Skip to main content
Springer Nature - PMC COVID-19 Collection logoLink to Springer Nature - PMC COVID-19 Collection
. 2021 Mar 11;169(5):426–431. [Article in German] doi: 10.1007/s00112-021-01147-3

Fieber bei pädiatrischen Reiserückkehrern

Fever in pediatric returning travellers

Rebecca L Knoll 1, Martin S Dennebaum 2,
PMCID: PMC7952080  PMID: 33727732

Abstract

Management and treatment of the febrile pediatric patient returning from a tropical country is often challenging. Detailed medical and travel history with an emphasis on possible exposure (e.g. fresh water exposure, animal contact etc.) as well as a complete physical examination are essential. Considering the possible incubation period and travel destination, the number of potential differential diagnoses can often be greatly reduced. While most infections are self-limiting and run an uncomplicated course, it is crucial to recognize potentially life-threatening infections and to treat them appropriately.

This article provides guidance for a rational approach and diagnostics with respect to fever in the context of differential diagnoses in tropical medicine in the pediatric patient collective.

Keywords: Infections; Incubation period, infectious disease; Children and adolescents; Malaria; Tropical medicine

Einleitung

Bei fiebernden Reiserückkehrern müssen mitunter viele in Mitteleuropa teils sehr seltene Erkrankungen in die differenzialdiagnostischen Erwägungen einfließen. Zugleich bedeutet ein exotisches Reiseland nicht automatisch eine exotische Erkrankung. Die weltweit vorkommenden Infektionserkrankungen wie Harnwegsinfektionen oder Pneumonien bedingen mindestens ein Drittel der fieberhaften Erkrankungen innerhalb der ersten 12 Monate nach Reiserückkehr und müssen daher stets mitbedacht werden [3, 8]. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich tatsächlich um eine tropenspezifische Erkrankung handelt, ist innerhalb der ersten 3 Monate nach Rückkehr aus dem Reiseland am höchsten. So manifestieren sich 98 % der Fälle einer Malaria tropica in diesem Zeitraum [5]. Lebensbedrohliche tropenspezifische Erkrankungen sind selten, müssen aber zügig diagnostiziert und therapiert werden. Im Zweifelsfall ist es daher empfehlenswert, sich frühzeitig Rat an einer Stelle mit tropenmedizinischer Expertise einzuholen (Tropeninstitute, Infektiologen).

Dabei muss das Reiseziel nicht weit entfernt sein: Vektoren wie die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) sind mittlerweile auch in Europa etabliert, und es kam bereits zu Ausbrüchen mit Dengue- und Chikungunyafieber in europäischen Urlaubsregionen wie Frankreich, Italien oder Kroatien. Das hämorrhagische Krim-Kongo-Fieber wird durch Zecken übertragen und ist u. a. in der Türkei endemisch.

Die Abklärung pädiatrischer Patienten unterscheidet sich nicht wesentlich von der Erwachsener. Wie andere Erkrankungen auch präsentieren sich tropentypische Erkrankungen bei Kindern teilweise allerdings anders als beim Erwachsenen. Beispielsweise sind typische Komplikationen einer Malaria tropica beim Kind schwere Anämien oder Krampfanfälle, während bei Erwachsenen Nieren- und Lungenversagen eine Malaria komplizieren können. Beim Typhus abdominalis, der durch Salmonella Typhi und Paratyphi verursacht wird, beoachtet man im Kindesalter häufiger Durchfall und Erbrechen oder im Säuglingsalter auch Meningitiden. [2]. Das Risiko z. B. von Tierbissen ist bei Kindern vergleichsweise erhöht, während sexuell übertragbare Erkrankungen wiederum selten sind.

Epidemiologie

In den Tropen und Subtropen sind die dort lebenden Kinder häufig die Hauptleidtragenden von Infektionserkrankungen. Bezogen auf die Gesamtpopulation sterben in diesen Regionen überproportional viele Kinder an Malaria, Dengue-Fieber und Typhus. Bei Reiserückkehrern tritt Fieber bei Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenen in etwa gleich häufig auf [7]. Lebensbedrohliche Erkrankungen sind insgesamt selten. Fieber stellt neben gastrointestinalen und kutanen Beschwerden das häufigste Symptom bei Kindern und Jugendlichen im Rahmen einer Erkrankung nach Aufenthalt in einem (sub)tropischen Land dar [7]. In Studien war Fieber nach der Rückkehr aus Subsahara-Afrika und Asien am häufigsten.

