Aktuelle, neutrale und wissenschaftlich geprüfte Informationen zu den verschiedenen Formen des Diabetes mellitus sowie zur Vorbeugung der Stoffwechselerkrankung bietet das neue nationale Diabetesinformationsportal diabinfo.de (▶Abb. 1).

Das Anfang 2020 freigeschaltete Portal bündelt Wissen aus Forschung und Diabetologie in allgemeinverständlicher Form, um Menschen mit Diabetes oder einem besonderen Diabetesrisiko sowie deren Angehörigen und Interessierten eine Orientierungshilfe zu bieten. Auf dem Portal werden Erkenntnisse aus der Medizin und der Diabetesforschung präsentiert. Auch aktuelle Themen wie "Diabetes und Coronavirus SARS-CoV-2" greift das Portal auf und gibt Antworten (▶Abb. 2).

Sämtliche Inhalte durchlaufen vor der Publikation ein wissenschaftliches Qualitätssicherungsverfahren. Die wesentliche Grundlage dafür sind die Maßgaben des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e.V., besonders dessen Leitfaden "Gute Praxis Gesundheitsinformation" sowie die Transparenzkriterien des Health on Net-Verhaltenskodex (HONcode). Ein wichtiges Kriterium für Qualität ist u. a. die transparente Darlegung der verwendeten Primärquellen sowie deren Evidenzgrad.
Qualitätssicherung von A bis Z
Die Qualitätssicherung beginnt schon bei der Auswahl der Themen: Ein interdisziplinäres Redaktionsteam recherchiert nach festen Kriterien geeignete Themen und schreibt nach definierten Prozessen die Basistexte und Nachrichten für das Portal.
Alle Informationen werden vor der Online-Stellung von erfahrenen Experten geprüft. Ein wesentlicher Garant für die wissenschaftliche Exzellenz von diabinfo.de sind dabei insbesondere Forschende, Mediziner des Helmholtz Zentrums München, des Deutschen Diabetes-Zentrums und weiterer Partnereinrichtungen des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) sowie Experten externer Fachverbände.
Unterportale für Risikogruppen und Diabetespatienten
Aktuell besteht diabinfo.de aus den beiden Unterportalen "diabinfo-leben.de" und "diabinfo-vorbeugen.de". Das Unterportal "diabinfo-leben.de" gibt Tipps zum Alltag mit der Erkrankung und informiert über die verschiedenen Diabetesformen wie Typ-1-, Typ-2- und Schwangerschafts-Diabetes sowie Sonderformen. Zusätzlich berichten auch Menschen mit Diabetes über ihre eigenen Erfahrungen im Umgang mit der Erkrankung. Wie hoch ist mein Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken? Was kann ich persönlich tun, um der Erkrankung vorzubeugen? Verständliche Antworten auf diese Fragen und noch viel mehr bietet das Unterportal "diabinfo-vorbeugen.de". Neben einem individuellen Diabetes-Risiko-Test, Tipps und Rezepten zu einer ausgewogenen Ernährung, Anlaufstellen sowie Fakten und Wissenswertem aus der Forschung sind hier auch Erfahrungsberichte und Motivationshilfen sowie Trainingspläne für Menschen, die sich gezielt und mehr bewegen möchten, zu finden.
Das Portal bereitet die vielfältigen Informationen auch multimedial auf, um sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen: Animierte Grafiken und Schaubilder visualisieren Inhalte und machen sie dadurch einfach, verständlich und unmittelbar nachvollziehbar. Videos stellen Themen kompakt und unterhaltsam dar und adressieren damit auch bildungsfernere sowie weniger gesundheitsaffine Menschen. In kurzen Hörbeiträgen (Podcasts) werden Inhalte aus der Forschung aufbereitet.
Weiterer Ausbau der Zielgruppen geplant
Nach dem erfolgreichen Start sollen in das Portal Informationen für weitere Zielgruppen wie Fachkreise (u. a. Diabetesberaterinnen und -berater, Ärztinnen und Ärzte), Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler integriert werden. Zudem werden eine bestehende Plattform mit klinischen Studien sowie ein Anfragenportal für Patienten und Interessierte aufgebaut.
Nationales Diabetesinformationsportal:
diabinfo.de ist ein gemeinsames Angebot des Helmholtz Zentrums München, des Deutschen Diabetes-Zentrums in Düsseldorf und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung. Initiiert wurde das Internetportal von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die Förderung erfolgt durch die BZgA, das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sowie das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). https://www.diabinfo.de
Input auch für Fachkreise.
