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. 2020 Dec 15;25(10):8–11. [Article in German] doi: 10.1007/s00735-020-1278-1

Die NÄhe zu Tieren birgt auch ein Risiko

Armut, Klimawandel und mangelnde Gesundheitsversorgung begÜnstigen Pandemien

>Hardy-Thorsten Panknin 1,
PMCID: PMC7765772  PMID: 33390665

Die meisten gefÄhrlichen Infektionskrankheiten des Menschen entstanden durch die NÄhe zu Tieren. Sie werden deshalb als Zoonosen bezeichnet und sind dadurch gekennzeichnet, dass sie auf natÜrlichem Wege vom Tier auf den Menschen Übertragen werden kÖnnen. Die Zoonoseerreger umfassen Bakterien, Viren, Parasiten, Pilze oder andere biologische Einheiten (z.?B. Prionen). Zoonosen sind charakterisiert durch ein Tierreservoir, bestimmte Übertragungsmodi und eine definierte Krankheit beim Menschen. Tiere, bei denen der Erreger unter natÜrlichen Bedingungen vorkommt und sich vermehrt, werden dabei als „Reservoir“ bezeichnet. Je nach Erreger kÖnnen die Tiere ebenfalls erkranken oder asymptomatisch infiziert sein. Die Erreger kÖnnen dabei auf direktem Weg vom Tier auf den Menschen z.?B. Über orale Aufnahme, Inhalation, Haut- oder Schleimhautkontakt, Tierbiss oder auch indirekt Über Tierprodukte — vor allem durch die Aufnahme von Lebensmitteln — und Über GliederfÜßer wie StechmÜcken, Zecken, LÄuse und andere mehr Übertragen werden. Manche Zoonoseerreger verfÜgen auch Über die WirkungsfÄhigkeit der direkten Übertragung von Mensch zu Mensch.

Zoonosen stellen weltweit eine enormes Bedrohungspotenzial dar. Einige Beispiele unterstreichen die besondere GefÄhrdung fÜr den Menschen: Rinder steuerten zum Erregerpool die Tuberkulose und Viruskrankheiten wie die Pocken bei. Schweine und Enten infizierten den Menschen mit Influenzaviren und jÜngst Coronaviren durch Mutation von FledermÄusen auf GeflÜgel, wÄhrend von Pferden mit den Rhinoviren der gewÖhnliche Schnupfen kam. Die Masern, an denen noch immer jÄhrlich etwa eine Million Kinder — bevorzugt in der Dritten Welt — sterben, stehen in enger Beziehung zur Hundestaupe, die zwischen Hunden oder Rindern und Menschen hin- und hersprang. Auch sind Katzen, Hunde, Enten, HÜhner, MÄuse, Ratten und Reptilien TrÄger von Bakterien wie Salmonella und des Pesterregers, die beim Menschen gehÄuft tÖdliche Infektionen hervorrufen. Mit Tierkot verunreinigtes Wasser verbreitete z.?B. Polio — die KinderlÄhmung. Besondere Gefahren gehen von Zoonosen aus, die leicht (aerogen) oder durch bloßen Hautkontakt (Kontaktinfektion — Schmierinfektion) Übertragbar sind und mit einer hohen Sterblichkeit einhergehen. Zu den lebensbedrohenden hochkontagiÖsen Infektionskrankheiten, die durch Zoonoseerreger ausgelÖst werden, zÄhlen verschiedene virusbedingte hÄmorrhagische Fieber, die humanen Affenpocken und die Lungenpest.

Infektionskrankheiten — eine bleibende Bedrohung

Mit der Entdeckung von Mikroorganismen auslÖsenden Erregern von Infektionskrankheiten, der Aufdeckung der Infektionswege, der EinfÜhrung von antiseptischen Maßnahmen, die in allen Bereichen der Medizin einzog, der MÖglichkeit von Impfungen und nicht zuletzt der Entwicklung von Chemotherapeutika bzw. Antibiotika, entstand die Auffassung, Infektionskrankheiten Überwinden zu kÖnnen. Aktuell steht diese Zuversicht wieder einmal auf dem PrÜfstand. Die SARS-Epidemie 2003, der MERS-Ausbruch 2012 auf der Arabischen Halbinsel , der epidemische Ebolausbruch zwischen 2014 und 2015 in Afrika, und die aktuelle SARS-CoV-2 Pandemie verdeutlichen auf exemplarische Weise im neuen Jahrtausend, dass Infektionsepidemien und Pandemien weiterhin zur permanenten latenten Bedrohung der menschlichen Gesundheit und Zivilisation gehÖren (Tab. 1). Die Wahrscheinlichkeit der Manifestationen von Infektionsepidemien erhÖht sich Überall dort, wo eine hohe Populationsdichte, mangelnde Hygiene und hohe MobilitÄt zusammenkommen.