Von den Patienten, die sich zwischen 2007 und 2012 in der pädiatrischen Notaufnahme in Zürich mit dem Verdacht auf eine reiseassoziierte Erkrankung vorstellten, hatte die knappe Mehrheit (53 %) Verwandte bzw. Freunde im (sub-)tropischen Ausland besucht („visiting friends and relatives“, VFR, [11]). Die VFR-Reisenden sind einem größeren Risiko ausgesetzt, an Erkrankungen wie z. B. Malaria, Typhus, Parasitosen oder Tuberkulose zu erkranken, und zeigen häufig schwerere Verläufe [12]. Zudem hatten Kinder, die Verwandte bzw. Freunde im Ausland besuchten, seltener vor der Reise eine reisemedizinische Beratung erhalten [7].

Merke.

Besonders häufig sind VFR von tropenspezifischen Infektionserkrankungen betroffen.

Herangehensweise bei Fieber nach Reiserückkehr

Kommt man initial zu der Einschätzung, dass eine schwere Infektion bzw. Sepsis vorliegt, müssen umgehend supportive Maßnahmen ergriffen werden. Warnzeichen sind insbesondere Bewusstseinsstörung, Meningismus oder Blutungszeichen.

Infobox 1. Vorgehen beim kritisch kranken Kind. (Nach Thwaites und Day [12])

  • Supportive Maßnahmen

  • Falls Rückkehr aus einem Malariaendemiegebiet: umgehende Malariatestung (z. B. Antigenschnelltest in Kombination mit Ausstrich) und ggf. sofortiger Beginn mit der i.v.-Artesunat-Gabe

  • Erwäge kalkulierte antimikrobielle Therapie; bei der Auswahl sollten mögliche Pathogene des Reiselandes ebenso beachtet werden wie dort vorkommende Antibiotikaresistenzen

Im Rahmen einer großen Auswertung potenziell lebensbedrohlicher fieberhafter Erkrankungen bei Reiserrückkehrern durch alle Altersgruppen waren 77 % durch Malaria verursacht und 18 % durch Typhus [10]. Virale hämorrhagische Fieber stellen bei Reiserückkehrern eine absolute Rarität dar. Bei entsprechendem klinischem Verdacht (Blutungen an Haut und Schleimhaut, „capillary leakage“) müssen Isolationsmaßnahmen eingeleitet werden. Viele tropenspezifische Erkrankungen sind vektorübertragen und bedürfen daher keiner besonderen Isolationsmaßnahmen (z. B. durch Moskitos: Malaria, Dengue‑, Chikungunya‑, Zika‑, Gelb‑, West-Nil-Fieber usw.).

Ist das Kind zum Zeitpunkt der Vorstellung in stabilem Zustand, kann wie folgt weiter strukturiert vorgegangen werden.

Anamnese

Eine detaillierte Anamnese beinhaltet die Reiseroute und den Reisestil (Hotelurlaub vs. Reisen unter einfachsten Bedingungen) in zeitlichem Bezug zu den Symptomen. So kann die Inkubationszeit anhand des Symptombeginns in Bezug auf die frühest- bzw. letztmögliche Exposition kalkuliert werden. Eine Malaria ist bei einer Inkubationszeit < 6 Tagen, eine Dengue-Virus-Infektion bei einer Inkubationszeit > 21 Tagen so gut wie ausgeschlossen.

Eine Zusammenstellung wichtiger tropenspezifischer bzw. tropentypischer Differenzialdiagnosen durch die Kombination von Reiseregion mit der Inkubationszeit bietet Tab. 1.

