Abstract
Die Chinesische Medizin hat im Kampf gegen Covid-19 in China eine wichtige Rolle dabei gespielt, die Symptome zu lindern, eine Weiterentwicklung von der leichten oder üblichen zur schweren Form zu reduzieren, die Genesungsrate zu steigern, die Mortalität zu senken und die Rekonvaleszenz zu fördern. Dieser Artikel geht auf die Krankheitsagenzien und -mechanismen der Krankheit ein und schildert, welche Phasen und Formen differenziert werden. Auf dieser Basis fasst er die Ergebnisse von einigen bereits veröffentlichten chinesischen Studien zusammen, die zur Behandlung von Covid-19 mit Chinesischer Medizin in Kombination mit westlicher Medizin durchgeführt wurden.
Die Autoren gehen näher auf die empfohlene Behandlung mit Akupunktur und klassischen Rezepturen ein. Sie beschreiben verschiedene Maßnahmen, die in den staatlichen Behandlungsplänen zur Prävention vorgeschlagen werden. Für die Phase der Rekonvaleszenz werden neben Akupunktur, Moxibustion und Phytotherapie auch chinesische Bewegungstherapien empfohlen.
Schlüsselwörter: Covid-19, Akupunktur, Chinesische Phytotherapie, Studien, Klassische Rezepturen, Prävention, Rekonvaleszenz
Abstract
In the fight against Covid-19, Chinese Medicine had an important role to play in alleviating the symptoms, in hindering progression from the mild or common forms of the illness to the more severe form, in increasing the rate of recovery, in reducing mortality and in promoting convalescence. This article discusses the agents and mechanisms of the illness and describes the differentiation made between the various phases and forms. On this basis, it summarizes the results of several previously published Chinese studies that were conducted on the treatment of Covid-19 with Chinese Medicine in combination with Western medicine.
The authors go into detail about the recommended treatment using acupuncture and classical prescriptions. They describe various measures proposed in the state treatment plans for prevention. For the convalescence phase, Chinese movement therapies are recommended in addition to acupuncture, moxibustion and phytotherapy.
Key Words: Covid-19, Acupuncture, Chinese phytotherapy, Studies, Classical prescriptions, Prevention, Convalescence
1 Überblick über die Behandlung von Covid-19 in China
Die Chinesische Medizin hat eine lange Tradition der Behandlung von epidemischen Krankheiten, zu denen auch die durch das neuartige Coronavirus verursachte Pneumonie (Covid-19) zu rechnen ist. Von den in China bis zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels bestätigten Covid-19-Fällen wurden 74.187 mit Chinesischer Medizin behandelt, das sind 91,5 % aller bestätigten Fälle (Wang Wei 2020). Wie Berichte aus China zeigen, lassen sich mit Chinesischer Medizin die Symptome lindern, die Weiterentwicklung von der leichten und üblichen Form zur schweren Form reduzieren, die Genesungsrate steigern, die Mortalität senken und die Rekonvaleszenz beschleunigen (Luo 2020). In den Krankenhäusern wurden auf der Basis von Standardrezepturen wie „Den o. pulmonalis (Fk ‘Lunge’) entfaltendes und giftlösendes Dekokt“ (Xuanfei baidu tang)1 und „Den o. pulmonalis (Fk ‘Lunge’) kühlendes und Toxisches aus-scheidendes Dekokt“ (Qingfei paidu tang)2 je nach den Symptomen des Patienten individuelle Rezepturen zusammengestellt, wobei je nach Bedarf zusätzlich mit Akupunktur, Moxibustion oder Ohrakupressur etc. behandelt wurde. Auf diese Weise konnten sehr gute Resultate erzielt werden (Shi Suofang 2020).
Der Einsatz von Chinesischer Medizin in chinesischen Krankenhäusern
2 Erkenntnisse der Chinesischen Medizin zu Covid-19
2.1 Krankheitsagenzien und -mechanismen
Bei Covid-19 dringt eine epidemische Heteropathie (epidemische Schrägläufigkeit, yili 疫戾) über Mund und Nase ein, anschließend breitet sie sich von der extima (Oberfläche, biao) in die intima (Inneres, li) aus. Die Heteropathie (Schrägläufigkeit, xie) führt zur Einstauung des qi pulmonale (Qi des Fk „Lunge“, feiqi), und das mittlere Calorium (mittlerer Wärmebereich, zhongjiao) wird bedrängt. Die oo. lienalis et stomachi (Fk „Milz“ und „Magen“, pi wei) und der o. intestini crassi (Fk „Dickdarm“, dachang) oder auch der gesamte Körper werden ebenfalls betroffen, wobei das Übergreifen und die Veränderungen rasch ablaufen. Die Folge sind schließlich Zeichen eines kritischen Zustandes (Chen Renshou 2020).
Die Pathologie von Covid-19 aus chinesischer Sicht
Die Pathologie von Covid-19 lässt sich mit den sechs Begriffen humor („Feuchtigkeit“, shi), calor („Hitze“, re), Toxisches, Stasen, Trübes und depletio (energetische Schwäche, xu) zusammenfassen, wobei humor („Feuchtigkeit“, shi) die größte Rolle spielt.
Zu Beginn der Affektion dringt bei Covid-19 die Heteropathie (Schrägläufigkeit, xie) noch nicht tief ein, so dass zunächst leichte Symptome des Bereichs des qi defensivum (Wehrenergie, weiqi) wie Fieber, trockener Husten und Kraftlosigkeit im Vordergrund stehen. Da jedoch epidemisches (li 戾) Qi zur Erkrankung führt, das sich rasch weiterentwickelt, kann es schnell den Bereich des Qi passieren und in den Bereich des qi constructivum (Bauenergie, yingqi) eindringen. Ardor („Glut“, huo) wirkt kontravektiv auf den o. pericardialis (Fk „Herzbeutel“, xinbao), und in der Tiefe werden die Funktionskreise affiziert. Zudem ist humor („Feuchtigkeit“, shi) vom Wesen her schwer, so dass der Krankheitsverlauf lang ist und das orthopathische Qi (geradläufiges Qi, zhengqi) geschmälert wird. Die Analyse aus einer kombiniert chinesisch-westlichen Sicht ergibt, dass Einstauungen von humor („Feuchtigkeit“, shi), Toxischem und epidemischem Qi sich im Inneren in den Funktionskreisen zu calor („Hitze“, re) wandeln, es werden Stasen hervorgebracht, das qi constructivum (Bauenergie, yingqi) und das Xue werden verbrannt, und sie verbreiten sich in den drei Calorien (drei Wärmebereiche, sanjiao). Es werden zahlreiche kritische Symptome wie Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS) und Sepsis hervorgerufen, was zum Tod des Patienten führen kann (Peng Bo 2020).
