Die Länderdelegiertenversammlung des BVDN fand vom 13. bis 14. November als Videokonferenz statt. Die Bewältigung der COVID-19-Pandemie gerade auch durch den unermüdlichen Einsatz der Vertragsärzte war eines der zentralen Themen. Außerdem befassten sich die Delegierten mit der Honorarsituation und der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Die langjährige Mitarbeiterin der Geschäftsstelle und Cortex-Geschäftsführerin, Dagmar Differt-Fritz, wurde in den Ruhestand verabschiedet.
Traditionell findet im Herbst eines jeden Jahres unsere Delegiertenversammlung der BVDN-Landesverbände statt und für 2020 hatten wir uns auf eine Tagung in Hannover gefreut. Waren wir im Frühsommer noch zuversichtlich, uns tatsächlich und endlich wieder in gewohnter Form - natürlich unter Berücksichtigung von Abstands- und Hygieneregeln - treffen zu können, kristallisierte sich doch recht bald heraus, dass wir das nicht verantworten durften und wollten. Zum zweiten Mal wurde also unsere Delegiertenversammlung als Videokonferenz gestaltet und da wir nun alle gut geübt sind mit dieser Form der Versammlung, konnte eine gute Arbeitsatmosphäre auch im Videokontakt geschaffen werden.
Differt-Fritz in den Ruhestand verabschiedet
Zu Beginn dieser besonderen Delegiertenversammlung standen wir vor einer speziellen Aufgabe: Dagmar Differt-Fritz, langjährige Mitarbeiterin der Geschäftsstelle in Krefeld und Cortex-Geschäftsführerin wurde in den Ruhestand verabschiedet. Seit dem Jahr 2003 war Differt-Fritz in unserer Geschäftsstelle tätig und damit zuverlässige Ansprechpartnerin bei telefonischen Anfragen, Beschwerden oder Sorgen. Sie kennt sehr viele Kollegen durch diese Telefonate und die persönlichen Treffen im Frühjahr in Köln und im Herbst in einem unserer Landesverbände gut und war oft Navigator bei ganz unterschiedlichen Fragen rund um die Berufspolitik und Organisation der Aufgaben.
Wir freuten uns darüber, dass unser langjähriger BVDN-Vorsitzender Dr. Frank Bergmann es möglich gemacht hat, eine kurzweilige Verabschiedungsrede zu halten. Von vielen Kollegen kamen im Verlauf der Delegiertenversammlung nach der offiziellen Verabschiedung persönliche Abschiedsworte mit dem Dank für die Präsenz, Kontinuität und kompetente Erledigung der Aufgaben. Dagmar Differt-Fritz wird sich nun familiären Aufgaben widmen und wir wünschen ihr von Herzen, dass sie mit Gesundheit und Fröhlichkeit und gemeinsam mit ihrem Ehemann in den kommenden Lebensabschnitt starten kann!

Umzug der Geschäftsstelle nach Berlin
Schon seit einigen Jahren wird Differt-Fritz durch Thorsten Seehagen unterstützt. Wenn in diesem Jahr nun, wie schon seit einigen Jahren geplant, die Geschäftsstelle von Krefeld nach Berlin umzieht, wird er Bernhard Michatz, Geschäftsführer des BVDN und der Cortex-Managementgesellschaft, unterstützen - zunächst vom Homeoffice aus. Dafür konnten schon erste strukturelle Vorbereitungen getroffen werden. Seehagen ist mittlerweile technisch so ausgestattet, dass ihn Telefonate auch erreichen, wenn er nicht in der Geschäftsstelle sitzt und er kann auch auf Daten unseres Servers zugreifen.
Die Arbeitswelt der Geschäftsstelle verändert sich. Wir wollen die Möglichkeiten moderner Kommunikation nutzen, um für unsere Mitglieder schneller erreichbar zu sein, sie über Neuigkeiten zeitnah zu informieren und Verwaltungstätigkeiten zu optimieren. Diese Umstrukturierung wird mit Kosten verbunden sein, wofür sich die Länderdelegierten dankenswerterweise bereit erklärt haben, einen Teil davon zu übernehmen. Wir sind auf einem guten Weg und werden Sie im Laufe dieses Jahres über die Neuigkeiten informieren.
