Tätowierungen.
Neue Herausforderungen für die Defektdeckung
Inzwischen ist aktuellen Schätzungen zufolge in Deutschland jeder fünfte über 14-jährige Mensch tätowiert - mit steigender Tendenz. Dabei sind Tätowierungen häufig viel mehr als reiner Körperschmuck für ihre Träger: Sie haben oft auch eine emotionale Bedeutung.
Manche beliebten Bereiche für die Tätowierung - etwa der Unterarm - sind aber auch typische Entnahmestellen für mikrochirurgische Transplantate. Das stellt die Operateure immer öfter vor ganz neue Herausforderungen. Die Frage, ob man zum Tattoo-Erhalt von Standardzugangswegen abweichen kann, gewinnt auch für die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) an Bedeutung.
Manchmal kann man die Tätowierung durch eine modifizierte Schnittführung erhalten. Dass das nicht immer funktioniert, zeigt das Beispiel eines 65-Jährigen mit großflächigen Tätowierungen am ganzen Körper. Bei diesem Patienten bestand keine medizinisch sinnvolle Alternative zur Hebung eines Radialislappens. Deshalb entschieden sich die Ärzte nach sorgfältiger Abwägung und Aufklärung des Patienten für einen Radialislappen von links und die damit verbundene partielle Entfernung eines eintätowierten "Bacardi"-Emblems (Abb. 1a). Das Transplantat heilte zwar komplikationslos im vorderen Oberkieferbereich ein (Abb. 1b), im Entnahmegebiet am Unterarm kam es nach dem Eingriff aber zu einer ausgeprägten Wundheilungsstörung.

Die Bremer MKG-Chirurgen, die den Eingriff vorgenommen haben, empfehlen daher, eine Tätowierung im Operationsgebiet bei der Operationsplanung zu berücksichtigen und Alternativen zu diskutieren. Wichtig ist es, den Patienten vor einem solchen Eingriff explizit darüber aufzuklären, dass die Tätowierung möglicherweise einbezogen werden muss. Das beugt bösen Überraschungen oder Missverständnissen vor.
Zi-Trendbericht.
Zwischenzeitlich deutlich weniger ambulante Behandlungsfälle
Die Covid-19-Pandemie hat sich auf die Zahl ambulanter Behandungsfälle in Deutschland ausgewirkt. So haben Patientinnen und Patienten seit März 2020 deutlich weniger vertragsärztliche und vertragspsychotherapeutische Leistungen in Anspruch genommen als im Vorjahr. Zwischen 1. und 28. April und zwischen 29. April und 26. Mai lagen sie um 23 % bzw. 15 % unter denen des Vorjahres. Die Zahlen haben sich erst gegen Ende Mai allmählich normalisiert.
Im Rahmen der kinder- und fachärztlichen Versorgung mit persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt ist der Einbruch mit 34 % bzw. 26 % zwischen 1. und 28. April (gegenüber diesem Zeitraum 2019) besonders deutlich. Vom 27. Mai bis 30. Juni 2020 liegt die Gesamtfallzahl mit 3 % leicht über der Fallzahl des Vorjahreszeitraums. Je nach Fachgruppe sind die Nachholeffekte bei Behandlungsfällen mit persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt unterschiedlich stark ausgeprägt - jeweils + 10 % bei Haus- und Fachärzten.
Die Fälle mit telefonischer Beratung oder per Videosprechstunde sind mit Beginn der Kontaktbeschränkungen ab März 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich gestiegen.
Das sind einige der Ergebnisse des Trendreports des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zur Entwicklung der ärztlichen Leistungen im 1. Halbjahr 2020, der am 11. November 2020 präsentiert wurde. Der Report basiert auf den Frühinformationen aus den ärztlichen Abrechnungsdaten von 16 der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen und knüpft an die Ergebnisse des Zi-Reports zum 1. Quartal 2020 an.
Jetzt deutschlandweit aktiv.
HNOnet NRW expandiert
2009 wurde das HNOnet NRW gegründet. Mit 400 aktiven Mitgliedern ist es das größte HNO-Facharztnetz in Deutschland. Es will die niedergelassenen HNO-Fachärztinnen und -ärzte in ihrer freiberuflichen Tätigkeit unterstützen, die Bedingungen für eine hochwertige Versorgung verbessern und die Praxen für Zukunftsthemen wie Digitalisierung oder ganz aktuell die Corona-Pandemie fit machen. Nun öffnet sich das Netzwerk für Fachärztinnen und Fachärzte aus ganz Deutschland.
Interessierte finden online unter www.hnonet-nrw.de weitere Informationen.
Wann und was?