2.2 Therapie
2.2.1 Festlegung der Behandlung entsprechend den vier Phasen
In den Behandlungsplänen, die landesweit und in den einzelnen Provinzen veröffentlicht wurden und weitgehend einheitlich sind, werden für die Chinesische Medizin in der klinischen Praxis die Phasen Anfangsphase, mittlere Phase, Phase mit schweren Symptomen und Rekonvaleszenzphase differenziert.
Differenzierung der einzelnen Phasen und Formen
Huang Xiaoqing et al. (Huang Xiaoqing 2020) haben in der Provinz Guangdong 35 Covid-19-Patienten untersucht, von denen bei 80 % Veränderungen im Lungen-CT feststellbar waren. Bei 45,71 % der Patienten lagen Einstauungen von heteropathischem humor (schrägläufige „Feuchtigkeit“, shixie) im o. pulmonalis (Fk „Lunge“, fei) vor und bei 37,14 % Einstauungen von heteropathischem calor (schrägläufige „Hitze“, shire) im o. pulmonalis (Fk „Lunge“, fei). Die größte Rolle spielt also humor („Feuchtigkeit“, shi), gefolgt von calor („Hitze“, re). Der Zungenbelag war zumeist klebrig bei einem roten oder blassroten Zungenkörper. Zhou Jing et al. (Zhou Jing 2020) haben in der Provinz Anhui bei 144 Patienten eine Analyse aus Sicht der Chinesischen Medizin durchgeführt und festgestellt, dass das Auftreten der Erkrankung in einem engen Zusammenhang mit den oo. pulmonalis et lienalis (Fk „Lunge“ und „Milz“, fei pi) stand, wobei die Heteropathie (Schrägläufigkeit, xie) Epidemisch-Toxisches (yidu) zusammen mit humor („Feuchtigkeit“, shi) den wichtigsten pathologischen Faktor darstellte. Pan Xiaoqiong et al. (Pan Xiaoqiong 2020) haben bei einer klinischen Beobachtung festgestellt, dass die wichtigste Symptomkonfiguration bei der üblichen Form von Covid-19 Einlagerungen von humor („Feuchtigkeit“, shi), calor („Hitze“, re) und Epidemisch-Toxischem (yidu) im o. pulmonalis (Fk „Lunge“, fei) war. Die involvierten pathologischen Faktoren waren algor („Kälte“, han), calor („Hitze“, re), humor („Feuchtigkeit“, shi), Toxisches (du) und depletio (energetische Schwäche, xu), wobei humor-Toxisches („Feuchtigkeit“-Toxisches, shidu) den zentralen Krankheitsmechanismus bildete.
Bei der Behandlung sollte humor („Feuchtigkeit“, shi) im Mittelpunkt stehen, wobei vor allem bei der leichten und bei der üblichen Form calor („Hitze“, re) kühlende und den o. pulmonalis (Fk „Lunge“, fei) entfaltende, Toxisches (du) herauslösende und „Schmutziges“ (hui) beseitigende, den o. lienalis (Fk „Milz“, pi) kräftigende und humor („Feuchtigkeit“, shi) eliminierende, ventus („Wind“, feng) lösende und die reticulares (Netzleitbahnen, luomai) durchgängig machende Methoden eingesetzt werden sollten, um zu verhindern, dass es zu einer Weiterentwicklung der Erkrankung kommt. (Peng Bo 2020)
Die wichtigsten Therapieprinzipien
2.2.2 Akupunkturbehandlung
Obwohl bei der Behandlung von Covid-19 mit Chinesischer Medizin die chinesischen Arzneimittel die führende Rolle spielen, werden seit alters her auch Akupunktur und Moxibustion in großem Umfang zur Prävention und Therapie von „Epidemischen Wärme-Erkrankungen“ (wenyi 瘟疫) genutzt. Zur Intervention mit Akupunktur und Moxibustion bei akuten Infektionskrankheiten der Gegenwart wie epidemisches hämorrhagisches Fieber, Influenza, akute bakterielle Dysenterie, Meningitis cerebrospinalis epidemica, Virushepatitis, Hand-Fuß-Mund-Krankheit bei Kindern, SARS etc. existieren jeweils klare, verlässliche Berichte zur Therapiewirkung (Liu Bing 2020). Der Chinesische Verband für Akupunktur und Moxibustion hat den „Leitplan für die Intervention mit Akupunktur und Moxibustion bei Covid-19 (2. Auflage)“ ausgearbeitet (Shi Xuemin 2020), wobei bei der Aku-Moxi-Therapie streng auf Abstand und Desinfektion zu achten ist.
Der Einsatz von „schwebender Moxibustion“
Huang Xianbao et al. (Huang Xianbao 2020) haben bei 42 Covid-19-Patienten (übliche Form) im Bereich der Foramina Rs8/Ren8 („Mitte des Nabels“, shenque) und S25/Ma25 („Angel des Himmels“, tianshu) „schwebende Moxibustion“ (reminjiu)3 durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass „schwebende Moxibustion“ (reminjiu) bei Covid-19-Patienten wirksam negative Emotionen reduzieren und Druckgefühle im Thorax und Appetitlosigkeit bessern kann und sie von den Patienten gut angenommen wird.
Die Akupunkturintervention wird je nach Entwicklung des Krankheitsmechanismus entsprechend den drei Phasen „medizinische Beobachtungsphase“, „klinische Behandlungsphase“ und „Rekonvaleszenzphase“ durchgeführt. Dabei werden die Symptomkonfigurationen nach den Funktionskreisen und Leitbahnen bestimmt, und dementsprechend werden die Hauptforamina ausgewählt. Diese werden je nach den klinischen Symptomen modifiziert, wobei man sich an dem Grundsatz „Auswahl von wenigen, aber guten Punkte“ orientieren sollte. Tabelle 1 fasst den wesentlichen Inhalt des „Leitplans für die Intervention mit Akupunktur und Moxibustion bei Covid-19 (2. Auflage)“ zusammen.