Jahrzehnt Infektionserreger
1970–1979 Rotavirus, Ebolavirus, Legionellen
1980–1989 HTLV1 und -2, humanes Herpesvirus (HHV), HIV, Hepatitis C (HCV), E. coli 0157, Borrelia burgdorferi, Helicopacter pyloi, toxinproduzierende Staphy-lococcus aureus
1990v1999 Hantavirus, humes Herpesvirus (HHV) 8, Hepatitis E/F/G-Virus, nvCJD, Niphavirus, Vibrio cholerae 0139, Kryptosporidien, Cylospora, Influenza A-Virus (H5N9)
2000–2019 Alongshan-Virus, Coronaviren: MERS-CoV (BatCoV-HKU5 und BatCoV-HKU4**), SARS-CoV, SARS-COV-2 (COVID-19)

Als neue Infektionskrankheiten („emerging infectious diseases“) bezeichnet man nicht nur durch neu entdeckte Erreger verursachte Infektionskrankheiten, sondern auch solche, die in einer Region neu aufgetreten sind, an HÄufigkeit zugenommen haben oder neue Wirte befallen. Die Ursachen fÜr die Ausbreitung z.?B. von Viren, sind vielschichtig: Mutationen besonders auf der OberflÄche von RNA-Viren oder neue PathogenitÄtsfaktoren einzelner Virenspezies, machen den Menschen anfÄlliger fÜr Infektionen. Dazu kommt, dass sich Infektionen heute mit ungleich grÖßerer Geschwindigkeit ausbreiten kÖnnen als frÜher. Es ist praktisch ausnahmslos der Flugverkehr, der Epi- und Pandemien die Ausbreitungsplattform bietet. Der Reiseverkehr zwischen 1950 und 2008 ist 37-fach von 25 Millionen auf 924 Millionen Touristen weltweit pro Jahr gestiegen; seltene und somit nicht heimische Infektionserreger reisen mit ihren Folgen rund um den Globus. Der weltweite Warentransport begÜnstigt ebenfalls die Verbreitung von Vektoren, wie dies fÜr die TigermÜcke von SÜden nach Norden entlang der Autobahnen beobachtet wurde.

Weitere globale InfektionsausbrÜche

Weltweit beobachtete man in den vergangenen Jahren verschiedene Epidemien:

  • - Im Jemen ereignete sich einer der grÖßten CholeraausbrÜche der jÜngeren Geschichte: Innerhalb von nur drei Monaten erkrankten fast 420.000 Menschen — mindestens 1992 von ihnen verstarben an den Folgen der Infektion.

  • - Bis Ende des Jahres 2017 wÜtete in Brasilien ein Gelbfieberausbruch mit 777 FÄllen.

  • - Seit 2016 wurden in Pakistan 800 schwere TyphusfÄlle gemeldet, die gegen alle First-Line Antibiotika und auch aus der Gruppe der Fluorchinolone resistent sind.

  • - In Westafrika infizierten sich durchschnittlich 100.00 bis 300.000 Menschen mit dem Lassafieber.

  • - Ein neues, durch Zecken Übertragenes Virus wurde entdeckt: das Flaviviridae Virus (Alongshanvirus), ein RNA-Virus, das Fieber und Kopfschmerzen hervorrufen kann. Der Erreger wurde erstmals bei einem 42-jÄhrigen Bauern aus der inneren Mongolei nachgewiesen, der unter FrÜhsommer-Meningoenzephalitis typischen Symptomen litt. In einer darauffolgenden Studie konnte das Virus bei 86 weiteren Patienten mit Ähnlichem Symptomkomplex identifiziert werden.

  • - Der SÜdsudan leidet seit Jahren infolge kriegerische Auseinandersetzungen. Hinzugekommen ist eine der schlimmsten Malariasaisonen der vergangenen Jahre. Im Zeitraum von Februar bis Anfang August 2017 erkrankten in dem Land Über 900.000 Menschen und es wurden mehr als 4.000 Todesopfer registriert. Dies sind doppelt so viele TodesfÄlle wie im Jahr 2016.

  • - Das Marburg-Virus wurde in Sierra Leone nachgewiesen. Die Demokratische Republik Kongo und Angola meldeten jeweils einen Ausbruch mit 154 beziehungsweise 252 Infizierten: Insgesamt erkrankten sechs Personen nach Erstinfektionen in Kenia und Simbabwe an dem Virus.