Diabetesinfos für Profis und Patienten
Das nationale Diabetesinformationsportal diabinfo.de wird ausgebaut. Die Projektleitenden Dr. Astrid Glaser, DZD, Ulrike Koller, Helmholtz Zentrum München, und Dr. Olaf Spörkel, Deutsches Diabetes-Zentrum, erläutern, was geplant ist.
Es gibt bereits eine Reihe von Online-Angeboten zum Thema "Diabetes". Was zeichnet das nationale Diabetesinformationsportal aus?
Dr. Astrid Glaser: Die Zahl derer, die das Internet als Quelle für Gesundheitsinformationen nutzen, steigt stetig an. Doch nur ein Teil der Informationen entspricht den Kriterien für gute Gesundheitsinformation. Vielen Angeboten fehlt die gebotene Transparenz, Neutralität und Unabhängigkeit. So haben auch der europäische und der deutsche Health Literacy Survey gezeigt, dass die Informationsflut kein Garant für eine hohe Gesundheitskompetenz ist. Das nationale Informationsportal trägt dem Rechnung. Es bietet qualitativ gesicherte, neutrale und unabhängige Informationen direkt aus der Forschung und frei von Interessenskonflikten.
Integriert ist auch eine Plattform mit klinischen Studien. Wie ist die Plattform aufgebaut?
Ulrike Koller: Unter www.diabinfo-leben.de ist eine Übersicht zu aktuell laufenden klinischen Diabetes-Studien in Deutschland, gegliedert nach Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes und dessen Vorbeugung und Früherkennung sowie zu Schwangerschaftsdiabetes. Die wichtigsten Ein- und Ausschlusskriterien werden vorgestellt. Über die angegebenen Adressen der teilnehmenden Studienzentren können Interessentinnen und Interessenten direkt mit den verantwortlichen Studienteams vor Ort in Kontakt treten, um Einzelheiten einer möglichen Studienteilnahme zu besprechen. Mit einem Eintrag in ein Interessentenregister auf diabinfo.de erhalten sie Informationen über Studien in der Nähe ihres Wohnortes, die zu ihren Angaben (Diabetes-Krankheitsbild, Dauer der Erkrankung, Interesse an Früherkennungsstudien etc.) passen. Ihre Daten befinden sich dabei in einem passwortgeschützten Bereich und sind für Dritte unzugänglich.
Sind auch Angebote für Ärztinnen und Ärzte geplant?
Dr. Olaf Spörkel: diabinfo.de enthält eine Reihe von Informationsangeboten, die Ärztinnen und Ärzte in ihrer täglichen Arbeit entlasten können. So gibt es etwa im Downloadbereich Fact Sheets, die Patienten als Hintergrundinformationen an die Hand gegeben werden können, um so wertvolle Zeit für individuelle Fragen im Patientengespräch gewinnen. Weitere spezifische Angebote für Ärztinnen und Ärzte sind in dem Fachkreise-Portal für die nächsten Ausbauphasen vorgesehen.
Ein Unterportal für Fachkreise wie Diabetesberater und -beraterinnen ist in Vorbereitung. Welche Informationen werden dort künftig zu finden sein?
Ulrike Koller: In einem ersten Schritt erhalten Diabetesberaterinnen und -berater wissenschaftlich geprüfte und unabhängige Informationsmaterialien zur eigenen Fortbildung sowie für die Beratung. Dazu stellt diabinfo.de den Beratungskräften Factsheets und Übersichtsbeiträge zum Beispiel zu Diabetes in verschiedenen Lebensabschnitten, Schwangerschaftsdiabetes, Bewegung, Medikamente und Ernährung sowie Podcasts mit Expertenwissen zu Motivation und Psyche oder Ernährung zur Verfügung. Für die Beratungsarbeit gibt es auf diabinfo.de zudem Präsentations-Vorlagen, Videos, Infografiken, Broschüren und Checklisten. Eine Übersicht über bestehende Kontaktstellen rundet das Angebot ab.
Sind mehrsprachige Angebote vorgesehen?
Dr. Olaf Spörkel: Um vulnerable Gruppen und Menschen mit Migrationshintergrund gezielt anzusprechen, werden im Rahmen der weiteren Ausbauphasen Inhalte in Fremdsprachen sowie in einfacher Sprache erstellt und veröffentlicht. Dabei ist vorgesehen, ausgewählte Inhalte wie Hintergrundartikel, Infografiken und Videos zu den verschieden Diabetes-Typen und zur Vorbeugung einer Typ-2-Diabetes-Erkrankung zuerst ins Türkische übersetzen zu lassen. Anschließend soll die Übersetzung in zwei weitere Sprachen erfolgen.
