Zusammenfassung
Das Kapitel gibt einen Überblick über die außergewöhnliche Bedeutung von Infektionskrankheiten aufgrund der schnelle Übertragbarkeit und der Entwicklung von Antibiotikaresistenzen. Nach der Darstellung von Übertragungswegen und den Prinzipien der Diagnostik und Therapie werden die wichtigsten Krankheitsbilder systematisch behandelt. Dazu gehören Sepsis, Meningitis, Pneumonie, Osteomyelitis, Harnwegsinfektionen und Gastroenteritis. Die erregerbezogene Systematik mit typischen klinischen Manifestationen wird unterteilt in besonders relevante Bakterien (Streptokokken und Staphylokokken), Viren (Masern-, Mumps-, Röteln- und Herpesviren), Pilze, Würmer und Arthropoden. Ein weiterer Fokus ist die Infektionsprophylaxe durch aktive und passive Impfungen.
Allgemeine Infektionslehre
Infektionskrankheiten sind die häufigste Ursache für den Besuch beim Kinderarzt
- Infektionserreger sind mutations- und adaptationsfreudig
- Entstehung neuer humanpathogener Erreger, z. B. humanes Immundefizienz-Virus (HIV), schweres akutes respiratorisches Syndrom-Virus (SARS)
- Entstehung resistenter Erreger, z. B. Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA), Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE)
Allgemeine Übertragungswege
aerogen (Tröpfcheninfektionen)
fäkal-oral (Schmierinfektionen)
hämatogen (z. B. i.v. Drogenabusus)
sexuell
endogen (z. B. opportunistische Infektionen)
Besondere Übertragungswege (intrauterin und perinatal)
- Embryo/Fetus
- i. d. R. natürlicher Schutz durch die sterile Fruchthöhle (Amnion) und durch transplazentar übertragene mütterlicher Antikörper („Nestschutz“)
aszendierende oder transplazentare Infektion möglich> Memo wichtige konnatale Erreger: „STORCH“, Akronym für Syphilis, Toxoplasma gondii, „Others“, Rubella, CMV (Zytomegalievirus)/Chlamydia trachomatis, Herpes, NEU: kongenitale Zika Virus Infektion mit Mikrozephalie (Reiseanamnese beachten).
- perinatal
- Vaginalflora der Mutter (z. B. Streptococcus agalactiae, Escherichia coli, Listeria monocytogenes)
- Erreger aus mütterlichem Blut (z. B. Hepatitis B, HIV)
- genitale Virusinfektionen der Mutter (z. B. Herpes-simplex-Virus, Papillomaviren)
- Früh- und Neugeborene
- Erhöhte Infektanfälligkeit aufgrund immunologischer Unreife
Disposition
lokale Störung der Haut-/Schleimhautbarriere (z. B. Traumata, atopische Dermatitis)
Immunsuppression
- angeborene Immundefekte
- Phagozytosesystem (z. B. septische Granulomatose, „chronic granulomatous disease“, CGD)
- Antikörperbildung durch B-Zellen (Bruton-Agammaglobulinämie)
- T-Zell-System („severe combined immunodeficiency syndrome“, SCID)
- T-Zell-Defekte beeinflussen die Antikörperbildung, z. T. auch die Funktion von natürlichen Killerzellen (NK-Zellen)
Basisdiagnostik
- „Infektlabor “
- Blutbild: Leukozyten, Thrombozyten, Differenzialblutbild
- Eosinophilie z. B. bei Infektionen mit Helminthen und Parasiten
- Leukozytose (meist bakteriell), Lymphopenie/Lymphozytose (häufig viral)
- „Linksverschiebung“ (bakterielle Infektion): unreife (Stabkernige)/reife Granulozyten (Segmentkernige): „immature to total quotient“ (ITQ)
C- reaktives Protein (CRP), Prokalzitonin (PCT), nur noch in begründeten Ausnahmefällen: Blutkörpersenkungsgeschwindigkeit (BSG)> Memo Besonders aussagekräftig sind Untersuchungen aus „primär sterilen Materialien“: z. B. Blut, Liquor, Punktate, Biopsien, bronchioalveolärer Lavage (BAL).
Erregerdiagnostik
Erregeranzucht (Kultur)
Antigennachweis (z. B. ELISA, Immunfluoreszenz)
Genomnachweis (z. B. PCR)
Serologie (Nachweis spezifischer Antikörper)
Therapie
der rationale Einsatz von Antibiotika („Antibiotic Stewardship“) soll einer lokalen und globalen Resistenzentwicklung vorbeugen.> Memo Bei schweren Infektionen ist die antibiotische Therapie eine Notfalltherapie, die ohne Zeitverzögerung begonnen werden muss.
Krankheitsbilder
Sepsis
„systemic inflammatory response syndrome“ (SIRS ): schweres generalisiertes Infektionssyndrom mit den klinischen Zeichen einer systemischen Entzündungsreaktion (Tab. 4.1)
Sepsis: systemische Infektionskrankheit (z. B. Bakteriämie) mit den Zeichen der SIRS
- häufige Erreger:
- Neugeborene : Streptococcus agalactiae (β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe B [GBS]), Escherichia coli, Listeria monocytogenes, Herpes-simplex-Virus
- alle Altersgruppen: Staphylococcus aureus, Streptococcus pyogenes (β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A [GAS]), Streptococcus pneumoniae , Haemophilus influenzae, Neisseria meningitidis
- Reiserückkehrer: Plasmodium falciparum (Malaria tropica)
- Immunsupprimierte: opportunistische Infektionen (CMV, Adenoviren, Pilze)
alternative nichtinfektöse Ursachen des SIRS: schwere Traumata oder Verbrennungen („sterile Entzündungsreaktion“)
| Symptome | Altersabhängige Richtwerte |
|---|---|
| Fieber oder Hypothermie | >38,5 °C (Ausnahme: Neugeborene: >38,0 °C) oder <36 °C |
| Tachykardie (altersabhängig) | <1 Monat: >190/min; 1–12 Monate: >160/min; 1–2 Jahre: >140/min; 2–5 Jahre: >130/min; 6–12 Jahre: >120/min; 13–15 Jahre: >100/min; >15 Jahre: >90/min |
| Tachypnoe (altersabhängig) | <1 Monat: >60/min; 1–12 Monate: >45/min; 1–2 Jahre: >40/min; 3–5 Jahre: >35/min; 6–12 Jahre: >30/min; 13–15 Jahre: >25/min; >15 Jahre: >20/min |
| Leukozytose oder Leukopenie | Leukozyten >14.000/µl oder <4.000/µl |
Klinik
Symptome am Beginn einer Sepsis sind häufig wenig spezifisch, z. B. Fieber, Verwirrtheit
- frühes Zeichen der Mikrozirkulationsstörung ist die verlängerte kapillare Füllzeit (KFZ> 2 s)
- Druck auf gut zirkulierte Hautareale (z. B. Fingernagel) → Abblassen → anschließende Dekompression → erneute Rötung innerhalb von 2 Sekunden
Vollbild der Sepsis: disseminierte intravasale Gerinnung (Hautblutungen), Somnolenz, Organ- und Herz-Kreislauf-Versagen
Weitere Kriterien für SIRS bei Frühgeborenen <1.500 g (nach Neo-KISS) sind metabolische Azidose (BE < -10 mmol) und Hyperglykämie (>140 mg/dl)
schwere Sepsis: SIRS mit Organversagen (Niere, Atmung, Leber, ZNS)
septischer Schock: schwerste Form der Sepsis mit katecholaminbedürftiger Herz-Kreislaufinsuffizienz trotz adäquater Flüssigkeitszufuhr (Mortalität trotz intensivmedizinischer Therapie 30–50 %)
Risikopatienten: Immunsupprimierte, Splenektomierte („Postsplenektomie-Sepsis“, „overwhelming post splenectomy syndrome“, OPSI), immunologische Unreife (Früh- und Neugeborene)
anamnestische Angaben über Exposition und Disposition: Geburtsanamnese (z. B. vorzeitiger Blasensprung, Nachweis von beta-hämolysierenden Streptokokken im Vaginalabstrich der Mutter, Herpes genitalis der Mutter), Umgebungsanamnese, Reiseanamnese, Impfanamnese, Fremdkörper (z. B. zentrale Venenkatheter, Schrittmacher)
Diagnostik
Infektlabor und kulturelle Erregerdiagnostik (z. B. Blutkultur, Urin, Liquor)
Antigennachweise (z. B. Gruppe-B-Streptokokken-Ag)
PCR (z. B. Herpes-simplex-Virus)
Ausschluss Malaria (Blutausstrich und „dicker Tropfen“) bei bekannter Reiseanamnese
apparative Diagnostik (Fokussuche): z. B. Sonographie, Röntgen, CT, NMR, Szintigraphie
Therapie
sofortige kalkulierte antibiotische Therapie (Notfalltherapie) mit „Breitband-Antibiotika“
bei klinischem Verdacht: frühzeitige spezifische antivirale Therapie (z. B. Herpes-simplex-Virus, Influenza)
nur in begründeten Fällen zusätzliche antimykotische Therapie, z. B. bei Therapieversagen bzw. bei Nachweis/Verdacht auf systemische Mykose
chirurgisch: Fokussanierung, z. B. Abszesse („ubi pus ibi evacua“).
- supportive intensivmedizische Maßnahmen
- Herz-Kreislauf-Stabilisierung: Volumengabe plus Katecholamine
- Sicherung der Atmung (z. B. O2-Gabe, Beatmung)
- Stabilisierung der Gerinnung (z. B. FFP, Gerinnungsfaktoren)
- Dialyse
Meningitis
Entzündung der Hirnhäute
hämatogene (idiopathische) Meningitis (z. B. akute Meningokokken-Meningitis)
Durchwanderungsmeningitis (mit bekanntem Focus, z. B. Sinusitis)
posttraumatische Meningitis
Meningoenzephalitis (bei zusätzlicher ZNS-Beteiligung)
- wichtige Erreger
- Bakterien: Streptococcus pneumoniae, Neisseria meningitidis, Listeria monocytogenes, Haemophilus influenzae Typ B, Escherichia coli, Mycobacterium tuberculosis
- Viren: Herpes-simplex-Virus, Enteroviren, Mumps
- Pilze: Cryptococcus neoformans (Immunsupprimierte)
Klinik
- meningeale Schmerzzeichen (Hirnhäute sind besonders gut sensorisch innerviert)
- Nackensteifigkeit (Meningismus )
- Brudzinski-Zeichen (Beugung des Kopfes → Anziehen der Oberschenkel)
- Kernig-Zeichen (Streckung im Kniegelenk bei Beugung im Hüftgelenk nicht möglich)
„Knie-Kuss“ nicht möglich> Memo Meningeale Schmerzzeichen können fehlen (besonders bei Säuglingen).- erhöhter Hirndruck (bei Säuglingen: vorgewölbte Fontalelle)
Petechien → Generalisierte Blutungen (Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom, 10.1007/978-3-662-52813-6_11#Sec77 )
Meningoenzephalitis : Meningitiszeichen plus Bewusstseinstrübung (Desorientiertheit, Somnolenz, Koma)
Diagnostik
Anamnese: Umgebungsanamnese, Reiseanamnese, Zeckenstiche, Impfanamnese, Trauma! Cave Ein negatives Gram-Präparat schließt eine bakterielle Meningitis nicht sicher aus (geringe Sensitivität bei hoher Spezifität)!Infektlabor und Blutkulturen
Liquorpunktion nach Ausschluss eines erhöhten Hirndrucks (Augenhintergrund/CT Schädel)
Liquordiagnostik: Zellzahl, Eiweiß, Glukose, Laktat, mikroskopisches Direktpräparat mit Gram-Färbung, kulturelle Anzucht, PCR (Tab. 4.2)
zusätzliche Liquordiagnostik bei seröser Meningitis: HSV-, VZV-, Enterovirus-PCR, Borrelienantikörper (Serum-Liquor-Quotient, Reiber-Schema)
zentrale Bildgebung (Sonographie, NMR, CT): Fokussuche bzw. Ausschluss Abszess
hohe Letalität (10–20 % foudroyante Verlaufsformen)> Memo regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen notwendig!Defektheilung: bleibende Behinderungen, z. B. progrediente Innenohrschwerhörigkeit
| Messparameter | Eitrige Meningitis (meist bakterielle) | Seröse Meningitis (meist viral) |
|---|---|---|
| Zellzahl | +++ (>1.000/µl) | ++ (<1.000/µl) |
| Differenzierung | Granulozytenanteil >70 % | Lymphomonozytäre Zellen |
| Glukose | Erniedrigt (<30 mg/dl) | Normal (>70 % des Blutzuckers) |
| Laktat | Erhöht (>3,5 mmol/l) | Normal |
| Protein | >40 mg/dl (bei Neugeborenen >90 mg/dl) | Normal-mäßig erhöht |
Therapie
sofortige kalkulierte antibiotische (und antivirale) Therapie (Notfalltherapie!)> Memo Jede Verzögerung der antibiotischen Therapie erhöht signifikant die Mortalität und die Schwere von Residuen.- Cephalosporin der 3. Generation (hohe Liquorgängigkeit) plus Ampicillin (bei Verdacht auf Listerien) plus Aciclovir (bei Verdacht auf Herpes- oder Varizella-Zoster-Meningitis)
therapiebegleitend: antiinflammatorische Therapie mit Dexamethason für 2 Tage empfohlen (Reduktion der zerebralen Zellschädigung infolge der Inflammation, besonders nach Pneumokokkeninfektionen)
chirurgisch bei nachgewiesenem Fokus (z. B. offenes Schädel-Hirn-Trauma, Abszess)
Pneumonie
10.1007/978-3-662-52813-6_5#Sec57
Osteomyelitis
- hämatogene Osteomyelitis (idiopathische Osteomyelitis)
- Staphylococcus aureus, Gram-negative Stäbchen (z. B. Salmonellen), Mycobacterium tuberculosis, Treponema pallidum (Lues connata)
posttraumatische Osteomyelitis! Cave Bissverletzungen von Menschen und Tieren.- Aeobe/anaerobe Mischinfektion, C. perfringens (Gasbrand)
Klinik
häufig wenig spezifisch (Abgeschlagenheit, subfebril)
Schonung der betroffenen Extremität („Pseudoparalyse“)
septische Arthritis (Ausbreitung per continuitatem)
Senkungsabszess in präformierte Muskellogen (z. B. Psoasabszess)
Komplikation: Wachstumsstörungen durch Zerstörung von Epiphysenfugen> Memo Differenzialdiagnose: Knochentumoren, benigne Knochenzysten.
