Im Zusammenhang mit dem neuen Herpes-Zoster-Impfstoff gibt es immer wieder Berichte von unangenehmen Hautreaktionen. Der STIKO-Impfexperte Prof. Fred Zepp, Mainz, rät dennoch, vor allem Senioren die Impfung nicht vorzuenthalten. Der Nutzen übersteige die Risiken beträchtlich..

Die Impfung gegen Herpes Zoster mit dem neuen adjuvantierten Impfstoff HZ/su wird aktuell von der STIKO bei Personen ab dem 50. Lebensjahr empfohlen. Mit einer Schutzrate von über 90% sowohl gegenüber Gürtelrose als auch gegenüber der postherpetischen Zoster-Neuralgie gilt der Impfstoff als hocheffizient, vor allem bei der Zielgruppe der Senioren, die aufgrund ihres Alters als besonders gefährdet gelten, nach durchgemachter Infektion mit dem Varizella-zoster-Virus eine endogene Reaktivierung zu entwickeln.
Vor der Impfung sollte man die Patienten allerdings darüber aufklären, dass in vielen Fällen mit recht ausgeprägten lokalen Reaktionen zu rechnen ist. In einer gepoolten Analyse traten lokale Symptome an der Injektionsstelle und systemische Reaktionen wie Fieber innerhalb von sieben Tagen bei 79% der mit der HZ/su-Vakzine geimpften Probanden auf.
Laut Prof. Fred Zepp, Universitätsmedizin Mainz, übertrifft die Reaktogenität der neuen Herpes-Zoster-Vakzine diejenige anderer verfügbarer Impfstoffe. Zurückzuführen sei dies wahrscheinlich auf das Adjuvans: Der Hersteller verwende hierfür die gleiche Kombination (AS01) wie bei einem seiner Malaria-Impfstoffe. Diese sei dafür bekannt, dass sie das Immunsystem sehr stark stimuliere. "Der Benefit ist die hohe Wirksamkeit, der Preis die oft sehr starke lokale Reaktion", so Zepp. Der Impfexperte empfiehlt, bei Menschen, die sich diesbezüglich sorgen, die Gabe eines Antiphlogistikums in Erwägung zu ziehen; damit könne die lokale Reaktion ein wenig abgeschwächt werden.
Die Befürchtung, die Impfung selbst könne einen Zoster auslösen, hält Zepp dagegen für "biologisch-immunologisch völlig unplausibel". Beim Impfantigen handle es sich um ein Eiweiß aus der Hülle des Varizella-zoster-Virus. Ein solcher Totimpfstoff sei allenfalls in der Lage, lokale Entzündungen zu verursachen.
Berichte über ausgeprägte, z. T. bullöse Hautreaktionen, die deutlich über die Injektionsstelle hinausgehen, werden derzeit vom Paul-Ehrlich-Institut überprüft. Laut Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) lässt sich noch nicht abschließend beurteilen, "ob in den gemeldeten Fällen tatsächlich ein kausaler Zusammenhang zwischen Impfung und Herpes Zoster bzw. anderen Hautveränderungen besteht". STIKO-Mitglied Zepp geht jedoch davon aus, dass es sich "um besonders starke lokale Entzündungsreaktionen, möglicherweise auf das Adjuvans" gehandelt habe. Entsprechende Fälle sollten weiterhin an die AkdÄ gemeldet werden.
Insgesamt betrachtet Zepp den neuen Impfstoff als "wertvolle Entwicklung", und zwar explizit auch für Patienten, die bereits einen Herpes Zoster durchgemacht haben. In welchem Abstand die Impfung in einem solchen Fall erfolgen soll, wird derzeit noch diskutiert. Die kanadische Impfbehörde empfiehlt eine Wartezeit von mindestens einem Jahr. Diese Frist hält auch Zepp für angemessen. Man gehe zwar von einer Reaktivierung des Immunsystems durch die Gürtelrose aus, "aber der Schutz, den die Impfung vermittelt, hält viel länger an". Wer sichergehen und wirklich langfristig, d. h. über mehr als 20 Jahre, geschützt sein will, muss nach Empfehlung der STIKO zwei Impfungen erhalten.