| Phase | Therapieziel | Wichtigste Foramina | Ergänzende Foramina |
|---|---|---|---|
| Medizinische Beobachtungsphase (Verdachtsfälle) | Stimulieren des orthopathischen Qi (geradläufiges Qi, zhengqi) und der Funktionen der oo. pulmonalis et lienalis (Fk „Lunge“ und „Milz“, fei pi), Eliminieren der epidemischen Heteropathie („Schrägläufigkeit“, xie), so dass die Funktionskreise Heteropathien („Schrägläufigkeiten“, xie) besser abwehren können |
➀ V12/Bl12 („Pforte der Winde“, fengmen), V13/Bl13 („Einflusspunkt des ‘Lungen’- Funktionskreises“, feishu), V20/Bl20 („Einflusspunkt des ‘Mitten’-Funktionskreises“, pishu); ➁ IC4/Di4 („Vereinte Täler“, hegu), IC11/Di11 („Gekrümmter Teich“, quchi), P5/Lu5 („Moorsee am Fußpunkt“, chize), P10/Lu10 („Fischbauchgrenze“, yuji); ➂ Rs6/Ren6 („Meer des Qi“, qihai), S36/Ma36 („Dritter Weiler am Fuß“, zusanli), L6/Mi6 („Die Verbindung der drei Yin“, sanyinjiao); jedes Mal aus jeder Gruppe von Foramina 1–2 Foramina auswählen |
Fieber, trockener Rachen, trockener Husten: zusätzlich Rg14/Du14 („Punkt aller Strapazen“, dazhui), Rs22/Ren22 („Bresche des Himmels“, tiantu), P6/Lu6 („Die Tiefe des Lochs“, kongzui) |
| Übelkeit, halbflüssiger Stuhl, vergrößerter Zungenkörper mit klebrigem Belag, pp. lenes („nachgiebige“ Pulse, rumai): Rs12/Ren12 („Sammlungspunkt des ‘Magen’-Funktionskreises“, zhongwan), S25/Ma25 („Angel des Himmels“, tianshu), S40/Ma40 („Üppige Fülle“, fenglong) | |||
| Gleichzeitig Abgeschlagenheit, Kraftlosigkeit, Appetitlosigkeit: Rs12/Ren12 („Sammlungspunkt des ‘Magen’-Funktionskreises“, zhongwan), vier periumbilikale Foramina (jeweils 1 cun über, unter, links und rechts von der Nabelmitte), V20/Bl20 („Einflusspunkt des ‘Mitten’-Funktionskreises“, pishu) | |||
| Klinische Behandlungsphase (bestätigte Diagnose) | Anregen des orthopathischen Qi (geradläufiges Qi, zhengqi) der oo. pulmonalis et lienalis (Fk „Lunge“ und „Milz“, fei pi), Schützen der Funktionskreise und Reduzieren der Läsionen, Vertreiben der epidemischen Heteropathie („Schrägläufigkeit“, xie), Hervorbringen der Wandlungsphase Metall durch Stützen der Wandlungsphase Erde, Unterbrechen des Krankheitszustandes, Lösen der Emotionen, Stärken des Vertrauens in das Besiegen der Heteropathie („Schrägläufigkeit“, xie) |
➀ IC4/Di4 („Vereinte Täler“, hegu), H3/Le3 („Die mächtige große Straße“, taichong), Rs22/Ren22 („Bresche des Himmels“, tiantu), P5/Lu5 („Moorsee am Fußpunkt“, chize), P6/Lu6 („Die Tiefe des Lochs“, kongzui), S36/Ma36 („Dritter Weiler am Fuß“, zusanli), L6/Mi6 („Die Verbindung der drei Yin“, sanyinjiao); ➁ V11/Bl11 („Großes Weberschiffchen“, dazhu), V12/Bl12 („Pforte der Winde“, fengmen), V13/Bl13 („Einflusspunkt des ‘Lungen’-Funktionskreises“, feishu), V15/Bl15 („Einflusspunkt des ‘Herz’- Funktionskreises“, xinshu), V17/Bl17 („Einflusspunkt des Zwerchfells“, geshu); ➂ P1/Lu1 („Versammlungshalle der Mitte“, zhongfu), Rs17/Ren17 („Vorhof der Brust“, shanzhong), Rs6/Ren6 („Meer des Qi“, qihai), Rs4/Ren4 („Das erste der Passtore“, guanyuan), Rs12/Ren12 („Sammlungspunkt des ‘Magen’-Funktionskreises“, zhongwan); bei leichter und üblicher Form jedes Mal aus den Foramina der Gruppen ➀ und ➁ 2–3 Foramina auswählen; bei schwerer Form aus den Foramina der Gruppe ➂ 2–3 Foramina auswählen |
Nicht weichendes Fieber: zusätzlich Rg14/Du14 („Punkt aller Strapazen“, dazhui), IC11/Di11 („Gekrümmter Teich“, quchi); oder blutiges Nadeln von Ex15/Ex-UE-11 („Die zehn Drainagen“, shixuan) und F8/Gb8 („Der obere Punkt des Ohres“, erjian) |
| Druckgefühle im Thorax und Kurzatmigkeit: Pc6/Pe6 („Inneres Passtor“, neiguan), P7/Lu7 („Reihe von Lücken“, lieque); oder Rs14/Ren14 („Sammlungspunkt des ‘Herz’- Funktionskreises“, juque), H14/Le14 („Zusammenkunftspunkt des ‘Leber’-Kreises“, qimen), R6/Ni6 („Das Meer der Erhellung“, zhaohai) | |||
| Husten mit Auswurf: zusätzlich P7/Lu7 („Reihe von Lücken“, lieque), S40/Ma40 („Üppige Fülle“, fenglong), Ex10/Ex-B-1 („Asthmaerleichterung“, dingchuan) | |||
| Diarrhoe mit halbflüssigem Stuhl: zusätzlich S25/Ma25 („Angel des Himmels“, tianshu), S37/Ma37 („Obere Enge des weiten Feldes“, shangjuxu) | |||
| Auswurf von gelblichem, klebrigem Sputum, Obstipation: zusätzlich Rs22/Ren22 („Bresche des Himmels“, tiantu), T6/3E6 („Der fliegende Tiger“, feihu, bzw. „Seitlicher Abzugsgraben“, zhigou), S25/Ma25 („Angel des Himmels“, tianshu), S40/Ma40 („Üppige Fülle“, fenglong) | |||
| Subfebrile Temperaturen, eventuell keine Temperaturerhöhung, Übelkeit und Erbrechen, halbflüssiger Stuhl, blasser oder blassroter Zungenkörper, weißer oder weißer, klebriger Belag: zusätzlich V13/Bl13 („Einflusspunkt des ‘Lungen’-Funktionskreises“, feishu), S25/Ma25 („Angel des Himmels“, tianshu), L14/Mi14 („Knoten im Abdomen“, fujie), Pc6/Pe6 („Inneres Passtor“, neiguan) | |||
| Rekonvaleszenzphase | Eliminieren von residualem Toxischen, Wiederherstellen des qi primum (ursprüngliches Qi, yuanqi), Fördern der Regeneration der Funktionskreise, Wiederherstellen der Funktionen der oo. pulmonalis et lienalis (Fk „Lunge“ und „Milz“, fei pi) | Pc6/Pe6 („Inneres Passtor“, neiguan), S36/Ma36 („Dritter Weiler am Fuß“, zusanli), Rs12/Ren12 („Sammlungspunkt des ‘Magen’-Funktionskreises“, zhongwan), S25/Ma25 („Angel des Himmels“, tianshu), Rs6/Ren6 („Meer des Qi“, qihai) | Deutliche Symptome der „Verbindungen des o. pulmonalis“ (feixi) wie Kurzatmigkeit: zusätzlich Rs17/Ren17 („Vorhof der Brust“, shanzhong), V13/Bl13 („Einflusspunkt des ‘Lungen’-Funktionskreises“, feishu), P1/Lu1 („Versammlungshalle der Mitte“, zhongfu) |