Fokus auf die Pest

Die Pest des Justinian, die in den Jahren von 531 bis 580 wÜtete und die in Ägypten begonnen haben soll, war einer der schwersten echten PestausbrÜche aller Zeiten. Sie soll die HÄlfte aller Einwohner Europas getÖtet haben. Weitere Pestepidemien werden mehrmals im 14. Jahrhundert berichtet. Die erste, spektakulÄre Epidemie befiel Italien und kurz danach auch Deutschland im Jahre 1348. In Florenz starben in jenem Jahr am „Schwarzen Tod“ von Über 100.000 Einwohnern 60.000. Auch in den nÄchsten Jahrunderten traten jeweils mehrmals Pestepidemien auf, wobei als die zwei letzten großen Epidemien in Westeuropa die MailÄnder von 1630 und die Londoner Pest von 1665 gelten; 60.000 Menschen sollen ihr damals allein in London zum Opfer gefallen sein. Im 18. Jahrhundert beschrÄnkte sich die Pest in Westeuropa auf Östliche RandlÄnder wie Deutschland, Skandinavien, Russland, den Balkan und die TÜrkei. Im Westen Europas fÜhrte die Marseiller Pestepidemie aus dem Jahr 1720 Überall zur VerschÄrfung der QuarantÄnegesetzgebung. Anfang des 19. Jahrhunderts verbreitete sich die Pest in Ägypten, Syrien und der TÜrkei. Aus dem Nahen Osten griff die Pest dann gelegentlich auf NachbarlÄnder wie Griechenland Über. Aber selbst aus Ägypten, dem klassischen Pestherd, verschwand sie nach 1845.

In der zweiten HÄlfte des 19. Jahrhunderts wurden immer noch Pestepidemien aus Mesopotamien, Persien und Arabien berichtet. Im Jahre 1894 begann auf einmal eine neue Expansionswelle und zeigte so wieder jenes zyklische Verhalten, durch das sie sich auch in der Vergangenheit ausgezeichnet hatte. Der Beginn einer Epidemie fand in Hongkong im Jahr 1894 statt und die Pest blieb dort bis 1929 endemisch. Pestepidemien traten im Landesinneren Chinas im 19. Jahrhundert wahrscheinlich mehrmals auf. In den 20 Jahren zwischen den Weltkriegen im vergangenen Jahrhundert starben etwa zwei Millionen Inder daran. In anderen Kontinenten tritt die Pest immer noch in Einzel- oder Gruppenerkrankungen und in kleineren En- oder Epidemien auf, wie aktuell in China zu beobachten ist. Sie findet dort einen idealen NÄhrboden, wo ÜberbevÖlkerung herrscht, die hygienischen VerhÄltnisse katastrophal sind und eine medizinische Versorgung nicht gewÄhrleistet ist.

JÜngst beschriebene PestausbrÜche verdeutlichen das zyklische Verhalten der Pest: In Europa traten im 20. Jahrhundert nur noch ganz kleine, von Schiffen ausgehende AusbrÜche auf. Uganda verzeichnete mehrere AusbrÜche, darunter einen mit mehr als 2.000 TodesfÄllen im Jahre 1935. In Europa wurde seit 1953 kein neuer Fall an humaner Pest den GesundheitsbehÖrden gemeldet.

Im westlichen Nepalgebiet kam es 1967 zu einem Pestausbruch. In Vietnam traten zwischen den Jahren 1965 und 1971 bis zu 5.000 PestfÄlle jÄhrlich auf. In SÜd-Vietnam, wo die Pest ununterbrochen seit 1898 auftritt, begann eine erneute Epidemie in Bien Hoa 1962 mit der Erkrankung eines achtjÄhrigen Kindes. Es wurde in drei KrankenhÄusern bei einer Differenzialdiagnose von Appendizitis und eingeklemmter Hernie versorgt und starb noch vor der geplanten Operation. Erst durch die Obduktion und die bakteriologische Untersuchung wurde die Diagnose Pest diagnostiziert. Im Jahr 1994 wurden der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus einem Bezirk in Simbabwe insgesamt 329 PestfÄlle mit 28 TodesfÄllen gemeldet. Nach mehreren pestfreien Jahrzehnten sind in jÜngster Zeit in LÄndern rund um das Mittelmeer erneut FÄlle von menschlicher Pest aufgetreten. Endemische PestfÄlle betrafen 1994 in Saudi-Arabien 20 Menschen, in Algerien im Jahr 2003 sieben, in Libyen im Jahr 2009 — wo der letzte Pestfall 1978 gemeldet wurde — fÜnf Menschen.

