HAMBURG - Ungebrochener Zuwachs: Mit nunmehr 13.000 Patienten setzt das Deutsche Psoriasis-Register PsoBest auch in diesem Jahr ein Ausrufezeichen. Damit ist das Register die wichtigste Datenquelle, um Fragen zur Versorgung von Menschen mit Psoriasis in Deutschland zu beantworten.
Männlich, 66 Jahre alt, an Psoriasis erkrankt und seit Kurzem mit Apremilast behandelt. Grundlegende Daten einer aktiven standardisierten Dokumentation einer Beobachtungseinheit, wie es das Deutsche Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF) leblos, aber präzise formuliert. In diesem Fall ist es ein Mensch mit Schuppenflechte, der Mitte Mai als 13.000. Patient an das Deutsche Psoriasis-Register PsoBest gemeldet wurde. Bereits im 13. Jahr sammelt das Register Wissen zur Epidemiologie und Behandlung, aber auch zum Nutzen und zur Arzneimittelsicherheit bei der Psoriasisversorgung.
Mittlerweile hat es PsoBest zum größten Registerprojekt der deutschen Dermatologie gebracht. Unterstützt wird es dabei von über 1.000 Teams dermatologischer Praxen und Kliniken. Teams wie das der Praxis von Dr. Johannes Hockmann aus Oelde, der diesen Jubiläumspatienten an das Register meldete. Der Austausch zwischen den lokalen Versorgern und dem Register ist dabei die Grundlage für das fruchtbare Vermessen der Psoriasis: Etwa 82 % der Patienten stammen aus dem niedergelassenen Bereich.
Psoriasis systematisch erfasst
Patientenregister wie PsoBest sind zentrale Sammelstellen: Teilnehmende Ärzte melden die spezifischen Therapiedaten ihrer Psoriasispatienten an das Register. Wie bei einem Puzzle entsteht so mit jedem Einschluss nach und nach ein Abbild der realen Versorgungssituation. Diesen stark praxisorientierten Datenpool können Wissenschaftler anschließend verschiedenen Fragestellungen unterwerfen.
Neue Erkenntnisse sind natürlich auch bei anderen Studien vorprogrammiert. Während aber beispielsweise klinische Studienarten zeitlich beschränkt sind, sind Patientenregister von Anfang an darauf ausgelegt, über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg robuste Aussagen zu liefern. Die deutsche Dermatologie hat dies früh erkannt und bereits 2008 in Kooperation von Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD), Deutscher Derma- tologischer Gesellschaft (DDG) und dem Competenzzentrum für Versorgungsforschung in der Dermatologie (CVderm) ein eigenes Registerprojekt aufgestellt. Während Patientenregister heute weltweit auf dem Vormarsch sind, hat PsoBest sich längst als einmalige Datenquelle etabliert, die fortwährend neue wissenschaft- liche Erkenntnisse zur Erkrankung und ihrem Management im Versorgungsall- tag liefert. Dafür berücksichtigt PsoBest Patienten mit mittelschwerer oder schwerer Psoriasis, die eine medikamentöse Behandlung mit einem Systemtherapeutikum neu beginnen. Der Therapieverlauf wird über zehn Jahre dokumentiert.
Mittlerweile weist der Datenbestand von PsoBest einen Zeitraum von in etwa 7.000/8.500 Behandlungsjahren bei Biologika/Nichtbiologika auf. Dies verleiht Wirksamkeit, Sicherheit und Effizienz der dargestellten Versorgung eine starke Authentizität. Aktuell am häufigsten verschriebene Systemtherapeutika sind Adalimumab (1.224, davon über 220 Bio- similars) und Secukinumab (1.167) auf Biologika-Seite sowie Methotrexat (2.940) und Fumarsäureester (2.588) auf Nichtbiologika-Seite (Abb. 1).