| Deutliche Symptome der oo. lienalis et stomachi (Fk „Milz“ und „Magen“, pi wei) wie Appetitlosigkeit, Diarrhoe: zusätzlich Rs13/Ren13 („Ort des Mageneingangs“, shangwan), L9/Mi9 („Die Quelle am Yin-Grabhügel“, yinlingquan) | |||
| Starke Mundtrockenheit, starker Durst: zusätzlich R3/Ni3 („Mächtiger Wasserlauf“, taixi), T4/3E4 („Teich des Yang“, yangchi) | |||
|
Deutliche Palpitationen: zusätzlich V15/Bl15 („Einflusspunkt des ‘Herz’-Funktionskreises“, xinshu), V14/Bl14 („Einflusspunkt für das ‘weichende Yin’“, jueyinshu); starkes Schwitzen: zusätzlich IC4/Di4 („Vereinte Täler“, hegu), R7/Ni7 („Der zurückfließende Strom“, fuliu), S36/Ma36 („Dritter Weiler am Fuß“, zusanli) | |||
| Schlafstörungen: zusätzlich C7/He7 („Pforte des Shen“, shenmen), Ex1/Ex-HN-3 („Siegelhalle“, yintang), Ex5/Ex-HN-54 („Ruhiger Schlaf“, anmian), R1/Ni1 („Die emporsprudelnde Quelle“, yongquan) |
2.2.3 Einsatz von klassischen Rezepturen
Xu Erping (Xu Erping 2020) hat auf Basis der „Abhandlung über schädigende ‘Kälte’ (algor laedens) und verschiedene Erkrankungen (morbi varii)“ (Shanghan zabing lun, von Zhang Zhongjing Anfang des 3. Jh. verfasst) empfehlenswerte klassische Rezepturen für die Behandlung von Covid-19 zusammengestellt, s. Tabelle 2.
| Wichtigstes Symptom | Form | Klassische Rezeptur |
|---|---|---|
| Fieber | Einstauungen von humor algidus („Kälte-Feuchtigkeit“, hanshi) im o. pulmonalis (Fk „Lunge“, fei) | „Pueraria-Dekokt mit Pinellia“ (Gegen jia banxia tang, s. Scheid 2009, S. 21) |
| In den o. pulmonalis (Fk „Lunge“, fei) eindringender calor humidus („Feuchtigkeit-Hitze“, shire) | „Kleines Bupleurum-Dekokt“ (Xiao chaihu tang, s. Hempen 2006, S. 156) mit „Dekokt mit Ephedra, Prunus armeniaca, Coix und Glycyrrhiza“ (Maxing yigan tang, s.o.) | |
| Blockade des o. pulmonalis (Fk „Lunge“, fei) durch Epidemisch-Toxisches | „Dekokt mit Ephedra, Prunus armeniaca, Gypsum und Glycyrrhiza“ (Maxing shigan tang, s. Hempen 2006, S. 404) und „Großes Bupleurum-Dekokt“ (Da chaihu tang, s. Hempen 2006, S. 158) mit „Dekokt des Weißen Tigers mit Ginseng“ (Baihu jia renshen tang, s. Scheid 2009, S. 154) | |
| Sputum | Einstauung von calor pituitae („Schleim-Hitze“, tanre) im o. pulmonalis (Fk „Lunge“, fei) | „Das Dekokt der Magd aus Yue“ (Yuebi tang, s. Scheid 2009, S. 185) mit „Kleines Dekokt gegen Vernichtungsgefühl in der Brust“ (Xiao xianxiong tang, s. Hempen 2006, S. 252) mit „Phragmites-Dekokt“ (Weijing tang, s. Hempen 2006, S. 134) |
| Blockade des o. pulmonalis (Fk „Lunge“, fei) durch humor pituitae („Schleim-Feuchtigkeit“, tanshi) | „Kleines Dekokt des grünen Drachen“ (Xiao qinglong tang, S. Hempen 2006, S. 48) mit „Pulver der fünf Ling-Bestandteile“ (Wuling san, s. Hempen 2006, S. 208) | |
| Kurzatmigkeit | Repletive Kurzatmigkeit (algor-„Wasser“ [„Kälte-Wasser“, hanshui] beeinträchtigt den o. pulmonalis [Fk „Lunge“, fei]) | „Dekokt mit Belamcanda und Ephedra“ (Shegan mahuang tang, s. Hempen 2006, S. 414) mit „Dekokt mit Poria, Cinnamomum, Atractylodes und Glycyrrhiza“ (Linggui zhugan tang, s. Hempen 2006, S. 210) |
| Depletive Kurzatmigkeit (depletio [energetische Schwäche, xu] des qi pulmonale et renale [Qi der Fk „Lunge“ und „Niere“, fei shen qi]) | „Aconit-Dekokt“ (Fuzi tang, s. s. Scheid 2009, S. 747) mit „Dekokt mit Stephania und Astragalus“ (Fangji huangqi tang, s. Hempen 2006, S. 216) mit „Dekokt mit Zimtzweigen, Süßholz, Mastodi fossilium und Ostrea“ (Guizhi gancao longgu muli tang, s. Scheid 2009, S. 365) | |
| Obstipation | Repletive Obstipation | „Großes Dekokt zur Wiederherstellung des Qi-Flusses“ (Da chengqi tang, s. Hempen 2006, S. 470) |
| Depletive Obstipation | „Cannabis-Pille“ (Maziren wan, s. Hempen 2006, S. 484) mit „Dekokt mit Lilium und Rehmannia“ (Baihe dihuang tang, s. Scheid 2009, S. 220) und „Pille aus unreifen Zitronen und Atractylodes“ (Zhizhu wan, s. Scheid 2009, S. 837) | |
| Benommenheit und Bewusstlosigkeit | Yang-Blockade | „Dekokt des weißen Tigers“ (Baihu tang, s. Hempen 2006, S. 100) mit „Großes Dekokt zur Wiederherstellung des Qi-Flusses“ (Da chengqi tang, s. Hempen 2006, S. 470) |
| Yin-Blockade | „Dekokt aus den frischen Trieben des Aconits“ (Wutou tang, s. Scheid, S. 624) mit „Dekokt gegen die vier Gegenläufigkeiten mit Angelica sinensis“ (Danggui sini tang, s. Hempen 2006, S. 80) | |
| „EntweichenSymptomatik“ (tuozheng) | Verlust und Entweichen des Yang-Qi | „Das Dekokt gegen die vier Kontravektionen“ (Sini tang, s. Scheid, S. 274) mit Ginseng radix (Renshen) |
3 Prävention
Die staatlichen Gesundheitsbehörden und viele Krankenhäuser haben sehr früh Pläne zur Prävention von Covid-19 entwickelt. Die wichtigsten Rezepturen sind dabei das „Pulver gegen Wind aus Jade“ (Yu pingfeng san, s. Hempen 2006, S. 342) und das „Dekokt mit Cinnamomum“ (Guizhi tang, s. Hempen 2006, S. 392), oder es werden das „Pulver gegen Wind aus Jade“ (Yu pingfeng san, s. Hempen 2006, S. 342, als Pille), die „Die Orthopathie stützende Pille mit Codonopsis und Astragalus“ (Shenqi fuzheng wan, als Kapsel)4 oder die „Tablette mit Codonopsis und Astragalus“ (Shenqi pian, als Kapsel)5 eingesetzt. Für Zuhause gibt es zahlreiche Empfehlungen:
