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. 2020 Nov 18;68(11):854–855. [Article in German] doi: 10.1007/s15011-020-3359-7

Dermapraxis Berlin schlägt der Pandemie ein Schnippchen

Bewährtes Fortbildungsformat - und sogar in Präsenz

Wolfgang Hardt 1,
PMCID: PMC7653988

BERLIN - Eine Tagung mit 200 Teilnehmern? Inzwischen ist das erneut nicht mehr möglich. Doch Mitte September hatte die "dermapraxis" unweit des späteren Berliner Hotspots Neukölln das große Glück, eine gelungene Fortbildungsveranstaltung zu werden - natürlich unter Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen und wie immer mit einem praxisorientierten Programm.

Die Kolleginnen und Kollegen haben das Gefühl bekommen, es geht wieder ein Stück weiter", sagte im Anschluss an die Veranstaltung Tagungspräsident Dr. Thomas Stavermann mit Blick auf die wenigen noch durchgeführten Präsenztagungen aufgrund der COVID-19-Pandemie. Im Interview mit Ralf Blumenthal auf YouTube räumte er aber gleichzeitig ein, dass er sich nicht sicher sei, ob dies in zwei Wochen auch noch möglich wäre. Inzwischen ist klar, dass es nicht mehr funktioniert hätte.

Die Tagungsmacher hatten das Glück, dass der Veranstaltungstermin noch vor dem rasanten Anstieg der Infektions- fälle lag. Glück allein reichte allerdings nicht aus: Hinzu kamen viel Vorbereitungsarbeit, ein funktionierendes Hygienekonzept, ohne das die Behörden sicherlich kein grünes Licht gegeben hätten, und vor allem ein neuer Tagungsort. Nach Jahren in der Kirche des Umweltforums musste die "dermapraxis" zu ihrer 18. Auflage in die Columbiahalle unweit des alten Tempelhofer Flughafens umziehen. Die Halle für Pop- und Rockkonzerte bot zwar aufgrund der Lichtverhältnisse und einer schwarzen Innenausstattung eine etwas schummrige Atmosphäre, dafür aber auch die Möglichkeit, ausreichende Abstände zwischen den Stühlen zu gewährleisten. Diese waren durch die Beschränkung der Teilnehmerzahl auf 200 bei manchen Vorträgen bis auf den letzten Platz belegt. Kein Wunder, dass Stavermann alles in allem ein sehr positives Fazit zog.

Ähnliches war aus den Reihen der Teilnehmer zu hören. Viele freuten sich, endlich wieder eine Präsenzveranstaltung besuchen zu können, fühlten sich sicher und lobten die "familiäre Atmosphäre", wie beispielsweise Ina Schulze-Werner, die jedes Jahr aus Kiel zur "dermapraxis" kommt. Geboten bekamen die Teilnehmer einmal mehr das gesamte Themenspektrum des Faches von Akne und berufsbedingten Hauterkrankungen über Psoriasis, Hautkrebs und Auflichtmikroskopie bis zur Narbenbehandlung, Neurodermitis, Teledermatologie und Praxismanagement - Themen, die vor allem für den Versorgungsalltag einer modernen dermatologischen Praxis relevant sind.

Unter anderem brach Dr. Matthias Hoffmann - live online zugeschaltet - eine Lanze für die Versorgung von Patienten mit berufsbedingten Hauterkrankungen und erläuterte, wie die möglichst praktische Umsetzung in der Praxis gelingen kann. So sei entscheidend, das Praxispersonal dahingehend zu schulen, schon beim Erstkontakt mit Patienten bei Indikationen wie einem Handekzem an einen möglichen beruflichen Hintergrund zu denken und entsprechend nachzufragen. Das Gleiche gilt beim berufsbedingten Hautkrebs. Bei einem Außenarbeiter mit hellem Hautkrebs sei es doch logisch, dass der Beruf der Auslöser sein kann.

Gleichzeitig riet der in Witten niedergelassene Hautarzt Kollegen dazu, dem Patienten gegenüber das Thema Berufskrankheit mit größtmöglicher Sensibi- lität zu kommunizieren. Wenn Patienten hören, dass der Unfallversicherungsträger mit einer Meldung eingeschaltet werden soll, reagieren sie ängstlich und verunsichert, so die Erfahrung des Wittener Dermatologen. "Deshalb stellen wir in unserer Praxis die Vorteile einer berufsgenossenschaftlichen Behandlung in den Vordergrund und sagen den Patienten, dass die Basistherapeutika, die Therapie und auch die Pflege kostenlos gestellt werden", erläuterte Hoffmann.