Inkubationszeit Mittelmeerraum Süd- und Südostasien Subsahara-Afrika Karibik/Zentralamerika Südamerika
< 14 Tage Zeckenstichfieber, Chikungunya-, Dengue‑, West-Nil-Fieber, Leptospirose, Typhus, hämorrhagisches Krim-Kongo-Fieber Dengue-Fieber, Typhus, Chikungunyafieber, Tsutsugamushi-Fieber, Leptospirose Malaria (überwiegend Plasmodium falciparum), Zeckenstichfieber (Hauptfieberursache aus Südafrika), Dengue-, Chikungunyafieber, Typhus, Meningokokkenmeningitis, Rückfallfieber (Ostafrika) Chikungunya‑, Dengue-Fieber, Malaria (Hispaniola, überwiegend Plasmodium falciparum), Zika-Fieber, Typhus, Leptospirose, akute Histoplasmose Chikungunya‑, Dengue‑, Zika-Fieber, Leptospirose, Typhus, akute Histoplasmose
14 Tage bis 6 Wochen Brucellose, akute Schistosomiasis (Korsika) (Non-falciparum-)Malaria, Melioidose Akute Schistosomiasis (Katayama-Fieber), afrikanische Trypanosomiasis Malaria (vorwiegend Plasmodium vivax), Kokzidioidomykose Malaria (überwiegend. Plasmodium vivax), Oroya-Fieber
> 6 Wochen Brucellose, akute Schistosomiasis (Korsika), Leishmaniose (viszeral) Leishmaniose (viszeral), Melioidose Malaria (vorwiegend Plasmodium vivax) Leishmaniose (viszeral)

Häufige Erkrankungen sind fett ausgezeichnet. Da die Inkubationszeiten variieren, kommen Mehrfachnennungen vor, bzw. es wurde die Inkubationszeit angegeben, in der sich die Mehrzahl der Erkrankungen manifestiert

In diesem Zusammenhang sollten auch besondere Expositionen (Tab. 2) und erfolgte Prophylaxemaßnahmen erfragt werden. Wurden eine medikamentöse Malariaprophylaxe eingenommen und Repellents verwendet? Wie ist der Impfstatus? Bei Schutzimpfungen ist zu beachten, dass die Schutzrate sehr variiert: Während eine Gelbfieberimpfung einen guten Schutz bietet, schützen die aktuell verfügbaren Typhusimpfstoffe nur zu ca. 50 %.

Risikofaktor Erkrankung
Süßwasserkontakt Schistosomiasis, Leptospirose
Tierkontakt Tollwut, Q -Fieber, Leptospirose, Pest, Brucellose, Ornithose, Milzbrand, Tularämie
Kontakt mit Nagetieren Hantavirus-Infektionen, Lassa-Fieber, Pest
Genuss nichtpasteurisierter Milch Brucellose, Salmonellose, Tuberkulose
Zufuhr ungekochten Schweinefleisches u. a. Trichinose
Ungeschützte Sexualkontakte HIV-Infektion, Hepatitis B, Lues
Injektionen oder Transfusionen (Tattoo) HIV-Infektion, Hepatitis B und C, Malaria, Toxoplasmose, Chagas-Krankheit, Lues, Leishmaniose
Besuche in Höhlen Histoplasmose
Kontakt mit Zecken oder Milben Hämorrhagisches Krim-Kongo-Fieber, Zeckenstichenzephalitis (z. B. FSME), Rickettsiosen, Rückfallfieber, Lyme-Borreliose, Babesiose, Ehrlichiose

FSME Frühsommer-Meningoenzephalitis, HIV „human immunodeficiency virus“

Merke.

Auch eine regelrecht durchgeführte Malariaprophylaxe bietet keinen vollkommenen Schutz. So muss trotz eingenommener Chemoprophylaxe nach dem Aufenthalt im Endemiegebiet bei passender Inkubationszeit eine Malaria immer ausgeschlossen werden.

