arylesterasen)
Chymotrypsin- und Elastase-1-Konzentration im Stuhl ↓
in der Abdomensonographie und in der Abdomenleeraufnahme Nachweis von Pankreasverkalkungen, evtl. sonographischer Nachweis von Pseudozysten
in der ERCP bzw. MRCP Nachweis von Kaliberunregelmäßigkeiten der Pankreasgänge, evtl. von Pankreasgangsteinen
im CT detaillierter Nachweis morphologischer Veränderungen, z. B. Pseudozysten
Therapie
absolute Alkoholkarenz
- bei exokriner Pankreasinsuffizienz
kohlenhydrat- und eiweißreiche, fettarme Kost, ggf. ergänzt um mittelkettige Fettsäuren (z. B. Ceres-Margarine)>Memo Mittelkettige Fettsäuren können ohne Spaltung resobiert werden!- Substitution von Pankreasenzymen (Pankreasfermentpräparate mit hohem Lipasegehalt), z. B. Pankreatin (Kreon®, Pankreon®, Panzytrat®)
- ggf. parenterale Substitution fettlöslicher Vitamine
bei endokriner Pankreasinsuffizienz Insulintherapie! Cave alkoholinduzierte Hypoglykämien; ausreichend Pankreasenzyme substituieren!zurückhaltende Schmerztherapie, evtl. Beseitigung schmerzauslösender Faktoren, z. B. endoskopische Papillotomie, Extraktion von Pankreasgangsteinen mittels Fangkörbchen, Ballondilatation von Gangstenosen und Stenteinlage, ggf. transpapilläre Drainage von Pseudozysten, extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL)
ggf. Pankreatikojejunostomie bei Pankreasgangobstruktion, Zystojejunostomie bei großer Pseudozyste
bei therapieresistenten Schmerzen und Komplikationen duodenumerhaltende Pankreaskopfresektion
Pankreaskarzinom
hochmaligner Tumor der Bauchspeicheldrüse; meist vom Gangepithel ausgehendes Adenokarzinom; duktales Karzinom versus azinäres Karzinom 10:1; in 80 % d. F. Lokalisation im Pankreaskopf
Alkohol- und Nikotinkonsum gelten als Risikofaktoren, ggf. genetische Disposition (familiäres Pankreaskarzinom, hereditäre Pankreatitis)
Aktivierung des Onkogens K-ras und Inaktivierung der Tumorsuppressorgene p53, p16 und DPC4
Altersgipfel zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr; dritthäufigster Tumor des Gastrointestinaltraktes nach Kolon- und Magenkarzinom
5-Jahresüberlebensrate gesamt <1 %
Klinik
keine Frühsymptome
unspezifische Oberbauchbeschwerden
Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
Ikterus (bei Papillenkarzinomen frühzeitiger cholestatischer Ikterus)
Rückenschmerzen
rezidivierende Thrombophlebitiden (Thrombophlebitis migrans) und Thrombosen
evtl. pathologische Glukosetoleranz
Diagnostik
palpatorisch prallelastische, schmerzlose Gallenblase (in Kombination mit Verschlussikterus positives Courvoisier-Zeichen)
evtl. Lipase↑ bei Begleitpankreatitis
in der Abdomensonographie unregelmäßige Organbegrenzung, inhomogene Schallechos, Aufstau des Gallengangs und Aufweitung des Ductus Wirsungianus, ggf. Endosonographie
in ERCP oder MRCP Darstellung von Gangabbrüchen, prästenotischen Gangdilatationen und Gefäßabbrüchen
Spiral-CT, Angio-CT oder MRT, MR-Angio
ggf. Magen-Darm-Passage zum Nachweis einer Magenausgangs- oder Duodenalstenose
Tumormarker CA 19-9 und CA 50 zur Verlaufskontrolle
ggf. zytologische Untersuchung des Pankreassekrets
Stadieneinteilung nach TNM-System (Tab. 5.15)
Stadieneinteilung nach Union International Contre le Cancer (UICC, 2010) (Tab. 5.16)
| T | Primärtumor |
| T1 | Tumor auf Pankreas begrenzt, Tumorgröße ≤2 cm |
| T2 | Tumor auf Pankreas begrenzt, Tumorgröße >2 cm |
| T3 | Tumor breitet sich jenseits des Pankreas aus, jedoch ohne Infiltration des Truncus coeliacus oder der A. mesenterica superior |
| T4 | Tumor infiltriert Truncus coeliacus oder A. mesenterica superior |
| N | Lymphknotenbefall |
| N1 | Befall regionärer Lymphknoten |
| M | Metastasierung |
| M1 | Fernmetastasen |
| Stadium | T | N | M |
| IA | T1 | N0 | M0 |
| IB | T2 | N0 | M0 |
| IIA | T3 | N0 | M0 |
| IIB | T1, T2, T3 | N1 | M0 |
| III | T4 | Jedes N | M0 |
| IV | Jedes T | Jedes N | M1 |
Therapie
Pankreaskopfresektion nach Whipple, evtl. pyloruserhaltende partielle Duodenopankreatektomie bzw. Pankreaslinksresektion mit Splenektomie bei Pankreasschwanzkarzinomen
adjuvante Chemotherapie mit Gemcitabin (Gemzar®) in den UICC-Stadien I–III, ansonsten palliative Chemotherapie mit Gemcitabin in Kombination mit Erlotinib (Tarceva®)
bei Ikterus endoskopische Stenteinlage in den Ductus choledochus, biliodigestive Anastomose, perkutane transhepatische Cholangiodrainage
bei Magenausgangsstenose Gastroenterostomie
adäquate Schmerztherapie, ggf. Blockade des Ganglion coeliacum
Neuroendokrine Tumoren (NET)
Neuroendokrine Tumoren des Dünndarms, Kolons und Rektums
epitheliale Tumoren des diffusen neuroendokrinen Systems, fakultativ mit Produktion von Serotonin und Kallikrein
Lokalisation: Appendix (45 %; häufiger Zufallsbefund (1:300) nach Appendektomie), Ileum/Jejunum (30 %), Kolon und Rektum (10 %)
Häufigkeitsgipfel zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr
Klinik
bei nicht funktionellen neuroendokrinen Tumoren Stenosesymptomatik
»Karzinoid-Syndrom« erst nach Lebermetastasierung>Memo Serotonin wird durch Monoaminooxidasen in der Leber abgebaut!- Flush mit Gesichts- und Halsrötung, Hitzewallung, anfallsweise Herzrasen, Schwitzen
- krampfartige Bauchschmerzen, explosionsartige Diarrhö, Gewichtsverlust, evtl. intermittierender Subileus
- Endokardfibrose des rechten Herzens mit Pulmonalisstenose (Hedinger-Syndrom)
- evtl. Asthmaanfälle
- evtl. Teleangiektasien
- evtl. pellagraartige Hautveränderungen (Tryptophanmangel infolge der pathologischen Serotoninproduktion durch die Tumorzellen)
Diagnostik
5-Hydroxyindolessigsäure (Abbauprodukt des Serotonins) im 24-h-Sammelurin ↑, nur bei großen Tumoren oder Metastasierung
Chromogranin A im Serum ↑
Somatostatinrezeptor-Szintigraphie
Endosonographie, MRT einschl. MRCP und MR-Angio, Spiral-CT zur Darstellung des Tumors
Abdomensonographie und CT-Abdomen zur Metastasensuche
Echokardiographie
ggf. Bronchoskopie
Differenzialdiagnose
systemische Mastozytose
Therapie
Resektion des Primärtumors und regionärer Lymphknoten
bei Karzinoid-Syndrom Hemmung der Hormonsekretion durch Somatostatin-Analoga, z. B. Octreotid (Sandostatin®), alternativ α-IFN (nebenwirkungsreicher)
bei neuroendokrinen Tumoren mit SomatostatinrezeptorExpression evtl. Radionuklidtherapie
selten palliative Chemotherapie, z. B. mit Streptozotocin und 5-FU
bei entdifferenziertem, metastasiertem NET Polychemotherapie wie bei kleinzelligem Bronchialkarzinom
Insulinom
in 90 % d. F. solitärer Tumor, in 10 % multipel, evtl. im Rahmen einer multiplen endokrinen Neoplasie vom Typ 1 (MEN 1)
Klinik
Spontanhypoglykämien (<45 mg/dl) bei Nahrungskarenz
adrenerge und neuroglukopenische Symptome: Schweißausbrüche, Muskelzittern, Tachykardien, Heißhunger, Schwindel, Verwirrtheit, Verhaltensänderung, Parästhesien, Krämpfe, Koma
Diagnostik
im 72-h-Hungerversuch (Fastentest) unter Provokation einer symptomatischen Hypoglykämie fehlende physiologische Insulinsuppression (Insulin/Glukose-Quotient [(µU/ml)/(mg/dl)] >0,3)
Proinsulin↑
ggf. selektive Insulinbestimmung mittels Pfortaderkatheter
Endosonographie, MRT, MRCP und MR-Angio (»One-stop-shop«-MRT), PET-CT, Spiral-CT zur Lokalisation des Tumors
Somatostatinrezeptor-Szintigraphie
Therapie
operative Entfernung des Adenoms
Hemmung der Insulinsekretion durch Diazoxid (Proglicem®) oder Octreotid (Sandostatin®)
bei neuroendokrinen Tumoren mit SomatostatinrezeptorExpression evtl. Radionuklidtherapie
Gastrinom (Zollinger-Ellison-Syndrom)
in 75 % d. F. sporadisch auftretender Tumor, in 25 % d. F. im Rahmen einer multiplen endokrinen Neoplasie vom Typ 1 (MEN 1)
meist maligner Tumor (60–70 % d. F.)