Diagnostik
Infektlabor einschließlich Blutkörpersenkungsgeschwindigkeit (BSG) plus wiederholte Blutkulturen
Erregernachweis sollte wenn möglich erzwungen werden
invasive Untersuchungen (Biopsie, Punktion) bei negativen Blutkulturen
Bildgebung mit Röntgen (häufig erst mit Latenz auffällig), Ultraschall (perifokales Weichteilödem), NMR (besonders sensitiv und spezifisch),99 m Tc-Sklelettszintigraphie (postoperativ nicht sinnvoll, da falsch-positiv), evtl. PET
Therapie
gezielte antibiotische Therapie (i.v.) entsprechend Erregernachweis und Antibiogramm (Minimum 3(–6) Wochen)
nur in begründeten Ausnahmen chirurgische Fokussanierung (bei konservativem Therapieversagen)
Harnwegsinfektion
10.1007/978-3-662-52813-6_10#Sec35
Infektiöse Darmerkrankungen
- Übertragung: fäkal-oral
- hohe Infektionsdosis: Anreicherung in Nahrungsmitteln durch unsachgemäße Lagerung (z. B. enteritische Salmonellen)
- geringe Infektionsdosis: direkte Übertragung von Mensch zu Mensch (z. B. Rotaviren)
- wichtige Erreger
- Bakterien: Campylobacter jejuni, Salmonella enteritidis, Shigella dysenteriae (Ruhr), Vibrio cholerae, Yersinien enterocolitica (Inkubationszeit: wenige Tage)
- Viren: Rotaviren, Noroviren, Enteroviren (Inkubationszeit: Stunden bis wenige Tage)
- Parasiten: Amöben, Cryptosporidien (Immunsupprimierte)
- Lebensmittelvergiftung: z. B. Toxine von Staphylococcus aureus, Bacillus cereus (Inkubationszeit: wenige Stunden)
meldepflichtig nach IfSG §6 und 7
- Komplikationen: Postinfektöse Arthritis (1–2 Wochen nach Diarrhö )
- Assoziation mit HLA-B27
- Reiter-Trias (Konjunktivitis, Arthritis, Urethritis)
Klinik
Durchfälle
Exsikkose> Memo aufgrund der Dehydratation initiale Venenpunktion häufig problematisch.- Gewichtsabnahme
- stehende Hautfalten
- eingesunkene Fontanelle
Bewusstseinsstörung, Apathie
Diagnostik
Erregeranzucht (Selektivmedien)
Antigennachweis (Gruber-Agglutination)
molekularbiologischer Nachweis der Pathovare von E. coli (PCR für Pathogenitätsfaktoren)
Therapie
orale bzw. i.v. Rehydratation
antibiotische Therapie nur bei invasiven Infektionen (z. B. Typhus)
Bakterielle Infektionen
Streptokokkeninfektionen
Gram-positive, Katalase-negative Bakterien, die mikroskopisch in Ketten gelagert sind
- Einteilung nach
- Hämolyseverhalten auf Schafsblut-Agar
- α-Hämolyse (unvollständige Hämolyse: „vergrünend“)
- β-Hämolyse (vollständige Hämolyse)
- γ-Hämolyse (ohne Hämolyse)
- Gruppenantigenen (C-Substanz, Lancefield-Klassifikation)
Streptococcus pyogenes (β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A, GAS)
lokale Infektionen (Tonsillitis, Haut-/Weichteilinfektionen)> Memo S. pyogenes ist immer Penicillin-empfindlich.toxinvermittelte Erkrankung (Scharlach, „streptokokken toxic shock syndrome“ [STSS])
postinfektiöse, immunologisch vermittelte Erkrankung (Poststreptokokken-Glomerulonephritis und rheumatisches Fieber)
Angina tonsillaris (Tonsillopharyngitis )
eitrige Mandelentzündung
Manifestation: Klein- und Schulkindalter
Inkubationszeit: wenige Tage
Klinik
Fieber, Schluckstörung, feuerrote mit Stippchen belegte Tonsillen
druckdolente Lymphknotenvergrößerung (mandibulär, zervikonuchal)
Rezidive möglich (Erregerpersistenz in den Krypten der Tonsillen)
Diagnostik
kultureller Erregernachweis, Antigennachweis („Streptokokken-Schnelltest“)
Therapie
Penicilline p.o. oder i.v.
Scharlach
toxinvermittelte Erkrankung (erythrogenes, phagenkodiertes Toxin)
lokale Infektion mit toxinogenen Stämmen (z. B. Tonsillitis)
selten: Wundscharlach nach Haut-/Weichteilinfektionen mit GAS
Klinik
- feinfleckiges Exanthem/Enanthem
- Betonung der Beugen (axillär und inguinal), Munddreieck ausgespart (Facies scarlatina )
„Himbeerzunge “ (prominente, stark geröteten Papillen)
groblamelläre Hautschuppung an Händen und Füßen (2.–4. Woche nach Krankheitsbeginn)
Diagnostik
kultureller Erregernachweis, Antigennachweis („Streptokokken-Schnelltest“)
Therapie
Penicilline p.o. oder i.v.
Streptokokken toxic shock syndrome (STSS)
toxinvermittelte systemische Entzündungsreaktion durch Superantigene (s. auch Staphylococcus aureus)
sepsisartiges Krankheitsbild (s. auch Kap. 4, S. aureus toxic shock syndrome)
Haut-/Weichteilinfektionen durch β-hämolysierende Streptokokken
klinische Unterscheidung folgender oberflächiger und tiefer Infektionen
Impetigo contagiosa
hochkontagiöse superfizielle Infektion der Haut
Manifestation: Kleinkind- und Schulalter
Klinik
Infektion der Haut mit Blasen- und Ulkusbildung (honigfarbene Krusten)
Schmierinfektion: häufige Autoinfektionen an gut zugängigen Hautarealen (Kratzstellen)
Diagnostik
kultureller Erregernachweis aus Abstrichmaterial
Differenzialdiagnose: Staphylodermie (Staphylococcus aureus)
Therapie
Lokaltherapie
evtl. plus Cephalosporin 1.–2. Generation p.o.
Erysipel
intrakutane Infektion mit Ausbreitung in den Lymphspalten
Risikofaktoren: Vorausgegangenes Erysipel, Lymphabflussstörung, Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus)
Klinik
Fieber plus feuerrotes, scharf begrenztes, schmerzhaftes Erythem
ipsilaterale druckdolente Lymphknotenvergrößerung
häufige Eintrittspforten: Mikrotraumata/Hautmazerationen
Diagnostik
klinische Blickdiagnose> Memo Abstriche sind nicht sinnvoll, Biopsien nicht indiziert!evtl. Blutkultur
Therapie
Penicillin i.v./p.o.
evtl. kurzzeitige Ruhigstellung der befallenen Extremität
Phlegmone („cellulitis“)
Infektion der Kutis und Subkutis (Differenzialdiagnose: andere Erreger, z. B. Staphylococcus aureus)
Klinik
klassische Entzündungszeichen (calor, rubor, dolor, tumor, functio laesa)
Ekthyma gangraenosum: Ulzerierende eitrige Entzündung der Haut bei Immunsupprimierten
Diagnostik
evtl. Blutkultur! Cave keine Abstriche und keine Biospien.Bildgebung mit Sonographie, CT
Therapie
Staphylokokken-wirksame Therapie, z. B. Ampicillin plus Clavulansäure oder Cephalosporine 1.–2. Generation i.v./p.o.
Nekrotisierende Fasziitis
lebensbedrohliche Haut-/Weichteilinfektion
invasive, häufig auch toxinvermittelte Infektion
Klinik
starke lokale Schmerz/Gefühlsstörungen bei äußerlich wenig auffälligem Lokalbefund
Eintrittspforte: Bagatelltraumata der Haut (z. B. superinfizierte Insektenstiche)
Diagnostik
Bildgebung: Sonographie, Röntgen, NMR
mikrobiologische Untersuchung aus Biopsiematerial (Gram-Präparat und Kultur)
Therapie
antibiotische Kombinationstherapie (Notfalltherapie) (Penicillin plus Clindamycin)
frühzeitige chirurgische Exploration (Notfalltherapie), Nekrosektomie
Streptokokken-Folgeerkrankungen
immunologisch vermittelte postinfektiöse Erkrankungen durch nephritogene/rheumatogen Stämme (M-Antigene)
Rheumatische Fieber (RF)
10.1007/978-3-662-52813-6_8#Sec43
Akute Poststreptokokken-Glomerulonephritis (akute exsudativ-proliferative GN)
10.1007/978-3-662-52813-6_10#Sec44
Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae)
„vergrünende“, Gram-positive Diplokokken
wichtigster Pathogenitätsfaktor: Polysaccharidkapsel (>100 Kapseltypen)
30–40 % asymptomatische Träger (Nase-Rachen-Raum)
Manifestation: besonders häufig in den ersten beiden Lebensjahren
besondere Disposition bei Asplenie (OPSI, „overwhelming post splenectomy infection syndrome)! Cave zunehmende Resistenzentwicklung gegen Penicilline, Cephalosporine und Makrolide in südlichen Ländern (z. B. in Spanien >50 %)!- Prophylaxe invasiver Infektionen durch Impfung (Totimpfstoffe):
- Regelimpfung für Säuglinge ab 2. Lebensmonat mit 10- oder 13-valentem Konjugat-Impfstoff
- der ab dem 3. Lebensjahr zugelassene 23-valente Kapselpolysaccharid-Impfstoff hat in der Pädiatrie aktuell keine relevante Bedeutung (Indikationsimpfung)
Klinik
- Infektionen des Respirationstrakts
- Pneumonie
- Otitis media
- Sinusitis
- Komplikationen: Mastoiditis, Durchwanderungsmeningitis, Lungenabszess, Pleuraempyem, sekundäre Sepsis
- Pneumokokkenmeningitis, -sepsis (Abschn. 4.2.2)
- Defektheilungen treten im Vergleich zu anderen Meningitiserregern besonders häufig auf (bis 20 %)
Diagnostik
Infektlabor und Blutkultur
Röntgen-Thorax (Lobärpneumonie : lokalisierte Zeichnungsvermehrung mit Aerobronchogramm)
Sputum- bzw. Liquordiagnostik mit Kultur
fakultativ: Pneumonkokken-Antigennachweis im Urin
Therapie
kalkulierte antibiotische Therapie (z. B. Cephalosporine, Ampicillin)> Memo Die antibiotische Therapie ist bei schweren Pneumokokken-Infektionen eine Notfalltherapie.
Staphylokokkeninfektionen
Gram-positive, Katalase-positive Bakterien, die mikroskopisch in Trauben gelagert sind
Koagulase-negative Staphylokokken (KNS)
physiologische Hautkeime (Kommensale)
geringe Virulenz bei ausgeprägter Persistenz (z. B. Biofilmbildung)
häufige Antibiotikaresistenz (z. B. Methicillin-resistenter S. epidemidis, MRSE)
Klinik
Fremdkörperinfektion/nosokomiale Infektion
Infektionen bei Immunsupprimierten und Immununreifen (Neonatologie)
häufige Kontaminante bei unsachgemäßer Probeabnahme
Diagnostik
Kultur
Therapie
bei oberflächiger Besiedlung: keine Therapie nötig
- bei invasiver Infektion:
- Entfernung besiedelter Fremdkörper (z. B. zentrale Venenverweilkatheter)
- antibiotische Therapie nach Antibiogramm (häufig resistent gegen Beta-Laktam Antibiotika: Methicillin-resistenter S. epidemidis [MRSE)]
Staphylococcus aureus
ca. 10–30 % asymptomatische Träger im Nasen-Rachen-Raum
wichtige Voraussetzung der Invasion ist i. d. R. eine gestörte Haut-/Schleimhautbarriere> Memo „community acquired MRSA“ (CA-MRSA) sind neue ambulant erworbene „Problemkeime“, die häufig von Kindern aus USA und Canada importiert werden.hohe Virulenz (Adhäsine, Invasine, Toxine, Superantigene)
akute, z. T. perakut verlaufende Infektionen mit hoher Mobidität und Letalität
- chronische Infektionen mit ausgeprägter Rezidivneigung
- Rezidive durch „Small-colony“-Varianten
- Rezidive durch Biofilme und nach intrazellulärer Persistenz (Mimikry)
- Antibiotikaresistenz (Methicillin-resistenter S. aureus [MRSA])
- Alternatives Penicillin-bindendes Protein (PBP2a, MecA-Gen)
Invasive S.-aureus-Infektionen
Klinik
! Cave Säuglinge, Patienten mit Mukoviszidose oder Antikörpermangel.
- Systemerkrankungen durch Staphylococcus aureus
- Pneumonie, z. B. häufige bakterielle Superinfektion nach Influenza- oder RSV-Infektionen
- Endokarditis
- Sepsis
- Haut-/Weichteilinfektionen durch S. aureus
- Abszesse: Follikultis (Haarbalgentzündung), Furunkel (eintrig abzedierende Hautinfektion), Karbunkel (Einschmelzung mehrerer Furunkel), tiefe Weichteilabzesse
- Impetigo contagiosa (hochkontagiöse oberflächige Hautinfektion; „Staphylodermie“)
- Phlegmone (subkutane Infektion)
- Osteomyelitis (meist hämatogen)
Diagnostik
Blutkulturen (z. B. bei Osteomyelitis), Kultur aus Abszess- oder Abstrichmaterial
Schnelldiagnostik mit PCR möglich (z. B. MRSA)
Therapie
> Memo Abszesse immer chirurgisch behandeln („ubi pus ibi evacua“).