Da sich die geografische Verbreitung von Tropenerkrankungen u. a. infolge des Klimawandels dynamisch ändert, sollte auf die Aktualität von Verbreitungskarten Wert gelegt werden. Die Verbreitung der Malaria ist beispielsweise, jährlich aktualisiert, auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e. V. unter www.dtg.org frei zugänglich verfügbar. Während die Malaria in den letzten Jahren gerade in Asien deutlich zurückgedrängt werden konnte, kommt es in anderen Regionen zu Verschiebungen in bislang malariafreie Hochlandregionen, z. B. Ostafrika, Nepal oder Kolumbien oder zu einer Zunahme der Malariainzidenz infolge insuffizienterer Eindämmungsmaßnahmen (z. B. Venezuela). Hinweise zu aktuellen Ausbrüchen in den bereisten Regionen bietet beispielsweise die Internetseite www.healthmap.org. Insbesondere bei den Arbovirosen (Dengue‑, Chikungunya‑, Zika-Fieber) kommt es immer wieder zu Ausbrüchen mit entsprechend stark schwankenden Fallzahlen. Insgesamt hat die Bedeutung der Arbovirosen im Vergleich zu Malaria in den letzten Jahren zugenommen.

Bei der Verbreitung von Tropenkrankheiten muss zudem deren Saisonalität im jeweils besuchten Land mitberücksichtigt werden. In der Regenzeit ist eine Übertragung von Malaria wahrscheinlicher; in der Trockenzeit ist die Übertragung einer Meningokokkeninfektion in Subsahara-Afrika erhöht. Eine längere Reisezeit ist ebenfalls mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden.

Körperliche Untersuchung

Es wird ein vollständiger körperlicher Untersuchungsbefund erhoben (u. a. Lymphknoten, Hepatomegalie, Splenomegalie, Gelenkstatus, Meningismus). Ein Schwerpunkt liegt auf der kompletten Untersuchung der Haut (Exanthem, Eschar, Urtikaria, Roseolen etc.).

Der Fiebertyp kann im Einzelfall Hinweise auf den Erreger geben: Ein Kontinua-Fieber ist typisch für Typhus abdominalis; Malaria tertiana und quartana können im Verlauf rhythmisieren und zu Fieberschüben alle 48 bzw. 72 h führen. (Cave: Die gefährlichere Malaria tropica weist keine besondere Fieberrhythmik auf.)

Basisdiagnostik

  • Blutbild, einschließlich Differenzierung: Bei Malaria und Dengue-Fieber sind Thrombopenien typisch. Eine Eosinophilie kommt u. a. beim Katayama-Fieber vor (akute Schistosomiasis). Lymphozytäre Reizformen finden sich bei Epstein-Barr-Virus(EBV)-, Zytomegalievirus(CMV)-Infektion oder Toxoplasmose. Eine Panzytopenie ist ein Zeichen der viszeralen Leishmaniose;

  • Infektionsbiomarker: C‑reaktives Protein (CRP) und Prokalzitonin: Eine erhöhte Prokalzitoninkonzentration weist auf eine systemische bakterielle Infektion hin, kann aber auch bei Malaria vorkommen;

  • Transaminasen, Gammaglutamyltransferase (γ-GT), Bilirubin, Lipase, Kreatinin, Laktatdehydrogenase (LDH), Glucose, Urinstatus;

  • Blutkulturdiagnostik u. a. zum Nachweis von Typhus abdominalis, Urosepsis etc.;

  • Malariadiagnostik (s. oben/s. unten);

  • Serum asservieren, um ggf. im Verlauf eine Titerbewegung zu dokumentieren;

  • apparative Diagnostik: Thoraxröntgen, Abdomensonographie;

  • gerade bei fieberhaften Durchfallerkrankungen können Multiplex-Polymerase-Kettenreaktionen(Multiplex-PCR)-Untersuchungen aus dem Stuhl hilfreich sein (Nachweis von Campylobacter, Shigellen, Salmonella-Spezies), da sie deutlich schneller sind als die konventionelle Stuhldiagnostik.

Antibiotikaresistenzen nehmen weltweit zu. Dabei ist eine bemerkenswerte Korrelation zwischen niedrigem Bruttoinlandsprodukt und hohen Resistenzraten zu beobachten [1]. Bei Verdacht auf eine schwere bakterielle Infektion (z. B. Typhus) sollte die kalkulierte antibakterielle Initialtherapie an die Prävalenz von antibakteriellen Resistenzen im besuchten Land angepasst werden [12].