Klinik
rezidivierende, therapieresistente Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre infolge exzessiver Säureproduktion
evtl. atypisch lokalisierte Ulzera im Jejunum
Diarrhö, Steatorrhö infolge irreversibler Inaktivierung der Lipase
Diagnostik
erhöhte Serumgastrinspiegel (>1000 ng/l)! Cave Hypergastrinämie auch unter Therapie mit PPI, bei Autoimmungastritis, H.-p.-Gastritis, Magenausgangsstenose und Niereninsuffizienzim Provokationstest mit Sekretin Anstieg des Gastrinspiegels um mehr als 100 %
endoskopischer Nachweis multipler, teilweise auch atypisch lokalisierter Ulzera
Endosonographie, MRT einschl. MRCP und MR-Angio, PET-CT, Spiral-CT zur Darstellung des Tumors
Somatostatinrezeptor-Szintigraphie
Therapie
bei fehlenden Metastasen kurative Tumorresektion
hochdosiert Protonenpumpeninhibitoren
Hemmung der Hormonsekretion durch Somatostatin-Analoga, z. B. Octreotid (Sandostatin®)
evtl. Radionuklidtherapie oder Chemotherapie
Erkrankungen der Leber
Hepatitis A
diffuse Entzündung der Leber durch HAV (RNA-Virus; Picorna-Virus)
häufigste akute Virushepatitis in Deutschland, meist Urlaubsrückkehrer, in Europa Süd-Nord-Gefälle
fäkal-orale Übertragung>Memo Isolierung bei Kleinkindern und stuhlinkontinenten PatientenInkubationszeit: 15–50 Tage
fast 100 % Spontanheilungsrate (Letalität bei den über 50-Jährigen etwa 3 %)
Hepatitis-A-Patienten sind während der HAV-Ausscheidung im Stuhl infektiös (2 Wochen vor und nach Krankheitsbeginn).
Klinik
asymptomatischer Verlauf in 70 % d. F., v. a. bei Kindern
- akute Virushepatitis
- Prodromalstadium mit grippaler Symptomatik über maximal eine Woche (Abgeschlagenheit, Inappetenz, Temperaturerhöhung)
- Druckschmerz im rechten Oberbauch, evtl. Diarrhö
- Organmanifestation mit Hepatomegalie, evtl. Splenomegalie und Lymphknotenvergrößerungen
- häufig anikterischer Verlauf (70 % der erwachsenen Patienten, >90 % der Kinder)
- ikterischer Verlauf mit Pruritus, dunklem Urin und hellen, entfärbten Stühlen
Komplikationen: cholestatischer Verlauf (5 %), protrahierter/ rezidivierender Verlauf (>3 Monate), fulminante Hepatitis (Hepatitis A: 0,2 %) mit akutem Leberversagen
Diagnostik
evtl. Gammaglobuline↑
GPT↑↑, GOT↑ (De-Ritis-Quotient <1)
bei ikterischem Verlauf Serumbilirubin↑, Bilirubin und Urobilinogen im Urin ↑
bei cholestatischem Verlauf γGT und AP ↑
bei fulminantem Verlauf Cholinesterase↓, Quick↓, evtl. Albumin↓
Serumeisen↑
in der serologischen Diagnostik bei akuter Infektion Nachweis von Anti-HAV-IgM
evtl. serologischer Nachweis früherer Infektionen mittels Anti-HAV-IgG (lebenslang nachweisbar)
evtl. Nachweis von HAV-RNA im Stuhl
Therapie
Isolation bei stuhlinkontinenten Hepatitis-A-Patienten und Kindern
körperliche Schonung (Bettruhe)
Alkoholkarenz und soweit möglich Verzicht auf alle Medikamente! Cave Kortikosteroide sind in der Therapie der Virushepatitis kontraindiziert!prophylaktisch aktive Immunisierung zum Schutz vor Hepatitis A (formalininaktivierte Vakzine, z. B. Havrix®, HAV pur®)
Postexpositionsprophylaxe bei Hepatitis A als simultane Aktiv-/Passivimmunisierung mit normalem Immunglobulin (humanes Standardimmunglobulin) innerhalb von 10 d
Hepatitis B
diffuse Entzündung der Leber durch HBV (DNA-Virus, elektronenmikroskopisch sog. Dane-Partikel; Hepadna-Virus)
Prävalenz in der deutschen Bevölkerung ca. 0,6 %, sog. Serum- oder Transfusionshepatitis
parenterale, sexuelle oder perinatale Übertragung
Inkubationszeit: 30–180 Tage
Spontanheilungsrate bei immunkompetenten Erwachsenen ca. 95 %
Hepatitis-B-Patienten sind potenziell infektiös solange HBs-Ag positiv ist, bei positivem HBe-Ag erhöhte Infektiosität, mittels HBV-DNA kann das Infektionsrisiko abgeschätzt werden
chronische Hepatitis B nach 6 Monaten ohne Ausheilung der akuten Virushepatitis (fehlende Viruselimination, persistierende Virusreplikation)
fehlende Viruselimination bei 5–10 % der HBV-Infizierten>Memo HBV-DNA ist Prognosemarker bei HBV-Persistenz
Klinik
Symptomatik der akuten Virushepatitis
- Symptomatik der chronischen Virushepatitis
- Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsminderung, evtl. vegetative Labilität
- Oberbauchbeschwerden, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
- Arthralgien oder flüchtiges Exanthem in 5–10 % aller HBV-Infektionen (durch Immunkomplexbildung des HBs-Ag mit Anti-HBs)
- ggf. Ikterus und dunkler Urin
- Menstruationsstörungen, evtl. Amenorrhö bzw. Hodenatrophie, Gynäkomastie, Hypotrichose
- bei chronischer Hepatitis B evtl. extrahepatische Manifestationen, z. B. Panarteriitis nodosa, membranoproliferative Glomerulonephritis
Komplikationen: cholestatischer Verlauf (5 %), protrahierter/ rezidivierender Verlauf (>3 Monate), fulminante Hepatitis (Hepatitis B: 1 %) mit akutem Leberversagen, Viruspersistenz (Hepatitis B: 5 %), Leberzirrhose, primäres Leberzellkarzinom
Diagnostik
evtl. Hepatomegalie, evtl. Splenomegalie
im Blutbild bei Hypersplenismus Leukozytopenie, Thrombozytopenie
evtl. Gammaglobuline↑
GPT↑↑, GOT↑ (De-Ritis-Quotient <1)
bei ikterischem Verlauf Serumbilirubin↑, Bilirubin und Urobilinogen im Urin ↑
bei cholestatischem Verlauf γGT und AP ↑
bei fulminantem Verlauf Cholinesterase↓, Quick↓, evtl. Albumin↓
Serumeisen↑
in der serologischen Diagnostik bei akuter Infektion Nachweis von Anti-HBc-IgM
direkter Antigennachweis: HBs-Ag, HBV-DNA (bis zu vier Wochen vor HBs-Ag nachweisbar)
Bei chronischer Hepatitis B persistieren HBe-Ag und HBV-DNA. Anti-HBe und Anti-HBs sind nicht nachweisbar (fehlende Serokonversion).! Cave HBe-minus-Mutanten verursachen in Deutschland 50 % der chronischen Hepatitis- B-Fälle!- hochreplikative Phase: Transaminasen↑, HBV-DNA und HBe-Ag im Serum nachweisbar, hohe Infektiosität
- niedrigreplikative Phase: Transaminasen normwertig, Anti-HBc, Anti-HBe und HBs-Ag positiv
- Ausheilung: sowohl HBV-DNA als auch HBs-Ag sind nicht mehr nachweisbar, Bildung von Anti-HBs
evtl. serologischer Nachweis früherer Infektionen mittels Anti-HBs (Marker für die Ausheilung einer Hepatitis B) und Anti-HBc-IgG (Durchseuchungsmarker)
mittels Abdomensonographie einschl. Elastographie (Fibroscan), CT, MRT, ggf. Laparoskopie Beurteilung der Lebermorphologie
in der Leberstanzbiopsie bei akuter Hepatitis B histologischer Nachweis von Einzelzellnekrosen und nekrotischen Zellresten (Councilman-Körperchen), ballonierte Hepatozyten, lymphozytäre Infiltration der Glisson-Felder und Proliferation der Kupffer-Sternzellen, ggf. Nachweis von HBc-Ag (»Core«-Antigen) und HBe-Antigen (»Envelope«-Antigen, sekretorische Form des HBc-Ag) in Leberzellkernen, HBs-Ag (»Surface«-Antigen) im Zytoplasma
in der Leberstanzbiopsie bei chronischer Hepatitis B Nachweis von »Milchglashepatozyten« infolge der vermehrten Synthese von HBs-Ag mit Hyperplasie des endoplasmatischen Retikulums; histologische Klassifizierung der chronischen Hepatitis hinsichtlich entzündlicher Aktivität und Ausmaß der Fibrosierung
bei chronischer Virushepatitis halbjährliche Screeninguntersuchung auf hepatozelluläres Karzinom mittels Abdomensonographie und α-Fetoprotein (AFP)
Therapie
körperliche Schonung (Bettruhe)
Alkoholkarenz und soweit möglich Verzicht auf alle Medikamente! Cave Kortikosteroide sind in der Therapie der Virushepatitis kontraindiziert! bei chronischer Virushepatitis mit entzündlicher Aktivität (Transaminasenerhöhung auf das Doppelte der Norm) α-Interferon über 24–48 Wochen, z. B. pegyliertes Interferon alfa-2a (Pegasys®) (Therapieerfolg: 40–50 %)! Cave bei dekompensierter Leberzirrhose keine α-Interferon-Therapie wegen drohender Befundverschlechterung – Kontraindikation! bei chronischer Hepatitis B ohne Ansprechen auf α-Interferon Lamivudin (Epivir®) 100 mg/d über mindestens 1 Jahr, Tenofovir (Viread®) 245 mg/d oder Entecavir (Baraclude®) 0,5/1,0 mg/d bei nukleosid-naiven/Lamivudin-refraktären Patienten oder Telbivudin (Sebivo®) (Therapieerfolg: 40–70 %)! Cave Resistenz von HBV-Polymerasegen-Mutanten gegenüber Nukleosidanaloga>Memo Bei HBe-Ag-negativer chronischer Hepatitis wird Entecavir in der Primärtherapie eingesetzt! prophylaktisch aktive Immunisierung zum Schutz vor Hepatitis B (gentechnisch hergestelltes HBs-Ag, z. B. Engerix®, Gen HB-Vax®), ggf. Hepatitis-A-/-B-Impfstoff (Twinrix®)>Memo Eine Impfung bedeutet einen gleichzeitigen Schutz vor HDV-Simultaninfektionen!! Cave HBV-»immune-escape«-Mutanten können Anti-HBs-Antikörpern entgehen!Postexpositionsprophylaxe bei Hepatitis B als simultane Aktiv-/Passivimmunisierung mit Hepatitis-B-Hyperimmunglobulin innerhalb von 48 h
Hepatitis C
diffuse Entzündung der Leber durch HCV (RNA-Virus; Flavi-Virus)
Prävalenz in Deutschland ca. 0,4 %, in Europa Süd-Nord-Gefälle, Non-A-non-B-Posttransfusionshepatitis
parenterale, perinatale, selten sexuelle Übertragung
Inkubationszeit: 15–180 Tage
Spontanheilungsrate bei symptomatischen Patienten ca. 50 %
Hepatitis-C-Patienten gelten bei positivem HCV-RNA-Nachweis als infektiös.