Nach Arzneimittelgruppen eingeteilt haben Biologika einen Anteil von 38 % bei Einschluss in PsoBest. Der durchschnittliche PsoBest-Patient ist eher männlich als weiblich (58,4 % vs. 41,6 %), noch keine 50 Jahre alt (47,0 vs. 48,6 Jahre) und die erste Psoriasisdiagnose liegt bereits 16,8 beziehungsweise 18,6 Jahre zurück. Ebenfalls interessant: 29,5 % der Männer und 33,0 % der Frauen sind adipös (Body-Mass-Index ≥ 30).
Die Gegenwart: CoronaBest
In regelmäßigen Abständen veröffentlicht PsoBest den neuesten Stand seiner Erkenntnisse. So gelangen die Schlüsse aus den gemeldeten Daten von der Ebene der Wissenschaft zurück auf die Ebene der täglichen Versorgung in der Praxis. Damit stellen sie die Weichen für eine hochwertige, standardisierte und generell verbesserte Behandlung. Ein gelebter Austausch und ständiger Abgleich von Entwicklungen und Forschungsdaten, wie sie gerade jetzt, da sich ein Virus von einem chinesischen Wildtiermarkt aus aufmachte, die Welt in Verunsicherung zu stürzen, wichtiger denn je sind. Gerade das neuartige Coronavirus zeigt, wie nötig belastbare Daten sind, gibt es doch bislang kaum systematische Forschung zu den Folgen einer Sars- CoV-2-Infektion und der durch das Virus ausgelösten Atemwegserkrankung COVID-19 bei chronisch Kranken.
Gerade in dieser losen Zeit versucht PsoBest ein Ankerpunkt für die Psoriasisversorgung zu sein. Um für die Behandlung von Menschen mit Psoriasis und COVID-19 auch an entsprechende Daten zu kommen, ergänzt deswegen ab sofort CoronaBest, eine zusätzliche Datenbank, das Psoriasisregister. CoronaBest bietet Dermatologen die Möglichkeit, Patienten mit chronischen Haut- krankheiten zu melden, die mit Systemtherapeutika behandelt werden und sich gleichzeitig mit Sars-CoV-2 infizierten.Dies gilt insbesondere für Patienten, deren Krankheitsverlauf bereits durch PsoBest beobachtet wird. Deren Ärzte müssen eine entsprechende Infektion sowieso als (schweres) unerwünschtes Ereignis an das Register melden und so die Routinedaten ergänzen. Das Ziel des zusätzlichen Moduls ist klar: rasch Informationen zum Verlauf der Systemtherapie zu bekommen, sowohl vor, während als auch nach einer Sars-CoV-2-Infizierung.
Arzneimittelsicherheit großgeschrieben
Nicht nur in Corona-Zeiten trägt PsoBest mit seinen Daten aktiv zur Überwachung der Sicherheit und Wirksamkeit der Psoriasistherapie bei. Im Gegensatz zur kontrollierten Umgebung klinischer Zulassungsstudien mit einigen Einschluss- und vielen Ausschlusskriterien treffen Arzneimittel nach ihrer Zulassung erstmals auf die Behandlungswirklichkeit. Bislang unbekannte Nebenwirkungen können erst jetzt zum Problem werden. Allein die Polypharmazie, die gleichzeitige Behandlung mit mehreren verschiedenen Arzneimitteln, kann zu unerwünschten Reaktionen führen. In klinischen Studien wäre so ein bereits unter Medikation stehender Patient häufig vorab aussortiert worden. Auch ließe keine Ethikkommission Studien an Schwangeren zu. Dabei wäre es gerade für diese beiden Fälle unerlässlich, so viele potenzielle Nebenwirkungen wie möglich zu kennen.
Mit seinen Langzeitdaten charakterisiert PsoBest umfassend das Sicherheitsprofil des ganzen Spektrums der in Deutschland zugelassenen systemischen Psoriasistherapien. Die Registerbetei- ligung eines jeden pharmazeutischen Unternehmens mit beispielsweise einem neuen Biosimilar sollte somit unerlässlich sein, um auch weiterhin die Sicherheit von Patienten zu gewährleisten.
