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. 2021 Mar 29;21(2):47. [Article in German] doi: 10.1007/s15027-021-3485-5

Eine Monsterpille zur Prophylaxe bei Herzgesunden

Heinrich Holzgreve 1,
PMCID: PMC7966895

Die langfristige Gabe einer Polypille mit einem Statin, mehreren Antihypertensiva und Acetylsalicylsäure (ASS) kann bei herzgesunden Personen zukünftige kardiovaskuläre Erkrankungen verhindern.

In der doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Studie erhielten 5.713 herzgesunde Personen mit mittelgradigem kardiovaskulärem Risiko entsprechend einem faktoriellen 2:2:2-Design täglich eine der folgenden Therapien:

  • die Polypille (40 mg Simvastatin, 100 mg Atenolol, 25 mg Hydrochlorothiazid, 10 mg Ramipril) oder Placebo,

  • die Polypille und zusätzlich 75 mg ASS oder Placebo,

  • ASS allein oder ASS-Placebo.

Als kombinierter Endpunkt dienten kardiovaskuläre Todesfälle und nicht tödliche Komplikationen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Reanimation nach Herzstillstand, Herzinsuffizienz und koronare Revaskularisierung.

Nach einer Dauer von 4,6 Jahren führten alle drei Vergleiche, nämlich Polypille versus Placebo, ASS versus Placebo und Polypille plus ASS versus Placebo zu einer jeweils deutlichen Reduktion der Endpunkte um 21 %, 14 % bzw. 31 % (Tab. 1) und mit wenigen Ausnahmen der einzelnen Komplikationen. Allerdings weisen die Autoren darauf hin, dass infolge der mehrfachen Analysen die üblichen Vertrauensgrenzen nicht anwendbar sind.

kardiovaskuläre Endpunkte Risikoreduktion
Polypille vs. Placebo 126 (4,4 %) 157 (5,5 %) -21 %
ASS vs. Placebo 116 (4,1 %) 134 (4,7 %) -14 %
Polypille + ASS vs. Placebo 59 (4,1 % ) 83 (5,8 %) -31 %

Erwartungsgemäß und als Voraussetzung des Nutzens verbesserten sich in den Verumgruppen die bekannten Risikofaktoren: Das LDL-Cholesterin sank um 19 mg/dl, und der systolische Blutdruck um 5,8 mmHg.

Die bekannten Nebenwirkungen der Medikamente und Therapieabbrüche wegen Unverträglichkeit (Verum 5,4 % bzw. Placebo 3,9 % ) hielten sich in engen Grenzen. Doch immerhin 40 % der Patienten beendeten die Therapie vorzeitig, teils als Folge von COVID-19-Beschränkungen.

Yusuf S et al. Polypill with or without Aspirin in Persons without Cardiovascular Disease. N Engl J Med. 2021;384:216-28

Kommentar

Kardiovaskuläre Risikofaktoren korrelieren über einem weiten Bereich mit der Häufigkeit kardialer, zerebraler, renaler und vaskulärer Komplikationen. Das Konzept der Polypille, d. h. der Kombination mehrerer Medikamente, beruht auf der plausiblen Annahme, dass die Senkung möglichst vieler Risikofaktoren, unabhängig von ihrer Ausprägung, auch im Normalbereich und auch bei noch Herzgesunden die Häufigkeit der Folgeerkrankungen reduziert. In der vorliegenden Studie beträgt diese Risikoreduktion für ASS und Polypille jeweils allein 14 % bzw. 21 %, kombiniert 31 %.

Zweifellos bestätigt die vorliegende Studie das Konzept der Polypille: Auch Herzgesunde profitieren von einer Polypille mit drei Antihypertensiva, einem Lipidsenker und ASS. Doch zu welchen Bedingungen? 1.000 Personen müssen mit der Polypille (in teils hohen Dosierungen) und ASS 4,6 Jahre lang behandelt werden, damit 17 schwere kardiale Komplikationen verhindert werden. Wie soll ich einer Person, die beschwerdefrei zur Vorsorge in die Praxis kommt und keinen krankhaften Befund hat, erklären, dass sie fortan täglich fünf Medikamente einnehmen soll?

Prof. Dr. med. Heinrich Holzgreve.

Internist, München


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