chronische Hepatitis C nach 6 Monaten ohne Ausheilung der akuten Virushepatitis (fehlende Viruselimination, persistierende Virusreplikation)
HCV ist verantwortlich für 70 % aller chronischen Virushepatitiden und 30 % aller hepatozellulären Karzinome.
Innerhalb von 10–20 Jahren entwickeln etwa 20 % der Patienten mit chronischer Hepatitis eine Leberzirrhose, davon entwickeln innerhalb von 5 Jahren 10–15 % ein hepatozelluläres Karzinom.
Klinik
Symptomatik der akuten Virushepatitis
- Symptomatik der chronischen Virushepatitis
- bei chronischer Hepatitis C evtl. extrahepatische Manifestationen, z. B. Kryoglobulinämie, membranoproliferative Glomerulonephritis, autoimmune Thyreoiditis, Sjögren-Syndrom, Porphyria cutanea tarda
Komplikationen: cholestatischer Verlauf (5 %), protrahierter/rezidivierender Verlauf (>3 Monate), fulminante Hepatitis (Hepatitis C: selten) mit akutem Leberversagen, Viruspersistenz (Hepatitis C: 50 % der symptomatischen Patienten und >95 % der asymptomatischen Patienten), Leberzirrhose, primäres Leberzellkarzinom
Diagnostik
evtl. Hepatomegalie, evtl. Splenomegalie
im Blutbild bei Hypersplenismus Leukozytopenie, Thrombozytopenie
evtl. Gammaglobuline↑
GPT↑↑, GOT↑ (De-Ritis-Quotient <1)
bei ikterischem Verlauf Serumbilirubin↑, Bilirubin und Urobilinogen im Urin ↑
bei cholestatischem Verlauf γGT und AP ↑
bei fulminantem Verlauf Cholinesterase↓, Quick↓, evtl. Albumin↓
Serumeisen↑
direkter Antigennachweis: HCV-RNA und Genotypisierung zur Prognoseabschätzung vor Therapiebeginn! Cave serologisch diagnostische Lücke von 1–5 Monaten post infectionem! bei chronischer Hepatitis C Persistenz von Anti-HCV, HCV-RNA als Beweis der Virusreplikation (Infektiosität), evtl. Transaminasen, AP und γGT ↑ (in 50 % d. F.)>Memo Anti-HCV-IgM ist ein Aktivitätsmarker der Hepatitis C, aber klinisch nicht relevant.! Cave evtl. Nachweis von Autoantikörpern: ANA und Anti-LKM in 20 % d. F.mittels Abdomensonographie einschl. Elastographie (Fibroscan), CT, MRT, ggf. Laparoskopie Beurteilung der Lebermorphologie
in der Leberstanzbiopsie bei akuter Hepatitis C histologischer Nachweis von Einzelzellnekrosen und nekrotischen Zellresten (Councilman-Körperchen), ballonierte Hepatozyten, lymphozytäre Infiltration der Glisson-Felder und Proliferation der Kupffer-Sternzellen
histologische Klassifizierung der chronischen Hepatitis hinsichtlich entzündlicher Aktivität und Ausmaß der Fibrosierung
bei chronischer Virushepatitis halbjährliche Screeninguntersuchung auf hepatozelluläres Karzinom mittels Abdomensonographie und α-Fetoprotein (AFP)
Therapie
körperliche Schonung (Bettruhe)
Alkoholkarenz und soweit möglich Verzicht auf alle Medikamente! Cave Kortikosteroide sind in der Therapie der Virushepatitis kontraindiziert!bei akuter Hepatitis C Interferon-α oder pegyliertes Interferon-α über 24 Wochen (in >95 % d. F. gelingt Viruselimination)
bei chronischer Hepatitis C Kombination von Peginterferon alfa-2a (Pegasys®) oder alfa-2b (PegIntron®) mit Ribavirin über 24–48 Wochen (Therapieerfolg: 50–75 %), zusätzlich Boceprevir (Victrelis®) oder Telaprevir (Incivo®) bei HCV Genotyp 1
Aufgrund der hohen Diversität des Virus schützt eine abgelaufene HCV-Infektion nicht vor Reinfektion.
Andere Formen der Virushepatitis (Hepatitis D und E)
- diffuse Entzündung der Leber
- durch HDV (inkomplettes RNA-Virus): Viroid; HBs-Ag notwendig für die Replikation
- weltweites Vorkommen, endemisch z. B. im Mittelmeerraum
- etwa 5 % der HBV-Träger
- parenterale, sexuelle oder perinatale Übertragung
- Inkubationszeit: 30–180 Tage
- bei Simultaninfektion mit HBV ca. 90 % Spontanheilungsrate, bei Superinfektion meist chronische Verläufe
- durch HEV (RNA-Virus): Hepe-Virus
- natürliches Reservoir in Tieren, z. B. Schweine, Schafe, Ratten
- endemisches Vorkommen in Asien, Nordafrika, Mittel- und Südamerika
fäkal-orale Übertragung>Memo Isolierungsmaßnahmen wie bei Hepatitis-A-Patienten- Inkubationszeit: 15–60 Tage
- Spontanheilungsrate ca. 98 %
Klinik
Symptomatik der akuten Virushepatitis
Symptomatik der chronischen Virushepatitis
Komplikationen: cholestatischer Verlauf (5 %), protrahierter/rezidivierender Verlauf (>3 Monate), fulminante Hepatitis (Hepatitis D: >2 %; Hepatitis E: 3 %, bei Schwangeren bis 20 %) mit akutem Leberversagen, Viruspersistenz (Hepatitis D: >90 % bei Superinfektion bzw. 5 % bei Simultaninfektion mit HBV), primäres Leberzellkarzinom
Diagnostik
evtl. Gammaglobuline↑
GPT↑↑, GOT↑ (De-Ritis-Quotient <1)
bei ikterischem Verlauf Serumbilirubin↑, Bilirubin und Urobilinogen im Urin ↑
bei cholestatischem Verlauf γGT und AP ↑
bei fulminantem Verlauf Cholinesterase↓, Quick↓, evtl. Albumin↓
Serumeisen↑
in der serologischen Diagnostik bei akuter Infektion Nachweis von Anti-HDV-IgM, Anti-HEV-IgM
bei Superinfektion eines HBs-Ag-Trägers mit HDV ist Anti-HBc-IgM negativ, bei Simultaninfektionen positiv
bei chronischer Hepatitis B/D Nachweis von Anti-HDV, HDV-RNA und HBs-Ag
evtl. Nachweis von HEV-RNA im Stuhl
Therapie
körperliche Schonung (Bettruhe)
Alkoholkarenz und soweit möglich Verzicht auf alle Medikamente
prophylaktisch aktive Immunisierung zum Schutz vor Hepatitis B (gentechnisch hergestelltes HBs-Ag, z. B. Engerix®, Gen HB-Vax®)>Memo Eine Hepatitis-B-Impfung schützt gleichzeitig vor HDV-Simultaninfektionen!