Für die digitale Delegiertenversammlung 2020 hatten wir eine thematische Strukturierung erarbeitet. Dadurch war es möglich, die Themen vertieft auch durch die Erfahrungen und Impulse der einzelnen Landesverbände zu diskutieren.
Honorarsituation
Durch das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) wurden viele neue Leistungen in den EBM eingeführt. Nach einer einjährigen Bereinigungszeit können nun Neupatienten, Patienten in der offenen Sprechstunde, Termin- und Akutfälle sowie Hausarztvermittlungsfälle ohne Budgetrelevanz zum vollen Punktwert abgerechnet werden. Plausibilitätsfragen bei zunächst zögerlichem Abrechnen der genannten Leistungen führten offenbar dazu, dass die Krankenkassen den Bereinigungszeitraum verlängern wollten, was jedoch bei einem Gerücht blieb, die allgemein geltenden Regelungen der Bereinigung über ein Jahr gelten auch hier.
Zum 1. April 2020 trat die "kleine EBM-Reform" in Kraft, die vom Gesetzgeber in Auftrag gegeben wurde, um die "sprechende Medizin" - also unsere Kernkompetenz - aufzuwerten. Leider wurden durch die Krankenkassen keine zusätzlichen Finanzmittel für die notwendige Aufwertung dieser Leistungen zur Verfügung gestellt, sondern die Reform musste kostenneutral umgesetzt werden. Dies führte zu einer Umverteilung der Honorare von "Technikleistungen" hin zu "Gesprächsleistungen".
Eine weitere Spreizung der Empfänger entstand durch die Verteilung auf "alle Gesprächsleistungen", also auch die der Hausärzte, Gynäkologen, Orthopäden etc. Infolge dieses Vorgehens kommt es zu eher geringen Honorarzuwächsen und teilweise sogar Honorarverlusten, vor allem in neurologischen Praxen. Insgesamt gehören wir aber insbesondere mit den psychiatrischen Praxen zu den "Gewinnern" dieser Reform.
Die Umsetzung der Reform obliegt allerdings dem KV-individuellen Honorarverteilungsmaßstab und wird in der jeweiligen Vertreterversammlung beschlossen. Hier sehen sich Vertreter unserer Fachgruppen oft einer Dominanz der Technikfächer gegenüber, was zu kräftezehrenden Diskussionen und nicht immer zufriedenstellenden Umsetzungsergebnissen führt, wie wir in der Diskussion erfuhren.
Im zweiten ebenso wie im vierten Quartal 2020 konnten Gesprächsleistungen auch ohne direkten Patientenkontakt im Telefonat abgebildet werden. Dies stellte eine erhebliche Arbeitserleichterung unter Einhaltung der Hygienevorschriften und dem Schutz unserer Patienten und unseres Personals dar. Videosprechstunden erleben aktuell einen Aufschwung, und mittlerweile gibt es zahlreiche verschiedene Anbieter für diese neue Behandlungsoption. Wir werben hier gerne für das Angebot der Firma Monks, mit der wir telemedizinische Projekte, wie etwa die Neuro-App, bereits auf den Weg gebracht haben.
Corona
Mittlerweile haben wir uns in unseren Praxen mit vielen neuen Regelungen und Abläufen durch die COVID-19-Pandemie und die erforderlichen Hygienevorkehrungen eingerichtet. Unser Arbeitsalltag hat sich teilweise verändert, die Patienten sind die gleichen geblieben. Wir spüren eine Zunahme an Nachfrage in unseren Praxen, belastbare Zahlen dazu lagen zum Zeitpunkt der Delegiertenversammlung aber noch nicht vor. In allen Regionen in Deutschland wurden in der ersten Pandemiewelle Patienten aus neurologischen und psychiatrischen Kliniken vorzeitig entlassen und die weitere ambulante Versorgung erfolgte natürlich im vertragsärztlichen Bereich - so auch in unseren fachärztlichen Praxen. Gleichwohl sind unsere Praxen heterogen organisiert und mitunter auch von Krankheit und Schließung betroffen. Umso umfassender leisten die zur Verfügung stehenden Versorger hier ihre Arbeit.