Da Malaria und auch das Dengue-Fieber mit einer teils deutlichen Thrombozytopenie einhergehen, sollten zum Fiebersenken keine Thrombozytenaggregationshemmer eingesetzt werden, sondern Paracetamol oder Metamizol.

Steckbriefe wichtiger Differenzialdiagnosen

Malaria

Malaria ist weltweit die häufigste tropische Ursache von Fieber bei Reiserückkehrern, insbesondere bei Reiserückkehrern aus Subsahara-Afrika [7].

Zwischen 2014 und 2019 wurden in Deutschland jährlich ca. 900 bis 1100 Malariapatienten behandelt [13]. Malaria kann schnell lebensbedrohliche Komplikationen entwickeln und muss bei einer Vielzahl von Begleitsymptomen differenzialdiagnostisch mitbedacht werden (u. a. auch bei fieberhaftem Durchfall, Husten oder neurologischen Zeichen).

Die Inkubationszeit der Malaria tropica (Plasmodium falciparum) beträgt zwischen 6 Tage und 6 Wochen, selten bis zu ca. 120 Tage. Bei Migranten (die in ihrer Kindheit eine Teilimmunität erworben haben) kann die Plasmodium-falciparum-Infektion auch noch nach Jahren manifest werden [6].

Eine Malaria muss bei Kindern und Jugendlichen mit Fieber unklarer Genese, die sich innerhalb der letzten 4 Monate in einem Malariaendemiegebiet aufgehalten haben, immer ausgeschlossen werden (beachte: bei Malaria tertiana und quartana bis zu 12 Monaten). Hierbei handelt es sich um eine Notfalldiagnostik, deren Ergebnis innerhalb weniger Stunden vorliegen muss. Bei weiterhin bestehendem Verdacht muss die Malariatestung zum sicheren Ausschluss nach 12–24 h zumindest einmalig wiederholt werden. Auch bei eingenommener Chemoprophylaxe ist eine Diagnostik auf Malaria bei entsprechender Symptomatik zu veranlassen [12].

Begleitsymptome der Malaria sind sehr unspezifisch [8]. So können z. B. grippeähnliche Symptome, Schwäche, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Husten, Ikterus, Blässe und Hepatosplenomegalie auftreten. Laborchemisch finden sich häufig eine Thrombozytopenie und eine LDH-Konzentrationserhöhung [6]. Kopf- und Gliederschmerzen sind bei Kindern seltener als bei Erwachsenen [8]. Kleinkinder sind besonders gefährdet, an einer schweren Malaria mit Anämie und zerebraler Beteiligung zu erkranken (Infobox 2, [6]). Bei Vorliegen eines Kriteriums der schweren, komplizierten Malaria ist die Erkrankung als lebensbedrohlich einzustufen und der Patient ggf. auf einer Intensivstation zu behandeln. Ist ein Kind homozygot von der Sichelzellerkrankung betroffen, ist die Malaria ebenfalls als schwer einzustufen.

Die antiparasitäre Therapie der unkomplizierten Malaria bei Kindern kann mithilfe von p.o.-verabreichtem Artemether/Lumefantrin oder Atovaquon/Proguanil erfolgen. Zur Therapie der schweren, komplizierten Malaria wird wie bei Erwachsenen auf i.v.-appliziertes Artesunat zurückgegriffen [6].

Infobox 2. Zeichen der schweren, komplizierten Malaria. (Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit [6])

  • Bewusstseinseintrübung, zerebraler Krampfanfall

  • Respiratorische Insuffizienz, unregelmäßige Atmung, Hypoxie

  • Spontanblutungen, disseminierte intravasale Gerinnung

  • Schocksymptomatik

  • Hypoglykämie (Glukosekonzentration <40 mg/dl)

  • Metabolische Acidose oder Lactatkonzentrationserhöhung (Bikarbonat < 15 mmol/ l, Lactat > 5 mmol/ l)

  • Hyperkaliämie (Kaliumkonzentration > 5,5 mmol/ l)

  • Schwere Anämie (Hämoglobinwert < 6 g/dl)

  • Niereninsuffizienz, Oligurie, Hämoglobinurie

  • Hyperparasitämie (>5 % der Erythrozyten sind von Plasmodium falciparum befallen bzw. >100.000 Parasiten/µl Blut bei Infektion mit Plasmodium knowlesi)

Merke.