Die am häufigsten an PsoBest gemel- deten "nicht schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse" sind bei Biolo- gika die Ineffektivität des Arzneimittels, Nasopharyngitis und eine Verschlech- terung des Krankheitszustandes. Bei Nichtbiologika muss ebenfalls mit der Ineffektivität des Arzneimittels zu rechnen sein, hinzu kommen Diarrhö und Erytheme.
Veröffentlichte Auswertungen der PsoBest-Daten bezüglich "schwerwiegender unerwünschter Ereignisse" - das sind zum Beispiel Geburtsfehler oder Todesfälle - ermittelten eine Quote von 1,5 bei Biologika pro 100 Patientenjahre und 1,3 bei Nichtbiologika. Umgelegt auf einzelne Ereignisse ergeben sich die Werte 0,33/0,65 bei schweren Infektionen (Nichtbiologika/Biologika), 0,46/0,49 bei Malignität und 0,56/0,77 bei schweren kardialen Komplikationen.
Unter den einzelnen Medikationen gab es im Bereich der Pharmakovigilanz keine signifikanten Unterschiede, die Systemtherapeutika liefern eindeutig befriedigende Ergebnisse. Vergleicht man diese Ergebnisse mit den Daten aus anderen europäischen Psoriasisregistern, so bestätigen sie die Sicherheit der eingesetzten Arzneien.
Neue Dimension: PsoBest Bioscience
Die steigende Teilnehmerzahl zeigt, dass viele Dermatologen erkannt haben, wie einfach es ist, trotz eines zunehmend aufwendigeren Praxisalltags an universitärer Forschung mitzuwirken und damit aktiv Einfluss auf optimierte Prozesse und Entwicklungen zu haben. Und mit PsoBest Bioscience steht das engagierteste und komplexeste Forschungsprojekt des Psoriasisregisters schon in den Startblöcken: Die Vereinbarungen mit der Biobank am Universitären Herzzentrum des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf, die sich um die Bearbeitung und Lagerung der eingereichten Proben kümmern wird, steht bereits. Auch der Ethikantrag ist weit fortgeschritten.
Schon in wenigen Monaten kann den ersten PsoBest-Teilnehmern Blut abgenommen werden. Denn das Ziel von PsoBest Bioscience ist es, eine Biobank aufzubauen und das Blut eines jeden gemeldeten Patienten mithilfe genetischer, molekularer und weiterer funktioneller Untersuchungen detailliert zu analysieren. Die aus DNA, RNA, Immunzellen und Plasma gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen jedem Patienten ein individuell optimiertes Versorgungsmanagement. Denn trotz enormer Fortschritte in den letzten Jahren können selbst die modernsten Therapieoptionen dies bislang nicht. Auch erlauben derartige Analysen Wissenschaftlern, etwas zum heterogenen Erscheinungsbild der Psoriasis und ihrer Begleiterkrankungen sagen zu können: Schon mit einer einzigen Blutprobe könnte vorab bestimmt werden, welcher Patient von welcher Therapie am meisten profitiert.
Was bei all dem nie untergehen darf, ist aber, wofür Patientenregister wie PsoBest mit ihren anonymisierten Daten- sätzen vor allem stehen: für einen unter seiner Krankheit leidenden Menschen. Und im Falle der Psoriasis damit stellvertretend für das Leiden von über 120 Millionen Menschen weltweit. Menschen wie der vom Praxisteam Dr. Hockmann gemeldete 13.000. Registereinschluss. Er wird nicht der letzte sein.
Wie kann ich mitmachen?
Die Anmeldung als PsoBest-Zentrum kann unkompliziert über die PsoBest-Homepage (www.psobest.de) erfolgen. Das CVderm verschickt anschließend die Studienunterlagen wie Fragebogen und Einverständniserklärungen und begleitet bei der Studiendurchführung. Die Einbindung von PsoBest in den Praxis- alltag gestaltet sich unproblematisch und nur mit geringem zusätzlichem Aufwand.
Mario Gehoff.
Wissenschaftlicher Projektmanager
Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52, 20246 Hamburg
E-Mail: cvderm@uke.de