Wir haben uns als Verband und im Schulterschluss mit unseren Schwesterverbänden im Spitzenverband ZNS (SpiZ) einem Papier der KBV angeschlossen, in dem auf Missstände im Rahmen der Pandemiebewältigung aufmerksam gemacht wurde und Lösungswege aufgezeigt wurden. Dieses Papier war nach seiner Veröffentlich kontrovers diskutiert worden, dieser Diskussion haben wir uns auch in der Delegiertenversammlung gestellt. Mittlerweile sind die im KBV-Papier erwähnten Lösungswege teilweise umgesetzt worden (z. B. die Versorgung von Risikogruppen mit wirksamem Mund-Nasen-Schutz).
Wir unterstützen in unserer täglichen Arbeit am Patienten die durch die Bundespolitik getroffenen Entscheidungen und Vorkehrungen. Gleichzeitig halten wir es aber für erforderlich, dass Erfahrungen und Empfehlungen der Ärzte mit jedwedem direkten Patientenkontakt, insbesondere bei der Versorgung von Risikogruppen, in die zu treffenden Entscheidungen einfließen können. Dies muss breit diskussionsfähig sein, um viele unserer Mitmenschen und vor allem die Entscheidungsträger umfassend ins Bild zu setzen. Dafür braucht es die Diskussion sowohl in den Verbänden als auch mit den Selbstverwaltungsgremien und Politikern und dieser stellen wir uns. In der Delegiertenversammlung gab es Gelegenheit, sowohl die Erfahrungen der Kollegen aus den einzelnen Bundesländern zu hören als auch das Vorgehen der Verbände ausführlich zu diskutieren.
Telematikinfrastruktur
Das Thema Telematikinfrastruktur (TI) begleitet uns seit einigen Jahren und birgt Chancen der Weiterentwicklung und Optimierung, wird aber auch flankiert durch Versagen angekündigter Vereinfachungen im Praxisablauf und durch Ängste sowie Zurückhaltung der Ärzte in den Praxen.
Seit 2019 sind wir aufgefordert, das Versichertenstammdatenmanagement in unseren Praxen für die Krankenkassen durchzuführen. Der Umstand an sich wurde vielfach debattiert, insbesondere die Sanktionen bei Nichtanschluss der Praxis an die TI. Sorgen um die Machbarkeit aufgrund hohen Zeitaufwandes bestätigten sich hingegen nicht.
Die für 2020 geplanten erzwungenen Umsetzungen des elektronischen Medikationsplanes, des Notfalldatenmanagements sowie der elektronischen Patientenakte wirken in Anbetracht der Dominanz der Corona-Themen wenig bedrohlich, sind dafür doch keine Sanktionen festgelegt - bisher. Die Beantragung eines elektronischen Heilberufeausweises (eHBA) wird notwendig werden, denn kommende Innovationen sind ohne diesen nicht nutzbar. Damit werden wir elektronische Signaturen nutzen, die nebenbei bemerkt nicht nur für den Arztberuf künftig Relevanz haben werden. Wie und ob die aktuell beschriebene Nutzung des eHBA tatsächlich im Praxisalltag möglich sein wird, werden wir mit Sicherheit in einer der kommenden Versammlungen diskutieren oder über unsere Informationskanäle (Webseite, Rundmail) mitteilen können.
Wir haben in der BVDN-Delegiertenversammlung an zwei Tagen sehr konzentriert wichtige berufspolitische Themen und Informationen aus den Fachbereichen Neurologie und Psychiatrie bewegt besprochen. Umfassend können Sie sich bei den Vertretern Ihrer Landesverbände über die Diskussionen informieren, denn es ist unmöglich, die Vielfalt der Gespräche in einem Artikel abzubilden. Durch das Videoformat war es den Vorständen der Landesverbände möglich, geschlossen an der Versammlung teilzunehmen - Sie haben also mitunter mehrere Ansprechpartner in Ihrem Bundesland!
Nach zwei Treffen im Videokontakt hoffen wir auf ein Präsenztreffen in diesem Jahr. Ob dies bereits zur Frühjahrstagung möglich sein wird, ist aktuell nicht sicher - allerdings sind wir im Videoformat ja nun geübt und somit weiterhin gut arbeitsfähig.
Dr. med. Sabine Köhler.
Vorsitzende des BVDN
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
Dornburger Straße 17
07743 Jena
E-Mail: sab.koehler@web.de