Autoimmunhepatitis
70 % Frauen, Häufigkeitsgipfel zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr; familiäre Disposition (assoziiert mit HLA-B8, HLA-DR3 oder HLA-DR4); Autoimmunhepatitis vom Typ II überwiegend bei Kindern
Klinik
Leistungsminderung
rechtsseitige Oberbauchschmerzen, Ikterus
gelegentlich Palmarerythem und Spider naevi
im Spätstadium Aszites, Ösophagusvarizenblutungen und Enzephalopathie
gehäuft assoziiert mit extrahepatischen Autoimmunerkrankungen, z. B. rheumatoide Arthritis, Autoimmunthyreoiditis, Colitis ulcerosa, Vitiligo
Diagnostik
Transaminasen↑
Cholinesterase, Quick und Albumin ↓
IgG↑
- Nachweis von Autoantikörpern
- klassische (lupoide) autoimmune Hepatitis (Typ I): antinukleäre Antikörper (ANA), Antikörper gegen das F-Actin der glatten Muskulatur (SMA), evtl. Antikörper gegen lösliches zytoplasmatisches Leberzellantigen (SLA)
- LKM1-positive autoimmune chronisch aktive Hepatitis (Typ II): »liver-kidney-microsome«-Antikörper (LKM1)
histologisch chronisch aktive Hepatitis mit entzündlicher Infiltration der Portalfelder und Übergreifen auf das Leberparenchym (»Mottenfraßnekrosen«) sowie Ausbildung intralobulärer Septen
Therapie
Kortikosteroide in Kombination mit Azathioprin bis zur kompletten Remission, anschließende Weiterbehandlung über mindestens 2 Jahre! Cave Kalzium und Vitamin D zur Osteoporoseprophylaxe
Nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) und nichtalkoholische Steatohepatitis (NASH)
in den Industrieländern etwa 20-30 % der Erwachsenen, meist infolge einer Adipositas oder eines Typ-2-Diabetes (90 % aller Fälle)
evtl. iatrogen durch Therapie mit Glukokortikoiden, synthetischen Östrogenen, Amiodaron, durch parenterale Ernährung, nach ausgedehnter Dünndarmresektion oder Pankreatikoduodenektomie
Klinik
evtl. unspezifische Oberbauchbeschwerden bei Steatohepatitis
Diagnostik
γGT↑, ggf. Transaminasen↑
De-Ritis-Quotient (GOT/GPT) <1
in der Abdomensonographie meist homogen verdichtete Leber mit distaler Schallabschwächung, selten inhomogene Verfettung (landkartenähnliche echoreiche Areale), evtl. fokale Minderverfettungen (meist im Gallenblasenbett), abgerundeter Leberunterrand
- in der Leberstanzbiopsie histologische Differenzierung
- Leberverfettung bzw. Steatose (>5 % der Leberzellen sind verfettet)
- Fettleber (NAFLD) (<50 % der Leberzellen sind verfettet)
- Steatohepatitis (NASH) (entzündliche Infiltrate, Leberzellschaden, evtl. Fibrose)
Therapie
Normalisierung des Körpergewichts
Optimierung einer Diabetestherapie
Absetzen auslösender Medikamente
Alkoholtoxische Leberschäden
in Industrieländern bis zu 50 % aller Lebererkrankungen
kritische Grenze eines regelmäßigen Alkoholkonsums für Männer 40 g/d, Frauen 20 g/d
weitere Risikofaktoren: genetische Disposition, Mangelernährung, Vorerkrankungen und individuell unterschiedliche Alkoholabbauraten
Klinik
bei alkoholischer Fettleber meist asymptomatisch
rechtsseitige Oberbauchbeschwerden
Appetitlosigkeit, Übelkeit, Gewichtsverlust
Ikterus
Komplikationen: Zieve-Syndrom (Alkoholfettleber/-hepatitis und Hyperlipidämie und hämolytische Anämie), Leberzirrhose, portale Hypertension, evtl. fulminante Hepatitis, Hypoglykämien (Glukoneogenese↓)
Diagnostik
palpatorisch ggf. deutliche Hepatomegalie, evtl. Splenomegalie bei Fettleberzirrhose
MCV↑
bei chronischem Alkoholabusus CDT↑ (»carbohydrate deficient transferrin«)
γGT↑, evtl. Transaminasen↑, De-Ritis-Quotient (GOT/GPT) >1
IgA↑
bei Leberinsuffizienz Cholinesterase, Quick und Albumin ↓
in der Abdomensonographie meist homogen verdichtete Leber mit Schallabschwächung, selten inhomogene Verfettung, evtl. fokale Minderverfettungen, abgerundeter Leberunterrand
- in der Leberstanzbiopsie histologische Differenzierung der alkoholinduzierten Steatose
- reine Fettleber (Steatosis hepatis) ohne Entzündung
- Fettleberhepatitis (Fettleber mit entzündlicher Reaktion)
- Fettzirrhose (mikronoduläre Leberzirrhose)
evtl. Laparoskopie
Therapie
Alkoholabstinenz
bei schwerer alkoholtoxischer Steatohepatitis evtl. Glukokortikoide
Toxische Hepatopathien
Biotransformation von Medikamenten und Arzneimitteln durch Oxidation (Zytochrom-P450-Monooxygenasesystem) und Konjugation (z. B. mittels UDP-Glukuronyltransferase an Glukuronsäure)
- Hepatotoxine
- dosisabhängige, direkt hepatotoxische Wirkung bei allen Exponierten (kurze Latenz bis zur Leberschädigung)
- dosisunabhängige, indirekt hepatotoxische Wirkung nur bei einigen Personen infolge von Enzymdefekten oder Hypersensibilitätsreaktionen (wahrscheinlich durch Autoantikörper gegen neu gebildetes Hapten)
Klinik
Leberschäden in Abhängigkeit von der auslösenden Noxe (Tab. 5.17)
| Medikament/Noxe | Möglicher Leberschaden |
| Isoniazid, Methyldopa | Akute Hepatitis, chronisch-aktive Hepatitis |
| Halothan, Paracetamolintoxikation, Tetrachlorkohlenstoff | Fulminante Hepatitis |
| Organische Lösungsmittel, Tetracycline | Fettleber |
| Chlorpromazin, Thyreostatika, Ajmalin, östrogenhaltige Kontrazeptiva | Intrahepatische Cholestase |
| Minocyclin, α-Interferon | Autoimmune Hepatitis |
| Sulfonamide | Cholestase/HepatitisMischtyp |
| Östrogenhaltige Kontrazeptiva | Adenome, fokal noduläre Hyperplasien |
| Vinylchlorid, Arsen, Thorotrast | Angiosarkome |
Reye-Syndrom: Fettleberhepatitis mit heftigem Erbrechen, Hypoglykämie und hepatischer Enzephalopathie bei Kindern <15. Lebensjahr, meist nach Einnahme von Acetylsalicylsäure bei respiratorischem Infekt (bis zu 50 % d. F. enden letal)
Diagnostik
Medikamentenanamnese
Leberstanzbiopsie mit histologischer Untersuchung
Therapie
Absetzen des verdächtigen Medikamentes bzw. Meiden der auslösenden Noxe
Hämochromatose
primäre hereditäre Hämochromatose durch gesteigerte duodenale Eisenresorption (>3fache) infolge eines genetischen Defektes (Mutation im HFE-Gen)
- sekundäre Hämosiderosen
- transfusionsassoziiert bei Thalassämie, myelodysplastischem Syndrom
- alkoholische Siderose
- im Rahmen chronischer Lebererkrankungen
♂:♀ = 10:1; bei adulter Hämochromatose Manifestationsalter 30.–50. Lebensjahr, Prävalenz 1:1000, autosomal-rezessiver Erbgang, 90 % d. F. homozygote Anlageträger der C282Y-Mutation im HFE-Gen; bei juveniler Hämochromatose Manifestationsalter <30. Lebensjahr, andere Genmutationen
Klinik
klinische Trias aus Leberzirrhose, Diabetes mellitus und Hyperpigmentierung der Haut (»Bronzediabetes«) selten
Hepatomegalie, evtl. Splenomegalie
dilatative digitalisrefraktäre Kardiomyopathie, ggf. Herzrhythmusstörungen
Hypogonadismus und andere Endokrinopathien durch Eisenablagerungen in endokrinen Organen
Arthralgien (häufig Frühsymptom)
Komplikation: hepatozelluläres Karzinom
Diagnostik
Serumeisen↑, Transferrinsättigung↑ (>45 %), Ferritin↑ (>300 µg/l)
in der Leberstanzbiopsie Nachweis des erhöhten Eisengehaltes
im Leber-CT erhöhte Leberdichte, evtl. semiquantitative Abschätzung des Eisengehaltes mittels MRT
molekulargenetische Untersuchung zum Nachweis einer HFE-Genmutation (Familienscreening)
regelmäßige Abdomensonographie und Bestimmung des AFP zur Früherkennung eines hepatozellulären Karzinoms
Therapie
bei primärer Hämochromatose regelmäßige Aderlässe, initial 2×500 ml wöchentlich bis zum Auftreten einer Anämie, im weiteren Verlauf 4–8× jährlich ausreichend (Ziel-Hb >12 g/dl; Ferritin <50 µg/l), ggf. Erythroapharese zur Vermeidung von Eiweißverlusten (Gesamteiweiß >6 g/dl)
ggf. Deferoxamin (Desferal®) i. v. oder Deferasirox (Exjade®) p. o. bei transfusionsbedingten Siderosen oder bei Kontraindikationen für Aderlässe, z. B. Herzinsuffizienz, Anämie
M. Wilson (hepatolentikuläre Degeneration)
verminderte biliäre Kupferausscheidung mit konsekutiv pathologischer Kupferüberladung von Leber, Gehirn, Augen, Nieren etc.
