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. 2020 Apr 20;73(5):9. [Article in German] doi: 10.1007/s41906-020-0704-0

Interview mit René Ballnus

PMCID: PMC7138951  PMID: 32288309

Im März erreichten uns Berichte, dass die Schweden mit gewohnter Lässigkeit der Corona-Krise im eigenen Land entgegenblicken. Was ist dran an diesen Informationen? Der deutsche Gesundheits- und Krankenpfleger René Ballnus arbeitet im Ausbildungscenter des Söder Krankenhauses in Stockholm. Er schildert die Situation aus seiner Sicht.

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Herr Ballnus, an schwedischen Schulen wird unterrichtet, auf Spielplätzen tummeln sich Familien und Geschäfte sind geöffnet. Das gesellschaftliche Leben scheint zu laufen wie bisher. Ist das wirklich so?

Ballnus: Ja, ich habe auch das Gefühl, dass man hier insgesamt etwas gelassener als in Deutschland mit der Corona-Krise umgeht. Die Verantwortlichen mahnen an, die Gefahr nicht zu unterschätzen, aber auch nicht überzureagieren. Man ist sich bewusst, dass sich Schweden wohl in der schwersten Situation seit dem Zweiten Weltkrieg befindet. Es wurde auch ein Gesetz erlassen, das es der Regierung ermöglicht, sämtliche Schulen zu schließen. Aber das ist noch nicht zur Anwendung gekommen. Schulen sind teilweise schon geschlossen - zumindest ab der neunten Klasse. In höheren Klassen und an den Hochschulen findet der Unterricht digital statt. Das funktioniert hier wegen der fortgeschrittenen Digitalisierung besser als in Deutschland. Ansonsten merkt man auf den Straßen doch einen Unterschied: es sind weniger Menschen in Restaurants, Sportstätten und im öffentlichen Nahverkehr unterwegs. Aber im Freien halten sich immer noch viele auf. Übrigens, Toilettenpapier war hier auch plötzlich vergriffen!

Welche Vorbereitungen auf mögliche Corona-Intensivpatienten werden an Ihrer Klinik momentan getroffen?

Ballnus: Alle Kliniken bereiten sich zurzeit auf diesen Ernstfall vor. Der Fokus liegt auf der Schaffung weiterer Intensivplätze. Mit Unterstützung des Militärs werden auf einem Messegelände in Stockholm Abteilungen ausschließlich für Covid-19-Patienten aufgebaut. Zusätzlich werden elektive Behandlungen und Eingriffe reduziert bzw. völlig eingestellt.

In deutschen Kliniken wird überlegt, wie das medizinische Personal umverteilt werden kann. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Ballnus: Das ist hier ganz ähnlich. Medizinisches Personal wird etwa aus Polikliniken auf Pflegestationen verteilt. Unsere Pflege-Studierenden sind weiter in ihren Praxiseinsätzen und auf den Ausbildungsstationen. Sie sollen aber nicht in die Versorgung von Covid-19- Patienten einbezogen werden. Sämtliche Fortbildungen für das Personal wurden verändert, um die Kompetenzen im Bereich Lungen- erkrankungen zu erhöhen. Außerdem werden alle im Umgang mit dem Corona-Virus geschult. Und für Pflegehilfskräfte, Pflegefachpersonen und Ärzte, die lange nicht mehr auf Station gearbeitete haben, führen wir eine Fortbildungsreihe durch.

Worin werden die Mitarbeiter geschult?

Ballnus: Das hängt ganz davon ab, wie lange die Kollegen nicht mehr in der Praxis gearbeitet haben. Im Kern beschäftigen wir uns beispielsweise mit dem richtigen Umgang mit Infusionen, Kathetern oder der Notfallversorgung. Erfahrene Pflegefachpersonen und Ärzte werden in einem Mehrtages-Programm in der Intensivmedizin und Intensivpflege geschult, um dort unterstützen zu können. Das Anästhesiepersonal wird auch auf den Intensivstationen eingesetzt. Zusätzlich gibt es Planungen, OPs in Pflegeplätze umzuwandeln. In der Innovationsabteilung haben Kollegen mit Unterstützung von Medizinstudenten eine Methode gefunden, Schutzvisiere einfach herzustellen.

Schweden hat knapp 500 Intensivbetten bei ca. 10 Millionen Einwohnern. Was ist, wenn sich die Lage verschlechtert?

Ballnus: Die geringe Anzahl von Kliniken und Intensivbetten ist wirklich ein Problem. So viel wie möglich in die Häuslichkeit zu verlegen und in der Gemeinde zu machen, funktioniert sicher in vielen Fällen gut. Die Schwachstellen werden aber recht deutlich. Viele Kritiker sehen sich jetzt gestärkt, und es wird spannend, wie die Diskussion weitergeht, wenn das Schlimmste überstanden ist. Ein großes Problem ist auch die mangelnde Schutzausrüstung, da es ja im Prinzip keine Lagerbestände mehr gibt. Doch bei allen Bedenken und Ängsten sehe ich an unseren Kliniken eine unwahrscheinlich hohe Motivation, Flexibilität und Zusammenarbeit. Auch die Bereitschaft sich einzubringen ist enorm hoch. In diesen speziellen Corona-Zeiten er- lebe ich hier einerseits eine gedrückte und besorgte Stimmung, aber andererseits sind viele Menschen immer noch positiv und optimistisch.


Articles from Pflege Zeitschrift are provided here courtesy of Nature Publishing Group

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