Ambulante Antibiose bei Kindern
Im ambulanten Sektor werden 85 % der Antibiotikaverordnungen getätigt, die höchste Verordnungsdichte gibt es bei Säuglingen und Kleinkindern. Weil Antibiotikaresistenzen zunehmen und Nachschub an neuen Substanzen fehlt, ist es essenziell, den rationalen und leitlinienkonformen Einsatz von Antibiotika in der ambulanten Medizin zu fördern. Einen Beitrag hierzu leisten die Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft Antibiotic Stewardship ambulante Pädiatrie (ABSaP) der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und der Bielefelder Initiative AnTiB [Hufnagel M et al. Monatsschr Kinderheilkd. 2020; https://doi.org/10.1007/s00112-020-01011-w]. Hier finden sich praxisnahe Empfehlungen zur antibiotischen Standardtherapie häufiger Infektionskrankheiten bei Kindern, etwa der Tonsillopharyngitis oder akuten Sinusitis.
IgE-reaktives Protein mit 53kDa .
Neues Allergen aus der Esche identifiziert
Es konnten bereits einige Allergene des Eschenpollens mit Molekulargewichten unter 30 kDa identifiziert werden, über größere IgE-bindende Proteine war bisher noch wenig bekannt. Doch genau diese Gruppe ist für die allergene Wirkung der Esche offenbar von besonderer Bedeutung. Maryam Shoushtari und sein Team haben nun ein IgE-reaktives Protein mit einem Molekulargewicht von 53 kDa aus dem Pollen von Fraxinus excelsior (gemeine Esche) isoliert und typisiert [Shoushtari MS et al. Allergo J Int. 2020; 29:233-9]. Hierzu trennten sie die Proteine aus einem Pollenextrakt nach ihrer Größe auf. Im Serum von 20 Patienten mit Eschenpollenallergie bestimmten sie die Konzentration des antigenspezifischen IgE für Inhalationsallergene. Als positiv galt ein Wert ≥ 0,35 IU/ml. Im Westernblot wurden die Seren dieser Patienten sowie fünf Kontrollen von nicht allergischen Personen auf IgE-spezifische Reaktionen zwischen den Antikörpern im Serum und den Proteinfraktionen aus dem Eschenpollenextrakt untersucht.

Nach Anfärbung zeigten sich die deutlichsten Proteinbanden in den Bereichen von 10, 13, 15, 36, 38 und 53 kDa. Im Westernblot konnten einige IgE-spezifische Reaktionen zwischen diesen Proteinen und den Patientenseren nachgewiesen werden. Am häufigsten (7/20) reagierte das Serum der Patienten mit Eschenpollenallergie mit dem 53-kDa-Protein, was das Vorliegen spezifischer Antikörper im jeweiligen Serum beweist. Bei den Kontrollen war eine entsprechende Bande auf dem Blot nicht vorhanden. In der massenspektrometrischen Untersuchung konnte das 53-kDa-Protein dem Calreticulin zugeordnet werden.
KBV-Bürokratieindex.
Bürokratie kostet jede Praxis 61 Arbeitstage
61 Tage war jede Arzt- und Psychotherapeutenpraxis im Jahr 2019 mit den Anforderungen der Bürokratie beschäftigt. Hochgerechnet kommen so 55,8 Millionen Nettoarbeitsstunden zusammen, 715.000 mehr als ein Jahr zuvor, in Relation 1,3 % mehr. Das geht aus dem Bürokratieindex (BIX) von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und der Fachhochschule des Mittelstands (FMH) in Bielefeld hervor, der am 3. November 2020 zum fünften Mal veröffentlicht worden ist. Seit Einführung des BIX im Jahr 2016 ist der Verwaltungsaufwand in den Praxen mehr oder weniger gleich hoch geblieben. Schon damals lag er bei 55,6 Millionen Netto-Arbeitsstunden. Auch die Kosten liegen mit 2,44 Milliarden Euro in vergleichbarem Rahmen (2016: 2,34 Milliarden).
Was den Aufwand treibe, sei die demografische Entwicklung, sagte Prof. Sr. Volker Wittberg von der FHM und Leiter des Nationalen Zentrums für Bürokratiekostenabbau. Zum Beleg führte er den Aufwuchs an Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen an, der mit 561.000 Nettoarbeitsstunden den Löwenanteil des Zuwachses seit 2018 ausmacht. Der werde nicht durch neue Anforderungen der Selbstverwaltung ausgelöst, sondern durch die wachsende Zahl älterer Arbeitnehmer.
An zweiter Stelle stehen die Informationspflichten der Foto-, Video und Bilddokumentation, die ebenfalls auf steigende Fallzahlen zurückzuführen seien und 212.000 zusätzliche Arbeitsstunden ausgelöst haben.
Die Entlastungen gingen auf "echte Aktivitäten" zurück, so Wittberg. Ganz oben steht das Erheben von Daten im Ersatzverfahren, wenn die Versichertenkarte nicht vorliegt oder das Einlesen nicht funktioniert. Darüber ließen sich gegenüber dem Vorjahr 162.000 Arbeitsstunden einsparen. Grund sei, dass es weniger fehlerhafte Karten gebe und Patienten die Karte weniger häufig vergäßen.