Malaria ist weiterhin die bedeutsamste tropenspezifische potenziell lebensgefährliche Erkrankung bei Reiserückkehrern.

Dengue-Fieber

Das Dengue-Fieber ist eine von tagaktiven Moskitos übertragene Arbovirose und die häufigste tropische Ursache von Fieber bei Reiserückkehrern aus Südostasien, der Karibik oder Lateinamerika [5]. Neben hohem Fieber sind Übelkeit, Erbrechen, schwere Glieder- und Kopfschmerzen sowie ggf. ein Virusexanthem mögliche Symptome. Petechien nach Blutdruckmessung (Rumpel-Leede-Test) sowie Leuko- und Thrombopenie sind weitere Zeichen. Bauchschmerzen, Ödeme, mukosale Blutungen, Lethargie und Hepatomegalie können auf einen schweren Krankheitsverlauf hinweisen.

Circa 5 % der Patienten mit Dengue-Fieber entwickeln ein lebensgefährliches Krankheitsbild. Dieses ist durch ein ausgeprägtes Kapillarlecksyndrom mit möglicher Hämorrhagie (insbesondere gastrointestinalen Blutungen und Menorrhagie), einhergehender Hypovolämie und Kreislaufschock gekennzeichnet [5]. Klein- und Schulkinder haben ein erhöhtes Risiko [9]. Die Therapie erfolgt symptomatisch.

Typhus abdominalis

Der Typhus abdominalis ist eine hochfieberhafte Erkrankung (Kontinua-Fieber), die durch Salmonella enterica Subspezies enterica Serovar Typhi und Paratyphi hervorgerufen und fäkal-oral übertragen wird. Bei Kindern bleibt die Erkrankung häufig unspezifisch, während Jugendliche das klassische Krankheitsbild mit Fieber, Kopfschmerzen, Husten, Diarrhö, gefolgt von Obstipation, Bauchschmerzen, Roseolen, Hepatosplenomegalie, und eine fehlende Tachykardie trotz Fieber (relative Bradykardie) entwickeln können [4]. Die Inkubationszeit des Typhus beträgt zwischen 5 und 21 Tage. Bangladesch, Indien, Indonesien, Nepal, Pakistan und Vietnam sowie die Länder in Subsahara-Afrika haben die höchste Inzidenz weltweit. Typhus wird durch die positive Blutkultur diagnostiziert. Die antibakterielle Therapie wird zunehmend durch antibakterielle Resistenzen erschwert [5].

Schistosomiasis (Bilharziose)

Die Schistosomiasis wird durch Saugwürmer (Trematoden) nach Süßwasserkontakt in Endemiegebieten (v. a. Subsahara-Afrika; Tab. 1 und 2) verursacht. Die akute Schistosomiasis (Katayama-Fieber) geht 2 bis 12 Wochen nach Süßwasserkontakt mit Urtikaria, Fieber und Eosinophilie einher (Tab. 3; [5, 8]). Gastrointestinale bzw. urologische Symptome der Schistosomiasis treten später auf. Das Katayama-Fieber wird mithilfe der PCR aus dem Vollblut diagnostiziert, da die Serologie und der Parasitennachweis aus Stuhl- und Urinproben zu diesem Zeitpunkt häufig noch negativ sind. Die medikamentöse Therapie erfolgt mit p.o.-verabreichtem Praziquantel [5].