MSSA (Methicillin-sensitiv): Penicillinase-feste Penicilline (Flucloxacillin) oder Cephalosporine der 1.–2. Generation
MRSA: Glykopeptide (z. B. Vancomycin), Oxazolidone (z. B. Linezolid), Daptomycin, Tigecyclin
Toxisches Schocksyndrom (TSS)
toxinproduzierende Stämme (toxic shock syndrome toxin [TSST-1], andere Superantigene [z. B. SEB])
möglicher Fokus: vaginale Besiedlung mit toxinogenen Stämmen
! Cave Verwendung bestimmter Tampons!
Klinik
sepsisartiges Krankheitsbild mit Exanthem
- Hauptkriterien (mindestens 3 Organsysteme müssen beteiligt sein)
- Gastrointestinaltrakt: Erbrechen, Diarrhö
- Muskulatur: Myalgie, CK-Erhöhung
- Schleimhaut: Enanthem, Hyperämie
- Niere: Harnstoff/Kreatinin Erhöhung, Leukozyturie ohne Erregernachweis
- Leber: Transaminasen-, alkalische Phosphatase-, Bilirubinerhöhung
- ZNS: Desorientiertheit, Bewusstseinstrübung
nach 2 Wochen: groblamelläre Hautschuppung
Pathogenese durch systemische Toxinwirkung
Diagnostik
kultureller Nachweis toxigener Stämme (Typisierung durch Speziallaboratorien)
Therapie
Fokussanierung (z. B. Entfernen des Tampons)
- plus antibiotische Kombinationstherapie
- Hemmung der Bakterienvermehrung (Betalaktam-Antibiotika, z. B. Oxacillin)
- plus Inhibition der Toxinproduktion (Proteinsynthesehemmer, z. B. Clindamycin)
plus intensivmedizinische symptomatische Therapie
Staphylococcal scalded skin syndrome (SSSS)
Synonyme: Epidermolysis Ritter von Rittershain, kutanes Lyell-Syndrom, toxische Epidermolyse
Klinik
toxinvermittelte bullöse Hautinfektion (Exfoliativtoxin)
Schocksymptomatik (Superantigene)
Manifestationsalter: Säuglinge
Diagnostik
Kultur aus Abstrichmaterial
Therapie
Cephalosporine der 1.–2. Generation evtl. plus Clindamycin (Hemmung der Toxinproduktion)
Lebensmittelvergiftungen
Übertragung: kontaminierte, unsachgemäß gelagerte Nahrungsmittel
Inkubationszeit: wenige Stunden
hitzelabile Enterotoxine (A–H)
Differenzialdiagnose: Bacillus cereus, Clostridium perfringens
meldepflichtig nach §6 und 7 des IfSG
Klinik
plötzlich einsetzender Durchfall (häufig mit Erbrechen)
Diagnostik
typische Anamnese mit zeitgleich Erkrankten
Kultur aus Rückstellproben (Toxinnachweis in Speziallaboratorien)
Therapie
symptomatisch
Meningokokkeninfektionen
Neisseria meningitidis (Gram-negative Diplokokken)
wichtigster Virulenzfaktor: Polysaccharidkapsel
12 verschiedene Kapseltypen (in Deutschland i. d. R. Kapseltyp B und C)
meldepflichtig nach 6 und §7 des IfSG
Klinik
Meningokokken Meningitis (Meningitis epidemica )
Sepsis
hochakute Erkrankung mit hoher Letalität (5–25 %)! Cave Fehldiagnosen bei Erkrankungsbeginn.- Beginn häufig als „banaler Infekt“
- Krankheitsprogression innerhalb weniger Stunden
„grippaler Infekt“ → Meningismus → Somnolenz → disseminierte intravasale Gerinnung (DIG) → Organ- und Herzkreislaufversagen> Memo Ein wichtiger Hinweis für die Meningokokkenmeningitis sind Hautblutungen/Petechien (Vollbild: Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom).
- Komplikationen
- Residuen mit geistiger Behinderung und motorischen Entwicklungsstörungen
- häufig: sensorische Hörstörung
septische Metastasen mit Vernarbungen> Memo Nachsorge!
Diagnostik und Therapie
10.1007/978-3-662-52813-6_2#Sec2
frühzeitige kalkulierte antibiotische Therapie ist eine Notfalltherapie
Prophylaxe
Regelimpfung gegen Kapseltyp C für Kinder ab dem 12. Lebensmonat (Konjugat-Impfstoff))( Abschn. 4.9)
Indikationsimpfung mit tetravalentem Kapselimpfstoff (ab dem 3. Lebensjahr, Kapseltypen A, C, W135, Y)
Indikationsimpfung gegen Meningokokken der Serogruppe B möglich (4CMenB Impfstoff mit alternativen Impfantigenen: Faktor-H-Bindungsprotein (fHbp), neisseriales Heparin-Bindungsantigen (NHBA), Neisseria-Adhäsin (NadA) sowie Porin A (PorA)), Verträglichkeit im Kindesalter jedoch eingeschränkt, deshalb bislang keine Empfehlung von der STIKO
Postexpositionsprophylaxe direkter Kontaktpersonen: 600 mg Rifampicin (2 Tage) oder 500 mg Cipropfloxacin (Einmalgabe)
Haemophilus-influenzae-Infektion
Gram-negative, anspruchsvoll wachsende Stäbchenbakterien
Besiedlung von Nasen-Rachenraum (asymtomatische Träger)
wichtigster Pathogenitätsfaktor ist die Polysaccharidkapsel (Serotypisierung)
- besonders virulent ist der impfpräventable Serotyp B (Hib)
- Prophylaxe durch Hib-Impfung (konjugierter Totimpfstoff)
nicht-invasive Infektionen (z. B. Otitis media) durch nicht-typisierbare, z. T. unbekapselte Stämme (NTHi)
Klinik
Otitis media, Pneumonie, Konjunktivitis
Meningitis, Epiglottitis (eitrige Kehlkopfentzündung)! Cave Atemwegsverlegungen (Manipulation am Kehlkopf vermeiden).selten: Osteomyelitis, Arthritis, Endokarditis
Diagnostik
Erregernachweis (Blut, Liquor, respiratorisches Sekret)
Therapie
Cephalosporine oder Aminopenicilline (bislang nur geringe Resistenz durch Beta-Laktamasebildner)
Intubation nur durch Erfahrene in Tracheotomiebereitschaft (Epiglottitis)
postexpositionelle Umgebungsprophylaxe mit Rifampicin bei schweren, invasiven Infektionen (nicht geimpfte Kontaktpersonen)
Diphtherie
Corynebacterium diphtheriae , Gram-positives Stäbchenbakterium
toxinvermittelte Erkrankung (Diphtherie-Toxin-Gen: lysogener Bakteriophage)
sporadische Ausbrüche in Gemeinschaften von Nicht-Geimpften
Inkubationszeit: 2–5 Tage
meldepflichtig ist bereits der Krankheitsverdacht (§6 IfSG)
Klinik
grau-weißliche „diphtherische Pseudomenbranen“
charakteristischer süßlicher Geruch
massive Lymphknotenvergrößerung („Cäsarenhals“)
- primäre Lokalisationen
- Rachendiphtherie (Tonsillendiphtherie), Nasendiphtherie
Kehlkopf -/Larynx-Diphtherie (klassischer Krupp)! Cave Erstickung durch Atemwegsverlegung.- Wunddiphtherie
- Verlaufsformen/Komplikationen (Manifestation 1–2 Wochen nach Erkrankungsbeginn)
- Nervensystem (Demyelinisierung)
- Parese des Gaumensegels, der Augen-, Gesichts-, Schluck- und Atemmuskulatur
Herz (Myokarditis)! Cave akuter Herztod bei erster körperlicher Belastung (z. B. Aufstehen, Stuhlgang).- EKG-Veränderungen (Erregungsrückbildungsstörungen) und Herzrhythmusstörungen
- Niere (Tubulusnekrosen): Proteinurie
- maligne-systemische Form (Intoxikation aller Organsysteme)
Diagnostik
Impfanamnese (besonders wichtig bei Flüchtlingen aus Krisengebieten)
kulturelle Anzucht (Rachenabstrich)
Toxinnachweis bzw. Nachweis des Toxingens (PCR)
Therapie
- frühzeitige Gabe von „Antitoxin“ (Antiserum)
- Nobelpreis für E. von Behring (1901) für die passive Immunisierung mit spezifischem Pferdeserum (Antitoxin)
antibiotische Therapie (Penicillin) zur Unterbrechung der Infektionskette, aber ohne Einfluss auf den Krankheitsverlauf (Toxinwirkung)
Bettruhe (für mehrere Wochen)
Isolierung und Pflege ausschließlich durch Geimpfte
Pertussis (Keuchhusten )
Bordetella pertussis und B. parapertussis (selten B. bronchiseptica)> Memo Prävention des Säuglings-Pertussis durch Booster-Impfung von Eltern/Großeltern.schwer anzüchtbare Gram-negative Stäbchenbakterien
stadienhaft verlaufende toxinvermittelte Erkrankung (Pertussis-Toxin, tracheales Zytotoxin)
Übertragung: Tröpfcheninfektion (häufig durch asymptomatisch besiedelte Erwachsene)
Inkubationszeit: 1–2 Wochen
Klinik
- Komplikationen
- schwere Hustenanfälle mit Zyanose, Erbrechen, Schleimhautblutungen (Petechien)
- Keuchhustenenzephalopathie, zerebrale Krampfanfälle (hypoxiebedingt)
- Pertussispneumonie
- bakterielle Superinfektionen
- hyperreagibles Bronchialsystem
- Säuglings-Pertussis: Apnoe-Anfälle (Tod durch Atemstillstand) ohne Hustenattacken
| Dauer | Symptome | |
|---|---|---|
| Stadium catarrhale | 1–2 Wochen | Unspezifisch: „grippaler Infekt“, Konjunktivitis, Husten, Fieber |
| Stadium convulsivum | 3–6 Wochen | Stakkatoartige Hustenanfälle, angestrengtes Inspirium („Ziehen“) |
| Stadium decrementi | 2–6 Wochen | Rekonvaleszenz |
Diagnostik
Lymphozytose (Pertussistoxin = „lymphocytosis promoting factor“)
PCR vom Nasenrachenabstrich (früher: Immunfluoreszenz; Kultur: wenig sensitiv)> Memo wichtige Differenzialdiagnose: Fremdkörperaspiration.Serologie (häufig erst in der 3. Krankheitswoche positiv → Wiederholungsuntersuchung bei begründetem Verdacht)
Therapie
antibiotische Therapie (Makrolide) → Unterbrechung von Infektionsketten, Reduktion von Komplikationen aber ohne Einfluss auf die Dauer der Klinik (Toxinwirkung)
symptomatische antitussive Therapie
Prophylaxe
azelluläre Pertussis-Impfung ab dem 3. Lebensmonat (Subunit-Vakzine, Totimpfstoff)
Herdenimmunität durch Auffrischimpfung im Erwachsenenalter mit Diphtherie- und Tetanus- (TdaP) evtl. zusammen mit Polio-Totimpfung (TdaP-IPV)
Clostridien
Gram-positive, anaerob wachsende Sporenbildner
Tetanus (Wundstarrkrampf )
Clostridium tetani : ubiquitärer Keim (Erdreich)
- toxinvermittelte Erkrankung (Tetanospasmin)
- retrograde axonale, lympho- oder hämatoge Ausbreitung von Tetanospasmin in das ZNS
- Hemmung glycinerger und GABAerger inhibitorischer Neurone (Degradation von Synaptobrevin)
Infektion: kontaminierte Wunden (z. B. Mikrotraumata bei der Gartenarbeit, Bissverletzungen)
Inkubationszeit 3 Tage bis 3 Wochen
Klinik
Muskelspasmen: Trismus (Mundöffnung nicht möglich); Risus sardonikus (breit gezogener schmaler Mund), Opisthotonus (Rumpfmuskulatur), Harn- und Stuhlverhalt, Schlundkrampf, Atemlähmung
Übererregbarkeit der Muskulatur durch taktile und sensorische Reize (z. B. Hydrophobie)
Diagnostik
fehlende Impfanamnese, typische Klinik
Toxinnachweis (Tierversuch)
- Säuglingstetanus in Entwicklungsländern durch Kontamination des Nabelstumpfs
- Prävention durch aktive Impfung werdender Mütter (→ „Nestschutz“)
Therapie
intensivmedizinische Therapie einschließlich Beatmung mit Muskelrelaxation
plus passive Immunisierung (anti-Tetanus Immunglobulin)
plus Penicillin i.v.