Prävalenz ca. 1:30.000; autosomal-rezessiver Erbgang einer Mutation im Wilson-Gen (kodiert für P-Typ ATPase mit Kupfertransportfunktion)
Klinik
im Kindesalter (ab dem 6. Lebensjahr) Manifestation als Lebererkrankung, z. B. Fettleber, fulminante Hepatitis, Leberzirrhose
ggf. hämolytische Krisen, v. a. bei akutem Leberversagen
ab dem 10.–15. Lebensjahr neurologische Symptomatik (40 % d. F.), z. B. Rigor, Tremor, Dysarthrie, katatone Psychose, Demenz
Kayser-Fleischer-Kornealring mit goldbraun-grüner Verfärbung infolge eingelagerter Kupfergranula, evtl. Katarakt
Nierensteine, Nephrokalzinose, Niereninsuffizienz mit Proteinurie infolge Tubulusschädigung
Kardiomyopathien, evtl. mit Herzrhythmusstörungen
Diagnostik
Coeruloplasmin↓ (<20 mg/dl)
Serumkupfer gesamt ↓ (<60 µg/dl), freies Serumkupfer ↓ (>10 µg/dl)
Kupferausscheidung im Urin ↓ (>80 µg/24h)
gesteigerte Kupferausscheidung im 24-h-Sammelurin unter D-Penicillamin
intravenöser Radiokupfertest (64Cu-Kinetik)
im Leberstanzzylinder erhöhter Kupfergehalt (>250 µg/g Trockengewicht)
ggf. molekulargenetischer Nachweis einer Mutation im Wilson-Gen (Familienscreening)
Therapie
kupferarme Diät
D-Penicillamin, ggf. bei schweren Nebenwirkungen (aplastische Anämie, Myasthenia gravis, Lupus erythematodes, Goodpasture-Syndrom, nephrotisches Syndrom) Triethylen-TetraminDihydrochlorid (Trientin) oder/und Zink
bei Leberzirrhose Lebertransplantation (Beseitigung des Gendefekts)
α1-Antitrypsinmangel (α1-Proteaseinhibitormangel)
α1-Antitrypsin (Akutphaseprotein mit Hauptbildungsort in der Leber) → Inaktivierung von Serumproteasen, z. B. Elastase, Chymotrypsin, Trypsin, Kollagenase
Klinik
in den ersten Lebensmonaten cholestatischer Ikterus
im Erwachsenenalter Leberzirrhose (10–20 % d. F.) infolge gestörter Sekretion mit Retention des veränderten α1-Antitrypsins in den Hepatozyten
Lungenemphysem
Diagnostik
in der Serumeiweißelektrophorese α1-Globulin↓↓↓
α1-Antitrypsin↓ (bei homozygoter schwerer Form <50 mg/dl; bei heterozygoter leichter Form 50–250 mg/dl)
in der Leberstanzbiopsie Nachweis PAS-positiven Materials im Lebergewebe
Therapie
Nikotinkarenz
bei schwerem Mangel Substitution des α1-Antitrypsins! Cave Gabe von α1-Antitrypsin kontraindiziert bei Leberveränderungenggf. Lebertransplantation
M. Gaucher
autosomal-rezessiv vererbte lysosomale Speicherkrankheit
Glukozerebrosidasemangel mit Akkumulation von Glukozerebrosid in Zellen des Monozyten-Makrophagen-Systems (Kupffer-Zellen, rote Milzpulpa, Osteoklasten, Alveolarmakrophagen, Gliazellen)
vermehrt bei Ashkenazi-Juden und Türken
Klinik
- viszerale Form
- Hepatomegalie
- Splenomegalie
- Osteolysen/-nekrosen mit krisenartigen Knochenschmerzen
- Anämie
- restriktive/obstruktive Atemwegserkrankungen mit rezidivierenden Atemwegsinfekten
- akut neuronopathische Form (<2. Lebensjahr)
- Gliose
- Schluckstörungen
- evtl. Anfallsleiden
- chronisch neuronopathische Form (>2. Lebensjahr)
- allgemeine Entwicklungsverzögerung
- okuläre Symptomatik
Diagnostik
Glukozerebrosidase-Aktivität in Leukozyten
Chitotriosidase im Plasma (Synthese durch Gaucher-Zellen)
Therapie
Enzymersatztherapie (wöchentliche Infusion rekombinanter humaner Glukozerebrosidase)
Leberzirrhose
- meist irreversibler Parenchymumbau mit Zerstörung der Läppchenstruktur, Bindegewebsvermehrung und Ausbildung von Regeneratknoten
- Alkoholabusus (ca. 60 % d. F.)
- Virushepatitis (ca. 30 % d. F.)
- NASH, Autoimmunhepatitis, primär biliäre Zirrhose, primär sklerosierende Cholangitis, Stoffwechselerkrankungen der Leber, kardiale Zirrhose und andere
funktionelle Folgen sind Leberinsuffizienz, portale Hypertension, Minderperfusion der Leber infolge intrahepatischer portosystemischer Shunts
♂:♀ = 2:1
Klinik
Müdigkeit, Leistungsschwäche
evtl. Druck- und Völlegefühl im Oberbauch
Inappetenz, Gewichtsverlust
Malnutrition, Kachexie
Leberhautzeichen: Lackzunge/-lippen, Spider naevi, Palmar-/Plantarerythem, Geldscheinhaut, Teleangiektasien, Juckreiz, Weißnägel, Dupuytrensche Kontraktur
beim Mann Verlust männlicher Sekundärbehaarung (»Bauchglatze«), Gynäkomastie, Potenzstörungen, Hodenatrophie
bei der Frau gestörter Menstruationszyklus, evtl. sekundäre Amenorrhö
evtl. Ikterus
Komplikationen: hämorrhagische Diathese, portale Hypertension, hepatische Enzephalopathie, hepatozelluläres Leberzellkarzinom
Diagnostik
inspektorisch erweiterte Kollateralvenen an der Thoraxwand, im Abdominalbereich und periumbilikal! Cave sog. »Caput medusae« nur bei offener V. umbilicalis!palpatorisch initial ggf. vergrößerte Leber von derber Konsistenz, im Verlauf durch Leberschrumpfung häufig nicht mehr palpabel, evtl. Splenomegalie
Quick↓ (Vitamin-K-abhängige Gerinnungsfaktoren des Prothrombinkomplexes: II, VII, IX, X ↓), Antithrombin↓, Cholinesterase↓, Serumalbumin↓
im Koller-Test nach i. v. Gabe von Vitamin K keine Normalisierung des Quick-Wertes
Hypergammaglobulinämie
Bilirubin↑, evtl. AP↑↑↑
evtl. Transaminasen↑ bei entzündlicher Aktivität
ggf. Thrombozytopenie bei Hypersplenismus und infolge reduzierter hepatischer Thrombopoetinbildung
evtl. Ammoniak↑
in der Abdomensonographie wellige Leberoberfläche, abgerundeter Leberunterrand, inhomogene Parenchymstruktur, rarefizierte Lebervenen, evtl. Aszitesnachweis, Splenomegalie, ggf. in der Farbduplexsonographie Flussverlangsamung oder -umkehr in der Pfortader
Leberpunktion, einschl. histopathologischer Untersuchung mit Nachweis der zerstörten Läppchen- und Gefäßstruktur sowie bindegewebiger Septen
ggf. Elastographie (Fibroscan) zum Fibrose- bzw. Zirrhosenachweis, ggf. Leber-CT
in der laparoskopischen Untersuchung makroskopische Beurteilung der Leberoberfläche und morphologische Einteilung der Leberzirrhose in mikronodulär (Regeneratknoten <3 mm), makronodulär (Regeneratknoten >3 mm) oder gemischtknotig
ätiologische Diagnostik
Prognoseabschätzung bei Leberzirrhose anhand klinischer und laborchemischer Parameter (Tab. 5.18)
| Anzahl der Punkte | 1 | 2 | 3 |
| Bilirubin (mg/dl) | <2,0 | 2,0–3,0 | >3,0 |
| Albumin (g/dl) | >3,5 | 2,8–3,5 | <2,8 |
| Quick (%) | >70 | 40–70 | <40 |
| Aszites | 0 | Mild–moderat | Ausgeprägt |
| Enzephalopathie | 0 | Gering (I–II) | Fortgeschritten (III–IV) |
| Summe der Punkte | Stadium | Leberfunktion | 1-JahresMortalität |
| 5–6 | Child A | Gut | 0 % |
| 7–9 | Child B | Mäßig | 15 % |
| 10–15 | Child C | Schlecht | 65 % |
Therapie
Alkoholabstinenz, keine hepatotoxischen Medikamente
ausgewogene Diät mit ausreichender Kalorien- und Eiweißzufuhr, evtl. Eiweißrestriktion bei beginnender hepatischer Enzephalopathie
ggf. Vitaminsubstitution, z. B. Folsäure und Vitamin B1 (Thiamin) bei Alkoholismus
Therapie einer der Leberzirrhose zugrunde liegenden Erkrankung
Therapie auftretender Komplikationen, z. B. Varizenblutungen
regelmäßige Kontrolluntersuchungen zur Früherkennung eines hepatozellulären Karzinoms (Lebersonographie und AFP alle 6 Monate)
ggf. Lebertransplantation
Portale Hypertension
- Druckanstieg im Pfortadersystem >13 mmHg (Normwerte 3–13 mmHg) mit konsekutiver Ausbildung von Umgehungskreisläufen (portokavale Kollateralen)
- porto-gastro-ösophageal
- umbilikal (Cruveilhier-von-Baumgarten-Syndrom)
- mesenteriko-hämorrhoidal
- gastro-phreno-(supra)renal
- Krankheiten mit portaler Hypertension
- mit prähepatischem Block, z. B. Pfortaderthrombose
- mit intrahepatischem Block (>90 % d. F.)
