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. 2020 May 20;68(5):354–355. [Article in German] doi: 10.1007/s15011-020-3165-2

Experten empfehlen: Gelassen bleiben!

Coronavirus und Psoriasis: Was Sie jetzt wissen müssen

Mario Gehoff 1,
PMCID: PMC7214232

HAMBURG - Die Anzahl der Infektionen mit dem neuartigen Sars-CoV-2 steigt täglich. Hingegen liegt die Zahl der mit dem Virus infizierten Psoriasispatienten in Deutschland weiterhin deutlich unter den statistisch zu erwartenden Werten, so das Deutsche Psoriasis-Register PsoBest. Ein Zwischenergebnis, das die Annahme unterstützt: Für Menschen mit Psoriasis besteht derzeit kein primär erhöhtes Risiko.

Wie hoch ist das Risiko der Ansteckung? Wie wirkt sich dies auf die Psoriasistherapie aus? Wie gefährlich ist dieser Virus für Menschen mit Psoriasis? Vor allem für diejenigen mit schweren Krankheitsverläufen, deren Immunantwort durch Systemtherapeutika teilweise unterdrückt wird? In einer gemeinsamen Erklärung nehmen Experten des Deutschen Psoriasis-Registers PsoBest und der Regionalen Psoriasisnetze in Deutschland (PsoNet) im Auftrag der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD) Stellung.

Systemtherapie während der pandemischen Phase von Sars-CoV-2

  1. Nach Sichtung der verfügbaren Literatur und aller Daten, die aus den Registern und den Beobach- tungen zur Pharmakovigilanz bekannt sind, weisen Patienten bei der bestimmungsgemäßen Anwendung folgender Wirkstoffe kein erkenn- bar höheres Risiko für eine Virusinfektion auf: Interleukin(IL)-17-Blo- cker, IL-23-Blocker, IL-12/23-Blocker, Fumarsäureester, Apremilast, Methotrexat.

  2. Bei Tumornekrosefaktor(TNF)-Blockern könnte ein geringfügig erhöhtes Risiko vorliegen, insbesondere bei Infliximab. Bei Ciclosporin ist die Datenlage noch uneinheitlich. So wiesen Transplantatpatienten unter Ciclosporin bei früheren Virusendemien kein signifikant erhöhtes Risiko für Komplikationen auf. Vermutlich unterlagen diese Risikopatienten jedoch auch besonderen Schutzmaßnahmen. Vorsicht ist grundsätzlich auch geboten bei Patienten über 60 Jahren, ebenso bei Patienten mit Vorerkrankungen wie Multipler Sklerose oder Chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). Gleiches gilt für Patienten, die unter laufender Therapie vermehrt zu Infektionen neigen.

  3. Grundsätzlich sollte die Therapie mit einem der oben genannten Wirkstoffe bei allen Patienten mit Psoriasis beibehalten werden. Ein Absetzen oder verzögertes Einnehmen von Präparaten ist im Sinne einer Nutzen- Risiko-Analyse in keinem Fall empfehlenswert. Neueinstellungen sind möglich und sollten einhergehen mit einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Analyse, einem begleitenden Informieren und dokumentierten Zustimmen des Patienten. Besonders bei Therapien mit TNF-Blockern oder Ciclosporin müssen jedoch die individuellen Risikofaktoren für Infektionen beachtet werden. Ebenfalls sind die klinischen Therapieverläufe sorgfältig zu verfolgen und Besonderheiten (z. B. TNF-Blocker und eine ausbleibende Fieberreaktion) zu berücksichtigen.

  4. Im Fall akuter Fieber- oder Atemwegssymptome oder bei jedem sonstigen klinischen Verdacht auf eine Covid-19-Infektion gilt für alle Patienten unter einer Systemtherapie: Es sollte eine aktuelle Diagnostik auf Covid-19 durchgeführt werden, wie sie das Robert-Koch-Institut empfiehlt. Die Arzneimittelgabe sollte zudem um einige Tage bis wenige Wochen verschoben werden.

  5. Generell empfehlen die Experten auch eine Pneumokokken-Impfung. Die Influenzasaison klingt erfahrungsgemäß mit Fortschreiten des Frühlings ab, in individuellen Fällen wird die Impfung (Vierfach-Totimpf- stoff) aber weiterhin empfohlen. Hier sind die notwendigen Therapiepausen nach Impfung zu beachten.

  6. Ebenfalls wichtig: Alle Patienten mit Psoriasis und unter Systemtherapie sollten persönlich angesprochen und über die notwendigen persönlichen Schutz-, Hygiene- und Verhaltensmaßnahmen aufgeklärt werden. Bei jeglichen auffälligen oder unklaren Symptomen sollte immer sofort der behandelnde Arzt konsultiert werden, möglichst nicht persönlich in der Praxis, sondern per E-Mail oder Telefon.

Die aktuellen Expertenempfehlungen im deutschen und englischen Wortlaut sowie fünf allgemeine Verhaltensempfehlungen zum persönlichen Schutz vor einer Infizierung können unter anderem auf den Internetseiten des Deutschen Psoriasis-Registers PsoBest (www.psobest.de) heruntergeladen werden.

Evidenz mit Registerdaten

Zu beachten ist bei allen Hinweisen, dass es bislang keine systematische Forschung gibt zu den Folgen einer Sars-CoV-2-Infektion und der durch das Virus ausgelösten Atemwegserkrankung Covid-19. Die hier gemachten Angaben beziehen sich auf die aktuell verfügbare Evidenz und einen breiten Expertenkonsens auf der Basis des bisher veröffentlichten Wissens. Jede Empfehlung kann sich somit kurzfristig ändern und sollte zudem immer individuell auf ihre Anwendbarkeit geprüft werden.

Um für die Behandlung von Menschen mit Psoriasis auch an langfristig belast- bare Daten zu gelangen, ergänzt ab sofort mit CoronaBest eine zusätzliche Datenbank das Deutsche Psoriasis-Register PsoBest (www.coronabest.de). Es bietet damit Dermatologen die einmalige Möglichkeit, Patienten mit chronischen Hautkrankheiten zu melden, die mit Systemtherapeutika behandelt werden und sich gleichzeitig mit dem neuartigen Coronavirus infizierten. Dies gilt insbesondere für Patienten, deren Krankheitsverlauf bereits durch PsoBest beobachtet wird. Deren Ärzte müssen eine Sars-CoV-2-Infektion sowieso als (schweres) unerwünschtes Ereignis an das Register melden.

Es ist eine Ausnahmesituation, in der wir uns befinden. Umso wichtiger ist die letzte Empfehlung vieler Experten: Gelassen bleiben! Denn wer sich trotz aller Schutzmaßnamen mit Sars-CoV-2 infiziert, hat in der Regel eine über 99%ige Überlebenschance.

Mario Gehoff.

Wissenschaftlicher Projektmanager

Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Martinistr. 52

20246 Hamburg

E-Mail: cvderm@uke.de


Articles from Der Deutsche Dermatologe are provided here courtesy of Nature Publishing Group

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