Prophylaxe
Regelimpfung: aktive Impfung mit Tetanus Toxoid (Totimpstoff) ab dem 3. Lebensmonat
Postexpositionsprophylaxe durch Simultanimpfung aktiv und passiv (Exponierte ohne ausreichenden Impfschutz)
Botulismus (Allantiasis )
Clostridium botulini
- Intoxikation: hitzelabile Neurotoxine (Botulinumtoxine A–G)
- Botulinumtoxine gelten als die stärksten biologischen Gifte (<1 µg ist tödlich)
- Übertragung: Ingestion von kontaminierten Lebensmitteln (z. B. hausgemachte, nicht ausreichend erhitzte Konserven)
Inkubationszeit: Stunden bis Tage (abhängig von der Toxinmenge)! Cave Konserven mit vorgewölbtem Deckel („Bombagen“).- Pathogenese: irreversible Hemmung der Motoneurone (Azetylcholin-Freisetzung)
- Rückbildung der Paralyse nur durch Wiederausbilden neuer Synapsen
Säuglingsbotulismus: Toxinproduktion im Säuglingsdarm nach Ingestion sporenhaltiger Nahrungsmittel (z. B. Honig)
Wundbotulismus: Toxinproduktion in infizierten Wunden
therapeutische Anwendung von Botulinustoxin („Botox“) z. B. bei spastischen neurologischen Erkrankungen (z. B. spastische Zerebralparese)
Klinik
Erkrankungsbeginn: Obstipation, Gaumensegelparese, Paresen der Gesichts- und Augenmuskulatur! Cave Gefahr der Zwerchfellparese.kraniokaudal progrediente Paralyse der gesamten Muskulatur
Diagnostik
Kultur- und Toxinnachweis (Tierversuch)
Therapie
frühzeitige Gabe von Antitoxin (Antiserum vom Pferd)
antibiotische Therapie bei Wundbotulinus (Penicillin i.v.)
bei Säuglingsbotulinus wird die antibiotische Therapie kontrovers diskutiert (evtl. Steigerung der Toxinproduktion)
Giftentfernung nur unmittelbar nach Ingestion sinnvoll (Aktivkohle, Magenspülung)
Clostridium difficile
pseudomembranöse Kolitis /antibiotikaassoziierte Kolitis/„Clostridium difficile associated diarrhoea“ (CDAD)> Memo alkoholische Händedesinfektionsmittel sind bei Sporenbildnern nicht wirksam.toxinvermittelte Darmerkrankung (Toxin A [Enterotoxin], Toxin B [Cytotoxin], evtl. plus binäres Toxin)
meist asymptomatische Besiedlung im 1. Lebensjahr (deshalb Diagnostik bei Kindern <2 Jahre i. d. R. nicht sinnvoll)! Cave komplizierte C. difficile Erkrankungen sind meldepflichtig (§6 IfSG).schwere Infektionen bei hospitalisierten Patienten mit Grunderkrankungen (z. B. Onkologie)
spezielle hygienische Maßnahmen (Handschuhpflege, Händewaschen mit Seife, sporozide Flächendesinfektion) aufgrund der besonderen Umweltresistenz der Sporen
Klinik
wässrige, hämorrhagische Durchfälle, Tenesmen
Komplikation: toxisches Megakolon, Rezidive (ca. 20 %)
mögliche Assoziation mit nekrotisierender Enterokolitis bei Frühborenen (NEC)
Diagnostik
Stufendiagnostik mit empfindlichem Suchtest (z. B. GDH EIA) und Bestätigungstest für die toxigene Infektion (z. B. Toxin A und B EIA)
Erregeranzucht oder PCR aus Stuhl
Rektosigmoidoskopie (pathognomonische Pseudomembranen)
Therapie
Vancomycin oder Metronidazol p.o., Fidaxomycin für Kinder noch nicht zugelassen
bei rekurrenten Rezidiven: experimenteller Mikrobiomtransfer („Stuhltransplantation“), bislang kaum Erfahrung in der Pädiatrie
bei Komplikationen evtl. chirurgische Intervention (Kolektomie)
Clostridium perfringens (Perfringens-Toxin)
toxinvermittelte Infektionskrankheit
ubiquitärer Umweltkeim mit hoher Umweltresistenz
Klinik
- „Gasbrand “
- lebensbedrohliche Wundinfektion
kontaminierte chirurgische Instrumente! Cave keine sichere Sporozidie durch Auskochen.- kontaminierte Wunden (z. B. Unfälle mit offenen Frakturen)
- sehr selten: „Darmbrand“ (Enteritis necroticans)
Lebensmittelvergiftungen
Diagnostik
Lokalbefund mit Krepitation bei der Palpation
Bildgebung: Röntgen (Lufteinschüsse), Sonographie
Gram-Präparat und Kultur aus Biopsiematerial
Therapie
kombinierte chirurgische (Debridement) und antibiotische Therapie (z. B. Ampicillin plus Clavulansäure)
evtl. plus hyperbare Sauerstofftherapie
Salmonellose
Salmonella enteritidis Subspezies enteritica, Gram-negative Stäbchen (Enterobakterien)
- Übertragung: fäkal-oral
- meist durch kontaminierte Speisen
- selten direkt von Mensch zu Mensch (Typhus)
wässrige Diarrhö
Klinik
- typhöse Verlaufsform
-
Serovare typhi und paratypisystemische Infektion
- Inkubationszeit: 2 Wochen
-
-
Enteritische Verlaufsform
- häufigste Serovare: typhimurium und enteritidis
- Vermehrung ausschließlich im Darm
Inkubationszeit: 12 bis 36 Stunden
asymptomatische Dauerausscheider (Reservoir: Gallenblase)
| Krankheitsstadien | Symptome |
|---|---|
| Stadium incrementi (1 Woche) | Fieberanstieg (bis >40°C), Roseolen (septische Hautzeichen), relative Bradykardie, Leukopenie, Splenomegalie, Obstipation |
| Stadium acmes (1–2 Wochen) | Fieber (Kontinua), erbsbreiartiger Stuhl, Delirium (typhos = griechisch: „benebelt“), Organbeteiligung (z. B. Pneumonie, Myokarditis) |
| Stadium decrementi (1–2 Wochen) | Fieberschwankungen (ambiophiles Fieber), blutige Durchfälle (cave: Darmperforation), Besserung des Allgemeinzustandes |
| Selten: Relaps | Nach kurzem symptomfreien Intervall Wiederauftreten der Symptomatik (cave: Organmetastasen (z. B. Osteomyelitis, Organabszesse) |
Diagnostik
kulturelle Anzucht auf Spezialnährböden (Leifson-Agar)
Serotypisierung nach Kauffmann-White-Schema (Widal-Agglutination)
Therapie
symptomatische Therapie (Rehydratation)
antibiotische Therapie nur bei typhösem Verlauf
antibiotische Eradikation bei Dauerausscheidern (Chinolone)
nur in refraktären Fällen: Cholezystektomie
Shigellose (Ruhr )
Shigella dysenteriae, S. flexneri, S. boydii, S. sonnei
Inkubationszeit: 2–4 Tage
Übertragung: fäkal-oral von Mensch zu Mensch (geringe Infektionsdosis: <100 Bakterien)
Klinik
Tenesmen mit blutigen Durchfälle („himbeergeléeartige Stühle“)
Exsikkose
Diagnostik
kulturelle Anzucht auf Spezialnährböden
Nachweis von Toxingenen (Shigatoxin, Verotoxin)
Therapie
antibiotische Therapie: z. B. Chinolone oder Amoxycillin
Escherichia-coli-Enteritis
E. coli ist Indikatorkeime für die Darmflora (Trinkwasserkontrolle)
Übertragung: fäkal-oral (Mensch-Mensch, aber auch Tier-Mensch)
Inkubationszeit: 6 h bis wenige Tage
- obligat pathogene E.-coli-Pathovare sind:
- EPEC (enteropathogene E. coli) (eae Gen)
- Säuglings- oder Reisediarrhö
- Schädigung der Mikrovilli (Enterozyten) über Adhäsine
- ETEC (enterotoxische E. coli)
- Toxin vermittelte Durchfallerkrankung („choleraartiges“ Toxin)
- EIEC (enteroinvasive E. coli)
- interzelluläre Ausbreitung (ipaH Gen)
- Shigella-artiges Enterotoxin (Sen)
- EHEC (enterohämorrhagische E. coli) (eae und stx1/stx2)
toxinvermittelte Durchfallerkrankung (Verotoxin/Shigatoxin, ST)! Cave Tierkontakte, besonders Rinder, nicht pasteurisierte Milch.- Antropozoonose
häufig: Serovar O157! Cave hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) bei ca. 10 % der Infizierten.- Hämolyse mit Fragmentozyten, Thrombozytopenie, akute Niereninsuffizienz
- Komplikation: Terminale Niereninsuffizienz (15–30 %)
Klinik
blutige Diarrhö> Memo Bei blutigen Durchfällen immer Hämolyse Diagnostik (Differenzialblutbild mit Nachweis von Fragmentozyten, LDH, Haptoglobin) und EHEC-Nachweis im Stuhl anstreben.
Diagnostik
Stuhlkultur und molekularbiologischer Nachweis der Pathogenitätsgene mit PCR (z. B. eae (Intimin) Gen)
Anzucht und Typisierung (Toxingene stx1 und stx2)
Widal-Agglutination (O- und H-Antigene)> Memo bei Verdacht auf HUS Antibiotika möglichst vermeiden (Steigerung der Toxinproduktion).
Therapie
Rehydratation
frühzeitige Dialyse bei HUS mit Niereninsuffizienz
Lues /Syphilis
Treponema pallidum, Gram-negative Stäbchenbakterien (Spirillen)
Klinik
- Lues acquisa : sexuelle Übertragung/Schmierinfektion (Rarität im Kindesalter) (Tab. 4.5)
- Inkubationszeit: 10 Tage bis 3 Monate
- Parallelität von Stadien und verkürzter Verlauf bei Immundefekten (z. B. AIDS)
- Lues connata
- Infektion der Mutter → transplazentare Übertragung nach der 10. SSW
- intrauteriner Fruchttod/Frühgeburtlichkeit
- häufig: Postnatal klinisch unauffällig (>50 %)
- Frühform (bei Geburt symptomatisch): Coryza syhilitica (blutig-eitriger Schnupfen), Atemstörung, Hepatosplenomegalie, Pemphigus syphilitica
- Spätform (Manifestation 1–3 Monate postnatal)
- makulopapulöses Exanthem (Syphilid), Schleimhautulzera (Plaque muqueuses), Fieber, Osteochondritis/Periostitis/Osteomyelitis (Pseudoparalyse), Myokarditis, Hepatitis, Iritis/Retinitis u. a.
- 2. Lebensjahr: seröse Meningitis
- Lues connata tarda (Manifestation in Kleinkind-/Schulalter)
- Hutchinson-Trias
- Keratitis parenchymatosis
- Tonnen zähne
- Innenohrtaubheit
| Stadien | Symptome |
|---|---|
| Primärstadium (Lues I) (ca. 4 Wochen) | Primäraffekt: Ulcus durum (kontagiös), plus schmerzlose Lymphknotenvergrößerung (Primärkomplex) |
| Sekundärstadium (Lues II) (Monate bis Jahre) | Systemische Ausbreitung der Erreger (kontagiös): Fieber, Abgeschlagenheit, Exanthem (Syphilid) mit Betonung der Hand- und Fußflächen, Condylomata lata, Enanthem (Plaque muqueuses) |
| Tertiärstadium (Lues III) (nach Jahren) | Nicht mehr infektiös: Gummen (chronisch-granulomatöse Infektion: Haut und Organe), Neurolues (Tabes dorsalis, progrediente Paralyse), kardiovaskuläre Lues (Mesaortitis luetica) |
Diagnostik
Direktnachweis (Dunkelfeldmikroskopie)
Serologie: Suchtest (TPHA/TPPA), Bestätigungstest (FTAabs-IgG/IgM), Aktivitätsmarker (VDRL, Lipoid-/Cardiolipin-Antikörper)
Therapie
Penicillin G! Cave Jarisch-Herxheimer-Reaktion bei Therapiebeginn (Endotoxinfreisetzung) mit Fieber, Exanthem, Myalgie.- Prophylaxe der Lues connata
- TPHA-Suchtest in der Frühschwangerschaft (Dokumentation im Mutterpass)
- frühzeitige antibiotische Therapie der infizierten Mutter
Lyme-Borreliose
Borrelia burgdorferi (B. sensu strictu, B. afzelii, B. garinii), Gram-negative Stäbchenbakterien (Spirillen)> Memo Prävention durch Repellentien bzw. durch frühzeitige Entfernung von Zecken, Impfung nicht möglich.stadienhaft verlaufendes Infektionssyndrom
Übertragung durch Zecken
Klinik
| Stadien | Symptome |
|---|---|
| Frühstadium (lokalisiert) | Erythema chronicum migrans („Wanderröte“) |
| Frühstadium (generalisiert) |
– Lymphadenosis cutis benigna („Pseudolymphom“), – Meningoradikulitis Bannwath (z. B. Fazialisparese) – Seröse Meningitis (Differenzialdiagnose: virale Meningitiden) – Arthritis/Karditis/Konjunktivitis |
| Spätstadium |
– Chronisch progressive Enzephalomyelitis – Chronische Polyneuropathie – Chronische Arthritis – Akrodermatitis chronica atrophicans |
Diagnostik
Frühstadium: ausschließlich klinisch (Erythema chronicum migrans ), Serologie meist negativ
Serologie: IgG- und IgM-Antikörper, Western-Blot-Bestätigungstest
Therapie
Frühstadium (lokalisiert): z. B. Amoxycillin p.o. (im Jugendlichen- und Erwachsenenalter auch Doxycyclin p.o.)
generalisierte Infektion und Spätstadium: Ceftriaxon i.v. oder Doxycyclin p.o.
Tuberkulose
Mycobacterium tuberculosis
säurefeste Stäbchenbakterien, langsames intrazelluläres Wachstum (Makrophagen)
immunologische Kontrolle durch spezifische T-Zellen
Histologie: granulomatöse Entzündung mit verkäsender Nekrose
Übertragung: aerogene Infektion, selten Nahrung (Darmtuberkulose)
nach WHO erkrankten 2014 weltweit 1 Million Kinder neu an Tuberkulose (TB)
Säuglinge und Kleinkinder häufiger betroffen als ältere Kinder
Klinik
Primärkomplex (Ghon-Komplex): Primäraffekt plus korrespondierender Lymphknoten
- systemische Aussaat („Mikrometastasen“)
- symptomlose Persistenz in multiplen Organen (z. B. Simon-Spitzenherde der Lunge)
- selten (Immunsupprimierte/Immununreife): Miliartuberkulose, Landouzy-Sepsis
Reaktivierung (z. B. bei Immunsuppression, Unterernährung, Tumoren, erhöhtem Alter etc.)