Aromatherapie: Räuchern mit Moxazigarren oder chinesischen Arzneimitteln — nur mit Atractylodis rhizoma (Cangzhu) oder mit mehreren chinesischen Arzneimitteln, ausgewählt aus Isatidis radix (Banlangen), Acori rhizoma (Shichangpu), Dryopteridis rhizoma (Guanzhong) und Lonicerae flos (Jinyinhua);
Mitführen von Duftbeuteln mit chinesischen Arzneimitteln: 10 g Atractylodis rhizoma (Cangzhu), 10 g Artemisiae argyi folium (Aiye), 10 g Acori rhizoma (Shichangpu), 10 g Menthae herba (Bohe), 10 g Agastachis herba (Huoxiang);
Diätetik: Empfehlenswerte Lebensmittel zum Kühlen von calor („Hitze“, re) sind Spargel, Löwenzahn, Houttuynia-Kraut und Lotos-Samen. Zum Regulieren des qi pulmonale (Qi des Fk „Lunge“, feiqi) und Beseitigen von pituita („Schleim“, tan) eignen sich Rettich und Hiobstränensamen. Zum Stützen von qi et yin pulmonale (Qi und Yin des Fk „Lunge“, fei qi yin) können Silbermorchel, Lilienzwiebel und Yamswurzel eingesetzt werden (Chen Peiyi 2014).
Bewegung: Es sollten langsame Bewegungsarten wie Taijiquan, „Acht-Brokat-Übungen“ (Baduan jin), „Spiel der Fünf Tiere“ (Wuqinxi) etc. gewählt werden, bei denen man nur leicht ins Schwitzen kommt (s.u.).
Empfohlene vorbeugende Rezepturen
Zuhause anwendbare präventive Maßnahmen
Wie die Erfahrungen mit SARS und MERS gezeigt haben, entwickelt ein Teil der Patienten während und nach der Erkrankung Stresszustände wie Depressionen und Angststörungen, wobei vor allem bei schwer erkrankten Patienten die Häufigkeit einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) stark ansteigt. Daher ist während und nach einer Covid-19-Erkrankung eine frühzeitige psychologische Intervention (Li Yuefeng 2020) sinnvoll.
4 Rekonvaleszenz
Die Behandlungspläne der staatlichen Gesundheitsbehörden und der Krankenhäuser für Covid-19 enthalten auch Empfehlungen für die Rekonvaleszenzphase. Je nach den klinischen Formen und Symptomkonfigurationen werden zielgerichtet Methoden der Chinesischen und der westlichen Medizin kombiniert eingesetzt, so dass durch Rehabilitationstechniken wie Haltungstherapie, Atemübungen, Bewegungstherapien etc. die Atem- und Körperfunktionen des Patienten verbessert werden. Mit Hilfe von Behandlungsmethoden der Chinesischen Medizin wie Tuina, indirekte Moxibustion etc. werden der Qi-Mechanismus durchgängig gemacht und die Funktionen der Funktionskreise wieder hergestellt. Traditionelle Techniken wie Taijiquan, „Acht-Brokat-Übungen“ (Baduan jin) etc. erhöhen die körperliche Leistungsfähigkeit des Patienten und verbessern seine psychische Verfassung. Auf diese Weise konnten sehr gute Behandlungsergebnisse erzielt und wertvolle Erfahrungen gesammelt werden (Xia Wenguang 2020).
Kombination mehrerer Rehabilitationstechniken
In der Rekonvaleszenzphase stellen nicht beseitigte, residuale Heteropathien (Schrägläufigkeiten, xie) und eine depletio (energetische Schwäche, xu) des orthopathischen Qi (geradläufiges Qi, zhengqi) den grundlegenden Pathomechanismus dar. Den Ort der Erkrankung bildet der o. pulmonalis (Fk „Lunge“, fei), wobei es sich um eine Erkrankung des Bereichs des qi constructivum (Bauenergie, yingqi) und des Bereichs des Qi innerhalb der morbi temperati („Wärme“-Erkrankungen, wenbing) handelt. Während des gesamten Krankheitsverlaufs, besonders aber bei einem protrahierten Verlauf sind chinesische Arzneimittel von entscheidender Bedeutung, denn mit ihnen lassen sich bleibende fibrotische Veränderungen der Lunge weitestgehend vermeiden, was wichtig ist, damit die Lebensqualität des Patienten weiterhin hoch bleibt.
Wahl zwischen Phytotherapie und Akupunktur
Zhang Yuan et al. (Zhang Yuan 2020) vertreten die Ansicht, dass die Behandlung in der Rekonvaleszenz von Covid-19 vor allem bei depletio (energetische Schwäche, xu) der oo. pulmonalis et renalis (Fk „Lunge“ und „Niere“, fei shen) und bei depletio qi (energetische Schwäche des Qi, qixu) und Xue-Stasen ansetzen sollte. Im ersten Fall seien die „Abkochung der sechs Edlen für die Wandlungsphasen Metall und Wasser“ (Jinshui liujun jian, s. Scheid 2009, S. 779) und das „Pulver mit Ginseng und Gecko“6 (Renshen gejie san, s. Hempen 2006, S. 530) zu verabreichen, um die oo. pulmonalis et renalis (Fk „Lunge“ und „Niere“, fei shen) zu suppletieren; oder es sollten Foramina wie R3/Ni3 („Mächtiger Wasserlauf“, taixi), V13/Bl13 („Einflusspunkt des ‘Lungen’-Funktionskreises“, feishu), V23/Bl23 („Einflusspunkt des ‘Nieren’-Funktionskreises“, shenshu), V43/Bl43 („Das Innere“, gaohuang), Ex10/Ex-B-1 („Asthmaerleichterung“, dingchuan) etc. behandelt werden. Im zweiten Fall sollten das „Den Ursprung bewahrende Dekokt“ (Baoyuan tang)7 und das „Dekokt der vier Bestandteile mit Persicae semen“ (Taoren siwu tang)8 verabreicht werden; oder es sollten Foramina wie V17/Bl17 („Einflusspunkt des Zwerchfells“, geshu), P6/Lu6 („Die Tiefe des Lochs“, kongzui), IC4/Di4 („Vereinte Täler“, hegu), IC11/Di11 („Gekrümmter Teich“, quchi), L6/Mi6 („Die Verbindung der drei Yin“, sanyinjiao) etc. behandelt werden.