Begleitsymptome Differenzialdiagnosen
Fieber und Hautausschlag Dengue‑, Chikungunya‑, Zika-Fieber, Masern, Rickettsiosen (teils mit Eschar), Typhus, Waterhouse-Friderichsen-Syndrom, akute HIV-Infektion, Windpocken
Fieber und Bauchschmerzen Typhus, Amöbenleberabszess
Fieber und Diarrhö Campylobacter-Infektion, Shigellose, Malaria
Fieber bei normalen Leukozyten oder Leukopenie Dengue-Fieber, Malaria, Rickettsiosen, Typhus, Chikungunya‑, Zika-Fieber, akute HIV-Infektion
Fieber und Hämorrhagie Virale hämorrhagische Fieber (schweres Dengue‑, Gelb‑, Ebola‑, Lassa-Fieber), Waterhouse-Friderichsen-Syndrom, Leptospirose, Rickettsiosen, Oroya-Fieber (Bartonellose)
Fieber und Arthralgie oder Myalgie Chikungunya‑, Dengue‑, Zika-Fieber, Ross-River-Virus-Infektion, Trichinellose, Sarkozystose, Malaria
Fieber und Eosinophilie Akute Schistosomiasis, medikamenteninduziert, Fasziolose, Sarkozystose, Trichinellose, Strongyloidose
Fieber und pulmonale Symptome/Infiltrate Influenza und sonstige ubiquitär vorkommende virale und bakterielle Erreger, Legionellose, Tuberkulose, Q‑Fieber, Leptospirose, akute Schistosomiasis, Malaria, „Middle East respiratory syndrome“, akute Histoplasmose oder Kokzidioidomykose, Psittakose, Melioidose, Lungenpest
Fieber und Bewusstseinsstörung/ZNS-Beteiligung Zerebrale Malaria, arbovirale Enzephalitiden (z. B. Japanische Enzephalitis, West-Nil-Virus-Infektion), Meningokokkenmeningitis, Tollwut, Afrikanische Trypanosomiasis, Tsutsugamushi-Fieber, Zeckenstichenzephalitis (z. B. Frühsommer-Meningoenzephalitis)
Fieber und Ikterus Akute virale Hepatitis (A, B, C, E), Gelbfieber und andere hämorrhagische Fieber, schwere Malaria, Leptospirose
Mononukleoseähnliche Krankheitsbilder Epstein-Barr-Virus‑, Zytomegalievirusinfektion, Toxoplasmose, akute HIV-Infektion
Persistierendes Fieber > 2 Wochen Malaria, Typhus, Epstein-Barr-Virus‑, Zytomegalievirusinfektion, Toxoplasmose, HIV-Infektion, akute Schistosomiasis, Brucellose, Tuberkulose, Q‑Fieber, viszerale Leishmaniose; Cave: nichtinfektiöse Ursachen mitbedenken
Fieber mit Beginn > 6 Wochen nach Reise Plasmodium-vivax- oder Plasmodium-ovale-Malaria, akute Hepatitis B, C oder E, Tuberkulose, Amöbenleberabszess, Melioidose, Afrikanische Trypanosomiasis

HIV „human immunodeficiency virus“, ZNS Zentralnervensystem

Rickettsiosen

Rickettsiosen werden durch verschiedene Bakterien der Ordnung Rickettsiales ausgelöst und hauptsächlich über Ektoparasiten (Läuse, Flöhe, Milben, Zecken) übertragen. Dazu gehören Rickettsia africae (Afrikanisches Zeckenstichfieber), R. conorii (Mittelmeer-Zeckenfleckfieber), R. rickettsii (Rocky-Mountain-Fleckfieber), Orientia tsutsugamushi (Japanisches Flussfieber) und R. typhi (endemischer Typhus, [5]).

Die Diagnose erfolgt meist klinisch. Mögliche Symptome umfassen neben Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit und Fotophobie [8]. Häufig finden/findet sich ein Exanthem und/oder ein Eschar an der Biss- bzw. Stichstelle mit regionaler Lymphknotenschwellung. Je nach Erreger kann die Erkrankung schwere Verläufe nehmen und fatal enden. Tetrazykline stellen die Therapie der Wahl dar [5].

Fazit für die Praxis

  • Die Gruppe der „visiting friends and relatives“ (VFR) ist überproportional häufig von tropenspezifischen Erkrankungen betroffen und erleidet häufiger schwerere Verläufe.

  • Durch die Kombination von Inkubationszeit und Herkunftsland lassen sich die Differenzialdiagnosen häufig bereits wesentlich einschränken.

