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editorial
. 2021 Feb 12;30(1):3. [Article in German] doi: 10.1007/s15007-021-4757-1

Anaphylaxie-Leitlinie: Update 2021

Johannes Ring 1,, Knut Brockow 2
PMCID: PMC7878021  PMID: 33612980

Anaphylaxie ist der wichtigste akute Notfall in der Allergologie, der oft unter dramatischen Umständen abläuft und sofortiges zielgerichtetes Handeln erfordert. Dabei erstreckt sich dieses Handeln nicht nur auf die Gabe von Medikamenten, sondern umfasst eine Reihe von Allgemeinmaßnahmen bis hin - nach erfolgreicher Therapie - zur Prävention durch Verhinderung erneuter schwerer Reaktionen.

Die neue Leitlinie baut auf Dokumenten von 1994, 2007 und 2014 auf und wird von 27 Autoren aus 14 Fachgesellschaften und einer Patientenorganisation getragen.

Die bekannte Klassifikation in vier Schweregrade wurde erneut verwendet, auch um zu betonen, dass bei Patienten mit wiederholten Anaphylaxien unterschiedlicher Ausprägung es sich doch um dieselbe Krankheit handelt, die einmal "nur" als Urtikaria, einmal als lebensbedrohlicher Schock auftritt. Neu ist die starke praktische Ausrichtung der Leitlinie, wobei auch auf unterschiedliche Situationen, wie Intensivbedingungen, in der Klinik, in der Praxis oder im Alltag des Patienten eingegangen wird.

Anaphylaxie ist - mit 0,3-2 % Betroffenen in der Bevölkerung - keine exotische oder seltene Angelegenheit. Bei den bekannten Risikofaktoren wurde unterschieden zwischen solchen, die die Häufigkeit des Auftretens steigern, und solchen, die den Schweregrad der Symptomatik verstärken, wie zum Beispiel die Einnahme von Betablockern, höheres Lebensalter oder Mastozytose.

Zu den allgemeinen Maßnahmen gehört am Anfang die rechtzeitige Erkennung: Hier wurde die 5-Sekunden-Regel des Verbands Ärztliche Leiter Rettungsdienste Deutschlands (VLAERD) übernommen, die sehr schnell Klarheit schafft. Dann folgen organisatorische Überlegungen: Hilfe holen, Notruf absetzen, Lagerung, Zuweisung bestimmter Tätigkeiten im Team.

Unter den pharmakotherapeutischen Maßnahmen wurde der Schwerpunkt auf Adrenalin gelegt und insbesondere die intramuskuläre Applikation mittels Autoinjektor.

Ist die akute Symptomatik erfolgreich behandelt, fängt die Arbeit erst an. Das Entlass-Management nach stattgehabter Anaphylaxie soll das Risiko einer erneuten Reaktion verhindern. Dazu gehört die Identifikation des Auslösers durch die Allergiediagnostik. Bei bestimmten IgE-vermittelten Allergien kann eine allergenspezifische Immuntherapie in die Wege geleitet werden (z. B. Insektengifte, demnächst auch Nahrungsmittel).

Ausreichende Information umfasst nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch praktisches Training. Dazu haben sich Schulungsprogramme mit praktischen Übungen bewährt (z. B. von der Arbeitsgemeinschaft Anaphylaxie Training und Edukation [AGATE]). Schließlich wird ein medikamentöses "Notfallset zur Soforthilfe" rezeptiert, das vom Betroffenen stets mitgeführt werden soll; damit erübrigt sich die Frage nach der Haltbarkeit bei großer Hitze im Auto. Wichtig bei der Verschreibung eines Adrenalin-Autoinjektors ist es, das "aut idem"-Kreuz zu setzen, damit der Patient auch wirklich den Adrenalin-Autoinjektor bekommt, für den er geschult wurde.

Besondere Aktualität erlangt die Leitlinie durch einen letzten Einschub zum Allergierisiko der COVID-19-Impfung, das viele Allergiker beunruhigt: Die meisten Patienten mit Allergien können erfolgreich gegen COVID-19 geimpft werden. Vorsicht ist geboten bei Patienten mit eindeutiger Anaphylaxie gegen Impfstoffe oder Bestandteile der COVID-19-Vakzine.

Die Informationen über Anaphylaxie sollten nicht nur die Betroffenen, sondern auch deren Umfeld erreichen sowie die Ärzteschaft allgemein und auch andere Berufsgruppen wie Lehrer, Erzieher, Ernährungsfachkräfte, Psychologen, Apotheker und andere mehr. Es gibt weiter viel zu tun!

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Articles from Allergo Journal are provided here courtesy of Nature Publishing Group

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