„Nach mehreren pestfreien Jahrzehnten sind in jÜngster Zeit in LÄndern rund um das Mittelmeer erneut FÄlle von menschlicher Pest aufgetreten.“

JÜngst berichteten verschiedene Medien, dass sich Ende September 2020 in China ein dreijÄhriger Knabe mit der Beulenpest infiziert hatte. In China sollen bereits zwei FÄlle von Beulenpest im Jahr 2020 aufgetreten sein. Ein Mensch verstarb nach Medienberichten bereits an der Infektionskrankheit. Wie sich der Junge mit der Beulenpest infiziert haben konnte, ist gegenwÄrtig noch unklar. Im Heimatdorf des Knaben in der sÜdlichen Yunnan-Provinz wurden tote Ratten gefunden. Der an Beulenpest erkrankte Junge zeigte aber nur leichte Symptome. Die BehÖrden verhÄngten eine QuarantÄne Über das Gebiet nahe der Grenze zu Myanmar, um eine Ausbreitung der schweren Infektionskrankheit zu verhindern. Medizinisches Personal wurde angewiesen, auf Zeichen einer Beulenpest zu achten: erhÖhte KÖrpertemperatur und besonders Lymphkontenschwellungen im Halsbereich und in Achsel- und Leistengegend bei jenen Menschen, die in der unmittelbaren Ausbruchregion leben.

Ursachen fÜr PestausbrÜche

Die Analyse von drei 2009 in Libyen isolierten StÄmmen deutet darauf hin, dass ein einzelner Stamm diesen Ausbruch verursachte und somit die Infektionsquelle fÜr die Patienten war. PhÄnotypische und genetische Analysen zeigten, dass es sich womÖglich um den Erreger der mittelalterlichen Pest handelt. Wie aus StÄmmen dieser Linie, stammte das Phylum aus Libyen hÖchstwahrscheinlich aus Zentralasien.

Die Beulen- oder Bubonenpest ist ursprÜnglich eine Nagetierkrankheit. Naturherde der Pest persistieren besonders in Nagetierspezies, Insektenfressern, kleineren Raubtieren und deren Parasiten. Hunde hatten AntikÖrper gegen den Pesterreger in Jordanien entwickelt. Diese Beobachtungen legen den Verdacht nahe, dass die Pest in diesen LÄndern bereits vorhanden sein musste. Das Wiederaufleben der Pest in Libyen im Jahr 2009 kÖnnte hÖchstwahrscheinlich auf die Reaktivierung etablierter und dauerhafter lokaler Pestherde zurÜckgefÜhrt werden, die sich aus dem alten Import aus Zentralasien ergeben haben. Diese Hypothese wird durch die zahlreichen PestausbrÜche gestÄrkt, die im 20. Jahrhundert bereits in Libyen endemisch auftraten. Dieser Befund und die Tatsache, dass die jÜngste Epidemie Personen betraf, die 30 bis 60 Kilometer voneinander entfernt leben, lassen die Reaktivierung des Erregers in einem lokalen Pestschwerpunkt im Jahr 2009 in hohem Maße erkennen. Das plÖtzliche Wiederauftreten von PestfÄllen kÖnnte auch mit ungewÖhnlichen klimatischen Bedingungen zusammenhÄngen. Dem Ausbruch ging ein besonders feuchter Winter voraus, der die Flohproliferation begÜnstigte, und eine außergewÖhnlich gute Ernte erzielte, die wiederum die Vermehrung von Nagetieren unterstÜtzten. Die Auswirkungen klimatischer VerÄnderungen auf die menschliche Pest wurden schon vor Jahrhunderten dokumentiert und sie unterstreichen die Notwendigkeit, die Auswirkungen der globalen ErwÄrmung auf Infektionskrankheiten vermehrt zu berÜcksichtigen.