- präsinusoidal, z. B. Bilharziose, myeloproliferatives Syndrom, Lebermetastasen, primär biliäre Zirrhose
- sinusoidal, z. B. Leberzirrhose
- postsinusoidal, z. B. Venenverschlusssyndrom
- mit posthepatischem Block, z. B. Budd-Chiari-Syndrom (Verschluss der Lebervenen), Rechtsherzinsuffizienz, Trikuspidalinsuffizienz, Pericarditis constrictiva
Klinik
Hypersplenismus-Syndrom (insbesondere bei prähepatischem Block)
Varizenblutungen (ca. 30 % aller Patienten mit Leberzirrhose)
bei Aszites Zunahme des Bauchumfangs mit Vorwölbung des Abdomens und ausladenden Flanken, evtl. Nabelhernie, Dyspnoe infolge des Zwerchfellhochstandes, Gewichtszunahme
spontan bakterielle Peritonitis (bei portaler Hypertension ca. 15 % der Patienten mit Aszites), evtl. Fieber, nur selten mit abdominellen Beschwerden
hepatorenales Syndrom (ca. 10 % aller Patienten mit Leberzirrhose) mit progredienter Abnahme der glomerulären Filtrationsrate infolge renaler Vasokonstriktion und verminderter Ausscheidung freien Wassers (evtl. infolge einer spontan bakteriellen Peritonitis oder einer oberen gastrointestinalen Blutung)
hepatopulmonales Syndrom mit Lungenfunktionsstörung (Hypoxämie)
Diagnostik
ggf. klinischer Nachweis von Aszites und Kollateralvenen
bei Hypersplenismus Thrombozytopenie, Leukozytopenie und Anämie
bei hepatorenalem Syndrom Kreatinin >1,5 mg/dl und Kreatinin-Clearance <40 ml/min
in der Abdomensonographie Nachweis einer Splenomegalie und freier Flüssigkeit; sonographische Beurteilung des Portalvenensystems und der Lebervenen (Nachweis portokavaler Kollateralen, evtl. Flussumkehr in der Pfortader mittels Duplexsonographie)
ggf. invasive Druckmessung (Lebervenenverschlussdruck)
in der Ösophago-Gastroskopie Nachweis von Ösophagus-, Korpus- und Fundusvarizen, evtl. mit »red colour signs« oder aktiver Blutung
- diagnostische Aszitespunktion und laborchemische, mikrobiologische und zytologische Untersuchung der Aszitesflüssigkeit (Tab. 5.19)
- Transsudat bei Leberzirrhose, Budd-Chiari-Syndrom, Rechtsherzinsuffizienz, Pericarditis constrictiva, nephrotischem Syndrom, exsudativer Enteropathie
- Exsudat bei malignem Aszites, Peritonitis, Pankreatitis
- bei spontan bakterieller Peritonitis im Aszitespunktat >250 Granulozyten/µl; kultureller Nachweis von E. coli (50 % d. F.), grampositiven Kokken, Klebsiellen etc.
| Unterscheidungskriterium | Transsudat | Exsudat |
| Spezifisches Gewicht | <1016 g/l | >1016 g/l |
| Eiweißgehalt | <2,5 g/dl | >2,5 g/dl |
| Serum-/Aszites-Albuminquotient | >1,1 | <1,1 |
Therapie
Therapie der Grunderkrankung
- bei Varizenblutung
- Volumensubstitution, Erythrozytenkonzentrate (Ziel-Hb >9 g/dl), »Fresh-frozen«-Plasma (FFP) und endoskopische Blutstillung mittels Ligaturen oder durch Sklerosierung mit Macrogollaurylether (Aethoxysklerol®), evtl. auch mit Fibrinkleber
- Ballontamponade massiv blutender Ösophagusvarizen mit Sengstaken-Blakemore-Sonde oder Minnesota-Sonde und von Fundusvarizen mit Linton-Nachlas-Sonde
- in der Akutsituation portale Drucksenkung mit Terlipressin 1 mg i. v. alle 4-6 h oder Somatostatin initial 3,5 µg/kg KG über 1 min i. v., dann Dauerinfusion 3,5 µg/kg KG/h
- Magensonde, abführende Maßnahmen (Lactulosegabe, Einläufe), Eiweißrestriktion zur Prophylaxe eines Leberkomas
bei erhöhtem Risiko einer Varizenblutung Primärprophylaxe mit nichtselektiven Betablockern, z. B. Propranolol, evtl. Ligaturbehandlung, ggf. zur Sekundärprophylaxe im Stadium Child A/B zusätzlich Anlage eines portokavalen Shunts (transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt [TIPS], distaler splenorenaler Shunt [Warren-Shunt], portokavale End-zu-Seit-Anastomose [PCA])
- bei Aszites
- Natriumrestriktion, Flüssigkeitsbilanzierung
Aldosteronantagonisten (z. B. Spironolacton [Aldactone®] 100–200 mg/d), evtl. Schleifendiuretikum (Furosemid [Lasix®] 20–40 mg/d oder Torasemid [Unat®] 5 mg/d)! Cave erhöhtes Risiko für prärenales Nierenversagen bei forcierter Diuretikatherapie, tägliche Ausschwemmung <500 ml- evtl. Parazentese (Aszitespunktion und Albumingabe 6–8 g/l Aszites)
bei spontan bakterieller Peritonitis Cephalosporine der 3. Generation (z. B. Cefotaxim, Ceftriaxon) oder Fluorchinolone (z. B. Ciprofloxacin, Levofloxacin), evtl. Dauerprophylaxe mit Gyrasehemmern
bei hepatorenalem Syndrom Somatostatin-Analoga (z. B. Octreotid [Sandostatin®], Terlipressin [Haemopressin®]) oder α-Sympathomimetika (z. B. Noradrenalin [Arterenol®], Midodrin [Gutron®]) zusammen mit Albumin, evtl. transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt (TIPS)
Hepatische Enzephalopathie
zentralnervöse Störung bei schweren Lebererkrankungen mit Anhäufung neurotoxischer Stoffe, z. B. Ammoniak, Mercaptan, Phenole, γ-Aminobuttersäure
mögliche auslösende Faktoren: eiweißreiche Kost oder Alkoholexzess, Varizenblutungen (Ammoniakbildung im Darm ↑), fieberhafte Infekte (Katabolismus↑), Alkalose (Diffusion von freiem Ammoniak ins Gehirn ↑), intensive Diuretikatherapie, Sedativa (v. a. Benzodiazepine), Analgetika
Klinik
Stadieneinteilung des Coma hepaticum anhand neurologischer Kriterien (Tab. 5.20)
| Koma-Stadium | Bewusstseinslage | Flapping- Tremor (Asterixis) | EEG-Veränderung |
| I (Prodromalstadium) | Stimmungsschwankungen, leichte Verwirrung, Konzentrationsschwäche, Verlangsamung, Schlafstörungen | Leicht | Keine |
| II (drohendes Koma) | Schläfrigkeit, Apathie | Vorhanden | Triphasische Wellen |
| III (Stupor) | Patient schläft die meiste Zeit, erweckbar, Korneal- und Sehnenreflexe erhalten, beginnender Foetor hepaticus | Noch vorhanden | Triphasische Wellen |
| IV (tiefes Koma) | Patient reagiert nicht mehr auf Schmerzreize, tiefer Schlaf, fehlender Kornealreflex, deutlicher Foetor hepaticus | Meistens fehlend | Delta-Wellen |
Diagnostik
Schriftproben, Rechentest, Zahlenverbindungstest (Reitan-Test)
in der Flimmerfrequenzanalyse verminderte Wahrnehmungsfähigkeit für Flimmerfrequenzen
evtl. Ammoniak im Blut ↑ (>100 µg/dl)
evtl. respiratorische Alkalose durch Hyperventilation (Wirkung des Ammoniaks!)
