Wenn mitten in der Pandemie vom Impfen die Rede ist, stehen Vakzine gegen SARS-CoV-2 im Fokus. Die Pneumokokkenimpfung sollte dabei aber nicht aus dem Blick geraten. Denn Inzidenz und Mortalität der Pneumokokkenpneumonie vor allem unter Senioren liegen erschreckend hoch.
Was das Lesen von Inzidenzahlen betrifft, sind die Bundesbürger in der Coronapandemie zu leid- geprüften Experten geworden. Eine Zahl von 178/100.000 dürfte daher allgemein Schrecken verbreiten. Allerdings gibt sie nicht Infektionen mit SARS-CoV-2 wieder. Sie steht für die hiesige Inzidenz der Pneumokokkenpneumonie bei Menschen ab 60 Jahren [1]. Ab einem Alter von 65 steigt sie sogar auf 213/100.000. Und auch die Mortalität ist hoch: 24/100.000 ab 60 und 30/100.000 ab 65 Jahren.
Die STIKO-Empfehlung wird wenig beachtet
Mit Blick auf diese Zahlen erstaunt es, wie wenig der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) gefolgt wird. Sie empfiehlt allen Personen ab 60 Jahren die Pneumokokkenimpfung, zu wiederholen mindestens alle sechs Jahre. Tatsächlich geimpft waren Stand 1. Quartal 2020 in dieser Altersgruppe aber nur 24,2% der Menschen [2]. Mit dem Alter nimmt die Quote zwar zu, von 6,0% bei den 60-Jährigen auf 40,4% bei den 72-Jährigen. Insgesamt sind die Quoten aber eher gering.
Die Vulnerabilität durch Pneumokokkeninfektionen gerade in höheren Altersgruppen geht zurück auf die Abnahme der immunologischen Abwehrfähigkeit und die Zunahme chronischer Erkrankungen. Impfen täte also not, und Impfen wirkt. In einer Übersichtsarbeit verweist Roger Thomas von der Cumming School of Medicine der Universität Calgary, Kanada, auf einschlägige Studien zur Wirksamkeit der Impfung. Hiernach liegt die gepoolte Effektivität in randomisierten und kontrollierten Studien bei 73% mit Blick auf invasive Pneumokokkenerkrankungen und bei 64% für die Pneumokokkenpneumonie [3].
Neben dem Rat, Grunderkrankungen von Herz, Lunge, Nieren und Leber zu behandeln, empfiehlt Thomas, auch hinsichtlich der Infektionen mit Pneumokokken zur Vorbeugung die bekannten und derzeit auch aus anderen Gründen populären Hygieneregeln einzuhalten. Das Impfen von Pflegenden und Familienmitgliedern von Patienten, die in Betreuungseinrichtungen untergebracht sind, gehört ebenfalls zu den präventiven Maßnahmen.
Literatur:
- 1.Mitteilung der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut. Epid Bull 36/2016, S. 359
- 2.Impfquoten bei Erwachsenen in Deutschland. Epid Bull 47/2020, S.10
- 3.Thomas R. Geriatrics 2021; doi: 10.3390/geriatrics6010013