- Organmanifestationen (postprimäre Tuberkulose)
- Lungentuberkulose (Kavernenbildung im Röntgenbild)
- tuberkulöse Meningitis
- tuberkulöse Nephritis („sterile Leukozyturie“)
- Osteomyelitis/Spondylodiszitis
- Darmtuberkulose (Auslandsanamnese: infizierte Milchprodukte, z. B. M. bovis)
Diagnostik
Anamnese: Exposition zu Erkrankten, Herkunft aus Risikogebieten
- Immundiagnostik (indirekter Nachweis spezifischer T-Zellen)
- Mendel-Mantoux-Intrakutantest (Induration innerhalb von 72 h, allergische Typ IV Reaktion)
- T-Zell-Aktivierungstest im Blut („tuberculosis interferon-gamma release assay“, TIGRA)
- Unterscheidung zwischen Impfantwort (BCG) und Kontakt mit M. tuberculosis im Gegensatz zum Intrakutantest möglich
- Röntgen Thorax
- direkter Nachweis (aus Sputum oder Magensaft)
- Mikroskopie (Ziehl-Neelsen-Färbung, Kinyoung-Färbung)
- Anzucht auf Spezialnährböden (z. B. Löwenstein-Jensen-Agar, Dauer der Anzucht: mehrere Wochen)
- obligat bei jedem positiven Isolat: phänotypische Resistenztestung (Dauer: mehrere Wochen)
- Genomnachweis und genotypische Resistenztestung (PCR) innerhalb von 24 h möglich
Therapie
Diagnostische und klinische Einteilung! Cave Resistenzentwicklung gegen klassische Tuberkulostatika (MDR/XDR-Stämme).- TB-Exposition: gesicherte TB-Exposition, negative Immundiagnostik, negativer Röntgen-Thorax
- Chemoprophylaxe mit Isoniazid (3 Monate, bei klinischer Auffälligkeit Erweiterung um weitere 6 Monate)
- latente TB-Infektion: gesicherte TB-Exposition, positive Immundiagnostik (Serokonversion), negativer Röntgen-Thorax
- Chemoprävention mit Isoniazid (9 Monate), alternativ Isoniazid/Rifampicin (3–4 Monate)
- aktive Tuberkulose: Kombinations-Chemotherapie
- Vierfachtherapie (2 Monate): Isoniazid, Rifampicin, Etambutol, Pyrazinamid
- Zweifachtherapie (weitere 4(–7) Monate): Isoniazid, Rifampicin
Atypische Mykobakteriosen („mycobacterium other than tuberculosis“, MOTT )
besondere Disposition bei Kleinkindern und bei Immmunsupprimierten
Klinik
! Cave Differenzialdiagnose: Tumor/Lymphom.
meist einseitige Lymphknotenvergrößerung
„Schwimmbadgranulom“ der Haut (M. marinum)
Hautulkus (M. ulcerans, „Buruli-Ulkus“)
tuberkuloseartige pulmonale Infektion bei Immunsupprimierten (z. B. AIDS)
Diagnostik
Nachweis bevorzugt aus Biopsiematerial
Anzucht (Spezialnährböden)
Genomnachweis (PCR)
Therapie
Lymphknotenexstirpation in toto (Immungesunde) ohne weitere tuberkulostatische Therapie
alternativ: Antimykobakterielle Therapie (z. B. Rifabutin plus Clarithromycin)
Chlamydien
Chlamydien sind obligat intrazellulär wachsende Bakterien
Therapie der Wahl: Makrolide
Chlamydia trachomatis
abhängig vom Serotyp sind verschiedene Krankheitsentitäten bekannt
Klinik
! Cave „Ping-pong-Infektionen“ (sexuelle Übertragung bei Erwachsenen).
- Trachom (Serovare A–C)
- chronischen Augenentzündung, die unbehandelt zur Erblindung führt
- endemisch in tropischen Ländern
- Lymphogranuloma venerum (Serovare L1–3)
- Geschlechtskrankheit
- Primärläsion (Ulkus) und begleitender Lymphknotenschwellung
- Chlamydien-Konjunktivitis und -Pneumonie (Serovare D–K)
- konnatale aszendierende Infektion bei vorzeitigem Blasensprung
- perinatale Infektion durch die vaginal besiedelte Mutter (Prävention durch Screening der Mutter[PCR])
- klinisch bei Erwachsenen häufig asymptomatischer Verlauf
- Inkubationszeit: 1–4 Wochen
- Neugeborene (perinatal erworbene Infektion)
- C.-trachomatis-Pneumonie (10–20 % der Exponierten)
eitrige Konjunktivitis („Einschlusskörperchen-Konjunktivitis“) bei >50 % der Exponierten> Memo Die Credé-Prophylaxe verhindert die Konjunktivitis, nicht die Entwicklung der Pneumonie.
- Frauen
- Adnexitis durch aszendierende Infektion (Unfruchtbarkeit durch Tubenverklebung)
- selten: Peritonitis
- Männer
Epididymitis/Prostatitis/z. T. auch Proktitis> Memo immer systemische antibiotische Therapie, auch bei Konjunktivitis.
Diagnostik
Genomnachweis (PCR)
Serologie nur eingeschränkt für die Akutdiagnostik verwertbar
Anzucht in Zellkultur (Speziallabore)
Therapie
Makrolide, bei Jugendlichen auch Doxycyclin
Chlamydia psittaci
natürliches Habitat: Vögel
Übertragung: Inhalation von erregerhaltigem Staub
Inkubationszeit 7–14 Tage
Klinik
atypische Pneumonie (Psittakose , Ornithose, Papageienzüchter-Erkrankung )
Diagnostik
Anzucht in Zellkultur (Speziallabore)
Serologie (im Rahmen der akuten Erkrankung häufig noch negativ)
Genomnachweis (PCR)
Therapie
Makrolide
Chlamydia pneumoniae
Klinik
Infektionen der oberen und unteren Luftwege (Konjunktivitis, Pharyngitis, Bronchitis, Otitis media, Pneumonie)
Hyperreagibilität des Bronchialsystems im Anschluss an die akute Infektion
Diagnostik
PCR (Antigennachweis und Serologie sind wenig sensitiv und spezifisch)
Therapie
Makrolide
Virusinfektionen
infektiöse Partikel ohne eigenen Stoffwechsel
Zusammensetzung: Nukleinsäure (DNA oder RNA) und Proteine
Vermehrung obligat intrazellulär
infektiöses Prinzip: virale Nukleinsäure → Umprogrammierung der Wirtszelle → Synthese der Virusbausteine und des Virusgenoms → Zusammenbau („self assembly“) → Virusfreisetzung
- Aktivität/Replikation
- aktive Infektion (Virusnachweis positiv)
- Primärinfektion (Serokonversion)
- latente Infektion (Persistenz von Virusgenom ohne Virusreplikation, z. B. Herpesviren)
- Reaktivierung vormals latenter Infektionen (häufig im Rahmen von Immunsuppression)
- Pathogenese von Viruserkrankungen
- abortive Infektion (asymptomatisch)
- lytische Infektion (direkter zytopathischer Effekt)
- immunvermittelte Zellschädigung (indirekter Effekt)
- Transformation (z. B. Tumor-/Warzenviren)
- typische Charakteristika viraler Infektionskrankheiten
- zweigipfliger Fieberverlauf (1. Virämie → 2. Immunreaktion)
- hohe Infektiosität häufig bereits wenige Tage vor Exanthembeginn
- lebenslange Immunität bei einigen klassischen Kinderkrankheiten z. B. Masern, Mumps, Röteln, Windpocken (Voraussetzung: ein Serotyp)
- Teilimmunität: zeitlich begrenzter Schutz vor Neuinfektionen (z. B. Noroviren)
- selten: „immune enhancement“ (verstärkte Pathogenität bei nicht-sterilisierender Immunität, z. B. Dengue-Virus)
Masern
Morbillivirus (Paramyxovirus)
Übertragung: Tröpfcheninfektion/aerogene Infektion
Inkubationszeit: 9–12 Tage
fast alle Infektionen verlaufen symptomatisch (Manifestationsindex >90 %)
i. d. R. lebenslange Immunität
Klinik
- Prodromalstadium (3–4 Tage)
- katarrhalische Symptomatik mit Fieber, Abgeschlagenheit, Husten
- Konjunktivitis, Lichtscheu
- pathognomonisch: Koplik-Flecken (kalkspritzerartiges Enanthem der Wangenschleimhaut auf Höhe der Prämolaren)
- Exanthemstadium
- mittel- bis großflächiges, z. T. konfluierendes Exanthem
- Exanthembeginn am Kopf, kraniokaudale Ausbreitung
- Zunahme der katarrhalischen Allgemeinsymptome, Fieber, starke Abgeschlagenkeit
- Lymphadenopathie (zervikonuchal), Lymphozytopenie
Entfieberung spätestens am 4. Krankheitstag! Cave prolongiertes Fieber → komplizierter Verlauf (z. B. durch bakterielle Superinfektion).
- Komplikationen
- Masern-Pneumonie (Riesenzellen, Synzytien)
- Masern-Enzephalitis (Häufigkeit 1:1.000) mit hoher Letalität (bis 20 %); Defektheilungen (bis 40 %)
- Immunsuppression (z. B. Reaktivierung einer Tuberkulose)
- toxische Masern (foudroyant) mit generalisierter Hämorrhagie und hoher Letalität
- bakterielle Superinfektionen
- subakut sklerosierende Panenzephalitis (SSPE)
- Spätkomplikation mit einer Latenz von mehreren Jahren
- chronische Enzephalitis durch mutierte Masernviren
- chronisch progrediente neurologisch-demenzielle Entwicklungsstörung (100 % letal!)
- typische EEG-Veränderungen
- Risikopatienten nach Infektion im Alter <1 Jahr (vor Erreichen des empfohlenen Alters für Lebendimpfungen!)
Diagnostik
Serologie: Masern-IgG und -IgM
Therapie
symptomatisch, Prävention durch Impfung (Lebendimpfstoff)
antibiotische Therapie bei Verdacht auf bakterielle Superinfektion
Mumps (Ziegenpeter , epidemische Parotitis )
Mumpsvirus (Paramyxovirus)
Übertragung: Tröpfcheninfektion
Inkubationszeit 2–3 Wochen
i. d. R. Lebenslange Immunität
Klinik
schmerzhafte Parotisschwellung (ein- oder beidseitig)
häufig asymptomatischer Verlauf (60–70 %)
Knabenwendigkeit
- Komplikationen
- Mumps-Orchitis (selten vor der Pubertät, bis 30 % nach der Pubertät), in der Folge häufig Hodenatrophie/Fertilitätsstörung
- Mumps-Meningoenzephalitis! Cave häufig bleibende Innenohrschwerhörigkeit.
- Mumps-Pankreatitis
Diagnostik
Serologie: Mumps-IgG und -IgM
Amylase/Lipase zum Ausschluss der Pankreatitis
Therapie
symptomatisch, Prävention durch Impfung
Röteln
Rubella-Virus (Rubivirus)
Übertragung: Tröpfcheninfektion, transplazentare Transmission
i. d. R. lebenslange Immunität
Klinik
- Röteln (Kinder und Erwachsene): harmlose Kinderkrankheit
- makulopapuläres Exanthem
- generalisierte Lymphknotenvergrößerung
- Allgemeinzustand kaum beeinträchtigt
- häufig: abortive Infektionen (50 % ohne klinische Symptome)
- Röteln-Embryofetopathien („Gregg-Syndrom “)
- transplazentare Infektion durch Primärinfektion der Mutter in der Schwangerschaft
- häufigste infektiöse Embryofetopathie vor Einführung der Impfung
- Embryofetopathie-Risiko besonders hoch in der Frühschwangerschaft (>50 %), nach der 18. SSW sinkt das Risiko auf <5 %
- klinische Zeichen
- Katarakt bzw. weitere Augendefekte
- Innenohrschwerhörigkeit
- Herzfehler
- psychomotorische Retardierung/Mikrozephalie
- Hypotrophie/Minderwuchs
- erweitertes Röteln-Syndrom: plus Organbeteiligung (Hepatitis, Pneumonie, Myokarditis, Blutbildungsstörung u. a.)
Diagnostik
Serologie: IgG (Immunität bei >10(–15) IU/ml im ELISA-Test) und IgM
- Spezialuntersuchungen zur Unterscheidung frischer und älterer Infektionen
- epitopspezifische Anti-E2-Antikörper (Infektionszeitpunkt >3 Monate)
- Aviditätstest (hochavide Antikörper >3 Monate nach Infektion)
- Genomnachweis (RT-PCR)
Therapie
symptomatisch, Prävention durch Impfung
Herpes simplex
Herpes-simplex-Virus Typ 1 und 2 (α-Herpesvirus)
Übertragung: Schmierinfektion, oral, sexuell, perinatal
Latenz in sensorischen Ganglien
Klinik
gruppierte Bläschen (Vesikel) → Erosion → Ausheilung immer ohne Narbenbildung
lokales Taubheitsgefühl
- Primärinfektion
- häufig asymptomatisch
- Stomatitis aphthosa (Mundfäule): Kleinkindalter
- schmerzhaft ulzerierendes Enanthem → Nahrungsverweigerung → Exsikkose
- Reaktivierungen
- Herpes labialis („Lippenbläschen“)
- HSV1 (Persistenz in den trigeminalen Ganglien), selten HSV2
- Herpes genitalis
- HSV2 (Persistenz in den sakralen Ganglien), selten HSV1
- Komplikationen
- Herpes-Enzephalitis (Temporallappen-Enzephalitis)
- Herpes neonatorum (perinatale Infektion, Herpes genitalis der Mutter)
lokalisierte exanthematische Infektion („eye, skin, mouth infection“)! Cave Neonatale HSV-Infektionen generalisieren zwangsläufig ohne frühzeitige antivirale Therapie!- ZNS-Infektion (Enzephalitis)
- neonatale Sepsis (generalisierter Verlauf mit Multiorganbefall)
Diagnostik
PCR (Genomnachweis), Antigennachweis (Direktpräparat), Zellkultur
Serologie: IgG- und IgM-Antikörper
Therapie
Mittel der Wahl: Aciclovir> Memo Bei Verdacht auf schwere HSV-Infektionen ist Aciclovir i.v. eine Notfalltherapie, die ohne Zeitverzögerung appliziert werden muss. Die orale Bioverfügbarkeit von Aciclovir ist gering, so dass schwere HSV Infektionen stets i.v. therapiert werden müssen.