Therapie
kausale Therapie der Leberzirrhose und auslösender Faktoren der hepatischen Enzephalopathie
ausreichende Kalorienzufuhr (2000 kcal/d), überwiegend als Kohlenhydrate, Proteinrestriktion (0,5 g/kg KG/d), evtl. verzweigtkettige Aminosäuren bei Eiweißreduktion <50 g/d
ggf. L-Ornithin-L-Aspartat (Hepa-Merz®, stimuliert die extrahepatische Ammoniakentgiftung durch Steigerung der Harnstoffsynthese im Harnstoffzyklus)
abführende Maßnahmen (Lactulosegabe, Einläufe), evtl. nichtresorbierbare Antibiotika zur Reduktion der ammoniakbildenden Darmflora, z. B. Paromomycin (Humatin®)
Akutes Leberversagen
fulminanter (innerhalb von 7 d), akuter (8–28 d), subakuter/ protrahierter (>4 Wochen) Ausfall der Leberfunktionen
- Ursachen
- Virushepatitis (30 % aller Fälle; Hepatitis B>A>C)
- hepatotoxische Medikamente (Halothan), Drogen (Ecstasy) oder Chemikalien (Tetrachlorkohlenstoff)
- Intoxikation (Paracetamol, Knollenblätterpilz)
- selten akute Schwangerschaftsfettleber, HELLP-Syndrom, Schockleber, M. Wilson etc.
Klinik
Ikterus
Bewusstseinsstörungen infolge hepatischer Enzephalopathie
Flapping-Tremor
Foetor hepaticus, Hyperventilation (Ammoniakwirkung!)
Gerinnungsstörungen
arterielle Hypotonie (Vasodilatation)
Komplikationen: Hirnödem, gastrointestinale Blutungen, Hypoglykämien (Glukoneogenese↓), akutes Nierenversagen, Sepsis (gesteigerte Infektneigung)
Diagnostik
Bilirubin↑, evtl. Transaminasen↑
Ammoniak↑
Quickwert↓(INR >1,5), evtl. Thrombozytopenie
Hypoglykämie
Alkalose
Hypokaliämie
Sonographie mit Duplex der Pfortader und Lebervenen
evtl. EEG und Hirndruckmessungen
Therapie
kausale Therapie, z. B. nach Intoxikationen Magenspülung, forcierte Diurese, Plasmapherese, außerdem bei Paracetamolintoxikation Acetylcystein, nach Knollenblätterpilzintoxikation Silibinin, evtl. antivirale Therapie bei Virushepatitis
parenterale Ernährung, einschl. Substitution von Elektrolyten und Glukose
Substitution von Gerinnungsfaktoren (FFP, AT III)
Eiweißrestriktion, Darmeinläufe, Lactulose, Neomycin oral
Ulkusprophylaxe
Hämodialyse bei hepatorenalem Syndrom mit akutem Nierenversagen
hyperosmolare Mannitol-Lösung bei Hirndrucksymptomatik, Hyperoxygenierung und Hyperventilation, Thiopental-Narkose (Sauerstoffbedarf↓)
extrakorporale Detoxikation, z. B. mittels MARS (»molecular adsorbent recirculating system«)
Lebertransplantation, evtl. auxilliäre partielle orthotope Lebertransplantation bis zur Regeneration der eigenen Leberfunktion
Hepatozelluläres Karzinom (HCC, primäres Leberzellkarzinom)
Manifestationsalter in Europa meist 50.–60. Lebensjahr, ♂:♀ = 3:1; große geographische Unterschiede (häufigstes Malignom in Südostasien und Teilen Afrikas)
Risikofaktoren: chronische Hepatitis B oder C, Leberzirrhose, Aflatoxine (insbesondere Aflatoxin B1, Aspergillus flavus), Nitrosamine, Nikotin- und Alkoholabusus
Klinik
ggf. Druck im rechten Oberbauch
Inappetenz, Gewichtsverlust, Leistungsminderung
evtl. Fieber
Ikterus
paraneoplastische Manifestationen, z. B. Polyglobulie
Komplikation: Dekompensation einer vorbestehenden Leberzirrhose
Diagnostik
α1-Fetoprotein (AFP) >20 µg/l (ca. zwei Drittel d. F.)
in der Abdomensonographie solitärer/multizentrischer/diffus infiltrierender Tumor, evtl. Farbduplex-, Power-Doppler- und Kontrastmittelsonographie, ggf. Aszitesnachweis>Memo in der Kontrastmittelsonographie »Irisblenden-Phänomen« bei Leberhämangiom, bei fokal nodulärer Hyperplasie früharterielle Darstellung der zentralen Arterie und Radspeichenmuster sonographisch gesteuerte Feinnadelpunktion zur histologischen Sicherung! Cave Gefahr der Streuung von Impfmetastasen, deshalb keine Punktion bei potenziell kurativem BefundCT-Abdomen (Spiral-CT mit Kontrastmittel), evtl. MRT, Röntgen-Thorax, ggf. CT-Thorax
Differenzialdiagnose
maligne Tumoren: embryonales Hepatoblastom, Angiosarkom, Lebermetastasen, Cholangiosarkom, cholangiozelluläres Karzinom
benigne Tumoren: Leberhämangiom, fokal noduläre Hyperplasie (Hamartom), Leberzelladenom, Gallengangsadenom, intrahepatisches Gallengangszystadenom, intrahepatische Gallengangspapillomatose (Präkanzerose)! Cave Beim Leberzelladenom können komplizierend Infarzierung und Ruptur mit lebensbedrohlichen Blutungen in 10 % d. F. auftreten.zystische Leberveränderungen: multiple dysontogenetische Zysten, solitäre Leberzysten, alveoläre Echinokokkose (Echinococcus multilocularis, Fuchsbandwurm), zystische Echinokokkose (E. granulosus, Hundebandwurm), pyogener Leberabszess (meist E. coli und Klebsiellen), Amöbenabszess (Entamoeba histolytica), Leberhämatom, Peliosis hepatis (Blutzysten bei Bartonella-Infektion)
fokale Mehr-/Minderverfettung der Leber
Therapie
Leberteilresektion, ggf. Lebertransplantation
lokal ablative Therapie, z. B. perkutane Äthanolinstillation, Radiofrequenzablation, laserinduzierte Thermotherapie, intravasale Injektion von radioaktiven Mikrosphären, transarterielle Chemoembolisation (TACE)
evtl. palliative Systemtherapie mit dem Multi-Kinase-Inhibitor Sorafenib (Nexavar®)
bei Leberzirrhose zur Früherkennung eines HCC Abdomensonographie und AFP alle sechs Monate
Gallenwegserkrankungen
Primär sklerosierende Cholangitis (PSC)
chronisch fibrosierende Entzündung intra- und extrahepatischer Gallengänge
unklare Ätiologie
♂:♀ = 3:1; Erkrankungsgipfel um das 40. Lebensjahr; assoziiert mit HLA-B8 und HLA-DR3
80 % der PSC-Patienten leiden an einer Colitis ulcerosa (umgekehrt etwa 5 %)
Klinik
initial asymptomatisch
Ikterus mit Juckreiz
evtl. Oberbauchbeschwerden
Gewichtsverlust
Komplikationen: Leberzirrhose, cholangiozelluläres Karzinom (ca. 10 % aller Fälle)
Diagnostik
γGT und AP ↑
Nachweis antineutrophiler zytoplasmatischer Antikörper mit perinukleärem Fluoreszenzmuster (pANCA)
in der endoskopisch retrograden Cholangiographie (ERC), ggf. MRC typische perlschnurartige Gallengangsunregelmäßigkeiten
in der Leberstanzbiopsie histologisch entzündliche Infiltrate um die Gallengänge und Gallengangsproliferation mit periduktaler Fibrose
Differenzialdiagnose
siehe primär biliäre Zirrhose (Abschn. 5.7.2)
Therapie
Ursodeoxycholsäure
endoskopische Ballondilatation und Stentimplantation bei dominanten Stenosen
ggf. Antibiotikatherapie bei sekundär bakterieller Cholangitis
Lebertransplantation bei Leberzirrhose
Primär biliäre Zirrhose (PBC)
chronisch verlaufende, cholestatische Lebererkrankung infolge einer nicht-eitrigen Destruktion intrahepatischer Gallengänge (primäre Cholangitis) mit Entwicklung einer Leberzirrhose
unklare Ätiologie
1–2 % aller Leberzirrhosen, meist Frauen nach dem 40. Lebensjahr (>90 % aller Fälle); assoziiert mit HLA-DR8
5-Jahresüberlebensrate 50 % bei symptomatischen Patienten
Klinik
initial asymptomatisch (Zufallsbefund aufgrund erhöhter Leberwerte)
starker Juckreiz bereits im anikterischen Stadium
Müdigkeit, Leistungsschwäche
Ikterus
Maldigestionssyndrom mit Steatorrhö, evtl. Osteoporose
Xanthelasmen und Xanthome
häufige Assoziation mit extrahepatischen Autoimmunerkrankungen, z. B. Sjögren-Syndrom, rheumatoide Arthritis, Sklerodermie, Hashimoto-Thyreoiditis, Lupus erythematodes! Cave Überlappungssyndrom mit Autoimmunhepatitis in 10 % d. F.Komplikationen: Leberzirrhose mit portaler Hypertension (Aszites, Varizenblutungen, Hypersplenismus), Leberversagen mit hepatischer Enzephalopathie
Diagnostik
Abdomensonographie zum Ausschluss einer extrahepatischen Cholestase
AP, γGT und Bilirubin ↑
Hypercholesterinämie
IgM↑↑↑
spezifischer Nachweis mitochondrialer Antikörper (AMA) vom Subtyp M2, ggf. ANA (50 % d. F.)
