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editorial
. 2020 Aug 17;10(4):3. [Article in German] doi: 10.1007/s41785-020-1599-0

COVID-19-Pandemie: eine Zwischenbilanz

Hans-Joachim Meyer 1,
PMCID: PMC7410952

Auch in dieser besonderen Zeit möchte ich meine Glückwünsche zum zehnjährigen Bestehen der OUMN aussprechen; ich kann mich noch gut an unser Interesse erinnern, als die erste Ausgabe Ende 2010 erschien. Normalerweise würde an dieser Stelle auf die aktuellen berufspolitische Belange unserer Fachgesellschaften eingegangen werden, doch weiterhin bestimmt vor allem ein Thema, das berufliche Leben in den Kliniken und Praxen ganz entscheidend: die COVID-19-Krise. Seit mehr als drei Monaten haben wir alle die einschneidenden Auswirkungen einer Pandemie erleben müssen. Kontakteinschränkungen ließen keine persönlichen Treffen mehr zu, wissenschaftliche Jahreskongresse mussten abgesagt, entsprechende Hygienemaßnahmen und ein "Social Distancing" sollten eingehalten werden. Alle planbaren operativen Eingriffe wurden verschoben. Mit dem Shutdown kam die Schließung von Kultur- und Bildungseinrichtungen, Geschäften sowie Gastronomiebetrieben. Berufliche Heimarbeit und Videokonferenzen gewannen an Bedeutung.

Ende April gab es ein Stufenkonzept zur Wiederaufnahme verschobener Operationen, das nur langsam anlief, denn wie auch in Notfallsituationen wollten die Patienten einen Klinikaufenthalt aus Angst vor einer Infektion möglichst vermeiden. Weitere Lockerungen der Restriktionen unterschiedlichen Ausmaßes folgten Anfang Mai und erlaubten eine gewisse Rückkehr zur vermeintlichen Normalität.

Welches Fazit können wir am Ende der ersten Phase dieser Pandemie ziehen? Deutschland hat diese Krise bisher relativ gut überstanden. Doch die möglichen Auswirkungen des Shutdowns sind dabei nur schwer abzuschätzen. Es kann insgesamt festgestellt werden, dass nach anfänglichen Schwierigkeiten das Gesundheitssystem adäquat agiert hat. Der ambulante Sektor hat sich als erste Anlaufstation in dieser Pandemie ausgezeichnet, sodass im Vergleich zu anderen Ländern nur gravierende Krankheitsverläufe stationär behandelt werden mussten. Dank und Anerkennung an alle beteiligten ärztlichen und medizinischen Berufsgruppen auszusprechen, ist an dieser Stelle "alternativlos". Bei weiterhin fehlenden effektiven Impfstoffen und möglichem Wiederanstieg der Infektionsraten kann ein abschließendes Resümee noch nicht gezogen werden. Das gilt auch für die Auswirkungen auf die soziale Situation im Inland, besonders für die Arbeitsplätze und die Wirtschaft. Trotz finanzieller Hilfspakete mit außergewöhnlichen Volumina ist der Einfluss des erhofften "Wumms-Effekts" noch völlig unklar. Vorerst sind wir alle aufgefordert, die neue Lebenswirklichkeit in allen Konsequenzen weitgehend zu akzeptieren, denn eine Zeit wie vor der Pandemie werden wir wahrscheinlich nicht wieder erleben, aber vielleicht ist doch ein immer wieder geforderter Strukturwandel im Gesundheitswesen möglich.

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