Varizellen und Herpes Zoster
Varizella-Zoster-Virus (VZV), α-Herpesvirus (HHV3)
hochkontagiös; Übertragung durch Tröpfcheninfektion/aerogene Infektion
lebenslange Latenz in sensorischen Ganglien
Klinik
- Primärinfektion: Windpocken (Varizellen)
- Inkubationszeit: 10 Tage bis 3 Wochen
- schubweise auftretendes, stark juckendes Exanthem (zentripetaler Ausbreitung)
- typische Abfolge der Effloreszenzen: Erythem → gruppierte Vesikel → Ulkus → Ausheilung/Narbe
- „Sternenhimmelphänomen“ (Parallelität früher und später Exanthemstadien)
- Komplikationen:
Varizellen-Pneumonie! Cave hämorrhagische Varizellen (Immunsupprimierte).- Enzephalitis (selten)
- bakterielle Superinfektionen
- Reaktivierung: Gürtelrose (Zoster)
- häufig streng einseitig, dermatombegrenzt
- gruppierte Bläschen (Virusnachweis im Abstrich positiv)
- Disposition: Immunsuppression, Tumorerkrankung, ältere Menschen
- Komplikationen: Rezidive, Post-Zoster-Neuralgie
- konnatale VZV-Infektion (fetales/kongenitales Varizellensyndrom)
- sehr selten: transplazentare teratogene Infektion (Primärinfektion der Mutter)
- skarifizierende, häufig dermatombegrenzte Gewebsschädigung, Abschnürungen
- Enzephalitis/Mikrozephalie
- perinatal erworbene Varizelleninfektion
- Windpocken der Mutter um den Geburtstermin (Exanthembeginn 5 Tage vor bis 2 Tage nach der Entbindung)
Diagnostik
Serologie: IgG und IgM
Genomnachweis (PCR), Antigennachweis, Zellkultur
Therapie
symptomatisch (Juckreiz), Prävention durch Impfung
postexpositionelle Prophylaxe bei seronegativen Risikopatienten: passive Impfung (VZV-Hyperimmunglobulin)
antivirale Therapie: Aciclovir oder Brivudin (Zoster)
Therapie der Zoster-Neuralgie (z. B. Antidepressiva, Antiepileptika)
Infektiöse Mononukleose
Epstein-Barr-Virus (EBV), γ-Herpesvirus (HHV4)
Zielzellen: humane B-Lymphozyten (EBV-Rezeptor = Komplement-Rezeptor 2 [CD21])
Übertragung: enger körperlicher Kontakt („kissing disease“)
Infektion häufig asymptomatisch
Klinik
- Primärinfektion: infektiöse Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber )
- Inkubationszeit: 10 Tage bis 6 Wochen
- Fieber, Abgeschlagenheit
- generalisierte Lymphadenopathie (schmerzhaft), Hepatosplenomegalie
- Tonsillitis (Differenzialdiagnose: eitrige Angina tonsillaris)
- Komplikationen
- spontane Milzruptur
- sepsisartige Erkrankung mit Hämophagozytose bei Kindern mit angeborenen Immundefekte (z. B. „X-linked lymphoproliferative disease“, XLD)
- Hämolyse/Thrombozytopenie
Tumoren> Memo Das Auftreten dieser EBV-assoziierten Tumoren zeigt eine besonders hohe Prävalenz in Endemiegebieten mit Malaria (Kofaktor).- Hodgkin-/Non-Hodgkin-Lymphome (z. B. Burkitt Lymphom), Nasopharynxkarzinom
- „post transplant lymphoproliferative disease“ (PTLD) (lymphomartige Erkrankung bei Immunsupprimierten)
Diagnostik
heterophile Antikörper (Paul-Bunnell-Test, Mononukleose-Schnelltest)
„Pfeiffer-Zellen “ im Blut (lymphozytäre Reizformen, aktivierte T-Lymphozyten)
Kälteagglutinine, polyklonale IgM-Produktion
Serologie: Anti-VCA IgG/IgA/IgM, Anti-EBNA (ältere Infektion), Anti-EA („early antigen“, aktive Infektion)
EBV-PCR (Genomnachweis)
Therapie
symptomatisch, Prävention durch Impfung nicht möglich! Cave generalisiertes Exanthem bei fälschlichem Behandlungsversuch mit Ampicillin/Amoxycillin.
bei EBV induzierten B-Zell-Tumoren: Anti-CD20-Antikörper (Rituximab) → B-Zell-Depletion
bei Transplantierten Immunsuppression möglichst reduzieren
Zytomegalievirus
β-Herpesvirus (HHV5)
Übertragung: enger körperlicher Kontakt (Urin, Speichel, Blut)
Klinik
- Primärinfektion
- meist abortiv (hohe Durchseuchung nach asymptomatischer Infektion)
mononukleoseartige Erkrankung („heterophile negative mononucleosis“)> Memo häufigste konnatale Infektion seit erfolgreicher Prävention der Röteln-Embryopathien.
- konnatale CMV-Infektion (transplazentare Transmission bei Primärinfektion der Mutter)
- Mikrozephalie/Enzephalitis
Defektheilung mit progredienter Innenohrschwerhörigkeit, geistiger Behinderung> Memo besondere klinische Manifestationen in den Risikogruppen: Pneumonie (Stammzell-, Knochenmarktransplantation), Retinitis (AIDS), Kolitis und chronisches Transplantatversagen (Organtransplantierte).- Organbeteiligung: Hepatitis, Blutbildungsstörung, Blutungszeichen, extramedulläre Blutbildung z. B. in der Haut („blueberry muffin“), Pneumonie
- meldepflichtig nach §6 IfSG
- CMV-Infektion bei Immunsupprimierten
- Transplantierte, Patienten mit erworbenen (AIDS) und angeborenen Immundefekten
Diagnostik
PCR (Genomnachweis)/Antigennachweis in Blutzellen (pp65-Antigenämie)
Serologie: CMV-IgG und -IgM
Therapie
meist symptomatisch, Prävention durch Impfung nicht möglich
Ganciclovir (GCV) i.v. oder Val-Ganciclovir p.o., bei GCV-Resistenz: Cidofovir, Foscarnet
evtl. postexpositionelle Prophylaxe/Therapie bei Schwangeren mit nachgewiesener Primärinfektion: Immunglobuline i.v. (→ möglicherweise Rückgang der symptomatisch infizierten Neugeborenen)
Exanthema subitum
humanes Herpesvirus Typ 6 (HHV6-Variante A und B), β-Herpesvirus
alternativ: humanes Herpesvirus Typ 7 (HHV7)
Übertragung: Tröpfcheninfektion bzw. enger körperlicher Kontakt
Inkubationszeit: 1–2 Wochen
Klinik
- Dreitagefieber , „Roseola infantum “ (Primärinfektion)
- Manifestation: Säuglings- und Kleinkindalter
- hohes Fieber bei gutem Allgemeinzustand
- unkomplizierte Fieberkrämpfe möglich
- Exanthembeginn drei Tage nach Fieberanstieg (pathognomonisch)
HHV6-Reaktivierung (Rekrudenz) bei Immunsupprimierten
Diagnostik
typischer klinischer Befund
Serologie (IgG, IgM), Genomnachweis (PCR)
Therapie
symptomatisch, Prävention durch Impfung nicht möglich, antivirale Therapie nicht etabliert
Ringelröteln
Parvovirus B19
Übertragung: Tröpfcheninfektion bzw. enger körperlicher Kontakt, selten über Blut
Inkubationszeit: 1–2 Wochen
Zielzellen für die Virusinfektion sind Erythroblasten
Klinik
Ringelröteln (Erythema infectiosum )! Cave Patienten mit verminderter Erythrozyten Überlebenszeit, z. B. Sphärozytose.- häufig asymptomatisch
- girlandenförmiges, wanderndes Exanthem, geringes Krankheitsgefühl
- passagere aregeneratorische Anämie
- persistierende Infektion (Monate bis Jahre): Abgeschlagenheit, Arthralgien
- konnatale Infektion
transplazentare Infektion nach Primärinfektion der Mutter (besonders in den ersten beiden Schwangerschaftsdritteln)> Memo nicht teratogene Infektion; Rückbildung der Organveränderungen nach Korrektur der Anämie (s. Therapie).- Pathogenese: fetale aregeneratorische Anämie → generalisierte O2-Minderversorgung → Hydrops fetalis → intrauteriner Fruchttod
Diagnostik
Serologie: IgG und IgM
Virusnachweis durch PCR (Serum, Synovia, Fruchtwasser, Fetalblut)
fetale Sonographie/Dopplersonographie
Therapie
intrauterine Erythrozytentransfusion durch Nabelschnurpunktion (Universalerythrozyten der Blutgruppe 0, Rh-negativ, bestrahlt)
nach erfolgreicher Transfusion bilden sich die Hydropszeichen i. d. R. vollständig zurück
Enterovirusinfektionen
Picorna-Viren (Coxsackie-A- und -B-Viren, Echoviren, Enteroviren (Typ 68–71), Polioviren)
Klinik
„Sommergrippe“
virale Meningitis , „Sommermeningitis “ (heilt meist folgenlos aus)
- Myokarditis (Coxsackie-A- und -B-Viren)
- chronische Abgeschlagenheit nach „banalen“ Infekten
- Kardiomyopathie
Sepsis bei Neugeborenen
„Hand-Mund-Fuß“-Erkrankung (Coxsackie-A-Viren)
Pleurodynie (Bornholm-Erkrankung ) (Coxsackie-B Viren)
Poliomyelitis (s. unten)
Diagnostik
Zellkultur bzw. Genomnachweis (RT-PCR, In-situ-Hybridisierung) aus Stuhl
Serologie: Komplement Bindungsreaktion (KBR), Neutralisationstests
Therapie
symptomatisch
Poliomyelitis (Kinderlähmung )
Poliovirus Typ 1, 2 und 3, selten auch andere Enteroviren> MEMO: Polio Typ 2 Wildviren wurden seit 1999 als Ausdruck der erfolgreichen weltweiten Eradikationsbemühungen nicht mehr nachgewiesen. Im September 2015 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) daher die Eradikation von Polio Typ 2 erklärt.fäkal-orale Übertragung
Inkubationszeit 2 Tage bis 2 Wochen
meldepflichtig nach §6 und 7 des IfSG
Klinik
häufig asymptomatisch
zweigipfliger Fieberverlauf
seröse Meningitis (nicht-paralytische Form)
paralytische Form (Extremitäten)
bulbopontine Form (Hirnnervenausfälle, Schluck-, Atem- und Kreislaufstörung)
enzephalitische Form (Bewusstseinsstörung)
vegetative Störungen (Tachykardie, Schweißausbrüche)
Postpoliomyelitis-Syndrom (erneute Progredienz nach 2–3 Jahren)
Diagnostik
Zellkultur (Stuhl) und Genomnachweis (RT-PCR, In-situ Hybridisierung)
Serologie: Komplement Bindungsreaktion (KBR), Neutralisationstests
Therapie
symptomatisch, Prävention durch aktive Impfung (Totimpfstoff, Salk), früher durch attenuierte Lebendimpfung (Sabin)
weltweites Eradikationsprogramm der WHO: bislang konnte nur Polio Typ 2, aber noch nicht Typ 1 und Typ 3 eradiziert werden
Frühsommermeningoenzephalitis (FSME )
FSME-Virus, Flavivirus
Anthropozoonose
Übertragung durch Zecken (Ixodes ricinus)
Endemiegebiete u. a. in Süddeutschland/Österreich/Osteuropa
Inkubationszeit 1–3 Wochen
Meldepflicht nach §7 IfSG
Klinik
meist inapparent (abortive Infektion), symptomatische Verläufe i. d. R. erst ab dem Schulalter! Cave häufige Residuen, ca. 10 %seröse Meningitis
Diagnostik
Impfanamnese, Reiseanamnese (Aufenthalt in Endemiegebieten)
Serologie: IgG- und IgM-Antikörper in Serum und Liquor
RT-PCR häufig zum Zeitpunkt der klinischen Manifestation nicht mehr positiv
Therapie
symptomatisch
Prophylaxe durch Impfung ab dem 3. Lebensjahr (Totimpfstoff)
Expositionsprophylaxe (lange Kleidung, Repellentien)
Human-Immunodefizienz-Virus (HIV )
HIV-1 (weltweit) und HIV-2 (v. a. Westafrika); Lentiviren> Memo Aufgrund der in Deutschland üblichen Spenderauswahl und Testung ist die Übertragungswahrscheinlichkeit von HIV mit Blutprodukten sehr gering (<1/Mio.).Übertragung: Sexuell, hämatogen, selten durch Stillen
Infektion CD4-positiver Zellen (z. B. T-Helfer-Zellen), progrediente Immundefizienz durch Depletion
Klinik
akutes HIV-Syndrom! Cave Der Antikörpernachweis kann in der Frühphase der Infektion noch negativ sein, „diagnostisches Fenster“!- Inkubationszeit 1–12 Wochen
- mononukleoseartiges Krankheitsbild (grippaler Infekt, Tonsillitis, Lymphadenopathie, Hepatitis, makulopapulöses Exanthem)
- hohe Virämie
- AIDS („acquired immunodeficiency syndrome“)
- Korrelation der Immundefizienz mit dem Verlust CD4+-T-Zellen (kritischer Wert <500/µl)
- opportunistische Infektionen (AIDS-definierende Erkrankungen), z. B. Pneumocystis-Pneumonie
- viral induzierte Tumoren, z. B. EBV-induzierte Lymphome, Kaposi-Sarkom (HHV8), Zervixkarzinom/Kondylomata (Papillomaviren)
Diagnostik
HIV-Antikörper-Suchtest/Bestätigungstest (Western-Blot)
HIV-p24-Antigen (häufig als Kombi-Test zusammen mit dem serologischen Suchtest)
quantitative HIV RT-PCR aus Serum („Viruslast“)
Therapie
keine kurative Therapie möglich> Memo Eine Monotherapie ist aufgrund der schnellen Resistenzentwicklung obsolet. Die Entstehung von Resistenzmutationen wird durch die häufigen „Lesefehler“ der RT begünstigt.wichtigste gesundheitspolitische Maßnahme: Prävention der HIV Infektion durch Aufklärung („safer sex“, perinatale Therapie)
- antiretrovirale Therapie (Substanzklassen)
- nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI) → kompetitive Inhibition der RT
- nicht-nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI) → nicht-kompetitive Inhibition der RT
- Protease-Inhibitoren (PI)
- PI werden i. d. R. mit Ritonavir geboostert → kompetitive Hemmung des PI-Abbaus durch Cytochrom P450 → suffiziente Wirkspiegel
- Integrase-Inhibitoren (neue Reservesubstanz)
- Fusionsinhibitoren (Reservesubstanz zur, ausschließlich parenteralen Applikation, s.c.)