Bei frÜhzeitiger Diagnostik heilbar

Antibiotika haben bakterielle Infektionskrankheiten Überwiegend vorteilhaft beeinflusst; besonders der Pest haben sie ihren Schrecken durch EinfÜhrung von Streptomycin genommen. Die Sterblichkeitsrate bei unbehandelter Pest lag zwischen 66 und 93 Prozent; seit der EinfÜhrung der Antibiotika konnte die LetalitÄt jedoch auf etwa 16 Prozent gesenkt werden. Eine zÜgige Diagnostik und schnelle Behandlung mit antimikrobiellen Wirkstoffen z.?B. Aminoglycosiden, Fluorchinolonen oder Doxycyclin verbessert das Überleben. Entscheidend fÜr die Prognose ist der Behandlungsbeginn, wobei vor allem bei Lungenpest jegliche VerzÖgerung der Behandlung, die Über 24 Stunden nach Erkrankungsbeginn hinausgeht, die Prognose ungÜnstig beeinflusst. Werden Antibiotika und supportive intensivmedizinische Therapien bei Pesterkrankten nach mehr als 24 Stunden eingesetzt, ist dies in der Regel schon zu spÄt und endet meist tÖdlich. Das bedeutet, dass an Pest schwer erkrankte Menschen meist kaum von einer intensivmedizinischen Behandlung profitieren kÖnnen, da in jenen LÄndern, in denen sich die Pest endemisch ausgebreitet hat, ein Krankenhaus mit einer Intensivstation hÄufig nicht zur VerfÜgung steht.

Nach Angaben der CDC (dem US-amerikanischen Zentrum fÜr die Kontrolle und PrÄvention von Krankheiten) wird Streptomycin und Gentamicin fÜr erwachsene Patienten empfohlen; einschließlich immungeschwÄchten Patienten und Schwangeren. Streptomycin und Gentamicin kann auch bei Kindern angewendet werden — die Dosierung sollte jedoch reduziert werden. Alternativ kÖnnen auch Doxycyclin, Ciprofloxacin und Chloramphenicol angewendet werden. Ein wirksamer Impfstoff gegen die Pest steht derzeit nicht zur VerfÜgung, obwohl in einigen LÄndern, z.?B. in China und Russland, ein abgeschwÄchter Lebendimpfstoff angewendet wird.

Risiko fÜr Europa

Die Prophylaxe vor einer Verbreitung der Pest umfasst den Einsatz von Insektiziden, die zur AbtÖtung, Vertreibung oder Hemmung von Insekten angewendet werden. Die Isolierung von Erkrankten kann helfen, einen Ausbruch zu verhindern. Eine schnelle Diagnostik und gezielte zeitnahe Behandlung mit Antibiotika kann den Pesterreger eradizieren. Diese gezielten Maßnahmen haben in der westlichen Welt den Kampf vorÜbergehend erfolgreich gemacht. Generell besteht fÜr Europa derzeit kein Grund zur Sorge vor einer erneuten Pestpandemie; ohne Zweifel ist sie aber eine immer wiederkehrende „zyklische“ enzootische Infektionskrankheit — auch noch im 21. Jahrhundert. Madagaskar ist derzeit das von der Pest am schwersten bedrohte Land der Erde. Es ist fÜr 75 Prozent der weltweiten gemeldeten PestfÄlle an die WHO verantwortlich; mit einer jÄhrlichen Inzidenz von 200 bis 700 VerdachtsfÄllen. Sozialpolitische Krisen und Armut in dem Land werden als wesentlicher FÖrderer der Pest dabei angesehen.

„Werden Antibiotika und supportive intensivmedizinische Therapien bei Pesterkrankten nach mehr als 24 Stunden eingesetzt, ist dies in der Regel schon zu spÄt und endet meist tÖdlich.“

Fazit

Der WHO wurden in den vergangenen 25 Jahren humane PestfÄlle aus LÄndern wie:

  • - Afrika mit Republik Kongo, Madagaskar, Uganda, Mosambik, Namibia, Tansania

  • - Amerika mit Brasilien, Peru, USA

  • - Asien mit China, Mongolei, Myanmar, Vietnam gemeldet.

Kleinere Epidemien oder einzelne AusbrÜche wurden aus Staaten wie: Algerien, Botswana, Kenia, Libyen, Malawi, Sambia, Simbabwe, Bolivien, Ecuador, Indien, Indonesien, Kasachstan und Laos bekannt. Aus wissenschaftlicher Literatur ist bekannt, dass es zudem viele nicht diagnostizierte FÄlle der Pest gibt und daher von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen wird.

Die KlimaerwÄrmung fÜhrt zu einer Änderung der Population an Wirten (Zoonosen), Zwischenwirten oder ÜbertrÄgern von Viren, wie beispielsweise die Zeckenpopulationen in milden Wintern. Deshalb lÄsst sich nicht ausschließen, dass neue Infektionserreger mutieren und ihr biologisches Verhalten sich solcherart formiert, dass sie zu hochkontagiÖsen und lebensbedrohlichen Erkrankungen fÜhren kÖnnen; dies wird aktuell an SARS-CoV-2 bzw. der COVID-19-Pandemie evident. Ein gesunder und hygienebewusster Lebensstil kann aber weitgehend dazu beitragen, Infektionen auf ein Minimum in der westlichen Welt zu reduzieren.


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