Für Veränderung muss das Herz brennen! Das ist bei den Initiatorinnen und Initiatoren der Initiative zur Künstlichen Intelligenz "#KoKI" der Fall. Nach dem Auftakt Ende 2019 in Berlin mit deutlich mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern mehr denn je. Dort wurde ein klares Signal gesendet: Offen, mutig und vernetzt in eine Zukunft mit Künstlicher Intelligenz (KI). Aus der Initiative ist der Verein Co:Lab entstanden.
Wir müssen das Thema Künstliche Intelligenz (KI) gelegentlich etwas "entzaubern", um sinnstiftend über sie diskutieren zu können. Das war die Motivation der Initiatorinnen und Initiatoren Marc Groß (KGSt), Alexander Handschuh (DStGB), Anika Krellmann (KGSt) und Gerald Swarat (Fraunhofer IESE), als sie im Dezember 2019 zur Initiative aufriefen. Betrachtet man es nüchtern, ist KI "angewandte Statistik und gutes Marketing" - kein Grund also für die "German Angst". Aber eben jene müssen wir ablegen, um die Potenziale für KI in der Gesellschaft und gerade "vor Ort" in den Kommunen zu heben.
Auf den Punkt gebracht heißt das: Mit der Veränderung durch KI müssen wir uns alle - auch die Kommunen - befassen. Denn die KI bringt viel Energie mit. Sie wird in den kommenden Jahren vieles auf den Kopf stellen, uns aber gleichzeitig viele Chancen einräumen, die wir ebenso nutzen müssen.
Es gibt viele gute Beispiele dafür, was KI möglich macht. Beispielsweise profitieren körperlich beeinträchtigte Menschen von ihr im Alltag. Oder Kommunen, wie das Beispiel von Bad Hersfeld zeigt, erhalten über ein "Urban Cockpit" bei der Steuerung Unterstützung. Außerdem kann KI kommunale Mitarbeitende von Routinetätigkeiten entlasten und dadurch helfen, den demografischen Wandel gesamtgesellschaftlich ein bisschen besser stemmen zu können.
Nach der Auftaktveranstaltung der Initiative mit hochrangigen Speakerinnen und Speakern fand ein Workshop mit rund 70 Expertinnen und Experten statt. Mit dabei waren Akteurinnen und Akteure der kommunalen Ebene, der Bundes- und Landesministerien sowie aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik. Beflügelt vom Vormittag wurden zu Beginn erste mögliche Ergebnisse und der Instrumentenkasten diskutiert. Aber vor allem wurde über die inhaltlichen Themen und deren Ausrichtung "gestritten". Nach rund 2,5 Stunden hatten sich thematische Teams gefunden, die selbstorganisiert die Arbeit aufnehmen sollten.
#KoKI hat viele Facetten
Mit KI können Kommunen die Lebens-, Arbeits- und Standortqualität für ihre örtliche Gemeinschaft, also für alle Bürgerinnen und Bürger, Einwohnerinnen und Einwohner beziehungsweise Unternehmen vor Ort, verbessern. Durch selbstlernende Mechanismen ist diese Technologie dazu geeignet, Daten, beispielsweise im Rahmen der Entscheidungsfindung, effektiver zu nutzen, Prozesse effizienter zu gestalten und Services attraktiver anzubieten. Potenziale hat KI dabei in sämtlichen kommunalen Gestaltungsfeldern. Sie muss multidisziplinär gedacht und umgesetzt werden. Die Initiative #KoKI hat dies abgebildet, indem Expertinnen und Experten aus ganz unterschiedlichen Sektoren und Bereichen zusammengearbeitet haben und in den Austausch gekommen sind. Vor Ort - in den Kommunen - liegt genau darin eine große Herausforderung, die es gilt, in einem "Ökosystem Kommune" zu lösen.
Gemeinsam mit den Expertinnen und Experten wurde bereits beim Auftakt in Berlin grob skizziert, zu welchen Bereichen Impulse und Handlungsempfehlungen entstehen sollten. Neben dem Bereich "Verwaltung und Politik" hat die Community Ergebnisse zu den Themen "Arbeits- und Wirtschaftswelten", "Bildung und Lernen", "Pflege", "Stadt- und Regionalentwicklung" sowie "Umwelt und Nachhaltigkeit" erarbeitet. Schnell zeigte sich, dass es darüber hinaus Themen gibt, die "quer" liegen. So sind (offene) Daten, Recht und Ethik sowie der Umgang mit Ängsten (Facing Fears) in allen Themenbereichen gefragt. Diese Querschnittsbereiche haben daher auch als solche gearbeitet und unter anderem konkrete Fragestellungen der fachlichen Bereiche aufgegriffen. Daneben wurde ein umfangreiches Glossar erstellt, welches der Zielgruppe ein grundlegendes Verständnis von KI vermittelt und für Sprachfähigkeit sorgt. Weiteres Handwerkszeug in Form von Checklisten und KI-Maps soll folgen. KI in Kommunen braucht Praxis! Das wird auch nach Publikation der Ergebnisse relevant bleiben und #KoKI auf der Homepage des Co:Labs stets von Neuem vitalisieren (siehe Abbildung).
Die unterschiedlichen Arbeitsgruppen haben im Zuge der Initiative vollkommen transparent und synchron gearbeitet. Durch einige virtuelle Workshops und die Initiatorinnen und Initiatoren wurde sichergestellt, dass alle Beteiligten das große Ganze im Blick haben und die Ergebnisse schlussendlich ineinandergreifen.