- ausschließlich als Kombinationstherapie zur Vermeidung von Resistenzen („highly active antiretroviral therapy“, HAART)
- Ziel der HAART z. B.:
- Senkung der Viruslast (unter die Nachweisgrenze)
- Rekonstitution von Immunfunktionen zur Prävention von AIDS Folgeerkrankungen
- Supportivtherapie
- Pneumocystis-jirovecii-Prophylaxe (PcP, früher P. carinii) mit Cotrimoxazol bei Säuglingen und bei Kindern mit niedrigen CD4+-Zellen (altersspezifische Richtwerte)
- nur in begründeten Ausnahmefällen: Immunglobulinsubstitution
- Prävention der perinatalen Transmission
- antiretrovirale Therapie (spätestens ab der 32. SSW)
- Sectio caesarea am wehenfreien Uterus (z. B. 37. SSW)
- postnatale antiretrovirale Prophylaxe des Neugeborenen
- möglichst Stillverbot
- postexpositionelle Prophylaxe (PEP) nach Exposition (z. B. Nadelstichverletzung)
- frühzeitige antiretrovirale Kombinationstherapie zur Prävention einer Infektion (Beginn möglichst <2 h nach Exposition)
Adenovirusinfektionen
52 verschiedene Typen
hohe Umweltresistenz → nosokomiale Infektionen z. B. in Augenkliniken
Klinik
sehr heterogene Klinik in Abhängigkeit vom Adenovirus-Typ und von der Wirtsimmunität
Conjunctivitis epidemica (hochkontagiös, meldepflichtig nach §6 und 7 des IfSG)
Enteritis („Säuglingsdiarrhö“)
Infektionen der Atemwege (Rhinitis, Pharyngotonsillitis, Bronchitis, Pneumonie)
Sepsis bei Immunsupprimierten (Primärinfektionen aber auch Reaktivierungen)
Diagnostik
Antigennachweis im Stuhl (enteritische Adenoviren), Genomnachweis (PCR)
Therapie
symptomatisch (nur bei Immunsupprimierten: experimentelle antivirale Therapie mit Cidofovir)
Influenza
akute virale Infektion der oberen und unteren Luftwege, z. T. mit Organbeteiligung (Myokarditis, Perikarditis, Enzephalitis, Myositis)
Disposition für schwere Verläufe bei Patienten mit gestörter Lungenfunktion (z. B. bronchiopulmonale Dysplasie, zystische Fibrose) oder anderen chronischen Erkrankungen (z. B. Herzfehler, neuromuskuläre Erkrankungen)
Übertragung: Tröpfchen- und Schmierinfektion
- jahreszeitliche Häufung in den Wintermonaten
- derzeit zwei endemische humane Influenza-A-Viren (humane H1N1- und H3N2-Stämme) plus ein endemischer humaner Influenza-B-Virusstamm
- Tierreich (z. B. Vögel) ist ein vielfältiges Reservoir für andere Influenzavirus-Stämme
- Antigendrift (langsame Veränderung der Oberflächenantigene H (Hämagglutinin) und N (Neuraminidase) durch Mutationen → saisonale Anpassung der Impfstoffantigene)
Antigenshift (Entstehung neuer humanpathogener Influenzavirus Stämme, z. B. durch Reassortantenbildung mit animalen Influenzavirusstämmen)! Cave Pandemiegefahr durch neue Influenzaviren.
Klinik
akut Fieber, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen
selten auch mit Durchfall, Übelkeit, Erbrechen
- Komplikationen:
- fulminante Influenza-Pneumonie
bakterielle Superinfektionen (besonders Pneumokokken und Staphylococcus aureus)! Cave Reye-Syndrom in Zusammenhang mit Antipyrese durch Azetylsalizylsäure.- Myokarditis, Perikarditis, Myositis
Diagnostik
Antigennachweis oder RT-PCR aus Nasensekret (Schnelltests)
Virusanzucht in Zellkultur
Therapie
frühzeitiger Therapiebeginn mit Neuraminidase-Inhibitoren! Cave Resistenzentwicklung gegen Neuraminidase-Inhibitoren.- Zanamivir inhalativ
- Oseltamivir p.o.
Influenza-A-Therapie („second line“): Amantadin
antibakterielle Therapie bei Verdacht auf Superinfektion
Prävention durch jährliche Impfung mit Totimpfstoff (Indikationsimpfung bei Risikokindern)
Pandemieplan zur Kontrolle von Ausbrüchen mit neuen humanpathogenen Influenzavirusstämmen (z. B. Meldepflicht, Isolierungsmaßnahmen/Quarantäne)
Rotavirusinfektionen
Reoviren, 6 Serotypen (A–F)
hohe Umweltresistenz (Tenazität)
meldepflichtig nach IfSG §6 und 7
Klinik
Inkubationszeit 1–3 Tage
Übertragung: fäkal-oral
breiige Durchfälle (charakteristischer süßlicher Geruch) → Exsikkose
hohe Mortalität bei schlechter medizinischer Versorgung (z. B. in Ländern der 3. Welt)
häufig: nosokomiale Infektionen auf Säuglingsstationen (→ Handschuhpflege, viruzide Händedesinfektionsmittel)
Diagnostik
Rotavirus Antigennachweis/PCR im Stuhl
Therapie/Prävention
orale oder intravenöse Rehydratation
aktive Rotavirus-Impfung ab der 6. Lebenswoche („Schluckimpfung“, polyvalenter Lebendimpfstoff)
Norovirusinfektionen
Caliciviren
hohe Umweltresistenz (Tenazität)! Cave nosokomiale Norovirus-Ausbrüche/Epidemien (Patienten, Personal und deren Angehörige).geringe Infektionsdosis (10 Virionen), hohe genetische Variabilität
Epidemien in den Wintermonaten
Übertragung: Fäkal-oral oder durch Tröpfcheninfektion (inhalativ)
Klinik
Brechdurchfall, Dauer: 1–2 Tage
Diagnostik
Genomnachweis (RT-PCR), Antigennachweise je nach saisonalem Stamm unterschiedlich sensitiv
in der Ausbruchsituation kann die Diagnose der Norovirusinfektion aufgrund der klinischen Symptomatik auch ohne weitere virologische Diagnostik gestellt werden (s. Falldefinition des RKI)
Therapie
symptomatisch (Rehydratation)
Pilzinfektionen
- Einteilung nach DHS-Klassifikation
- Dermatophyten
- Hefen
- Schimmelpilze
Dermatomykosen
Klinik
Soor (mukokutane Candida-Infektion ): weißliche Beläge
- Epidermatomykose (oberflächige Hautmykosen): Tinea corporis/pedis/capitiis
juckendes Exanthem (rund und randbetont)> Memo anamnestische Frage nach Tierkontakten bei tiefer Trichophytie („Kälberflechte “).- selten: tiefe Trichophytie (Kerion celsi) mit Einbeziehung der Haarfollikel (narbige Ausheilung)
Onchomykosen (Nagelmykose )
Trichomykose (Haarmykosen )
Diagnostik
Direktpräparat (Vorbehandlung mit KOH, Fluoreszenzfärbung)
Kultur auf Spezialnährböden (Dauer: mehrere Wochen)
Therapie
Lokaltherapie: z. B. Azole, Cyclopiroxolamin, Terbinafin
systemische Therapie: Terbinafin, Azole, Griseofulvin
Systemische Mykosen
- Immunsupprimierte/Patienten mit Systemerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus)
- Aspergillosen , Candidosen , Mukomykosen
Klinik
Pilzpneumonie
Organmykosen
Diagnostik
Goldstandard: Pilznachweis in Biopsien (Mikroskopie, Kultur, PCR) und Blutkultur (Sensitivität gering)
Aspergillus- und Candida-Antigennachweis (Antikörpernachweise bei Immunsupprimierten besonders wenig sensitiv)
Bildgebung (z. B. Dünnschicht-CT der Lunge)> Memo Aufgrund der wenig sensitiven Diagnostik ist antibiotikaresistentes Fieber bei Immunsupprimierten häufig der einzige Hinweis für eine systemische Mykose → Erweiterung der kalkulierten antibiotischen Therapie um Antimykotika.
Therapie
Azole, Echinocandine, liposomales Amphotericin B
bei stark Immunsupprimierten evtl. auch antimykotische Prophylaxe
Nicht-infektöse Erkrankungen durch Pilze
Allergien, z. B. bei beruflicher Exposition (Kanalarbeiter, Bauern, Vogelzüchter)
Vergiftungen, z. B. Aflatoxin (Aspergillus flavus)
Erkrankungen durch Protozoen
Malaria
- Übertragung von Plasmodien durch den Stich der weiblichen Anophelesmücke
- geschlechtliche Entwicklung (Oozyste) in der weiblichen Anophelesmücke
- ungeschlechtliche Vermehrung in Leberzellen (Gewebsschizogonie)
- ungeschlechtliche Vermehrungszyklen in roten Blutkörperchen (Blutschizogonie)
- Pathogenese
- Fieberanstieg beim Freisetzen der Plasmodien
- verminderte Erythrozyten Elastizität → Mikroembolien → Minderversorgung lebenswichtiger Organe
- Korrelation zwischen Parasitämie und Schwere der Erkrankung
- Malariaformen
- Malaria tertiana, Fieberspitzen alle 48 h (synchronisierte Vermehrung bei P. vivax und P. ovale)
- Malaria quartana, Fieberspitzen alle 72 h (synchronisierte Vermehrung bei P. malariae)
- Malaria tropica, Fieber kontinuierlich (nicht-synchrone Vermehrung bei P. falciparum)
hohe Mortalität (unbehandelt)> Memo Bei Fieber und Reisen in Endemiegebiete muss umgehend eine Malaria ausgeschlossen werden.- hohe Kindersterblichkeit in Endemiegebieten
- Teilimmunität in Endemiegebieten nach wiederholter Exposition
Klinik
Fieber nach Reisen in Endemiegebiete
Hämolyse/Thrombopenie
Splenomegalie
- Mikroembolien führen zu multiplem Organversagen
- Niere: Schwarzwasserfieber
- ZNS: Koma
Diagnostik
Mikroskopie: Blutausstrichen und „dicker Tropfen“ (Giemsa-Färbung)
Plasmodien-Antigennachweis oder PCR möglich
Therapie
z. B. Atovaquon/Proguanil (Malarone®) p.o., Artemether-Lumefantrin (Riamet®) p.o.
bei komplizierter Malaria Initialtherapie i.v. mit Artesunat alternativ mit Chinin i.v. plus Doxycyclin
- Prophylaxe bei Reisen in Endemiegebiete
- Expositionsprophylaxe (Schutz vor nachtaktiven Anopheles Mücken)
- resistenzgerechte medikamentöse Prophylaxe in Abhängigkeit vom Reiseziel (z. B. Atoquavon/Proguanil (Malarone®), Mefloquin (Lariam®), Chloroquin.)
Toxoplasma gondii
Endwirt: Katzen (Ausscheidung von Oozysten im Kot)
Zwischenwirte: Nutztiere, Mensch (Dauerformen in ZNS/Organen/Muskulatur)
Übertragung: Kontakt mit Katzenkot bzw. Ingestion von rohem, nicht ausreichend erhitztem Fleisch (z. B. Salami)
Inkubationszeit: 1–3 Wochen
Klinik
häufig asymptomatisch → hohe Durchseuchung (ca. 50 %)! Cave konnatale Infektion nach Primärinfektion der Mutter (besonders im 1. und 2. Trimenon).Lymphknotenvergrößerung, ZNS-Befall mit Verkalkungen, Chorioretinitis
Diagnostik
Serologie: Toxoplasma-IgG- und -IgM-Antikörper (ISAGA), Toxoplasma-IgG-Avidität, Genomnachweis (PCR)
Therapie
Schwangere mit Primärinfektion:
<16. SSW: Spiramycin
ab 16. SSW: Pyrimethamin plus Sulfadiazin plus Folsäure
Fortsetzung der Therapie bei Neugeborenen mit konnataler Infektion: 6 Monate
Amöben
Amöbenruhr (Entamoeba histolytica)
Klinik
blutige Durchfälle (Reiserückkehr-Erkrankung)
Komplikationen: Organabszesse (häufig Leber)
Diagnostik
-
Mikroskopie aus frischem Stuhl, Antigennachweis im Stuhl (ELISA)
PCR
Therapie
Metronidazol
Wurmerkrankungen
Wurmerkrankungen sind in Deutschland aufgrund der allgemeinen Hygienestandards selten> Memo Eosinophilie kann auf Wurminfektionen hinweisen.vermehrt importierte Infektionen (Reisetätigkeit, Flüchtlinge)
- Vermehrungszyklus häufig mit komplizierten Wirtswechseln
- Endwirt: Produktion und Ausscheidung von Wurmeiern
- Zwischenwirt: ungeschlechtliche Vermehrung/Metamorphose
Präpatenzperiode: Zeit zwischen Infektion und Produktion von Wurmeiern
Nematoden (Rundwürmer )
Enterobius vermicularis (Madenwurm )
Übertragung: fäkal-oral! Cave Verhinderung der Autoingestion von Wurmeiern.Manifestationsalter: Kleinkind- und Schulalter
Klinik
Ausscheidung von wenige Millimeter großen, makroskopisch sichtbaren weißen Madenwürmern mit dem Stuhl
perianaler Juckreiz, besonders nachts (Zeit der Eiablage)
Allgemeinzustand unbeeinträchtigt
Diagnostik
mikroskopischer Nachweis von Wurmeiern („Tesafilm“-Abklatschpräparat perianal)
Therapie
Unterbrechung des Infektionszyklus (Vermeidung von Autoingestion)
Hygienemaßnahmen (Händewaschen, kurze Fingernägel, häufiger Wäschewechsel)
Anthelmintika im Abstand von 2 Wochen (z. B. Albendazol)
Ascaris lumbricoides (Spulwurm )
Übertragung: „Kopfdüngung“ von Nutzpflanzen (z. B. Salat)
Infektionszyklus: Freisetzung von Eiern im Stuhl → Embryonierung im Freiland (L1-Larve) → Aufnahme der L1-Larve → Eindringen in das Duodenum → Wanderung mit Blut über Leber in die Lunge → Trachea → Speiseröhre → Darm (adulter Wurm) → Freisetzung von Eiern im Stuhl
Klinik
abhängig von der Infektionsdosis
Löffler-Syndrom : Lungeninfiltrate und Eosinophilie
gastrointestinale Beschwerden, Ileus, Ikterus (Verschluss des Ductus choledochus)
Diagnostik
Wurmeier im Stuhl
Therapie
Albendazol, Mebendazol
Trematoden (Saugwürmer )
Bilharziose (Schistosomiasis )
wird in warmen Binnengewässern durch Süßwasserschnecken (Zwischenwirt) übertragen
Klinik
S. haematobium: Blasenbiharziose (Afrika)
S. mansoni: Darmbilharziose (Afrika und Südamerika)
S. japonicum: Darmbilharziose (Südost Asien)
- in Deutschland: Zerkarien Dermatitis, „Badedermatitis“ (Fehlwirt Mensch)
- juckendes Exanthem der Haut
- Übertragung: Eindringen von Zerkarien (Schnecken) durch die intakte Haut beim Baden in kontaminiertem Süßwasser („Vogelzerkarien“ im Menschen nicht überlebensfähig)
Diagnostik
Antigen-Schnelltest im Urin
Nachweis von Wurmeiern im Stuhl (Darmbilharziose) oder im Urin (Blasenbilharziose)
Therapie
Praziquantel
Zestoden (Bandwürmer )
- Räuber-Beute-Zyklus
- Beute (Zwischenwirt): Infektion (Wurmeier) → Gewebslarven in Muskulatur (Finnen)
- Räuber (Endwirt): Aufnahme von Finnen (Fleischnahrung) → Entstehung adulter Würmer im Darm → Freisetzung von Wurmeiern mit dem Stuhl
- Unterbrechung der Infektionskette: Lebensmittelkontrolle (Fleischbeschau)
Rinderbandwurm (Taenia saginata )
Mensch = Endwirt
Rind = Zwischenwirt
Klinik
meist asymptomatisch
Proglottidenabgang im Stuhl, Nachweis von Wurmeiern im Stuhl
Diagnostik
Wurmeier im Stuhl
Therapie
evtl. Niclosamid (→ Wurmabgang)
Schweinebandwurm (Taenia solium )
Mensch = Endwirt (harmlos: Befall mit adulten Würmern)
Mensch = Zwischenwirt (Zystizerkose)
Endemiegebiete u. a. Südamerika und Mexiko
Klinik
abhängig vom Befallsmuster (Muskulatur, Gehirn) und Menge aufgenommener Zysten
Diagnostik
Wurmeier im Stuhl
Serologie, Bildgebung: z. B. CT/NMR Schädel (Verkalkungen)
Therapie
symptomatisch („wait and watch“)
alternativ: Praziquantel oder Albendazol
! Cave zu Beginn häufig Verschlechterung im Rahmen der Entzündungsreaktion gegen freigesetzte Wurmantigene.