Darüber hinaus erinnerte er daran, dass Deutschland nicht nur im Fußball zur Weltspitze zählt, sondern auch bei den Meldungen an die Unfallversicherungsträger. Dabei seien die Hauterkrankungen mit einem Anteil von rund 40 Prozent die häufigsten berufsbedingten Erkrankungen, vor allem die BK 5101. "Und diese Patienten haben wir in unseren Praxen", unterstrich Hoffmann die Bedeutung dieses Patientenguts für die niedergelassenen Dermatologen. Sobald der UV-Träger die berufliche Kausalität anerkannt hat, werden sie nach §3-Maßnahmen behandelt. Dies berge große Chancen, denn nur durch die derma- tologische Expertise könnten die allermeisten der Betroffenen in ihrem Beruf bleiben. Zudem stellte Hoffmann klar, dass Hautärzte bei Patienten mit berufsbedingtem Hautkrebs einen lebenslangen Behandlungsauftrag bekommen - ein nicht zu unterschätzender wirtschaftlicher Aspekt für die Praxis. Auch die Präventionsmaßnahmen werden bei der BK 5103 komplett von der BG übernommen. Abgerundet wurde Hoffmanns Vortrag durch eine ganze Reihe an wertvollen Behandlungs-, aber auch Abrechnungstipps für die UV-GOÄ.

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Thema IT-Sicherheit

Weniger medizinisch und ganz auf die Praxisführung hin orientiert nahm sich im gleichen Vortragsblock wie Hoffmann noch Silke Fröhlich von der Helmsauer Gruppe dem Thema "Cyberkriminalität im Gesundheitswesen" an. Die zahlreichen Beispiele von Hackerangriffen und ihren Folgen ließen viele im Saal staunen. Vor allem in den vergangenen zwei Jahren sei das Gesundheitswesen ins Fadenkreuz von Kriminellen geraten. Hauptsächlich geht es dabei um das Versenden von Malware als Träger von Trojanern, die breit im Internet gestreut werden. "Arztpraxen unterliegen nicht zwingend einem gezielten Angriff", betonte Fröhlich. Sie werden jedoch zu Opfern, wenn beispielsweise die Firewall nicht das aktuelle Update hat oder andere Möglichkeiten bestehen, ins Praxissystem einzudringen. Die häufig vorgebrachte Argumentation, Praxen seien doch zu klein, um Opfer einer Cyber- attacke zu werden, ziehe also nicht, so Fröhlich.

Besonders perfide sei zudem, dass man die Attacke häufig zunächst gar nicht bemerke und weiterarbeite. Hier besteht die Gefahr, warnte Fröhlich, dass der Trojaner beispielsweise über einen Patientennewsletter oder die zahlreichen Schnittstellen zu anderen Systemen weiterverbreitet werde und auch diese schädige. Darüber hinaus warnte Fröhlich vor nachgebauten Webseiten, über die bei Aufruf ebenfalls Malware ins eigene System geladen werden. Zuletzt waren davon unter anderem das Robert-Koch-Institut mit der COVID-19-Fallzahlentafel und das Wirtschaftsministerium mit dem Soforthilfeantrag betroffen.

Die größten Risikofaktoren für einen Angriff sind laut Fröhlich Passwör- ter, arglose Mitarbeiter, unzureichende Datensicherung, veraltete Sicherheits- updates und fehlende Vorbereitung für den Notfall. Dass zum Beispiel eine ganze Mitarbeiterinnengruppe das gleiche Passwort verwendet ist heute laut DSGVO nicht mehr zulässig.

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Wer Opfer einer Attacke geworden ist, sollte so schnell wie möglich reagieren. Viele Praxissoftwareanbieter seien ihrer Ansicht nach mit dem Thema jedoch heillos überfordert. Sie riet zu spezia- lisierten Cybercrimedienstleistern, die nichts anderes machen, als sich mit aktueller Malware und den neuesten Angriffsszenarien zu beschäftigen.

Doch nicht nur den Schutz vor Hackern gilt es zu bedenken, auch an die Einhaltung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) erinnerte Fröhlich. Bis Mitte 2019 seien im Gesundheitswesen 75 Bußgelder in einer Höhe von insgesamt knapp 450.000 Euro wegen Verstößen gegen die DSGVO verhängt worden. Ein besonders eklatanter Fall kostete eine nordrhein-westfälische Uni- klinik 105.000 Euro Bußgeld: Sie hatte Patientenakten verwechselt und einem Patienten die falschen Daten geschickt.


Articles from Der Deutsche Dermatologe are provided here courtesy of Nature Publishing Group

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