Zu Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie sorgten sich Rheumatologen, ob entzündlich-rheumatische Erkrankungen (ERE) oder die immunmodulierende Therapie ihre Patienten gefährden, besonders schwer an COVID-19 zu erkranken. Erste Analysen des COVID-19-Rheuma-Registers versprechen weitgehend Entwarnung und bestätigen allgemeine Risikofaktoren. Glukokortikoide (GC) bleiben allerdings ein Problem.
"Bekannte Risikofaktoren aus der Allgemeinbevölkerung für einen schlechteren Verlauf, wie höheres Alter und männliches Geschlecht, bestätigen sich bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen", so PD Dr. Anne Regierer, Berlin. Im Namen der für das Register zuständigen Ad hoc-Kommission der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) fasste sie die Ergebnisse einer Datenauswertung von 280 zwischen Ende März bis zum 21.06.2020 erfassten Patienten auf dem DGRh-Kongress zusammen: "Risikofaktoren für eine Hospitalisierung sind höheres Alter, kardiovaskuläre Erkrankungen, interstitielle Lungenerkrankungen (ILD) /COPD und eine Therapie mit Glukokortikoiden, auch in niedriger Dosierung."
Vergleich von Patienten mit bestätigter SARS-CoV-2-Infektion
Verglichen wurden Patienten mit ERE und PCR-gesicherter SARS-CoV-2-Infektion, die ambulant betreut wurden, mit stationär Behandelten. Mit 8,11 wurde für die Einnahme von über 5 mg/d Prednisolonäquivalent die höchste Odds Ratio (OR) für eine Hospitalisierung als Ausdruck eines schweren COVID-19-Verlaufs ermittelt, gefolgt von ILD/COPD mit 6,52 an zweiter Stelle und kardiovaskuläre Erkrankungen mit 4,4. Bei < 5 mg/d Prednisolon lag sie immerhin noch bei 1,97. Insgesamt nahmen 40% aller Patienten GC ein, meist niedrigdosiert.
Männer wurden öfter beatmet
Die Sterberate im Register lag bei etwa 6%. 31% der Patienten mussten ins Krankenhaus, circa 10% wurden beatmet. Die hospitalisierten Patienten waren mit im Median 65 bzw. 68 Jahren (nicht beatmet/beatmet) deutlich älter als die ambulanten Patienten mit 55. Die OR für eine Hospitalisierung lag bei über 65-Jährigen bei 2,47. 36% der registrierten Patienten waren Männer, sie machten 55% der Beatmeten aus.
52% der Patienten hatten eine Rheumatoide Arthritis, 14% eine Psoriasisarthritis, 10% eine axiale Spondylarthritis und 4% einen SLE (Systemischer Lupus Erythematodes). Während 39% der ambulant behandelten Patienten keine weiteren chronischen Erkrankungen hatten, traf dies nur auf 14% bzw. 10% der hospitalisierten Patienten zu. Am häufigsten litten die Patienten an arterieller Hypertonie, Adipositas oder kardiovaskulären Erkrankungen.
Über 50% der Patienten zum Zeitpunkt der Infektion in Remission
"Über 50% der Patienten befanden sich zum Zeitpunkt der Infektion in Remission", berichtete Dr. Regierer, "wobei in den beiden hospitalisierten Gruppen dieser Anteil geringer war." Dabei erhielten 15% der nicht-hospitalisierten, sowie 22% und 28% der hospitalisierten Patienten offenbar keine Basistherapie. Biologika bekamen insgesamt 35%, meist TNF-alpha-Inhibitoren (TNFi).
Es musste nur ein mit TNFi-behandelter Patient beatmet werden, dafür 9 der 18 Patienten unter B-Zell-depletierender Therapie. Statistisch für die Risikoanalyse verwertbar waren die Daten für einzelne Basistherapien - wie für einzelne ERE - aufgrund der geringen Fallzahlen nicht. Hier sind zukünftige Daten, auch aus internationalen Registern, abzuwarten.
Hasseli, R et al. Deutscher Rheumatologie-Kongress 2020 (48. Kongress der DGRh / 34. Jahrestagung der DGORh), München (virtuell), 09.-12.09.2020