Die traditionellen Bewegungstechniken spielen bei der Wiederherstellung der Lungenfunktion eine wichtige Rolle. Untersuchungen konnten zeigen, dass die traditionellen chinesischen Bewegungstechniken bei Erkrankungen der „Verbindungen des o. pulmonalis“ (feixi) wie chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Asthma bronchiale und Cor pulmonale die Lungenfunktion verbessern, Angst lösen und Schlafstörungen reduzieren können, wodurch die Lebensqualität gesteigert wird. Bei den „Acht-Brokat-Übungen“ (Baduan jin) handelt es sich um moderate Bewegungen, die zudem die Muskelkraft und das Thoraxvolumen steigern können (Zhang Hui 2020).
Positive Wirkung des „Spiels der Fünf Tiere“
Im „Spiel der Fünf Tiere“ (Wuqinxi) dominiert das „Spiel des Kranichs“ den o. pulmonalis (Fk „Lunge“, fei), es kann den Brustbereich freimachen, das Qi regulieren, den Qi-Mechanismus durchgängig machen und den Gleichgewichtssinn und die Geschmeidigkeit des Körpers erhöhen. Das Ausdehnen und Zusammenziehen im „Spiel des Tigers“ und das Schütteln des Rumpfes im „Spiel des Bären“ steigern durch Bewegen der Extremitäten und des Lendenbereiches die Aktivität des Brustkorbs, sie trainieren die Funktionen der Musculi intercostales, des Diaphragmas und der inspiratorischen Atemmuskulatur und verbessern das Ventilationsvolumen der Lunge (Wang Dawei 2020).
Beim Taijiquan werden durch Lösen und Durchgängigmachen der Leitbahnen, Dehnen des Brustkorbs und Fördern der Zirkulation von Qi und Xue das Training des Lungenbereichs und die Regeneration der Lungenfunktion unterstützt (Zhang Hao 2019). Andere traditionelle gesundheitserhaltende Übungen wie die „Sechs Laute“ (auch „Lehrformel der Sechs Zeichen“, Liuzi jue) (Hao Shijie 2018) und die „Schildkröten-Übungen“ (He Zirong 2015) haben auf die Wiederherstellung der Lungenfunktion ebenfalls eine gewisse stützende Wirkung. Sie sollten je nach den konkreten klimatischen und geographischen Gegebenheiten und dem Zustand des Patienten vernünftig ausgewählt werden.
5 Klinische Studien
Seit dem Ausbruch von Covid-19 wurden in ganz China zahlreiche klinische Studien durchgeführt. Diese Studien spiegeln die vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten der Chinesischen Medizin wider, und durch sie wurden für die Ausarbeitung der nationalen Pläne und die Bekämpfung der Epidemie mit Chinesischer Medizin wertvolle Erfahrungen gesammelt und klinische Daten geliefert.
Signifikanter Rückgang der Hauptsymptome
Ein Forschungsteam um Zhang Boli hat gezeigt, dass durch die Verwendung des „Infektionen klärenden Granulats mit Lonicerae flos“ (Jinhua qinggan keli)9 bei der Behandlung von 82 Patienten nach 5 Tagen die klinischen Symptome Fieber, Husten, Kraftlosigkeit und Sputum bei Patienten mit Covid-19 der leichten Form signifikant reduziert und psychische Angstzustände gelindert werden konnten (Duan Can 2020). Yang Zhongjie et al. haben 13 Patienten mit Covid-19 der Form Einstauungen von humor algidus („Kälte-Feuchtigkeit“, hanshi) im o. pulmonalis (Fk „Lunge“, fei) behandelt und festgestellt, dass die „Mixtur mit Astragalus, Cinnamomum und Poria“ (Qiguilin heji)10 bei den Patienten Symptome wie Fieber, Husten, Kraftlosigkeit, Diarrhoe und Übelkeit deutlich bessern kann. Chen Ling et al. (Chen Ling 2020) haben 131 Covid-19-infizierte Patienten (zu 95,4 % übliche Form) mit dem „Gift auflösenden Dekokt des süßen Taus“ (Ganlu xiaodu tang)11 in Kombination mit chinesischen und westlichen Arzneimitteln erfolgreich behandelt und festgestellt, dass diese Rezeptur am besten mit der Fertigrezeptur „Epidemisches klärendes (Granulat) mit Forsythiae fructus und Lonicerae flos“ (Lianhua qingwen), der Fertigrezeptur „Wirkkräftiger Tau mit Eriobotryae folium“ (Qiangli pipa tang) sowie ventus („Wind“, feng) lösenden und Toxisches herauslösenden Arzneimitteln zusammenwirkt.
Neuer Ansatz für die Behandlung der schweren Form
Xie Yanfeng et al. (Xie Yanfeng 2020) berichten über die erfolgreiche klinische Behandlung von 8 Patienten mit Covid-19 der schweren Form durch Einsatz des „Regeln brechenden Dekoktes, das dem Fk Herz zu Hilfe kommt“ (Poge jiuxin tang) und des „Kleinen Dekoktes des grünen Drachen“ (Xiao qinglong tang)12, womit sie einen neuen Ansatz für die Behandlung von Covid-19 der schweren Form mit Chinesischer Medizin lieferten. Das „Regeln brechende Dekokt, das dem Fk Herz zu Hilfe kommt“ (Poge jiuxin tang) ist auf Grundlage der Erfahrungen des Altarztes Li Ke mit der klinischen Notfallbehandlung kritischer Erkrankungen entstanden; es basiert auf dem „Dekokt mit Ginseng, Aconitum, Mastodi fossilium ossis und Ostreae concha zum Beheben von Kontravektionen“ (Shenfu longmu jiuni tang), das in der „Abhandlung über schädigende Kälte (algor laedens)“ (Shanghan lun, von Zhang Zhongjing, aus dem 2. Jh.) unter den „Dem Dekokt gegen die vier Kontravektionen“ (Sini tang) ähnlichen Rezepturen gelistet wird, und auf dem von Zhang Xichun entwickelten „Dekokt, das zurückkehren lässt“ (Laifu tang), wobei Aconiti radix lateralis praeparata (Fuzi) und Corni fructus (Shanzhuyu) hochdosiert verwendet werden und Ginseng radix (Renshen) zugegeben wird (Li Ke 2002).