Corona als Herausforderung
Auch für eine Initiative, die sich rund um die Digitalisierung und speziell Künstliche Intelligenz dreht und die viele Digitalisierungsexpertinnen und -experten in sich vereint, war die Covid-19-Pandemie eine Herausforderung. Es galt, rund 100 Teilnehmende, die sich bei der physischen Auftaktveranstaltung im Dezember 2019 in Berlin der Initiative verschrieben hatten, zusammenzubringen, darunter Expertinnen und Experten aus ganz unterschiedlichen Bereichen, die sich vorher teilweise weder kannten noch miteinander vernetzt waren. Darüber hinaus mussten ganz unterschiedliche Teilergebnisse kleinerer Arbeitsgruppen dem "Geist" von #KoKI entsprechen. Viele der beteiligten Expertinnen und Experten engagieren sich ehrenamtlich. Ein weiteres persönliches Treffen im März wurde Corona-bedingt untersagt und viele der Beteiligten waren zudem beruflich und privat anders eingespannt. Insbesondere die kommunalen Vertreterinnen und Vertreter waren teilweise ganz intensiv in die Krisenbewältigung eingebunden. Das hat das gemeinsame Arbeiten nicht leichter gemacht. Im Juli startete daher die Operation "#KoKI zum Leben erwecken". In einem virtuellen Workshop haben sich rund 50 Teilnehmende neuen "Drive" gegeben und die Community wieder aktiviert.
Der Verein Co:Lab wird gegründet
Die Mission des Co:Labs (Denklabor & Kollaborationsplattform für Gesellschaft & Digitalisierung e. V.) ist es, angstfrei und ausgewogen über gesellschaftliche Auswirkungen der Digitalisierung zu diskutieren: Technologie, Wirtschaftlichkeit, Ökologie und Soziales müssen dabei in Einklang sein. Die Initiatorinnen und Initiatoren sind überzeugt, dass der Weg dorthin über tiefgehende interdisziplinäre und offene Debatten auf Augenhöhe führt. Dieser Auftrag ist auch der Leitgedanke der Gründungsmitglieder von Co:Lab. Sie wollen gute Beispiele verwertbar machen und Gelerntes aus dem Scheitern von Pilotprojekten verwenden. Daraus sollen dann konkrete Handlungsleitfäden entstehen. Dazu geben sie der Community eine Plattform. Das Co:Lab untersucht als offene und unabhängige Plattform relevante Fragestellungen im Kontext des digitalen Wandels und bettet sie gesellschaftspolitisch ein. Wir wollen und brauchen konkretes Handeln. Dafür inspiriert, motiviert und provoziert das Co:Lab.
Der Verein versteht sich als Community (of Practice), die sowohl die engagierte Zivilgesellschaft vor Ort als auch die Vordenkerinnen und Vordenker sowie die Querdenkerinnen und Querdenker in den Institutionen und Unternehmen miteinschließt.
Eine Initiative reicht nicht
#KoKI hat beispielhaft wunderbar deutlich gemacht, dass wir beim Thema Künstliche Intelligenz noch ganz am Anfang stehen und die eigentliche Wucht dieser Technologie noch gar nicht erfassen können. Umso wichtiger ist es, bereits jetzt die Weichen zu stellen, zu experimentieren und zu lernen, damit wir sie für den gesellschaftlichen Fortschritt einsetzen können. Das lässt sich auf viele weitere Themen übertragen.
Das Co:Lab ermöglicht daher auch künftig ganz unterschiedliche Initiativen als zeitlich begrenzte, öffentliche und unabhängige Foren. Stets bringen Expertinnen und Experten mit unterschiedlichen Sichtweisen, Positionen und Erfahrungen ihr Know-how ein, damit Reibung entsteht. Denn diese braucht es für wirkungsvolle Ideen, die Spuren hinterlassen. Insbesondere geht es darum, den digitalen Wandel nachhaltig zu beeinflussen.
Drei zentrale Learnings .
1. Auch digitale Themen brauchen gelegentlich den physischen Austausch.
Corona hat uns deutlich ausgebremst. Vieles konnte über digitale Treffen kompensiert werden. Aber "leider" nicht alles. Gerade bei der effektiven Vernetzung der einzelnen Themen zu einem großen Ganzen wurden digitale Kommunikationsgrenzen erreicht. Aber wir haben auch dies kreativ gemeistert.
2. Auch Community-Teams, die auf Augenhöhe zusammenarbeiten, brauchen einen Lead.
In der Initiative gab es viele helfende Hände. Aber selbstorganisiert, ganz ohne Lead, geht es dann doch nicht. In jedem Themenbereich haben sich in der Regel zwei Verantwortliche gefunden, die das Zepter in die Hand genommen haben.
3. Initiativen brauchen ihren Raum - und ihre Zeit.
Den sogenannten Spirit haben wirklich alle der Teilnehmenden geteilt. Kurz vor Weihnachten 2019 wollten die KoKIs gemeinsam viel bewirken mit mehr KI in Kommunen. Doch dann kam der Alltag - und Corona. Ideell ehrenamtlich oder mindestens on top zu arbeiten, verlangt allen Beteiligten viel ab. Es gilt daher, den Initiativen die Zeit zu geben, die sie brauchen.
Open Government.
Das Co:Lab ist die Plattform für alle, die ihr Wissen einbringen und teilen wollen, um mit innovativen Fragen und Lösungen aktuelle und zukünftige Herausforderungen zu meistern und auf Trends sowie blinde Flecken im tagespolitischen Diskurs zu reagieren. Wir entwickeln konkrete Lösungsansätze für die Umsetzung innovativer Ideen in die Praxis. Dabei kann jede und jeder mitmachen. Mehr Infos unter https://colab-digital.de.
Biographies
Marc Groß
ist erster Vorsitzender Co:Lab.
Anika Krellmann
ist Geschäftsführerin Co:Lab.
Gerald Swarat
ist zweiter Vorsitzender Co:Lab.


