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. 2020 Sep 25;22(9):29–31. [Article in German] doi: 10.1007/s15005-020-1460-9

Dexamethason senkt die 28-Tage-Mortalität

Hans-Christoph Diener 1,
PMCID: PMC7501767

Fragestellung: Ist Dexamethason zur Therapie von COVID-19 wirksam?

Hintergrund: Bei COVID-19 kommt es nicht nur zu einer Pneumonie mit diffuser Lungenschädigung, sondern auch zur Freisetzung von zahlreichen Zytokinen. Glukokortikoide haben entzündungshemmende Eigenschaften und können die Freisetzung von Zytokinen hemmen. Daher sollte Dexamethason bei Patienten mit COVID-19 untersucht werden.

Patienten und Methodik: In der kontrollierten, offenen Studie im Rahmen des RECOVERY-Studienprogramms in Großbritannien erhielten Patienten, die wegen einer COVID-19-Erkrankung stationär behandelt wurden, nach dem Zufallsprinzip orales oder intravenöses Dexamethason (in einer Dosis von 6 mg einmal täglich) für bis zu zehn Tage, oder die übliche Behandlung. Der primäre Endpunkt der Studie war die 28-Tage-Mortalität.

Ergebnisse: 2.104 Patienten erhielten Dexamethason, 4.321 die übliche Behandlung. Von den insgesamt 6.425 Patienten wurden 1.007 künstlich beatmet, 3.883 erhielten Sauerstoff und 1.535 benötigen keinen Sauerstoff. Die Patienten waren im Mittel 65 Jahre alt und zwei Drittel waren Männer. Im Durchschnitt lagen sieben Tage zwischen Behandlungs- und Symptombeginn.

Innerhalb von 28 Tagen verstarben 482 Patienten (22,9 %) in der Dexamethason- und 1.110 Patienten (25,7 %) in der Standardtherapiegruppe. Dies entspricht einer altersadjustierten Rate Ratio (RR) von 0,83 (95 %-Konfidenzintervall [KI] 0,75-0,93; p < 0,001) (Abb. 1). Die Unterschiede in der Mortalität waren von der respiratorischen Unterstützung abhängig, die die Patienten zum Zeitpunkt der Randomisierung erhielten. In der Dexamethasongruppe war die Sterblichkeit bei den Patienten, die eine invasive mechanische Beatmung erhielten, niedriger als in der Standardtherapiegruppe (29,3 % vs. 41,4 %; RR: 0,64; 95 %-KI: 0,51-0,81) und als bei den Patienten, die nur Sauerstoff ohne Beatmung erhielten (23,3 % vs. 26,2 %; RR: 0,82; 95 %-KI: 0,72-0,94). Bei Patienten, die keinen Sauerstoff benötigten, betrug die Sterblichkeit 17,8 % versus 14,0 % (RR: 1,19; 95 %-KI: 0,91-1,55). Die Patienten der Dexamethasongruppe hatten einen kürzeren stationären Aufenthalt als die Patienten der Standardtherapiegruppe (median 12 vs. 13 Tage) und eine größere Wahrscheinlichkeit, innerhalb von 28 Tagen aus dem Krankenhaus entlassen zu werden (RR: 1,10; 95 %-KI: 1,03-1,17). Der größte Unterschied bezüglich der Entlassung aus dem Krankenhaus innerhalb von 28 Tagen zeigte sich bei den Patienten, die künstlich beatmet wurden. Das Risiko einer Verschlechterung mit der Notwendigkeit einer künstlichen Beatmung war unter Dexamethason geringer als unter Standardtherapie (RR: 0,77; 95 %-KI: 0,62-0,95).

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Schlussfolgerung: Bei stationären COVID-19-Patienten reduzierte die Therapie mit Dexamethason die 28-Tage-Mortalität.

Recovery Collaborative Group RC, Horby P, Lim WS, Emberson JR et al. Dexamethasone in hospitalized patients with COVID-19 - Preliminary report. N Engl J Med 2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2021436

Kommentar von Hans-Christoph Diener, Essen.

Fragen der Dosierung und Behandlungsdauer sind noch offen

Es ist bewundernswert, mit welcher Geschwindigkeit die Kolleginnen und Kollegen in Großbritannien innerhalb kürzester Zeit große randomisierte Studien zur Behandlung der COVID-19-Erkrankung initiiert und abgeschlossen haben. Diese Studien wurden so pragmatisch wie möglich durchgeführt, sodass die Zahl der erhobenen Parameter naturgemäß gering sein musste. Die hier vorliegende Studie zeigt sehr überzeugend, dass Patienten mit COVID-19-Erkrankung, die beatmet werden müssen, von einer Behandlung mit 6 mg Dexamethason über zehn Tage profitieren. Der therapeutische Nutzen ist geringer bei Patienten, die Sauerstoff benötigen. Kein therapeutischer Nutzen fand sich bei Patienten, die weder Sauerstoff erhielten noch beatmet werden mussten.

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass die Wirkung von Dexamethason über den entzündungshemmenden Effekt erfolgt, und wahrscheinlich auch dadurch, dass die Freisetzung von Zytokinen gehemmt wird. Die Studie beantwortet allerdings nicht die Frage, welches die optimale Dosis von Dexamethason ist und wie lange die Behandlung durchgeführt werden sollte.


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