Es besteht die Sorge, dass sich eine SARS-CoV-2-Infektion bei Leistungssportlern selbst bei geringen Beschwerden im Herzen manifestieren kann. Ein aktueller Bericht gibt Entwarnung, wenngleich nur wenige Athleten untersucht worden sind.
Wie wirkt sich eine SARS-CoV-2-Infektion bei Leistungssportlern aus? Eine Antwort darauf ist derzeit kaum möglich, da verschiedene Untersuchungen zu inkonsistenten Ergebnissen gekommen sind.
Ein aktueller Bericht gibt zumindest keinen Anlass zur Sorge - wenn sich die COVID-19-Erkrankung durch allenfalls milde bis moderate Beschwerden bemerkbar gemacht hat. Untersucht wurden für diese Analyse allerdings nur zwölf Wettkampfsportler (> 10 Trainingsstunden/Woche), die alle eine SARS-CoV-2-Infektion ohne größere Beschwerden überstanden hatten.
Kein einziger pathologischer MRT-Befund
Bei diesen Athleten konnten die Ärzte keine MRT-Veränderung feststellen, wenn man die Befunde mit denen anderer nach Alter und Geschlecht gematchter Elitesportler vergleicht. "Keiner der Athleten zeigte myokardiale oder perikaridale Ödeme oder ein pathologisches Late Gadolinum Enhancement (LGE, zur Darstellung von myokardialen Erkrankungen)", so die Autoren um Dr. Hajnalka Vago, Budapest.
Unterschiede zu gesunden Kontrollpatienten, die kein Training auf Leistungssport-Niveau absolvierten, gab es aber durchaus. Diese führten die Kardiologen jedoch auf ein trainingsinduziertes kardiales Remodeling zurück. So war der linksventrikuläre enddiastolische Volumenindex bei Sportlern mit zurückliegender COVID-19-Erkrankung im Schnitt zwar deutlich höher als bei gesunden Kontrollpersonen (100 vs. 85 ml/m²), aber nicht höher als bei anderen Eliteathleten (100 vs. 102 ml/m²).
Aufgrund der Ergebnisse sprechen sich die Forscher gegen eine routinemäßige Kardio-MRT-Untersuchung bei SARS-CoV-2-positiven Athleten aus. Bei Sportlern ohne oder nur mit milden Beschwerden, die keine Troponin-Erhöhung aufweisen, sei der Einsatz dieser Diagnostikmethode nicht zu unterstützen, wenn sie sich von der Erkrankung erholt haben.
Bedenken wegen früherer MRT-Untersuchungen
Einige Bedenken kamen auf, als in vergangenen MRT-Untersuchungen bei Leistungssportlern mit zurückliegender SARS-CoV-2-Infektion über Veränderungen am Herzen berichtet wurde. Eine Studie mit insgesamt 26 College-Athleten der Ohio State-Universität ist eine davon: Bei 15% der untersuchten Sportler haben sich nach der Infektion im MRT Veränderungen gezeigt, welche die Lake-Louis-Kriterien für eine Myokarditis erfüllen (Ödem im Sinne einer T2-Erhöhung plus nichtischämisches LGE). Bei weiteren acht Athleten (30,8%) ließ sich ein LGE ohne T2-Signal nachweisen.
In einer anderen Studie mit immerhin 56 Sportlern von der West Virginia-Universität, die ebenfalls eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht hatten, fanden sich danach bei über der Hälfte abnormale MRT-Zeichen: So wiesen 39,5% ein perikardiales Late Enhancement auf.
Worin sich die Studien unterscheiden
Warum sind die Ergebnisse so inkonsistent? Ein Blick auf das Design der Studien könnte die Unterschiede zumindest in einigen Punkten erklären. So hatten die Athleten in der aktuellen Untersuchung vor der MRT-Untersuchung keine besorgniserregenden Befunde - auch kein erhöhtes Troponin. In der Studie aus West Virginia dagegen wurde ein MRT bei den Sportlern nur dann vorgenommen, wenn auffällige EKG- oder Echo-Ergebnisse vorlagen, es gab also quasi ein Vorscreening. In der Ohio-Studie waren EKG/Echo und Troponin aller Sportler allerdings ebenfalls im Normbereich.
Ein weiterer Unterschied: In der aktuellen Analyse wurden fast nur Frauen untersucht (10 von 12), in der West Virgina-Studie dagegen überwiegend Männer (85%), in der Ohio-Studie waren es ebenfalls etwas mehr Männer (62%).
Des Weiteren waren die Abstände zwischen dem positiven SARS-CoV-2-Testergebnis und der MRT-Untersuchung in den jeweiligen Studien unterschiedlich, in der aktuellen Studie beispielsweise sind im Schnitt 17 Tage verstrichen, in der Analyse aus West Virginia 27 Tage. Das Alter der Athleten könnte ebenfalls eine Erklärung sein. Und schließlich spielt aufgrund der geringen Patientenzahlen wahrscheinlich auch der Zufall eine Rolle.
Alles in allem benötigt es also weitere prospektive Untersuchungen, um die Frage nach den kardialen Auswirkungen einer SARS-CoV-2-Infektion bei Leistungssportlern abschließend beantworten zu können.
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