Quelle: Praxis Update 8./9. Mai 2020, online https://www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/DSM/Archiv/2019-46.html
Pneumokokkenimpfung senkt Mortalität bei Herzpatienten.
Personen mit chronischen Erkrankungen des Herzens gehören zu den Risikogruppen, für die die STIKO die Impfung gegen Streptococcus pneumoniae als Indikationsimpfung vorsieht. Dafür soll ab einem Alter von 16 Jahren der 23-valente Polysaccharidimpfstoff (PPSV-23) verwendet werden, wobei die Impfung mit einem Mindestabstand von sechs Jahren zu wiederholen ist. Eine Metaanalyse deutet nun darauf hin, dass sich die Impfung in dieser Patientengruppe sogar in der Gesamtmortalität positiv bemerkbar machen könnte. In die Metaanalyse wurden fünf Beobachtungsstudien mit über 160.000 Teilnehmern mit manifester kardiovaskulärer Erkrankung oder sehr hohem Risiko dafür einbezogen. Die gemeinsame Auswertung ergab für die gegen Pneumokokken geimpften Patienten ein um 22% und damit signifikant niedrigeres Risiko für Todesfälle jeglicher Ursache. Zwar kamen die Einzelstudien zu ähnlichen Ergebnissen, drei Studien hatten allerdings ein hohes Verzerrungsrisiko, was die Sicherheit der Aussage schwächt.
Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie werden Pneumokokkenimpfungen für gefährdete Personen etwa mit Herz- oder Lungenerkrankungen als besonders wichtig erachtet. Laut RKI ist es "plausibel, dass die Impfung eine bakterielle Superinfektion durch Pneumokokken bei Patienten mit COVID-19 verhindern kann". bs
Quelle: Miguel M Antunes et al. Eur Heart J Qual Care Clin Outcomes 2020; DOI: 10.1093/ehjqcco/qcaa030
Virologe fordert Vorbereitung auf Grippewelle.
Der Virologe Prof. Albert Osterhaus, Direktor des Research Center for Emerging Infections and Zoonoses in Hannover, hat dazu aufgerufen, sich gründlich auf die nächste Influenzawelle im Herbst/Winter 2020/21 vorzubereiten. Es sei nicht auszuschließen, dass sich die Effekte von Influenzaviren und Sars-CoV-2 pathogenetisch addierten. Denkbar seien aber auch virale Interferenzen, die in einer gegenseitigen Abschwächung der Infektionszahlen resultieren würden, erklärte Osterhaus bei den GSK Vaccine Virtual Days. Ob die Infektionen mehr oder weniger schwer verlaufen werden, lasse sich nicht vorhersagen. "Wir sollten aber auf eine Influenza-Epidemie vorbereitet sein, und es sollten ausreichend Impfstoffe und Influenza-Virostatika zur Verfügung stehen", forderte der Wissenschaftler.

Osterhaus sprach sich weiterhin dafür aus, eine Influenza-Impfkampagne zu starten. Es gebe weitgehende Parallelen zwischen den Risikogruppen für Influenza und COVID-19: Menschen über 65 Jahre, Diabetes-Patienten, HIV-Infizierte und Aids-Patienten, Krebs- und Asthmapatienten sowie Kinder mit neurologischen Erkrankungen. Die Schutzwirkung der Impfung gehe über die Influenzaprotektion hinaus. Verhindert würden zudem Influenza-Komplikationen wie bakterielle Pneumonien, Ohr- und sinusoidale Infektionen bei Kindern, Herzinfarkte, Asthmaexazerbationen oder ZNS-Störungen. "Das ist ein wichtiger Extra-Benefit", betonte Osterhaus. Die Influenza-Impfung schütze nicht nur den Geimpften selbst, sondern vor allem jene, die besonders gefährdet seien, schwer zu erkranken. Dr. Thomas Meißner
Quelle: GSK Vaccine Virtual Days, 29.-30. Juni 2020 online Veranstalter: GlaxoSmithKline Biologicals SA, Rixensart, Belgien