Leberstanzbiopsie
Stadieneinteilung der primär biliären Zirrhose anhand histologischer Kriterien (Tab. 5.21)
| Stadium | Histologie |
| I | Floride Gallengangsläsionen |
| II | Duktale Proliferation (Pseudogallengänge) |
| III | Fibrose, Mottenfraßnekrosen, Duktopenie |
| IV | Mikronoduläre Zirrhose |
Differenzialdiagnose
primär sklerosierende Cholangitis
Zieve-Syndrom (Alkoholfettleber/-hepatitis und Hyperlipidämie und hämolytische Anämie)
sekundäre biliäre Zirrhose bei chronischer extrahepatischer Cholestase und eitriger Cholangitis
cholestatischer Verlauf einer Virushepatitis
Drogenikterus
Pruritus bei Hauterkrankungen, allergischer Reaktion, Diabetes mellitus, malignen Lymphomen, Polycythaemia vera, Niereninsuffizienz, Eisenmangel, Darmparasiten, senilem Pruritus, psychogenem Pruritus
Therapie
keine kausale Therapie verfügbar
Ursodeoxycholsäure (Ursofalk®)
symptomatisch: Cholestyramin gegen den Juckreiz, evtl. fettarme Diät, mittelkettige Triglyzeride und Lipase! Cave bei Malabsorption Substitution fettlöslicher Vitamine und Osteoporoseprophylaxebei Leberzirrhose Lebertransplantation
Cholelithiasis (einschl. Cholezystitis und Cholangitis)
Bildung von Cholesterin- (80 %) oder Pigment-(Bilirubin-) steinen (20 %) in der Gallenblase und in den intra- oder extrahepatischen Gallengängen
Risikofaktoren: Übergewicht, Lebensalter, weibliches Geschlecht, cholesterinreiche und ballaststoffarme Kost, Diabetes mellitus, Leberzirrhose, Ileitis terminalis (Gallensäureverlustsyndrom), Hämolyse, Östrogentherapie, Einnahme von Clofibraten, hereditäre Faktoren (z. B. Mutation des Pospholipidtransporters)>Memo Zusammenfassung der häufigsten Risikofaktoren für cholesterinhaltige Gallensteine in der 6F-Regel: female, forty, fertile, fat, fair, familyetwa 10–15 % der Bevölkerung haben Gallensteine, ♀:♂ = 2:1
Klinik
Die Mehrzahl der Gallensteine ist klinisch stumm (Zufallsbefunde!).
häufig uncharakteristische rechtsseitige Oberbauchbeschwerden (v. a. postprandial)
kolikartige Schmerzen mit Ausstrahlung in die rechte Schulter und evtl. in den Rücken, evtl. flüchtiger Ikterus und Brechreiz
bei Cholangitis Charcot-Trias: Schmerzen im rechten Oberbauch, Ikterus und Fieber
- Komplikationen:
- Gallenblasenhalsstein mit Kompression des benachbarten Ductus hepaticus (Mirizzi-Syndrom)
- akute Cholezystitis, Cholangitis, evtl. gangränöse Cholezystitis, Gallenblasenhydrops und -empyem
- Leberabszess, sekundär biliäre Zirrhose bei rezidivierender Cholangitis
- biliäre Pankreatitis
- Steinperforation mit duodenaler Obstruktion (BouveretSyndrom) oder mit galliger Peritonitis, evtl. Cholangiosepsis, subhepatischer Abszess nach gedeckter Perforation, Gallensteinileus infolge einer Obstruktion des terminalen Ileums
- chronisch-rezidivierende Cholezystitis mit Schrumpfgallenblase (evtl. »Porzellangallenblase« mit erhöhtem Risiko eines Gallenblasenkarzinoms)
Diagnostik
fakultativ (bei Cholezystitis) durch Druck auf die Gallenblasenregion plötzlicher schmerzbedingter Stopp der tiefen Inspiration (Murphy-Zeichen)
evtl. Leukozytose, CRP und BSG ↑
γGT, AP, direktes Bilirubin ↑, evtl. leichter Anstieg der Transaminasen
in der Abdomensonographie Darstellung von Konkrementen mit Schallschatten, bei akuter Cholezystitis Dreischichtung der Gallenblasenwand, evtl. erweiterter D. choledochus (>6 mm im Durchmesser, nach Cholezystektomie >11 mm), evtl. Endosonographie
im Röntgen-Abdomen Aerobilie nach Steinperforation
in der endoskopisch-retrograden Cholangio-Pankreatikographie (ERC[P]) Steindarstellung, evtl. negatives Cholezystogramm bei Zystikusverschluss, ggf. MRC(P)
evtl. perkutane transhepatische Cholangiographie, falls ERCP technisch nicht möglich
Therapie
keine Therapie bei stummen Gallenblasensteinen (Ausnahme: Porzellangallenblase wegen des erhöhten Karzinomrisikos)
bei symptomatischen Gallensteinen und akuter Cholezystitis frühelektive laparoskopische Cholezystektomie; bei zu später Diagnosestellung (Symptomdauer >5 d) oder zu hohem OP-Risiko operative Cholezystektomie im beschwerdefreien Intervall nach 6 Wochen (ggf. mit Sanierung der Gallenwege)! Cave Postcholezystektomie-Syndrom bei persistierender funktioneller Störung des DHC!bei einer akuten Gallenkolik Butylscopolamin (Buscopan®-Supp.), evtl. Nitroglyzerin (Nitrolingual®), Metamizol (Novalgin®), ggf. Pethidin (Dolantin®), initial Nahrungskarenz über mindestens 24 h (beschwerdeabhängig), anschließend langsamer Kostaufbau
bei V. a. Cholezystitis und/oder Cholangitis Antibiotikatherapie mit Fluorchinolonen (z. B. Ciprofloxacin®) oder Aminopenicillin und Betalaktamasehemmer (z. B. Augmentan®), ggf. ergänzt um Metronidazol (Clont®)>Memo bakterielle Infektionen meist durch E. coli, Enterokokken, Klebsiellen, Enterobacter, Clostridium perfringens bei Choledochussteinen mit Verschlussikterus notfallmäßige endoskopische Papillotomie und Steinextraktion mittels Dormiakörbchen bzw. Ballonkatheter! Cave bei Verschlussikterus Gefahr der Cholangiosepsis
Gallenblasenkarzinom
meist Adenokarzinome
Risikofaktoren: Cholelithiasis, chronische Cholezystitis, Gallenblasenpolypen >1 cm, Salmonellen-Dauerausscheider
Häufigkeitsgipfel um das 70. Lebensjahr; ♀:♂ = 4:1
insgesamt schlechte Prognose
Klinik
teilweise Zufallsbefund nach Cholezystektomie
keine Frühsymptome
Verschlussikterus
Diagnostik
γGT, AP, Bilirubin ↑
evtl. positiver Tumormarker CA 19-9
in der Oberbauchsonographie Nachweis erweiterter intrahepatischer Gallengänge, häufig Darstellung einer tumorösen Infiltration des Gallenblasenbettes
evtl. Endosonographie oder intraduktale Sonographie
MRT, MRCP und MR-Angiographie
ERCP
Spiral-CT, evtl. PET-CT
Differenzialdiagnose
Cholelithiasis, Cholezystitis
Gallenblasenpolypen! Cave Gefahr der karzinomatösen Entartung eines Gallenblasenpolypen bei Größenzunahme bzw. einer Größe ≥1 cmGallengangskarzinom (cholangiozelluläres Karzinom, Cholangiokarzinom), Klatskin-Tumor im Bereich der Hepatikusgabel
Pankreaskopfkarzinom
Therapie
Cholezystektomie bei Carcinoma in situ bzw. im Tumorstadium T1N0M0
in fortgeschrittenen Stadien ggf. erweiterte operative Resektion, evtl. einschließlich neoadjuvanter Radiochemotherapie
palliative Maßnahmen, z. B. endoskopisches Stenting zur Sicherung des Galleabflusses
Gallengangskarzinom (cholangiozelluläres Karzinom, CCC)
meist Adenokarzinome
Risikofaktoren: Choledochuszysten, Choledochussteine, primär sklerosierende Cholangitis, parasitäre Erkrankungen der Gallenwege
Altersgipfel um das 70. Lebensjahr
insgesamt schlechte Prognose
Klinik
keine Frühsymptome
schmerzloser (Verschluss-)Ikterus bei palpatorisch vergrößerter Gallenblase (Courvoisier-Zeichen)
Diagnostik
γGT, AP, Bilirubin ↑
evtl. positiver Tumormarker CA 19-9
in der Oberbauchsonographie Nachweis erweiterter intrahepatischer Gallengänge
evtl. Endosonographie oder intraduktale Sonographie
MRT, MRCP und MR-Angiographie
ERCP
Spiral-CT, evtl. PET-CT
Einteilung der Gallengangskarzinome anhand der Lokalisation im Gallengangssystem (Tab. 5.22)
| Typ | Lokalisation des Karzinoms |
| I | Ductus hepaticus communis ohne Hepatikusgabel |
| II | Beteiligung der Hepatikusgabel (Klatskin-Tumor) |
| III | Einseitige Beteiligung der Segmentabgänge |
| IV | Ausdehnung auf sekundäre Segmentabgänge beiderseits |
Therapie
erweiterte Resektion der Gallengänge einschl. Hemihepatektomie und Lymphknotendissektion
palliative Maßnahmen, z. B. endoskopisches Stenting zur Sicherung des Galleabflusses, Chemotherapie