6 Resümee
Bisher durchgeführte Studien geben Hinweise, dass sich bei Covid-19 mit Chinesischer Medizin die Symptome lindern, die Weiterentwicklung von der leichten und üblichen Form zur schweren Form reduzieren, die Genesungsrate steigern, die Mortalität senken und die Rekonvaleszenz beschleunigen lassen. Zur Therapie und zur Prävention wird hauptsächlich Phytotherapie eingesetzt, Akupunktur und Moxibustion können unterstützend genutzt werden. In der Rekonvaleszenz können zudem auch chinesische Bewegungstherapien zum Einsatz kommen, um die Genesung zu beschleunigen. Weitere Studien wären wünschenswert.
Die wichtigsten Effekte der Chinesischen Medizin bei Covid-19
1 Das „Den o. pulmonalis (Fk ‚Lunge‘) entfaltende und giftlösende Dekokt“ (Xuanfei baidu tang 宣肺败毒汤) besteht aus den vier Rezepturen „Dekokt mit Ephedra, Prunus armeniaca, Gypsum und Glycyrrhiza“ (Maxing shigan tang, s. Hempen 2006, S. 404), „Dekokt mit Ephedra, Prunus armeniaca, Coix und Glycyrrhiza“ (Maxing yigan tang, bestehend aus Ephedrae herba [Mahuang], Armeniacae semen [Xingren], Glycyrrhizae radix [Gancao] und Coicis semen [Yiyiren]), „Phragmites-Dekokt“ (Weijing tang, s. Hempen 2006, S. 134) und „Dekokt mit Lepidium und Jujuba zur Zerstreuung des Fk Lunge (o. pulmonalis)“ (Tingli dazao xiefei tang, s. Hempen 2006, S. 410), Quelle: http://www.scio.gov.cn/xwfbh/xwbfbh/wqfbh/42311/42768/zy42772/Document/1675829/1675829.htm.
2 Zusammensetzung des „Den o. pulmonalis (Fk ‚Lunge‘) kühlenden und Toxisches ausscheidenden Dekoktes“ (Qingfei paidu tang 清肺排毒汤): 9 g Ephedrae herba (Mahuang), 6 g in einer Flüssigkeit geröstete Glycyrrhizae radix (Gancao), 9 g Armeniacae semen (Xingren), 15−30 g unpräpariertes Gypsum fibrosum (Shigao, vorher abgekocht), 9 g Cinnamomi cassiae ramulus (Guizhi), 9 g Alismatis rhizoma (Zexie), 9 g Polyporus (Zhuling), 9 g Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu), 15 g Poria (Fuling), 16 g Bupleuri radix (Chaihu), 6 g Scutellariae radix (Huangqin), 9 g in Ingwer präparierte Pinelliae rhizoma (Jiangbanxia), 9 g Zingiberis rhizoma recens (Shengjiang), 9 g Asteris radix (Ziwan), 9 g Farfarae flos (Kuandonghua), 9 g Belamcandae rhizoma (Shegan), 6 g Asari radix (Xixin), 12 g Dioscoreae rhizoma (Shanyao), 6 g Aurantii fructus immaturus (Zhishi), 6 g Citri reticulatae pericarpium (Chenpi), 9 g Agastachis herba (Huoxiang), Quelle: Wang Raoqiong 2020
3 Bei der „schwebenden Moxibustion“ (reminjiu 热敏灸) wird die brennende Moxazigarre in einem bestimmten Abstand über dem Foramen gehalten. (Anm. d. Übers.)
4 Die Ingredienzen der „Die Orthopathie stützenden Pille mit Codonopsis und Astragalus“ (Shenqi fuzheng wan 参芪扶正丸) sind Ginseng radix (Renshen), Astragali radix (Huangqi), Hedyotidis diffusae herba (Baihuasheshecao), Scutellariae herba (Banzhilian), Cremastrae pseudobulbus (Shancigu), Curcumae zedoariae rhizoma (Ezhu), Notoginseng radix (Sanqi), Carthami flos (Honghua), Coicis semen (Yiyiren), Poria (Fuling), Eleutherococci senticosi radix et caulis (Ciwujia), Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu), Ligustri lucidi fructus (Nüzhenzi) und Lycii fructus (Gouqizi). Sie wirkt das Qi suppletierend, das Xue dynamisierend und Toxisches herauslösend; in der klinischen Praxis wird sie zur unterstützenden Behandlung von Lungen- und Magenkarzinomen eingesetzt, bei denen klinisch depletio qi (energetische Schwäche des Qi, qixu) und Xue-Stasen im Vordergrund stehen.
5 Die Ingredienzen der „Tablette mit Codonopsis und Astragalus“ (Shenqi pian 参芪片) sind Codonopsis radix (Dangshen) und Astragali radix (Huangqi). Sie wirkt das qi primum (ursprüngliches Qi, yuanqi) suppletierend, und sie kommt bei depletio qi (energetische Schwäche des Qi, qixu) mit geschwächter Konstitution und Kraftlosigkeit der Extremitäten zum Einsatz.
6 Gecko (Gejie): CITES Appendix II, der Handel mit Wildentnahmen ist nur erlaubt, wenn eine Ausfuhrgenehmigung die Nachhaltigkeit bescheinigt (s. ersten Artikel in diesem Heft).
7 Die Ingredienzen des „Den Ursprung bewahrenden Dekoktes“ (Baoyuan tang 保元汤) sind Ginseng radix (Renshen), Astragali radix (Huangqi), Glycyrrhizae radix (Gancao) und Cinnamomi cassiae cortex (Rougui). Es ist indiziert pockenartigen Pusteln mit eingesunkener Spitze bei depletio qi (energetische Schwäche des Qi, qixu).
8 Die Ingredienzen des „Dekoktes der vier Bestandteile mit Persicae semen“ (Taoren siwu tang 桃仁四物汤) sind Angelicae sinensis radicis cauda (Dangguiwei), Chuanxiong rhizoma (Chuanxiong), Paeoniae radix rubra (Chishaoyao), Moutan cortex (Mudanpi), Cyperi rhizoma (Xiangfu) und Corydalidis rhizoma (Yanhusuo), Quelle: https://baike.baidu.com/item/%E6%A1%83%E4%BB%81%E5%9B%9B%E7%89%A9%E6%B1%A4.