Hunde - und Fuchsbandwurm
Echinococcus granulosus : zystische Echinokokkose (Hydatide)
Echinococcus multilocularis : alveoläre Echinokokkose (invasives Wachstum)
Mensch: Fehlzwischenwirt
Diagnostik
Serologie: IgG- und IgM-ELISA, Western-Blot
Bildgebung: Sonographie, CT, NMR, PET
Therapie
vollständige Entfernung/Verödung der Zyste
Symptomatisch („wait and watch“)
Mebendazol (Suppressionstherapie über Monate/Jahre, keine Eradikation möglich)
Erkrankungen durch Arthropoden
Pediculosis capitis (Kopflaus )
Übertragung Mensch zu Mensch
Ausbrüche in Gemeinschaftseinrichtungen (Kindergärten, Schulen)
Blutmahlzeiten → Juckreiz (Leitymptom)
Eiablage am Haaransatz → nach Ausschlüpfen der Larve → leere Eihülle (Nissen)
meldepflichtig nach §6 des IfSG
Klinik
Juckreiz am Kopf
Diagnostik
makroskopischer und mikroskopischer Nachweis von Läusen und Nissen
Therapie
Permethrin 0,5 %, Pyrethrum-Präparate
Schul-/Kindergartenbefreiung bis 24 h nach Therapie
Skabies (Krätze )
Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei)
intrakutane Tunnelgänge
Prädilektionsstellen: Beugefalten axillär/inguinal, Mammae
bei Säuglingen auch Befall der Kopfhaut möglich
Übertragung: enger persönlicher Kontakt (Mensch zu Mensch)
Inkubationszeit: 1–3 Wochen
Klinik
Leitsymptom: Juckreiz, Kratzspuren, Superinfektionen
Exanthem, z. T. Inkrustationen
Diagnostik
Darstellung der Tunnelgänge (Lupenvergrößerung) mit Nachweis von Milben
Therapie
Permethrin (wesentlich toxischer: Jakutin)
zusätzliche Therapie von Angehörigen im gleichen Haushalt
Anleitung zur besseren häuslichen Hygiene
Impfungen
Impfungen gehören zu den erfolgreichsten Maßnahmen der Infektionsprävention
- Impfstrategien
- Individualschutz: Individuelle Immunität des Geimpften
- Herdimmunität (flächendeckende Impfungen/Regelimpfungen)
- Unterbrechung von Infektionsketten in einer Population
- indirekter Schutz für nicht-Geimpfte bzw. Impfversager
- Riegelungsimpfung: Umgebungsimpfung in Ausbruchsituationen
- Voraussetzung für eine weltweite Eradikation von Infektionserregern
- Impfstoffe mit hoher Immunogenität
- Erregerresevoir ausschließlich Mensch
- wenige, gut definierte Serotypen
- erfolgreiche Beispiele: Eradikation der Pocken (Variola) (1980) und von Poliovirus Typ 2 (2015)
- allgemeine Impfempfehlungen werden regelmäßig von der „Ständigen Impfkommission“ (STIKO) des Robert-Koch-Instituts (RKI) aktualisiert
- Standardimpfungen (Grundimmunisierung, Auffrischimpfungen)
- Indikations- und Reiseimpfungen
- postexpositionelle Prophylaxe
- Impfleistung des Arztes
- Informationen über Nutzen, Nebenwirkungen und Komplikationen
- Anamnese, Impfanamnese, mögliche Kontraindikationen
- Dokumentation (Impfausweis)
- Erkennen und dokumentieren von Nebenwirkungen
- Impfregeln
- jede dokumentierte Impfung zählt
- Mehrfachimpfungen sollen an einem Impftermin zusammen durchgeführt werden
- Kombinationsimpfstoffe erleichtern die Umsetzung des Impfplans
- Intervall zwischen Impfungen mindestens 4 Wochen
Aktive Impfung
Totimpfstoffe
mehrmalige Booster-Impfungen erforderlich (3–4 Impfdosen)
Grundimmunisierung im Alter von jeweils 2, 3, 4, und 12 Monaten: Tetanus/Diphtherie/azelluläre Pertussis/Haemophilus influenzae Typ B/Polio/Hepatitis B, Pneumokokken> Memo Das Prinzip der Impfung mit inaktivierten Infektionserregern wurde bereits im 19. Jahrhundert durch Louis Pasteur beschrieben.im Alter von 12 Monaten: Meningokokken
Mädchen im Alter von 12–17 Jahren: humane Papillomaviren (besonders wichtig HPV 16 und 18)
Kontraindikationen für Totimpfstoffe: Allergien gegen Impfbestandteile (z. B. Hühnereiweiß bei Influenza-Impfung)
- Herstellung und Zusammensetzung von Totimpfstoffen
- abgetötete Erreger: inaktivierte Ganzkeim-Vakzine
- Nachteil: Nebenwirkungsreich aufgrund toxischer, z. T. wenig immunogener Komponenten, z. B. alte Pertussis-Impfung)
- gereinigte Antigene („Subunit-Vakzine“)
- rekombinant hergestellte Antigene (z. B. HBs-Antigen)
- „virus like particles“, Viruskapside aus rekombinant synthetisierten Kapsidantigenen („self-assembly“) (Tab. 4.7)
| Tetanus | Tetanustoxoid (Formalin-inaktiviertes Toxin) |
|---|---|
|
Diphtherie - D - d |
Diphtherietoxoid (Formalin-inaktiviertes Toxin) - Kinderdosis (<6 Jahre) - Erwachsenendosis für Auffrischimpfungen (Toxoidmenge halbiert) |
| Pertussis | Subunit-Vakzine aus Pertussis-Toxoid, Adhäsinen u. a. |
| H. influenzae B | Konjugiertes Kapselpolysaccharid (Konjugatimpfstoff) |
| PoIio (IPV) | Inaktivierte Poliovirus-Vakzine (Salk) Serotypen 1–3 |
| Hepatitis B | Rekombinantes HBs-Antigen |
| Pneumokokken |
- <2 Jahre: 10 bzw. 13-valenter Konjugatimpfstoff - >2 Jahre: 23-valenter Kapselpolysaccharid Impfstoff |
| Meningokokken |
- <2 Jahre: Konjugatimpfstoff (Kapseltyp C) - >2 Jahre: polyvalenter Polysaccharid Impfstoff (Kapsel-Ag A, C, W135, Y) - 4CMenB: Oberflächenproteine von Meningokokken der Serogruppe B |
| Influenza | Subunitvakzine (Indikationsimpfung): Neuraminidase (N) und Hämagglutinine (H) der vorausgehenden Influenza-Saison |
| Humane Papillomaviren (HPV) | Mädchen im Alter von 12–17 Jahren; „virus-like particles“ (VLP) gegen HPV-Typ 16/18 u. a. (2-, 4- oder 9-valente Impfstoffe) |
| Tollwut | Inaktivierte Rabiesviren (Indikationsimpfung) |
Lebendimpfstoffe
- attenuierte („abgeschwächte“) vermehrungsfähige Viren
- Empfohlen im Alter von 1 und 2 Jahren: Masern, Mumps, Röteln, Varizella-Zoster
- Auffrischimpfung bei Mädchen und jungen Frauen ohne ausreichenden Impfschutz: Röteln, Varizella-Zoster
Beginn: 11.–14. Lebensmonat (nach Verlust der mütterlichen Leihimmunität); Ausnahme: orale Lebendimpfung gegen Rotaviren (lokale Immunität)
einmalige Booster Impfung empfohlen (Schließen von Impflücken)
Kontraindikation: schwere Immunsuppression
- Strategien der Herstellung von Lebendimpfstoffen
- wiederholte Zellkulturpassage → Attenuierung
- Einsatz animaler Homologe (früher z. B. Pockenimpfung, Vaccinia-Virus)
Assortantenbildung in vitro → Expression von humanen immunogenen Genomsequenzen in animalen, nicht pathogenen Stämme (z. B. Rotavirus-Impfstoff)! Cave Rückmutationen (Revertanten) → „Impfpolio“.! Cave BCGitis bei Immunsupprimierten.- in Zukunft sollen auch rekombinante, gentechnisch entwickelte Impfstämme mit gezielten „knock-outs“ von Pathogenitätsfaktoren synthetisiert werden (Tab. 4.8)
- Lebendimpfungen, die aufgrund von Nebenwirkungen in Deutschland nicht mehr empfohlen werden
OPV: orale Poliovirus-Vakzine (Sabin) Serotypen 1–3 („Schluckimpfung“)> Memo Nach weltweiter Pocken Eradikation entfällt diese nebenwirkungsreiche Impfung.- BCG: Tuberkulose-Impfung
- Vakzinia: Pockenimpfung
| MMR | Attenuierung durch Zellkultur-Passage (Masern/Mumps/Röteln) |
| Varizellen | Attenuierung durch Zellkultur-Passage |
| Rotavirus | Assortantenimpfstoff aus humanen und animalen Stämmen; „Schluckimpfung“ (orale Lebendimpfung) |
Passive Impfung
! Cave Allergisierung, Serumkrankheit.
- (postexpositionelle) Prophylaxe → Sofortschutz
- menschliche Immunglobuline/Hyperimmunglobuline
- Antiseren (polyklonale Antikörper aus immunisierten Tieren)
- toxinvermittelte Erkrankungen (z. B. Diphtherie, Botulismus)
- Simultanimpfung: aktiv + passiv (Sofortschutz plus Langzeitschutz)
- z. B. Hepatitis-B-Simultanimpfung von Neugeborenen HBs-Antigen-positiver Mütter
Standardimpfungen
Impfkalender für die Grundimmunisierung von Säuglingen und Kindern (Tab. 4.9)
| 6 Wochen | 2 Monate | 3 Monate | 4 Monate | 11–14 Monate | 15–23 Monate | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Tetanus (T) | x | x | x | x | ||
| Diphtherie (D) | x | x | x | x | ||
| Pertussis (aP) | x | x | x | x | ||
| H. influenzae B (Hib) | x | x | x | x | ||
| Poliovirus (IPV) | x | x | x | x | ||
| Hepatitis B (HB) | x | x | x | x | ||
| Pneumokokken | x | (x) | x | x | ||
| Rotaviren | x | x | x | |||
| Meningokokken C | x | |||||
| Masern/Mumps/Röteln | x | x | ||||
| Varizellen | x | x |
Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut/Stand: August 2015
Nach Grundimmunisierung werden für spätere Diphtherie Auffrischimpfungen (ab dem 5. Lebensjahr) Impfstoffe mit reduzierter Antigenmenge (d) eingesetzt
Reiseimpfungen /Indikationsimpfung
Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus (FSME): bei Aufenthalt in Endemiegebieten (inaktivierter Totimpfstoff); Grundimmunisierung (0, 1, 9, 12 Monate)
Hepatitis A : bei beruflicher Exposition oder Reisen in Endemiegebiete (Totimpfstoff)
Gelbfieber : Impfpflicht bei Reisen aus Endemiegebieten (z. B. Südamerika) in Gelbfieber-freie asiatische Länder (attenuierter Lebendimpfstoff).
Typhus : orale attenuierte Lebendimpfung oder inaktivierter Totimpfstoff (Vi-Antigen)
Tollwut: inaktivierter Totimpfstoff
Japanisches Enzephalitis -Virus: attenuierte Lebendimpfung
Contributor Information
Beate Karges, Phone: +49490241/800, FAX: +49490241/8082457, Email: bkarges@ukaachen.de.
Norbert Wagner, Email: nwagner@ukaachen.de.
