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. 2021 Feb 5;22(1):8–10. [Article in German] doi: 10.1007/s15202-021-4630-9

Psychiatrische Hilfe per App

Katharina Brüggen 1,
PMCID: PMC7841981

Angespornt durch den Bedarf nach therapeutischer Hilfe ohne physischen Kontakt während der COVID-19-Pandemie ist die Verfügbarkeit internetbasierter Interventionen für psychische Störungen in jüngster Zeit stark gestiegen. Für mehrere angeleitete Selbstmanagementinterventionen gibt es bereits eine solide Evidenz zur Wirksamkeit.

Niemand habe voraussehen können, dass sich internetbasierte Interventionen für die Behandlung psychischer Störungen im Jahr 2020 so rasant entwickeln würden, stellte Prof. Dr. Christina Knaevelsrud, Freie Universität Berlin, anlässlich des virtuellen DGPPN-Kongresses fest. "Im Jahr 2020 sind Internetinterventionen im Werkzeugkoffer der Behandler wirklich angekommen", bekräftigte auch Dr. Jan Klein, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Lübeck. So böten nun beispielsweise 77 % der Therapeuten Videosprechstunden an. Befragt zu ihren Erfahrungen in Bezug auf die Umstellung auf Videosprechstunden während der COVID-19-Pandemie hätten 141 kontaktierte Psychotherapeuten aus den USA, Kanada und Europa im Durchschnitt angegeben, eine gute Patient-Therapeuten-Beziehung aufbauen zu können [Aafjes-van Doorn K et al. Counselling Psychology Quarterly 2020, doi: 10.1080/09515070.2020.1773404].

Zudem gebe es inzwischen zahlreiche angeleitete und nicht angeleitete Selbstmanagementinterventionen, die evidenzbasierte Psychotherapietechniken beinhalteten und durch Computerprogramme vermittelt würden, berichtete Klein. Insbesondere für die Indikationen Depression und Angststörung sei die Wirksamkeit vieler Selbstmanagementinterventionen bereits in randomisierten Studien nachgewiesen worden [Voderholzer U et al. (Hrsg.) Therapie psychischer Erkrankungen. 16. Auflage. Urban & Fischer Verlag/Elsevier; 2020]. Wichtig sei hierbei, dass die Therapeuten ihre Patienten durch E-Mail-Kontakt unterstützen, um die Adhärenz und eine intensivere Nutzung zu fördern. Dann erreichten die Interventionen eine ähnliche Wirksamkeit wie die üblichen Face-to-Face-Sitzungen.

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Eine eigene Untersuchung zum Einsatz der Selbstmanagementintervention "deprexis" bei Patienten mit Depression habe ergeben, dass insbesondere schwer erkrankte Patienten profitierten und dass Ältere der Nutzung gegenüber besonders aufgeschlossen waren, hob Klein hervor.

Welche digitale Intervention ist die richtige?

Selbstmanagementinterventionen können beispielsweise in der Primärversorgung, zur Wartezeitüberbrückung oder auch parallel zu einer bestehenden Psychotherapie eingesetzt werden. Nun, da das digitale Versorgungsgesetz (DVG) in Kraft getreten ist, können digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), die im DiGA-Verzeichnis gelistet sind, auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse verordnet werden. Zur Unterstützung bei der Auswahl geeigneter Interventionen hat eine gemeinsame Taskforce der DGPPN und DGPs Qualitätskriterien für die Bewertung der Interventionen in Bezug auf Sicherheit, Wirksamkeit und Transparenz definiert [Klein JP et al. Nervenarzt 2018;89:1277-86].

"In Deutschland sind wir auf einem guten Weg, die Potenziale dieser Angebote zu nutzen und dabei die Skepsis und Vorsicht nicht zu verlieren", so Knaevelsrud. Zukünftig gehe es nun darum, die konventionelle und die Online-Psychotherapie im Sinne einer Blended Care enger miteinander zu verknüpfen.

Virtueller DGPPN-Kongress 2020, State-of-the-art-Symposium "Internetbasierte Interventionen für psychische Störungen", 28.11.2020


Articles from Der Neurologe & Psychiater are provided here courtesy of Nature Publishing Group

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