Dysphagie ist ein äußerst unangenehmes Symptom, vor allem, wenn die Ursache der Beschwerden nicht ganz klar ist. Selbstverständlich hinterfragen wir in der Anamnese, ob ausreichend gekaut wird, denn auch hastiges Essen und ungenügendes Kauen kann Beschwerden verursachen. Oft sind es aber andere, medizinische Gründe, die zu dysphagischen Beschwerden führen.
Das differenzialdiagnostische Spektrum ist ausgesprochen weit, dennoch ist in erster Linie die sorgfältige Anamnese das diagnostische Mittel der Wahl, das uns hilft die Beschwerden auf einen Formenkreis einzugrenzen. Anhand der Beschreibung des Patienten und dem zeitlichen Verlauf lassen sich die Formenkreise Erkrankungen von Mund- und Rachenraum sowie Hypopharynx und Larynx, anatomische Fehlbildungen, traumatische Erkrankungen, Systemerkrankungen, Infektionen, Erkrankungen des Nervensystems, psychogene Ursachen und Erkrankungen des Ösophagus sehr gut näher eingrenzen. Wenn der Verdacht auf den Ösophagus als mögliche Ursache fällt, dann hilft uns eine Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD), auch mit Biopsien in drei Ebenen, zum Ausschluss einer eosinophilen Ösophagitis weiter. Eine radiologische Bildgebung kann bei der Frage nach Divertikeln, Hernien oder Motilitätsstörungen Klarheit schaffen, selbst wenn diese Diagnostik eher im Bereich der ergänzenden Untersuchungen anzusiedeln ist.
Hochauflösende Manometrie weltweiter Standard
Die Sicherung von Motilitätsstörungen der Speiseröhre ist aber der speziellen Funktionsdiagnostik, der Ösophagusmanometrie vorbehalten. Während bis vor zehn Jahren noch die einfache Wasserperfusionsmanometrie mit vier bis sechs Lumen für die Diagnosen Achalasie, Ösophagusspasmus oder Nußknackerösophagus zur Diagnostik ausreichend waren, ist dies spätestens seit der dritten Version der Chicago Klassifikation von 2014 nicht mehr denkbar. Die hochauflösende Manometrie (HRM) ist weltweiter Standard geworden und hat nicht nur die Durchführung und Auswertung der Diagnostik vereinfacht, die HRM hat uns auch neue Pathophysiologien gelehrt und bietet einen Mehrwert, auf den niemand mehr verzichten möchte.
In dieser Ausgabe der GASTRO NEWS führen uns Jens Tischendorf und Nadine Gereitzig durch das Feld der Motilitätsstörungen des Ösophagus. Dabei erfahren wir in einem praktikablen Algorithmus, welche diagnostischen Maßnahmen uns in welcher Reihenfolge auf kürzestem Weg zur Diagnose führen. Das inzwischen breite Feld der Motilitätsstörungen des ösophago-gastralen Übergangs, der Major Disorders und der Minor Disorders wird uns detailliert aufbereitet und die wesentlichen therapeutischen Konsequenzen werden auf dem Stand von 2020 dargestellt.
Maßgeschneiderte Hygienekonzepte
Die Diagnostik der Ösophagusmotilitätsstörungen ist auch vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie nicht weniger wichtig geworden, selbst wenn der Untersucher und seine Assistenz sich dafür aus der Komfortzone in die Aerosolwolke begeben. Um die essenzielle Diagnostik weiterhin sicher durchführen zu können braucht es heute aber maßgeschneiderte Hygienekonzepte, die an lokale Inzidenzen angepasst sein sollten. Welche Maske? Mit Gesichtsvisier? Lüftungs- und Abstandskonzept? Abstrich und Isolation vor der Untersuchung? Hier sind wir gefragt. Denn eine Gewissheit bleibt bestehen: Nur gut kauen ist bei Motilitätsstörungen des Ösophagus nicht ausreichend.