9 Die Ingredienzen des „Infektionen klärenden Granulats mit Lonicerae flos“ (Jinhua qinggan keli 金花清感颗粒) sind Lonicerae flos (Jinyinhua), Gypsum fibrosum (Shigao), Ephedrae herba (Mahuang), Armeniacae semen amarum (Kuxingren), Scutellariae radix (Huangqin), Forsythiae fructus (Lianqiao), Fritillariae thunbergii bulbus (Zhebeimu), Anemarrhenae rhizoma (Zhimu), Arctii fructus (Niubangzi), Artemisiae annuae herba (Qinghao), Menthae herba (Bohe) und Glycyrrhizae radix (Gancao).
10 Die „Mixtur mit Astragalus, Cinnamomum und Poria“ (Qiguilin heji 芪桂苓合剂) basiert hauptsächlich auf dem „Cinnamomum-Dekokt ohne Paeonia“ (Guizhi qu shaoyao tang, s. Scheid 2009, S. 18), dem „Den Fk Magen (o. stomachi) befriedenden Pulver“ (Pingwei san, s. Hempen 2006, S. 194), dem „Pulver gegen Wind aus Jade“ (Yu pingfeng san, s. Hempen 2006, S. 342) und dem „Dekokt mit Platycodi radix und Glycyrrhhizae radix“ (Jiegeng gancao tang, bestehend aus Platycodi radix [Jiegeng], Glycyrrhizae radix [Gancao], Pinelliae rhizoma [Banxia], Inulae flos [Xuanfuhua], Arecae pericarpium [Dafupi], Aurantii fructus [Zhike], Poria rubra [Chifuling], Paeoniae rubrae radix/Paeoniae lactiflorae radix [Shaoyao] und Peucedani radix [Qianhu]).
11 Die „Gift auflösende Pille des süßen Taus“ (Ganlu xiaodu dan 甘露消毒丹, s. Hempen 2006, S. 226) ist eine humor („Feuchtigkeit“, shi) beseitigende Rezeptur; sie setzt sich zusammen aus 45 g Talcum (Huashi), 30 g Scutellariae radix (Huangqin), 30 g Artemisiae scopariae herba (Yinchenhao), 18 g Acori rhizoma (Shichangpu), 15 g Fritillariae cirrhosae bulbus (Chuanbeimu), 15 g Akebiae caulis (Mutong), 12 g Agastachis herba (Huoxiang), 12 g Forsythiae fructus (Lianqiao), 12 g Amomi fructus rotundus (Baidoukou), 12 g Menthae herba (Bohe) und 12 g Belamcandae rhizoma (Shegan). Sie wurde in der Qing-Zeit vom Arzt Ye Tianshi entwickelt und ist die wichtigste Rezeptur für die Behandlung von epidemischen Krankheiten aufgrund humorWärme („Feuchtigkeit-Wärme“, shiwen). Die Rezeptur hat eine Toxisches herauslösende, Trübes umwandelnde, calor („Hitze“, re) kühlende und humor („Feuchtigkeit“, shi) ausleitende Wirkung und hat bei Krankheitsbildern, bei denen sich Heteropathien (Schrägläufigkeiten, xie) im Bereich des Qi befinden und bei denen humor („Feuchtigkeit“, shi) und calor („Hitze“, re) gleich stark ausgeprägt sind, eine deutliche Therapiewirkung.
12 „Regeln brechendes Dekokt, das dem Fk Herz zu Hilfe kommt“ (Poge jiuxin tang 破格救心汤) und „Kleines Dekokt des grünen Drachen“ (Xiao qinglong tang 小青龙汤): 75 g Aconiti radix lateralis praeparata (Fuzi, zuerst 2 Stunden abkochen), 30 g Zingiberis rhizoma (Ganjiang), 60 g in einer Flüssigkeit geröstete Glycyrrhizae radix (Gancao), 30 g unpräpariertes Mastodi fossilium ossis (Longgu, zuerst 2 Stunden abkochen), 30 g unpräpariertes Ostreae concha (Muli, zuerst 2 Stunden abkochen), 30 g Magnetitum (Cishi, zuerst 2 Stunden abkochen), 30 g Ginseng radix rubra (Hongshen, separat erhitzen), 0,3 g Moschus (Shexiang, Kategorie II im Washingtoner Artenschutzübereinkommen − Handel reglementiert; auf 3 Portionen verteilt einnehmen), 45 g Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu), 45 g Poria (Fuling), 15 g Ephedrae herba (Mahuang), 20 g Armeniacae semen (Xingren), 30 g Asari radix (Xixin), 45 g Cinnamomi cassiae ramulus (Guizhi). 45 g Paeoniae radix rubra (Chishaoyao), 20 g Schisandrae fructus (Wuweizi), 45 g unpräparierte Pinelliae rhizoma (Shengbanxia, nur kurzfristig und in schweren Fällen einzusetzen), 30 g Zingiberis rhizoma recens (Shengjiang). Modifikationen: (1) Bei depletio qi (energetische Schwäche des Qi, qixu) mit Kraftlosigkeit zusätzlich 120 g Astragali radix (Huangqi), 30 g Cimicifugae rhizoma (Shengma); (2) bei Fieber zusätzlich 120 g unpräpariertes Gypsum fibrosum (Shigao, in einem Tuch abkochen); (3) bei deutlichen Druckgefühlen im Thorax zusätzlich 30 g Trichosanthis fructus (Gualou), 30 g Allii macrostemonis bulbus (Xiebai, halbe Stunde in klarem Branntwein eingeweicht); (4) bei Thoraxerguss zusätzlich 30 g Lepidii/Descurainiae semen (Tinglizi), 12 Stück Jujubae fructus (Dazao); (5) bei einem dicken, klebrigen Zungenbelag zusätzlich 30 g Arecae semen (Binglang), 30 g Tsaoko fructus (Caoguo).
Footnotes
Zum Autor
Dr. Zhang Hui, Ph.D., absolvierte sein Studium an der TCM-Universität Chengdu, es folgten drei Jahre Forschung mit zahlreichen Publikationen; 2011 erwarb er das MA-Diplom mit dem Schwerpunkt TCM-Onkologie, 2017 seinen Ph.D.
Nach einer Assistentenzeit am Sichuan Provincial Hospital for Integrative Chinese and Western Medicine wurde er Dozent an der TCM-Universität Chengdu. Dort unterrichtete er in der Theorie der TCM und behandelte Patienten an der TCM-Klinik Xinglin. Seit 2017 arbeitet und lehrt Dr. Zhang an der AkupunkturAkademiet in Aarhus, Dänemark.
Dr. Zhang hat bei verschiedenen Altärzten besondere Formen der Akupunktur erlernt. Ein Hauptinteresse von Dr. Zhang gilt dem Studium der Klassiker der Chinesischen Medizin.
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt: Hui Zhang, Lu Luo, Zhi Qing Liu und Hui Xie geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht. Dieser Beitrag beinhaltet keine Studien an Menschen oder Tieren.
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