  • Die häufigsten allgemeinen Fieberursachen in der Pädiatrie (wie z.B. Atemwegs- oder Harnwegsinfektionen) dürfen nicht außer Acht gelassen werden.

  • Die Bedeutung der Malaria ist bei Reiserückkehrern weiterhin überragend.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

R.L. Knoll und M.S. Dennebaum geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Für diesen Beitrag wurden von den Autoren keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.

Literatur

  • 1.Alvarez-Uria G, Gandra S, Laxminarayan R. Poverty and prevalence of antimicrobial resistance in invasive isolates. Int J Infect Dis. 2016;52:59–61. doi: 10.1016/j.ijid.2016.09.026. [DOI] [PubMed] [Google Scholar]
  • 2.Bhutta ZA. Impact of age and drug resistance on mortality in typhoid fever. Arch Dis Child. 1996;75:214–217. doi: 10.1136/adc.75.3.214. [DOI] [PMC free article] [PubMed] [Google Scholar]
  • 3.Bottieau E, Clerinx J, Schrooten W, Van den Enden E, Wouters R, Van Esbroeck M, Vervoort T, Demey H, Colebunders R, Van Gompel A, Van den Ende J. Etiology and outcome of fever after a stay in the tropics. Arch Intern Med. 2006;166:1642–1648. doi: 10.1001/archinte.166.15.1642. [DOI] [PubMed] [Google Scholar]
  • 4.Bula-Rudas FJ, Rathore MH, Maraqa NF. Salmonella infections in childhood. Adv Pediatr. 2015;62:29–58. doi: 10.1016/j.yapd.2015.04.005. [DOI] [PubMed] [Google Scholar]
  • 5.Centers for Disease Control and Prevention . CDC yellow book, health information for international travel. New York: Oxford University Press; 2019. [Google Scholar]
  • 6.DTG . Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Malaria. 2016. pp. 1–32. [Google Scholar]
  • 7.Hagmann S, Neugebauer R, Schwartz E, Perret C, Castelli F, Barnett ED, Stauffer WM. Illness in children after international travel: analysis from the geosentinel surveillance network. Pediatrics. 2010 doi: 10.1542/peds.2009-1951. [DOI] [PubMed] [Google Scholar]
  • 8.Halbert J, Shingadia D, Zuckerman JN. Fever in the returning child traveller: approach to diagnosis and management. Arch Dis Child Educ Pract Ed. 2014;99:938–943. doi: 10.1136/archdischild-2012-303196. [DOI] [PubMed] [Google Scholar]
  • 9.Halstead SB, Dans LF. Dengue infection and advances in dengue vaccines for children. Lancet Child Adolesc Health. 2019;3:734–741. doi: 10.1016/S2352-4642(19)30205-6. [DOI] [PubMed] [Google Scholar]
  • 10.Jensenius M, Han PV, Schlagenhauf P, Schwartz E, Parola P, Castelli F, von Sonnenburg F, Loutan L, Leder K, Freedman DO. Acute and potentially life-threatening tropical diseases in western travelers — a GeoSentinel multicenter study, 1996-2011. Am J Trop Med Hyg. 2013;88:397–404. doi: 10.4269/ajtmh.12-0551. [DOI] [PMC free article] [PubMed] [Google Scholar]
  • 11.Leuthard D, Berger C, Staubli G, Nadal D, Schmid S, Hamer D, Weber R, Schlagenhauf P. Management of children with travel-related illness evaluated in a pediatric emergency room. Pediatr Infect Dis J. 2015;34:1279–1282. doi: 10.1097/INF.0000000000000890. [DOI] [PubMed] [Google Scholar]
  • 12.Thwaites GE, Day NPJ. Approach to fever in the returning traveler. N Engl J Med. 2017;376:548–560. doi: 10.1056/nejmra1508435. [DOI] [PubMed] [Google Scholar]
  • 13.Robert Koch-Institut SurvStat@RKI 2.0. https://survstat.rki.de. Zugegriffen: 11. Febr. 2021

Articles from Monatsschrift Kinderheilkunde are provided here courtesy of Nature Publishing Group

RESOURCES